Traumschiff Teil 143

Traumschiff 143

So, nach langer Zeit ein Up Date, kürzer, als sonst, aber so werden die Fortsetzungen in Zukunft immer sein.

Tag eins im zweiten Camp…  Besuch… Obduktionsergebnis… Spuren… Ehre, schon wieder… happy Teens

Lex, Sonntag, 10.07. am späten Nachmittag um 19:00 Uhr, mit Ralf im Sommercamp zwei bei Remmers im Park, jetzt im Baumhaus sitzend, nachdenklich.

„Was ist los, was liest du da?“ will Ralf von mir wissen.

„Tante Lis hat mir vorhin einen Brief vom Gericht in Koblenz gegeben. Es ist eine Vorladung, ich soll als Zeuge im Prozess gegen meinen Vater aussagen“, sag ich, „als wir mit den Anderen beim neuen Pool waren, hat sie ihn mir gegeben.“

Nachdem hier vor Ort relativ schnell alles aufgebaut war, sind wir zum neuen Pool gelaufen, um Spaß im Wasser zu haben. Ein paar Leute unter Oles Führung und Martin und Kai haben die restlichen Arbeiten übernommen und weiter fertig aufgebaut.

Der Spaß ist mir beim Lesen des Absenders gerade vergangen, aber es war ja zu erwarten, dass da noch was vom Gericht kommt. Jerome und Sergej hatten gerade die Zwillinge auf dem Arm und wollten mit ihnen in den Pool, als Tante Lis mich rief und mir dann den Brief gab.

Ich müsste mich mal langsam ummelden, damit die Post direkt zur WG kommt. Ralf hat das für sich schon getan und die meisten anderen Bewohner auch. Dirk und ich sind wohl die Letzten, die das noch machen müssen.

Die zwei kleinen Jungs entwickeln sich sehr gut, was in diesem Umfeld mit viel Liebe und Fürsorge kein Wunder ist. Ich denke, das nicht das Geld, sondern die Liebe von allen um sie herum die beste Voraussetzung für eine gute Entwicklung ist.

Jerome und Natascha wollen, das ihre Brüder in einen Kindergarten und danach in eine öffentliche Regelschule gehen sollen, damit sie von klein auf Freunde haben und nicht erst im fortgeschrittenen Alter erfahren, wie wichtig echte Freunde sind.

Ich kann das schon nachvollziehen, so als immer fast normaler Schüler. Von der Zeit in England mal abgesehen, war ich auch immer ein ganz normaler Schüler, der allerdings alle zwei bis drei Jahre in eine andere Stadt und damit auch in eine neue Schule umziehen musste, weil der Alte mal wieder versetzt wurde.

Das war immer irgendwie Scheiße, weil man alle Freunde verlor, aber es war halt immer wieder so. Mein jetziges Leben ist um soo vieles besser und Kevin und Wolfi bleiben für immer meine Helden und Retter.

Lis, Sonntag, 10.07. 19:10 Uhr, in der Nähe des Pools, mit den Zwillingen im Wagen unterwegs
Mir gefällt das, das jetzt alle hier bei uns campen und auch wenn der Auslöser für den Umzug hierher zu uns sehr heftig war, vor allem für die zwei jüngsten Mitglieder der Gruppe. Irene und Ulf sind gleich heute nach dem Eintreffen der Jungs her gekommen, wollten den Philipp und auch seinen Freund Ronny mit nach Hause nehmen.

Aber die zwei wollten hier mit den Anderen weiter zelten und alle kümmern sich umeinander. as wird auch das Beste sein, was wir jetzt tun können, finden wir, Carl August und ich. Da es sich bei dem Toten nicht um einen Bekannten oder einen Freund handelt, dürften beide, vor allem aber Philipp, über den anfänglich sehr heftigen Schock, hier im Kreise ihrer vielen Freunde, bestimmt am besten hinweg kommen.

Der Umzug und der Aufbau hier hat mit Kai und Martins Hilfe schnell und reibungslos geklappt und wenn auch das ein oder andere noch nicht ganz fertig ist, wird es heute Abend zur Schlafenszeit so sein, als wäre es schon immer hier bei uns gewesen.

Jeremys Opa ist auch eine Tour mit dem großen Traktor und einem großen Hänger gefahren, so dass es relativ flott ging mit dem Umzug hier her zu uns aufs Grundstück. Philipp und Ronny scheinen soweit OK und sind voll mit dabei, alles hier ein zu richten.

Martin kommt gerade mit dem Stromaggregat, das auf dem Hänger von Heinz, unserm Gärtner steht und mit Kai zusammen installiert er alles und dann dürfte es ja auch bald fertig sein.
Die meisten wollen jetzt offensichtlich in den Pool, denn mit Handtüchern beladen gehen sie Richtung hinters Haus, während Ole und Jerome noch mal nachschauen, ob das Camp jetzt OK ist. Auch Martin und Kai scheinen jetzt soweit fertig zu sein.

Die zwei Kleinen sind aufgewacht und haben offensichtlich Hunger und auch frische Windeln sind wohl an der Reihe, also werde ich mal reingehen und die zwei frisch machen und füttern.

„Mama?“, Natascha ist zu mir gekommen: „Dürfen wir Mädels mit den zwei Kleinen rum fahren und sie auf einer Decke krabbeln lassen, bitte?“

„Sie müssen jetzt frisch gemacht und gefüttert werden!, sag ich.

„Dürfen wir Mädels mit und helfen?“, fragt sie.

„Du bist nicht etwa schwanger?“ frag ich grinsend.

„Mama, nein, was soll der Quatsch, die Mädels und ich wollen uns etwas ablenken und auch helfen. Die zwei Jungs sind halt so süß, ich kann das zwar täglich haben, aber Marie, Anke und Sigrid eben nicht und sie wollen halt mal dabei sein“, sagt sie.

Zusammen gehen wir über die Terrasse ins Haus, um die zwei Kleinen fertig zu machen.

Herbert Rohleder, Sonntag, 10.07. 20:45 Uhr, im Präsidium, Abteilung „Delikte am Menschen“, früher als Mordkommission bekannt.

Der Fund der Leiche da draußen im Wald hat meinen Sonntag nicht wirklich besser gemacht. Sonntags ist so was echt Kacke, da es nicht so leicht ist, Leute zu finden, die bei so was gut mit arbeiten, das ist nicht immer einfach.

Ermittler, Spurenfachleute und auch Pathologen haben auch Wochenende und es ist immer auch etwas Glück dabei, die richtigen Spezialisten zu finden an einem Sonntag. Die Leiche zu obduzieren, wird kein Vergnügen sein und ist bestimmt eine kriminalistische Herausforderung, der sich unser Dr. Klingmann stellen muss.

Ich beneide ihn nicht. Bei allem Schreck und Schock haben alle da draußen sehr umsichtig gehandelt und Ole und Jerome haben alles richtig gemacht. Einer meiner Mitarbeiter, Karlo Finkbeiner und ich werden jetzt alle Vermisstenanzeigen der letzten vier Wochen durchsuchen und schauen, ob da eine Beschreibung dabei ist, die zu dem Toten passt.

Das kann dauern, da gerade im Sommer die meisten Vermisstenanzeigen eingehen. Ich führe das auf das meist gute Wetter und die Ferienzeit zurück und viele sind einfach nur mal so abgehauen.
Wir haben die Meldungen aufgeteilt und schauen jetzt alles durch. Ich habe sieben Meldungen, die aber nicht zum Opfer passen. Dr. Klingmann hat gleich gesagt, das der Tote aus der östlichen Mittelmeerregion zu stammen scheint oder zumindest seine Eltern.

Das lässt bei mir immer den Gedanken an einen sogenannten Ehrenmord auf kommen, das hatten wir schon öfter mal und wenn das so ist, werden wir kaum eine Vermisstenanzeige finden. Ein paar Fernschreiben an umliegende Polizeistationen bereiten wir vor und versenden sie. Mal sehen, ob da was kommt.

Heute, am Sonntag wird es wahrscheinlich nichts bringen und Morgen ist ja dann auch mehr über die Leiche bekannt und dann sind auch alle wieder im Dienst, dann läuft eher was, denk ich.
Keiner beschwert sich, als ich allen sage, dass die, die keinen regulären Dienst haben heute, jetzt heim gehen können. Morgen geht es dann weiter, mit Erfolg, hoffe ich. Carl August rufe ich noch kurz an und sage ihm, dass wir jetzt die Ergebnisse der Obduktion abwarten müssen und erst Morgen weiter machen können,

Dr. Klingmann, der Pathologe, ist leider ausgenommen. Er wird wohl noch einige Stunden mit den sterblichen Überresten eines jungen Lebens zu tun haben und hoffentlich viele wichtige Erkenntnisse sammeln, die uns in diesem nicht einfachen Fall helfen könnten.

Bei der Obduktion geht es darum, den allgemeinen Gesundheitszustand der Person vor Eintritt des Todes ab zu schätzen. Die Suche nach der Todesursache ist natürlich der wesentliche Teil. Hier muss geklärt werden, ob die Person zum Zeitpunkt der erfolgten Strangulierung schon tot war oder ob das Aufhängen den Tod herbei geführt hat.

Das kann der Pathologe sehr schnell fest stellen und ein Anruf bei Dr. Klingmann klärt das nun auch für mich. Der junge Mann, etwa 20 Jahre alt, war bereits tot, als man ihn dort hin gehängt hat.

Das führt bei mir zu der Erkenntnis, dass der Fundort wahrscheinlich nicht auch der Tatort des Mordes, davon gehe ich nun aus, sein muss. Man wird den Ermordeten wohl in das abgelegene und relativ dichte Waldstück gebracht haben in der Hoffnung, dass er erst dann gefunden wird, wenn er vollständig skelettiert ist oder das er auch gar nicht gefunden wird.

Das ist ja nun gerade nicht passiert und ich hoffe, das uns die relativ frühe Entdeckung des Toten eine mögliche Aufklärung ermöglicht. So, jetzt ist aber endgültig Schluss für heute. Ein kurzer Anruf bei Carl August noch, dann geht es nach Hause.

Carl August, Sonntag, 10.07. 2011, 20:35 Uhr, in seinem Arbeitszimmer

Gerade habe ich einen Anruf von Herbert Rohleder bekommen mit ersten, wagen, Erkenntnissen über den gefundenen Toten. Es handelt sich wohl um einen circa zwanzig Jahre jungen Mann, der oder dessen Eltern aus südosteuropäischen Regionen stammt und der wohl zum Zeitpunkt des Aufhängens dort vor Ort bereits tot war.

Das ist der gegenwärtige Wissensstand, mehr muss noch ermittelt werden. Ich werde gleich runter gehen zum Camp und die Leute über den Sachstand aufklären. Hoffentlich kommt Philipp mit der Situation zurecht. Jeremys Psychologe wird sich nun wohl auch um den Jüngsten von allen kümmern, Ulf hat das wohl schon, zusammen mit Jeremys Mama geregelt.

Jeremy ist von diesem Otto ganz begeistert jetzt, obwohl das am Anfang mit den Beiden nicht so gut lief. Irene war mal wieder etwas ängstlich, wohl auch, weil Philipp nicht ihr leiblicher Sohn ist und sie befürchtet wohl Reaktionen der unschönen Art von seitens der leiblichen Mutter.

Außer dem fahren sie, Ulf und die Oma in der nächsten Woche an den Gardasee in Urlaub, während die Jungs hier bleiben und wahrscheinlich weiter zelten werden hier bei uns.
Dass sie jetzt alle hier sind und Lis und ich sie ja dann auch in der Nähe haben, beruhigt Irene schon. Das wird schon klappen, denk ich. So, jetzt gehe ich mal zum Zeltlager und gebe dort den Sachstand der bisherigen Ermittlungen bekannt, das hat Herbert so erlaubt.

Unten rufe ich kurz alle Anwesenden zusammen. Einige sind allerdings noch im Pool und somit nicht greifbar. Denen kann Ole ja dann alles bisher Bekannte erzählen. Ich denke, dass alle in ein paar Minuten herkommen werden, denn Enrico und Noah haben gute Sachen auf dem Grill und Jeremy hat wohl das Fleisch und die Salate von seiner Oma mitgebracht.

Es duftet ganz doll und man kriegt nur vom Riechen schon richtig Hunger. Ole lädt mich, Lis und auch Oma und Frieda zum Mitessen und am anschließenden Lagerfeuer mit Gesang von Kevin, Ralf und Robin ein und ich denke, das wir uns für ein Stündchen dazu setzen werden.

Wenn dann die zwei Kleinen ins Bett müssen, lassen wir die jungen Leute wieder allein. Lis lässt die Zwillinge immer etwas länger auf, weil sie dann bis etwa 7:00 Uhr durch schlafen und keiner von uns in der Nacht aufstehen muss.

Beide haben schon recht gut zu genommen und gewachsen sind sie auch. Im Gegensatz zum Aufwachsen der zwei großen Kinder kriege ich jetzt ja auch viel mehr mit vom dem Hineinwachsen ins Leben und jeden Tag erfreut es mich mehr.

Oma und Frieda sind kaum zu bremsen, wenn es darum geht, bei den Kleinen zu helfen. Oder mit Ihnen herum zu cheesen .Oma hat sogar für die Protzkiste einen extra englischen Zwillingskindersitz besorgt, was wohl nicht einfach und auch nicht billig war.

Allein das Logo des Herstellers darauf hat schon einiges gekostet und Frieda hat was von über 2.000,- Euro genuschelt, als ich nach dem Preis gefragt habe. Nobel, sag ich, aber ob das auch nötig war?

Für die ein bis zweimal im Monat, wo die Zwerge in der Protze herum kutschiert werden……na ja, Mutter meint es gut und auf den Cent brauchen die beiden Damen ja nun auch nicht zu schauen.

Martin hat über der Garage die Glocke vom ersten Schiff meines Vaters gefunden und hat die, mit meiner Zustimmung, im Camp auf gehängt, als Signal und Ole läutet gerade wohl das Essen ein, etwas später als vorgesehen aber der ganze Umzug, so Hals über Kopp, das war ja so nicht vorhersehbar.

Gut, dass es eine Ausweichmöglichkeit gibt, die so schnell und problemlos genutzt werden kann. Jeremys Mama ist auch hergekommen, wohl um mit den jungen Leuten zu essen, was ja alles draußen am Waldsee passieren sollte.

Sie kommt jetzt, mit Oma und Frieda, Lis kommt mit dem Kinderwagen, die Poolbenutzer folgen ebenfalls, so dass das große Essen gleich beginnen kann. Martin, Kai und der Fiffi sind auch auf dem Weg zu uns.

Philipp lacht und albert mit seinem Ronny und mit Robin und es hat den Anschein, dass er das Erlebte schon ein wenig verdrängt hat. Einen größeren psychischen Schaden wird er wohl nicht haben, denk ich.

Es war halt ein Riesenschreck und auch etwas, mit dem niemand rechnen konnte. Er wird darüber hinweg kommen, Hilfe hat er ja genug und mit Ronny ja auch jemanden, der sich kümmert und der ihn bestimmt auch aufmuntert.

Ole, Sonntagabend, 21:30 Uhr im Camp, nach dem Essen.

Jetzt, da alle wohl satt sind, wollen unsere Musikanten ein bisschen aufspielen. Vorher werde ich noch kurz berichten, was Carl August mir in Bezug auf die laufenden Ermittlungen gesagt hat.
Da alle bereits um das von Frank und Tom gemachte Lagerfeuer sitzen, stehe ich auf, zum Zeichen, das es noch etwas zu sagen gibt, bevor die Sänger los legen können. Nach dem Ruhe eingetreten ist, beginne ich und berichte kurz über Herberts Anruf.

Ich wiederhole nochmal Herberts Anordnung, nichts ins Internet zu posten und auch sonst niemandem außerhalb des Freundeskreises etwas zu erzählen. Dann geht es zum gemütlich und romantischen Teil über und es wird dann auch was getrunken.

Das Ereignis heute Morgen dort im Wald wird wohl von allen etwas verdrängt, es wird gelacht, oft über Torsten Sprüche, aber auch Paul und Rolf haben so manchen Witz auf Lager. Allen scheint es gut zu gehen.

Dr. Klingmann, Sonntag, 10.07. abends spät um 22:45 Uhr in der Gerichtsmedizin
So, für heute reicht es mir, das wesentliche ist gemacht. Im Labor ist eh keiner mehr, also kann ich Blut, Mageninhalt und auch die Maden nicht mehr analysieren lassen, da aber die Maden zum Teil schon am verpuppen sind, gehe ich vorläufig davon aus, das der Leichnam etwa sieben bis zehn Tage dort gehangen haben muss.

Eine wesentliche Erkenntnis ist, das der Tote nicht im lebenden Zustand gehängt wurde und so hoffe ich, da ich bisher keine Stich oder Schusswunden gesehen habe, das sein Blut Auskunft über die wahre Todesursache geben wird.

Den Schädel werde ich erst Morgen früh öffnen und dann ist ja auch eine schnelle Analyse des Bluts und des Mageninhaltes möglich. Aus einem der Kühlfächer, ein leeres, versteht sich, hole ich eine Flasche mit Bommerlunder, Eis gekühlt.

Einer nach jeder Autopsie, das muss einfach sein und nun geht es nach Hause. Morgen bekommt Herbert dann einen vorläufigen Bericht von mir, damit sie in etwa wissen, in welche Richtung die Ermittlungen gehen müssen.

Morgen früh werde ich erst um 09:00 Uhr kommen, die Sachen fürs Labor sind in einem Kühlschrank und mein Assistent wird die um halb 8:00 Uhr gleich ins Labor geben. Vielleicht gibt es ja dann um 09.00Uhr, wenn ich komme, schon was neues, mal sehen.

Der Strick wird natürlich auch genauestens untersucht werden und zwar besonders beide Enden. Am Ende, wo die Schlinge ist, wird nach Spuren gesucht, die nicht vom Opfer stammen.

Das Seil ist ziemlich rau, so das Hautpartikel, aber auch Faserspuren von Kleidung oder Handschuhen daran sein könnten. Am anderen Ende musste ja beim Hochziehen des Körpers viel Kraft aufgewendet werden, so dass ich auch da auf Spuren hoffe.

Sollte ich dort Hautpartikel finden, die nicht vom Opfer sind, bedeutet das, das wir eine DNA-Spur eines Täters haben werden, was natürlich für eine spätere Beweisführung wirklich gut wäre, mal sehen.

Nach Herberts Erwähnung in Bezug auf einen dieser Ehrenmorde wird, falls es so ist, der Täter aus der engeren Verwandtschaft kommen, also geht es zunächst darum, die Identität des jungen, zu Lebzeiten bestimmt attraktiven Mannes fest zu stellen.

Das wird der Schlüssel zur Lösung sein denn einen Raubmord schließen Herbert und auch ich jetzt schon aus, obwohl der junge Mann nichts in seinen Taschen hatte. Vielleicht hilft uns ja auch das Tattoo weiter, das er auf dem linken Schulterblatt hat.

Das muss ein Profi gestochen haben und auch, wenn es nicht mehr ganz deutlich ist, kann man erkennen, dass es ein Tribal war und sehr professionell aussieht. Natürlich haben wir alles fotografiert und wir werden damit wohl die Studios hier im Großraum Bremen konfrontieren und hoffen, dass wir den Tätowierer ausfindig und etwas über seinen Kunden in Erfahrung bringen.

Ich hoffe mal, das der eine Art Auftragsbuch führt und das Tattoo auch offiziell berechnet wurde, sonst läuft die Spur ins Leere. Autopsien und kriminaltechnische Untersuchungen sind wie ein großes Puzzle, erfordern viel Akribie und wie bei allem im Leben ist auch ein wenig Glück dabei.

Oft hilft auch der Kommissar Zufall, aber auf den ist nicht unbedingt Verlass, darum ist Sorgfalt und Erfahrung wichtig. Ich mache das seit dreizehn Jahren und mit der Zeit wird man besser, strukturiert sich mehr und mehr und da jeder Fall anders ist, ist es immer eine neue Herausforderung.

Der Gedanke an das Schicksal des Jungen, der jetzt wieder in der Kühlung liegt, den lass ich nur vage an mich ran. Je mehr Emotionen aufkommen, umso nachlässiger wird man und man würde es auch auf Dauer kaum aushalten, wenn man sich zu viele Gedanken macht.

Natürlich ist das nicht immer möglich und wenn du ein Kind da auf dem Tisch liegen hast, das ermordet wurde, dann ist es kaum möglich, Emotionen zu unterdrücken. Immer, wenn das geschieht, bist du, ich jedenfalls, drei Tage down und das liegt nur wenig am Schnaps der dann schon etwas stärker abnimmt in der Flasche.

Ich habe selbst zwei Kinder, jetzt schon neunzehn und dreiundzwanzig Jahre alt und wenn denen so etwas widerfahren wäre, ich wäre wohl selbst zum Mörder geworden, wenn ich den Täter vor Herbert erwischt hätte. Jetzt starte ich meinen Wagen und fahre heim.

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1 Kommentar

    • Jürgen auf 7. September 2022 bei 13:53
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    Schade, das es nicht mehr weiter geht, welche Gründe auch immeer

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