Unterdrückung der Gefühle – Teil 2

Ich seufze schon wieder und bekomme gleich fragende Blicke von Dominic. Ich überspiele alles mit einem Grinsen und greife mir ein Mohnbrötchen.

Wie soll es auch anders sein, denn die esse ich am Liebsten. Und das kann Domi sich merken. Vielleicht bedeute ich ihm ja doch mehr? Wer weiß. Oder es ist einfach nur die Tatsache, dass wir schon ewig befreundet sind.

Ich kann mich kaum noch an unser Kennenlernen erinnern, das muss irgendwann in Kindertagen gewesen sein. Jedenfalls war und ist Domi der Reifere von uns Beiden.

Er war sich seiner Orientierung als Erster sicher und hatte natürlich auch als Erster sexuelle Erfahrungen. Bei mir dauerte alles etwas länger, vielleicht weil ich zu viel grüble und denke was wäre wenn.

„Total der Träumer“, weckt Kais Stimme mich aus meinen Erinnerungen.

„Wie hältst du es nur mit dem aus?“

Jetzt reicht es aber!

„Nun mach mal halb lang“, höre ich Domi protestieren.

„Du kennst Jeremy doch gar nicht, wie willst du meinen Kleinen beurteilen?“

Domi verteidigt mich immer und bei jedem, das ist noch ein ganz wichtiger Aspekt den ich sehr an ihn mag. Aber ich glaube jetzt gibt es Ärger.

Jedenfalls steht der Muskelmann mit einem Ruck auf, so dass der Küchenstuhl mit einem lauten Knall auf dem Fußboden landet. Das gibt bestimmt Stress mit unserer Nachbarin, die ohnehin nicht allzu gut auf uns zu sprechen ist.

Zum Einen, weil wir unsere Musik nur selten in Zimmerlautstärke hören und auch, weil wir unsere Neigung offen ausleben.

Dominic will gerade auch aufstehen, als Kai sich doch tatsächlich für den fallenden Stuhl entschuldigt, ihn aufhebt und dann ohne ein weiteres Wort die Küche verlässt.

Domi und ich schauen uns verdutzt an. Kai geht in Domis Zimmer und nachdem er seine Jacke und seine Schuhe an hat, öffnet er die Wohnungstür.

„Pass gut auf DEINEN Kleinen auf, sonst schnappe ich ihn dir noch weg“, droht Kai, bevor er die Tür normal von Außen schließt.

Jetzt schauen wir uns Erstrecht verdutzt an und brechen dann in schallendes Gelächter aus. Wir kriegen uns kaum ein und können uns man gerade so auf den Stühlen halten.

Als wir uns einigermaßen ein gekriegt haben, kommt von Domi: „Was war das denn?“

„Keine Ahnung“, hechle ich noch ganz aus der Puste.

Doch dann fallen mir Kais Worte ein und ich frage Domi: „Meinst du er hat das Ernst gemeint? … Ich mein, denkst du ich muss Angst vor ihm haben?“

„Nun mach dir mal keinen Kopf. Ich passe schon auf dich auf“, beruhigt mich Dominic und legt den Arm um mich.

Jetzt in diesen Moment möchte ich sterben. Ist das schön.

„Versprochen?“ frage ich zaghaft.

„Na hör mal. Wenn ich es doch sage“, versichert mich Domi.

„Aber vorher brauch ich eine Mütze voll Schlaf.“

Mit diesen Worten lässt Domi seinen starken Arm von meiner Schulter gleiten und steht von seinem Platz auf. Bevor er die Küche verlässt, stellt er noch seinen Teller in die Spüle.

„Räumst du den Rest ab?“, fragt Domi mich Augen zwinkernd mit einem gespielten Lächeln.

„Sieh bloß zu, dass du ins Bett kommst“, gebe ich von mir.

Wie soll ich auch nein zu ihm sagen?

„Bist ein Schatz!“

Mit diesen Worten bekomme ich sogar einen Kuss auf die Wange und Domi begibt sich in sein Zimmer. Ich höre noch im Rausch wie er die Tür schließt. Er hat mich geküsst. Wirklich? Oder träume ich? Vielleicht schlafe ich ja noch.

Ich lege meine Hand auf die geküsste Wange, die förmlich glüht. Ich  brauche noch einen Moment, um mich zu finden, bevor ich mich erhebe, um den Tisch abzuräumen. Wie in Trance räume ich den Tisch ab, wasche das Geschirr und stelle alles fein säuberlich in den Schrank zurück, nachdem ich es abgetrocknet habe.

Als meine Hand gerade das Geschirrhandtuch dazu benutzt, die Spüle abzutrocknen, wache ich langsam wieder aus meiner Trance auf. Was mache ich hier eigentlich? Drehe ich jetzt durch? Das war doch nur ein Kuss auf die Wange, ein Bussi, mehr nicht!

So sauber sah die Küche ja noch nie aus. Ich muss glatt über mich selbst lachen. Was ein Kuss alles bewirkt. Ich glaube, jetzt brauch ich auch noch eine Runde Schlaf, beschließe ich und gehe ins Arbeitszimmer.

Ich mummel mich noch mal in meine Decke ein und döse ein bisschen, doch der Kuss lässt mich nicht wirklich ins Land der Träume finden. Warum hat Domi mir den gegeben? Ich versteh ihn nicht.

Vielleicht hat Kai ja Recht und Domi will mich auch als sein Spielzeug? Sonst war es nur hin und wieder mal so, dass er es ein bis zwei mal im Monat tat und seit kurzem braucht er jede Woche jemanden.

Oder bin ich doch mehr für ihn? Vielleicht brauch er ja auch nur mal wieder eine Beziehung. Hin und wieder kommt das ja auch bei Dominic vor. Ich mach mir schon wieder zu viele Gedanken. Da ich sowieso nicht einschlafen kann, beschließe ich dann doch aufzustehen und duschen zu gehen. Vielleicht bringt eine kalte Dusche mich ja auf  andere Gedanken.

Also setze ich mich in die Wanne und lasse kaltes Wasser über meinen Körper rieseln. Fehlanzeige. Nun bin ich hellwach und muss Erstrecht an den Kuss denken. Okay. Es war  nur ein Kuss. Ein Bussy.

Nichts von Bedeutung. Da Domi einen festen Schlaf hat, mache ich mich ans durch saugen, nachdem ich mich abgetrocknet und angezogen habe. Irgendwie muss man doch diesen blöden Kuss aus dem Kopf kriegen. Ich rücke sogar das Sofa weg und sauge dahinter.

Gut. Wie wäre es mit Madonna? Musik ist doch immer gut und lauthals mitsingen noch besser. Dann schwinge ich noch den Staubwedel, den ich hin und wieder als Mikrophon benutze. Es geht doch.

Allerdings, werde ich gleich bestimmt noch mal durch saugen müssen, da ich echt viel Staub aufwirble. Wie lange stehen die Bücher eigentlich schon hier rum?

Gerade als ich meine Beste Stimme zum Ausdruck bringe, steht Domi in der Tür. Wie peinlich. Ich schalte die Musik aus und höre Domis Lachen. Mir ist gar nicht zum Lachen. Doch Domi kommt zu mir und knuddelt mich so richtig durch.

„Ach komm schon. Du musst zugeben, wenn ich schon so geweckt werde, darf ich auch lachen“, entschuldigt Dominic sein Verhalten.

„Und es sah echt zu komisch aus“, scherzt er weiter.

Daraufhin boxe ich ihn in die Seite.

„Das ist doch nur deine Schuld“, rutscht es mir raus.

„Wie meinst du das denn jetzt“, will Domi wissen.

Jetzt hab ich mich verraten. Wie komm ich da bloß wieder raus?

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