Verdammt gut! – Teil 4

Als Dennis wieder Nils Wohnung erreicht hat, ist dieser bereits aufgestanden und hat schon Kaffee aufgesetzt. Die Brötchen, die Dennis vor Schreck achtlos auf den Boden fallen ließ, haben ihren Weg auf den Küchentisch gefunden.

„Hey“, begrüßt Dennis Nils und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn, wobei er ihn in den Arm nimmt. Zwei starke Arme halten Nils umschlungen, aber dieser macht sich ganz andere Gedanken: „Du hast doch keine Dummheiten gemacht?“, will er von Dennis wissen.

„Ich habe nur das gemacht, was ich für richtig gehalten habe,“ kommt es als Antwort.

Nils atmet tief durch und will gerade ansetzen etwas zu sagen, als Dennis ihm ins Wort fällt: „Fabian hat einen Denkzettel verdient, schließlich hätte er auch mal fragen können, ob du auch möchtest!“

„Fragst du denn, ob ich möchte?“, kontert Nils leicht gereizt.

„Das ist doch was ganz anderes. Das ist eine Wette“, versucht Dennis zu erklären.

„Fragst du deinen Freund, ob er Sex möchte? Wenn man nicht nein sagt, gibt es Sex!“, schreit Nils Dennis an und fügt noch hinzu: „Ach ja, hab ich glatt vergessen. Du hast ja gar keinen Freund!“

„Nils, das reicht jetzt aber!“, auch Dennis ist laut geworden und das will schon was heißen, denn Dennis wird nur sehr selten laut.

Aber was ist plötzlich los mit den beiden, sie haben sich doch sonst immer gut verstanden und waren stets einer Meinung? Fabian hat wohl einen leicht, bitteren Nachgeschmack bei Dennis und Nils hinterlassen, weshalb Dennis jetzt auch die Wohnung verlässt.

Auf der Straße angekommen tut es ihm zwar Leid, was gerade passiert ist, dennoch geht er erst einmal nach Hause. Vielleicht auch besser, wenn sich jeder für sich beruhigt, auch wenn Nils ein schlechtes Gewissen hat und überlegt, ob er Dennis nicht doch direkt anrufen sollte.

Gegen späten Nachmittag hält er es jedoch nicht mehr aus und macht sich auf den Weg zu Dennis. Doch der ist nicht da. Erst wartet Nils eine ganze Weile, da er einen Schlüssel hat von Dennis Wohnung, kann er dies auch drinnen tun.

Nach einer Stunde hält er es jedoch nicht mehr aus und beschließt Dennis zu suchen. Als Nils gerade die Treppe runter will, kommt ihm doch tatsächlich Dennis entgegen.

Beide strahlen sich an und als wäre nichts gewesen, ist der Streit vergessen. Sie nehmen sich in die Arme: „Es tut mir Leid“, sagen sie fast gleichzeitig und müssen auch gleich darauf lachen.

„Bitte lass uns nie wieder streiten“, kommt es von Nils und Dennis kann nur zustimmen: „Nie mehr!“

„Mach dir keine Sorgen um mich, so schlimm war das mit Fabian nicht. Es war eigentlich so wie immer. Nur das es dieses Mal zum Abschied war“, sagt Nils und schaut Dennis dabei direkt in die Augen.

Dennis scheint beruhigt zu sein und antwortet: „Dann ist ja alles okay. Aber den Denkzettel musste ich ihm einfach verpassen.“

Nils nickt und fügt noch hinzu: „Er wird das sicher verstehen und dich deshalb nicht anzeigen. So gut kenne ich ihn.“

So haben die beiden alles Wichtige geklärt, gehen in Dennis Wohnung und machen sich wie schon so oft einen schönen Abend, aber diesmal ohne Annäherungsversuche. Auch die nächsten Tage vergehen, ohne dass Dennis irgendeinen Versuch unternimmt, die Wette zu gewinnen.

Freitag nach der Arbeit treffen sie sich wie immer und planen den Abend.

„Ich hätte mal wieder Lust auf Kino. Da kommt doch dieser tolle Film mit Mark Wahlberg“, schlägt Nils bettelnd vor.

Dennis kann sich ein Lachen kaum verkneifen und gibt sich geschlagen: „Okay. Aber nur wenn wir im Nachhinein noch tanzen gehen. Wir waren so lange nicht mehr in der Disko.“

„Muss das sein?“, will Nils wissen, obwohl er genau weiß, dass er nur ins Kino kommt, wenn er auch danach mit zum Tanzen geht.

„Es muss nicht sein“, entgegnet Dennis, wobei er die Augenbrauen hochzieht und grinst.

„Na schön, wir gehen ins Kino und danach in die Disko“, brummt Nils leise.

„Was hast du gesagt? Ich hab dich nicht verstanden“, fragt Dennis schelmisch.

„Wir gehen in die Disko“, sagt Nils jetzt direkt und etwas lauter. Dennis muss wieder lachen und Nils stimmt nach einer Weile mit ein.

„Ich finde, wir sollten uns noch ein bisschen hinlegen“, sagt Dennis zu Nils nachdem sie sich wieder eingekriegt haben und dieser ist damit einverstanden.

Deshalb gehen sie ins Schlafzimmer, um es sich auf dem Bett gemütlich zu machen. Nils holt eine Wolldecke aus dem Schrank und Dennis zieht sich sein Shirt aus, welches achtlos auf dem Boden landet.

Nils’ Blicke verweilen viel zu lange auf Dennis freien Oberkörper, denn er kann seine Augen einfach nicht abwenden. Obwohl er diesen Anblick schon öfters hatte, ist es heute irgendwie anders. Eine angespannte Stimmung liegt in der Luft, erst recht als sich ihre Blicke treffen.

Nils spürt wie Hitze in seine Wangen steigt und wendet sich von Dennis ab, welcher versucht den entstandenen Kloß in seinem Hals runter zu schlucken. Da dies nicht gelingen will, legt er sich aufs Bett und wartet auf Nils.

Der hat sich auch wieder gefangen und geht nun aufs Bett zu, wo er die Wolldecke über Dennis ausbreitet. Doch auf einmal spürt er eine Hand an seinem Bein, die ihn ohne große Mühe aufs Bett zerrt. Nils findet sich halb auf der Matratze und halb auf Dennis liegend wieder, welcher anfängt ihn nach Strich und Faden durchzukitzeln.

Während Nils kreischend und nach Luft schnappend versucht sich zu befreien, gehen Dennis Fingern langsam vom Kitzeln ins Streicheln über. Wie schon so viele Male finden sie ihren Weg unter Nils Shirt, streicheln die warme, zarte Haut unter sich und genießen dieses Gefühl der Geborgenheit, die ihnen fast eine Woche lang verwehrt wurde.

Sehnsucht liegt in der Luft – Sehnsucht nach mehr. Wieder treffen sich ihre Blicke, ihre Nasen streifen sich zaghaft und Dennis Lippen wandern vorsichtig zu Nils Ohrläppchen. Zärtliche Liebkosungen folgen, wie schon so oft und dennoch scheint es heute anders.

Von Nils geht keine Gegenwehr mehr aus, ob es an der Woche ohne dieses Spiel liegt oder weil er keinen Freund mehr hat, weiß er nur selber. Dennis jedenfalls kann sich kaum zurück halten, schließlich hatte er noch nie freie Bahn und Wette hin oder her, darum geht es hier doch schon lange nicht mehr.

Diese Nähe und Vertrautheit – fühlt sich so etwa Liebe an? Dennis wagt sich vor und auf einmal liegen seine Lippen auf Nils, was sich so warm und weich anfühlt. Hingebungsvoll küssen sie sich, während ihre Münder sich langsam öffnen und ihre Zungen sich vereinen.

Doch irgendetwas ist anders als sonst, es scheint als stimme etwas nicht.

Mit einem kräftigen Ruck drückt Dennis sich von Nils weg und schaut ihn erschrocken an: „Das wollen wir nicht wirklich, oder?“, fragt er Nils verstört, welcher den Kopf schüttelt und antwortet: „Nein, wir sollten das nicht tun.“

„Wir sind Freunde…“, sagt Dennis und Nils spricht für ihn weiter: „…nicht mehr und auch auf gar keinen Fall weniger…“

Und dann sagen beide wie aus einem Munde: „…und das ist VERDAMMT GUT!!!“

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