Unbegrenzte Möglichkeiten – Teil 10

Am nächsten Tag war es also soweit: Ich war auf dem besten Wege zu meinem Traumziel auf dieser Erde zu fliegen – Californien.

Inzwischen hatte ich mich schon fast ans Fliegen gewöhnt und von daher empfand ich diesen Flug irgendwie nicht mehr als ganz so aufregend und spektakulär wie die Flüge vorher – naja irgendwann muss wohl dieser Zeitpunkt kommen dachte ich mir.

Isaac, Taylor und Zac schienen diesen Zeitpunkt sowieso schon längst überschritten zu haben. Die drei registrierten gar nicht mehr richtig, dass sie überhaupt in der Luft waren sondern gingen direkt zur Tagesordnung über und das bedeutete bei den Hanson-Brüdern eigentlich immer Chaos und Blödsinn bis zum Abwinken. Tja und auch auf diesem Flug blieben die drei ihrem Motto treu – nachdem sie so ziemlich jede Stewardess an Bord mehr oder weniger stark durch den Kakao gezogen hatten (die armen Damen) konnte ich sie gerade noch davon abhalten sich nach hinten ins Flugzeug zu setzen und sich auch noch mit den anderen Passagieren abzugeben. Eine VIP-Lounge kann eben doch manchmal ziemlich langweilig sein.

“Sag mal Isaac, was haben wir eigentlich vor in Californien wenn wir erst mal da sind?“, fragte ich, als sich jeder ein bisschen beruhigt hatte und der seltene Fall eingetreten war, dass alle auf ihren Plätzen saßen.

“Weiß noch nicht… mal hier und da gucken, ein bisschen am Strand relaxen und vielleicht mal den ein oder anderen Ausflug machen” antwortete er

“Den ein oder anderen Ausflug?” Ich war neugierig – nein ich war mehr als neugierig. Ich war schon immer von Amerika und spezielle von Californien fasziniert gewesen. Isaac wusste das und daher bekam ich als Antwort auch nur ein ziemlich unterdrücktes Lachen – eigentlich nur ein großes Grinsen.

“WAS???” Ich muss selber lachen und konnte daher bei weitem nicht so ernst wirken, wie ich das eigentlich geplant hatte.

“Ach Nick…“, sagte Isaac und nahm mich in seinen Arm, “ich weiß doch, wie neugierig und gespannt du schon bist – glaub mir, wir werden schon unseren Spass haben und du wirst auch ein bisschen was von der großen weiten Welt sehen” lachte er mich an. Konnte ich darauf noch etwas antworten?

Wir lehnten uns zurück und sahen ein bisschen aus dem Fenster doch außer viel Wasser war eigentlich gar nichts zu erkennen – für mich zu mindestens. Isaac erkannte alle möglichen Arten von Untiefen und was weiß ich was noch alles.

“Also ich erkenne da unten außer sehr, sehr viel Wasser überhaupt nichts“, sagte ich kopfschüttelnd.

“Du musst nur genau hinsehen… nicht wahr Taylor?“, sagte Isaac doch von Taylor konnte Isaac in diesem Moment keine Antwort erwarten – der war zusammen mit Zac im Traumland verschwunden.

“Wie geht das?“, fragte ich Isaac “Das kann ich einfach nicht verstehen. Eben noch war er ein Nervenbündel und tobte nur so im Flugzeug herum und was ist jetzt? Jetzt liegt der hier wir ein Baby und schläft. Wie macht der das?”

“Ich habe keine Ahnung“, grinste Isaac “aber das ist seine Art zu relaxen. Taylor ist einer der wenigen Leute, die auf scheinbar auf Kommando einschlafen können. Ich glaube das ist seine Art den Tourstress zu verarbeiten.”

“Und was ist deine Art?“, fragte Ich

“Ich habe keine spezielle Art – glaube ich zumindest. Ich brauche immer ein bisschen Zeit. Taylor legt sich nach einem Konzert meistens auf irgendeine Couch und ist – wie man hier auch gut erkennen kann – innerhalb von ein paar Minuten eingeschlafen. Ich brauche meistens eine ganze Weile um wieder ein bisschen auf meinen Normalzustand runterzukommen. Wenn ich oben auf der Bühne stehe, dann stehe ich in einer anderen Welt. Ich sehe zwar noch die Fans da unten stehen aber trotzdem bin ich irgendwo anders. Es ist ein Wahnsinnsgefühl und kaum zu beschreiben.”

Die nächste Zeit verbrachten wir – oder besser gesagt Isaac – damit festzustellen wo der Meeresboden tiefer und wo nicht so tief war – ich verstehe bis heute noch nicht wie man sich mit so einer Sache so intensiv beschäftigen kann oder wie man das ganze überhaupt aus einem Flugzeug in ich weißnichtwieviel Metern Höhe sehen kann aber Isaac konnte es scheinbar.

Irgendwann kam dann aber auch der Punkt wo wir langsam müde wurden uns Kopf an Kopf einschliefen. Meine Träume in den bisherigen Flügen waren alle irgendwie seltsam gewesen und so machte ich mir auch diesmal keine besonders großen Gedanken darüber sondern versuchte nur an meinen Liebling und unsere wunderbare Zeit zusammen zu denken.

*-*-*

Ich hatte schon gedacht ich hätte wieder irgendeinen total verrückten Traum aber diesmal war es kein Traum sondern ich wurde in die Realität zurückgerufen und etwas unangenehmer, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich spürte etwas sehr kaltes meinen Nacken herunterlaufen. Nachdem ich vor Schreck fast an die Decke gesprungen wäre merke ich endlich auch was mich so unsanft aus meinen Träumen geweckt hatte – ich hätte es mir ja eigentlich auch denken können – Taylor und Zac hatten das Eis aus vier Gläsern Sprite gesammelt und waren nun mit großen Spaß dabei Isaac und mich etwas abzukühlen.

“Huuuuuuuu…. Taylor wenn du das noch einmal machst dann garantiere ich für nichts mehr” fauchte Isaac als er vergeblich versuchte das Eis wieder aus seinem T-Shirt rauszuholen. Isaac hatte natürlich keinen Erfolg sondern ganz im Gegenteil, das Eis rutschte ihm auch noch in seine Shorts – als wenn Taylor es darauf angelegt hätte. Jetzt konnte ich aber auch nicht mehr und musste anfangen zu lachen. Wie Isaac krampfhaft versuchte sich endlich von den kleinen Eisklötzen zu befreien sah auch einfach zu herrlich aus. Ich konnte mich zum Glück gerade noch davor bewahren ebenfalls an meinem besten Stück auf etwas unsanfte Weise abgekühlt zu werden.

Da wir nun alle – mehr oder weniger freiwillig – wieder wach waren begannen wir wieder uns eine einigermaßen interessante Beschäftigung zu suchen – da es da aber in einem Flugzeug keine sehr großen Auswahlmöglichkeiten gibt landeten wir bei den guten alten Kartenspielen.

Nachdem wir alle einige Zeit krampfhaft versucht hatten Zac zu schlagen mussten wir aber wohl doch einsehen, dass es was das Kartenspielen anging wohl niemanden gab, der ihm das Wasser reichen konnte – und ich hatte immer von mir gedacht ein ziemlich guter Kartenspieler zu sein – naja, so kann man sich täuschen.

Die restliche Zeit verbrachten wir also damit uns Zacs Siegesgeschichten an zu hören und uns damit berieseln zu lassen wie schlecht und unwürdig wir doch seien gegen den großen Zac Hanson anzutreten – eine große Meinung von sich hatte der jüngste der drei Hansons ja das musste man ihm lassen.

Irgendwann dann ging auch dieser Flug glücklicherweise zu Ende und wir landeten auf dem Flughafen von L.A.

Als wir durch den Zoll waren wurden wir auch schon – wie sollte es anders sein – von Hanson Security Leuten empfangen und zu unserem Hotel gefahren. So langsam hatte ich mich schon daran gewöhnt immer wieder woanders einquartiert zu sein und immer wieder aus dem Koffer zu leben also regte ich mich auch beim Auspacken gar nicht mehr großartig darüber auf.

“Und wie sieht es aus Nick?“, fragte Isaac “Gehen wir auf eine kleine Entdeckungstour durch L.A.?”

“NA KLAR!”

Ich fiel ihm um den Hals und hätte ihn fast umgeworfen vor Begeisterung

“Aber was machen wir, damit dich keiner erkennt?”

“Ganz einfach: Gar nichts”, war die verblüffende Antwort, die ich bekam, “niemand erwartet mich hier – die Leute werden denken sie hätten sich verguckt oder sowas”

“Na gut – wenn du meinst” Ich konnte das irgendwie nicht so ganz glauben. Ich hätte Isaac auf eine Distanz von zwanzig Metern erkannt und mich nicht groß gefragt, ob er denn überhaupt hier sein könnte. Aber das war ja schließlich auch etwas anderes. Wir machten uns also auf den Weg nach L.A….

*-*-*

Wenn ich jemals in meinem Leben von einer Stadt begeistert gewesen bin, dann war es an diesem Tag in Los Angeles. Ich weiß nicht ob es einfach nur wegen meiner Neugier oder doch wegen der Stadt an sich war. Naja auf jeden Fall landeten wir nach einiger Zeit in einem superteuren Einkaufszentrum in der Innenstadt und ich musste mir doch sehr viel Mühe geben nicht bei jedem Artikel einen Spruch vom Stapel zu lassen wie “Mann mit dem ganzen Geld könntest du auch… blabla….”

Es war mir schon fast peinlich als Isaac mir ein T-Shirt für $50 kaufte nur weil vorne ein Bild von einem neuen BMW zu sehen war. Naja ich hatte mich bei Isaac schon an so einiges gewöhnt und dann fiel das auch nicht mehr sehr ins Gewicht.

“Wenn ich auf eins nicht achte, dann ist es wie viel Geld ich für meine Klamotten ausgebe” meinte Isaac “solange es mir oder eben jetzt auch dir gefällt ist der Rest unwichtig” Tja, da konnte ich nichts mehr drauf antworten also hatte Isaac mal wieder recht behalten.

Als wir aus dem Einkaufszentrum wieder herauskamen und ein bisschen durch die Stadt schlenderten fielen uns nach einiger Zeit ein paar Jungs auf, die vom Aussehen her nicht älter als wir gewesen sein konnten. Normalerweise hätte ich die wohl registriert und das wäre es gewesen aber diesmal war irgendwas anderes – drei der Jungs waren gerade heftig dabei auf einen anderen Jungen einzuprügeln. Drei gegen einen das war alles andere als fair.

An Isaacs Reaktion konnte ich erkennen, dass er das genauso sah aber sehr viel schneller reagieren konnte als ich. Ehe ich mich versah rannte er schon zu den vier Jungs hin und schnappte sich den ersten, den er erwischen konnte.

Einer gegen drei erschien mir mehr als nur ein bisschen ungerecht und so tat ich kurzerhand das in dieser Situation einzig richtige – ich lief Isaac hinterher und mischte mich ebenfalls mit ein.

Ich bekam einen etwas kleineren Jungen als mich zu fassen, der seine fehlende Größe aber ohne Probleme mit seiner Kraft wieder wett machte – ich hatte kaum eine Chance mich noch irgendwie zu verteidigen. Ehe ich mich versehen hatte bekam ich schon einen gehörigen Schlag auf die Nase und konnte dem zweiten Schlag nur noch gerade eben ausweichen – das war mir jetzt aber wirklich zuviel. Ohne auf irgendwelche Verluste Rücksicht zu nehmen trat ich dem Kerl in den Bereich, wo jeder Junge *sehr* empfindlich reagiert. Das verfehlte seine Wirkung nicht – den Typen konnte wir abhaken und so sah griff ich auch schon nach dem letzten. Der jedoch hatte erkannt, dass die Situation inzwischen aussichtslos war, denn Isaac hatte seinen Gegner inzwischen auch außer Gefecht gesetzt und alle drei ergriffen kurzerhand die Flucht – zwar humpelten sie alle etwas aber es sah nicht so aus, als ob sie sich ernsthaft etwas getan hätten – aber selbst wenn, das wäre mir auch egal gewesen denn so ein Akt von Unverschämtheit gehört einfach bestraft – ganz egal wie.

Als mein Pulsschlag sich langsam etwas beruhigt hatte und ich mich umsah bemerkte ich erst, dass der Schlag auf meine Nase auch eine deutliche Wirkung erzielt hatte – ich blutete ziemlich stark und mein helles T-Shirt sah aus, als ob eine 4 jähriger eine Mega-Portion Pommes Frites mit Ketchup verzehrt hatte – aber das war im Moment mein geringstes Problem. Ich hielt mir ein Taschentuch unter die Nase und es dauerte auch nicht sehr lange bis die Blutung wenigstens ein bisschen nachließ.

Zwischenzeitlich bemerkte ich, dass Isaac auch scheinbar ganz schon etwas abbekommen hatte. Er hielt sich seine linke Hand unter das Kinn und tastete mir der rechten Hand seine Zähne ab.

“Argh…” fluchte er “dieser Dreckskerl hat mit doch glatt zwei Brackets abgeschlagen”.

Es stimmte – An Isaacs linkem oberen Schneide- und Eckzahn war seine Zahnspange abgerissen. Trotz allem, es war schon ein lustiges Bild wie er da so stand und sich an den Zähnen herumfuchtelte.

Isaac schien das aber auch nicht besonders zu stören – stattdessen sah er sich um und fragte “Wo ist denn der Typ für den wir uns hier gerade so haben zurichten lassen?”

Ich warf einen kurzen Blick in alle vier Himmelsrichtungen doch der Junge war nirgendwo zu erkennen gewesen – das nenne ich Dankbarkeit.

Auf jeden Fall musste wir jetzt erst mal sehen, dass ich mir neue Klamotten anzog und Isaac seine Klammer repariert bekam. Meine Klamotten waren dabei das geringere Problem aber Isaac – inzwischen wieder gut gelaunt wie immer – meinte nur, dass sein Kieferorthopäde sowieso im Moment in L.A. sei und als wir in unserem Hotelzimmer ankamen hatte er auch schön den Hörer in der Hand gehabt. Während er sein Telefongespräch führte zog ich mich schnell um und als ich fertig war meinte Isaac auch nur kurz: “Na das geht doch alles – Morgen habe ich einen Termin”

“Und was machen wir bis dahin?“, fragte ich ihn

“Wir gehen zurück in die Stadt und suchen den Jungen von eben”

“Na klar!“, sagte ich etwas sarkastisch “Los Angeles ist ja auch nur eine kleine Stadt wo du jeden sofort findest, wenn du einmal die Hauptstraße auf- und abgehst.”

“Du bist ein süßer Kerl“, sagte Isaac “Die Kids hängen doch immer an den selben Punkten rum und glaub mir ich habe es irgendwie im Gefühl, dass wir ihn dort wiederfinden”

“Na wenn du meinst” antwortete ich mit einem leichten Kopfschütteln. Ich konnte mir nicht vorstellen einen ganz bestimmten Jungen in der Millionenstadt L.A. mal so eben wiederfanden – aber vielleicht hatte Isaac ja sogar recht gehabt.

Wir gingen also in die Nähe des “Tatortes”, wo ein kleiner Park begann.

“Ich möchte wetten, dass der kleine hier rein ist“, sagte Isaac und deutete auf einen kleinen Pfad. Ich zuckte nur mit den Schultern und folgte ihm.

Es dauerte auch gar nicht lange und wir sahen tatsächlich einen Jungen von vielleicht 16 Jahren auf einer Parkbank sitzen und GameBoy spielen. Da er uns nicht kommen sah war er ziemlich erschrocken, als Isaac plötzlich vor ihm stand und mit einem ziemlich breiten Grinsen ihm ein kurzes “Hi“, sagte. Die erste Reaktion den Jungen war gewesen aufzuspringen und er wollte schon wieder weglaufen, als Isaac ihn am T-Shirt packte und ihn mit einem “Eh eh eh…. so leicht kommst du aber diesmal auch nicht davon. Das ist nicht gerade die feine englische Art einfach so zu verschwinden” festhielt.

Der Junge war sichtlich verängstigt und ein paar Tränen kamen auch schon aus seinen Augen als Isaac ihn losließ. “Hey – wir wollen dir doch nur helfen“, sagte Isaac in einem jetzt schon viel freundlicheren und einfühlsameren Ton.

“Ihr könnt mir auch nicht helfen… ihr… Hey du bist Isaac Hanson oder?“, fragte der Kleine und jetzt schien er richtig aufgeregt zu werden.

“Naja letztes Mal als ich mich im Spiegel gesehen habe war ich es noch und wie heisst du?“, grinste Isaac zurück. Der Junge war tatsächlich der Erste gewesen, der Isaac erkannt hatte seit wir in L.A. waren.

“Thomas”, antwortete der Junge, „ aber mich nennen eigentlich alle nur Tommy. Ich habe dich im Fernsehen gesehen und da habe ich mir gedacht… ” er sah starr in eine Richtung “ach ist nicht so wichtig“, sagte er und fing wieder an zu weinen.

“Hey – es IST wichtig” antwortete Isaac “jetzt erzähl erstmal was los ist und wieso dich diese Typen eben zusammenschlagen wollten”

“Naja… also es war folgendermaßen” begann Tommy “die drei haben mich zusammen mit… mit meinem Freund gesehen.”

“Und was war daran ein Problem?“, fragte ich.

“Das Problem war, dass es nicht nur irgendein Freund war sondern *mein* Freund” wobei er die Betonung sehr auf ‘mein’ gesetzt hatte. So sah die Sache also aus – die drei hatten Tommy verprügelt nur weil er schwul war und sich mit seinem Freund gezeigt hatte. Eine nicht zu vergleichende Wut kam in mir in diesem Moment auf – was war denn so schlimm daran? Nur weil diese drei wahrscheinlich sowieso nie jemanden finden werden ganz egal ob nun Männlein oder Weiblein war das doch noch lange kein Grund den armen Jungen so fertig zu machen. Wie gesagt ich wurde richtig wütend über die ganze Sache und Isaac schien es auch nicht sehr viel anders zu gehen, wenn ich seinem Blick glauben durfte, den ich langsam schon ziemlich gut kannte.

“Na die Jungs sollen mir nochmal unter die Augen kommen“, sagte Isaac und ballte seine linke Hand zu einer Faust “dann lasse ich die garantiert nicht so leicht wieder weg. Pass auf Tommy – sollten die drei dich auch nur nochmal schief ansehen – dann rufst du mich sofort an verstanden?” Isaac nahm einen kleinen Zettel aus seiner Tasche und kritzelte schnell eine Nummer drauf – nach allem, was ich davon entziffern konnte war es seine Handy-Nummer gewesen.

“Danke“, sagte Tommy und strahle inzwischen wieder über das ganze Gesicht – scheinbar war er mehr als nur ein bisschen froh darüber gewesen in Isaac einen neuen Freund gefunden zu haben, der ihn so gut beschützen konnte und vor allem auch wollte. Ich für meinen Teil war unheimlich stolz auf meinen Freund gewesen, dass er sich so für den Jungen einsetzte – ich denke wenn Isaac nicht Sänger geworden wäre, dann wäre wohl Polizist für ihn der passende Beruf gewesen.

Nachdem wir noch eine ganze Weile mit Tommy durch L.A. gelaufen waren wollte ich dann auch langsam wieder zurück ins Hotel und ein bisschen was essen, ein bisschen was relaxen und einfach nur mal wieder mit Isaac zusammen auf der Couch liegen und gar nix machen.

Wir verabschiedeten uns also von Tommy und gingen zurück in unser Hotel. Dort angekommen verbrachen wir dann auch den Rest des Tages damit uns vor den Fernseher zu setzten und mal wieder das amerikanische Fernsehprogramm zu begutachten – miserabel kann ich da nur wieder einmal sagen. Ich hatte schon gedacht die deutschen Sender seien schlecht aber das, was da in den Staaten lief war auch nicht sehr viel besser.

Nach einiger Zeit kam dann auch Taylor wieder zurück und als er sah, wie Isaac aussah mussten wir ihm natürlich auch erstmal von vorne bis hinten berichten, was denn nun genau passiert war, wie wir die Jungs in die Flucht geschlagen hatten und, und, und. Klatsch und Tratsch war scheinbar doch etwas gewesen auf das Taylor angewiesen war wie auf sein tägliches Brot.

Nachdem wir Taylor immer und immer wieder erzählt hatten wie toll wir doch waren und wie mutig wir gehandelt hatten ging das ganze Spielchen noch einmal von vorne los – Zac kam nach hause. Der war mindestens genauso neugierig wie sein Bruder gewesen und zog dieselbe Nummer ab. “Na eine tolle Familie habe ich mir da eingehandelt” lachte ich und die anderen konnten mir da nur zustimmen.

Kaum hatten wir uns alle aber wieder ein bisschen beruhigt wurde mir erst so richtig klar, wie recht ich doch mit diesem Satz hatte. Klar, dass Isaac und ich inzwischen untrennbar waren, das war für jeden klar zu erkennen gewesen uns spätestens seit der Talkshow auch öffentlich kein Geheimnis mehr gewesen aber jetzt ging mir erst so richtig auf, dass es die Hansons nicht einzeln gab. Sie waren nicht nur eine Band sondern auch eine richtig große Familie, die zusammenhält was immer auch passiert und genau das war es, was mir so gefiel. Ich war inzwischen weit mehr als nur Isaacs Freund geworden. Ich war zu so etwas wie Taylors und Zacs Bruder aufgestiegen. Mit den beiden kam ich wunderbar klar und ich merkte immer wieder wie ich auch die beiden ins Herz geschlossen hatte. Es war schon fantastisch – ich hatte wirklich eine neue, eine neue Familie gefunden.

Ich weiß nicht mehr genau wie lange wir drei an dem Abend noch beisammen saßen und redeten und redeten und redeten aber ich weiß noch, dass wir dann doch irgendwann zu einem Ende kamen und alle zusammen beschlossen, dass es doch wohl besser sei ins Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen weckte mich dann mal wieder Isaacs Reisewecker mit der üblichen Lautstärke die ich inzwischen auch schon zu hassen gelernt hatte. Isaac lag halb neben und halb unter mir und ich nur ein leises “hmmmm” von ihm kommen als er merkte, dass es schon Zeit war aufzustehen.

Er probierte sich unter mir hervorzuschieben hatte allerdings wenig Glück damit, denn so leicht wollte ich ihn dann doch wieder nicht rauslassen. Er kicherte ein bisschen als er merkte, dass ich ihn zurückhielt und ehe ich mich versah waren wir schon wieder mitten in einem wilden Kuss gefesselt gewesen. Meine Hand ging schon wieder auf Wanderschaft und hatte gerade den Weg in Isaacs Boxershorts gefunden doch der hatte mal wieder ganz andere Ideen.

“Ne ne“, sagte er nur während er sich mit einem kräftigen Ruck unter mir befreite und aus dem Bett sprang “dafür haben wir später auch noch Zeit. Wie sieht das denn aus, wenn ich Rip warten lasse und zu spät in der Praxis erscheine?” Irgendwie hatte er Recht, das wusste ich ja auch aber trotzdem war ich ein kleinen bisschen enttäuscht gewesen, dass er plötzlich so schnell den Weg aus dem Bett gefunden hatte. Naja was blieb mir da schon anderes übrig, als es ihm gleichzutun und auch aufzustehen? Ich gab ihm noch einen kurzen Kniff in den Hintern, was er mit einem lauten und plötzlich ziemlich hohen “Hey” quittierte, bevor ich ins Badezimmer verschwand.

“Sag mal wer ist dieser Rip eigentlich?“, fragte ich ihn, als ich gerade dabei war mir die Zähne zu putzen. Das ganze muss sich ziemlich albern angehört haben aber war mir in dem Moment eigentlich ziemlich egal gewesen.

“Na mein KFO” rief Isaac zurück.

“Muss ich den kennen?“, fragte ich

“Weiß ich nicht. Er ist eigentlich ziemlich bekannt – zumindest bei den ganzen Teenstar und -starinnen”, jetzt musste ich lachen und verteilte dabei die Zahnpaste im halben Badezimmer. Starinnen hatte ich auch noch nie gehört, “es gibt eigentlich kaum jemanden, der nicht zu ihm hingeht. Eigentlich alle großen den Geschäfts.”

Ich hielt kurz meinen Kopf aus dem Badezimmer und sagte “Also Ich habe noch nie von ihm gehört. Aber ich denke mal, das liegt daran, dass nur einer den unterprivilegierten Leute aus dem Fußvolk bin, die ja sonst niemals Kontakt zur Oberschicht haben“, grinste ich Isaac an.

“Ja, ja… wie lange braucht das unterprivilegierte Fußvolk denn noch im Badezimmer? Die Herrschaftsklasse will nämlich auch nochmal da rein” lachte er zurück.

Ich beeilte mich also ein bisschen und als ich aus dem Badezimmer wieder herauskam machte ich eine kurze aber dafür tiefe Verbeugung und sagte in gehobener Sprache, “Bitteschön euer Hoheit – ihr könnt das Bad benutzen um zu…”, weiter kam ich gar nicht denn Isaac wälzte sich schon vor Lachen auf dem Boden und ich konnte mich auch nicht mehr halten.

“Du bist schon ein kleiner Verrückter” lachte er mich an und gab mir einen Kuss auf die Wange.

“Klar bin ich das – habe ich alles von dir gelernt“, grinste ich zurück und begann mich anzuziehen.

 

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