Protzkiste……Fiffi…..Überraschungen……Operation……Bonner Runde…..Pläne
Kai, Samstag, 31.07.2010, ab etwa zehn Uhr morgens bei Remmers vor dem Haus
Es war eine Ereignis trächtige Woche, am Montagabend waren Martin, Lex und ich um etwa zweiundzwanzig Uhr endlich mit dem neuen Auto der Damen zu Hause. Wir konnten auf Grund der sehr strengen Einfahrvorschriften der Nobelkiste nicht so richtig Gas geben und deshalb zog sich die Fahrt auch ziemlich lange hin.

Jetzt muss ich eine Werkstatt suchen, die die fällige Erstinspektion nach tausend Kilometern macht, denn da sind wir jetzt schon etwas drüber. Soweit ich weiß, ist da ein Händler in Stuhr, ein paar Kilometer auf der anderen Weserseite, das werde ich später googeln.
Als wir Montag Abend, kurz vor zehn von der Straße in Richtung Remmers Anwesen abbiegen, fährt vor uns der Avant mit Wolfi und unserem Kevin, die wohl gerade von Bremen kamen, der Junge musste ja heute wieder arbeiten im Hilton. Als wir dann am Haus ankamen, hatten wir ein großes Empfangskomitee.
Lex hatte etwa zehn Minuten, bevor wir den Platz vor dem Haus erreicht haben, an Jerome eine SMS geschickt, das wir gleich da sind und so standen alle auf der Treppe wie auf einer Tribüne und warteten auf uns und die geile Karre.
Der Chef mit der Chefin, Natascha und Paolo, Sergej und Jerome, auch Ralf war da und als Kevin und sein Wolfi ausgestiegen sind und zu uns kommen, wollen alle die Protzkiste, wie Jerome sie immer nennt, sehen und begutachten.
Da es noch ausreichend hell war, kamen sie nun alle näher und beguckten das gut eine halbe Million Euro teure Gefährt, während Kevin Martin und mich zunächst mit einer Umarmung und einem Kuss auf den Mund begrüßte. Wolfi begrüßte uns auch mit Umarmung, aber der küsste uns rechts und links auf die Backe.
Und noch einer bekam einen Begrüßungskuss, der Lex nämlich und zwar von Ralf, der ihn kurz umarmte und seine Lippen auf die von Lex drückte. Und der Fiffi rast auf Kevin zu und springt bellend und Schwanz wedelnd an unserem Jungen hoch, bevor er ungeniert das linke Hinterrad des neuen Wagens anpinkelt, was sehr zur Erheiterung aller Anwesenden führte. Kevin lacht am meisten, bevor er der den kleinen weißen Wischmopp, wie ich ihn immer nenne, hoch auf den Arm nimmt.
Nach einer guten halben Stunde der Begutachtung, mit im Auto sitzen hinten auf dem teuren Sofa und bestaunen des imposanten Triebwerks, mit Anlassen, der Technik und der Innenausstattung, fuhr ich den Wagen in die Garage, an den Platz, der noch frei war, dort wo früher mal Omas großer Daimler stand, bis er im vorigen Jahr verkauft wurde.
Jetzt wollten wir nur noch in die Falle, schlafen und ausführliche Berichte wird es erst am Dienstag Morgen geben. Mit den zwei Jungs gingen wir dann runter zu uns uns, Lex ging mit Remmers und Ralf ins Haus. Kevin nahm auch den Fiffi mit runter und setzte ihn ins sein Körbchen. Später dann, als die Jungs im Bett liegen, hat er sich wohl doch schnell wieder ans Fußende gelegt, so wie vorher sonst auch immer.
Dienstag Morgen, haben Martin, Lex und ich von unserer Mission in England vor allen im Haus einen Bericht abgegeben, hauptsächlich Martin und in Sachen Internat dann auch Lex. Martin weiß, das ich nicht gern so vor Leuten rede, also macht er das dann immer, er ist halt ein Schatz, mein Schatz eben.
Ursprünglich sollte der Flug ja erst am zweiundzwanzigsten, also Donnerstag, stattfinden, aber weil die Leute aus dem Werk nun zwei Tage früher rüber mussten, hatte der Chef schon rechtzeitig umgeplant und alle informiert, das es bereits Dienstag los geht.
Gestern und heute stand und stehen ganz unter dem Einfluss des Eltern und Handwerkerfestes, das heute Nachmittag um sechzehn Uhr beginnend, vor dem Aufgang und auch in der WG und im Außengelände stattfinden soll und bei dem fast alle jungen Leute, die da sind, mit helfen beim Aufbauen und auch bei der Bedienung der Leute, die wohl, vor allem die Handwerker, sehr zahlreich erscheinen werden.
Sogar der Pool ist fertig und Jerome hat in die Einladungen geschrieben, das wer will, Badekleidung und Handtuch mit bringen kann, schließlich waren achtundzwanzig bis einunddreißig Grad gemeldet für heute.
Jerome und die Jungs haben alles im Griff, Markus Meinle grillt, mit Paolo als Verstärkung, und hat einen Teil des Essens im Hilton vorbereitet, das Jerome noch mal dort bestellt hat. Frau Gut und Frau Jensen, aber auch Wolfis Mutter haben einiges an Salaten gemacht und an Kuchen gebacken und sogar die Chefin hat mitgeholfen dabei. Einige der Jungs und Mädels haben auch noch Kuchen oder Salate von zu Hause mitgebracht.
Das ganze Zeug muss nun rüber nach Bremen gebracht werden, Martin hat den Kombi der WG und ich den Achter, auch in den Avant von Wolfi passt noch einiges rein und jetzt laden wir erst mal alles schön vorsichtig ein. Martin kommt mit dem Handy zu mir und reicht mir das Teil. „Die Oma ist dran“, sagt er und er geht Ralf suchen, damit der den Achter fährt.
„Kai“, höre ich die Oma, „wie lange brauchst du bis nach Emden?“ „Etwa eine Stunde und vierzig Minuten, Frau Remmers“, sag ich. „Unsere Fähre ist um 13:10 in Emden, kannst du dann da sein bitte, mit dem neuen Auto, wenns geht.“
„OK, Frau Remmers, das krieg ich hin“, sag ich und sage dann: „Tschüss, bis nach her.“ Martin kommt mit Sergej und auch Jerome, Alex und Ralf sind dabei. Sie fahren jetzt los und bringen mit drei Autos die Sachen zur WG nach Bremen. Als sie weg sind, gehe ich zur Chefin und sage ihr, das ich nach Emden fahre, die Oma, die Tante und Hinnerk abholen. Die Chefin weiß offensichtlich schon, das die Damen zurück kommen und an dem WG Fest teilnehmen wollen. „Ok“, sag ich, „ich fahre dann mal los.“
Leider muss ich jetzt wohl noch mal die Uniform anziehen und nach dem das gemacht ist, hole ich diesen neuen Wagen aus der Garage und fahre los. Da ich schon öfter nach Emden war, kenne ich die schnellste Strecke und komme gut voran.
Alle Einfahrvorschriften missachtend, lass ich mal auf der Autobahn die fünfhundert über siebzig Pferde los und fahre etwas flotter als werksseitig erlaubt.
Dreizehn Uhr, noch vor Einlaufen des Schiffs von Borkum, stehe ich in der Nähe des Piers und warte auf die drei älteren Herrschaften.
Bald darauf läuft das Schiff ein und ich gehe zum Pier, um beim Gepäck zu helfen. Gut erholt und lustig begrüßen mich die drei und als alles Gepäck auf dem Pier steht, wird erst einmal das Auto begutachtet. Hinnerk fallen bald die Augen raus und er kann sich ein: „Gesine, du bist verrückt“, nicht verkneifen.
Die Oma lacht und sagt: „Mein Sparschwein war voll, Hinnerk und jetzt wollten wir einfach mal was anderes, aus England, nicht aus Ingolstadt oder Zuffenhausen, das hat doch jeder heute. Außerdem gehört das Werk und die Marke der Volkswagen AG und da haben wir, Frieda und ich ein nettes, nicht unerhebliches Aktienpaket. Da muss man ja dann auch mal was zur Rentabilität beitragen, nicht wahr.“
Ich muss beim einladen des Gepäcks grinsen, die Oma und ihre Schwester sind einfach cool. Hinnerk und die Damen setzen sich auf die teure Couch im Fond des Nobelschlittens und sind vom Sitzkomfort und auch von allem Drum und dran hellauf begeistert. Kurz darauf bin ich auf der Autobahn und die Oma sagt: „Kai, wir fahren zuerst zu Hinnerk und von dort aus dann um sechzehn Uhr in die Fabrik, die jetzt keine mehr ist. Ich hoffe, das Lis und Martin dicht halten, wir wollen die jungen Leute überraschen, von denen hat uns doch keiner auf der Rechnung. Wir können auch Überraschung, nicht nur Carl August.“ „Genau“, sagt die Tante Frieda und lächelt verschmitzt.
„Haben die Schneiders die Wohnung schon bezogen, Kai?“, fragt Oma mich jetzt und ich erzähle, was ich über den Einzug weiß, Kevin und Wolfi hatten ausführlich darüber berichtet und auch vom Trip nach England und die Internatsgeschichte mit Alex berichte ich den Damen und Hinnerk detailliert.
Das wir mit dem Auto dort den Dicken gemacht haben, ich in Uniform und Martin und Lex im feinen Zwirn, das gefällt den Dreien hinten im Fond, das ist nach Omas und Friedas Geschmack.
Fünfzehn Uhr sind wir dann bei Hinnerk, dessen Gepäck ich auslade und ins Haus trage, das uns von einer gut gelaunten Dörte geöffnet wird. Die Damen gehen noch auf einen Sprung mit Hinein, während ich im Auto bleibe. Viertel vor Vier sind die drei nun wieder im Wagen und es geht los.

Alex Brunner, Samstag, 31.07.2010, neun Uhr morgens, Intensivstation, Klinik New York

Seit acht Uhr bin ich hier, habe Norman Parker abgelöst, der über Nacht hier in Robins Nähe war. Mein kleiner Robin, der nach Ende der OP gestern Nachmittag um drei, hier liegt und der vorerst fest schläft. Die OP am offenen Herzen mit Herz-Lungenmaschine war für mich zwar nichts Neues, aber die Technik und die Methode waren schon Klasse. Es gab während der OP keine nennenswerten Komplikationen und alles verlief nach Plan. Allerdings gab es dann doch drei Versuche, bis Robins Herz wieder von allein und regelmäßig schlug und uns, vor allem mir, fiel ein Stein vom Herzen, als alles gut war dann zum Schluss.
In Jasons Büro gab er uns dann zuerst mal einen Whiskey, er meinte, den hätten wir uns alle verdient. Norman Parker übernahm die erste Nacht, ein Arzt ist immer in unmittelbarer Nähe des Operierten, da gibt es extra eine Raum mit Bett und Schreibtisch auf der Intensivstation und das Personal kann immer sofort den Arzt rufen, wenn es ein Problem gibt.
Die erste Hürde scheint nun genommen, die Werte sind gut und es sieht so aus, als hätte mein Kleiner alles gut weggesteckt. Die ganze Woche über war ihm nichts anzumerken und erst, als wir ihn gestern Morgen herbrachten, drückte er uns alle fest, küsste uns, Chris, Matze und mich und sagte dann: „Das war jetzt nur für den Fall, das die Amis da drin es vermasseln nachher und ich nicht heil daraus komme. Dann könnt ihr wenigstens Mama sagen, das ihr alle noch einen Schmatzer von mir bekommen habt.“ Ja und dann kam der Anästhesist und es ging los.
Ich war selten so angespannt bei einer OP wie bei dieser und selber hätte ich Robin wohl kaum operieren können, die emotionale Bindung ist wohl einfach zu groß, aber meine Fähigkeiten waren auch nicht gefordert und das war mir auch gerade recht. Hier war ein eingespieltes, fantastisches Team am Werk und je länger die OP dauerte, um so ruhiger und zuversichtlicher wurde ich. Was hier geboten wurde, war medizinisch vom Feinsten, in jeder Beziehung und auch die Technik war absolute Spitze.
Das es dann drei Versuche brauchte, das während der OP stillgelegte Herz wieder zum Schlagen zu bringen, liegt durchaus im normalen Bereich, hat mir Jason hinter her beim Whiskey erzählt. Er hat dann auch gemeint, erst wenn es mehr als fünf Versuche bedarf, wird es kritisch.
Ich habe dann den beiden Jungs in der Wohnung eine SMS geschickt, das alles gut verlaufen ist und das Robin jetzt schläft auf der Intensivstation und auch geschrieben, sie sollen das an Robins Mama weitergeben und auch an Remmers. Dann habe ich gesagt, das sie uns den Van schicken sollen, um mich zurück zum Haus und auch Jason nach Hause zu bringen.
Dan Nicholson wurde später von seiner Frau abgeholt und so tranken wir drei dann noch einen zweiten Whiskey. Norman, der die Nacht über hier blieb, trank keinen mehr und er ging dann auch zeitnah zur Intensivstation.
Bei den noch anstehenden Operationen wird endoskopisch gearbeitet und nur in Ausnahmefällen wird der Brustkorb noch einmal geöffnet und die Herz-Lungenmaschine gebraucht. Ob das bei Robin der Fall sein wird, kann man frühestens in einer Woche sagen und erst, wenn er wach ist und aufstehen kann.
Jetzt werde ich bis morgen früh um acht hier bleiben und regelmäßig nach meinem Kleinen sehen, der wohl am Montag aus seinem Heilschlaf aufgeweckt werden soll.
Alle Werte sind gut im grünen Bereich und so wie er da liegt, so müssten Engel aussehen, wenn es sie dann gäbe, was ich als studierter Mann, der schon einige Kinder und Jugendliche sterben sah in meiner fast zwanzig jährigen Tätigkeit als Arzt, absolut nicht glauben kann. Götter, vor allem Gute, kann es nicht geben bei der Not und dem Elend, das in manchen Teilen dieser Welt herrscht.
Religionen, welche auch immer, sind heuchlerisch und von Übel, davon bin ich überzeugt und wenn dann Eltern an dem Bett ihrer gerade verstorbenen Kinder mit beten anfangen, möchte ich oft sagen: „Zu spät, und alles beten vorher war auch umsonst. Wo kein Gott existiert, keiner da ist, kann auch keiner helfen.“
Bei Robin betet auch niemand, seine Mutter nicht, Chris schon gar nicht und der Matze löst sich gerade sehr erfolgreich von seiner Religionsverseuchten Vergangenheit, die ihm, nur weil er schwul ist, soviel Böses wollte.
Wer so was glauben will, soll das wegen mir tun, ich habe Mitleid mit ihnen, weil sie vor lauter Regeln nicht zum Leben kommen. Fast alles, was den Menschen ein wenig Spaß bringt, ist Sünde und viel gute Zeit wird vergeudet für irgendwelche sakralen Handlungen und Veranstaltungen und oft werden Andersgläubige ausgegrenzt, verfolgt und nicht selten getötet, das hatten wir ja nun in Europa auch lange genug.
Ich kontrolliere erneut alle Werte und gehe dann in das Ärztezimmer, rufe die Jungs an und sage ihnen, wie es Robin heute Morgen geht und das sie es seiner Mutter schreiben sollen und auch Jerome. Markus werde ich später auf seinem Dienstrechner im Hotel anschreiben und im Bericht über uns erstatten. Auch meinem Chef im Herzzentrum in Bremen werde ich einen ersten, genauen Bericht mailen.
Mit dem mir von Jason gegebenen Passwort logge ich mich auf dem im Arztzimmer vorhandenen Rechner ein und beginne mit dem Bericht an meine Klinik und als der unterwegs ist, maile ich Markus den neusten Stand der Dinge und auch, das ich ihn schon ein bisschen vermisse und fast immer an ihn denken muss. Nun gehe ich mal wieder nach dem Kleinen schauen, der wie ich feststelle, ruhig und gleichmäßig atmet und auch sonst ist alles OK bei und mit ihm. Der Pfleger, der sich um Robin und noch einen weiteren, sehr jungen Patienten kümmert, sagt, als er mich sieht: „The Boy it`s all right, Doc“, und lacht mich dabei an. Ich geh in das Arztzimmer zurück, schalte den dort stehenden Fernseher ein und schaue auf CNN, was es neues gibt in der weiten Welt da draußen.

Lex, Samstag, 31.07.2010, Fünfzehn Uhr, auf dem Hof der WG, im Innenraum eines Bierstandes.

Wir, Ralf und ich, haben die Aufgabe übernommen, die Gäste des heutigen Festes mit Getränken zu versorgen. In einem ziemlich neuen und sehr gut ausgestatteten Bierverkaufsstand mit Zapf und Kühlanlage und allem drum und dran ist das mit Sicherheit gut zu machen und Ralf kann ja auch zapfen und kennt sich mit der Materie gut aus. Ich habe noch nie Bier gezapft, aber Ralf will mir das lernen heute.
Es gibt auch jede Menge andere Getränke in Flaschen, auch Wein und dieser hier wohl zur Grundausstattung zählende Cremant de Loire ist in ausreichender Anzahl vorhanden. Natürlich gibt es auch große Mengen alkoholfreier Getränke. Sollte es zwischenzeitlich mal zu viel für uns zwei werden, wird Sergej mit einspringen hier oder der Martin oder wer dann gerade frei ist.
Unweit vom Getränkestand ist das Essen und zwei Gasgrills aufgebaut, die von dem Herrn Meinle und Paolo betrieben werden. Salate, sie stehen in zwei gekühlten Glastheken unter zwei großen Sonnenschirmen, verschiedene Brot und Brötchensorten und ausreichend Geschirr und Besteck sind vorhanden und dort ist die Sigrid, ihre Mutter und der Torsten zum Helfen mit dabei.
Sogar so ein Spülmobil hat Jerome gemietet, Pappteller und Wegwerfbestecke gibt es hier nicht, das ist bei Remmers Tabu.Um das Spülen kümmern sich Frau Jensen mit Marvin und Marie. Auch Kevins Onkel mit Familie wird kommen und der dritte Mitarbeiter der PC-Firma ist auch eingeladen.
Für die männlichen Besucher ist ein Toilettenwagen drüben an der Mauer aufgestellt, die Damen müssen entweder nach oben gehen oder die Toiletten in der einen Garage benutzen, in der auch zwei Umkleideräume eingerichtet sind.
Der Pool ist geil, mit Edelstahlbecken, einer Liegefläche mit Liegen und Sonnenschirmen auf Kunstrasen, also richtiges Urlaubsfeeling kommt da auf. Hier, in dieser WG zu wohnen, stell ich mir geil vor und wenn alles klappt, sind Ralf und ich im nächsten Jahr ja dann auch dabei.
Das Leben ist jetzt ein total anderes hier bei meiner neuen Tante Lis, so sag ich jetzt immer zu ihr, obwohl ich ja immer noch der gleiche Alex bin, wie vor drei Wochen. Sie ist schon eine tolle Frau und das sie eine Schwester meiner Mutter ist, merkt man ihr nicht an. Welten liegen da dazwischen, sie ist tolerant, weltoffen und sehr souverän, eine tolle Mutter und hält alles zusammen hier, habe ich den Eindruck. Der Onkel ist ein Macher, einer der nichts dem Zufall überlässt und der auch immer bereit ist, jede Art von Herausforderung anzunehmen und Probleme zu lösen. Beide, das merkt man sehr schnell, nehmen alle Leute ernst und wenn jemand Hilfe braucht, bekommt er sie auch.
Kevin, Paul und Enrico und jetzt auch ich kamen oder kommen in den Genuss dieser Hilfen und die umfassen immer alle Lebensbereiche, ja sogar auf mein Gefühlsleben wird positiv eingewirkt. Ralf, von dem sie wissen, das ich den sehr mag, wird mal kurzer Hand als Aushilfsfahrer mit wohnen bei uns im Haus behalten, so das er nicht mehr aufs Schiff muss, damit er in meiner Nähe sein kann.
Der Onkel treibt mit Hilfe der Kripo hier und privaten Ermittlern hier und in Bonn die Aufklärung in Sachen Uwes Tod voran, obwohl sie Uwe nicht kannten, nur mir zu Liebe, damit ich in absehbarer Zeit mit dem Kapitel Uwe im Buch meines Lebens abschließen kann.
Die Internatsgeschichte wurde gelöst und ein Besuch in Bonn bei Uwes Eltern und an seinem Grab ermöglichen sie mir auch. So wurde sich noch nie um mich gekümmert und das sind nicht meine Eltern, das muss man sich erst mal rein ziehen, Wahnsinn ist das.
Es geht auf sechzehn Uhr los und bald werden die ersten Gäste hier erscheinen.Wir sind gut vorbereitet und als Jerome mit Wolfi kommt, recke ich den Daumen hoch, zum Zeichen, das wir bereit sind. Wolfi macht Fotos von uns in unserem Bierstand und dann gehen sie weiter rund, überall schauen, ob alles klar ist.
Nach dem wir vorhin alles ausgeladen haben, ist der Martin mit dem Achter wieder zurück gefahren zum Haus nach Bremerhaven, um später, um sechzehn Uhr, Onkel und Tante her zu holen. Mit denen im Wagen fährt er jetzt gerade auf den Hof und auch andere Wagen kommen jetzt, es geht also los.
Ralf hat jetzt zwei Bier gezapft und mit einem guten Schuss Cola gemischt. Eins davon reicht er mir und sagt: „Eins vorab zum Probieren, bevor der Ansturm nach her los geht, Prost, auf unsere Zukunft.“
An der Giebelseite, im Gebäudeschatten sind etliche Tische und Bänke aufgestellt, mit Sonnenschirmen, unweit von uns und vom Essen. Hier lassen sich jetzt auch die ersten Gäste, von Jerome begrüßt und dort hingeleitet, nieder. Seine Eltern haben auch dort Platz genommen und an einigen Stehtischen werden sich später bestimmt auch Grüppchen bilden. Die ersten Leute kommen jetzt zu uns und es geht los. Ralf zapft Bier und ich gebe andere Getränke aus. Nachher werden wir dann auch Gläser spülen müssen, Paul könnte dann noch zu uns reinkommen mit Rolf, wenn es zu viel Betrieb ist.

Ole, Samstag, 31.07. 2010, ab sechzehn Uhr an der WG.

So, es geht los und nach Lis und Carl August kommen Herr Knauer, die Stiefels, Vater und Sohn und auch nach und nach die meisten der Handwerker, die hier mit gearbeitet haben. Paul hat gesagt, das der Ulli mit seiner Freundin auch her kommt, er freut sich drauf, seinen Bruder zu sehen. Wenn alle, die hier gearbeitet haben, kommen dürften es mit uns und den Familien locker hundert Leute werden und so haben wir auch geplant. Mikes Eltern und Rolfs Opa mit den hier eingesetzten Leuten sind auch gekommen.
Da nicht alle oben in der WG feiern können und wir das auch nicht wollten, haben wir alles runter auf den Hof verlegt und oben auf jeder Seite ein Zimmer zur Besichtigung geöffnet, auch der Wohnraum und die Küche sind zum Anschauen geöffnet. Allerdings gibt es oben nichts zu essen und zum trinken und Frank und ich werden abwechselnd oben sein zum erklären und auch ein wenig zum Aufpassen, weil Küche und Wohnraum schon fast fertig ausgestattet sind.
Das alles pünktlich fertig und so gut geworden ist, das haben wohl die wenigsten am Anfang für möglich gehalten, aber es ist tatsächlich alles fertig bis auf die Baumscheiben, da fehlen halt die Bäume. Die können erst im Herbst gepflanzt werden, jetzt im Sommer, ist das Risiko zu groß, das sie nicht anwachsen und dann kaputt gehen.
Sonst ist wirklich alles fertig geworden und auch alles richtig gut geworden. Eine Musik und Sprechanlage hat Jerome auch gemietet, zwecks Rede und auch zur musikalischen Unterhaltung.
Jetzt kommt, von kurzem Hupen angekündigt, Kai mit dem neuen Bentley und alle Augen gehen zu dem Wagen hin, der jetzt in zehn Meter Entfernung vor den Sitzgarnituren an hält.
Kai, in Galauniform, steigt aus und öffnet die Türe und heraus kommt….die Oma, gefolgt von Frieda und Hinnerk und Oma meint: „Keine Feier ohne Meier, guten Tag zusammen.“ Ein kurzer Applaus heißt die drei willkommen und während Jerome die drei nach einer netten Begrüßung zu den Tischen bringt, gehen die ersten Leute auf das Auto zu und wollen es aus der Nähe ansehen. So was sieht man halt nicht jeden Tag.
Kai fährt den Wagen vorsichtig zur Seite und parkt dann, bleibt aber zunächst beim Wagen, um Fragen der Leute zu beantworten. Motorhaube und Türen stehen jetzt offen, so das alle alles sehen können. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, bis das Interesse an dem Wagen nachlässt.
Jerome geht jetzt zu der Anlage, unterbricht die bisher leise erklingende Musik und räuspert sich ins Mikrofon, zum Zeichen, das er etwas sagen möchte. Es wird stiller, das Gemurmel erlischt ganz, als er zu reden beginnt:
„Liebe Freunde, liebe Gäste. Ein guter Plan ist, mit Hilfe der hier heute zahlreich vertretenen Handwerker der Firma Stiefel und der beteiligten Subunternehmer, unter der fachlichen Aufsicht von Ewald Knauer und seinen Leuten, in die Realität umgesetzt worden. Aus einem schon älteren Fabrikteil wurde eine Studentenwohngemeinschaft, in der das Wohnen und Leben Spaß macht und die keine Wünsche übrig lässt.
Der Plan dazu wurde erst vor etwa drei einhalb Monaten gemacht, nachdem sich bei Armin, einem unserer Freunde, einige sich bis dort hin gar nicht oder nur flüchtig kennende junge Leute zu einer Party mit dem Hauptzweck, sich kennen zu lernen, zusammen gekommen sind. Daraus wurde eine tolle Freundschaft, zu der nach und nach weitere junge Leute dazu kamen. Es entstand die Idee, zum Studienbeginn eine WG zu bilden und in Ermangelung eines geeigneten Wohnraumes für so viele haben wir uns entschieden, hier in diesem Gebäude eine WG zu errichten.
Das ist nun, dank der guten Arbeit von Herrn Knauer und den vielen guten Handwerkern der Firma Stiefel und der mitbeteiligten Subunternehmer, zu einem, wie ich finde, sehr tollen Objekt geworden, das als Studenten-WG wohl seines gleichen sucht. Den Leuten, die das vollbracht haben, möchten wir heute mit diesem Fest Danke sagen und den Eltern und Freunden bei dieser Gelegenheit unser neues zu Hause für die Dauer des Studiums vorstellen. Auch die Mädels und Jungs, die vorhaben, hier in Bremen im nächsten Jahr zur Uni zu gehen, sollen sehen, wie sie, so sie es wollen, wohnen und leben können. Jeder, der möchte, kann sich die Räume oben anschauen, wir bitten aber darum, keine Speisen und Getränke mit nach oben zu nehmen.
Oben im Eingangsbereich hängt eine Liste aller hier beteiligten Firmen aus mit den Gewerken, die sie hier alle sehr gut und ordentlich gemacht haben.
Noch einmal möchte ich allen für ihre hervorragende Arbeit danken, ihr ward große Klasse.
Wer möchte, kann gerne den ebenfalls tollen Pool benutzen, Umkleidemöglichkeit für Männlein und Weiblein sind in der mittleren der drei Garagen eingerichtet.
Wir, die Leute der WG und unsere Freunde wünschen euch allen einen tollen Tag hier bei uns und wir freuen uns, das ihr alle da seid.“ Applaus gibt es und dann will er die Muke wieder an stellen aber die Oma winkt ihn zu sich und er geht rüber die paar Schritte zu seiner Oma und der Tante Frieda.
Die Oma steht nun auf und geht an das Mikrofon. Alle schauen hin zu ihr und sie beginnt, zu sprechen: „Liebe Mädels und Jungs, liebe Freunde, Gäste und Handwerker. Meine Schwester und ich wollten die heutige Feier zur Fertigstellung der von Jerome, meinem Enkel geplanten WG nicht versäumen und haben unseren Kururlaub für zwei Tage unterbrochen, um heute hier dabei zu sein. Wie allgemein üblich, haben wir zum Einzug in das neue Heim ein kleines Präsent dabei und weil wir nicht wussten, was noch fehlt, haben wir was in einen Umschlag gemacht, den wir euch jetzt übergeben. Kauft euch vom Inhalt unseres Kuverts, was ihr noch braucht. Alles Gute zu eurem Einzug.“
Sie übergibt Jerome einen Umschlag, nimmt ihn in den Arm und küsst ihn. Auch Frieda schließt sich mit Umarmung und Kuss an. Ein kurzer Applaus kommt auf, dann tritt Herr Knauer ans Mikrofon, sagt ein paar Worte zu der Baustelle, dem guten Verlauf der Arbeiten und wünscht dann ebenfalls alles Gute zum Einzug. Auch er übergibt ein Kuvert an Jerome.
Nun kommt auch der junge Herr Stiefel, bedankt sich nachträglich für den Bauauftrag, sagt das alle Arbeiter sehr gern und auch an Samstagen gern hier gearbeitet haben und das sie uns alles Gute zum Einzug wünschen. Er bedankt sich dann auch bei den Subunternehmern, nennt die Firmen beim Namen, auch die von Mikes Papa und Rolfs Opa und übergibt Jerome dann, stellvertretend für alle Firmen ebenfalls, ein Kuvert.
Jerome, wohl etwas überrascht von der Aktion, bedankt sich bei allen für die Kuverts und die guten Wünsche. Damit ist der offizielle Teil des Festes wohl zu Ende und es beginnt der gemütliche Teil.
Natascha, Sigrid, Paolo und auch Torsten haben, nach dem sie jeder vom Kuchen gegessen haben, Badekleidung angezogen und gehen zusammen in den Pool, Jerome hat ihnen gesagt, das welche von uns den Anfang machen müssen, weil die Leute sich sonst nicht trauen. Bald darauf hat es dann einige, die auch einen Sprung in den Pool wagen wollen und bald tummeln sich viele, überwiegend junge Leute in dem noblen Becken, das Platz für viele bietet. Der Fiffi liegt derweil im Schatten, die lange Leine um den Standfuß eines Sonnenschirms geschlungen, versorgt mit Futter und Wasser in der Nähe von Lis und Carl August.
Nun beginnt ein zwangloses Treiben, es wird gegessen und getrunken und viel geredet und so nach und nach schauen die meisten auch mal, wie es denn oben jetzt so fertig aussieht. Im Flur zwischen den Zimmerreihen sind etliche Bilder aus Wolfis Produktion, die den Bauverlauf zeigen. Je weiter man durchgeht, um so mehr sieht man die Fortschritte und zum Ende hin kommt man dann in den großen, gemütlich eingerichteten Wohn- und Essraum, der auch keine Wünsche offen lässt.
Alle, die von oben runterkommen, sind begeistert von den Räumen und sagen das auch und die Handwerker werden sehr gelobt. Wolfi hält viele Momente im Bild fest und dokumentiert so dieses tolle Fest hier draußen.
Kevin zeigt der Familie seines Onkels die Räume oben und dann auch sein und Wolfis zukünftiges Zimmer, das schon fast fertig eingerichtet ist und in dem sie heute Nacht zum ersten Mal schlafen wollen, wie auch wir anderen wohl hier in unseren neuen Zimmern bleiben werden.. Da noch genügend Zimmer frei sind, werden auch die meisten unserer Freunde heute Nacht, nach dem Ende des Festes hier bleiben und bei uns übernachten.
Ich denke, das wir dann zu Mitternacht, wenn alle Gäste weg sind, zum Nacktbaden in den Pool gehen werden, so hat es jedenfalls Jerome angeregt. Die meisten von uns, die jetzt hier einziehen, haben ihre Sachen zum größten Teil schon hier, deshalb sind auch nur zwei Wohneinheiten zur Besichtigung offen.
Auch die Küche, einschließlich Kühl- und auch Gefrierschrank, ist aufgefüllt und der geile Kaffeeautomat, ein italienisches Gastronomiegerät für dreieinhalbtausend Euro, hat Jerome bestellt, ist angeschlossen und aufgefüllt, es gibt also keinen vernünftigen Grund für uns, heute Nacht nach Hause zu fahren. Jerome hat gemeint, wenn morgens einige auf einmal Kaffee trinken wollen, muss eine vernünftige Maschine her und die haben wir jetzt auch. Cool.
Wir können also auch unbedenklich das ein oder andere Bier trinken heute oder Cremant, da keiner von uns mehr fahren muss heute.
Nach dem am Dienstag die Bauabnahme beendet war, haben wir mit der aus unserer Sicht nötigen Erstausstattung begonnen, waren groß einkaufen, mit Liste und so und bis gestern Abend war dann alles da. Klopapier, sehr wichtig, Reinigungsmittel, Waschmittel, diverse Lebensmittel zum Kochen und fürs Frühstück, Getränke und auch Knabberzeug und so was, halt alles, was ein Haushalt braucht. Dazu habe ich von jedem zunächst mal einhundert Euro eingesammelt und zusammen haben wir die Einkaufsliste geschrieben und Paul und der Rolf, der ja noch krank geschrieben ist diese Woche, waren dann mit Sergej und dem Kombi zum Einkaufen bei Aldi, Lidl und Co. Es gab dann einiges hoch zu tragen, alle mussten helfen und dann haben wir, die ersten Bewohner, zusammen alles eingeräumt, damit später jeder weiß, wo er was findet, wenn es gebraucht wird.
Die Bäder wurden ausgestattet mit allem, was man so braucht und das wurde dann mit persönlichen Dingen ergänzt, Rasier- und Zahnpflegedinge und so weiter. Natürlich auch diverse Sachen für die netten Spielchen zu zweit durften nicht fehlen und so war eigentlich schon gestern Abend alles fertig zum WG Start. Wir waren dann aber schnell einig, erst heute Nacht hier zu bleiben und am Sonntag in der Frühe, so gegen Zehn vielleicht, unser erstes gemeinsames WG Frühstück ein zu nehmen, mit ein paar von unseren Freunden, die nämlich, die heute über Nacht hier bleiben.
Da ist Rolf, der bei Paul bleibt, Dirk und Mike bleiben auch und Ralf und Lex und auch Tom und Micha. Alle haben Sachen mit gebracht, um über Nacht zu bleiben.
Die anderen, Torsten und Sigrid, fahren mit Paolo und Natascha zu Remmers und schlafen dort und Armin und Denise, die fahren zu Armin nach Hause. Den anderen, in Italien und denen in den USA habe ich zwischendurch das ein oder andere Bild geschickt, um sie auf dem Laufenden zu halten. Vom Gardasee und aus den Staaten kommen auch Bilder zu uns und Alex Brunner hat sogar eins von Robin geschickt, nach der OP auf der Intensivstation, wie er da liegt und schläft wie ein Engel, unser Kleiner.
Die Aufteilung der Zimmer haben wir fürs Erste fest gelegt. Kevin und Wolfi bekommen das erste Zimmer mit Bad, wenn man hoch kommt von unten, auf der rechten Seite. Jeder hat dann sein Zimmer und das Bad ist dazwischen.
Das zweite Apartment mit Bad bekommen Frank und ich, zwei Zimmer mit Bad dazwischen und das dritte nehmen Jerome und Sergej.
Das erste Zimmer mit Duschbad auf er gegenüber liegenden Seite bekommt Paul, so das noch fünf Zimmer mit Duschbad frei sind.
In allen Zimmern sind ja Doppelbetten und Schränke genug für zwei Mann, so das noch einiges an Betten frei ist und wenn es später Platz mäßig nicht reicht, können wir ja ein Apartment mit Jerome und Sergej teilen, mal sehen, wie es sich entwickelt. Zunächst müssen wir wohl eine mehrwöchige Eingewöhnungsphase durchlaufen, an deren Planung ich bereits arbeite. Da es hier keine Mütter, Väter, Köche und auch keine Putzfrauen gibt, muss ein genauer Plan her, der die verschiedenen anfallenden Arbeiten erfasst und regelt, wer was wann leisten soll und wie wir gerade jetzt am Anfang mit nur sechs Bewohnern auch alles bewältigen bekommen. Morgen, am Nachmittag wollen wir uns besprechen und jeder soll dann Vorschläge machen, wie es laufen könnte.
Da wir ja nach Jeromes Willen keine Miete zahlen dürfen, sondern lediglich einhundert Euro in ein Sparschwein machen für einen guten Zweck und wir wohl auch mit je einhundert Euro für Essen und trinken auskommen, wenn wir in der Mensa essen und Kevin im Hotel, dann hat jeder ja von den ursprünglich geplanten Vierhundert Euro noch einiges übrig. Für Wäsche, Körperpflege und Hygiene rechne ich mal noch fünfzig Euro pro Nase, so das rund hundertfünfzig Euro übrig wären.
Da könnten wir ja eine Reinigungskraft auf Vierhundert Euro Basis für den Flur, die Küche und den Wohnraum engagieren, mal sehen, was die Jungs davon halten. Ich gehe jetzt mal nach oben, Frank ablösen, damit der auch was Feines essen kann, Kuchen wird er wohl zunächst essen mein Schatz, er ist ja ein kleines, süßes Leckermäulchen und ich liebe ihn täglich mehr, falls das überhaupt noch möglich ist.
Seine Eltern kommen erst gegen achtzehn Uhr, aber sie kommen, das zählt.
Kevin hat jetzt seine Cousine, die Tochter von Rufus, gebeten, ein wenig mit dem Fiffi spazieren zu gehen und Rolfs Schwester fragt wohl gerade, ob sie auch mit gehen darf. Beide Mädchen, Rufus Tochter ist etwas älter, machen sich auf den Weg mit dem Hundchen, groß verlaufen kann man sich hier nicht und Durchgangsverkehr ist hier Samstag Nachmittag auch keiner. Im Pool wird jetzt Ball gespielt uns alle scheinen sich gut zu amüsieren, alles läuft gut und es ist ein toller Nachmittag für alle hier.

Chris, Sonntag, 01.08.2010, im Haus in New York, etwa neunzehn Uhr Ortszeit

Die Woche ist sehr schnell rum gegangen, in Erwartung der am Freitag stattgefundenen OP und Alex Brunners Samstag bei Robin in der Klinik, konnten wir heute Morgen für eine viertel Stunde zu meinem Bruder, auch Matze durfte mit. Robin, der ruhig und friedlich schläft und alles offensichtlich gut überstanden hat, liegt da wie ein blonder Engel, etwas blass um die Nase, aber sonst sieht er gut aus. Mehrere Infusionen und auch Sauerstoff sind angeschlossen und durch einen Katheder läuft sein Urin direkt in einen Beutel, der am Bett hängt.
Alex hat uns dann erklärt, was genau gemacht wurde und das der Kleine am Montag auf geweckt werden soll und auch, das wir dann nochmal kurz zu ihm dürfen. Seine Lage ist stabil und Lebensgefahr besteht zur Zeit nicht und wenn keine Komplikationen auftreten, kann er am Ende der Woche zunächst zu uns ins Haus und sich vor der nächsten OP in etwa drei bis vier Wochen entsprechend erholen.
Ein leichtes Rehaprogramm, auch mit ersten sportlichen Anteilen beginnt dann nach der zweiten OP und wird nach einer Woche, dann auch ambulant weiter geführt. Die Hormonbehandlung beginnt dann, wenn er die Klinik am Freitag verlassen darf und Alex wird das überwachen und Jason wird wohl auch dann täglich gegen Abend auf dem Weg nach Hause vorbei schauen und alles mit Alex und Robin besprechen.
Am gestrigen Vormittag, nach dem Anruf von Alex, das der Kleine eine gute Nacht hatte und sein Zustand sehr gut ist, waren wir sehr froh und haben das dann auch in die Heimat weiter gegeben. Mama war happy und auch bei Remmers freute man sich über die guten Nachrichten, Robin betreffend.
Danach waren wir froh und Matze wurde schnell richtig schmusig. Wir haben uns dann wohl gegenseitig so richtig scharf gemacht, hoch geschaukelt auf Wolke sieben, saßen plötzlich ohne Kleider da und nach einem gemeinsamen Abstecher ins Bad sind wir dann ins Bett und haben uns geliebt, aber richtig geliebt und es war überwältigend.
Matze wird immer freier, kann sich jetzt auch so richtig fallen lassen, ist ein zärtlicher Top und ein liebevoller Bottom, der so richtig gut abgeht. Auch ich kann mich jetzt voll auf ihn einlassen, er ist neugierig, will alles wissen, erkundet meinen und auch seinen Körper, hat alle meine Stellen, an denen ich sehr empfindlich bin, gesucht und gefunden und er hat mir Gefühle beschert, die ich niemals vorher fühlen durfte bei den Fickaktionen in meinem Leben vor Matze.
Alles, was ich früher so sexmäßig erlebt habe, verblasst und verschwindet vollkommen aus meinen Gedanken, wenn wir zwei mit einander poppen. Es ist so geil, so schön und auch sein sexuelles Erwachen mit erleben zu dürfen, ist einfach nur schön. Ich bin schon süchtig nach seinen Liebkosungen und wenn er gefühlvoll in mich eindringt, fehlt nicht viel und ich komme, es ist unbeschreiblich, welche Gefühle und Empfindungen er in mir hervor ruft und ein Orgasmus mit ihm zusammen macht mich jedes mal fast ohnmächtig, handlungsunfähig. In dem Moment bin ich ein dreiundsiebzig Kilo schwerer Klumpen Glück, der stöhnend von ihm durch die höchsten Sexgalaxien katapultiert wird.
Sein Augenaufschlag, wenn er mich bläst und dabei zu mir hoch blickt, sein Gesicht, wenn er kommt, das alles bringt mein Herz zum Schmelzen und jedes mal wachsen wir noch stärker zusammen, wächst und reift unsere Liebe und wir wünschen uns beide, das es für immer hält, das mit uns Beiden.
Das wir diesen Status so schnell erreicht haben, hätte ich so nicht für möglich gehalten und von meiner anfänglichen Zurückhaltung, mit Robin als Begründung, ist nichts aber wirklich gar nichts übrig geblieben. Robin, denk ich, wird das gefallen, hat er doch Matthias vom ersten Augenblick an gemocht und jetzt hat er ihn lieb, wie man einen Bruder liebt.
Alex ist nach unten gegangen zu Herrn Miller, wir müssen morgen, am Nachmittag, mal wieder zum Einkaufen und das geht mit Herrn Miller einfach besser und vor allem schneller. Er kennt sich in dem riesigen Wal Mart aus, weiß immer, wo wir alles finden. Nach her, wenn Alex wieder oben ist, wollen wir eine Liste machen, mit den Sachen, die wir kaufen wollen.
Heute Nachmittag, nach unserem tollen Sex waren Matze und ich im Pool und haben ein wenig geschwommen. Es ist ja auch hier Sommer und es war immerhin achtundzwanzig Grad.
Jetzt schauen Matze und ich CNN, Nachrichten aus den USA. Unter anderem gibt es folgende Meldungen:
– Obama verspricht den Abzug der US Truppen bis zum Ende des August aus dem Irak, na ja, der hat schon viel versprochen……
– die Schauspielerin Lindsay Lohan wurde nach zwei Wochen aus dem Gefängnis entlassen, wegen irgendeiner Drogengeschichte war sie wohl im Knast……….
Ich schalte um, weil uns das alles sehr wenig interessiert und im nächsten Kanal läuft irgendeine Soap und im nächsten Kanal labert ein huzzeliges kleines Männlein lauter homophoben Scheißdreck, auch nichts dolles, also schauen wir nach, was an DVDs da ist und gucken dann einen Film. Der ist mit Nick Nolte, aus der „Stirb langsam“ Reihe, es ist der zweite glaub ich, der rauskam.
Als Alex von unten hoch kommt, machen wir die Glotze aus und schreiben zusammen eine Einkaufsliste für Morgen.
Alex ist müde, will ins Bett, weil er in der Klinik kaum geschlafen hat und er Morgen ja auch früh wieder dort sein will, wenn der Kleine wach wird. Wir werden auch mit dort hin fahren, Robin will uns bestimmt sehen und später fahren wir dann zurück, Matze und ich und gehen mit Herrn Miller einkaufen.
Als ich in Matzes Augen sehe, weiß ich, das wir jetzt auch ins Bett gehen. Matze ist aber nicht müde und mir schwant auch, das er das von heute Nachmittag noch etwas fortsetzen will und dagegen habe ich gerade gar nichts. Also los, ab in die Falle und so, wie er guckt, werde ich wohl zunächst mal der Bottom sein. Egal, das mag ich auch sehr gern und bei Matze so wie so. Sein schöner, leicht nach oben gebogene Freudenspender macht mich immer ganz verrückt. Auch ihm steht jetzt die Vorfreude deutlich im Gesicht und Alex Bemerkung „Viel Spaß“ beim Raus gehen lässt Matze rot werden.
Ich muss grinsen, es war aber auch zu deutlich zu sehen bei ihm und die ausgebeulte Jogginghose lässt auch keine Zweifel auf kommen, auf was der Abend hinaus läuft. Fast zwei Stunden haben wir auf dem Bett geleckt, gelutscht und gevögelt, in wechselnden Positionen, bis wir, Sperma und Schweiß verklebt und erschöpft, aneinander gekuschelt eingeschlafen sind. Es war einfach mega geil und sooo gut, in Worte kaum zu fassen. Ein Sturm der Gefühle und doch zärtlich, Liebe halt, einfach perfekt.

Carl August, Sonntag, erster August, elf Uhr in seinem Arbeitszimmer

Das Fest gestern war eine gelungene Sache und wir haben erst um dreiundzwanzig Uhr dreißig mit Martin, Torsten und Sigrid den Firmenhof verlassen. Natascha und Paolo sind mit Mutter und Frieda in dem neuen Wagen nach Hause gefahren, was meiner Tochter und ihrem Schätzchen wohl sehr gefallen hat. Paolo ist einfach ein ganz liebes Kerlchen, ehrlich und nett und Natascha macht einen sehr glücklichen Eindruck, seit sie fest mit ihm zusammen ist. Alles ist sehr schnell gekommen, das mit Jerome und Sergej und auch das mit meiner kleinen Tochter, die sie für mich immer noch ist.
Der Gedanke, das sie, obwohl noch nicht sechzehn, mit Paolo schläft, war Anfangs befremdlich, ja fast unangenehm für mich als Vater und erst die Wahrnehmung, das sie richtig glücklich ist dabei, hat mich mit der Tatsache versöhnt. Auch Lis hat mich beruhigt, an uns erinnert, wie wir waren und das wir ja auch unsere ersten Erfahrungen miteinander erlebt haben, weil vorher keine sexuellen Erfahrungen mit anderen Personen statt gefunden haben.
Es sprengt durch aus nicht meine Vorstellungskraft, Paolo als meinen Schwiegersohn und Sergej ebenso zu sehen. Wenn unsere Kinder nach uns kommen, dann haben sie ihren Lebenspartner gefunden und uns freut das, weil ihre Wahl gut ist und unseren Beifall findet. Das beide kein Vermögen besitzen oder reiche Eltern haben, juckt uns nicht, wir haben ja selber mehr, als wir zum Leben brauchen und es reicht auch locker für zwei Personen mehr.
Uns ist Ehrlichkeit besonders wichtig und auch die Bereitschaft, für andere da zu sein, auch mal Verantwortung zu übernehmen und da sind beide, Sergej und Paolo genau richtig.
Jetzt gilt es zunächst, die Sache mit Alex zu seinem Besten zu regeln, ihn zeitnah nach Bonn zu schicken, damit er von seinem ersten Freund Abschied nehmen kann. Vorher wird er sich wohl nicht richtig auf den Ralf einlassen, der, seit er hier aushilft als Fahrer, gezeigt hat, das er ein guter Mensch ist, vertrauenswürdig, fleißig und hilfsbereit und das, wenn er und Alex zusammen kommen, es auf eine Verbindung mit Zukunft hinaus läuft. Das wäre für unseren Neffen bestimmt gut und er würde sich in seiner neuen Welt dann auch wohl fühlen.
Herbert Rohleder, mein Kripofreund hat am Donnersteg angerufen und mir mit geteilt, das Alex, wenn möglich, am dritten August, also am Dienstag nach Bonn kommen soll zur Vernehmung und Besprechung, das werde ich dem Jungen und auch dem Ralf und dem Ole später sagen. Vor dem Fest gestern wollte ich den Jungen nicht damit belasten, dazu ist es heute noch früh genug. Nach her, wenn wir alle hier wieder nach Bremen fahren zum Reste essen, werde ich ihm, in der WG sagen, was am Dienstag auf ihn zu kommt und das er nach Möglichkeit schon vorher bei Uwes Eltern seinen Besuch ankündigen soll. Die Adresse und die Telefonnummer hat Herbert aus der Ermittlungsakte raus geschrieben und mir mit geteilt.
Martin kann die drei, Ole, Ralf und Alex mit dem Achter nach Bonn fahren, so das sie um zehn Uhr dort bei der Kripo sind. Herbert hat weiterhin gesagt, das die Bonner Kollegen den belgischen Autohändler ausfindig gemacht haben und mit Hilfe der belgischen Polizei hat es wohl auch eine Vernehmung des der Polizei in Belgien nicht unbekannten Mannes gegeben, das Ergebnis war Herbert aber zum Zeitpunkt unseres Gesprächs noch nicht bekannt. Mal sehen, was da noch alles ans Tageslicht kommt in der Geschichte.
Kai hat mir und Lis gesagt, das er mit Martin am Montag, den sechsten September aufs Standesamt gehen wird, um sich offiziell zu verpartnern und das Sie an dem darauf folgenden Samstag im Nebenraum der „Alten Luneschleuse“ ein bisschen mit uns allen feiern wollen. Das nächste Event wirft also seine Schatten voraus. Wenn das dann geschehen ist, müssen wir unbedingt Kevins Adoption durch die Beiden in Angriff nehmen. Oliver Salm soll sich um die rechtliche Seite kümmern, weiß auch schon länger, das das ansteht irgendwann und hat bestimmt schon einiges geregelt.
Im November, am zwanzigsten, wenn ich mich recht erinnere, werden Kai und Martin ja dann auch in die USA fliegen, um das Musical „Phantom der Oper“, das ich ihm für die Beiden in Lübeck geschenkt habe, anzuschauen und ein paar schöne und luxuriöse Tage dort zu verbringen.
Nun kommt aber zunächst mal die Bonner Aktion, von der wir uns alle neue Erkenntnisse erwarten, was die Umstände zu dem Tod dieses Uwe geführt haben. Auch hoffen Lis und ich, das der Alex danach in der Lage ist, mit diesem Kapitel seines Lebens ab schließen zu können und das er, wenn er und Ralf es wollen, auch mit diesem zusammen kommt und er hier bei uns glücklich wird. Im nächsten Jahr, davon gehe ich jetzt mal aus, können beide studieren in Bremen und dann auch in der WG einziehen, wenn sie das wollen. Wir hoffen, das der Junge es schafft, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und hier bei uns und mit uns glücklich zu werden. Lis kommt und auch die jungen Leute von oben, Torsten, Sigrid, Paolo und unsere Tochter, kommen jetzt ins Zimmer, kurz drauf Mutter und Frieda, die erst morgen wieder mit Kai nach Emden und dann nach Borkum zurück fahren, um weiter zu kuren.
Martin und Kai haben die Wagen vor gefahren und wir steigen ein, Paolo und Natascha wieder im Bentley, wir, Lis und ich und Sigrid und Torsten im Achter, den Martin fährt. Auf geht’s, zum Reste essen nach Bremen, wo unsere Jungs die erste Nacht in ihrer WG geschlafen haben. Hoffentlich gut und ohne Probleme.

Sergej, Sonntag, erster August 2010 in der WG gegen zwölf Uhr

Nach dem alle Gäste weg waren, so kurz vor Mitternacht, waren wir alle, die über Nacht hier bleiben wollten, noch einmal im Pool, nackt und mit viel Spaß. Um ein Uhr waren wir dann oben, reif fürs Bett und schnell waren alle in ihren Zimmern verschwunden. Die Betten sind toll und wir haben gut geschlafen und heute Morgen sind bestimmt schon einige der Betten auf ihre Stabilität getestet worden. Jerome und ich haben lediglich unter der Dusche ein bisschen Spaß gehabt, zum Poppen waren wir heute Morgen definitiv zu müde, es war ein anstrengender und langer Tag gestern und da wir ja jetzt hier wohnen, läuft uns das ja nicht weg.
Und nun bereiten wir unten alles zum Reste essen vor, denn um halb eins kommen Lis und Carl August und alle, die dort geschlafen haben, her, auch Hinnerk und seine Dörte mit ihrer Frau kommen. Herr Knauer ist selbstverständlich auch wieder eingeladen, Carl August will in mit dem Bau eines Außenpools beauftragen, mit entsprechender Technik und allem Drum und Dran. Das wird bestimmt ein tolles Ding und den werden wir dann an den Wochenenden des öfteren nutzen, wenn das Wetter es zu lässt.
Um neun Uhr haben wir die monströse Kaffeemaschine eingeweiht und alle Kaffee oder Latte getrunken, alle an dem großen Tisch in unserem großen Wohnraum, bei Musik aus der tollen Anlage, die da eingebaut worden ist. Es war eine tolle Stimmung, hatte echt was familieres und gab uns erste Eindrücke darauf, wie es in Zukunft sein wird hier. Wir alle werden uns bemühen, gut mit einander aus zu kommen.
Mit dem Besuch von Papa und Mama und den anderen zu unserem Fest hat es nicht geklappt. Papa musste eine extra Schicht machen, weil einer der Kollegen krank geworden ist und außerdem ist Vanessa krank geworden, hat Fieber und Halsweh und da fährt Mama nicht fort. Boris wäre gerne gekommen, aber auch Marianne, nur Boris wollte nicht wieder so lange auf dem Roller sitzen. Wir haben vereinbart, das sie in den Herbstferien alle mal her kommen, Carl August will dann den Flieger schicken, um sie nach Bremen zu holen oder aber den Heli, was ja noch cooler ist. Eine Woche sollen sie dann in Bremerhaven bei Lis und Carl August bleiben, aber Boris wird, wie ich ihn kenne, lieber bei uns in der WG bleiben.
Dann ist ja auch Bundesligasaison und wir können mit Papa, Marianne und Boris zu Werder gehen, in die Vip Lounge, das wird ihnen gefallen.
Wir haben nach dem wirklich guten Kaffee unten aufgeräumt und alles so weit wieder hergerichtet. Die beiden Grills sind an und auch alles andere ist vorbereitet, so das wir heute noch ein wenig feiern können, bevor wir dann Morgen alle noch eventuell alle restlichen Sachen, die uns noch fehlen, holen oder besorgen und einräumen werden. Auch wird dann wohl geredet über die organisatorischen Dinge, die Ole vorbereitet hat und die mit einander besprochen und vereinbart werden müssen. Das läuft vielleicht auch heute Abend noch, wenn alle Gäste weg und das große Rolltor verschlossen ist.
Die Eltern der Freunde, die vorerst oder gar nicht in die WG einziehen, hat Jerome für heute Mittag auch eingeladen, damit wir sie und sie uns auch mal kennen lernen, soweit das noch nicht geschehen ist.
Wolfis Eltern, die von Armin und Denise, Michas Mama und Toms Eltern und auch Frau Wegmann sind gekommen, Matzes Pflegeeltern hat Carl August auch eingeladen. Alle, außer den Urlaubern und den Jungs in Amerika, sind da, Paolos Mama kann nicht kommen, Sonntags ist zu viel Betrieb im Ristorante, da kann sie einfach nicht weg.
Das Treiben geht also so weiter, wie es gestern aufgehört hat, nur das heute die Handwerker und Bauleute nicht mehr dabei sind. Heute ist es familiärer und der Pool wird bei über neunundzwanzig Grad jetzt um etwa vierzehn Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, fleißig genutzt. Etliche der Erwachsenen haben auch Badekleidung mitgebracht und machen Gebrauch von dem Angebot. Es geht zu fast schon, wie auf einer Strandparty und alle haben viel Freude und Spaß dabei.
Im Getränkestand ist jetzt Ralf allein, Alex sitzt mit Ole und Martin zusammen etwas abseits und Carl August ist auch dabei, ich denke, das es um die Fahrt nach Bonn geht, die wohl am Dienstag statt finden soll, hat mir Jerome heute Nacht erzählt.
Ich gehe zu Ralf, frage, ob ich ihn mal ablösen soll, damit er auch mal in den Pool springen kann. „Später“, sagt er, „wenn Alex zurück kommt, ich möchte mit ihm in den Pool springen.“ „OK“, sag ich, „ruf mich einfach, ich komm dann her.“ „Danke“, sagt er und stellt mir ein frisch gezapftes Bier hin, das ich jetzt mit rüber nehme zu dem Tisch, an dem mein Schatz sitzt, bei den Eltern von Tom und Micha.
„Könntest du uns hier bitte auch was frisches zum Trinken holen, mein Schatz?“, fragt mich Jerome. Ich stelle ihm mein Bier hin und frage dann, was die Leute möchten. Dann gehe ich zu Ralf an den Bierstand und sage, was ich brauche, nehme mir eins von den hier liegenden Tabletts und bringe, als alles fertig ist, die Sachen zu meinem Schatz an den Tisch und bediene die Leute. Alle bedanken sich und Jerome gibt mir einen Kuss. Ich setze mich neben ihn und proste ihm und den anderen zu.
Alles in allem wird es noch ein toller Tag und es ist fast zwanzig Uhr, bis wir Jungen wieder unter uns sind. Wir räumen zunächst mal etwas auf, stellen noch vorhandene Reste kühl und gehen dann eine Runde in den Pool. Da das Rolltor zum großen Hof jetzt geschlossen und wir unter uns sind, wird textilfrei gebadet wie sonst fast auch immer.
Um Einundzwanzig Uhr gehen wir dann hoch, in den großen Wohnraum, wollen zusammen noch Dinge besprechen, mit Noah und Rico und mit den Jungs in Amerika skypen, hören und sehen, was es Neues gibt. Hier sind jetzt noch Ole und Frank, mein Schatz, Kevin und Wolfi, Ralf und Alex und Dirk, Mike und ich, nicht zu vergessen, auch noch Paul und Rolf.
Alle anderen Freunde sind heim, Tom und Micha und auch Paolo, aber auch Marvin, müssen Morgen früh zur Arbeit, Kevin, dessen Urlaub auch zu Ende ist, der hat Mittagsschicht und wird von Wolfi ins Hilton gefahren und auch wieder abgeholt.
Ralf und Alex helfen uns morgen, die ausgeliehenen Sachen zusammen zu räumen und dann, wenn sie abgeholt werden, auch beim Verladen. Aufräumen und Müllentsorgung, das muss ja auch noch erledigt werden.
Der SUV ist ja hier geblieben, den fährt Ralf, dann die zwei Skoda sind auch hier, Wolfis Audi und der Golf von Onkel Jo, mit dem Frank und Ole immer fahren. Autos genug, um alles zu erledigen.
Jetzt sitzen wir oben, jeder hat was zu trinken und wir schauen auf Ole, der uns jetzt über seinen Organisationsplan in Kenntnis setzen will. Bevor er das tut, sagt er: „Mike und Dirk wollen uns noch etwas sagen, bevor ich euch meine Vorstellung über unsere zukünftiges Leben hier näher bringen will.“
Alle Augen richten sich auf die zwei und Mike räuspert sich kurz, bevor er abfängt, zu reden: „Ich habe, nach dem ich so ziemlich alle Unis im Umkreis von dreihundert Kilometern im Internet abgegrast habe, dann mit Dirk zusammen eine Entscheidung getroffen , für unsere gemeinsame Zukunft. Ich werde, und zwar jetzt schon zu Semesterbeginn ein Fernstudium in Grafik und Design belegen, werde nebenbei Papa etwas entlasten und nicht an eine entfernte Uni gehen, die mich weit weg von meinen Freunden bindet. Dirk wird dann im nächsten Jahr hier in Bremen im Fachbereich Betriebswirtschaft studieren und spätestens dann wollen wir zwei ganz hier einziehen.
Ich könnte mir aber vorstellen, wenn ihr alle damit einverstanden seid, eins der drei größeren Zweizimmerapparments mit Bad in der Mitte schon jetzt zu Semesterbeginn für uns zwei einzurichten. Eins der beiden Zimmer würde ich zum studieren benutzen und in dem anderen mit meinem Schatz wohnen, jetzt wohl eher nur an den Wochenenden und in den Ferien, ab nächstem Jahr, wenn Dirk zur Uni geht, dann ganz. Ab dem nächsten Jahr würde ich dann noch den ein oder anderen Kurs an der Kunstschule belegen. Dirk will nicht in meiner Fachrichtung studieren, meint, wenn wir für immer zusammen bleiben und die Firma übernehmen, wäre ein Betriebswirt besser als zwei künstlerisch ausgerichtete Geschäftsführer und damit hat er mich überzeugt und meine Eltern sind voll einverstanden und werden uns auch unterstützen. Da ich dann Mama Golf bekomme, ist auch ein hin und her zwischen Bremen und Bremerhaven kein Thema, was Dirk und mich belastet.
Ich zahle natürlich von Anfang an mit, fürs Essen und alles andere, auch in den Spendentopf und auch Dirk will fünfzig Euro zahlen, zunächst fürs Essen und Nebenkosten, ab nächstes Jahr dann so viel, wie alle anderen auch.“
Sichtlich erfreut über diese tolle Neuigkeit umarmt Jerome die beiden nacheinander und wir alle klatschen Beifall. Sie nun doch weiterhin dauerhaft in unserem Kreis zu wissen, diese beiden tollen Freunde, das freut uns alle sehr und alle stimmen zu.
Jerome sagt jetzt: „Leute, das mit dem Geld regeln wir wie folgt. Jeder, der hier wohnt, also quasi immer hier ist, der zahlt monatlich zunächst einhundertfünfzig Euro an Ole, der aus dieser Kasse alles bezahlt, was wir zum Leben einkaufen, also auch Hygieneartikel und Zeugs zum Waschen und Putzen. Wenn das reicht, davon gehe ich aus, dann kommen an Lebenshaltungskosten nur die Dinge auf euch zu, die ihr für euch ganz persönlich braucht, nämlich ausgefallene Getränke oder aus dem Rahmen fallende Süßigkeiten oder Delikatessen, Kondome und Sexbedarf natürlich auch. Die Leute, wie Rolf und dann auch Dirk, zahlen zunächst mal nix und nur, wenn es nicht reichen sollte, können sich die Zwei ja dann mit je fünfzig Euro im Monat beteiligen, aber, wie gesagt nur, wenn es nicht reicht.
Bestimmte Sachen werden wir gemeinsam über das Internet beziehen, nur frische Sachen oder Tiefgekühltes kaufen wir vor Ort ein. Die Bevorratung mit Pizza und Co werden wir auch gemeinsam vor dem Einkauf zu Papier bringen, damit die verschiedenen Geschmäcker auch Berücksichtigung finden.
Darüber hinaus bietet sich der Kauf im Internet auch bei anderen Dingen an, wenn wir den persönlichen Bedarf an anderen Dingen, die nicht durch den gemeinsamen Einkauf gedeckt sind, zum Beispiel Kondome, Gel oder spezielle Getränke und Sachen. Wenn wir da Sammelbestellungen tätigen, können wir alle Geld sparen.
Diverse Spielzeuge, wie Plugs, Dildos oder so was braucht vorerst keiner zu kaufen. Schaut euch erst mal an, was da schon vorhanden ist. Ich habe das, was ich zum Teil mit Natalie bestellt habe, in die untere linke Schublade der großen Schrankwand gelegt, unter ein Handtuch, da kann sich jeder bedienen, wer damit spielen möchte. Claener ist auch dabei, also bitte sauber wieder dort deponieren. Wer etwas anderes braucht, der kann das ja sagen, das können wir ja dann noch bei Gelegenheit mitbestellen. Plüschhandschellen sind übrigens auch in der Schublade.“
Kevin, den er beim letzten Satz angeschaut hat, wird natürlich rot, erwidert aber dann schlagfertig:
„Wolfi und ich bevorzugen einen langen, dicken Doppeldildo, im Duett fickt es sich einfach besser.“ Jetzt ist er richtig rot geworden, hat aber die Lacher auf seiner Seite und Wolfi küsst ihn und sagt: „Gut gekontert, ich bin so richtig stolz auf dich.“ Und als jetzt auch Jerome den Daumen in seine Richtung hebt, strahlt der Kleine, dem es von Tag zu Tag besser geht in der Rolle des total verliebten schwulen Twinks. Dresden scheint endlich in der Vergessenheit versunken zu sein Dank Wolfi, Martin und Kai, aber wohl auch uns ein bisschen und es freut mich, das auch ich etwas zu seinem zur Zeit tollen Status beitragen durfte und das ist auch gut so.
Mein hinein stolpern in diese tolle Familie hat mein ganzes Leben nachhaltig verändert und ich fühle mich hier so wohl, zu Hause einfach, wie früher in Dresden, aber, und das ist das alles Entscheidende, hier ist mein Herzblatt, der Mann den ich über alles liebe und das ich jetzt schwul bin, das ist mir egal. Ich begehre ihn, will immer in seiner Nähe sein, will ihn lieben mit Haut und Haaren, niemanden sonst, nur ihn, nur meinen Jerome und das einfach für immer, hoffentlich.

Robin, Montag Nachmittag, Intensivstation, sechzehn Uhr dreissig, zwanzig Minuten nach dem Aufwachen.

Als ich, von einer mir gut bekannten Stimme ständig zum Aufwachen aufgefordert wurde, was wohl nervend war, habe ich einfach die Augen geöffnet, man will ja schließlich seine Ruhe haben.
Bei einem vorsichtigen Rundumblick sehe ich vier Gesichter, die wie Honigkuchenpferde strahlen und alle sagen leise : „Hallo“ oder „Hello, Robin“ und da das definitiv keine Engel oder Teufel sind, habe ich wohl die erste OP gut, zumindest lebend überstanden. Wie habe ich in Bremen zu Alex gesagt? „Der Ami, der mich kaputt kriegt, muss erst noch geboren werden.“
Ich grinse, schau einen nach dem anderen an und sage mit eher krächzender Stimme: „Los, macht ein Bild und schickt es Mama, bitte.“
Sie wird sich viele Sorgen machen und soll wissen, das alles gut gelaufen ist. Schmerzen habe ich keine, auch nicht mehr diesen Druck in der Brust, der eigentlich immer da war.
„Wie fühlst du dich?“ fragt Jason in gutem Deutsch. „Gut, Jason, ich habe keine Schmerzen und auch keinen Druck mehr auf der Brust.“
„Das ist gut, dann haben wir alles richtig gemacht. Morgen früh kommst du auf eine normale Station, da gibt es Leute in deinem Alter und Morgen Mittag beginnen die Rehamaßnahmen, aufstehen und gehen und dann gibt es auch wieder was zum Essen.“
Von Alex, Matze und von Chris bekomme ich jetzt einen dicken Kuss, die Erleichterung steht ihnen im Gesicht geschrieben und auch ich bin froh, das es gut gelaufen ist.
„Unterrichtet alle zu Hause, wie es gelaufen ist, das ich mich gut fühle und sie keine Kränze bestellen müssen“, sag ich , „und sagt Sergej, er soll es Boris schreiben, das ist mir sehr wichtig.“
Jason sagt, das sie mich jetzt allein lassen, weil ich Ruhe brauche und das ich ja morgen selber mit dem Smartphone, nach Deutschland telefonieren kann. Dann, nachdem mich Alex, Chris und Matze noch mal geküsst haben, gehen sie und es ist nur noch ein Pfleger da, der ab und zu nach mir schaut, mir was zum trinken bringt und auf mich aufpasst. Ich döse vor mich hin, froh, das der erste Schritt in die Normalität gemacht ist und schlafe irgendwann wieder ein, einem neuen Leben entgegen.

So, das war es für dieses Mal, es ging nicht so schnell, es gibt Augenprobleme und dann war da noch Olympia……… na ja, da musste ich schon einiges sehen davon. Über Reviews freue ich mich immer sehr und die wirken auch wie ein Turbo auf meine Muse….bis bald

LG Niff

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