Regenbogenfamilie Teil 112 – Eröffnung Hofladen Grubmüller

Dienstagmorgen, vor meinem Büro, wartete bereits eine Überraschung auf mich. Frederik schaute mich an und meinte, dass er mich dringend sprechen müsse, bevor er in die Gärtnerei Grubmüller fahren würde. Ich dachte für mich, noch zwei Tage bis zur Eröffnung des Hofladens, Hoffentlich ist gestern nichts passiert, dass die Eröffnung des Hofladens am Donnerstag gefährdet.

Ich bat ihn in mein Büro und wir setzten uns direkt in die Besprechungsecke. Ich bat ihn, mir zu erklären, warum er mich so dringend sprechen muss. Frederik erklärte: „Peter, mit dem Hofladen in der Gärtnerei Grubmüller ist alles in Ordnung und es gibt auch keinen Grund, warum wir die Eröffnung verschieben sollten. Auch die Ausstellung im Gewächshaus ist fast fertig aufgebaut. Armin und Werner sind sich sicher, dass bis zur Eröffnung des Ladens alles fertig sein wird.

Im Moment ist noch nicht sicher, ob wir die, für die drei Tage bestellte Hüpfburg bekommen. Wenn ich Armin gestern richtig verstanden habe, wurde die Hüpfburg, bei einem kräftigen Sturm am vergangenen Wochenende schwer beschädigt. Spätestens morgen erfahren wir, ob sie gerichtet werden konnte und morgen Abend angeliefert wird. Eventuell erhalten wir zum gleichen Mietpreis eine etwas größere Hüpfburg, sofern sie verfügbar ist.“

Meine Reaktion: „Ich denke die Welt wird am Donnerstag nicht untergehen, wenn keine Hüpfburg zur Verfügung steht. Ist vielleicht ärgerlich, aber ändern könnten wir es nicht. Vielleicht gibt es kurzfristig für die jüngeren Besucher eine andere Möglichkeit, was wir ihnen anstelle der Hüpfburg anbieten können. Weil du schon hier bist, habt ihr gestern, wie geplant, die Flyer für die Neueröffnung des Hofladens in der näheren Umgebung verteilt?

Frederik meinte: „Seit vergangenem Wochenende ist die Webseite für den Hofladen aktiv. Gestern Abend kam bereits eine Mail, dass am Donnerstag, erste vorbestellte Fleisch- und Wurstwaren, zur Abholung angeliefert werden. Die Flyer wurden gestern in der Umgebung um die Gärtnerei Grubmüller verteilt, Mario hat alle Mitarbeiter dazu abgestellt und Sepp hat die Verteilung organisiert.

Dadurch, dass so viele gleichzeitig unterwegs waren, war die Verteilaktion bereits nach gut einer halben Stunde in den jeweiligen Verteilgebieten erledigt. Peter, ich konnte Armin noch überzeugen, in den Flyer einen Gutschein für eine Breze der Hofbäckerei des Gutshofes Sonneneck zu integrieren, einlösbar nur im Hofladen der Gärtnerei Grubmüller.“

Ich sagte: „Hat sich noch etwas geändert, am Ablauf des Tages, bei den Führungen durch die Gärtnerei oder bei geplanten Aktionen?“

Frederik schaute mich etwas verwirrt an und antwortete: „Warum sollte sich am restlichen Ablauf des Tages oder bei den Führungen etwas ändern. Solange keiner, die die Führungen durchführen, erkrankt, gibt es sicher keine Änderungen. Einzig am Freitag könnte es zu kleinen Änderungen kommen, wenn Christinas Mutter beerdigt wird und uns möglicherweise einige Mitarbeiter fehlen. Ich überlege noch, ob wir am Samstag pünktlich um vierzehn Uhr, wie angekündigt schließen oder den Laden so lange offenhalten, bis es ruhig wird. Ansonsten schließen wir Samstag immer um dreizehn Uhr.“

Ich ordnete an: „Wenn ihr bereits angekündigt habt, dass am Samstag um vierzehn Uhr geschlossen wird, dann lasst es dabei. Nach vierzehn Uhr werden kaum noch Leute kommen und deretwegen offen zu halten, bringt nichts. Wenn sich noch zusätzliche Führungen ergeben oder eine Führung erst danach endet, stört das nicht den Ladenschluss. Vergiss nicht, dass ihr noch die Abrechnung machen und aufräumen müsst. Für euch ist um vierzehn Uhr noch nicht Schluss.

Falls doch eine Hüpfburg geliefert wird, darf auch diese noch abgebaut werden. Entscheidend für mich ist die kommende Woche, in der du einen ersten Trend erkennen kannst, ob der Laden auch gut angenommen wird. Den Umsatz, den ihr an den drei Eröffnungstagen erzielt, ist kein Maßstab für die weitere Entwickelung.

Ich werde am Freitag ganztägig wegen Bettinas Beerdigung nicht zur Verfügung stehen. Ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Münchner Immobilienbüro kommen zur Beerdigung und ich will mit ihnen darüber sprechen, wie Bettina ersetzt werden kann. Am Samstag werde ich am späten Vormittag bei euch in der Gärtnerei und im Hofladen vorbeischauen.“

Frederik grinste mich an und sagte: „Peter, du willst doch nicht ernsthaft am Freitag mit den Mitarbeitern die Nachfolgefrage besprechen.“

Ich unterbrach ihn und antwortete: „Frederik, ich meine das Ernst. Es geht mir darum, herauszufinden, ob wir noch für München oder ob wir bereits in Rosenheim Ersatz suchen. Aus meiner Sicht ist es sinnlos in der Großstadt zu suchen, wenn die Immobilienverwaltung ab Ende August nach Rosenheim verlagert wird und alle Münchner Mitarbeiter mit ihren Familien nach Rosenheim umziehen.

Eine Ersatzkraft aus dem Großraum München muss bereit sein, in wenigen Monaten mit der Familie nach Rosenheim umzuziehen. Dazu kommt die Ungewissheit, zu welchem Zeitpunkt überhaupt eine neue Kollegin oder Kollege zur Verfügung steht. Ich will die Mitarbeiter mit in die Verpflichtung nehmen, damit sich keiner übergangen fühlt. Der oder die Nachfolge für Bettina kann, wie schon zwei Mitarbeiter bisher, für die Immobilienverwaltung in München arbeiten, aber bereits einen Arbeitsplatz im Gutshof bekommen.“

„Okay, Peter,“ meinte Frederik, „warum du mit den Münchner Mitarbeitern reden willst, habe ich jetzt verstanden. Es geht nicht nur darum einen Ersatz für Bettina in München zu besorgen, sondern den geplanten Umzug nach Rosenheim mit zu berücksichtigen. Der Hintergrund war mir bisher nicht bekannt, ich hatte keine Ahnung, dass ein Teil der Immobilienverwaltung in München und der Rest in Rosenheim sitzt. Damit ist dein Vorgehen sogar als vorbildlich zu betrachten.“

Da zwischen uns alles geklärt war, verabschiedete er sich und meinte beim Gehen: „Sollten noch Änderungen eintreten, werde ich dich kurzfristig informieren. Wir sehen uns spätestens am Donnerstag in der Gärtnerei Grubmüller, es sei denn, es gibt noch Wichtiges zu besprechen oder zu klären.“

Kaum hatte Frederik mein Büro verlassen tauchten Felix und Petra bei mir im Büro auf. Felix wollte von mir die gestern beim Notar beurkundeten Verträge, damit er sie digitalisieren und archivieren konnte. Ich holte aus meiner Aktentasche die Verträge und übergab sie ihm zur weiteren Bearbeitung.

Petra besprach mit mir die ihr vorliegenden Terminanfragen, wobei ich ihr erklärte, dass sie für Donnerstag und Freitag keine Termine einplanen soll. Heute Nachmittag sollte sie bitte ebenfalls freihalten, da ich mit Christina Binder und Benjamin oder Monika Müller die letzten offenen Punkte wegen der Beerdigung klären wollte. Danach wollte sie noch wissen wie die gestrigen Termine im Allgäu gelaufen sind.

 

Ich erzählte ihr, dass der Nachmittag bei der Verwaltungsgemeinschaft kein Ergebnis gebracht hat, aber neuer Ärger mit dem Architekten des Bebauungsplans bekannt wurde. Ob es zu einer Neuplanung kommt, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Der Vormittag beim Notar brachte keine Überraschungen, dort verlief alles planmäßig. Der Besuch bei der Hausbank des Campingplatzes war reine Routine, da Robert im Vorfeld alles geklärt hatte.

 

Ich informierte sie noch darüber, dass wir am Samstag die Wohnung von Bettina Binder in München vollständig geräumt hatten und weitere Fahrten nach München deswegen nicht mehr notwendig sind. Der Großteil der Möbel sind jetzt im Keller des Guthauses eingelagert, bis Dennis und Felix im Sommer in ihre Wohnung einziehen können. Geklärt werden muss noch, wie wir mit der Bekleidung vorgehen, da vieles noch wiederverwertet werden kann.

 

Ansonsten gibt es noch jede Menge Geschirr, das ebenfalls eingelagert wurde, bis Bedarf dafür besteht. Ich werde demnächst Gerry und Gregor fragen, ob sie etwas für ihre Wohnung gebrauchen können, weil die Zwei in den nächsten zwei bis drei Wochen in die renovierte Wohnung bei den Handwerkern einziehen können.“

 

Petra verließ wieder mein Büro, nachdem sie erklärte: „Peter, den heutigen Nachmittag, den Donnerstag und den Freitag halte ich dir komplett frei, ich werde sehen was ich heute Vormittag und morgen unterbringen kann. Den Rest schiebe ich in die nächste Woche. Ich versuche die dringlichen Angelegenheiten vorzuziehen.“

 

Da der nachmittägliche Termin bisher nicht fest vereinbart war, rief ich beim Bestattungsunternehmen Müller an, um den Termin zu fixieren. Das Gespräch wurde von Felix Schwester Monika entgegengenommen. Sie fragte, ob ich mich melde wegen der noch offenen Punkte bei der Beisetzung von Bettina Binder.

 

Ich bestätigte ihre Annahme und erklärte: „Mir schwebt ein Termin heute Nachmittag vor, am besten ab etwa vierzehn Uhr dreißig, weil dann Christina die Tochter von Bettina mitentscheiden kann. Dein Vater meinte letzte Woche, dass wir das Gespräch spätestens heute Nachmittag führen sollten, damit ihm noch etwas Zeit für die Vorbereitungen bleibt.“

 

Monika lachte und erklärte: „Peter, typisch mein Vater, sagt dir, dass bis Dienstag alles geklärt sein soll, trägt sich aber keinen Termin ein. Vermutlich hat er nicht mehr daran gedacht, als er gestern spontan erklärt hat, dass er sich heute um eine Überführung aus dem Raum Kassel kümmert. Er ist vor einer halben Stunde losgefahren und wird nicht vor heute Abend zurückerwartet.

 

Ich kann dir nur anbieten, dass ihr den Termin mit mir machen könnt. Je nachdem, was noch für Wünsche von eurer Seite kommen, brauchen wir mindestens vierundzwanzig Stunden Vorlaufzeit. Ich komme zu euch auf den Gutshof für das Gespräch, da ich schon seit ewigen Zeiten nicht mehr dort war.“

 

Ich antwortete: „Wenn du schon ewig nicht mehr hier gewesen bist, dann wundere dich nicht, hier hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Du findest mein Büro im Erdgeschoß des Gutshauses. Eventuell wird dein kleiner Bruder beim Termin mit dabei sein, das konnte ich heute Morgen noch nicht endgültig klären, da Christina bereits auf dem Weg in die Schule war.

 

Wenn du dich jetzt fragst, warum Felix dabei sein soll, Christina hat vertrauen zu deinem Bruder, weil er ihr detailliert erklärt hat, wie eine Bestattung abläuft. Vor allem die Unterschiede bei den verschiedenen Varianten hat er ihr verständlich nahegebracht. Immerhin lebte er lange Jahre mit dem Schwert des Damokles, dass er eines Tages das Bestattungsunternehmen weiterführen muss. Da du dich dafür entschieden hast, das Familienunternehmen weiterzuführen, hast du ihm ermöglicht, sich für einen anderen Beruf zu entscheiden.“

 

Monika erwiderte: „Kein Thema, wenn Felix mit dabei ist. Ich habe ihn seit seinem Auszug wegen der Differenzen mit unserer Mutter nicht mehr gesehen. Ich würde mich freuen, wenn er beim Termin dabei sein kann. Die wenigen Informationen, die ich habe, besagen unter anderem, dass er bei dir in einem Gästezimmer untergekommen sei.“

 

Ich lachte und sagte: „Habt ihr keinen Kontakt mehr? Ich finde das Jammerschade. Vielleicht könnt ihr das bei der Gelegenheit wieder ändern. Wenn das so ist, werde ich deinen Bruder sofort informieren, dass er an diesem Termin teilnehmen soll. Ja, Felix ist bei Thomas und mir ins Gästezimmer eingezogen, anfangs noch allein, inzwischen lebt er mit seinem Freund Dennis bei uns. Im Sommer werden die beiden eine Wohnung in einem den neuen Wohngebäuden im Gutshof beziehen.

 

Ich fände es gut, wenn du vielleicht etwas eher kommen könntest, wir uns zuerst zusammensetzen und ein Gespräch ohne Christina führen. Christina würde ich dann etwas später zum Gespräch dazuholen. Wie sieht es aus, könntest du bereits um vierzehn Uhr hier sein?

 

Monika überlegte einen kurzen Moment und erklärte dann, dass sie gegen vierzehn Uhr in meinem Büro sein wird, um mit ihrem Bruder und mir zu reden. Wir verabschiedeten uns bis später. Ich stand auf und ging über den Flur zu Felix Büro. Ich klopfte an und auf ein herein, trat ich ins Büro. Er grinste mich an und meinte, warum ich nicht angerufen habe, sondern persönlich in sein Büro gekommen bin.

 

Ich setzte mich auf einen der Besucherstühle und sagte: „Wenn ich den ganzen Tag nur im Bürostuhl sitze, roste ich langsam, aber sicher ein. Etwas Bewegung schadet sicher nicht und deswegen bin ich jetzt hier. Christina und ich haben um vierzehn Uhr dreißig einen Termin wegen der Beerdigung ihrer Mutter. Da dein Vater wegen einer Überführung unterwegs nach Nordhessen ist, wird deine Schwester Monika den Termin wahrnehmen. Sie kommt um vierzehn Uhr und will aber vorher mit uns beiden in meinem Büro sprechen.“

 

Felix erwiderte: „Hat sie dir ihr Leid geklagt, dass ich seit Monaten nicht mehr mit ihr spreche, seitdem sie sich auf die Seite unserer Mutter geschlagen hat. Die ewigen Vorwürfe ich solle doch studieren und nicht meine Zeit mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann totschlagen. Wenn sie davon anfängt, dass ich studieren soll, bin ich sofort aus der Besprechung verschwunden.“

 

Ich erklärte: „Ja, sie hat mit mir darüber gesprochen, aber scheinbar hat sie eingesehen, dass du in deinem Beruf glücklich werden sollst. Ich habe ihr zumindest erklärt, dass du Christinas Vertrauen besitzt und du bei den noch zu treffenden Absprachen mit dabei sein sollst.“

 

Er meinte nur noch, dass er mit ihr sprechen will und wenn sie tatsächlich eingesehen hat, dass er mit seiner Berufswahl glücklich werden muss, wird er mit ihr in Kontakt bleiben, so wie mit seinem Vater. Im Büro rief ich bei Marion an und bat sie mit Christina um vierzehn Uhr dreißig in meinem Büro zu sein, damit wir die letzten offenen Fragen zur Beisetzung klären können.

 

Gegen zehn Uhr stand Noah in meinem Büro und erst da fiel mir auf, dass mir Petra noch zwei Gespräche am Vormittag aufs Auge gedrückt hatte. Das Erste sollte mit Noah um zehn Uhr sein und um elf Uhr hatte sie einen Termin mit Klaus eingetragen.

 

Ich fragte Noah, was ich für ihn tun könne. Er erklärte mir: „Peter, du hast dich am Sonntagabend noch mit Simon getroffen und kurz mit ihm und seinen Eltern gesprochen. Mir ist am Sonntagabend bereits aufgefallen, dass Simon ständig abgelenkt wirkt und jetzt befürchte ich, dass er sich wieder in sein Schneckenhaus zurückziehen könne, da der gestrige Videoanruf ähnlich verlaufen sei.

 

Als er ihn gestern Abend darauf angesprochen habe, habe er abweisend reagiert. Auf meine Frage, ob er sich in jemand anderen verliebt habe, meinte er nur, das würde mich nichts angehen, wenn es so wäre. Danach hat er unseren Videoanruf sofort beendet und nicht mehr auf meine weiteren Anrufeversuche reagiert.

 

Peter, wenn er sich wirklich in jemand anderen verliebt hat, will ich ihm nicht im Weg stehen. Ich sehe nur die Gefahr, dass er dafür möglicherweise auf seine Ausbildung als Programmierer verzichten will, was ich schade finden würde, weil er fast die gleiche Begabung besitzt, wie ich sie habe. Siehst du irgendeine Möglichkeit, ihm die Ausbildung im Gutshof zu ermöglichen, selbst wenn er nicht mehr mit mir zusammenleben will?“

 

Ich blickte tief in Noahs Augen und antwortete: „Noah, grundsätzlich sehe ich kein Problem, wenn Simon seine Ausbildung am Gutshof machen will. Wir werden sicher einen Weg finden, wo er untergebracht werden kann. Mir stellt sich eine andere Frage, die mir wichtiger erscheint. Wie gehst du mit der Situation um, wenn sich eure privaten Wege trennen.

 

Bernhard und ich werden sicher nicht begeistert sein, wenn du deine Arbeit aus Liebeskummer vernachlässigst oder du uns deswegen verlassen willst. Du bist für mich gleich wertvoll wie Simon, wenn er seine Ausbildung bei uns machen will. Ich bin jedoch nicht bereit dich dafür aufzugeben.

 

Wenn die Situation so ist, wie du sie mir geschildert hast, gehe ich nicht davon aus, dass Simon seine Ausbildung bei uns antreten wird. Ich denke, wir sollten versuchen heute Abend mit ihm und seinen Eltern zu reden. Bei diesem Gespräch sollten wir herausfinden, womit Simon ein Problem hat. Vielleicht sind es andere Gründe als das, was du vermutest.

 

Wann macht ihr normalerweise euren Videoanruf? Gibt es dafür eine feste Zeit oder rufst du ihn an, wenn du Zeit für das Gespräch hast.? Ich will nicht, dass wir zu abweichenden Zeiten das Gespräch suchen, das ist dann eher kontraproduktiv.“

 

Noah schaute mich an und erklärte: „Peter, normalerweise starten wir unseren täglichen Videoanruf zwischen zwanzig Uhr fünfzehn und zwanzig Uhr dreißig. Wenn einer von uns um diese Zeit verhindert ist, schicken wir uns rechtzeitig eine Whatsapp Nachricht und vereinbaren einen früheren oder späteren Zeitpunkt. Normalerweise starte ich den Videoanruf, obwohl Simon das sogar besser beherrscht als ich.

 

Üblicherweise dauern unsere abendlichen Gespräche zwischen einer halben und einer ganzen Stunde, in Ausnahmefällen bis zu eineinhalb Stunden. Zuerst erzählt jeder, was er an diesem Tag erlebt hat, danach gibt es einen kurzen Ausblick auf den nächsten Tag. Den Rest der Zeit verbringen wir hauptsächlich mit träumen, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen. In letzter Zeit haben wir auch darüber gesprochen, was Simon während der Osterferien erwartet und was wir gemeinsam unternehmen wollen.“

 

Ich entgegnete: „Damit bleib nur noch eine Frage offen, soll ich zu dir kommen und wir telefonieren in gewohnter Umgebung oder kommst du zu uns ins Gutshaus und wir sprechen mit Simon entweder im Wohnzimmer oder im Esszimmer. Eine andere, trotzdem für ihn bekannte Umgebung, kann vielleicht das Gespräch positiv beeinflussen, ergo wäre es besser, wenn wir das Gespräch bei uns führen.“

 

Noah meinte: „Ist mir im Grunde genommen egal, nach den letzten beiden Tagen habe ich einfach nur das Gefühl, dass ich Simon für immer verloren habe. Daran ändert sich für mich nichts, egal von wo aus wir mit Simon telefoniere, daher können wir gern aus eurer Wohnung bei Simon und seinen Eltern anrufen.“

 

Mit Noah war alles geklärt uns so verabschiedete ich ihn mit: „Wir sehen uns heute Abend, du kommst so gegen zwanzig Uhr fünfzehn und dann sprechen wir beide mit Simon. Ich hoffe, dass ich ihm entlocken kann, wo seine Probleme liegen.“

 

Die Zeit bis elf Uhr nutzte ich, um mir einen Überblick über die eingegangenen Mails zu verschaffen und die ersten direkt zu beantworten. Sehr pünktlich, genau genommen noch vor elf Uhr stand Klaus in meinem Büro. Er setzte sich in die Besprechungsecke und ich gesellte mich zu ihm, nachdem die angefangene Mail in den Versand ging.

 

Ich sagte: „Hallo Klaus, was kann ich für dich tun, nachdem du von Petra als dringlicher Termin eingestuft bist.“

 

Er lachte und antwortete: „So dringend habe ich den Termin nicht gemacht, Ich wollte von dir vor allem erfahren, wie der Termin beim Notar gestern gelaufen ist und ob alle Kaufverträge für den Campingplatz und die Betriebsgesellschaft unter Dach und Fach sind?“

 

Ich meinte: „Aus meiner Sicht, war der Notartermin ein voller Erfolg, die Verträge sind unterschrieben und bei der Bank habe ich mich als Geschäftsführer der Stiftung Sonneneck vorgestellt, der die Betriebsgesellschaft und das Grundstück des Campingplatzes gekauft hat. Das Robert weiterhin als Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft agieren wird, um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten, habe ich mit der Bank besprochen.

 

Wenn du von mir Kopien der unterschriebenen und notariell beglaubigten Verträge haben willst, muss ich dich enttäuschen, diese Unterlagen bearbeitet aktuell Felix, der sie digitalisieren und ablegen wollte. Wie wir im Januar bei der Besichtigung bereits vereinbart haben, wurde die Firma und das Grundstück jeweils rückwirkend zum einunddreißigsten Dezember übernommen. Das heißt für dich, dass in der Buchhaltung die Firma mit den Vortragssalden beginnt. Gibt es schon Überlegungen, ab wann die Buchhaltung direkt in unserem System gebucht wird, oder wie sich der Überganszeitraum abspielen wird.“

 

Klaus erklärte: „Konkrete Termine, wann die Buchhaltung direkt in unserem System landet, gibt es bisher nicht. Ich bin mit Robert vor einer Woche verblieben, dass er mir bis Ende nächster Woche die Januardaten und den Saldenvortrag im DATEV-Format liefert. Ich werde mir die Daten anschauen und werde mich mit Marcus darum kümmern, wie wir die Daten ins System bekommen.

 

Sollten die Versuche positiv sein, werden wir es vorerst so gestalten, dass Robert uns immer am Monatsende die Monatsumsätze schickt und wir sie bei uns einspielen. Das Problem liegt darin, dass wir erst die Software für die Verwaltung des Campingplatzes brauchen, weil erst die in der Lage ist, Daten direkt in die Buchhaltung zu übergeben. Da Bernhard und Noah derzeit intensiv mit der Software DoPlaSo beschäftigt sind, könnte das noch ein paar Monate dauern.

 

Gottseidank können wir für das Projekt Allgäu ansonsten auf bereits vorhandene Software mit problemloser Übergabe an die Buchhaltung zugreifen. Für alle anderen Bereiche, die dort neu hinzukommen, wie Jugendhotel oder den kleinen Supermarkt, sind die Voraussetzungen sie in die Buchhaltung zu integrieren bereits vorhanden und brauchen nur angepasst zu werden.

 

Kommen wir jetzt zum schwierigsten Punkt meines Gesprächs. Peter, wie sehen deine Expansionspläne bis zum Jahresende aus? Kannst du mir aus deiner Sicht bereits Details dazu liefern?“

 

Ich fing zu lachen an und als ich mich wieder beruhigt hatte, erklärte ich: „Klaus, ich habe leider keine wahrsagerischen Fähigkeiten, deshalb tue ich mir schwer, dir mögliche weitere Expansionen vorauszusagen. Grundsätzlich gehe ich nach den bisherigen Plänen davon aus, dass wir bis Ende nächsten Jahres keine neuen größeren Projekte starten werden.

 

Sofern keine unerwarteten Geldzugänge bei der Stiftung eingehen, sind die laufenden Projekte so ausgelegt, dass sie von den zu erwartenden Einnahmen finanziert werden können. Auch beim Gutshof wird es außer den bereits gestarteten Projekten, unter anderem die Wiederherstellung des Badeteichs, keine größeren neuen Projekte geben. Eventuell kommen noch Anschaffungen im Fuhrpark der Landwirtschaft oder bei den Gärtnereien.

 

Weitere, vor allem größere Erbschaften, die uns zum Handeln zwingen könnten, sehe ich nicht, kleinere Spenden oder Erbschaften, wirken sich nicht unbedingt auf Investitionen aus. Wir haben bis Ende nächsten Jahres genügend Projekte am Laufen, die erst einmal abgewickelt werden müssen. Die Projekte im Allgäu, das Jugendhotel Scharbeutz und der Betriebskindergarten werden, wie dir bekannt sein dürfte, erst im nächsten Jahr fertiggestellt.

 

Für heuer sehe ich definitiv den Badeteich und die Erweiterungen und Umbauten in der Gärtnerei Grubmüller, die fertiggestellt werden können. Dazu kommt im Sommer das Jugendwohnheim und die Wohnungen im Gutshofgelände. Klar kommen dazu Wohnungsmodernisierungen und Sanierungen an Wohngebäuden, aber das sehe ich eher als laufende Verpflichtungen, für die es vorläufige Planungen gibt.

 

Was noch ansteht, ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze in dem Bereich Verwaltung und Organisation der Integrierenden Kindergärten und für die neue Vertriebsgesellschaft der Bioerzeuger oder Bioproduzenten in der Gärtnerei Grubmüller. Letzteres wird bis zum Jahresende spruchreif, den Bereich Kindertagesstätten werden wir eher kurzfristig angehen müssen. Florian, unser Ausbildungsbeauftragter, kümmert sich aktuell um unseren geplanten Kindergarten. Mit den beiden weiteren Kindertagesstätten, die bereits geplant werden, wird die Aufgabe für Florian dauerhaft zu umfangreich.“

 

Klaus schaute mich intensiv an und fragte: „Peter, hast du schon genaue Vorstellungen, welches Profil der leitende Mitarbeiter für den Geschäftsbereich Integrierende Kindergärten mitbringen sollte. Suchst du mehr einen Immobilienmann oder eher so etwas wie einen Sozialarbeiter, der die nötige Erfahrung bereits mitbringt?“

 

Ich erklärte: „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Der Bereich ist aus meiner Sicht noch sehr differenziert zu betrachten, wir haben im Gutshof den Gutshof Sonneneck als Eigentümer der Immobilie, errichtet wird der Kindergarten mit Hilfe der Stadt Rosenheim. Im Allgäu wird es vermutlich Marktoberdorf oder die Stiftung Sonneneck sein. In Kaufbeuren wird es ein Betriebskindergarten eines Unternehmens. Wer kann schon voraussehen, welche Eigentumsverhältnisse sich in der Zukunft noch dazugesellen.

 

Ich denke wir brauchen dazu eine Person, die sich vor allem um die Organisation und die Personalbeschaffung und -verwaltung kümmert, sich aber auch in allen Teilen der Rechtsvorschriften rund um Kindertagesstätten auskennt. Ich denke, dass ich hier mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter besser bedient bin. Ich werde beim nächsten Teammeeting mit unseren beiden Sozialarbeitern das Thema ansprechen, vielleicht können sie mir Vorschläge machen. Vielleicht kann ich auch mit Barbara, der stellvertretenden Mitarbeiterin des Jugendamts sprechen.“

 

Klaus grinste und antwortete: „Deine Idee mit Fachleuten darüber zu sprechen ist mit Sicherheit die vernünftigste. Wir betreten mit der Inbetriebnahme von Kindertagesstätten absolutes Neuland und du solltest dir einen kompetenten Mitarbeiter mit ins Boot holen. In den eigenen Reihen wirst du kaum eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter finden, der die Voraussetzungen bereits mitbringt, ausgenommen vielleicht Michael, der immerhin Sozialpädagogik studiert hat, soweit ich informiert bin.“

 

Ich grinste und sagte: „Ja, Michael würde ich das zutrauen, aber damit würde er an anderer Stelle im Unternehmen fehlen, wo er dringend gebraucht wird. Es wird nicht leicht sein, einen Sozialarbeiter als Mitarbeiter zu finden, der gleichzeitig schwul ist und damit den Bereich schwule Jugendarbeit so perfekt abdecken kann.“

 

Die Tür zu meinem Büro öffnete sich und die Kids stürmten mit ihren Schultaschen mein Büro. Sie schauten Klaus und mich verwundert an und Tobias sagte: „Ich hoffe, dass wir euch nicht in eurer Besprechung stören. Normalerweise sitzt du um die Zeit allein im Büro und wartest, darauf mit uns zum Essen zu gehen.“

 

Ich erklärte: „Dass ihr stört, würde ich jetzt gerade nicht behaupten, ich bin mit Klaus zusammengesessen und wir haben einige wichtige Angelegenheiten besprochen. Wir sind eben mit den Gesprächen fertig geworden. Was mich mehr überrascht hat, dass es bereits so spät ist. Ich werde sofort mit euch zum Essen in die Kantine gehen und denke, dass sich Klaus uns anschließen wird. Wie ich sehe, habt ihr Karam und Maruan mitgebracht, die wohl nachher mit euch lernen wollen. Ich lade die beiden Jungs zum Mittagessen ein.“

 

Karam erwiderte: „Peter, du brauchst uns nicht extra zum Mittagessen einladen, wir haben uns etwas zum Mittagessen mitgebracht, das wir gemeinsam mit euren Kids in der Kantine essen wollten. Wir handhaben das immer so, wenn wir nach dem Unterricht direkt zum Gutshof mitkommen.“

 

Inzwischen waren Klaus und ich aufgestanden und Klaus meinte, dass er sich kurz seine Jacke holen werde. Gemeinsam ging es in die Kantine, wo ich auf Marion und Christina traf. Marion hatte Christina gerade beigebracht, dass wir uns später mit der Mitarbeiterin vom Bestattungsunternehmen treffen werden, um letzte Details zu besprechen.

 

Christina meinte: „Ich dachte wir hätten bereits alles geklärt, was mit der Beerdigung meiner Mutter zu tun hat.“

 

Ich erklärte: „Christina, wir haben bisher nur die grundlegenden Dinge besprochen und abgeklärt, was noch fehlt ist, wie die Trauerfeier ablaufen soll, mit allen Details, wer eine Rede halten soll oder will, welche Musik oder Lieder gespielt werden sollen. Zusätzlich haben wir noch nicht geklärt, was Sebastian deinen Gästen beim Leichenschmaus servieren soll, ob es am Nachmittag noch Kaffee und Kuchen geben soll und wo der Leichenschmaus stattfindet.“

 

Christina schaute mich an und bestimmte: „Ich möchte auf alle Fälle meine beiden zukünftigen Brüder und Felix bei dieser Besprechung mit dabeihaben.“

 

Ich grinste und antwortete ihr: „Felix habe ich bereits informiert, dass er heute Nachmittag beim Gespräch anwesend ist. Bei deinen beiden Brüdern bin ich davon ausgegangen, dass sie automatisch mit dabei sind, sie sind Bestandteil deiner neuen Familie.“

 

Nachdem das geklärt war, gingen wir in die Kantine zum Essen. Als Christina Felix unter den Gästen entdeckte, ging sie auf ihn zu und fragte ihn laut: „Felix, stimmt es, dass du nachher beim Gespräch mit der Mitarbeiterin vom Bestattungsunternehmen mit dabei bist? Peter hat das eben mir gegenüber behauptet.“

 

Felix antwortete in fast der gleichen Lautstärke, so dass wieder alle mithören konnten: „Christina, Peter hat mich informiert, dass heute Nachmittag das Gespräch mit meiner großen Schwester Monika stattfindet. Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du mich wirklich bei dem Gespräch dabeihaben willst. Ich denke, die Fragen, die noch zu klären sind, kannst du auch ohne meine Unterstützung entscheiden.“

 

Christina antwortete: „Ich will das du mit dabei bist. Deine Anwesenheit gibt mir ein gewisses Sicherheitsgefühl, dass ich die richtigen Entscheidungen treffen kann. Immerhin kennst du dich damit aus, für mich ist es das erste Mal, dass ich mich mit dieser Thematik beschäftigen muss.“

 

Ich merkte, wie schwer es Felix fiel, Christina zu sagen, dass er mit dabei ist. Jetzt konnte ich nur noch hoffen, dass das vorher stattfindende Gespräch mit seiner Schwester eine Verbesserung der angespannten Beziehung zwischen den Geschwistern bringen wird.

 

Da ich mich mit Felix und seiner Schwester bereits um vierzehn Uhr treffen wollte, musste die Mittagspause heute etwas kürzer ausfallen. Ich wollte früh genug in meinem Büro sein, damit ich schlichtend eingreifen kann. Felix trat gut fünf Minuten vor vierzehn Uhr in mein Büro, wobei ich ihm gleich erklärte, dass die Besprechung im Konferenzraum stattfinden wird, da wir eine größere Runde sein werden.

 

Mit leichter Verspätung betrat Monika Müller mein Büro. Sie sah sich verwundert um, sucht wohl ihren Bruder. Ich erklärte ihr, dass die Besprechung im Konferenzraum stattfinden wird, wo ihr Bruder bereits auf uns wartet. Ich sagte Petra noch, dass wenn Familie Habermüller kommt, sie sie doch bitte ins Konferenzzimmer schicken soll, weil die Besprechung dort stattfinden wird.

 

Beim Eintritt hörte ich von beiden nur ein kurzes und knackiges Hallo. Als wir uns gesetzt hatten, erklärte ich: „Ich kenne bisher nur Felix Seite, warum zwischen euch beiden eine angespannte Stimmung herrscht. Wenn ich Felix richtig interpretiere, hast du dich auf die Seite deiner Mutter geschlagen, die Felix Entscheidung nicht zu studieren, sondern eine solide kaufmännische Ausbildung zu absolvieren, ablehnt und ihm deswegen massive Vorwürfe macht.

 

Wer sagt euch denn, dass Felix grundsätzlich nicht studieren will, vielleicht will er vor einem Wirtschaftsstudium erst praktische Erfahrungen sammeln. Selbst wenn er kein Studium anhängen will, hat er zumindest eine kaufmännische Ausbildung, mit der er in seinem Leben weit kommen kann. Du hast ein Handwerk erlernt, bei dem nicht nur ein gefühlvolles Verhalten erwartet wird, sondern auch das kaufmännische eine große Rolle spielt.

 

Wäre er wie ursprünglich von euren Eltern geplant, nach dem Abitur ins Bestattungsinstitut eures Vaters eingestiegen, hätte er eine Ausbildung in einem Handwerksberuf absolviert, also auch kein Studium begonnen. So groß ist der Unterschied nicht, zwischen einer handwerklichen und einer guten kaufmännischen Ausbildung.“

 

Beide schauten mich verwirrt an, so dass ich ergänzte: „Stimmt etwas nicht an meiner Interpretation eurer Probleme miteinander.“

 

Moni grinste und antwortete: „Peter, deine Interpretation passt perfekt, ich war nur überrascht von deinem Fazit, dass der Beruf des Bestatters für Felix mit seinem Abitur, die gleiche Reaktion unserer Mutter hätte hervorrufen müssen. Dabei hat sie sich jahrelang an die Seite ihres Mannes gestellt und gefordert, dass er das Familienunternehmen übernehmen soll, obwohl er da bereits das Gymnasium besucht hat.

 

Dass kaufmännische und handwerkliche Ausbildung auf einer Stufe stehen sehe ich inzwischen so wie du. Ich wollte Felix schon seit einiger Zeit erklären, dass ich in dieser Sache nicht mehr auf der Seite meiner Mutter stehe, nur auf meine Anrufe reagiert er nicht oder er drückt mich einfach weg. Wenn wir uns nicht an einen Tisch setzen müssten wegen Bettinas Beisetzung hätte ich nicht so schnell die Chance erhalten, meinem Bruder zu erklären, dass ich nicht mehr Mutters Meinung vertrete.

 

Felix, ich hoffe du gibst mir eine reelle Chance, dass wir unser gestörtes Verhältnis an dieser Stelle wieder beenden können. Ich würde mich sehr darüber freuen.“

 

Felix schaute erst mich, dann seine Schwester an und sagte: „Moni, ich will dir ja glauben, dass du deine Meinung geändert hast, nur die Tatsache, dass du dich auf die Seite von Mama gestellt und Vater nicht einmal glauben wolltest, dass ich wegen unserer Mutter so fluchtartig von zuhause ausgezogen bin und von Peter aufgefangen wurde. Inzwischen habe ich meinen Dennis gefunden und wir werden im Sommer in eine der neuen Wohnungen im Gutshof einziehen.

 

Glaubst du wirklich, ich wollte Kontakt mit dir, wenn du mit dummen Bemerkungen, möglicherweise meine Beziehung zu Dennis kaputt gemacht hättest. Genau deswegen bin ich auf Distanz zu dir und Mama gegangen, Dennis ist mir viel zu wichtig, als dass ich mir von dir oder Mama meine Liebe zu ihm zerstören lassen würde.“

 

Dazu kommt, dass mir die kaufmännische Ausbildung und Arbeit in der Stiftung Sonneneck sehr viel Spaß bereitet. Wenn du dich daran erinnerst, bin ich letztes Jahr bei Peter eingestiegen mit der Leitung des Zeltlagers der Stiftung Sonneneck und im September begann die Ausbildung. Die Arbeit ist so abwechslungsreich, dass ich behaupten kann, es gibt sicher einiges, was Routine ist, gerade im Bereich der Buchhaltung, aber alles andere ist nicht so langweilig wie dein Job als Bestatterin.

 

Ich war ab Sonntagnachmittag bis gestern Abend mit Peter im Allgäu, um den Grundstückskaufvertrag und den Kauf der Campingplatzverwaltung abzuschließen. Zusätzlich haben wir noch mit vier Bürgermeistern einer Verwaltungsgemeinschaft über ein mögliches Engagement der Stiftung in ihren Gemeinden gesprochen.“

 

Monika schaute ihren Bruder an und sagte: „Da muss ich wohl sehr viel Porzellan zerschlagen haben mit meiner Aktion, Mutter bei ihrer Unruhestiftung, hinsichtlich deiner Berufswahl zu unterstützen. Ich war anfangs der Meinung, dass sie es nur gut meint, wenn sie dich auffordert, doch zu studieren, statt nur eine Berufsausbildung zu machen. Bei mir ist der Groschen gefallen, dass dir ein abwechslungsreicher Job im kaufmännischen Bereich, mehr Freude bereitet als ein langweiliges Studium der Betriebswirtschaft. Ich verspreche dir, dass ich mich nie wieder in deine Entscheidungen einmische, selbst wenn Papa und Mama gegen deine Entscheidung wettern.“

 

Die Tür zum Konferenzraum wurde ruckartig aufgerissen und allen voran stürmten Stephan und Raphael, gefolgt von Christina und Marion, die angemessenen Schrittes, den Raum betraten. Ich stellte Monika noch einmal als die große Schwester von Felix vor und anschließend stellte ich Monika, Christina Binder und den anwesenden Teil von Familie Habermüller vor.

 

Ich erklärte: „Wir sind zusammengekommen, um die noch offenen oder unklaren Punkte der Beisetzung von Bettina Binder, Christinas verunglückter Mutter zu besprechen und zu klären. Ich denke wir sollten die Punkte, die mit dem Bestattungsinstitut offen sind als erstes klären, um Monika nicht zu lange von ihrer Arbeit abzuhalten. Aus meiner Sicht sind das die musikalischen Akzente, die gesetzt werden sollen und welche Trauerredner eine kleine Ansprache halten.“

 

Ich fragte Monika, wieviel Gesprächsbedarf eine professionelle Trauerrednerin oder ein Trauerredner haben, um eine Ansprache vorzubereiten. Monika wollte im Gegenzug wissen, wer das Gespräch mit der Trauerrednerin führen würde, da das doch spätestens morgen stattfinden sollte. Ich erklärte, dass morgen Nachmittag die Möglichkeit gegeben ist, dass Christina mit der Trauerrednerin sprechen könne, da sie ihre Mutter am besten kennt.

 

„Peter,“ sagte Monika, „so einfach ist das leider nicht, bei diesem Gespräch muss zumindest eine erwachsene Person dabei sein, am besten jemand mit einer Vollmacht zur Betreuung der Minderjährigen. In diesem Fall müsstest du dabei sein, weil du vom Gericht als Vormund für Christine bestimmt wurdest. Natürlich kannst du auch die Pflegeeltern beauftragen, bei denen Christina untergekommen ist.

 

Anderer Vorschlag von mir, du bist doch beim Tod deines Vaters als Trauerredner mit deinem Neffen aufgetreten. Könntest nicht du die Aufgabe übernehmen. Mein Vater und Opa schwärmen noch heute von der Trauerrede, die ihr gehalten habt. Leider war ich damals nicht dabei, ich musste an diesem Tag in der Berufsschule eine Prüfung schreiben.

 

Papa hat erzählt, dass er zum ersten Mal erlebt hat, dass die versammelte Trauergemeinde nach einer Trauerrede Beifall geklatscht hat. Er meinte, eine so ehrliche, aber auch betroffen machende Ansprache, hat er in seiner langen Laufbahn als Bestatter noch nie erlebt und wird er wahrscheinlich auch nie wieder erleben.“

 

Ich überlegte und sagte: „Der ganze Donnerstag ist bereits verplant durch die Neueröffnung des Hofladens in der Gärtnerei Grubmüller. Ich kann mir höchsten vorstellen, dass ich morgen Nachmittag und Donnerstagabend mit Christina und meinem Neffen Jonas eine kurze Trauerrede vorbereiten kann. Stephan, Raphael, wer von euch beiden traut sich zu mit Christina gemeinsam die Trauerrede zu halten, die wir zu viert erarbeiten.“

 

Die beiden angesprochenen schauten sich an, aber keiner der beiden Jungs sagte etwas, bis Christina meinte: „Wer von euch beiden traut sich, oder soll ich am Ende mit Peter oder Felix die Trauerrede für meine Mama halten. Peter würdest du auch mit mir die Trauerrede für Mama halten?“

 

Raphael erklärte: „Nachdem Stephan kein Interesse signalisiert, werde ich mit Christina die Trauerrede halten. Peter wann setzen wir uns mit Jonas zusammen?“

 

Ich holte mein Smartphone aus der Hosentasche und wählte die Nummer von Jonas. Er meldete sich und ich sagte: „Jonas, ich brauche deine Hilfe, du darfst mit Christina, Raphael und mir für Christinas verstorbene Mutter eine Trauerrede entwerfen. Christina und Raphael wollen die Trauerrede halten. Monika Müller vom Bestatter hat dich und mich vorgeschlagen den beiden dabei zu helfen, sie bezieht sich dabei auf unsere Trauerrede, anlässlich der Beerdigung meines Vaters.“

 

Jonas lachte erst und meinte: „Tim hat mitgehört und gemeint, dass das Lob für uns beide durchaus angebracht sei, allein deswegen, weil fast alle Trauergäste unsere Rede beklatscht haben. Peter wann hast du vor der Beisetzung noch Zeit, dich mit uns zusammenzusetzen, um die Rede auszuarbeiten? Wenn die Beerdigung am Freitag stattfindet, muss die Rede Donnerstagabend fertig sein. Soweit wir informiert sind, bist du am Donnerstag den ganzen Tag in der Gärtnerei Grubmüller, wegen der Eröffnung des neuen Hofladens.“

 

Ich antwortete: „Wenn ich ehrlich sein soll, keine Ahnung. Im Grunde genommen bleibt mir nur der Mittwochnachmittag. Vormittags geht nichts, da Christina und Raphael in der Schule sind. Es sei denn, dass ihr es am Donnerstag ohne mich versuchen wollt. Am Mittwochnachmittag treffen wir uns um sechzehn Uhr in meinem Büro für eine oder eineinhalb Stunden und bereiten alles vor. Ihr drei macht dann am Donnerstagnachmittag den Feinschliff ohne mich.“

 

Die beiden bei mir sitzenden Christina und Raphael signalisierten ihr Zustimmung zu meinem Vorschlag. Christina meinte: „Jonas, wenn du bereit bist, dich auf dieses Abenteuer einzulassen, Raphael und ich sind bei dem Vorgehen mit dabei. Notfalls kann Peter am Donnerstagabend die Trauerrede noch einmal gegenlesen und zusätzliche Änderungsvorschläge einbringen.“

 

Da Jonas dem Vorschlag zustimmte, konnten wir den Punkt Trauerrede abhaken. Den Punkt welche Musikstücke gespielt werden sollen und in welcher Reihenfolge erledigen die Kids direkt mit Monika und Felix. Auffällig dabei war, dass sich Felix an den bei meinem Vater gespielten Musikstücken orientiert hatte. Da es nur einen Trauerredner geben sollte, wurden nicht eine so große Auswahl wie bei meinem Vater benötigt.

 

Monika überzeugte mich davon, da Bettina keiner Glaubensgemeinschaft angehörte, dass ich die Einführungsworte und die Rede beim Versenken der Urne übernehmen kann. Die allgemeinen Texte würde sie mir dafür zur Verfügung stellen. Da die Beerdigung in unserem kleinen Dorffriedhof stattfinden sollte, wo auch mein Vater begraben wurde, sollten wir am Mittwochmittag den Urnengrabplatz auswählen.

 

Monika fragte, ob wir zwischen dreizehn und dreizehn Uhr dreißig am Friedhof sein könnten. Ich erklärte, wenn ich Christina morgen Mittag direkt von der Schule abhole, können wir um diese Zeit am Friedhof vorbeikommen und die Grabstelle aussuchen. Damit war dann zumindest der letzte Punkt auf meiner Liste, der mit dem Bestatter zu klärenden Fragen, aus meiner Sicht abgehakt.

 

Monika meinte, es gäbe noch einen Punkt zu klären: „Wie viele Gäste erwartet ihr zur Beisetzung von Bettina?“

 

Ich schaute Monika an und fragte: „Warum willst du das so genau wissen. Es werden mit Sicherheit weitaus weniger Trauergäste sein als bei der Beerdigung meines Vaters. Einen Shuttle-Service vom Gutshof zum Friedhof und zurück werden wir sicher nicht brauchen. Es kommen aus München ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, eine Nachbarin und gute Freundin. Wer von den Gutshofbewohnern an der Trauerfeier teilnehmen wird, kann ich nicht beurteilen.

 

Wir konnten hier keine direkten Verwandten einladen, da uns keinerlei Erkenntnisse vorliegen, ob es noch Geschwister oder sonstige Verwandte, wie Tanten oder Onkels gibt. In den uns vorliegenden Unterlagen finden sich keinerlei Hinweise auf weitere Verwandte. Deshalb ist es so schwierig mit konkreten Zahlen auch beim Leichenschmaus zu arbeiten. Ich denke für die höchstens fünfzehn bis zwanzig Fahrzeuge, die am und um den Friedhof parken wollen, sollte genügend Platz vorhanden sein und kein Verkehrschaos rund um den Friedhof entstehen.“

 

Monika, verabschiedete sich und erinnerte noch einmal daran, dass wir morgen Mittag die Grabstelle für Bettina aussuchen sollten. Danach würden wir uns wieder am Freitag direkt am Friedhof zur Beerdigung treffen. Ich erinnerte daran, dass sie am Freitag ebenfalls zum Leichenschmaus eingeladen sei, bevor sie endgültig den Konferenzraum verließ.

 

Ich telefonierte mit Sebastian und bat ihn ins Besprechungszimmer im Gutshaus zu kommen, weil wir mit ihm über den Leichenschmaus am Freitag sprechen wollen. Keine zwei Minuten später stand er mit Alexandra im Konferenzraum und sie setzten sich zu uns an den Tisch.

 

Sebastian fragte Christina: „Gibt es von deiner Seite besondere Wünsche bezüglich des Leichenschmauses? Hatte deine Mutter eine besondere Lieblingsspeise, die wir den Gästen anbieten können?

 

Christina erwiderte: „Eine Lieblingsspeise hatte meine Mutter meines Wissens nicht, wenn wir hin und wieder zum Essen gegangen sind, hat sie sich fast, immer wenn es auf der Speisekarte stand, einen altdeutschen Sauerbraten bestellt. Ich vermute nicht, dass es ihre Lieblingsspeise war, sondern sie die Gelegenheit nutzte, weil sie es selbst nicht kochen konnte.

 

Auf der anderen Seite, warum nehmen wir nicht einfach das Essen, dass es als Kantinenessen am Freitag gibt, das wäre aus meiner Sicht die einfachste Lösung. In den paar Tagen, die ich jetzt fest hier lebe, hat mir das Mittagessen immer hervorragend geschmeckt, dass es in der Kantine für uns gegeben hat. Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es am Freitag einmal ein Fischgericht, ein Schnitzel Wiener Art und Reiberdatschi, auch bekannt als Kartoffelpuffer oder Reibekuchen mit Apfelkompott.

 

Sebastian grinste und sagte: „So kann man das Problem des Leichenschmauses auch lösen. Witzig nur, dass in den letzten zwei Jahren noch keiner auf die Idee gekommen ist, dass wir einfach die Tagesmenüs dafür anbieten könnten. Die Idee ist so genial und doch so einfach und verursacht keinen zusätzlichen Personalaufwand. Alexandra, dass sollten wir zukünftig bei Anfragen zum Leichenschmaus grundsätzlich anbieten.“

 

Ich mischte mich wieder ein und meinte: „Damit ist aus meiner Sicht das Essen für den Leichenschmaus geklärt. Zum Kaffee und Kuchen am Nachmittag könnt ihr immer noch in der Konditorei bestellen, wenn feststeht wie viele Trauergäste zu bewirten sind. Ich finde die Idee mit den Tagesmenü als eine gute Alternative, die ihr den Gästen anbieten könnt.

 

Damit haben wir aus meiner Sicht alle offenen Fragen im Zusammenhang mit der Trauerfeier für Bettina geklärt, ausgenommen die Grabstelle, für die wir morgen Mittag einen Termin auf dem Friedhof haben. Dazu kommt noch die Aufgabe die Trauerrede mit euch zu schreiben, dazu treffen wir uns morgen Nachmittag. Ich würde sagen, das wars für heute.“

 

*****

 

Der Mittwoch ist schnell abgehakt. Nach dem Unterricht fuhr ich mit Christina und den beiden Jungs Stephan und Raphael zum Friedhof. Die Wahl für die Urnengrabstelle gestaltete sich dann doch etwas aufwendiger, da alle derzeit freien Urnengrabstellen wenig Sonne abbekamen.

 

Stephan meinte plötzlich: „Ich würde so einen schattigen Platz bevorzugen, wenn ich daran denke, wie heiß es im Sommer in der Sonne werden kann, dann wäre mir ein Platz im Schatten um einiges angenehmer.“

 

Ich musste grinsen, hielt mich mit meinem Kommentar aber zurück. Raphael wollte provozieren und legte nach: „Frauen haben doch immer kalte Füße und Hände, die brauchen einen Platz an der Sonne, damit ihnen nicht immer so kalt ist.“

 

Damit waren jetzt beide doch etwas zu weit gegangen. Ich rügte die beiden Jungs: „Stephan und Raphael, ich denke ihr habt euch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und damit Christina ordentlich verärgert. Auch wenn es den Tatsachen entspricht, redet man nicht über kalte Füße oder Hände. Dass, es im Schatten oder Halbschatten im Hochsommer etwas angenehmer sein kann, lässt sich nicht von der Hand weisen, trotzdem ist es kein Argument dafür, dass ein Grab im Schatten zu liegen habe.

 

Christina, es ist und bleibt deine Entscheidung, wo deine Mutter beerdigt wird, da wir uns für eine Verbrennung und damit für eine Urne entschieden haben, schreibt die Satzung des Friedhofs vor, dass Urnen in einem ausgewiesenen Urnenfeld begraben werden. Dass derzeit nur sonnenarme Plätze angeboten werden, ist zwar bedauerlich, sollte deshalb kein Grund sein, der gegen ein Grab an dieser Stelle spricht, da es auch gewisse Vorteile bringt. Bei extremer Hitze trocknet der Boden im Schatten nicht so schnell aus, gegenüber einem der den ganzen Tag in der vollen Sonne liegt und muss deswegen weniger oft gegossen werden.“

 

Christina überlegte und erklärte: „Peter, du ist der Meinung, dass der schattige Platz gewisse Vorteile besitzt, wen es ums Gießen geht. Bevor wir jetzt noch ewig diskutieren, akzeptiere ich einen schattigeren Platz für die Urne meiner Mama, dafür soll er jedoch in der ersten Reihe sein.“

 

Wir ließen uns zeigen, welche Plätze in der ersten Reihe noch nicht vergeben sind, da dort doch einige Grabstellen bereits reserviert sind. Zumindest war damit ein neuer Status erreicht, da für Christina nur zwei Grabstellen in Frage kamen. Nach kurzer Überlegung fiel die Entscheidung für den Platz, den ich persönlich bereits favorisiert hatte, ohne jedoch meine persönlichen Überlegungen preiszugeben. Damit war der nächste Punkt der Vorbereitungen zur Trauerfeier am Freitag erledigt. Über das Gespräch zur Trauerrede, werde ich euch an dieser Stelle noch nichts verraten, ich will der Trauerfeier nicht vorgreifen.

 

*****

 

Am Donnerstag war ich schon sehr früh auf den Beinen. Immerhin sollte ich spätestens um acht Uhr morgens in der Gärtnerei Grubmüller sein, um zum einen Blick auf die im Gewächshaus entstandene Ausstellung zu werfen, welche Veränderungen auf die Gärtnerei in den nächsten Monaten zukommen. Zum anderen sollte ich mir den neuen Hofladen noch vor der offiziellen Eröffnung anschauen, da ich in den letzten drei Wochen keine Gelegenheit mehr dazu hatte.

 

Frederik hatte gestern bereits angekündigt, dass er bereits ab sieben Uhr im Hofladen sein will, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Kurz bevor ich losfahren wollte, erhielt ich einen Anruf aus der Gutshofbäckerei. Ich wurde gefragt, ob ich einen Teil der Backwaren für den Hofladen und den Auszubildenden Kilian Sonnenberger mitnehmen könne. Auf meine Nachfrage erhielt ich die Auskunft, dass heute Morgen ein Fahrer ausgefallen sei und sein Kollege noch unterwegs ist, um alle Läden rechtzeitig mit frischen Backwaren zu versorgen.

 

Ich fuhr zur Gutshofbäckerei und dort erklärte man mir, dass ich den Lieferwagen nehmen soll, da dort bereits alles für den Hofladen Grubmüller eingeräumt sei. Man versprach mir, dass später jemand mein Auto in die Gärtnerei bringen würde und der Lieferwagen abgeholt wird. Kilian kam aus dem Gebäude zu mir und ich staunte nicht schlecht über seinen Anblick.

 

Unterwegs erklärte mir Kilian, dass er heute Morgen nicht in der Backstube gestanden habe, da er für heute und morgen Vormittag jeweils als Verstärkung des Verkaufsteams im Hofladen auserkoren wurde. Ich grinste ihn an und meinte, dass er vermutlich nicht besonders traurig darüber sei, dass er als Aushilfe für den Hofladen ausgesucht wurde.

 

Kilian erwiderte grinsend: „Logisch bin ich traurig darüber, dass ich meine Ausbildung für zwei Tage unterbrechen muss, um im Hofladen im Verkauf auszuhelfen. Noch dazu, nachdem Frederik noch erklärt hatte, dass er keine Ahnung davon habe, was er an Backwaren im Angebot hat. Da ich das bereits gestern erfahren habe, habe ich von allen Produkten ein Foto erstellt und gestern Nachmittag noch mehrere Übersichtstafeln erstellt, auf denen die Produkte abgebildet und bezeichnet sind.

 

Leider hatte ich gestern Abend keine Möglichkeit mehr die Tafeln auszudrucken. Ich hoffe, dass in der Gärtnerei ein Farbdrucker vorhanden ist, damit ich die Seiten ausdrucken kann. Noch besser wäre es, wenn ich die Seiten anschließend in Folie einschweißen kann, dann sind sie länger haltbar.“

 

Ich antwortete: „Ob in der Gärtnerei ein Laminiergerät vorhanden ist, kann ich dir nicht aus dem Stegreif beantworten. Notfalls werden wir uns eines vom Gutshof ausleihen.“

 

Fast pünktlich traf ich mit Kilian in der Gärtnerei ein. Frederik wunderte sich darüber, warum ich mit dem Lieferwagen komme. Ich erklärte: „Ganz einfach zu beantworten, ein Fahrer ist heute Morgen ausgefallen und man bat mich den Lieferwagen zu nehmen und dir die Ware zu bringen.

 

Da geplant war, dass Kilian mit dem Lieferwagen mitkommt, habe ich ihn als deine Verstärkung mitgebracht. Während ihr beide jetzt den Wagen ausräumt und die Ware im Hofladen einräumt, bin ich im Büro, um mit Mario noch ein paar Kleinigkeiten zu besprechen. Wenn ihr alles ausgeräumt habt, stellst du bitte das Fahrzeug auf den Parkplatz. Schlüssel habe ich dir stecken lassen.“

 

Im Büro fand ich nicht nur Mario, Sepp und Richard, sondern Armin Schwarz, unseren Event-Manager. Ich fragte: „Kann mir einer von euch sagen, ob ihr hier in der Gärtnerei ein Laminiergerät im Einsatz habt? Kilian bräuchte ein Laminiergerät und einen Farbdrucker, damit er für den Hofladen eine bebilderte Übersicht der Backwaren aus der Gutshofbäckerei ausdrucken und laminieren kann, die er extra vorbereitet hat.“

 

Sepp erklärte: „Wenn durch Mario oder euch kein Laminiergerät angeschafft wurde, sollte es hier keines geben. Ich wollte vor Jahren eines kaufen, damit wir stabilere Preisschilder produzieren können, wir haben dann doch eine andere Lösung gefunden.“

 

Armin sagte: „Ich kann schauen, ob ich Werner noch im Gutshof erreiche, er wollte erst gegen acht Uhr dreißig losfahren, dann kann er das Laminiergerät und Laminierfolien zum Einschweißen aus dem Jugendhotel mitbringen. Damit kann, bis DIN A3 laminiert werden.“

 

Während Armin mit Werner telefonierte, meinte Sepp: „Eure Präsentation, was sich alles in den nächsten Wochen und Monaten in der Gärtnerei Grubmüller verändern wird, ist der absolute Hammer. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ihr mit so großen Postern arbeiten würdet.

 

Armin hat mir vorher erklärt, dass bei der Ausstellung im Verwaltungsgebäude kleinere Poster zum Einsatz gekommen wären. Ich finde die gesamte Gestaltung der Präsentation und die dazugehörigen großen Abbildungen machen sehr deutlich, dass alle Neuerungen die Gärtnerei weiter aufwerten. Der Entwurf für das Café in der Gärtnerei Grubmüller und die Gestaltung der Außenflächen, wertet das gesamte Objekt gewaltig auf.

 

Ich habe schon mit Mario darüber gesprochen, dass wir euch, sofern gewünscht, den Platz für die Ausstellung bis zur vollständigen Fertigstellung des Projekts zur Verfügung stellen wollen. Dafür wird er, wenn möglich zwei weitere Gewächshäuser errichten, damit in der Gärtnerei Winter, die Modernisierung der Gewächshäuser beschleunigt werden kann.

 

Armin hatte sein Telefonat beendet und sagte uns, dass Werner nachher das Laminiergerät aus dem Jugendhotel mit Laminierfolien mitbringen wird. Er meinte weiter: „Peter, du solltest dir die Präsentation kurz anschauen, damit du am Ende nicht völlig überrascht wirkst, wenn du nachher die Präsentation der Öffentlichkeit und der Presse vorstellst.“

 

Ich erklärte: „Ich will Kilian zur Präsentation mitnehmen, ich habe ihn vom Gutshof mitgenommen, weil er heute und morgen Vormittag bei der Ladeneröffnung mithelfen soll. Er ist Auszubildender zum Bäcker und soll gleichzeitig im Verkauf den Mitarbeitern die Backwaren näherbringen. Er lädt gerade mit Frederik den Transporter aus, mit dem ich hergekommen bin.“

 

Wir gingen zum Hofladen und ich sah sofort, dass die beiden Jungs bereits die Körbe mit den Backwaren ausgeladen hatten und anfingen die Regale zu bestücken. Ich erklärte: „Kilian, Werner vom Marketing bringt dir nachher aus dem Jugendhotel das große Laminiergerät mit, damit du deine bebilderten Hilfen schützen kannst. Vorher gehst du kurz mit uns die Präsentation anschauen, damit du dich nicht unvorbereitet, Fragen dazu stellen musst.

 

Ich gehe davon aus, dass Frederik die Backwaren auch ohne dich einräumen kann. Frederik, denk bitte daran, dass mindestens ein Korb von den Brezen als Werbegeschenke an die Kunden gedacht sind.“

 

Kilian und ich folgten Armin ins Gewächshaus, in dem die Präsentation `Umbau und Erweiterungen in der Gärtnerei Grubmüller` aufgebaut war. Ich staunte nicht schlecht, als ich erkannte, was meine Mitarbeiter aus der Idee von Tobias herausgeholt hatten. Die Trennwände fügten sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Durch die zusätzlich aufgebauten Pavillons wirkte die ganze Präsentation aufgelockerter.

 

Jeder Pavillon hatte sein eigenes Thema. Ich erkannte, Neubau Café in der Gärtnerei, Erweiterung des Hofladens, Neubau eines Lagerhauses mit Verpackungsanlage und Änderung der Außenanlagen mit neuem Parkhaus. Dazu kamen unterschiedlichste Sitzgelegenheiten, kleine Palmen und Büsche. Auffällig dabei war, dass es zu jedem Thema nicht nur ein Poster gab, sondern mindestens zwei oder drei Bilder die Veränderungen oder Pläne zeigten.

 

Ich meinte: „Armin, die Präsentation der Veränderungen im Bereich der Gärtnerei Grubmüller ist erheblich umfangreicher, als es in eurer ursprünglichen Planung vorgesehen war. Ich finde die Erweiterungen und die zusätzlichen Poster als eine gute Ergänzung zu den geplanten Motiven. So kann man sich eine bessere Vorstellung davon machen, wie es nach Abschluss der gesamten Bauarbeiten aussehen wird.

 

Die gesamte Gestaltung mit den Accessoires lädt zu einem gemütlichen Verweilen und betrachten der Poster ein. Jetzt darfst du mir nur noch verraten, was mich der ganze Spaß kosten wird?“

 

Armin grinste und erklärte: „Fangen wir bei den vier Pavillons an, die kosten dich keinen Cent. Zwei Stück gab es bei der J. Graf GmbH und zwei weitere stammen von der Münchner Immobilienverwaltung. Die wären mit dem Umzug im Sommer sowieso hier in Rosenheim gelandet, jetzt sind sie eben eher hier angekommen. Das Mobiliar stammt von verschiedenen Mitarbeitern, die es unentgeltlich für zwei Monate zur Verfügung stellen.

 

Die großen Pflanzen haben wir für drei Monate angemietet, im Mietvertrag sind die Kosten für die laufende Pflege enthalten. Viele der Kleinpflanzen wurden von Mitarbeitern zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die zusätzlichen Poster werden teilweise gesponsert von unserem Architektenteam, den beiden Gärtnereien und der J. Graf GmbH. Ein kleiner Rest bleibt noch bei der Stiftung hängen.“

 

Ich fragte nach: „Soll ich das jetzt so verstehen, dass uns die jetzige Präsentation kaum mehr kostet als das, was ihr vorher vorgesehen hattet und das alles nur weil einiges gesponsert wurde oder kostenlos ausgeliehen wurde. Dann hat sich das Nachdenken und die Änderung der Lokation doch gelohnt, wenn mit dem geringen Mehraufwand eine aufwendigere Präsentation erstellt werden konnte.“

 

Kilian, der sich bisher zurückgehalten hatte, schwärmte: „Ich habe bisher nichts von der Projektvorstellung für die Erweiterungen in der Gärtnerei Grubmüller mitbekommen, bisher wurde immer nur von der Eröffnung des Hofladens gesprochen. Ich bin überrascht, was euch dazu eingefallen ist. Allein einen Teil eines Gewächshauses für diese Präsentation auszuwählen ist eine interessante Variante.

 

Das angewandte Konzept ist eine Aufwertung des bisherigen Standortes, ähnlich den Veränderungen, die ihr für den Campingplatz in Markt Oberdorf plant. Dort wird jedoch ein größerer Gebäudekomplex erstellt.“

 

Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit wird, in den Hofladen zurückzukehren, da in wenigen Minuten die offizielle Eröffnung des Hofladens erfolgen wird. Auf dem Weg zurück sah ich mehr als fünfzehn Personen vor dem Zugang zum Hofladen stehen. Mit dabei war Frederik, mit einer Schere in der Hand. Er erklärte mir, dass wir in der Eröffnungszeremonie das Band, dass er an der Ladentür platziert hatte, von ihm, Sepp und mir durchschnitten wird.

 

Ich bemerkte, dass Sepp und Marianne aus der Zugangstür zu den Büros und den Wohnungen herauskamen und sich uns näherten. Als er neben mir stand, erkläre Sepp: „Geplant war, dass Mario mit dir und Frederik das Band durchschneiden soll, vor weniger als zwei Minuten hat er mich davon informiert, dass ich mit dir und Frederik diese Aufgabe übernehmen soll.“

 

Ich schaute ihn an und überlegte. Ich bemerkte, dass es da eine Ungereimtheit gab. Wenn Frederik mir erklärt, dass er mit mir und Sepp das Band durchschneiden wird, Sepp jedoch erst zu diesem Zeitpunkt davon informiert wurde, war es eine von Anfang an so geplante Aktion zwischen Mario und Frederik. Genaugenommen fand ich es eine große Geste von Mario, dem ausgeschiedenen Inhaber der Gärtnerei diese Aufgabe zu überlassen.

 

Mit den gewonnenen Erkenntnissen ging ich zu Frederik und flüsterte ihm ins Ohr: „Die Idee, Sepp mit in die Neueröffnung des Hofladens mit einzubeziehen, geht aus meiner Sicht, so in Ordnung. Nur dass ihr ihm das Last Minute erzählt habt, finde ich nicht so prickelnd. Vor allem hätte ich das auch gern eher von euch erfahren.“

 

Um ihn etwas aus dem Konzept zu bringen, flüsterte ich weiter: „Ich finde, du solltest die kurze Ansprache an die Anwesenden übernehmen, wenn wir jetzt gleich den Laden eröffnen. Wird nicht so schwierig sein, den anwesenden Gästen und Kunden, mit ein paar freundlichen Worten erklären, worauf sie sich zukünftig freuen können.“

 

Frederik schaute mich verwirrt an und antwortete: „Peter, ich dachte du übernimmst die kurze Ansprache, bevor wir gleich das Band durchtrennen und alle den Laden stürmen können.“

 

Inzwischen hatte sich Sepp zu uns gestellt und mitbekommen, dass Frederik die Rede übernehmen sollte. Als ihm auffiel, dass Frederik keinen Ton herausbrachte, fing er mit einer Rede an: „Liebe Gäste, liebe Kunden, liebe Mitarbeiter der örtlichen und überörtlichen Presseorgane.

 

Es freut mich, dass ich sie hier und heute zur Eröffnung des Hofladens in der Gärtnerei begrüßen darf. Viele von ihnen wissen sicher, dass die Gärtnerei zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen wurde. Bereits in den ersten Januartagen zeichnete sich ab, dass die Gärtnerei wieder in Betrieb genommen und weitergeführt wird. Seit der zweiten Januarwoche wird wieder Gemüse angebaut.

 

Der neue Eigentümer wird noch einmal sehr viel Geld in die Hand nehmen, um die Gärtnerei zu erweitern. Die Planung, was sich in den nächsten rund zwölf Monaten alles verändern wird, können sie in den nächsten Wochen und vielleicht auch Monaten in einer ausführlichen Projektvorstellung im Gewächshaus A1 sehen. Ich kann ihnen jetzt bereits verraten, dass der Hofladen noch vergrößert wird und zusätzlich ein Café in der Gärtnerei Grubmüller errichtet wird.

 

Auch an der Zufahrts- und Parkplatzsituation wird sich einiges verändern, die Zufahrt wird etwas nach Norden verschoben, anstelle der Einfahrt wird ein Parkhaus errichtet, mit Kundenstellplätzen im Erdgeschoß und Parkplätzen für die Mitarbeiter und Bewohner in der oberen Etage. Zusätzlich wird das Parkhaus mit einer Photovoltaikanlage zur Stromgewinnung ausgestatten.

 

Wie sie den Flyern entnehmen konnten, werden wir in den nächsten Tage Führungen durch die Gärtnerei veranstalten. Zukünftig werden für Schulklassen und Gruppen aus den Kindergärten nach Voranmeldung Führungen durchgeführt. Nun will ich euch nicht länger mit meiner Rede langweilen, schreiten wir zur Eröffnung des Hofladens.“

 

Nachdem wir das Band durchschnitten hatten und Frederik die Ladentür geöffnet hatte, stand Kilian mit einem kleinen Weidenkörbchen an der Tür und übergab jedem eintretenden Kunden eine frische Breze. Ich stand mit Armin und Sepp noch vor dem Laden und wir unterhielten uns. Armin fragte mich, wieso ich nicht die Eröffnungsansprache gehalten habe.

 

Sepp antwortete: „Peter hat, warum auch immer, Frederik diese Aufgabe kurzfristig zugeschoben. Da Frederik wohl doch etwas überfordert wirkte, dachte ich, dass ich als ehemaliger Eigentürmer diese Aufgabe übernehmen soll. Mir ist es eine besondere Freude gewesen, dass ich meine ehemaligen, aber auch die neuen Kunden der Gärtnerei begrüßen durfte.“

 

Armin grinste Sepp an und meinte: „Du hast vorher die Pressevertreter begrüßt, nur war von den Herrschaften keiner anwesend, als du deine Rede gehalten hast. Der Vertreter des Oberbayrischen Volksblatt kommt gerade auf uns zugelaufen. Von den Werbezeitungen ist bisher auch kein Vertreter anwesend.“

 

Ich fing zu grinsen an, als ich sah, wer als Vertreter des Oberbayrischen Volksblattes auf uns zukam. Mit ihm hatte ich mich letzte Woche bereits auf unserer Vorstellung der Dokumenten- und Bauplanverwaltung kurz unterhalten. Armin wollte mir gerade erklären, wer da auf uns zukommt, als ich ihn unterbrach und darauf hinwies, dass ich mich bereits letzte Woche bei der Produktvorstellung mit ihm unterhalten hatte.

 

Ich konnte mich noch sehr gut daran erinnern, wie er mir erklärte, dass das Produkt, das wir vorstellen, für seine Klientel nicht interessant genug sei, um darüber einen Artikel in der Tageszeitung zu veröffentlichen. Als er neben mir stand, begrüßte ich ihn und sagte: „Herzlich willkommen Herr Magermann, freut mich sie hier bei uns begrüßen zu dürfen. Ich hoffe doch, dass die Hofladeneröffnung und unsere Projektvorstellung der Umbauten und Erweiterungen der Gärtnerei Grubmüller auf ein größeres Interesse bei ihren Lesern stößt als unsere langweilige Produktvorstellung vor einer Woche.“

 

Er lachte und antwortete: „Da können sie sich sicher sein, dass eine Neueröffnung des Hofladens für unsere Leser interessanter ist. Ich hatte ein Telefonat mit ihrem Herrn Wagner, der zumindest bei den Erweiterungen von einer Vergrößerung des Hofladens und von einem Gärtnerei Café gesprochen hat. Da ich ihr Hofcafé und ihren Hofladen im Gutshof kenne, bin ich neugierig, wie das hier bereits aussieht und wie es zukünftig aussehen soll.

 

Ich kenne den bisherigen Laden unter Leitung der Familie Grubmüller, da ich einmal jährlich Gemüsepflanzen für meinen privaten Bedarf gekauft habe. Hin und wieder hat meine Frau hier frisches Gemüse oder Salate gekauft. Sie ist einmal wöchentlich bei euch im Hofladen zum Einkaufen und wird ab sofort hierher wechseln, wenn das Sortiment in etwa vergleichbar ist, da der Weg hierher kürzer ist als zum Hofladen im Gutshof.“

 

Während wir uns unterhalten hatten, näherte sich Werner mit einer großen Tragetasche. Er stellte sich zu uns, begrüßte Herrn Magermann und bat mich, Kilian das Laminiergerät zu überreichen, da er mit dem Pressevertreter zuerst zur Projektpräsentation gehen wollte, bevor er das Interview mit mir führen sollte. Während Werner mit Armin und Herrn Magermann in Richtung Gewächshaus verschwand ging ich zu Kilian und wollte ihm die Tragetasche mit dem Laminiergerät übergeben.

 

Er drückte mir den Weidenkorb mit den Brezen in die Hand und verschwand mit der Tragetasche zu Frederik und mit ihm zusammen weiter in Richtung Büro. An der Kasse entdeckte ich Marianne, die Silvia dabei unterstützte, die die ersten Einkäufe der Kunden abarbeiteten. Nachdem die Brezen im Weidekorb ständig weniger wurden, ging ich ebenfalls in Richtung Kasse und Backwarentheke, wo ich den Nachschub zum kostenlosen Verteilen vermutete.

 

Ich holte aus dem großen Korb hinter der Theke etwa fünfzehn Brezen, die ich in meinen Weidenkorb legte. Der Mitarbeiter, der die Backwaren für die Kunden bereitstellte, bat mich, mit ihm zu tauschen, da er sich noch schwertue, die verschiedensten Semmelsorten auseinanderzuhalten. Da ich ansonsten keine Aufgaben hatte, außer Brezen verteilen und Interviews zu führen, ließ ich mich auf den Tausch ein.

 

Ich war zwar kein Backwarenfachmann, aber aufgrund unserer Bestellungen für das Frühstück an den Wochenenden kannte ich den Großteil der zum Verkauf stehenden Backwaren. Die von den Kunden bestellten Backwaren legt ich in ein Weidenkörbchen und übergab es Marianne, die Silvia an der Kasse unterstützte. Nach zwanzig Minuten kam Kilian zurück in den Laden und grinste frech, als er mich an der Backwarentheke sah.

 

Er kam näher und als er neben mir stand, legte er die eingeschweißten Bildtafeln mit den Backwaren auf den Tresen. Er erklärte, dass er mich jetzt ablösen werde, weil drüben im Aufenthaltsraum, Werner mit einem Journalisten auf mich warten würden. Ich ging durch den Laden und über den Flur zum Aufenthaltsraum. Beim Eintreten verstummten die geführten Gespräche schlagartig.

 

Als Werner sah, dass ich den Raum betrat, sagte er: „Peter, Herr Magermann ist von unserer Präsentation zu den Veränderungen in der Gärtnerei Grubmüller restlos begeistert. Das bezieht sich jedoch nur auf die Präsentation, nicht die geplanten Erweiterungen und die Neubauten.“

 

Herr Magermann erklärte: „Mit der von euch geschaffenen Präsentation den Kunden die Veränderungen in der Gärtnerei Grubmüller zu zeigen, ist es euch aus meiner Sicht gelungen, den Kunden das zukünftige Einkaufserlebnis mit der Gastronomie noch schmackhafter zu machen. Werner Wagner hat mir die Info zukommen lassen, dass die Grundidee, die Präsentation in einem der Gewächshäuser zu zeigen, von einem deiner Adoptivkinder stammt.

 

Die Umsetzung ist deinem Marketing und der Eventabteilung hervorragend gelungen. Ich werde in meinem Report sowohl von der Eröffnung als auch der Projektpräsentation berichten. Dabei werde ich weniger auf die Details eingehen, ich werde aber die Empfehlung aussprechen, sich die Präsentation vor Ort anzuschauen. Das geplante Parkhaus und die Wohnungen über dem Lagerhaus werde ich als umweltverträgliches und soziales Projekt betiteln.

 

Ich habe Herrn Wagner zu dem mit der Stadt geplanten Kindertagesstätte auf dem Gelände des Gutshofes angesprochen. Er hat mir erklärt, dass er dazu keine Auskünfte geben kann, da er weder Details kenne und bisher noch keine Unterlagen gesehen hat. Er hat nur mitbekommen, dass ihr in Verhandlungen mit der Stadt Rosenheim steht. Herr Maurer, können sie mir dazu bereits näheres berichten?“

 

Ich erklärte: „Die Verhandlungen mit der Stadt Rosenheim sind so gut wie abgeschlossen, mehr kann ich ihnen nur verraten, wenn sie mir garantieren, dass alles, was ich ihnen erzähle, vorerst noch nicht in die Öffentlichkeit geraten darf. Wir haben mit der Stadt vereinbart, dass wir mit der Grundsteinlegung das Projekt groß vorstellen und die Öffentlichkeit dazu einladen werden. Wenn alles gut läuft, wird die Grundsteinlegung für die Kindertagesstätte Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden.

 

Ich habe jedoch etwas, worüber ich bereits jetzt mit ihnen sprechen kann und von dem sie die Öffentlichkeit informieren können. In meiner Kindheit hatten wir einen großen Badeteich auf dem Gutshofgelände, der immer für die Allgemeinheit zugänglich war und von den Rosenheimern fleißig genutzt wurde. Der Badeteich wird derzeit wieder hergestellt und zukünftig, wie damals, wieder mit den Niederschlägen der Dächer auf dem Gutshofgelände gespeist.

 

Im Zuge der Kanalisierung des Gutshofgeländes wurden damals sämtliche Dächer an die Kanalisation angeschlossen. Diese Schritte werden wieder rückgängig gemacht und damit wieder ein Badeparadies für die Öffentlichkeit geschaffen. Wiedereröffnung wird voraussichtlich mit Beginn der Badesaison sein, sofern die neuen Rasenflächen zu diesem Zeitpunkt gut eingewachsen sind. Sollten sie Interesse daran haben, lade ich sie ein sich vom Baufortschritt vor Ort zu informieren.“

 

Werner schaute mich an und sagte: „Peter, von diesem Projekt habe ich noch nicht einmal etwas gehört bisher. Hast du noch mehr solcher Überraschungen für unsere Abteilung auf Lager? Kennt Armin, unser Eventmanager, schon deine Pläne vom Badeteich für die Bevölkerung auf dem Gutshofgelände?“

 

Ich antwortete: „Außer den planenden Architekten und den ausführenden Garten- und Landschaftsbauunternehmen ist bisher kaum einer in die Pläne eingeweiht. Von den Mitarbeitern ist nur meine Assistentin in den Vorgang involviert. Wenn feststeht, wann das Gelände fertiggestellt und für die Allgemeinheit zugänglich wird, wäre ich auf euch zugekommen, um die Öffentlichkeit zu informieren.“

 

Herr Magermann meinte: „Wenn ich damit bereits jetzt an die Öffentlichkeit gehen kann, bin ich an weiteren Informationen und einem Besichtigungstermin interessiert. Gibt es von der geplanten Fläche einen Plan, den ich bereits jetzt in der Zeitung veröffentlichen darf?“

 

Ich lachte und meinte: „Ausführungspläne gibt es genug, eine Zeichnung wie alles am Ende aussehen soll, gibt es ebenfalls. Mit den Ausführungsplänen werden sie nicht viel anfangen können. Ich könnte höchstens unseren Architekten fragen, ob es auch einen Plan gibt, ähnlich einem Grundriss einer Wohnung.“

 

Der Reporter meinte: „Herr Maurer, ich melde mich vermutlich Ende nächster Woche bei ihnen, damit wir einen Termin vereinbaren, um das Badeteichprojekt den Bewohnern von Rosenheim und Umgebung vorzustellen. Beim Konzept Kindertagesstätte verspreche ich ihnen, dass vorerst nichts in die Öffentlichkeit kommt, um das Projekt nicht zu gefährden. Ich würde mich jedoch freuen, wenn ich zukünftig als einer der Ersten von Neuigkeiten rund um den Gutshof informiert werde.“

 

Ich erwiderte: „Wenn sie an Neuigkeiten rund um den Gutshof und die Stiftung Sonneneck interessiert sind, sehe ich kein Hindernis sie mit allen Neuigkeiten als einem der Ersten zu versorgen. Es gibt im Grunde genommen fast monatlich Neuigkeiten, mit denen die Allgemeinheit versorgt werden kann. Wenn es die Stiftung Sonneneck betrifft, beschränkt sich das jedoch nicht nur auf den Raum Rosenheim.

 

Bis jetzt ist ein weiteres Projekt, das seit einem Jahr vorbereitet wird, noch nicht in die Öffentlichkeit gelangt. Wir werden im Sommer, in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Jugendamt drei neue Gebäude fertigstellen, in die wie in einem Jugendwohnheim Jugendliche unter und über achtzehn Jahren einziehen werden, die noch in Ausbildung sind. Auf Anhieb werden wir mehr als fünfundzwanzig Auszubildende der Gutshofgruppe dort unterbringen.

 

Rund vierzehn davon kommen aus diversen Kinderheimen in Thüringen, Hessen und der Stadt München. Dazu etwas mehr als zehn Auszubildende aus dem zukünftigen Jugendhotel in Scharbeutz, die ihre Ausbildung während der dortigen Umbauarbeiten hier in Rosenheim fortsetzen. Hinzu kommen noch ortsansässige Auszubildende, aus dem betreuten Wohnen für minderjährige Flüchtlinge, die bei uns eine Ausbildung absolvieren, sowie volljährige Jugendliche aus Kinderheimen, die bis zum Abschluss ihrer Ausbildung vom Jugendamt Rosenheim betreut werden.

 

Weitere drei Jugendwohnheime sind in Scharbeutz an der Ostsee, Marktoberdorf im Allgäu und in Innsbruck in Österreich in der Planung. Ähnliches gilt auch für den Bereich Kindergärten, weitere Objekt sind in der Planung in Marktoberdorf und in Kempten, wobei das Projekt in Kempten ein Betriebskindergarten sein wird.

 

Das Zeltlager, das letztes Jahr im Gutshof stattgefunden hat, wird heuer an der Ostsee stattfinden. Uns wurde vom Jugendamt in Scharbeutz ein Jugendzeltlagerplatz angeboten, der seit mehreren Jahren nicht mehr benutzt wurde. Mit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen wird in den nächsten Tagen begonnen, damit wir rechtzeitig zu Ferienbeginn eröffnen können. Ab dem kommenden Jahr wird in Rosenheim und in Scharbeutz parallel ein Zeltlager stattfinden.

 

Werner und Herr Magermann schauten mich verwundert an, bis letzterer sagte: „Herr Maurer, warum sind sie bisher nie groß in die Öffentlichkeit gegangen mit ihren vielen sozialen Projekten. Der Kollege, der voriges Jahr über ihr Zeltlager berichtet hat, hat nur von den institutionellen Gästen, wie Rotes Kreuz oder dem THW berichtet, aber den sozialen Aspekt mit den Kindern und Jugendlichen aus den Kinderheimen hat er dabei völlig außer Acht gelassen.

 

Wenn ich sie richtig verstanden habe, wollen sie ihr soziales Engagement noch ausweiten, um noch mehr Kindern und Jugendlichen aus Kinderheimen, einen Urlaub zu ermöglichen. Ich denke wir sollten uns regelmäßig zusammensetzen, um ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Können sie mir erklären, warum bei ihnen ab dem Herbst so viele Jugendliche aus Kinderheimen bei ihnen eine Ausbildung beginnen wollen.“

 

Werner antwortete: „Zu ihrer Frage, warum wir so viele Jugendliche als Bewerber aus Kinderheimen für unsere Ausbildungsplätze hatten, kann ich nur sagen, das Zeltlager im vergangenen Jahr war dabei ausschlaggebend. Wir haben den älteren Jugendlichen die Gelegenheit geboten, während ihres Aufenthalts im Zeltlager, in den Unternehmen der Gutshofgruppe einen oder zwei Tage im Berufsalltag zu schnuppern.

 

Scheinbar haben wir bei den Kids damit ins Schwarze getroffen, vor allem, weil den Jugendlichen erklärt wurde, dass ihnen ein Platz im Jugendwohnheim, für die Zeit ihrer Ausbildung angeboten wird. Wir hatten auch eine Bewerbung aus Thüringen, der nicht aus einem Kinderheim stammte und mit dem THW am Zeltlager teilgenommen hatte. Er wollte für seine Ausbildung so weit wie möglich weg von zuhause, da er dem Druck seines Vaters entgehen wollte.

 

Wir wollten bisher, wegen unseres sozialen Engagements nicht unbedingt in die breite Öffentlichkeit gehen, da wir dafür nur über begrenzte Mittel verfügen. In den nächsten zwei Jahren werden wir voraussichtlich keine weiteren Projekte neu starten.“

 

Ich ergänzte: „Da wir in Marktoberdorf in zwei bis drei Jahren einen größeren Personalbedarf haben werden, haben wir uns vor zwei Wochen zu einem Experiment entschlossen. Wir werden zum Herbst voraussichtlich fünf Jugendliche aus Marktoberdorf und drei Jugendliche aus Scharbeutz nach Rosenheim holen und sie hier ausbilden.

 

Nach der Ausbildung werden sie in Marktoberdorf und Scharbeutz eingesetzt werden. In den Osterferien kommen die Bewerber aus Marktoberdorf und Scharbeutz zu ihren Vorstellungsgesprächen nach Rosenheim. Ob am Ende alle ihre Ausbildung hier antreten, entscheidet sich an Ostern. Wenn sie wollen, können sie auch darüber berichten.“

 

Werner meinte: „Herr Magermann, das war jetzt ein kleiner Überblick über die Arbeit der Stiftung Sonneneck. Ich informiere sie gern regelmäßig über zukünftige Projekte, aber immer erst, wenn sie spruchreif sind. Heute ist erst einmal die Eröffnung des Hofladens und die geplanten Erweiterungen in der Gärtnerei unser Thema.“

 

Herr Magermann sagte: „Das waren jetzt wirklich jede Menge Informationen zur Arbeit der Stiftung Sonneneck, die sie mir zukommen ließen. In meiner aktuellen Berichterstattung werde ich mich nur auf die Gärtnerei und den Hofladen beziehen. Ich bedanke mich für das informative Gespräch.“

 

Er verabschiedete sich und Werner brachte den Reporter des Oberbayrischen Volksblattes nach draußen. Als er nach fünf Minuten zurückkehrte, meinte er: „Peter, er hat sich draußen noch zweimal dafür bedankt, dass wir ihm einen so großen Einblick in unsere Arbeit gegeben haben. Vor allem dein letztes Thema, die Auszubildenden aus Scharbeutz und Marktoberdorf, die du nach Rosenheim holen willst, beschäftigt ihn noch gewaltig.“

 

Ich meinte: „Ich lasse mich einfach überraschen, ob er Interesse an dem Projekt Badeteich hat. Immerhin ist es ein eher lokales Thema, dass er der Öffentlichkeit vorstellen kann, so wie unser heutiges Thema Eröffnung eines neuen Hofladens in der Gärtnerei Grubmüller. Aber jetzt zu etwas anderem. Hast du Rückmeldungen von den Werbezeitungen, ob von denen ein Mitarbeiter vorbeikommt.“

 

Werner grinste und antwortete: „Rückmeldung, dass jemand vorbeikommt, habe ich nicht erhalten. Die kommen immer dann, wenn sie von dir einen Werbeauftrag haben wollen. Wenn sich diesmal keiner zur Neueröffnung blicken lässt, werden wir sie beim nächsten Mal ohne Auftrag abspeisen. Peter, wir sollten uns so langsam wieder im Hofladen blicken lassen und die Kunden begrüßen. Ich möchte später mit dir noch gemeinsam die Präsentation anschauen.“

 

Wir standen auf, verließen den Aufenthaltsraum und bevor wir in den Hofladen zurückkehrten, führte mich mein Weg ins Büro zu Mario. Ich wollte mich kurz mit Mario und Richy unterhalten. Da ich Richy nicht vorfand, fragte ich, ob Richy in den Gewächshäusern unterwegs sei. Mario erklärte, dass nur Sepp mit einer Gruppe derzeit in der Gärtnerei unterwegs ist, Richy ist außer Haus, er hat heute seinen Berufsschultag.

 

Ich erklärte, dass ich nur nachfragen wollte, wie es den beiden Mietern in ihren Wohnungen ergeht und ob ihr immer noch gemeinsam kocht. Vor allem bin ich neugierig, was aus deiner Freundin Beate aus dem Küchenhaus inzwischen geworden ist.

 

Mario grinste und sagte: „Peter, Beate ist längst wieder aus dem Urlaub zurück und sie übernachtet jetzt fast jeden Tag bei mir. Ich denke, dass wir jetzt fest miteinander gehen. Richard verbringt seine Abende in seinem Appartement. Weg kann er nicht so einfach. Hin und wieder wird er von jemanden abgeholt, auch von Leuten vom Gutshof, ist aber, was ich bisher so mitbekommen habe, immer rechtzeitig wieder hier.

 

Seit Beates Rückkehr aus dem Urlaub versorgt er sich selbst, er ist froh, dass der Hofladen endlich öffnet, damit er vor Ort einkaufen kann und nicht immer alles mühevoll nach Hause schleppen muss. Gelegentlich haben Beate oder ich ihn an Samstagen zum Einkaufen mitgenommen, damit er nicht alles schleppen musste.“

 

Inzwischen war ich mit Werner wieder im Hofladen angekommen und wunderte mich, dass am späten Vormittag schon die ersten Mütter mit ihren Kindern zum Einkaufen hier waren. Als Kilian mich entdeckte, kam er auf mich zu und verkündete mit einem strahlenden Gesicht, dass sämtliche Backwaren, die wir heute Morgen mitgebracht hatten, inzwischen ausverkauft sind. Frederik habe mit Martina telefoniert, die zugesagt hat, dass wir bis Mittag Nachschub bekommen, teilweise das, was heute im Hofladen im Gutshof nicht so nachgefragt wurde.

 

Werner meinte, dass ich ihm ins Gewächshaus mit unserer Präsentation folgen soll, Armin hätte ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass dort ein starker Besucherandrang sei und er nicht mehr nachkomme, sämtliche Fragen der Gäste zu beantworten. Über Verstärkung würde er sich sehr freuen.

 

Unterwegs begegnete uns Sepp mit seiner Gruppe, mit der eine Führung durch die Gärtnerei absolviert hatte. Wir blieben stehen und ich fragte in die Gruppe, wie ihnen die Führung gefallen hat. Da vorwiegend positive Äußerungen kamen, war ich der Überzeugung, dass die Kunden von Sepp umfangreich informiert wurden.

 

Eine Dame, so zwischen sechzig und siebzig Jahre alt erklärte: „Mit den zukünftigen Erweiterungen in der Gärtnerei, wird dieses Stadtviertel endlich etwas aufgewertet. Ich war vorher im Hofladen und war überrascht, welche Vielfalt auf dieser kleinen Fläche bereits angeboten wird. Mit der Erweiterung und dem Café in der Gärtnerei wird das Einkaufserlebnis noch einmal ausgeweitet.

 

Ich fand die Führung durch die Gärtnerei hoch interessant, weil uns gezeigt wurde, wo die Unterschiede zwischen biologischem und konventionellem Gemüseanbau liegen. Mit der Ankündigung, dass ab sofort im Hofladen zwei Qualitätsstufen beim Gemüse und Salaten angeboten werden, die übliche wie sie in den Supermärkten verkauft wird und dazu die eins B Qualität zu einem etwas günstigeren Preis.

 

Herr Grubmüller hat uns erklärt, worin der Unterschied zwischen den beiden Qualitätsstufen besteht. Ich musst lachen, als er meinte, beides sei von gleicher Qualität, der Unterschied liegt nur in der Optik. Er hat als Beispiel die Gurken genommen, die in der Supermarktqualität exakt gerade sein müssen, während die günstigeren Gurken gekrümmt sind. Ich hoffe jetzt darauf, dass ihr in dem neuen Café in der Gärtnerei ein ähnliches Angebot für Gruppen und Vereine anbieten könnt, wie im Gutshof.

 

Darauf musste ich eine Antwort geben: „“Geplant ist bisher nichts in diese Richtung, aber wenn hier ein entsprechender Bedarf bestehen sollte, können wir gern darüber nachdenken. Am ehesten kann ich mir vorstellen, dass wir an ein oder zwei Nachmittagen in der Woche einen Treffpunkt für Senioren einführen können.“

 

Sie schaute mich an und erklärte: „Das hört sich doch gut an, ich werde mich bei meinen Bekannten umhören und wenn ich feststellen sollte, dass dafür ein Bedarf besteht, werde ich mich bei ihnen melden. Mit wem soll ich Kontakt aufnehmen, wenn ein größeres Interesse an solchen Veranstaltungsmöglichkeiten bestehen sollte?“

 

Ich erklärte: „Sie können sich direkt an mich wenden. Sie finden mich im Gutshaus in meinem Büro, fragen sie einfach nach dem Chef oder nach Peter. Eine weitere Möglichkeit wäre unser Eventmanager, den sie ebenfalls am Gutshof finden, er heißt Armin Schwarz und sein Büro ist im Gebäude des Jugendhotels. Sie können aber auch Frederik Kornweger, den Marktleiter des Hofladens ansprechen oder mit Mario Brunnmeier, dem Betriebsleiter der Gärtnerei sprechen. Ihn finden sie entweder in seinem Büro neben dem Hofladen oder irgendwo im Gelände der Gärtnerei. Ich denke, dass sie auch Sepp Grubmüller ansprechen können, solange er uns in der Übergangszeit seine tatkräftige Unterstützung angedeihen lässt.“

 

Sepp ergänzte: „Frau Baumann, geplant ist, dass ich noch bis zum Sommer hier bin, möglicherweise sogar etwas länger, wenn Peter mich nicht endgültig aufs Altenteil schickt. Inzwischen kann ich mir vorstellen, doch noch etwas länger zu bleiben. Ich hatte nicht geahnt, dass die Zusammenarbeit mit Peter und seiner Mannschaft und den früheren Mitarbeitern der Gärtnerei, mir noch so viel Spaß machen würde.“

 

Damit verabschiedete sich Sepp mit seiner Gruppe von uns: „Ich muss jetzt rüber zum Laden, dort wird sicher bereits die nächste Gruppe auf mich warten für eine Führung durch die Gärtnerei. Peter wir sehen uns sicher noch einmal im Laufe des Tages.“

 

Ich ging mit Werner weiter ins Gewächshaus zu unserer Präsentation. Als wir eintraten, standen wirklich eine größere Anzahl an Besucher um Armin herum und stellten ihm Fragen. Wir stellten uns neben ihn und in einer kurzen Pause meinte ich: „Ich denke Armin braucht eine kurze Pause zwischendurch, dafür stehen ihnen Werner und ich jetzt für ihre Fragen zur Verfügung.“

 

Armin schenkte mir einen dankbaren Blick und verzog sich aus dem Gewächshaus. Da ich die Ausstellung heute Morgen schon kurz besucht hatte, forderte ich die Menge auf, sich aufzuteilen und entweder mir oder Werner ihre Fragen zu stellen. Ich ging zu dem Pavillon, in dem das Café in der Gärtnerei vorgestellt wurde. Einige Besucher folgten mir und als wir im Pavillon standen, kam die erste Frage an mich.

 

Ein Mann mittleren Alters, ich schätzte ihn auf etwa vierzig bis fünfundvierzig Jahre stellte folgende Frage: „Sie wollen neben dem Hofladen in einigen Wochen oder Monaten ein Café in der Gärtnerei eröffnen. Ich frage mich, was sie sich von dieser Investition erwarten und haben sie vor, hier eine Möglichkeit zu schaffen, einen Treffpunkt für Vereine oder Gruppen zu schaffen, wie ich ihn vom Gutshof Sonneneck und dem dortigen Hofcafé kenne?

 

Warum war ich nicht überrascht, als mir genau dieselbe Frage gestellt wurde, die ich erst vor wenigen Minuten einer Besuchergruppe beantwortet hatte. Ich erklärte: „Die fast gleiche Frage, nach der Nutzung durch Vereine oder Gruppen wurde mir vor wenigen Minuten bereits einmal gestellt. Ich kann ihnen an dieser Stelle nur das gleiche erklären, was ich den anderen geantwortet habe. Geplant ist es bisher nicht, sollte jedoch die Nachfrage vorhanden sein, bin ich gern bereit, die Räumlichkeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, wobei ich dort eher an einen Seniorentreff gedacht habe.

 

Zur Frage, warum ich ein Café in der Gärtnerei haben will, ist einfach zu beantworten. Ich wollte das Einkaufserlebnis in der Gärtnerei und im Hofladen mit diesem Angebot noch attraktiver machen. Hinzu kommt, dass zukünftig den Schulen in Rosenheim die Möglichkeiten angeboten wird, für Kinder und Jugendliche Führungen in der Gärtnerei durchzuführen, damit sie lernen, wo und wie Gemüse angebaut wird. Dazu soll das Café vormittags als Klassenzimmer genutzt werden.“

 

Eine jüngere Frau fragte nach: „Soll das dann so ablaufen wie in der Bäckerei und in der Konditorei im Gutshof. Dort gibt es bereits ähnliche Veranstaltungen für Schulklassen aus Rosenheim und Umgebung. Ich finde die Idee, die dahintersteckt, sehr wegweisend, die meisten Kinder und Jugendlichen haben keine Ahnung wie gesunde Lebensmittel produziert werden. Ich finde es schade, dass sich bisher viel zu wenig landwirtschaftliche oder handwerkliche Betriebe dafür öffnen.“

 

Bevor ich antwortet dachte ich kurz nach und sagte: „Mit ihrer Andeutung, dass sich viel zu wenig Betriebe für solche Exkursionen öffnen, haben sie mich auf eine Idee gebracht. Der Gutshof könnte zumindest den landwirtschaftlichen Bereich dafür öffnen und den Schulen ein entsprechendes Angebot machen. Ich werde das auf alle Fälle mit meinen Mitarbeitern besprechen.

 

Bei den reinen Handwerksbetrieben ist das leider nicht so einfach in der Form zu verwirklichen, dafür bieten wir dort als Alternative unsere Schnupperwochen und Praktika für Schüler und Schülerinnen an. Hier sind wir derzeit dabei, unsere Angebote in den Schulen besser bekannt zu machen, wobei die Nachfrage bisher bereits ordentlich ist.

 

Unser Problem dabei ist, dass immer gesamte Schulklassen gleichzeitig losgeschickt werden, sich einen Praktikumsplatz zu besorgen, mehr als einen oder zwei Bewerber können wir nicht gleichzeitig betreuen. Wir wollen dazu übergehen, zukünftig verstärkt in den Ferienzeiten, zusätzlich Praktikumsplätze anzubieten, damit mehr Interessenten eine Chance bekommen sich Ausbildungsberufe anzuschauen.“

 

Die nächste halbe Stunde dürfte ich noch weitere Frage beantworten, zumindest konnte ich bei den Besuchern heraushören, dass sie zukünftig öfter hier einkaufen, oder Kaffee und Kuchen genießen wollen. Auch in Sachen Öffnung für Vereine und Gruppen gab es sehr viel Zustimmung. Armin löste mich wieder ab, diesmal ging ich ohne Werner zurück zum Verwaltungsgebäude.

 

Mario verließ gerade das Verwaltungsgebäude, so dass sich unsere Wege kreuzten. Er meinte: „Richy hat vorher angerufen, ich soll ihn bitte von der Berufsschule abholen, da wegen Erkrankung von zwei Lehrkräften der Nachmittagsunterricht ausfallen würde. Ich bin in Eile, damit er nicht zu lange auf mich warten muss.“

 

Ich ging in den Hofladen und lief als erstes Kilian über den Weg, der von mir wissen wollte, wo ich gewesen sei, da ich hier bereits vermisst wurde. Ich erklärte ihm, dass ich längere Zeit in der Ausstellung gewesen sei und dort die Fragen der Besucher beantworten durfte. Werner und Armin haben mir gegenüber erklärt, dass sie nicht damit gerechnet hätten, dass es so einen großen Ansturm auf die Präsentation geben würde. Sie seien von weitaus weniger Interessenten und Besuchern ausgegangen.

 

Ich meinte weiter: „Die Hüpfburg, die uns ersatzweise zur Verfügung gestellt wurde, wird inzwischen auch gut angenommen. Ich denke Frederik kann mit dem Andrang am ersten Öffnungstag sehr zufrieden sein. Bei der Eröffnung des Hofladens im Gutshof war erheblich weniger los als hier und heute. Wer hat mich den so sehr vermisst, dass er beinahe eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte?“

 

Kilian grinste und antwortete: „Das kannst du dir doch denken, wer dich hier als Einziger vermissen könnte. Frederik hat schon zweimal bei mir nachgefragt, ob ich wüsste, wo er dich finden könne. Am besten du ergreifst die Initiative, bevor er zum dritten Mal bei mir auftaucht und nach dir fragt.“

 

Ich schaute mich um und entdeckte Frederik neben Silvia an der Kasse. Da es im Laden im Moment nicht so voll war, konnte ich ohne Probleme den Kassenbereich erreichen. Ich stellte mich zu den beiden und beobachtete sie eine Weile bei ihrer Arbeit an der Kasse. Als er mich bemerkte, löste er sich von Silvia und näherte sich mir.

 

Das Erste, was ich zu hören bekam: „Peter, da bist du ja endlich. Ich bin schon längere Zeit auf der Suche nach dir. Wir bekommen langsam Probleme, weil die ersten Artikel zur Neige gehen. Ich kann zwar noch auf meine Reserven zurückgreifen, komme jedoch kaum weg von der Kasse. Ich sehe jetzt schon, dass ich heute Abend noch Bestellungen versenden werde, damit wir Nachschub bekommen.“

 

Ich meinte: „Ich an deiner Stelle würde bereits Mittag eine Bestellung rausschicken, damit sichergestellt ist, dass morgen im Laufe des Tages der Nachschub eintrifft. Ich denke ich unterstütze jetzt ein Weilchen Silvia und du kümmerst dich um die Nachbestellungen und das Auffüllen der Warenbestände.“

 

Ich ging zu Silvia und sagte ihr, dass ich sie jetzt vorübergehend unterstützen werde, damit Frederik Nachbestellungen erledigen und in den Regalen die Bestände auffüllen kann. Silvia meinte: „Frederik soll sich nicht so anstellen und in der Gärtnerei meine Schwester und Roberto anfordern. Die beiden haben uns beim Einräumen der Regale geholfen und können beim Nachfüllen helfen. Ich rufe jetzt Maria selber an, dass sie mit Roberto kommen und uns unterstützen sollen.“

 

Während Silvia telefonierte, kämpfte ich an der Kasse mit dem Einscannen der Ware. Glücklicherweise war ich dabei langsamer als Silvia, so dass sie den Einkauf mit dem Kassiervorgang abschließen konnte. Ich hatte mir das Prozedere bei der Eröffnung des Hofladens im Gutshof zeigen lassen, danach aber nie aktiv angewendet, so dass ich immer viel zu lange überlegte, welches die nächsten Schritte sind. Silvia meinte, ich solle mich bitte um die Kunden kümmern, die Backwaren kaufen wollen.

 

Mit zwei großen Schritten war ich hinter dem Tresen der Backwaren und befragte den nächsten Kunden, womit ich ihn dienen könne. Ich sammelte die gewünschten Produkte und verpackte sie in eine Tüte, die ich Silvia übergab. Eine Kundin fragte: „Gibt es die Backwaren ab sofort täglich oder ist das nur eine Ausnahme während der Neueröffnung, weil sie auch Brezen verschenken?“

 

Ich lächelte sie an und erklärte: „Wenn das Angebot von den Kunden angenommen wird, werden die Backwaren dauerhaft im Sortiment sein. Zumindest für vier bis acht Wochen werden wir den Versuchsballon Backwaren auf alle Fälle beibehalten, um die Akzeptanz durch die Kunden zu ermitteln. Danach entscheidet sich, ob sie dauerhaft im Sortiment bleiben. Mit der Vergrößerung des Hofladens wird das Sortiment noch um Fleisch und Wurst vom Gutshof erweitert werden.“

 

Sie schaute mich an und stellte fragend fest: „Ich habe im Internetauftritt gelesen, dass ich ab sofort, wie in allen anderen Hofläden der Erzeugergemeinschaft, die vorbestellten Fleisch- und Wurstwaren hier abholen kann. Warum dann noch ein direktes Angebot des Gutshofes im Laden?

 

Meine Antwort dazu: „Da dieser Hofladen eine weitere Verkaufsstelle des Hofladens der Gutshofgruppe ist, werden wir das dort vorhandene Warensortiment übernehmen. Das macht es dem Kunden einfacher und er muss nicht einen oder mehrere Hofläden ansteuern, um seinen vollständigen Einkauf durchzuführen. Angedacht ist auch eine Abteilung mit unverpackter Ware, die mit der Erweiterung testweise eingeführt.“

 

Im Augenwinkel hatte ich gesehen, dass Maria und Roberto eingetroffen waren und Silvia ihnen erklärte hatte, dass sie in den Regalen prüfen sollen, wo die Warenbestände bereits gut geleert seien. Dann sollten sie im kleinen Lager prüfen was noch vorhanden ist und nachgefüllt werden kann.

 

Inzwischen war es bereits kurz nach zwölf Uhr und im Laden wurde es etwas ruhiger. Kilian kam zu mir und fragte mich, ob ich ihn zum Gutshof bringen könne, weil seine Zeit jetzt abgelaufen sei. Glücklicherweise kam genau in dem Moment Frederik zurück und erklärte, dass die Bestellungen raus seien und er jetzt mit dem Nachfüllen anfangen werde.

 

Ich erklärte ihm: „Vergiss es, du bleibst jetzt wieder hier an der Kasse bei Silvia. Silvias Schwester Maria und Roberto sind bereits dabei die Regale aufzufüllen. Ich werde jetzt mit Kilian zum Gutshof fahren, für ihn ist heute Mittag Schluss mit Arbeiten im neuen Hofladen. Ich mache Mittagspause und bin spätestens gegen vierzehn Uhr wieder hier.“

 

Frederik schaut mich böse an, was mich zum Lachen brachte. Er wollte vermutlich etwas sagen, hielt sich dann doch zurück. Ich sagte zu Kilian, dass er mir folgen soll, weil wir sofort zum Gutshof fahren. Endlich aus dem Laden an der frischen Luft gingen wir zu meinem Auto, wobei Kilian meinte: „Was war das eben mit Frederik, er schaut dich böse und du reagierst mit einem Lachen.“

 

„Kilian, mir blieb nichts anderes übrig als zu lachen, als ich sein böses Gesicht gesehen habe. Er weiß genau, warum er nichts mehr gesagt hat. Er hat nicht weiter reagiert, da er vermutete, dass ich Maria und Roberto damit beauftragt habe die Regale nachzufülle. Was er nicht weiß, Silvia hat die beiden aktiviert. Dumm gelaufen.

 

Hängt vermutlich damit zusammen, dass ich ihm vor einiger Zeit erklärte habe, dass ich eingreifen werde, wenn aus meiner Sicht etwas nicht nach Plan verläuft. Das heute reichte bei weitem nicht aus, um einzugreifen, dazu gab es für mich keinen Anlass. Frederik muss lernen die Arbeiten zu delegieren, man kann nicht immer alles selbst machen. Ich hoffe, dass er trotzdem etwas daraus gelernt hat.“

 

Im Gutshof angekommen gingen wir noch gemeinsam zum Mittagessen in die Kantine. Da von Kilian das Thema nicht angesprochen wurde, fragte ich nach, ob sich das Verhältnis zu Pete wieder verbessert hat, da ich nichts mehr von ihm oder Pete gehört habe. Er meinte nur lapidar, dass sie zumindest wieder miteinander reden, zu einer körperlichen Annäherung sei es jedoch noch nicht gekommen.

 

Am Nachmittag war ich wieder in der Gärtnerei Grubmüller, wo heute die große Neueröffnung des Hofladens stattfand. Nach fünfzehn Uhr klingelte mein Smartphone. Ich nahm das Gespräch entgegen und Gabi Müller, die frühere Wohnungsnachbarin von Bettina und Christina meldete sich. Sie teilte mir mit, dass sie nicht am Bahnhof abgeholt werden muss, da sie mit dem Auto kommen werde. Sie wollte nur wissen, wo sie sich wegen der Unterbringung melden soll.

 

Ich erklärte ihr, dass sie im Gutshof direkt bis vors Jugendhotel fahren und dort ihr Auto abstellen soll. Normalerweise ist die Rezeption besetzt, ansonsten findet sich ein Hinweis wie jemand vom Personal erreichbar ist. Ich erklärte ihr, dass ich derzeit noch in der Gärtnerei Grubmüller sei, wegen der Eröffnung des Hofladens, aber voraussichtlich gegen siebzehn Uhr im Gutshof sein werde. Melde dich, wenn du angekommen bist, dann kann ich dir sagen, wann und wo wir uns treffen.

 

Sie meint: „Peter, ich würde mich gern mit Christina und ihre Adoptiveltern treffen, damit ich sie besser kennenlerne, mit ihr beiden Brüder hatte ich bereits das Vergnügen. Eine weitere Frage, hättest du in den nächsten Tagen Zeit, mit mir berufliche Angelegenheiten zu besprechen? Ich habe mich in den letzten Tagen im Internet schlau gemacht, was alles zum Gutshof und zur Stiftung Sonneneck gehört und kann mir durchaus vorstellen, in einem Bereich der Unternehmensgruppe zu arbeiten.“

 

Ich sagte nur: „Ich denke, wir werden in den nächsten Tagen sicher die Zeit finden uns über deine beruflichen Veränderungswünsche zu unterhalten. Ein Umzug in eine der neu errichteten Wohnungen im Gutshof ist aber erst im Spätsommer möglich, das solltest du im Auge behalten. Ein Treffen mit Christina und ihrer Familie lässt sich sicher einrichten heute Abend, ich kümmere mich gleich darum.“

 

Ich hatte kaum aufgelegt und mein Smartphone wieder verstaut, stand Werner neben mir und bat mich ihn zu begleiten, da eine Redakteurin, einer der Werbezeitungen mich interviewen möchte. Er ging in Richtung Verwaltungsgebäude und ich folgte ihm. Kurz bevor wir den Hofladen erreichten, ging er auf eine etwa dreißigjährige dunkelhaarige Schönheit zu. Er stellte mich ihr als den Chef der Gutshofgruppe vor, der vor knapp drei Jahren die Nachfolge von seinem Vater angetreten hat.

 

Bevor er weiter über mich lobhudeln konnte, fragte ich, wo wir uns zum Interview zusammensetzen können. Er erklärte, am ruhigsten dürfte es jetzt im Aufenthaltsraum sein.

 

Ich bat Julia Bichler, wie sie sich mir vorstellte, mir zu folgen, dann können wir uns zusammensetzen und sie können mir ihre Fragen stellen. Im Mitarbeiteraufenthaltsraum angekommen bot ich ihr Kaffee oder einen Softdrink an. Sie meinte, eine Tasse Kaffee könne nicht schaden. Ich schenkte für sie und für mich jeweils eine Tasse ein und stellte sie mit Milch und Zucker auf den Tisch. Ich setzte mich ihr gegenüber und bat sie ihre Fragen zu stellen.

 

Sie erklärte: „Herr Maurer, Herr Wagner hat mir bereits die Präsentation im Gewächshaus gezeigt. Ich war sehr überrascht, von dem, was ich dort sehen konnte. Ich bin bei der Einladung davon ausgegangen, dass es nur um die Ladeneröffnung geht, aber sie zeigen gleichzeitig, was sich in den nächsten Monaten noch alles verändern wird. Mir gefällt vor allem, dass sie das ganze Projekt sehr umweltfreundlich gestalten. Ich frage mich nur, was sie mit dem Café bezwecken wollen?“

 

Ich schaute sie an, grinste und antwortete: „Ich hatte bei der Idee ein Café in der Gärtnerei einzubinden keinerlei Hintergedanken. Es war eher die Überlegung, wo bringen wir die Schülergruppen unter, die die Gärtnerei besichtigen wollen. Wir werden demnächst an die Schulen und Kindergärten herantreten, um ihnen Führungen für ihre Klassen oder Gruppen anzubieten. Um eine bessere Auslastung zu erreichen, kam die Idee auf, ein Café zu bauen.“

 

Heute Vormittag bekam ich bereits mehrere Anfragen, ob wir nicht wie im Gutshof, das Café in den Abendstunden für Vereine und Gruppen öffnen könnten. Ich habe angeboten, bei entsprechendem Interesse, darüber nachzudenken, inwieweit wir das als Treffpunkt für Gruppen und Vereine nutzen können. Der Nachteil gegenüber dem Gutshof liegt darin, dass wir hier keinen öffentlichen Nahverkehr haben, dort haben wir ab Herbst sogar eine Haltestelle im Gutshof.“

 

Julia Bichler sagte: „Mit dieser Option macht das Café in der Gärtnerei doch einen Sinn, da die Situation immer noch angespannt ist bei den Treffmöglichkeiten für Vereine und Gruppen. Kommen wir zum Hofladen, die Fläche soll durch einen Anbau vergrößert werden, warum wurde der Laden jetzt eröffnet, wenn in den nächsten drei Monaten der Anbau kommen und der Laden vorübergehend wieder geschlossen wird.“

 

Meine erklärende Antwort: „Laut Auskunft des Architekten wird der Anbau in Holzbauweise erstellt, er wird vormontiert geliefert und innerhalb von maximal zwei Tagen aufgebaut. Die vorhandenen Schaufenster werden ausgebaut und in die Holzkonstruktion wieder eingebaut. Eventuell können diese Tätigkeiten an einem Wochenende durchgezogen werden.

 

Notwendig ist noch der Innenausbau, der während des laufenden Betriebs durchgeführt wird. Spätestens nach dem zweiten Wochenende soll der vergrößerte Laden vollumfänglich in Betrieb gehen.

 

Schieben wir die die Änderungen etwas beiseite. Ich habe dem Mitarbeiter des Oberbayrischen Volksblattes bereits weitere wichtige Neuigkeiten erzählt, die in den nächsten Monaten das allgemeine Interesse wecken könnten und die nichts mit der Gärtnerei zu tun haben. Wenn es sie interessiert, gebe ich ihnen dieselben Informationen.

 

Da sie nur nickte erklärte ich: „Größtes Interesse wird in der Bevölkerung der neue Badeteich im Gutshof haben. Es gab in meiner Kindheit schon einen Badeteich an dieser Stelle, der nach und nach immer mehr verlandet ist, nachdem das Wasser der Dächer nicht mehr in den Teich, sondern in die Kanalisation geleitet wurde. Derzeit laufen die ersten Arbeiten, um den Teich wiederherzustellen.

 

Das Regenwasser von den Dächern wird ab Ende März wieder in den Teich geleitet, nachdem die Baggerarbeiten am Teich abgeschlossen sind. Ende April soll der Rollrasen verlegt werden und Anfang Juni, kann nach Auskunft des Garten Architekten das Badeparadies wieder in Betrieb genommen werden. Er wird zukünftig auch als Löschteich für die Feuerwehr zur Verfügung stehen. Die Allgemeinheit kann den Teich und die dazugehörigen Liegewiesen kostenfrei nutzen.

 

Während der Sommerferien werden die rund sechzig neue Jugendappartements im Gutshof, einem gemeinsamen Projekt mit dem Jugendamt Rosenheim, in Betrieb gehen. Untergebracht werden volljährige Jugendliche aus Kinderheimen, die noch in Ausbildung stehen. Gleichzeitig werden alle auswärtigen Auszubildenden der Gutshofgruppe und der Stiftung untergebracht.

 

Zu uns kommen vierzehn Jugendliche aus Kinderheimen in Thüringen, Hessen und München, die in den Unternehmen der Stiftung oder des Gutshofes eine Ausbildung starten. Dazu kommen aus Scharbeutz die vorhandenen Auszubildenden des zukünftigen Jugendhotels, das ab Juli umfassend saniert und renoviert wird. Neu hinzugekommen sind noch weitere drei Jugendliche aus Scharbeutz und fünf Jugendliche aus Marktoberdorf, die im IT- und Einzelhandelsbereich bei uns ausgebildet und später wieder in den Herkunftsorten eingesetzt werden.

 

Von den sechzig Appartements werden mindestens zwei Drittel mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres belegt sein. Das Jugendamt prüft derzeit, ob weitere minderjährige Auszubildenden aus Kinderheimen vorzeitig umgesetzt werden können.

 

Langfristig wird es noch eine Kindertagesstätte im Gutshof geben, die Planungen dafür sind in Zusammenarbeit mit der Stadt Rosenheim vor einigen Wochen angelaufen. Es wird ein integrierender Kindergarten mit verlängerten Öffnungszeiten errichtet. Das war jetzt das Wichtigste, was in den nächsten Monaten für den Raum Rosenheim spruchreif wird.“

 

Sie schaute mich intensiv an und fragte: „Kann man die Baustelle für den Badeteich jederzeit besichtigen, oder ist das Gelände weiträumig abgesperrt? Ab wann kann man die Appartements für die Jugendlichen besichtigen?“

 

Ich erklärte: „Die Besichtigung der Baustelle Badeteich ist jederzeit und ohne Rücksprache möglich, aber auf eigenes Risiko. Bei den drei Häusern für die Jugendlichen sind die Innenausbauarbeiten voll im Gang. Ab Ende Mai beginnt die Anlieferung der Möblierung der Appartements und bis Mitte Juli sollen die ersten Appartements bezugsfertig sein. Kommt eigentlich nur darauf an, wann sie die Appartements sehen wollen.

 

Die Thüringer und die Auszubildenden aus Scharbeutz werden die Ersten sein, die in die Appartements einziehen, danach Hessen und die Münchner. Der Rest folgt so nach und nach, noch vor oder mit Ausbildungsbeginn.“

 

Sie bedankte sich für die Informationen und verabschiedete sich mit der Ankündigung, dass sie die neuen Projekte im Gutshofgelände mitverfolgen wird und sie gelegentlich auf uns zukommt, um den aktuellen Status zu bekommen. Wir gingen wieder nach draußen und ich verabschiedete ebenfalls von ihr.

 

Mein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich so langsam die Fahrt zum Gutshof antreten sollte, damit ich wie angekündigt, so gegen siebzehn Uhr vor Ort bin.

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