Unterdrückung der Gefühle – Teil 3

„Wieso hab ich dich eigentlich geweckt?“, rede ich mich raus, „sonst kann doch eine Bombe einschlagen und du schläfst immer noch.“

„Kein Plan. Es heißt doch, man hat Tiefschlafphasen und wahrscheinlich war gerade eine Leichtschlafphase oder wie sich das schimpft. Jetzt bin ich jedenfalls wach“, versucht Domi den Schlauen raus hängen zu lassen, muss aber dabei lachen.

Somit wirkt es nicht wirklich gut. Jedoch fängt er sich schnell wieder und macht ein sehr ernstes Gesicht.

„Also raus mit der Sprache: Wieso bin ich Schuld an deinem Rumgehopse hier?“, kommt es dann wie aus der Pistole geschossen.

„Nun ja“, druckse ich rum und werde vor Verlegenheit ganz rot, „ich musste auf andere Gedanken kommen… weil… wegen…“

Oh Mist. Meine Hände zittern und sind ganz feucht.

„Wegen Kai“, unterbricht mich Dominic.

Wegen Kai? Ja genau. Wieso bin ich nicht selber darauf gekommen.

„Ja, die Sache geht mir einfach nicht aus dem Kopf“, antworte ich schnell und merke wie mir ein Stein vom Herzen fällt.

„Jeremy“, Domis Blick fixiert mich Buchstabe für Buchstabe, „kannst du mir mal bitte vertrauen! Ich passe schon auf dich auf. Außerdem denke ich, Kai wollte nur ein bisschen protzen. Die Situation hat ihn gerade zu herausgefordert. Also bitte mach dir keinen Kopf. Ja?“

Er kommt auf mich zu und nimmt mich in den Arm. Ich zerfließe förmlich. Versuche aber gefasst zu bleiben und es einfach zu genießen, ihm so nah zu sein. Seinen Geruch einzuatmen und seine Wärme zu spüren.

Leider löst er sich viel zu schnell wieder von mir und ich verliere beinahe das Gleichgewicht, weil ich mich wohl doch zu sehr mitreißen gelassen habe. Gekonnt springe ich von einem aufs andere Bein, um ja nicht auf den Hintern zu landen.

Zum Glück kriegt Domi davon nichts mit, denn der schaut gerade aus dem Fenster, um das Wetter zu beurteilen.

„Wie sieht es aus, machen wir vor heute Abend noch was?“, fragt Domi mich, wobei er nun auch noch das Fenster aufmacht, um wohl zu beurteilen, wie die Temperatur ist.

Verrückter Kerl!

„Gerne“, gebe ich als Antwort.

„Hast du an etwas Bestimmtes gedacht? Oder  sollen wir einfach nur in die Stadt?“

„Mir egal. Ist echt geiles Wetter. Also auf jeden Fall raus! Und etwas zu Futtern wäre nicht schlecht. Ich bin dann schnell duschen.“

Mit diesen Worten sehe ich nur noch Domis knackigen Hintern um die Ecke biegen. Ist ja mal wieder typisch für ihn. Ab in die Kälte und Hunger wie immer. Aber auch seine Spontaneität finde ich super, denn ohne die würde ich bestimmt versauern.

Ich muss grinsen und mache mich daran mich warm einzupacken, denn im Gegensatz zu Dominic bin ich eine Frostbeule. Nur wenige Minuten später sind wir auf der Straße zu Fuß unterwegs, da wir Beide kein Auto haben.

Aber da wir direkt in der City wohnen, lässt sich alles wunderbar auch so erreichen. Selbst zu den besten und heißesten Clubs braucht man maximal fünfzehn Minuten. Okay, wenn man besoffen ist, vielleicht auch mal doppelt so lange.

Aber in dem Fall empfehle ich sowieso ein Taxi, denn in der Heutigen Zeit ist man vor Taschendieben in so einem Zustand echt nicht sicher. Nur so am Rande. Nur kurze Zeit später sind wir mitten drin. Es ist Samstagnachmittag und brechend voll.

Was haben wir auch erwartet? Man kommt nur schrittweise voran, wenn überhaupt. Denn schließlich kennt man die halbe Stadt und die halbe Stadt kennt uns. Küsschen hier, Küsschen da. Winken hier, Geschnatter da.

Irgendwie komme ich mir vor, wie ein treu doofer Hund. Ich tapse Domi hinterher, versuche ihn nicht zu verlieren und gebe brav Pfötchen. Eine Leine wäre vielleicht nicht schlecht, dann muss ich mir ums verlieren gehen jedenfalls keine Gedanken machen.

Ich muss kichern und Domi schaut mich verwirrt an.

„Alles klar“, fragt er mich von der Seite.

„Ja klar. Alles Bestens“, versichere ich und muss aufpassen, dass ich nicht über meine eigenen Füße stolpere.

„Worauf hasst du denn Lust?“, will ich wissen, bevor ich wieder Anfange zu Träumen.

„Ich glaube du bist dran mit aussuchen“, entscheidet Domi.

Ich? Warum denn das? Ich hab doch noch gar keinen Hunger. Jedenfalls keinen Großen.

„Also wenn du möchtest, darfst du ruhig aussuchen“, gebe ich zurück.

„Okay, dann lass uns da rüber“, mit diesen Worten zieht Dominic mich am Arm rüber zu einen kleinen Chinesen.

Dort waren wir schon öfters, man kennt uns und es schmeckt echt saulecker da. Natürlich werden wir überschwänglich begrüßt. Es ist leider sehr voll, doch Domi zieht mich zu einem Tisch wo noch zwei Plätze frei sind.

Mit seiner offenen Art hat er schnell die anderen drei Personen an dem Tisch in einem Gespräch verwickelt und wir dürfen uns zu ihnen setzen. Wir machen uns miteinander bekannt, um die Zeit bis zum Essen zu verkürzen.

Ben und Sabine sind schon seit zwei Jahren ein Paar. Was nicht schlimm ist, schließlich haben wir mehrere heterosexuelle Freunde. Wobei ich mir vorstellen kann, dass Ben nicht ausschließlich auf Frauen steht.

Der Dritte im Bunde ist Leon. Man sieht ihm an, dass er schwul ist und dazu auch noch verdammt heiß. Ja ich finde ihn heiß. Er ist ein typischer Sunnyboy. Blond und Blauäugig. Fehlte nur noch das Surfbrett und der Strand. Schmacht.

Ich würde echt gern wissen, was sich unter seinen weiten Skaterklamotten zu finden ist. Die, wie ich finde, so gar nicht zu ihm passen. Der arme Junge brauchte dringend eine Stilberatung. Die Drei haben bereits bestellt und wir brauchen keine Karte, da wir diese sowieso schon auswendig kennen und sowieso wie immer dasselbe nehmen.

Domi bestellt sich natürlich ein Bier. Ich bin nicht ganz so trinkfest und nehme lieber eine Cola, da wir ja schließlich noch den halben Tag vor uns haben. Natürlich ist Dominic voll im Gespräch. Hin und wieder werde ich auch mit einbezogen, was mich auch freut, da ich bei Fremden irgendwie immer schüchtern und zurückhaltend bin.

Aber da kann ich mich voll und ganz auf meinen Schatz verlassen. Was wäre ich nur ohne ihn? Es dauert eine Weile bis unser Essen kommt. Obwohl es ja eigentlich keine Hauptessenszeit ist, scheinen wohl alle gerade Hunger zu haben.

Was aber eigentlich gar nicht so schlimm ist, denn so erfahre ich jedenfalls mehr über Leon. Ist schon eine Weile her, dass ich mich für einen anderen Mann als Dominic interessiert habe. Mein gegenüber ist so alt wie ich und arbeitet in einem Modegeschäft für Skater als Verkäufer, was auch seinen Klamottenstil erklärt.

Ich bin ganz hin und weg, so dass ich es gar nicht mitbekomme, als unser Essen kommt. Wie peinlich. Natürlich sorgt das für Gelächter am Tisch und ich werde knall rot. Am Liebsten möchte ich im Erdboden versinken und werde dadurch nur noch stiller, obwohl ich außer ja und nein ja sowieso schon nichts gesagt habe.

Im Grunde ist das aber auch alles egal, denn nur kurze Zeit nach dem Essen, verlässt Leon den Chinesen, da er noch einen wichtigen Termin hat. Ob man sich mal wieder trifft? Ich schaue ihn traurig hinterher.

Domi hat noch nicht einmal nach seiner Telefonnummer gefragt, obwohl er sonst doch immer so schnell da drin ist. Im nächsten Moment werde ich auch schon in die Seite gezwickt.

Dominic grinst mich an: „Na, der gefiel dir wohl. Was?“

„Gar nicht. Wie kommst denn da drauf“, entgegne ich schnell.

„Nur, weil ich mal einen Blich riskiere, muss ich ja nicht gleich auf ihn stehen.“

Mit diesen Worten steh ich auf und gehe erst einmal zur Toilette, um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu hauen. Was ist nur los mit mir? Dreh ich jetzt durch? Ich bin doch in Domi verliebt. Oder besser gesagt, ich liebe Dominic.

Verknallt oder Verliebt bin ich schon lange nicht mehr, auch wenn ich für ihn schwärme. Ich bin mir ganz sicher, dass das schon Liebe ist. Ich schaue mir mein triefendes Gesicht im Spiegel an, als ich plötzlich hinter mir Domi sehe.

Er schaut mich besorgt an und fragt mich dann, „Ist alles okay mit dir? Hast du etwas nicht vertragen?“

Was soll ich denn jetzt antworten?

„Ich glaub… ich glaub mir ist schlecht“, bringe ich stockend hervor.

Was ja eigentlich gar nicht stimmt, obwohl sich mir jetzt wirklich der Magen dreht.

„Dann komm. Ich zahle und wir gehen nach Hause. Dort legst du dich erst einmal hin“, kommt es von Dominic.

Er hakt mich ein und zieht mich behutsam hinter sich her. Als er für uns beide zahlt, will ich gerade protestieren, doch Domi winkt ab.

„Ich lade dich heute ein. Schließlich wollte ich ja auch hier her zum Essen.“

Also lass ich ihn zahlen. Passt mir eh ganz gut, schließlich geht es auf Monatsende zu und es herrscht schon fast Ebbe in meinem Portemonnaie. Und da Dominic mehr als ich verdient, reißt es auch kein Loch in seinen Geldbeutel.

Wir verabschieden uns noch von Ben und Sabine und dann sagt Domi zu mir: „So, dann komm mal mein Kleiner.“

Er legt seinen Arm um mich als Stütze. Vielleicht sollte ich öfters so tun, als ob es mir schlecht geht, dann bekomme ich noch mehr von Domis Zuwendung. Ich  schmiege mich an ihm, da er so schön warm ist und so gehen wir langsam aber sicher nach Hause.

Dort angekommen bugsiert Dominic mich in sein Bett und deckt mich schön zu.

„Ist es so schlimm, dass du einen Eimer brauchst oder meinst du es reicht dir ein wenig Schlaf“, fragt Domi mich.

„Ich glaube schlafen reicht“, antworte ich ihm.

„Aber bitte bleib ein wenig bei mir.“

Dieser Bitte kommt Dominic auch sofort nach und legt sich zu mir aufs Bett. Nun bin ich mutig und hebe die Decke an. Und tatsächlich kriecht er zu mir. Behutsam schmiege ich mich an ihn. Ich bin ja auch total durch gefroren von draußen und so dankbar für seine Wärme.

„Na du Frostbeule, dann komm mal her“, erschreckt Domi mich.

„Nun wird aber auch geschlafen. Klar?“

„Jaha. Klar“, erwidere ich schüchtern und kuschel mich in seine Arme, um kurz darauf auch schon ins Land der Träume zu driften.

Ist ja auch kein Wunder. Wie lange ist es her, dass ich in einen richtigen Bett lag und dazu auch noch mit Dominic und dann auch noch in seinen Armen? Ich erwache am späten Nachmittag, genauso wie ich eingeschlafen bin.

In Domis Armen. Dieser schläft scheinbar tief und fest und zum ersten Mal darf ich ihn dabei beobachten. Wie seine Atmung auf und ab geht. Wie leise sein Atem ist. So ruhig und friedlich.

„Beobachtest du immer andere Leute beim Schlafen“, reißt Domi mich plötzlich aus meiner Trance.

„Du Biest! Ich dachte du schläfst“, fluche ich.

„Hätte ich aufstehen sollen und dich wecken?“

Mit diesen Worten springe ich auf und will gerade das Bett verlassen, als Dominic mich an der Hand zurück in seine starken Arme zieht. Wo ich erst mal richtig durch geknuddelt werde.

„Och komm her mein Kleiner Giftzwerg“, neckt er mich.

Ich könnte ihn würgen, wenn das hier nicht so verdammt schön wäre.

„Geht es dir jetzt besser?“, fragt Domi mich, während er sich langsam wieder von mir löst.

„Wenn ich nein sage, kuscheln wir dann weiter?“, will ich wissen.

„Ganz schön frech“, entgegnet Domi.

„Aber wenn du unbedingt willst. Ich übernehme für alles Weitere aber keine Garantie.“

Mit einen breiten Grinsen zieht Dominic mich wieder in eine feste Umarmung. Was soll das denn jetzt schon wieder heißen? Der redet doch nicht etwa von…?

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