Unterdrückung der Gefühle – Teil 4

Im nächsten Augenblick werde ich auch schon in die Kissen gedrückt. Ich kann gerade noch schlucken, als ich mich auch schon vor lachen krümme. Domi hält mich fest im Griff und kitzelt mich von oben bis unten durch.

Dabei bin ich doch überall so wahnsinnig empfindlich. Als ich schon glaube gleich zu ersticken, lässt Dominic von mir ab und steckt sich erst einmal eine an.

„Du Schuft“, rutscht es mir raus.

Ich nehme ihm die Zigarette weg und genehmige mir einen Zug, wobei ich ja eigentlich nur Gelegenheitsraucher bin. Domi grinst und will sich erneut eine anstecken, doch er bemerkt, dass die Packung leer ist.

Nun versucht er mir die letzte Zigarette abzunehmen, was ich ihm nicht gerade leicht mache. Eine Jagd durch die Wohnung beginnt. Erst ums und übers Bett, wo ich mich schon als Verlierer sehe, da ich in der Decke hängen bleibe.

Doch schaffe ich es noch rechtzeitig mich loszureißen. Dann rutsche ich durch den Flur, was bei Laminat mit Socken schon schnell passiert. Domi ist mir dicht auf den Fersen. In der Küche angekommen rennen wir wie kleine Kinder um den runden Tisch herum.

Mal rechts herum. Mal links herum. Und unten durch, nur mit Mühe und Not. Oben drüber klappt dann doch nicht so ganz, da ich wegrutsche und schon hat Domi mich.

„Hab dich!“, freut er sich.

Die Zigarette ist nun schon fast runter gebrannt und jeder kriegt nur noch einen kleinen Zug.

„Dafür holst du jetzt aber neue“, schmollt Domi spielerisch.

Ich gebe mich geschlagen und ziehe mir Schuhe und Jacke an, um zur Ecke zum Kiosk zu gehen. Dominic drückt mir noch Geld in die Hand und möchte auch noch eine Zeitschrift mitgebracht haben.

Ach, was tut man nicht alles. Also geh ich wieder raus in die Kälte. Am Kiosk angekommen, schaue ich erst einmal die Zeitschriften durch. Außer Domis nehme ich mir auch noch eine mit. Und natürlich zwei Mal Zigaretten.

Da ich kurz warten muss, lachen mich auch noch Schokodrops an, die schnell in meiner Hand landen. Wie das nun wieder passiert ist, kann ich mir nun gar nicht erklären.

„Noch so eine Naschkatze“, höre ich auf einmal eine bekannte Stimme.

Als ich mich umdrehe schaue ich direkt in ein Paar wunderschöne hellblaue Augen. Ich spüre wie mein Herz einen kleinen Satz macht und höre mich sagen: „Sag bloß du isst auch so gerne Süßes wie ich?“

Vor mir steht doch tatsächlich Leon.

Er grinst und antwortet gespielt ernst: „Ich würde dafür töten!“

„Muss ich jetzt Angst haben? Du bist doch nicht bewaffnet“, scherze ich gekonnt ängstlich weiter.

‘Hmmm, wie man es nimmt“, kommt es von Leon.

Gleichzeitig schielt er nach unten zu seinem besten Stück. Dann müssen wir beide laut los lachen. Ich bezahle nun meine Sachen und Leon deckt sich auch noch mit Süßigkeiten ein. Dabei hätte ich geschworen, dass er auch Raucher ist.

„So, nun brauchst du keine Angst mehr vor mir zu haben. Oder vor meinem Zauberstab“, kommt es von Leon, als wir gemeinsam den Kiosk verlassen.

„Zauberstab?“, frage ich etwas irritiert.

Aber als Leon frech grinst, weiß ich schon was er gemeint hat.

„Wie nennst du deinen denn? Etwas Höflicheres ist mir gerade nicht eingefallen“, versucht Leon zu erklären.

„Ich glaube, ich sage einfach nur Penis oder das Sch-Wort halt. Aber sonst hat meiner keinen Namen. Aber es soll ja durchaus Leute geben, die ihrem besten Stück einen Spitznamen geben“, plaudere ich drauf los und erwische mich dabei, dass ich überrascht über mich selbst bin, wie viel ich zu erzählen habe.

„Außerdem macht dein Zauberstab mir keineswegs Angst“, füge ich noch mutig hinzu.

Auch Leon ist meine Offenheit aufgefallen.

„Hey, du bist ja gar nicht mehr so schüchtern, wie vorhin beim Chinesen. Das gefällt mir! Mutig, mutig“, kommt es von ihm.

Ich merke schon wieder Hitze in mir aufsteigen und nehme stark an, dass ich gerade mal wieder rot anlaufe.

Doch Zeit zum Antworten hab ich keine, denn Leon fügt noch hinzu: „Bist du immer so, wenn Dominic nicht dabei ist? Wenn ja, sollten wir vielleicht mal was zusammen machen. Wie wäre es gleich mit heute Abend? Hast du Lust?“

Klar hab ich Lust, was für eine Frage! Doch muss ich ausgerechnet jetzt an Domi denken, der bestimmt schon auf seine Zigaretten wartet.

Also druckse ich herum: „Ich bin mir nicht sicher ob Domi schon was geplant hat. Du könntest mir ja deine Nummer geben und wenn es sich ergibt, melde ich mich bei dir. Sonst kann man ja auch ein anderes Mal etwas zusammen machen.“

So halte ich mir die Möglichkeit offen ihn auf jeden Fall wiederzusehen.

„Okay aber gib mir auch deine Nummer. Und ein klares Nein respektiere ich sowieso nicht. Ist das klar“, antwortet Leon etwas beleidigt.

Wir tauschen also unsere Nummern aus und verabschieden uns von einander. Irgendwie fühle ich mich gut, schließlich habe ich jetzt Leons Nummer. Die wollte ich ja schon heute Mittag haben. Als ich gerade mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Treppen rauf gehe, öffnet Dominic mir schon die Tür.

Er sieht verärgert aus und brummt: „Deine Ausrede möchte ich gerne hören. Hast du den ganzen Laden leer gekauft oder wurde der Kiosk überfallen. Ich wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben. Schließlich ist es nicht normal, dass man eine Stunde braucht, um nur mal eben zur Ecke zu gehen.“

Eine Stunde? Der spinnt doch! Doch ein Blick auf die Uhr bestätigt leider Domis Aussage. Da sieht man mal, wie sehr ein schöner Mann einen doch beschäftigen kann. Ich jedenfalls ziehe erst einmal Jacke und Schuhe aus, nachdem ich auf die Uhr geschaut habe.

Domi schaut mich die ganze Zeit erwartungsvoll an. Zigaretten und die Zeitschrift lege ich auf den Küchentisch und dann hole ich mir eine Schüssel aus dem Schrank, wo meine Schokodrops drin landen. Von denen schiebe ich mir auch gleich ein paar in den Mund.

„Sag mal, kannst oder willst du mir nicht antworten?“, unterbricht Domi mein Tun.

„Sag schon. Was hat dich aufgehalten?“, bettelt er weiter.

„Leon“, kommt es kurz und knapp von mir.

„Leon?“, fragt Domi.

Weiß er etwa nicht mehr wer Leon ist oder wie meint er das jetzt?

„Ja, Leon! Unser Sunnyboy, vom Chinesen“, erläutere ich gelassen, während ich weiter meine Schokodrops mampfe.

„Ich weiß doch wer Leon ist. Aber was heißt hier unser Sunnyboy? Ich habe mich doch die ganze Zeit mit ihm unterhalten“, erwidert Dominic.

Ich muss grinsen. Haben wir wirklich mal Interesse an ein und demselben Typen.

„Wenn das so ist, wieso habe ICH dann seine Nummer und du nicht?“, mit diesen Worten schnappe ich meine Schokodrops und begebe mich in mein Zimmer, während Domi mir mit offenem Mund hinterher schaut.

Sein Verhalten macht es mir einfach, denn kaum bin ich dort angekommen, wähle ich auch schon Leons Nummer, um mich für den heutigen Abend zu verabreden. Wir beschließen in einen Club zu gehen und da ich näher dran wohne, kommt Leon gegen 23 Uhr zu mir.

Ein bisschen vor glühen und Klamotten abchecken, was ich bei ihm am Wichtigsten finde. Und dann ab auf die Piste. Ich fühle mich toll. Ein bisschen begehrt vielleicht, wie ein frisch verliebter Teenager vor einem Date.

Aber bin ich überhaupt verliebt? Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob ich das mach um Leon näher zu kommen oder um Dominic Eifersüchtig zu machen. Und selbst wenn Domi Eifersüchtig wäre, auf wen denn dann?

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