Zug des Lebens

Jan und ich sind zusammen aufgewachsen, zählen jetzt lockere 24 Lenze und hatten nie etwas miteinander. Jan ist der absolute Hetero, aber mein Outing hat an unserer Freundschaft nichts geändert.
Jan war mit seiner Freundin in Urlaub geflogen, deshalb vertraute er mir wie in jedem Jahr sein Ferienhaus im Salzburger Land an.

An einem Abend rief mich Jan von seinem Urlaubsort aus an und erklärte mir, dass sein Bruder ein Wochenende zu Besuch kommen wollte, aber sie wären ja nicht da. Deswegen könnte Christian das Haus doch für ein paar Tage mit mir teilen. Ich versprach Jan, mich um den Kleinen zu kümmern. Ich hatte Christian das letzte Mal gesehen als er 10 Jahre alt war, dann war er nach der Scheidung seiner Eltern mit seinem Vater nach Wien gezogen.

Zwei Tage später, an einem glühend heißen Freitagmittag, klingelte es und ich öffnete die Tür. Dass ich Christian 9 Jahre nicht gesehen hatte wurde mir jetzt erst bewusst. Nun stand da plötzlich eine große Gestalt vor mir; den Motorradhelm noch auf dem Kopf, den schlanken Körper eingehüllt in einen Lederkombi, dessen Reißverschluss bis zur nackten, haarlosen Brust geöffnet war.
„Hi“ sagte er und nahm den Helm ab. Irgendwie schien er überrascht.
„Du hast dich ja überhaupt nicht verändert“ sagte er. „Man sieht dir nicht an dass du so alt wie mein Bruder bist.“
Von dem „kleinen Christian“ war nichts mehr übrig geblieben und eigentlich bleibt mir selten die Luft weg. Aber Angesichts dieses Burschen geriet ich ins Schwärmen.
„Hallo Christian. Findest du? Ist mir nicht aufgefallen. Aber dich hätte ich beinahe nicht wiedererkannt.“
Er lächelte, gab mir die Hand und stellte seine große Tasche in den Flur.
„Du bist ja total nass geschwitzt. Schlage vor dass du erst mal duschen gehst.“ Mehr fiel mir in diesem Augenblick nicht ein.
„Ja, es ist eine Affenhitze.“
Christian sprach mit diesem österreichischen Akzent und es war das erste in das ich mich verliebte…

Als er später vom duschen in die Küche kam, vor mir stand nur mit dem Handtuch um die Hüfte und sich seine ganze Schönheit offenbarte, da begann er mir den Kopf zu verdrehen. Die blond gesträhnten, dunklen Haare lagen wirr auf dem Kopf, Wassertropfen glitzerten auf seinen langen Wimpern, liefen über sein Gesicht, den schlanken Oberkörper, den Bauch, die Beine hinunter und zwischen seinen Füßen bildete sich eine kleine Pfütze. Beim Anblick seiner braunen Augen erfasste mich eine ziemlich heftige Unruhe. Jans und Christians Ahnen waren Italiener was sich in immer brauner Haut und dichten, schwarzen Haaren niederschlug. Eine ziemliche Unruhe ließ mich nun nicht mehr los.

Das Handtuch war deutlich ausgebeult und zum Glück konnte Chris nicht ahnen dass ich ihn mir gerade ohne dieses unnötige Stück Wäsche vorzustellen versuchte – irgendwie war das noch nicht einmal schwierig…

Chris nahm seine Tasche.
„Wo soll ich mit den Sachen hin?“
„Lass mal liegen, du kannst sie später mit nach oben nehmen.“

„Das T-Shirt hier – hab ich unterwegs ausgezogen, war echt zu warm“ sagte er, zog es aus der Tasche und warf es über einen Sessel.

Nach einem Essen, das ich schnell gezaubert hatte, saßen wir auf der Couch, hatten nur die Shorts an. Eine Liebesgeschichte lief im TV; schön und romantisch sollte sie sein, so war im Programm zu lesen, aber ich konnte dem Inhalt einfach nicht richtig folgen. Lediglich der junge Mann in dem Film zog meine Aufmerksamkeit auf sich.

Chris stand irgendwann auf und holte sich ein Bier in der Küche. Als er zurückkam setzte er sich so dicht neben mich dass sich unsere Beine berührten. Während er das Bier öffnete und einen Schluck nahm verfolgte er den Film aufmerksam. Gleichzeitig schaukelten sich meine Gefühle hoch; es kam mir vor als würde sich vor der Mattscheibe ein Vorhang senken der mich daran hinderte am Ablauf des Films teilzuhaben. Ich erinnere wohl nicht mehr woran ich in diesem Augenblick dachte, nur noch an das Meer der Gefühle in dem ich badete.
An sich war diese Berührung ja nichts Ungewöhnliches, zwischen guten Freunden dürfte so etwas ganz natürlich sein. Nur, waren wir Freunde? Und er konnte ja nicht wissen was er damit in mir auslöste.
Ich schielte auf seine nackten Füße und versuchte mir durch die Farbe und Dichte der Behaarung den Treffpunkt seiner Beine vorzustellen. Dass Schwarz meine Lieblingshaarfarbe ist war hier natürlich ein weiterer Punkt der mich in Wallung brachte. Unwillkürlich wanderte mein Blick die Beine weiter nach oben, wobei ich mich künstlich an der Stirn rieb um mich nicht zu verraten. Auch wenn diese Aktion ziemlich anstrengend war lohnte sich der kurze Blick: Deutlich beulte sich seine Hose aus und es bedurfte keiner ausschweifenden Phantasie sich die Verhüllung wegzudenken.
Ich wandte mich wieder dem Film zu, dessen Handlung nun endgültig an Bedeutung für mich verloren hatte. Ich muss ziemlich verkrampft so dagesessen haben.
„Hast du was? Ist alles Okay mit dir?” fragte er plötzlich.
Ich schluckte. Nichts war Okay; mein Kreislauf steuerte geradewegs ins Chaos und zum guten Glück war mein Schwanz zwischen den Schenkeln eingeklemmt. Dafür begann dieser Zustand jetzt schmerzhaft zu werden und rasch versuchte ich mich zu beherrschen, an etwas ganz anderes zu denken. Angestrengt starrte ich auf die Mattscheibe.
„Nein, alles klar. Ein bisschen müde vielleicht, aber sonst…” Ich spürte dass er mich ansah.
„Wenn man müde ist, ist man im allgemeinen aber nicht nervös.”
Da er den Punkt getroffen hatte, krampfte ich mich noch mehr zusammen. Was sollte ich darauf antworten? Dass ich ihn nicht nur total lieb fand sondern obendrein absolut geil und ich sofort alles mit ihm anstellen könnte? Dass es bis zum Orgasmus nur noch ein kleiner Schritt war, nur weil er mich mit seinem Bein ein bisschen berührte? Ich musste eine Antwort finden, sofort.
„Das täuscht sicherlich, es ist nichts, glaub mir” log ich.
Er schien sich damit abzufinden. Plötzlich legte er seine Hand auf mein Knie. „Was meinst du, wollen wir Musik hören? Dieser Film ist absolut überflüssig.”
Diese schöne, schlanke Hand auf meinem Knie. Ich war versucht sie einfach zu greifen.
Die Art, wie er seinen Blick auf meinen fixieren konnte war beinahe tödlich. Ich wich seinem Blick aus, blieb an seinen Lippen hängen. Schwach schimmerte die Zunge in seinem halb geöffneten Mund und was für eine Vorstellung dass meine dort eindrang und mit ihr spielte…. Sofort meldete sich der Schmerz in der Hose wegen Platzmangel zurück.

Mein letztes Erlebnis – ich war schon so alt wie Chris. All die Zeit zehrte ich von dieser einen Nacht mit einem Jungen, aber nun wurde mir schlagartig klar dass diese Erinnerungen schon zur Illusion geworden waren. Gar nicht mehr wahr irgendwie. Es war nicht mehr davon übrig geblieben als von einem Kapitel eines alten, verstaubten Buches. Chris zeigte mir mit aller Deutlichkeit was ich bisher vermissen musste.
Ich fürchtete, dass das Aufschaukeln meiner Gefühle gefährlich werden könnte: Manche rasten in solchen Momenten aus, und davor bekam ich Angst. Verlier jetzt bloß nicht die Kontrolle, sagte ich mir.
Schnell stand ich auf, musste seinen Berührungen ausweichen. Jetzt und in Zukunft. Mein Schwanz hatte in dieser Schrecksekunde wieder seine Ruhestellung eingenommen.
Ich kniete mich neben die CD-Sammlung seines Bruders. „Gute Idee. Was willst du hören?”
„Hat er da alte Scherben?” fragte Chris.
„Was meinst du mit alt?”
Er stand auf und kniete sich neben mich. Wieder berührten wir uns, an den Beinen, an den Schultern. Ich versuchte mir einzureden dass er das mit Absicht tat, wohlwissend dass es Zufall sein musste.
„Ah, da ist ja was.” Er nahm eine CD und legte sie in den Player.
Dieses langsame, fast traurige Schmusestück. Vor vielen Jahren hörte ich es tausend Mal am Tag. Jetzt sollte es eine andere Bedeutung für mich bekommen.
Während er sich wieder auf die Couch setzte ging ich in die Küche. Meine Gefühle liefen immer noch auf Hochtouren, ich brauchte eine kurze Auszeit.
Mit einem großen Glas Rotwein setzte ich mich auf die Anrichte und zündete mir eine Zigarette an. Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, mir einzureden dass das alles eine Illusion bleiben musste. Aber die Musik, die aus dem Wohnzimmer herüberklang, bewirkte genau das Gegenteil. Lieder aus meiner Zeit die ich mit sehr schönen Erinnerungen verknüpfte. Ich versuchte in mich hineinzuhorchen, herauszufinden wie ich die kommenden Tage ohne Probleme bewältigen konnte.

„Ich hab gewusst das etwas mit dir nicht stimmt.”
Wie er so an dem Türrahmen lehnte, die Arme über der nackten Brust verschränkt und mit einem sorgenvollen Blick, da hätte ich ihm am liebsten alles erzählt. Was ich dachte, was ich fühlte.
Er kam zu mir und legte seine Hand auf meine Schulter. „Willst du mir nicht sagen was los ist? Hab ich etwas damit zu tun? Stör ich dich vielleicht?”
„Bitte, Chris, red kein so ein dummes Zeug. Ich bin doch froh dass du da bist..”
Schlimm genug dass ich wieder seine Berührung ertragen musste, aber dazu kam dieser Blick. Ich war sehr nah dran meinen Kopf auf seine Schulter zu legen und einfach drauf los zu heulen. Mir war wirklich zum heulen zumute.
Er legte seine Hand um meinen Hals und zog meinen Kopf zu sich. Damit war ich fast genau da wohin ich mich eben noch gesehnt hatte.
Ich legte meinen Arm um seine Taille und drückte ihn – sehr sanft.
„Vielleicht sollten wir schlafen gehen. Morgen früh sieht die Welt sicher wieder anders aus” sagte er leise.
Er fragte nicht weiter nach, er bohrte nicht ungeduldig herum. Schon deshalb mochte ich ihn nicht mehr loslassen. Aber ich zwang mich dazu.
„Okay, ich denke du hast recht.”

Er nahm seine Tasche und ich ging mit ihm nach oben wo sich Schlaf- und Gästezimmer befanden.
Im Schlafzimmer zog ich die Tagesdecke ab und spürte wie er mich dabei beobachtete.
“Warum nur ein Bett? ” fragte er als er bemerkte dass ich nur eine Betthälfte bezog.
“Du kannst hier pennen. Das ist schön gemütlich und groß.”
“Und wo schläfst du?”
“Drüben im kleinen Zimmer.”
“Warum?”
“Ich brauche kein großes Bett.” Es war schwer das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken. Ein Kloß saß plötzlich in meinem Hals.
Er packte mich leicht am Arm und sah mich eindringlich an. “So ein Blödsinn. Oder beißt du vielleicht im Schlaf? Ich jedenfalls nicht.”
Ich stand direkt vor ihm. Chris war nicht nur ein junger Mann in den man einfach verliebt sein musste, er war eine göttliche Erscheinung. Ihm könnte sogar ein gestandener Hetero zum Opfer fallen.
“Nein, ich beiße nicht. Und schnarchen tu ich auch nicht. Es ist nur…” Ich wusste dass ich jetzt Antwort geben musste. Und ich begann zu zittern; unmerklich, aber es war da.
“Was meinst du mit – nur?”
Ich konnte ihm schlecht sagen dass ich verrückt nach ihm war und diese Nacht deshalb besser nicht neben ihm verbringen sollte. Ich beschloss zu lügen. “Hier schlafe ich nicht gerne, es ist mir einfach zu groß und… nicht viel Platz da drüben für zwei.”
Irgendwie war das ein dummer Spruch.
Er ging über den Gang und öffnete die Tür zu dem kleinen Schlafzimmer.
“Das reicht für uns beide, da bin ich sicher. Sieh uns doch mal an. Beide superschlank… und außerdem ist es viel gemütlicher, würde ich sagen” rief er herüber.
Ich ließ alles fallen. Das Zittern wurde ernst. Was meinte er mit „superschlank“? Das stimmte zwar, aber aus seinem Mund klang das so aufreizend.
“Schön, wenn du meinst. Klar kannst du auch bei mir schlafen.” Lieber wäre mir wohl „kannst du auch mit mir schlafen“ gewesen.. Merkwürdig nur welcher Unterschied zwischen „bei mir“ und „mit mir“ lag, ging es mir durch den Kopf.
Ich ging mit ihm in das kleine Gästezimmer und er half mir beim beziehen.
Mit einem Satz sprang er anschließend auf das Bett. „Mann, da schläft man sicherlich wie ein Baby.”
Ich musste lachen. „Das wirst du morgen früh genau wissen. Ich jedenfalls geh jetzt runter und mache den Laden dicht.”
Ich spürte seinen Blick in meinem Rücken. Nur jetzt nicht anders überlegen. Nur schnell raus hier, ich traute mir nicht über den Weg; keine Sekunde könnte ich neben ihm liegen ohne dass etwas geschehen würde.

Die Couch war ungemütlich und viel zu klein, aber sie war die einzige Alternative. Hätte ich mich einfach ins andere Schlafzimmer gelegt wäre es erst recht aufgefallen. Er würde einschlafen und gar nicht merken dass ich nicht da war. Wenn doch, eine Ausrede hatte ich schon parat.
Bevor ich das Licht löschte sah ich Chris’ T-Shirt über einem der Sessel liegen. Langsam ging ich darauf zu. Es dauerte ewig bis ich es endlich mit zitternden Fingern berührte; ich hatte einfach das Gefühl etwas Verbotenes zu tun, etwas Abartiges. So etwas tut kein normaler Mensch, sagte ich mir. Aber die Versuchung war einfach zu groß und die Gewissheit im Hinterkopf dass er davon nichts bemerken würde ließ mich alle Bedenken vergessen.
Ich nahm es in meine Hände, betastete es. Jetzt konnte ich meinem Gefühl endlich freien Lauf lassen und mit jedem Atemzug, den ich tief durch das T-Shirt einsog, stieg mein Schwanz höher. Überraschen konnte Chris mich nicht, die Holztreppe knarrte fürchterlich.
Das Shirt roch aufregend, nach Junge irgendwie. Oder bildete ich mir das nur ein? Konnte ein Junge wirklich riechen? Nicht nach Schweiß, sondern nach etwas eigentlich Undefinierbarem? Hieß das nicht Pheromone oder so?
Ich fasste meinen Steifen an und nach weniger als einer Minute war es vorbei. Ich achtete nicht darauf wohin oder wie weit es spritzte, nur den Druck wollte ich endlich loswerden. Nach aller Erfahrung würde das die Gefühlskurve zum Absturz bringen und ein normales Denken wieder möglich sein.
Mit einem feuchten Lappen beseitigte ich die verräterischen Spuren, legte das Shirt wieder so hin wie es war, dann fiel ich auf die Couch.
Ich starrte an die Decke, die ich in der absoluten Dunkelheit nur erahnen konnte – und doch, ich stellte mir vor wie sie auf mich herabstürzte. Wie sie meine Illusionen zertrümmern könnte. Die Illusion die da oben lag und von der nicht zu ahnen war wie sie Wirklichkeit werden könnte.

Als das Licht plötzlich anging war das einem Blitz gleichzusetzen der aus heiterem Himmel auf mich herabschlug.
„Marc, was um Himmels willen machst du denn hier auf der Couch?”
Chris war nicht eingeschlafen. Er hatte auf mich gewartet und irgendwie war es logisch. Noch ein bisschen schwatzen, eine gute Nacht wünschen – Dinge die Freunde immer tun wenn sie über Nacht zu Besuch sind. Naja, war er überhaupt mein Freund? Er war der Bruder meines Freundes..
„Ich.. ich weiß auch nicht. Ich hab den Fernseher noch mal angemacht und dann muss ich wohl eingepennt sein.”
Nun stand Chris vor mir mit diesem verboten knappen Slip und grinste wieder so seltsam. „Aha, du hast mir aber glatt verschwiegen dass es in diesem Hause gute Geister gibt.”
„Was für Geister?”
„Die, welche da mal schnell ein Bett aus der Couch gemacht haben.”
Er machte eine Pause in der er mir wohl Zeit gab ihm diese Merkwürdigkeit plausibel zu machen.
Ich schlug die Decke zurück, dachte aber nicht daran dass ich nach alter Gewohnheit nichts anhatte. Schlagartig war ich wieder wach. Wenigstens, ich habe nichts zu verbergen.
Ich versuchte eine Reaktion bei Chris festzustellen nachdem er meine Männlichkeit begutachtet hatte, aber da regte sich offensichtlich nichts.
„Nun mach kein Scheiß, komm endlich nach oben. Ich schnarche nicht und ich tu dir auch bestimmt nichts.”
Du darfst mir aber etwas tun, dachte ich. Ich zog meine Shorts an und ging mit ihm nach oben. Es war nicht gut dass er voranging und seinen süßen Hintern vor mir herschaukelte. Die Sache mit dem T-Shirt war schon vergessen.

Wir lagen auf dem Bett, die Hitze in dem Zimmer nahm auch in der Nacht nicht ab.
Ich konnte nicht einschlafen, bildete mir ein Chris’ Körperwärme zu spüren. Sein aufreizender Geruch nahm mich gefangen und ich traute mich nicht zu atmen. Ich war versucht Chris einfach zu berühren, überall und die ganze Nacht wenn es möglich wäre. Aber er lag ganz ruhig da und rein gar nichts deutete darauf hin dass er Ähnliches fühlte oder dachte. Die Entladung war schon wieder vergessen, mein Schwanz übernahm erneut das Regiment über meine Gefühle. Es war praktisch Stockfinster in dem Zimmer und von daher musste ich nicht fürchten dass Chris meinen Ständer sehen konnte.
Plötzlich drehte sich Chris schmatzend um und ich spürte seine Hand auf meinem Arm. Ich traute nicht mich zu bewegen, hatte Angst er würde sie zurückziehen.
Er atmete langsam und ruhig, Chris schlief, zumindest konnte ich das annehmen. Ich lauschte in die Dunkelheit, wartete bis doch etwas passieren würde, aber es geschah nichts. Obwohl ich es fast nicht aushielt, ich wäre mir irgendwie schäbig vorgekommen mich jetzt hier neben ihm zu befriedigen.

Der Tag begann mit meinem leisen “guten Morgen” und er antwortete mir, während er sich quietschend ausstreckte. Noch immer lagen wir dicht zusammen. In dieser Nacht war ich ein paar Mal aufgewacht, machte das kleine Licht an um mir dieses Geschöpf anzusehen, hatte seinem atmen zugehört, seinen Geruch tief in mich eingesogen. Einmal war ich so dicht an seinem Gesicht dass ich nur die Zunge hätte ausstrecken müssen um seine Lippen damit zu berühren.
Er stand auf, stellte sich ans offene Fenster, sog die Luft ein, streckte sich und sah mich an, mit den selben Augen wie am Abend zuvor. Sein Körper im Morgenlicht – ich ärgerte mich kein Fotograf oder Maler zu sein.
“Was ist bloß mit dir los?” fragte er ohne mich und sah dabei zum offenen Fenster hinaus.
Ich ahnte ja dass ihm mein Verhalten keine Ruhe ließ. „Wie meinst du?” stellte ich mich dumm.
Er sah mich ziemlich ungeduldig an. „Ja, Mann, was hast du dauernd? Erst grübelst du vor dich hin, dann willst du nicht in diesem Zimmer schlafen und schließlich verziehst du dich leise, still und heimlich ins Wohnzimmer. Ich weiß, du bist mir keine Rechenschaft schuldig, aber ich möchte trotzdem gern wissen warum du dich so verhältst.“
„Komm, lass uns Kaffee trinken, und Hunger hab ich auch” lenkte ich ab.

Als wir uns beim Kaffeetrinken gegenübersaßen kam der Wunschtraum, mein Leben so zu führen. Es wäre sicherlich nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen, aber alleine zu bleiben war weit qualvoller.
Da tauchte er auf. Mein Zug. Seit längerem sah ich dieses Gespann vor mir. Jeder Mensch fährt auf seinem Zug und alle diese Züge haben eines gemeinsam: man kann schnell mit ihnen fahren oder auch langsamer. Aber zwei Dinge kann der Zug des Lebens nicht: stehen bleiben oder gar rückwärts fahren. Manchmal kann man die Richtung bestimmen wohin er fährt, manchmal nicht. Mein Zug fuhr schon lange eine gerade, öde Strecke. In der Vergangenheit gab es einige wenige Weichen wo ich abgezweigte, aber lange fuhr ich diese neuen Strecken nicht. Es gab auf ihnen keine Bahnhöfe, höchstens Haltepunkte. Dann steuerte ich zurück auf mein Hauptgleis. Aber nun fuhr dieser Junge mit seinem Zug neben meinem her. Kurze Zeit erst, aber ich spürte dass es an der Zeit war über meinen Fahrplan nachzudenken. Weiter neben ihm her fahren, bis er eines Tages eine Kurve macht, wegfährt von mir und sollte ich dann bei ihm aufspringen? Dicht nebenher fahren so lange es ging? Immerhin böte das die Sicherheit, einfach weiterfahren zu können wenn er eines Tages eine Richtung einschlagen wollte, die ich so nicht akzeptieren könnte.

Die Nachrichten versprachen weiterhin schönes Wetter für die kommenden Tage und ich begann darüber nachzudenken was aus unserer Zeit hier werden könnte. Chris hatte Ferien von daher war es sicher kein Problem für ihn länger hier zu bleiben. Aber es nagten auch viele andere Fragen in mir. Sollte ich ihm einfach sagen dass ich mich in ihn verknallt hatte? Er berührte mit seinem Fuß den meinen unter dem Tisch als könne er Gedanken lesen.
“Marc, worüber denkst du schon wieder nach?” fragte er.
Er konnte wirklich Gedanken lesen. Es gibt Momente im Leben in denen man einfach über seinen Schatten springen muss. Die Berührungen mit ihm lösten bei mir jedes Mal einen Schauer aus, der mir alle vernünftigen Gedanken raubte.
“Chris, darf ich dich etwas fragen?”.
Er biss in sein Brötchen und sah mich neugierig an. “Nur zu” sagte er wie beiläufig.
“Würdest du.. ich meine wenn du kannst – länger hier bei mir bleiben?”
Wieder traf mich dieses entwaffnende Lächeln. Er ließ sich Zeit mit einer Antwort, biss in sein Brötchen und kaute darauf herum.
“Merkwürdig” sagte er schließlich.
„Was ist merkwürdig?”
„Bis vor ein paar Minuten noch hätte ich schwören können dass du froh bist wenn ich hier wieder abhaue. Und dann kommt diese Frage.”
Ich holte tief Luft, durfte jetzt nicht zu euphorisch darauf antworten.
“Meine Güte, dass ich vielleicht nicht gut drauf bin hat mit dir überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, es ist besser wenn man mit so einer miesen Laune nicht alleine ist. Was nicht heißen soll dass das immer so ist. Ich denke das ist bald wieder Okay.”
Er sah auf. “Ich weiß nicht wie lange ich bleiben kann. Vater will mich, wenn es in seiner Firma möglich ist, auf eine Geschäftsreise nach Griechenland mitnehmen. Er kann eigentlich jeden Moment anrufen.”
Klar, das war es. Wenn ich Pech hatte könnte Chris morgen schon Vergangenheit sein. Auf der Stelle begrub ich sämtliche Hoffnungen. Er war eine kleine, harmlose Episode hier für mich, mehr nicht. Seelenfutter. Wilde Vorstellungen was daraus hätte werden können würden übrig bleiben – sonst nichts. Schall und Rauch.
Ich lehnte mich weit zurück, das Brötchen ließ ich angebissen liegen. “Ach so. Nun denn, solltest du nicht weg müssen – in den nächsten Tagen meine ich – kannst du trotzdem gern hier bleiben.”
Er wischte sich den Mund mit der Serviette und knüllte sie in den leeren Teller. “Sicher, ich bleib gerne.”

Ich verwünschte Wien und Griechenland weit in den Weltraum wo sie niemand erreichen konnte.
“Schön, das wäre toll. Was machen wir heute? Es wird ganz schön heiß da draußen. Ich schlage vor dass wir zum Bach runtergehen. Es sei denn du legst Wert darauf mit Kind und Kegel übereinander zu liegen – im Freibad.”
“Nein, das ist nicht meine Sache. Die Idee mit dem Bach finde ich gut.”
Eine Art kleiner Triumph. Ich hatte ihn für mich, ganz allein.

Wenig später legten wir große Handtücher auf die Wiese in dem weitläufigen Garten der zum Haus gehörte. Dichte Bäume und Büsche verhinderten unliebsame Blicke der Nachbarn und kein Toben und Schreien störte die Ruhe.
“Soll ich dir den Rücken eincremen?” Lange zuvor hatte ich überlegt ob ich ihn das fragen sollte. Ich fühlte mich besser als in der Nacht zuvor, nicht jeder Anblick von ihm versetzte mich in unkontrolliertes Denken. Somit dürfte die Gefahr, dass sich meine Gefühle selbstständig machen könnten, minimal sein. Ich musste es außerdem riskieren; diese Art von anfassen hatte mit Sicherheit auch genug erotisches an sich.
„Ja, klar.“ Er legte sich auf den Bauch und ich konnte ungehemmt seine Figur studieren. War das letzte Nacht mangels richtigem Licht nur ziemlich vage möglich, so lag er jetzt im vollen Sonnenlicht vor mir. Und wie es zu erwarten war – völlig Makellos. Keine Schramme, kein Fettpölsterchen, keine Pickel. Katalogmensch dachte ich wieder. Ich drückte etwas Creme aus der Flasche auf seine Schultern. Seine Haut war schon fast heiß, was allerdings nichts gegen die Temperatur war die sich in mir zu bilden begann. Langsam massierte ich die Creme in seine Haut. Ich tat das sehr sanft und musste Gefahr laufen dass er das spürte. Aber er ließ die Augen geschlossen, schien sich nicht an der Ewigkeit zu stören die das wohl dauerte. Als ich an seinen Hosenbund ankam holte ich tief Luft. Ein Hintern wie aus dem Bilderbuch streckte sich mir entgegen und ich hätte eigentlich nur eine Hand leicht unter den Bund zu schieben brauchen – aber das wäre es wahrscheinlich gewesen. Ich klatschte einmal kräftig auf seinen Rücken.
“Okay, das war’s. Jetzt kann dir die Sonne nichts mehr anhaben.”
“Schön.”
“Was meinst du mit schön?”
“Schön machst du das. Hast wohl Übung darin? Leider bin ich kein Mädchen…”
Also schien er meine Gefühle nicht durchschaut zu haben. Einerseits beruhigte mich das, andererseits war es Schade. Wenn ich nur gewusst hätte wie er zu uns Schwulen stand.
“Jetzt bist du dran” sagte er unvermittelt.
Ich gehorchte. Langsam, fast routiniert verteilte er die Creme auf meinem Rücken. Trotz der Hitze überfiel mich eine leichte Gänsehaut. Seine Hände glitten auch unter meine Achselhöhlen, griffen herum bis fast zu meinen Brustwarzen. Und deren Reaktion auf einen solchen Angriff kannte ich nur zu gut. Ich zerschmolz beinahe als ich mir ausmalte, wie er spüren würde dass die Nippel fest geworden waren und steil abstanden. Ich hätte alles gegeben um ihn jetzt einfach küssen zu dürfen. Fast routiniert bearbeitete er meine Hüften, bis herum an meinen Bauchnabel. Ich machte mir keine Gedanken wieso er an diese Stelle kam und stützte meinen Körper etwas ab um ihm das so einfach wie möglich zu machen. Dass mein Schwanz jetzt knallhart geworden war konnte er nicht bemerken, dazu hätte er ihn direkt anfassen müssen…
Er zog meine Hose ein Stück herunter und massierte meine oberen Pobacken auffällig intensiv. Ich ärgerte mich in Grund und Boden. Warum war ich nicht einfach auch so unverschämt gewesen? Mehr als sich beschweren hätte er nicht können. Dann cremte er meine Taille ein und seine Fingerspitzen gerieten in gefährliche Nähe; ein paar Zentimeter weiter herum hätte er gefühlt was sich da unter meinem Bauch abspielte.

Er zog die Hose wieder nach oben und ließ den Bund schnalzen. Wortlos legte er sich neben mich auf den Bauch und wir starrten in den schnell fließenden Bach vor unseren Köpfen. Warum sagte ich ihm nicht einfach wie geil das gerade war und dass er mich eigentlich überall eincremen dürfte?

Mein Schwanz hatte sich schnell wieder beruhigt und ich versuchte meine Gedanken zu verstreuen. Dieser Traum, dass Chris den ganzen Urlaub hier mit mir verbringen würde, konnte gar nicht wahr werden; wie es die meisten Träume nicht tun. Warum konnte man nicht einfach sagen: Stop, hier anhalten? Ich dachte wieder an meinen Zug. Wohin fuhr er gerade? Noch auf meiner Strecke oder war ich längst abgebogen, in Richtung unbekanntes Ziel?
“Sag mal, wieso bist du eigentlich noch solo?”
Diese Frage. Irgendwer stellt sie irgendwann, aber sie kommt.
“Ich bin nicht der Mensch der sich fest binden kann. Ich brauche meine Freiheit.”
Er blinzelte mich an. “Schon Okay, ja, aber irgendwie kann man doch nicht ewig alleine bleiben. Du musst ja nicht gleich heiraten, ist eh nicht mehr sonderlich modern. Und zudem – ich sage das ohne dir nahetreten zu wollen: Du kannst dir doch jede aussuchen. Ich kann nicht glauben dass du keine Freundin hast.“

Ich drehte mich auf den Rücken und legte meinen Kopf auf die Arme. Das war ein angenehmes Kompliment. Woher ein Bengel von 19 Jahren den Mut nahm einen Mann wie mich als attraktiv zu bezeichnen war mir ein Rätsel. Ich rechnete damit dass er mich fragte: Bist du vielleicht schwul? Aber er legte sich um und schwieg.
Ich bekam einen langen Grashalm zu fassen, riss ihn ab und kaute auf ihm herum. Wie meine Gedanken wippte die Rispe auf und ab.
“Tja, du magst recht haben, aber ich kann Stress nun mal nicht ertragen. Und den habe ich bestimmt. Ich kenne mich. Zudem bin ich nicht für ein zweisames Leben geboren. Ich denke ich bin einfach Beziehungsunfähig. Das ist Fakt” setzte ich das Gespräch fort.

Er riss mir den Halm aus dem Mund. “Lass das, da können Pilze dran sein.”
Ich ärgerte mich nicht, schließlich hatte er recht. Er stützte seinen Kopf auf einen Arm und fuhr mit dem Halm über meinen Bauch.
“Also, ich weiß nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen mit dir nicht auszukommen. Weißt du Marc, manche Dinge bildet man sich auch ein.”
Wie sollte er schon wissen was Einbildung und Wirklichkeit voneinander trennte? Ich haschte nach dem Halm und bekam Chris’ Hand zu fassen. Die Situation wurde plötzlich brenzlig. Für Sekunden ließ ich nicht los und Chris’ Augen glitzerten plötzlich merkwürdig, aber ich konnte es nicht deuten. War es nur Überraschung? Wollte er das auch? Spielte er nur mit mir? Da war ich mir fast sicher: Er sammelte alles was mich verraten könnte, machte sich ein vollständiges Bild von mir und Peng – jetzt hab ich dich. Er konnte mir nicht schaden, aber bloßstellen, demütigen, das könnte ihm gelingen.
Ich ließ seine Hand los und drehte mich wieder auf den Bauch. Ich versuchte so locker wie möglich zu bleiben, einfach so zu tun als sein nichts weiter geschehen.

Ich schloss die Augen und lange redeten wir nichts miteinander. Da kam es, dieses Selbstmitleid. Immer ich, nie die anderen. Warum sollte sich Chris von mir anmachen lassen? Wieso meint man so oft dass alle Jungs die einem gefallen auch schwul sein müssten? Chris war ein ganz normaler Junge der sich mit mir seine langweiligen Ferien vertrieb, mehr nicht. Zu einer anderen Annahme bestand kein Grund. Ich stand auf.
„Was ist?“
„Ich geh rauf ins Haus. E-Mails abfragen, Briefkasten leeren und ich hab Durst.“

Oben in der Küche kappte ich eine Falsche Bier und war mir über deren Wirkung bei dieser Hitze bewusst. Aber ich sehnte mich nach einem Rausch, nach etwas worin ich mich trösten konnte.
Chris’ Handy, das noch immer auf der Ablage im Flur lag klingelte und ich nahm den Anruf kurzentschlossen an.
„Hallo Chris?“ Ich erkannte Chris’ Vater an der Stimme.
„Nein, hier ist Marc, Chris ist im Moment schwer zu kriegen. Kann ich was ausrichten?“ Aus, vorbei. Auflegen wollte ich, nichts hören.
„Hallo Marc, wie geht’s? Ich hab leider nicht viel Zeit. Sag ihm dass wir am Dienstag abfliegen, er hat dir sicher davon erzählt. Er soll bitte nach Hause kommen.“
Ich weiß nicht mehr was ich antwortete, wie in Trance klappte ich das Handy zu. Wien und Griechenland lagen nun doch nicht im Weltall. Nur ein paar Stunden fahren oder fliegen. Ich bekam Wut, Trauer, Zorn – alles traf zusammen. Ich konnte es nicht hinauszögern, keine Chance da etwas zu drehen. Er würde in ein paar Augenblicken verschwunden sein von hier.

Ziemlich enttäuscht und traurig zugleich lief ich hinunter an den Bach.
Er klatschte freudig in die Hände als ich ihm die Nachricht überbrachte. Mit einem Satz stand er auf und lief eilig zurück zum Haus. Ich mochte seinem schlanken Körper nicht nachsehen, es mir nicht noch schwerer machen. Das also war von meinem Traum übriggeblieben: Ein hübscher Kerl der bald unter griechischer Sonne wandeln würde. Ich wäre gern mitgeflogen und bei dem Gedanken daran bekam ich einen kleinen Stich ins Herz. Ich war verliebt wie noch nie und ich gestand mir das auch Vorbehaltlos ein.
Ich lief ihm langsam nach, konnte seine Freude aber einfach nicht teilen.

Als ich im Haus ankam packte er schon eilig seine Sachen in die Tasche. Ich lehnte mich an die Tür und beobachtete sein Treiben.
Vor meinen Augen zog er seine Shorts aus und schlüpfte in den Lederkombi. Der kurze Blick zwischen seine Beine bestätigte lediglich meine Vorstellungen der vergangenen Stunden. Ich war sehr nah dran Chris jetzt doch am Weggehen zu hindern.
„Dieses verdammte Ding; klemmt immer wenn man es eilig hat“ fluchte er und fummelte am Reißverschluss.
„Komm, ich helfe dir. Bin ein wahrer Meister darin.“
Ich kniete mich vor ihn hin, packte den Verschluss und musste aufpassen dass ich Chris mit meinen zitternden Fingern nichts einklemmte. Dieser Stelle so nah zu sein wie das überhaupt möglich war raubte mir den Verstand. Ich hätte schwören können dass Chris tief Luft holte als ich den Verschluss nach oben zog.
„Danke Marc, ich…“
„Schon Okay“ unterbrach ich ihn.
„Es war schön hier mit dir. Wir können das doch im nächsten Jahr wiederholen, oder? Dann könnte ich sicher auch länger bleiben und meinem Bruder wird das nichts ausmachen.“
Ich lächelte gequält. Wer konnte schon wissen was bis dahin alles anders sein würde.
„Ich werde das Bett da oben für dich freihalten“ sagte ich und war mir der Gefahr dieser Aussage voll bewusst. Aber es war mir plötzlich auch egal.
Er schluckte. „Toll. Sei nicht böse, bitte, aber ich muss jetzt los. Grüß mir Jan und…“ Er packte mich fest an den Schultern und ein letztes Mal trafen mich seine Blicke. Er wollte anscheinend noch etwas sagen, aber ich wandte mich nickend ab. Dass meine Augen feucht wurden musste er nicht sehen.

Er gab mir einen kleinen Zettel. „Meine Handynummer. Man kann ja nie wissen..“
Dann setzte er seinen Helm auf, ging aus dem Haus, sprang auf seine Maschine und fuhr los. Ich blieb noch unter der Tür stehen bis er die Kurve oben an der Straße genommen hatte.

Am anderen Abend setzte ich mich vor den Computer und sah meine Post nach. Plötzlich stockte mein Atem: Chris hatte mich angeschrieben. Nervös öffnete ich seine E-Mail.

„Hallo Marc,
vielleicht kommt das jetzt etwas plötzlich, aber da ist etwas das du wissen solltest: Obwohl du schon ein paar Jährchen älter bist als ich – ich könnte mir dich als Freund gut vorstellen. Nein, ich meine nicht „einen Freund“. Ich – (keine Ahnung wie ich es dir sagen soll…) als wir so nah beieinander waren, oben in dem kleinen Zimmer, unten auf der Wiese – da hab ich mir gewünscht dich mal so richtig in den Arm nehmen zu dürfen. Ich bin beinah umgekommen als wir uns ein paar Mal berührt haben und ich hätte was gegeben wenn ich dich überall hätte eincremen dürfen. Ich dachte, wenn wir zusammen in einem Zimmer schlafen, könnte sich etwas ergeben. Deswegen wollte ich unbedingt bei dir sein. Ich hab dich diese Nacht ein paar Mal angefasst, aber als du darauf nicht reagiert hast war mir klar dass du von Sex mit Männern nichts wissen willst.. Ich finde das ziemlich, nun ja, schade eben. Hast du eigentlich nicht gemerkt dass der Verschluss an meinem Kombi gar nicht geklemmt hat? Ich hätte dir so gern einen Abschiedskuss gegeben.. Okay, was solls: Ich hab mich ein bisschen verliebt in dich. Halte mich nicht für verrückt, aber es ist halt so. Ich hab nicht den Mut gehabt es dir ins Gesicht zu sagen, du hättest einen Schwulen sicherlich einfach rausgeworfen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab mich lange nicht so wohl gefühlt und irgendwie hab ich es auf der Heimfahrt richtig bedauert von dir weg zu müssen. Dennoch, ich musste weg, weil meine Gefühle zu stark geworden sind. Sollten wir uns wiedersehen – dann wirst du sicher eine Entscheidung getroffen haben ob du mich so akzeptieren möchtest oder nicht. Ich werde mit Sicherheit an dich denken.
Ciao mein Freund, sei nicht böse und nimm es nicht allzu schwer, solche Sachen passieren halt.

Dein Chris.

P.S.: Jan weiß von mir…„

Ich lehnte mich zurück und wusste nicht was geschah. Ein Traum war mein erster, halbwegs vernünftiger Gedanke. Dann las ich die Mail noch wer weiß wie oft, aber der Inhalt blieb, Wort für Wort. Ich zitterte wie Espenlaub als ich begann, ihm zu antworten.

„Hallo Chris.
Ich weiß nicht wie und wo ich anfangen soll. Ich habe deine Hände gespürt in dieser Nacht, ich habe mich gewundert wie du mich eingecremt hast und ich dachte noch – wieso bringt der den Reißverschluss nicht zu? Ja, mir ist all das aufgefallen. Aber dass du damit Signale gesendet hast, das habe ich Dummkopf nicht bemerkt. Ja, ich bin ein Schafskopf. Warum? Ganz einfach: Einzelheiten lasse ich weg, denn du bist im Ganzen der schönste Junge der mir je begegnet ist. Ein Traumprinz eben. Mein Traumprinz. Ich habe dieses Wochenende keinen vernünftigen Gedanken fassen können und nun weißt du auch was mit mir los war. Ich hab mich im Gegensatz zu dir nicht nur ein bisschen in dich verliebt, das war der Grund für mein Verhalten.
Aber das ist jetzt Vergangenheit. Was übrig geblieben ist – meine Sehnsucht nach dir.
Ich hab dich unendlich lieb.
Marc. „

Einen Tag später kitzelte mich etwas auf meinem Rücken als ich am Bach in der Sonne lag. Ich drehte mich um und mein Gesicht spiegelte sich im dunklen Visier eines Motorradhelms wider.
„Chris???“
Er zog den Helm ab. „Hallo Marc“
„Du bist nicht weg?“
„Nein, ich konnte nicht. Vater hab ich gesagt, dass ich keine Lust auf Griechenland habe. Er hat es fast nicht glauben wollen, aber es war ja auch so. Ich hab nämlich auf was ganz anderes Lust“
Chris ließ sich auf mich fallen und obwohl das ziemlich schmerzhaft war, drückte ich den in Leder gehüllten Körper fest an mich.
Langsam nahm er den Helm herunter und warf ihn ins Gras. Lange sahen wir uns in die Augen, sagten kein Wort. Schließlich berührten sich unsere Zungenspitzen, ließen wir sie miteinander spielen bis wir in einem innigen Kuss versanken. Unsere Hände waren dabei überall, keine Stelle blieb unangetastet.

Er setzte sich auf meinen Bauch und ich zog den Reißverschluss seines Kombis auf, bis hinunter zwischen seine Beine. Aufreizende Düfte umwehten meine Nase, er trug keine Unterwäsche und so konnte ich ohne Probleme seinen Schwanz herausnehmen. Lang streckte er sich aus, Chris richtete sich auf und rückte seinen Unterkörper in Richtung meines Mundes. Ohne zu zögern umschloss sich die Eichel mit meinen Lippen, während sich Chris’ Hände unter meinen Hosenbund schoben. Vorsichtig nestelte er meinen Steifen aus der Hose und begann ihn langsam zu wichsen. Der Geschmack seines Schwanzes, der Duft, der von seinen feuchten, schwarzen Schamhaaren ausging – es dauerte nur wenige Minuten bis ich kam. Mein Sperma flog mir auf die Brust und schnell zielte Chris auf sein Bein, ich spritzte auf den Kombi und der Rest lief über Chris’ Hand auf meinen Bauchnabel. Dieser Anblick ließ Chris aufstöhnen, er warf den Kopf nach hinten und ich bekam seine Ladungen in den Mund, die Stirn, das Kinn.
Chris ließ sich neben mich fallen, gab mir einen Kuss und leckte mein Gesicht sauber.
Ich verrieb mein Sperma auf seinem Bein, was sich auf dem Leder merkwürdig anfühlte.
„Komm, abkühlen“ sagte ich, half ihm aus dem Kombi und nackt sprangen wir in den Bach.
„Wie lange bleibst du?“ fragte ich ihn nach einer Weile.
„Eine Woche hab ich noch.“
Ich krabbelte auf allen Vieren durch das niedrige, schnelllaufende Wasser auf ihn zu, nahm ihn in den Arm und küsste ihn.
„Das wird eine heiße Woche“ hauchte er mir dann ins Ohr.
Ich grinste nur und nickte.

Wohin mein Zug unterwegs ist – ich weiß es nicht. Ich fahre seit diesem Tag auf Chris’ Zug des Lebens mit.

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