Margie 07 – Kopfkino und spitze Lippen

Ich folgte ihm dann ins Badezimmer. Viel zu hell wurde es meinem Befinden nach, als Angelo das Licht anmachte, aber im Dunkeln konnte er mich schlecht verarzten. Mein sehnlicher Wunsch, wieder auf seinem Bett liegen zu dürfen, ging diesmal leider nicht in Erfüllung. Aber gut, Angelos Hände auf meinem Rücken zu spüren.. ich wollte nicht undankbar sein.
Er nahm die bekannte Flasche aus dem Spiegelschrank, während ich unaufgefordert das T-Shirt auszog. Wir sprachen kein Wort, als er sich hinter mich stellte und die Flüssigkeit auf meinen Schultern träufelte; langsam damit begann, sie auf meinem Rücken zu verteilen. Er machte das so fantastisch und er musste sie sehen und spüren, meine Gänsehaut.

»Ist schon nicht mehr so rot«, sagte er dann leise. Prompt kam er an jene Stelle, die der Auslöser für meine Peinlichkeit in seinem Bett gesorgt hatte und mein kleiner Freund fand das auch schon wieder ziemlich aufregend. Verstärkt wurde das durch den Geruch der Creme.
Dadurch wurde jede Minute, die ich mit ihm in seinem Bett verbracht hatte, wieder lebendig. Angelo sah mich durch den Spiegel an, seine Mundwinkel waren inzwischen auch zu so etwas wie der Spiegel seiner Seele für mich geworden.
Sie gingen ganz leicht nach oben. Zwar hatte er im Bett dort nicht bemerkt was er mit seinen Berührungen an diesen Stellen bei mir angerichtet hatte, aber nun blickte er durch den Spiegel auf meine Hose; fast so, als wüsste er doch was das bei mir auslösen könnte.
Reizte er mich? Warum griffen seine Hände jetzt um meine Taille, obwohl die Sonne dort augenscheinlich keinen Schaden angerichtet hatte? Nein, das war kein eincremen mehr. Ein zärtliches Streicheln, von dem ich niemals würde genug bekommen.
Angelo legte sein Kinn auf meine Schulter, hatte die Augen geschlossen und ich hielt ganz still. Was auch immer in seinem Kopf vorging, ich zweifelte nicht dass es gute Gedanken waren. Nur wollte ich nicht zulassen, dass er jetzt wieder an seinen Freund dachte.
Womöglich gab es genau solche Begegnungen zwischen ihnen, an die er sich jetzt erinnerte. Wenn ich nur gewusst hätte, wie nah sich die beiden standen. Schließlich nahm ich einfach an, dass er sich das von ihm gewünscht hatte, es aber nie so weit gekommen war.
Wenn dem so war, dann musste ich an dieser Stelle aktiv werden. Ich wollte es wissen.

»Woran denkst du?«

Er öffnete die Augen so halb und sah mich ganz ruhig an.

»Weiß nicht. Es ist.. es gefällt mir.«

Langsam drehte ich mich um und legte meine Hände auf seine Schultern.

»Nicht nur dir.«

Sanft schob er mich etwas beiseite, so dass er seine Hände waschen konnte. Er war nicht wirklich hier. Nicht in diesem Raum und nicht bei mir. Ihn danach zu fragen, wo, das wollte ich nicht.

»Lass die Creme noch ein bisschen einwirken. Ich geh schon mal schlafen«, sagte er dann, während er sich die Hände abtrocknete.

Wann wollen wir morgen Früh losfahren?«

»Wann du willst«, antwortete ich leicht enttäuscht.

Ich hätte mir nicht so viel Gedanken machen sollen. Gedanken darüber, was in dieser Nacht noch passieren könnte. Er wollte allein sein, das spürte ich jetzt.

»Gut, dann komm ich dich wecken wenn ich wach bin. Oben in deinem Zimmer ist alles hergerichtet. Gute Nacht, schlaf gut.«

Ganz sachte gab er mir einen Kuss auf die Wange, ich kam gar nicht dazu ihn zu erwidern.

»Nacht Angelo. Süße Träume«, schickte ich ihm hinterher, worauf er nur die Hand hob – und aus dem Bad entschwand.

Irgendwie stand ich dann da wie bestellt und nicht abgeholt. Es kam doch ein bisschen plötzlich, aber da war eben nichts zu machen.
Ich füllte meine Handflächen mit Wasser und tauchte mein Gesicht hinein. Komisch. Wieso hatte ich ständig das Gefühl, er wäre gar nicht weg? Stand immer noch so dicht hinter mir.. „Du bist ja völlig neben der Rolle.“ Ja, das war wohl der richtige Ausdruck. „Es gefällt mir..“
Seine Worte schwangen immer noch nach. Wären wir nicht auf seinen Freund zu sprechen gekommen, dieser Abend hätte sicher ein anderes Ende genommen.

Später lag ich auf meinem Bett, völlig nackt wie immer. Mein kleiner Freund ging in Position, denn schon der Gedanke an Angelo an sich rief ihn auf den Plan. Langsam begann ich zu wichsen, in meinem Kopfkino war allerhand los, hatte sich doch einiges angesammelt.
Langsam ließ ich Angelo sich vor meinem geistigen Auge ausziehen. Ich konnte jeden Zentimeter seines Körpers vor mir sehen, egal welchen. Ich küsste ihn auf den Mund, spürte seine Zunge an meiner.
Wie schön war doch dieses Gefühl. Seine kleinen Brustwarzen ließ ich dabei ebenso wenig aus wie den Bauchnabel. Fuhr den Haarstrich hinunter bis zu seinem dichten Schamhaar. Süße, anregende Düfte erwarteten mich dort.
Und wie toll es war, seine Eichel mit der Zungenspitze zu umspielen. Sein heißes Sperma in meinem Mund war das Letzte an was ich dachte, bevor mir mein eigenes auf Brust und Bauch spritzte.
Wie lange hatte das gedauert? Ein paar lausige Minuten höchstens.
Eine Mischung aus totaler Müdigkeit, Erschöpfung, Glücklichsein und Sehnsucht nach diesem schönen, vollkommenen Körper wühlte in mir und beruhigte mich gleichzeitig.
Ich beseitigte die Spuren meiner durchaus wohltuenden Tat, stand auf und zündete mir am offenen Fenster eine Zigarette an.
Tausend Gedanken gingen mir im Kopf herum, am meisten zu schaffen machte mir die Zukunft. Sie zu meistern, das war oberstes Gebot. Ich setzte mich auf die Fensterbank und dachte nach. Über mich, über ihn, über unsere Zukunft, aber es war alles so merkwürdig verschwommen.

Schön war es hier, einfach nur schön. Wegen ihm, dem Haus, dem ganzen Drumherum.

***

Die Sonne weckte mich, da ich wegen der Hitze den Rollo nicht heruntergelassen hatte. Mein Blick auf die Uhr ließ mich aufstöhnen. Es war gerade halb Sechs. Mitten in der Nacht für Leute in meinem, unserem, Alter.
Angelo würde mit Sicherheit noch schlafen, aber ich wurde von Minute zu Minute wacher. Wir wollten an den Baggersee, fiel mir dann rein. Was würden die anderen sagen? Wussten sie schon alles, weil ihnen Felix von mir erzählt hatte?
Ich hoffte es und plante auf der Stelle, was ich in der einen oder anderen Situation machen würde. Mit Sicherheit gab es Anspielungen, welcher Art auch immer. Aber alles was ich machen konnte war, mich und Angelo zu verteidigen.
Ja, ich würde sie links liegen lassen wenn sie sich gegen mich und meine Neigung stellen sollten. Schade am Ende, aber das war nicht zu ändern. Auch ein Preis, den ich womöglich zu zahlen hatte.
Es würde alles werden, nur nicht einfach, aber diesmal würde ich mich nicht aus der Verantwortung stehlen, stehlen wollen und auch nicht können. Angelo war mir viel zu wichtig geworden in diesen Stunden, wichtiger als alles andere auf der Welt.
Wenn ich mich ausgekannt hätte, wäre ich runter und hätte uns schon mal Kaffee gekocht. Aber dem war nun nicht so. Ich beobachtete, wie kleine Nebelfelder über dem Korn da draußen waberten, schon bald würden sie von der Sonne weggebrannt.
In den Bäumen auf dem Grundstück herrschte bereits das volle Vogelleben, eine Katze schlich über das Dach der Pergola, über der direkt mein Zimmerfenster lag. Keine Wolke am Himmel, auch das würde ein heißer Tag werden.
Trotz der Ungewissheit was meine Freunde sagen würden, freute ich mich auf den See. Und auf Angelo. Schon sein Name ließ es wieder überall in mir kribbeln. „Tu es doch einfach. Du bist doch geil bis zum Anschlag.“
Wer war das jetzt, die gute oder die böse Stimme? Beide? Ich spürte tatsächlich Lust. Es hatte seinen Reiz; so früh am Morgen, am offenen Fenster, allenfalls beobachtet von der Sonne und ein paar Spatzen in dem Baum.
Gerade als ich anfing an meinen Eiern zu spielen, hörte ich Geräusche. Sie kamen irgendwie von unten und waren zunächst nicht einzuordnen. Augenblicklich ließ mein Verlangen nach, ich mag es einfach nicht beim Wichsen gestört zu werden.
Ich lehnte mich aus dem Fenster und lauschte nach unten. War das Geschirr? Ja, so in der Art würde ich es einstufen. Und dann zog eine Duftwolke in meine Nase. Kaffee. Ohne Zweifel.
Rasch zog ich meine Short an, den Rest sparte ich mir. Leise öffnete ich die Tür, lugte in den Gang.
Aber hier war alles still. Mit jeder Treppe nach unten waren die Geräusche deutlicher zu hören, wenn auch nicht weiter definierbar. Langsam näherte ich mich der Küche. Das Kaffeearoma zog mich praktisch magisch an.

»Guten Morgen, Herr Bach.«

Gott, wie peinlich. Ich stand da so halbnackt unter der Tür und war Pauls Blicken schutzlos ausgeliefert. Ungewaschen und nur in der Short.. Ich nickte im ersten Schock nur, anschließend wusste ich nicht wie ich diesen Mann überhaupt ansprechen sollte.
Und zudem, dass er meinen Namen noch wusste.. Beim zweiten Blick fiel mir auf, dass er zwei Kaffeegedecke auf dem Servierwagen gerichtet hatte. Wollte er zusammen mit Angelo frühstücken oder wusste er, dass ich diese Nacht hier gewesen war?

„Herr Kassini wird wohl nicht so früh erscheinen, aber wenn Sie möchten, können Sie gern schon alleine Kaffee trinken. Ich decke draußen auf.«

Na ja, Höflichkeit war bei diesen Menschen letztendlich Pflicht und mich beruhigte, dass er mein Outfit nicht weiter zu beachten schien. Was mich nebenher schon eine Weile eher im Unterbewusstsein beschäftigte: Wo hatte ich diesen Namen schon einmal gehört oder gelesen? Es wollte mir einfach nicht einfallen.

»Wussten Sie dass ich hier übernachtet habe?«, wollte ich dann wissen.

»Herr Kassini hat mir einen Zettel auf den Tisch gelegt. Er bat mich auch, einiges für Ihren Badeausflug hinzurichten.«

Und damit war der gute Mann gerade beschäftigt. Wenn wir das alles, was er bereits so zusammengestellt hatte, mitnehmen würden, könnten wir wenigstens drei Tage wegbleiben. Aber mir war es recht, denn damit stand fest, dass es sich Angelo nicht doch noch anders überlegt hatte.
Mensch, der lag da oben in seinem Bett und ich stand hier..

»Ich werde mir nur noch rasch etwas anziehen«, sagte ich dann und Paul nickte, ohne mich anzusehen.

Auf dem Weg nach oben musste ich wohl oder übel an Angelos Zimmer vorbei. Anklopfen? Reingucken? Mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich weiß heute noch nicht, welcher Teufel mich da geritten hatte, aber ganz sachte klopfte ich an.
War er wach, so würde er es hören, schlief er noch würde ihn das nicht wecken. Hoffte ich zumindest. Es rührte sich nichts und langsam drückte ich die Klinke nach unten. Völlig geräuschlos ging das vonstatten und schon hatte ich, die Tür einen Spalt geöffnet.
Leichte Düsternis, wohl war hier der Rollo unten; fast, so wie bei mir oben an jenem Morgen.
Dort lag mein Traum, zugedeckt mit einem Laken. Und er schlief, tief und fest. Auf Zehenspitzen schlich ich mich zu ihm hin, ich hatte gar keine andere Wahl. Kein Nachdenken was ich da gerade tat, es passierte einfach.
Dann stand ich vor seinem Bett, er lag zu mir gedreht und ich hörte ihn leise und gleichmäßig atmen. Ein reizendes Bild, dieses friedliche Gesicht, die wirren Haare. Mir kam das Wort Unschuldig in den Sinn, was natürlich absoluter Quatsch war. Oder doch nicht? Wie gern hätte ich mich einfach zu ihm gelegt, ihn in den Arm genommen.
Vor seinem Bett ging ich in die Knie, immer auf der Hut keine Geräusche zu erzeugen, und sei es das Knacken in den Kniegelenken, was mir eigentlich immer passierte. Aber hier blieb es aus und so war ich dann nur noch ein paar Zentimeter von seinem Gesicht entfernt.
Diese herrlich langen Wimpern.. Ein Kuss, ja, das wäre es jetzt gewesen. Aber da riss ich mich zusammen. Wahrscheinlich hätte er nichts dagegen gehabt, aber ich wollte nichts provozieren. Immerhin war ich unerlaubt in sein Zimmer eingedrungen. Vielleicht würde er so etwas gar nicht wollen, egal wie wir zueinander standen.
Bevor mich mein gesunder Menschenverstand zu verlassen drohte stellte ich mich wieder auf und verließ das Zimmer so leise wie ich gekommen war. Ich wollte grade die Tür hinter mir schließen.

»Ralf?«

Ich zuckte zusammen. Er hatte gemerkt dass ich da war, wie auch immer.

»Ja?«

Nun war ich wirklich auf ein Donnerwetter gefasst, auf alles Mögliche.

»Hast du grad nicht was vergessen?«
Ich schob die Tür wieder auf und sah zu ihm hin. Er lag noch genauso da, nur konnte ich erkennen dass er die Augen geöffnet hatte. Was sollte ich schon vergessen haben? Rasch grübelte ich, aber der kleine Schreck saß mir noch zu arg in den Gliedern.

»Ich.. weiß nicht..«

»Ich denk aber schon dass du das weißt.«

Was auch immer er meinte, ich ging wieder zurück ins Zimmer und bleib dann auf halbem Weg stehen. »Was.. ähm.. also ich..« Ratlos sah ich mich um. Ganz sicher war hier nichts, was ich mitnehmen sollte.
Jetzt stütze Angelo seinen Kopf auf den angewinkelten Arm.

»Du musst schon näher kommen.«

Ich tat wie mir geheißen, noch immer völlig perplex. Einen Meter vor ihm hielt ich erneut inne.

»Und nun?«

Er streckte seinen Arm zu mir aus und winkte, dass ich zu ihm kommen sollte. Dem folgte ich ebenfalls, bis ich ganz dicht an seinem Bett stand. Jetzt begann wieder diese Vernebelung. Mir war, als würde ich schon auf diese Distanz seine Körperwärme spüren können und nicht zu vergessen, diesen tollen Geruch nach ihm, den ich mir aber mit Sicherheit nur einbildete. Ohne weitere Instruktionen abzuwarten, ging ich vor ihm in die Knie, genau wie zuvor. Und dann wusste ich auf einmal was er wollte. Sein Gesicht sagte es mir, sein Lächeln, das einfach unwiderstehlich war.
Angelo packte mich jetzt und zog mich ganz zu sich hin. Er fuhr mir durch die Haare.

»Ich hab geträumt von dir«, hauchte er fast.

»Oh, hoffentlich nichts Schlimmes.«

Mir war egal ob das wirklich so war oder er das einfach nur sagte.

»Nein, schlimm war’s nicht, eher schön.«

Ich wurde verlegen.

»Oh.«

»Ja«, flüsterte er und dann zog er mich so quasi zielgerichtet auf seinen Mund. Ein Kuss auf spitze Lippen..

»Das nenn ich anständig geweckt«, grinste er daraufhin.

»Angelo, du bist… der liebste Junge den ich kenne. Und einen zweiten gibt’s nicht. Aber warum hast du so lange gewartet.. ich mein, du wusstest doch dass ich im Zimmer war.«

Er schob mich sachte von sich.

»Ich wollte dich testen. Ob du schlafenden Jungs an die Wäsche gehst.. Aber nun lass mich aufstehen, wir sehen uns gleich beim Frühstück.«

Schade, ich hätte ihn gern gesehen wenn er die Decke zurückschlägt, garantiert schlief er nackt. Aber gut, man soll nichts überstürzen und so wie ich die Dinge dann betrachtete, würde es dazu bald reichlich Gelegenheit geben.

»Ich vergreife mich nicht an.. schlafenden Jungs.. allerdings war das vorhin.. äußerst knapp.«

Ich ließ ihn nur sehr ungern zurück, aber etwas Privatsphäre und ein wenig Anstand konnte er von mir verlangen. So eilte ich nach oben, geradewegs unter die Dusche. Mein kleiner Freund muckte zwar auf, aber ich ließ ihn in Ruhe.
Das musste jetzt einfach warten. Erleichtert stellte ich nach der Dusche fest, dass es sogar Rasierzeug gab. Ich musste nur vorsichtig sein, da ich Nassrasur nicht gewohnt war.

Nur wenig später saß ich auf der Terrasse, vor mir das wohl opulenteste Frühstück an das mich je erinnern konnte. Wie alles wieder zueinander passte. Und abgesehen davon, gegen so ein Leben hatte ich nicht das Geringste einzuwenden.
Neben Angelo sowieso nicht. Aufwachen neben ihm, ein Kuss zum Wecken.. Ich fand es einfach nur herrlich und vergaß dabei, dass ich auch ein eigenes Heim hatte, mehr oder weniger.
Ich nippte an dem Kaffee und nachdem sich Paul nicht mehr blicken ließ genehmigte ich mir eine Zigarette. Nur, das blieb dem livrierten Diener auch nicht verborgen, bereits nach zwei Zügen kam er und stellte mir einen Aschenbecher hin.
Hm, eine Zigarette vorm Frühstück.. ob er sich da so seine Gedanken machte? Gut, mit Sicherheit hatte er nicht die Befugnis, sich über dergleichen zu äußern. Und nun zweifelte ich auch nicht daran, dass er mein „Besuch“ in Angelos Zimmer registriert hatte.
Wahrscheinlich war es denen angeboren, ich würde das kaum unter das Fach „Neugier“ schieben wollen. Nur, wenn dem so war, was dachte er darüber? Und wenn er Gefahr im Verzug sah, wie stand er zu den Hausleuten? Nun gut, konnte mir auch egal sein. Sie durften alles, nur nicht versuchen, Angelo und mich auseinander zu bringen.

Ich war dermaßen in meinen Gedanken versunken, dass ich nicht bemerkte wie die Zeit verging. Angelo betrat die Bühne, begleitet vom betörenden Duft eines Duschgels. Er setzte sich wieder mir gegenüber, was mich nicht im Geringsten störte.
Denn so konnte ich ihn studieren. „Wenn ich ein Maler wäre, dann malte ich dein Bild..“ summte es in meinem Kopf.

Angelo schenkte sich Kaffee ein und sah mir in die Augen als er in ein Croissant biss. »Ist was?«, grinste er dann.

»Ja sicher ist was.« Ich sah mich um, Paul war nirgends zu sehen. Er musste nicht unbedingt alles hören, auch wenn ich nicht sicher sein konnte dass er das doch tat. Ich beugte mich weit über den Tisch um nicht laut reden zu müssen. »Immer wenn ich dich betrachte, ist was.«

Dieses verdammt schelmische Grinsen.

»So, so. Und was?«

»Du wirst jede Stunde schöner, find ich.«
Hurra schrie es in mir, er wurde rot. Nicht arg, aber er wurde es. Ich hatte ihn endlich einmal in Verlegenheit gebracht. r schluckte den Bissen hinunter.

»Aha.«

»Tja, wer weiß woran das liegt.« auch ich langte jetzt zu, der Hunger begann die Szene zu beherrschen.

***

Obwohl ich Angelo vor der ziemlich schlechten Straße zum Baggersee gewarnt hatte, fuhr er mit seinem Wagen bis an die Stelle, wo wir sonst unsere Fahrräder abstellten. Vielleicht drei Meter weg von dem Loch im Zaun.
Das war ein heftiges Gehoppel, aber Angelo störte sich überhaupt nicht daran. Was mir aufgefallen war: Keine Musik. Normalerweise hätte man einen Wagen wie diesen mit einem Fahrer in dem Alter viel eher gehört als gesehen. Auch ein Punkt, den ich an ihm zu lieben begann.

Alex, Jo, Felix.. sie waren da, ohne ihre „Frauen“. Das war eigentlich nicht so in meinem Sinn, aber gut, nicht zu ändern. Neugierig kamen sie sofort zum Zaun als Angelo den Wagen dort parkte. Und ich konnte ihre Blicke sehen. Neid, zweifellos.
Wenn sie schon über mich Bescheid wussten, dann umso besser. Angelo war eben nicht der Schwule, der in irgendein Klischee passte; so wie ich eigentlich auch nicht. Weder vom Aussehen, noch von der Kleidung her. Und einen Sportwagen wie diesen konnten sich wohl die allerwenigsten leisten.

Die drei krochen durch das Loch und liefen ohne ein Wort zu sagen um das Auto herum. Angelo lehnte gelassen an der offenen Tür und hatte die Arme verschränkt. Absolut cool, dachte ich.

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