Kochgeschichten – Teil 6

Klick! Klick! Klick! Klick! Klick! Klick! Pause! Klick! Klick! Klick! Klick! Klick! Klick! Die Digitalkamera macht zweimal hintereinander 6 Aufnahmen!

***

Matthias versteift sich zusehends!

Obwohl er sich erst vor ein paar Minuten massiv über Meli verströmt hat, ist er immer noch so aufgeputscht, dass seine Erregung anhält.

Und jetzt das!

Marlies steht mit einer Digitalkamera vor ihm und macht Aufnahmen. Von ihm und seiner Erregung! Dann richtet Marlies die Kamera auf Meli und lässt den Auslöser wieder automatisch sechs Aufnahmen hintereinander schießen. Während sie weiter ihre Beweisfotos macht, verzieht sich ihr Mund angewidert und verächtlich!

Dabei hat sie den jungen Pfleger doch vor ein paar Minuten selbst hergeholt und dabei noch mit ihm geschäkert! Matthias war doch immer so nett! Er hat doch immer gute Laune verbreitet! Er hat allen doch immer geholfen, wo er nur konnte! Er hatte doch immer einen coolen Spruch auf Lager! Er hatte doch immer ein so sonniges Gemüt!

Sie hat doch bisher immer so gerne mit Matthias zusammengearbeitet. Und jetzt das!

Marlies ist maßlos von Matthias enttäuscht. Außerdem kann sie sich nicht denken, warum er das gemacht hat.

Sie war und ist doch in ihn verliebt!

***

Die Schnabeltasse!

Die Schnabeltasse ist ihr wieder eingefallen, die wollte Marlies holen und ganz auffüllen.

Gerade als sie den Raum wieder betreten wollte, in dem Meli alleine lag, hört sie etwas von einer tuckigen Schwuchtel und dass Matthias wohl an Melis Schwanz rumspielen soll. Sie bekommt es mit der Angst zu tun!

War das noch der nette, freundliche, höfliche, immer hilfsbereite Pfleger? Sie stürzt zurück ins Schwesternzimmer, wo, wenigstens vor kurzem noch, Dr. Klaus, der Leiter der Intensivstation, saß und Berichte schrieb.

Gottseidank, da sitzt er noch. Mit wenigen Worten erklärt sie ihm die Lage.

Dr. Klaus ist schon länger in seinem Beruf tätig und des halb dementsprechend erfahren. Er befiehlt Marlies eine Kamera mitzunehmen, dann machen sie sich auf den Weg in den Raum in dem Meli liegt!

***

„… mehrmals in der Nacht spüren darfst. Mindestens drei – viermal werde ich dich glücklich machen. Wird toll für dich! Freu dich schon auf Morgen Nacht!“

„Oh ja…., das wird er mit Sicherheit! Denn ab jetzt hat er Ruhe vor dir!“

So etwas hat Dr. Klaus in all seinen ganzen Jahren als Arzt noch nicht erlebt!

Einen Pfleger, der immer noch total erregt vor einem Patienten steht. Und diesem Patienten sogar noch das Versprechen macht, in nachts zu besuchen!

„Was hast du…“ Dr. Klaus betritt bei seinen Worten den Raum ganz.

„Was soll denn dieser Dreck!!! Du hast dich an dem Patienten vergangen???“

Jetzt wird die Stimme Dr. Klaus’ schon bedeutend lauter. Und zwar so laut, dass wegen der Lautstärke bereits ein weiterer Pfleger angestürmt kommt.

„Pack gefälligst sofort deinen Schniedel ein. Das wird noch ein Nachspiel für dich haben! Gerald bringen Sie den gnädigen Herrn in mein Arztzimmer und dann rufen Sie jemanden von der Personalabteilung und vom Betriebsrat herbei!“

Er wendet sich an Marlies.

„Wessen Patient ist das. Wer hat ihn operiert? Dr. Klaus deutet dabei mit dem Kopf in Melis Richtung.

„Frau Dr. Klein. Und die hat ihn auch operiert.“

Marlies hat sich ganz gut gefangen und steht bereits wieder bei Meli, auch um ihn sich genauer anzusehen.

Dr. Klaus wendet sich noch mal an Gerald.

„Und rufen Sie bitte auch Dr. Klein herbei. Bleiben Sie bei diesem… diesem…, lassen Sie ihn nicht abhauen!“

Dann dreht er sich wieder zu Matthias um, der sich bisher überhaupt noch nicht gerührt hat.

Und das faszinierende und zugleich abstoßende: Der hat immer noch einen Steifen aus dem Hosenschlitz ragen!

Die Zornesfalte an Dr. Klaus’ Stirn beginnt zu pochen, als er das sieht!

Denn jetzt beginnt er richtiggehend zu brüllen!

„Du sollst gefälligst deinen scheiß Schniedel wegpacken! Und dann mach, dass du mir aus den Augen kommst!“

Matthias macht immer noch keinen Zucker. Gerald geht deshalb auf ihn zu, bringt dessen Harten irgendwie in die Hose und schließt auch den Hosenknopf. Dann bringt er ihn in das Arztzimmer. Matthias geht, als wäre er nur noch eine Marionette!

***

„… aus den Augen kommst!“ Meli öffnet langsam seine Augen wieder. Viel kann er zwar nicht sehen, weil sie in Tränen schwimmen. Aber es ist doch ein erstes Lebenszeichen von ihm. So bekommt er auch mit, wie Matthias aus dem Zimmer geführt wird. Seine Angst schwindet ein bisschen!

„Er blutet wenigstens nicht mehr Dr. Klaus. Ich werde Meli erst mal dieses Zeug abwaschen. Dann können Sie ihn sich genauer ansehen.“

Marlies verlässt kurz den Raum und kommt mit einer Schüssel und einem Schwamm wieder. Sie wäscht Meli Matthias Spuren ab, und redet dem Jungen dabei gut zu, dass er nun keine Angst mehr zu haben brauche.

Meli ist ja auch erst 16. Für sein Alter zwar weit, z. T. sehr weit, entwickelt. Aber trotzdem erst 16.

Nun kommt aber auch Frau Dr. Klein herein.

„Was ist denn passiert? Der Pfleger hat am Telefon nur gesagt, ich soll dringend kommen. Grüß dich Paul. Gibt es Komplikationen? Aber die OP war doch gut verlaufen. Oh… haben wir ihn mit dem Katheter verletzt, weil hier alles voll Blut ist?“

„Grüß dich Gerda. Nein, habt ihr nicht! Ein wild gewordener, oder besser gesagt, ein wohl obergeiler Pfleger hat ihn missbraucht! Marlies geben Sie Frau Dr. Klein bitte die Kamera. Sie soll selbst sehen, was ich meine.“

Frau Dr. Klein sieht sich die Fotos auf dem kleinen Display an. Sie ist schockiert! Und erschüttert! So eine Gemeinheit hätte sie niemandem zugetraut. Zum Teil kann man ihr die Emotionen vom Gesicht ablesen. Erschreckend!

Und das auf der Intensivstation!

Bei einem der Patienten, die sich am wenigsten wehren können!

Ausgerechnet dieser hübsche, nette Junge!

Langsam bekommt sie ihre Emotionen wieder unter Kontrolle.

Marlies hat Meli inzwischen fertig gewaschen. Sie hat ihn zugedeckt und, als sie ihm seinen Penis wieder saubermacht, mit kleinen Witzen abgelenkt. So ganz gelingt ihr das aber nicht. Nachdem sie Meli auch abgetrocknet hat, deckt sie seine Scham mit einem Handtuch zu. So liegt er jetzt wenigstens wieder etwas bedeckt in seinem Bett.

***

„Hallo mein Junge. Hab keine Angst vor mir. Du kannst dich zwar nicht daran erinnern, aber ich habe dich gestern operiert! Es tut mir sehr leid, dass wir dich nicht besser vor Matthias beschützen konnten!

Du bist so tapfer und musst doch schon so viel erleiden. Und ich muss jetzt auch noch weitermachen. Ich muss dein Schamgefühl nochmals verletzen und dich abtasten.

Später bekommst du dann zusätzlich noch eine örtliche Betäubung. Wir müssen dir eine Blasenspiegelung machen, Meli. Wir müssen feststellen, ob dich der Schlauch verletzt hat!“

Sie hält mittlerweile Melis Hand fest die leicht zittert! Sie streicht sanft über seinen Handrücken und lächelt ihm beruhigend zu.

„Meinst du, du hältst noch eine halbe Stunde durch Meli? Aber dann lassen wir dich auch wieder schlafen!“

Meli probiert es mit Galgenhumor.

„Aber nur, wenn ich da nicht nackt zu Fuß hinlaufen muss!“

Es ist mehr ein Krächzen, das Meli noch hervorbringt, aber Frau Dr. Klein versteht in trotzdem.

Doch auch diese Frau hat Humor. Gelegentlich kann sie ihn auch zeigen.

„Oh, für dich lassen wir die Apparaturen sogar durch das halbe Krankenhaus hierher zu dir bringen. Für so einen tollen Jungen machen wir doch alles!“

Sie beginnt bereits Meli zu Untersuchen.

„Weißt du, ich habe selber einen 20 jährigen Sohn. Alles, was ich jetzt gerade bei dir mache, das ganze Abtasten, das leichte Rumdrücken, das nochmalige Tasten an deinem Penis und an deinen Hoden, oder das Abtasten deiner Leisten, das alles habe ich bereits bei Julian, bei meinem Sohn gemacht.

Vor vier Jahren hatte er beim Skaten mal einen sehr bösen Sturz!

Da hatten wir den Verdacht auf einen Leistenbruch bei ihm. Was waren wir damals froh, als sich der Verdacht nicht erhärtete und die Untersuchung nichts ergab.

Allerdings hat Julian damals irgendetwas körperlich verändert!“

Den letzten Satz hat Frau Dr. Klein mehr zu sich selber gesprochen. Meli hat sie in der Zwischenzeit mit einer frischen Bettdecke zugedeckt.

„Darf ich Sie fragen, was für eine körperliche Veränderung das war? Wie ich mir das vorstellen muss?“

„Es ist…“

Marlies kommt mit der Apparatur für Melis Blasenuntersuchung zurück und enthebt damit Frau Dr. Klein der Antwort. Und die ist darüber eigentlich ganz froh! Denn sie weiß nicht, wie sie Meli das Problem ihres eigenen Sohnes erklären soll!

Dass Meli schwul ist, das kann sie ja nicht wissen!

„Ich erzähle es dir bei Gelegenheit, ja? Wenn du wieder etwas besser erholt bist und wir Zeit zum Reden haben.“

Meli nickt daraufhin nur. Irgendetwas am Gesichtsausdruck der Ärztin hat sich bei seiner Frage verändert. Als wäre ihr die Frage unangenehm. Deshalb lässt er es lieber mit der einen Frage bewenden.

Aber Marlies bittet er noch um einen Tee. Die Schnabeltasse kommt nochmals zum Einsatz.

Bei der Untersuchung stellt sich wenigstens heraus, dass der Schlauch keine weiteren großen Schäden angerichtet hat. Nur ein winziger Riss!

Das Wasserlassen wird Meli ein oder zwei Tage brennen.

Nach der Untersuchung und der guten Nachricht schläft Meli erschöpft ein!

***

Derweil Meli untersucht wird, muss Dr. Klaus sich einer noch weniger schönen Angelegenheit widmen. Er muss sich um Matthias kümmern! Nachforschen, warum dieser junge Pfleger so ausgetickt ist!

Die Vertreter von Betriebsrat und Personalabteilung warten schon vor seiner Tür. Er begrüßt die beiden und drückt ihnen dann die Kamera in die Hand, die er sich von Marlies vorher hat aushändigen lassen.

Der Gesichtsausdruck der beiden spricht Bände, als sie sich die Fotos ansehen. Die Worte ‚dieser Drecksack’ und ‚der hat sie wohl nicht mehr alle’ sind noch die mildesten, die fallen.

Dr. Klaus ist von Matthias enttäuscht. Sehr enttäuscht. Er hat ihn die ganzen Jahre eben anders kennengelernt.

Aber jetzt das!

Was ist mit dem Jungen nur los? Er ist doch noch nicht mal selber schwul! Hat er irgendein größeres Problem? Nimmt er etwa Drogen? Oder braucht er sonst Hilfe?

Die drei unterhalten sich vor der Tür noch etwas, wobei Dr. Klaus die anderen beiden bittet, es ruhig angehen zu lassen und sich vorerst zurückzuhalten. Er wolle erst einmal den Grund für Matthias Tat herausbekommen.

Sie betreten dann das Arztzimmer. Matthias steht regungslos neben der Tür, wo ihn Gerald hingestellt hat. Allerdings laufen Matthias jetzt Tränen über seine Wange!

Außerdem – an seiner grünen Pflegerhose gar nicht zu übersehen – hat er immer noch eine gewaltige Erektion!

Und – einen großen nassen Flecken an seiner Hose!

Die drei hereingekommenen sehen hilflos und zum Teil auch angewidert zu Gerald. Doch der schüttelt nur den Kopf und zuckt hilflos mit den Schultern.

„Vor knapp 10 Minuten fing es an in seiner Hose zu rumoren. Dann hat er einen Orgasmus gehabt. Jedenfalls wurde die Hose immer nässer! Und dann fing er an zu weinen! Was ist denn mit Matthias nur los, Dr. Klaus? Das ist doch nicht mehr unser netter Matthias!“

„Ich weiß es auch nicht Gerald! Leider! Aber irgendwas muss mit ihm passiert sein. Aber wann? Und was denn?“

Dr. Klaus geht einen Schritt auf Matthias zu und beginnt, ihn kräftig an der Schulter zu schütteln.

„Verdammt Matthias, was ist mit dir denn nur los? Komm doch endlich wieder zu dir! Matthias!“

Wieder schüttelt Dr. Klaus ihn kräftig!

Und endlich! Endlich zeigt sich bei Matthias eine Reaktion!

Seine Erregung geht schlagartig zurück und seine Augen werden wieder klar. Und riesengroß! Sein Bewusstsein und seine Erinnerung setzen wieder ein.

„Dda… das wollte ich… ich doch nicht! Habe… habe mich vor… vor diesem Jungen… Jungen doch nicht retten… retten können! In… meinem In… in meinem Innersten hat er… er irgendwas be… berührt! Hat mich doch… doch so maßlos erregt. Wie… wie… es war wie ein Zwang. Nackt… Musste ihn… ihn doch nackt sehen.

Ich… ich wollte ihm doch… doch nicht wehtun! So schön… ist doch so ein schöner Junge. Musste… ich musste das tun. Aber… aber ich… ich wollte ihm doch nicht wehtun… doch nicht wehtun!“

Matthias bricht zusammen und beginnt hemmungslos zu weinen. Er rollt sich dabei in die Fötusstellung zusammen!

Die vier Anwesenden sind erschüttert!

Was geht hier vor? Verflucht, was ist diesem Jungen passiert?!?

Das hier – das geht über einen normalen Nervenzusammenbruch weit hinaus! Denn solche hat Dr. Klaus schon genügend miterlebt!

Traurig sieht Dr. Klaus auf Matthias nieder, dann geht er ans Telefon. Selber kommen sie hier nicht mehr weiter! Er setzt sich mit der hauseigenen Psychiatrie in Verbindung und fordert von dort zwei Pfleger und einen Arzt an.

/Verdammt schade um Matthias! Ist doch so ein guter Junge! Hoffentlich bekommen sie ihn wieder hin. Aber dann muss auch geschaut werden, warum er so auf diesen anderen Jungen reagiert hat!/

Dr. Klaus gehen noch so einige Gedanken durch den Kopf, als die Pfleger mit dem Kollegen der psychologischen Abteilung bereits auftauchen!

Mit ein paar Worten setzt Dr. Klaus sie in Kenntnis der Lage! Der Kollege nickt verständnisvoll mit dem Kopf und setzt Matthias dann eine Spritze, die den Jungen dann wirklich ruhigstellt!

Dr. Klaus bittet noch darum, auf Matthias besonders gut aufzupassen, da er sich doch bisher ja auch nichts zu Schulden hat kommen lassen! Er werde sich mit ihnen dann wieder in Verbindung setzen, um zu sehen, wie es mit Matthias weitergehen kann und soll!

***

Drei Tage nach Matthias Zusammenbruch geht Dr. Klaus in die hauseigene Psychiatrie und setzt sich mit Matthias behandelndem Arzt in Verbindung.

Matthias ist ruhig, verhält sich still und auf sämtliche Tests reagiert er normal. Sie finden bei ihm keine Abnormität!

Aber warum hat er auf Meli dann so reagiert und nur auf Meli? Die Ärzte finden keine Antwort!

Die Ärzte, der Betriebsrat, aber auch die Personalabteilung sind sich darüber einig, den jungen Pfleger nicht einfach fallen zu lassen!

Sollte Matthias zustimmen, wird er zukünftig in der Verwaltung eingesetzt. Mit Patienten sollte er, auch darüber sind sich alle einig, nicht mehr in Berührung kommen.

Gestern ließ Matthias bei Dr. Klaus anfragen, ob er sich bei Meli entschuldigen dürfe. Es wäre ihm wichtig, wenn dieser junge Patient ihm verzeihen könnte.

Auch deswegen ist Dr. Klaus jetzt hier. Ja, auch sie sind neugierig, wie Matthias auf Meli reagieren wird.

Auch Frau Dr. Klein ist eingeweiht, einverstanden und bereit dabei mitzuwirken, aber auch selbst mit dabei zu sein, um evtl. eingreifen zu können! Denn sie schließt nicht aus, dass Matthias wieder auf Meli reagiert!

Auch mit Meli hat Frau Dr. Klein sich unterhalten, hat ihm die Situation erklärt, dass Matthias sich bis jetzt nichts hat zu Schulden kommen lassen. Eben bis auf den Ausraster hier bei ihm. Auch, das sich Matthias für das, was er getan hat, sich entschuldigen möchte! Sie lassen dies jedoch nur zu, wenn Meli auch wirklich bereit dazu sei!

Und Meli entschließt sich zu Frau Dr. Klein ganz ehrlich zu sein!

Das folgende Gespräch fällt Meli nicht ganz leicht und er bekommt auch einen roten Kopf dabei.

„Frau Dr. Klein, ich will ehrlich zu Ihnen sein. Weil…, vielleicht ist das ja der Grund für Matthias Tat!

Ich… ich bin… schwul!

Vielleicht ist es das. Weil ich schwul bin und Matthias das irgendwie gespürt hat! Er hat mir zwar weh getan, aber das kann ja auch meine eigene Schuld sein, weil ich schwul bin. Ja, ich nehme Matthias Entschuldigung an, wenn er meine annimmt! Wann kommt er?“

Frau Dr. Klein ist überrascht.

Dass Meli so offen mit ihr redet. Dass er sein Schwulsein vor ihr so ehrlich zugibt.

Vor allem aber, dass Meli sich auch bei Matthias entschuldigen will! Denn dazu besteht doch gar kein Grund!

Und eines – eines redet Frau Dr. Klein Meli sofort wieder aus.

Und zwar, dass er auch nur die geringste Schuld an Matthias Zustand hat. Das darf und braucht sich Meli nicht einzureden. Einfach aus dem Grund: Das sei nicht wahr!

Dann erzählt sie ihm, dass Matthias zwar bereits unterwegs sei, sie ihn jedoch nicht zu Meli gelassen hätten, wäre diesem das nicht recht gewesen. So aber müsste er eigentlich in ein paar Minuten hier sein!

Für den Freitag nachmittag bittet sie Meli dann noch um ein Gespräch. Frau Dr. Klein will Meli Julians Geschichte erzählen!

***

Es klopft an die Tür und Dr. Klaus und Matthias kommen herein. Matthias sehr zögernd, er hat jetzt doch Angst!

/Ja, ein wirklich schöner Junge. Vor allem seine riesengroßen Augen. Wie konnte ich das dem Jungen nur antun?/

Meli wurde ja inzwischen von der Intensivstation in ein normales Krankenzimmer verlegt. Allerdings ein Einzelzimmer.

Auch deshalb, dass Melis Vater Dr. Kantou, der ja auch in diesem Krankenhaus arbeitet, jedoch in einer anderen Abteilung und deshalb in einem anderen Trakt, ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen kann, ohne andere Patienten zu stören.

Meli sieht die Angst in Matthias Augen.

Um es diesem leichter zu machen streckt er Matthias den Arm entgegen während er bereits zu reden beginnt.

„Hallo Matthias! War wohl kein guter Start, den wir beide da hingelegt haben. Jetzt komm schon her, ich fresse dich bestimmt nicht, so viel ist ja auch wieder nicht an dir dran. Wenn ich an dem Schuld bin, was mit dir passiert ist, entschuldige ich mich bei dir!“

Immer noch streckt Meli Matthias die Hand entgegen.

Auch Matthias ist mehr als erstaunt. Dieser Junge entschuldigt sich bei ihm? Aber wieso? Der kann doch gar nichts für das, was er getan hat!

Jetzt nimmt Matthias Melis Hand. Und zuckt dabei zusammen!

Für eben diesen Moment, in dem er Melis Hand hält, gehen Emotionen durch seinen Körper. Er hat ein Glücksgefühl, das er nicht beschreiben kann.

Er weiß nur, dass ihm in diesem Moment ein kostbares Geschenk gemacht wird. Er kann nur nicht sagen wie und was!

„Nein, bitte entschuldige dich nicht bei mir. Ich muss mich bei dir entschuldigen für das, was ich dir angetan habe. Dass ich dir weh getan habe, tut mir wirklich leid. Bitte nimm meine Entschuldigung an!“

Meli streckt Matthias wieder die Hand entgegen. Wieder nimmt Matthias sie. Diesmal halten sie sie beide allerdings etwa drei Minuten fest.

Zwischenspiel:

Herr Obermeier ist noch in der Küche, weil er die Gewittertorten noch fertig verzieren muss, die er gerade gemacht hat. Ein neues Rezept. Mal sehen, wie das bei den Gästen ankommt.

Gewittertorte:

Tortenboden: 150 g Zucker, 3 Eier, 200 g gemahlene Nüsse, 1 TL Backpulver.

Belag: 4 Bananen, 1 Glas Sauerkirschen, 1 Päckchen Vanillepuddingpulver, 2 Becher Sahne, 1-2 Sahnesteif, Schokoraspeln und evtl. Eierlikör (aber nicht, wenn Kinder mitessen!)

Aus den Tortenbodenzutaten einen Teig herstellen und bei 175°C ca. 25 Min. backen. Die Bananen in Scheiben schneiden und auf den kalten Tortenboden legen.

Mit dem Kirschsaft und Vanillepuddingpulver einen Pudding kochen, die Kirschen unter die Masse heben. Diese Masse auf den Bananen verteilen. Kalt werden lassen.

Dann die Sahne steif schlagen und wellenartig auf der Torte verteilen, mit den Schokoraspeln und ggf. mit dem Eierlikör verzieren!

Piep. Piep. Piep. Piep. Piep.

/Kurz vor Feierabend muss natürlich der Pieper noch losgehen. Ist aber um diese Zeit sehr ungewöhnlich. Und die Nummer kenne ich natürlich auch nicht. Mal sehen./

Herr Obermeier geht an das Telefon, das beim hinteren Kücheneingang hängt. In ein paar Minuten ist Feierabend.

Er drückt einen bestimmten Knopf des Telefons und meldet sich mit seinem Namen.

„Hallo Stefan! Ist aber nett, dich zu hören!“

Michael! Stefans Herz beginnt ein freudiges Stakkato!

„Michael! Schön dass du noch anrufst! Wie geht es dir denn? Du hast doch keine Sorgen wegen deiner Tante oder? Du fehlst mir. Ich möchte dich so gerne wieder sehen. Erzähl doch bitte!“

„Ach ja. Meine Tante ist mit den Nerven total runter! Sie wird Morgen in ein Sanatorium verlegt. Ein Freund, der Arzt ist, hat mir das wärmstens empfohlen. Und für die nächsten sechs- bis sieben Wochen wird Tante unter Medikamente gehalten. Ob sie allerdings der nervlichen Belastung der vergangenen Wochen gewachsen war, wird man sehen. Ich fürchte allerdings nicht.

Hältst du mich jetzt für gefühlskalt, wenn ich dir sage, dass mir das nichts ausmacht?! Aber weißt du, Stefan, seit Onkel Gustav nicht mehr da ist, ist das Verhältnis zwischen Tante und mir schon sehr abgekühlt.

Ihre Einladung zum Essen habe ich auch nur angenommen, weil ich neugierig war, was sie eigentlich wollte. Aber das hat sich dann ja auch herausgestellt. Erschreckend!“

Michael macht eine kurze Pause und schnauft dann kräftig durch.

„Stefan? Kann ich… weißt du, ich… Hmmhnm. Darf… darf ich heute noch zu dir kommen? Und wenn du mir nur ein paar Minuten schenkst. Bitte Stefan!“

„Nö! Wegen ein paar Minuten auf gar keinen Fall!“ Pause!

„Hast du Morgen etwas dringendes zu erledigen, Michael?“

„Nein. Nein, habe ich nicht. Warum denn?“

„Bis wann bist du denn hier, Michael? Ach so, ich lass dich dann aber nicht mehr gehen! Ich werde dich zwingen, die ganze Nacht mit mir zu verbringen. Und wenn du die Nacht mit mir überlebst, bekommst du dann dafür morgens Frühstück! Was du da besonders magst, weiß ich ja inzwischen. Ja, bitte komm Michael. Ich warte auf dich, mein Herz!“

„Schlafanzug brauche ich nicht oder Stefan?“

Klick! Und schon beendet Michael die Verbindung. Michael stürzt sich in seinen Porsche Cayenne und flitzt geradezu zu Stefan.

Er freut sich. Auf den kommenden Abend. Ja, auf Stefan freut er sich wirklich! Denn dieser Mann tut ihm bestimmt nie weh! Ja, Stefan wird Michaels Grenzen mit Sicherheit akzeptieren!

Er ist ja sowieso zu vielem bereit! Und für vieles Neue offen und auch neugierig darauf! Er probiert doch auch gerne Neues aus! Nur keine Gewalt!

Gewalt fürchtet er! Und seit seiner letzten Beziehung mehr als vorher! Die Narbe an seinem Rücken! Was wohl Stefan dazu sagen wird? Hoffentlich stört sie ihn nicht!

***

Die Narbe! Weil er aus dem Bett gesprungen ist. Weil er sich nicht an das Bett fesseln lassen und sich von zwei Bekannten seiner damaligen Beziehung (Michael versucht, dessen Namen zu vergessen und spricht in deshalb auch nie aus) vergewaltigen lassen wollte.

Dem einen sah man seinen Tripper bereits an.

Und der andere strahlte die Gewalt und Brutalität geradezu aus. Mindestens der hätte ihn mit Freude brutal vergewaltigt. Und je mehr er geschrieen und je mehr Schmerzen er gehabt hätte, desto besser hätte der andere wohl seinen Orgasmus genossen!

Nur sein lautes Rufen, dass irgendwo Feuer ist, dass es brennt, hat ihn gerettet! Weil andere Wohnungsnachbarn nachsehen und helfen wollten.

Nur mit deren Hilfe konnte Michael abhauen!

Aber wollten sich diese drei Monster nicht deswegen bei ihm rächen?!?

Aber Stefan ist anders! Ihm vertraut Michael! Außerdem sehnt er sich doch so sehr nach Liebe! Die beiden lassen sich Zeit. Sie geben sich Zeit, sich erst kennenzulernen.

Ins Bett und miteinander schlafen können sie immer noch. Aber erst soll Vertrauen da sein, soll für beide die Basis stimmen!

Stefan, also Herr Obermeier, fragt in der Küche nach, ob noch etwas anstehe. Da wird aber mittlerweile schon wie wild geputzt!

So sucht er sich noch einen Kellner und gibt das Frühstück für sich und Michael in Auftrag!

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