Das Leben ist nicht immer Fair

Die Antwort habe ich bis heute nicht herausgefunden! Aber eines weiß ich, ich bin froh mich gefunden zu haben mit allen Höhen und Tiefen!

Wann habe ich gemerkt, dass ich anders bin? Schwul!

Ich war vierzehn und was sah ich mir in dem Alter an? Halbnackte Männer in Katalogen.

Ach ja hab mich ja nicht mal vorgestellt, mein Name ist Stefan und bin jetzt 23 Jahre alt.

Ich denke oft zurück an die schönen und auch weniger schönen Tage in meinem Leben.

Meine Gedanken gehen wieder zurück. MMHH vierzehn das war noch was. Also weiter, ich begann mir Gedanken zu machen über mich, wurde ruhiger und zog mich oft in mein Zimmer zurück, wollte eben meine Ruhe haben.

In der Schule waren Schwulenwitze an der Tagesordnung. Haste mal einen Jungen etwas intensiver angesehen, kam gleich die Frage „Biste SCHWUL?“

Ich zog mich zurück, wollte ja auch irgendwie dazugehören. Ja zu der so NORMALEN WELT. Das war ein Fehler, dass sollte ich später erst merken.

Nun zurück, unter Zwang versuchte ich ne Freundin zu finden. Habe ich dann auch nur das ich tief in mir drin nicht glücklich war. Die Schule war dann zu Ende und ich begann meine Lehre als Koch. Der erste Tag war nicht gerade toll, alle mussten sich vorstellen und das tat ich dann auch. Tja die erste Woche ging noch, aber dann mussten wir in so ein Sportlager. Der erste Tag dort im Lager, war noch ganz in Ordnung, aber dann fing mein ganz besonderer Alptraum an, der mich bis heute begleitet.

Um sechs Uhr weckte mich recht unsanft eine Lautsprecherstimme. Die Jungs auf unserem Zimmer murrten. Ich schwang meine Beine aus dem Bett und lief zum Schrank um meine Badetasche zu holen.

„Kieck mal Ede der Schwuli ist der erste. Will wohl abchecken wer den nettesten Arsch hat!“

Ich bekam eine Gänsehaut, meinte er mich? Ich beschloss für mich, nicht hinzuhören und ging mit Badetasche und Handtuch bewaffnet zum Waschraum.

Dort angekommen, putzte ich mir die Zähne und danach wusch ich mich. Dabei ging mir diese blöde Bemerkung nicht aus dem Kopf. Wen meinten Sie? Mich? Aber warum?

Mit diesen Gedanken ging ich zurück zu unserem Schlafraum um mich anzuziehen.

Kaum war ich dort angekommen, kam Michael auf mich zu: „Du sag mal stimmt das?“

„Was soll stimmen?“ fragend sah ich ihn an.

„Na das de Schwul bist!“

„Was soll das? Zum mit schreiben NEIN ich bin nicht schwul!“

„Ach so weil Rudolf das sagte!“

„AHA was Rudolf sagt muss stimmen, oder wie soll ich das verstehen?“

„Sorry hab ja nur gefragt!“

Na super, was geht hier ab. Mir wurde schlecht, so richtig. Bin ich jetzt im falschen Film? Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich mit Michael zum Frühstück.

„He Leute da kommt ja das Stück Scheiße. ÄHHH Schwuler na haste die Ärsche begutachtet?“

Alles fing an zu lachen und es wurden in meine Richtung einige obszöne Worte geworfen. Ich wusste in dem Augenblick nicht was ich sagen oder machen sollte. Also sagte ich nichts und setzte mich hin um zu Essen.

„Schwuchtel Du setzt Dich nicht neben mir, haste verstanden!“ dabei landete mein Teller mit dem Brötchen, dass ich mir gerade genommen hatte, auf dem Boden.

Was geht hier nur ab? Was habe ich denen denn getan. Tränen drückten sich in meine Augen und verschleierten meinen Blick. Für kurze Zeit sah ich nichts, nur die Stimmen die an meinem Tisch von irgendeinem Schwulen redeten und ihn beschimpften.

Mein Gehirn registrierte, dass Sie mich meinten. Aber ich habe doch gar keinem was getan. Eine Stimme in meinem Kopf beantwortete meine stumme Frage. Muss man was getan haben um von solchen Idioten abgestempelt zu werden?

Nein, war meine stumme Antwort, sie haben einen den sie verheizen können. So stand ich auf und bückte mich um meinen Teller aufzuheben. In dem Augenblick registrierte ich erst den Fuß der auf mich zukam und mich in die rechte Seite traf. Natürlich verlor ich gegen den Fuß und fiel auf meine linke Seite.

„Jetzt reicht es, hört sofort auf!“

Eine Hand schob sich in mein Blickfeld und packte mich an der Schulter.

„So du setzt dich zu uns!“ dabei zog mich diese Hand nach oben. Wie ein begossener Pudel wurde ich von dieser Hand zu einem Tisch gezogen.

„Hat hier auch irgendwer was dagegen, dass ER bei uns sitzt?“

Es kam keine Antwort und ich wurde auf einen der Stühle, die frei waren gedrückt.

„Hier trink erst mal was.“

Erst jetzt registrierte ich, dass es total ruhig im Essraum war.

„Danke! Warum machen die das?“

„Weil sie dumm sind und ihr Hirn kleiner als eine Wallnuss ist! DARUM! Wie ist Dein Name?“

„Mein Name ist Stefan!“ kam es leise von mir. Ich wollte nicht, dass alle meinen Namen hörten.

„Und Deiner?“ kam von mir die Gegenfrage.

„Patrick“

„Danke, das Du mir geholfen hast!“ ich konnte in dem Augenblick nicht mehr und fing an zu weinen.

„He ist in Ordnung!“

Ich nahm die Tasse und fing an zu trinken. An dem Tisch, an dem ich saß war es verdammt ruhig.

Was ging hier bloß ab, was nur?

„So auf Leute zu euren Gruppen!“

Ich stand zögernd auf, sollte ich zu meiner GRUPPE gehen?

Musste ich wohl. Ich sah kurz zu Patrick, der nickte mir zu.

„Wir sehen uns zum Mittagessen! Alles klar?“

Ich nickte und ging los. Draußen auf dem Appellplatz angekommen, sah ich meine Gruppe schon stehen.

„Ach da kommt ja unser Schnuckel!“ das kam eindeutig von Ede.

„Was hab ich Dir denn getan, dass Du so ein Scheiß von Dir lässt?“ fragend sah ich ihn an.

„Schwuli sieh mich nie wieder so an, ansonsten haste meine Faust im Gesicht!“

Wie bitte was hat der da gerade gesagt. Die anderen standen alle nur da, keiner aber auch kein einziger sagte einen Ton.

Eh ich irgendetwas sagen konnte, sah ich unseren Truppenführer auf uns zukommen.

„So Leute jetzt wird etwas Sport gemacht!“

Wie nicht anders zu erwarten wurde am gesamten Vormittag, blöde Sprüche in meine Richtung abgelassen. Wie einer von der Pest gekennzeichneter wurde ich in den Pausen gemieden.

Alleine saß ich jedes Mal da und dachte nur lass mich bitte aus diesem Alptraum aufwachen. Aber der Alptraum hörte nicht auf und mein Körper agierte wie ein Roboter und machte alles mit.

Nach dem Abendessen, ich saß wie immer bei Patrick am Tisch, ging ich in mein Zimmer und wollte nur noch unter die Dusche. Kaum im Waschraum angekommen, kamen schon die ersten blöden Sprüche.

„Äh die Schwuchtel will duschen!“

Ich sah mich nach einer freien Dusche um, aber alle waren belegt. Da es nur vier Duschen gab standen teilweise zwei bis drei Jungs unter einer Dusche.

„Schwuchtel für Dich ist hier kein Platz!“

Na dann eben nicht, dachte ich bei mir und ging zu den Waschbecken um mich dort zu waschen. Nachdem ich fertig war, nahm ich meine Waschtasche und ging zurück auf unser Zimmer. Dort angekommen zog ich mir meinen Schlafanzug an und legte mich in mein Bett.

Was war hier nur los? Ich fing an zu weinen und musste darüber eingeschlafen sein, denn das nächste was ich hörte war der obligatorische Weckruf zum Frühsport.

Langsam stand ich auf. Zu meiner Verwunderung kam von den anderen kein derber Spruch. Müde wie ich noch war ging ich in den Waschraum und wer stand dort am Waschbecken alleine, EDE!

„Morgen!“ sagte ich gequält und ging zu einen der Waschbecken.

„Willste was von mir Schwuchtel?“

„Was soll das? Ich habe dir nichts getan, lass mich einfach in Ruhe!“

Es kam auf meine Frage, keine Antwort nur weitere beleidigende Sprüche. Na toll soll das jetzt immer so weiter gehen? Wie soll ich das durchhalten? Beachte sie einfach nicht und höre nicht auf das was sie sagen, ging es mir durch den Kopf. OK die Woche bekommen wir hinter uns.

Der Tag verlief genau wie der vorherige. Immer wieder dumme Sprüche und Beleidigungen.

Patrick saß jedes Mal beim Essen neben mir und machte mir Mut das durchzuhalten.

„Stefan sag denen doch dass sie dich mal können.“

„Hab ich schon. Ich habe sogar Ede gefragt was das ganze soll, darauf hat er mir nur gedroht.

„Keine Antwort ist auch eine Antwort!“ sagte ich resigniert.

„Spreche doch mal mit unserem Schuldirektor und bitte ihn um Hilfe!“

„MMHH eine gute Idee, werde ich machen.“

Nachdem Abendessen ging ich nicht in unseren Schlafraum, sondern machte mich auf den Weg zu eben diesen Schuldirektor. Er ist ja schließlich Pädagoge oder wie das auch immer hieß.

Dieser saß als ich zu seiner Baracke kam davor und las eine Zeitung.

„Entschuldigung hätten sie kurz Zeit für mich? Ich habe ein großes Problem!“

„Na wenn es nicht lange dauert, dann erzähl mal!“

Ich erzählte diesem Herrn also über mein Problem, nachdem ich fertig war, schwieg er eine Weile.

„Hast Du irgendetwas getan, das sie dazu bringt dich so zu beschimpfen? Einen Grund muss es ja dafür geben!“ nachdem der letzte Satz heraus war, sah ich ihn erschreckt an.

Wie bitte? Was meinte er, ich hätte Schuld!

„Ich habe gar nichts gemacht, die fingen urplötzlich damit an!“, versuchte ich mich auch noch zu verteidigen.

Was dann von ihm kam, war nur gequirlte Scheiße. Ich sollte mich nicht so haben und und und ….

Wortlos stand ich auf und ging. Soviel zu unserem Herrn Pädagoge. Nachdem was ich verstand, sollte ich nicht hinhören und sowieso trage ich ja auch einen Teil Schuld dafür, dass es so gekommen ist.

Ich war sprachlos und ging zurück. Patrick und ein paar andere saßen draußen vor einer der Baracken.

„Na und konnte er dir helfen?“

Verneinend schüttelte ich den Kopf und erzählte was dieser A… mir gesagt hatte. Die anderen die bei Patrick saßen und alles mit anhörten schüttelten nur die Köpfe.

„Das gibt es doch nicht und so etwas nennt sich Pädagoge und Lehrer.“ Fassungslos sah mich Patrick an.

Ich nickte nur, denn selbst ich verstand die Welt nicht mehr. Das Martyrium ging für mich am nächsten Tag weiter. Es blieb dann nicht nur bei Sprüchen sondern sie schubsten mich rum wann immer sie konnten.

Wenn ich auch nie an Selbstmord gedacht hatte, in dieser einen Woche dachte ich ständig daran. Das einzige was mich davon abhielt, war meine eigene Feigheit. Heute im nach hinein war ich dankbar, das ich den Mut dafür nicht aufgebracht hatte.

Am letzten Tag wurden wir mit Bussen zum Bahnhof zurück gebracht. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein nervliches Wrack, nach außen hin ließ ich mir nichts anmerken. Innen drin in mir sah es eher verheerend aus.

Patrick und einige andere standen zwar zu mir, aber keiner gab so richtig Paroli gegen die anderen. Wenigstens hatte ich noch welche die mit mir sprachen.

Bei den Bussen angekommen, sah ich Patrick in einen der Busse einsteigen. Leider war der Bus schon voll, so dass ich einen anderen nehmen musste. Ich stieg dann in diesen ein. Als ich mich im Bus umsah, musste ich feststellen, dass alle Sitze schon belegt waren. Also musste ich stehen. Vor mir saßen zwei Lehrer und redeten miteinander. Als der Bus anfuhr, hörte ich aus den hinteren Reihen die Stimme von Ede und seinen Kumpels.

„Seht mal die Schwuchtel ist ja auch hier drin. Schwuchtel zeig mal deinen Arsch!“

Lass Dich nicht fertig machen, sieh raus in die Landschaft. Höre nicht zu… und so weiter, ging es mir durch den Kopf.

Leute könnt ihr euch vorstellen wie lang dreißig Minuten sein können? Nein? Ich weiß es jetzt!

Von den beiden Lehrern kam nicht ein piep nichts. Keine Reaktion, keine Aktion. NICHTS.

Am Bahnhof angekommen stieg ich aus und versuchte soviel Abstand zu den anderen zu bekommen wie es nur ging. Irgendwann stand ich auf dem Bahnhof, in der Näher einer Gruppe von älteren Schülern. Einer von denen sah kurz zu mir und sagte etwas zu den anderen.

„He Du komm doch zu uns, wir beißen nicht!“ kam es dann von einem aus der Gruppe.

Ich nahm meine Tasche und ging zögernd näher.

„He, brauchst keine Angst zu haben, wir tun dir nichts! Du bist doch der, den die untere Jahrgangsgruppe so fertig macht?“

Ich nickte, dabei konnte ich mir nicht die Tränen zurück halten.

„Ist alles in Ordnung!“ kam es von einen der Mädels die bei der Gruppe standen.

Ich konnte nur nicken. Ein großer Kloß verschloss meine Kehle, es kam kein einziges Wort heraus.

„He ihr das ist ne Schwuchtel, mit dem würde ich mich nicht anfreunden!“ kam es hinter mir von einem Jungen der in meine neue Klasse ging.

„Was willst du Arsch uns damit sagen?“ kam es von einem aus der Gruppe, bei der ich stand.

„Hast wohl dein letztes bisschen Grips beim Schiessen verpulvert oder was?“

Aus den Augenwinkeln sah ich wie der Junge erst blass wurde und sich dann umdrehte.

„Lass den quatschen, der ist doch nicht ganz sauber. Komm du bleibst erstmal bei uns!“

So fuhr ich dann im Zug mit der Gruppe mit. Jonas, Stefanie und die anderen waren super nett und ich fragte mich, warum ich nicht die im Lager getroffen hatte. Jedenfalls vergaß ich für ein paar Stunden, den ganzen Mist und konnte auch wieder lachen. Ja mein Lachen war zurück, jedenfalls jetzt in diesem Moment.

Kaum zu Hause angekommen, wurde ich schon von unserem Hund Berry freudig empfangen. Als ob er spürte, dass etwas nicht stimmte blieb er an meiner Seite. Meine Eltern saßen mit meiner Schwester vor dem Fernseher, denn es war ja schon neun Uhr abends.

„Na Stefan, alles klar und wie war das Lager?“

„Ging so!“ kam es knapp von mir. Meine Mutter sah zu mir und sah mich etwas länger an.

„Ist wirklich alles in Ordnung mit Dir?“

„Ja Mutti es ist alles in Ordnung. Ich bin nur müde.“

Ich ging in mein Zimmer nach oben und schloss die Tür hinter mir. Puh endlich in meinen vier Wänden. Ich warf meinen Recorder an und hörte James Blunt. Ich legte mich auf mein Bett und sah zur Decke. Da klopfte es an die Tür.

„Ja?“ kam es fragend von mir.

Die Tür ging auf und meine Mutter sah rein.

„Darf man?“

„Klar darfst Du!“

Sie kam rein und schloss die Tür hinter sich. Dann setzte sie sich zu mir auf das Bett.

„Wirklich alles klar mit Dir? Du machst so ein bedrücktes Gesicht!“

„Nee ist wirklich alles ok. Bin bloß müde!“

„Wenn Du mit mir sprechen willst, dann komm zu mir Stefan!“

Ich nickte zu ihr hin und sie stand auf und verließ das Zimmer. Als ich nochmals nach unten in das Bad lief, hörte ich aus der Wohnstube die Stimme meiner Mutter.

„Klaus irgendetwas ist mit Stefan, er sieht irgendwie fertig aus.“

„Wenn er was hat, dann wird er es uns schon sagen!“ kam es von meinem Vater.

Ich lief leise zum Bad und danach wieder in mein Zimmer. Ich schlief diese Nacht genauso schlecht wie im Lager und wachte ständig auf. Da ich den nächsten Tag noch frei hatte, stand ich auch dementsprechend spät auf.

Geschlaucht wie ich war, stand ich dann irgendwann im Bad und machte mich Tageslicht tauglich. Heute wollte ich noch zu meiner Freundin, wir hatten uns schon zwei Wochen nicht gesehen. Also erst was futtern und dann ab mit dem Fahrrad. Bei ihr angekommen, klingelte ich an der Haustür. Kurz darauf ging die Tür auf und ihre Mutter stand vor mir.

„Hallo Stefan, Petra ist in ihrem Zimmer. Kannst durchgehen.“

Ich ging dann durch die Wohnung und klopfte an ihre Tür.

„Ja wer stört!“ kam es genervt.

„Ich bin es nur.“ Dabei öffnete ich die Tür und trat in ihr Zimmer.

„Ach du, ich dachte jemand anderes!“

Was ist denn das für eine Begrüßung, fragte ich mich und sah Petra an. Sie sah ziemlich genervt in meine Richtung.

„Störe ich etwa? Soll ich wieder gehen?“

„Nee wenn Du schon mal da bist!“

Was war hier bloß los? Das Rätsel löste sich dann ganz schnell auf, da sie kurze Zeit später von einem Typen aus ihrer Berufsschule schwärmte und so wie ich es verstand, waren die beiden auch schon zusammen ausgegangen.

Wenn schon totales Tief, dann glaube ich hatte ich das tiefste Tief erreicht. Ich verabschiedete mich nach zwei Stunden und fuhr mit meinem Rad nach Hause. Auf der einen Seite war ich froh, da ich für Petra nicht wirklich was empfand. Aber warum schwärmt sie mir von dem Typen was vor, anstatt mir nur zu sagen, dass sie einen neuen Freund hat. Tja viel Grips hatte sie noch nie und so wie ich mal später erfuhr, hatte sie den wenigen Grips auch noch im Alkohol ersoffen.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Garten und mähte den Rasen. Da ich am nächsten Morgen ziemlich früh raus musste, ging ich auch früh zu Bett. Der nächste Tag fing um vier Uhr dreißig an, da klingelte nämlich mein Wecker.

Ich stand gequält auf und lief nach unten ins Bad. Nachdem das erledigt war, ging ich in die Küche und machte mir einen Kaffee. Puh das war dann auch geschafft.

Angezogen und etwas munterer ging ich dann los, zu meinem ersten richtigen Arbeitstag. Ich fuhr mit der Straßenbahn, bis Friedrichstrasse und stand kurz darauf vor dem Hotel. Na dann los, sagte ich zu mir und ging zum Personaleingang.

Von dort ging ich weiter in den Umkleideraum und begann mich umzuziehen. In dem Moment wo ich gerade meine Arbeitshose hochzog, wurde die Tür geöffnet. Ich sah kurz auf und erkannte Frank, der in meine Klasse ging.

„Schwuchtel wag es ja nicht mich anzuquatschen!“ kam es von ihm.

Ich sah ihn kurz an und ging an ihm vorbei, aus dem Umkleideraum. Als hinter mir die Tür zuschlug, merkte ich erst wie meine Beine anfingen zu zittern und dann kam das was man wohl einen Nervenzusammenbruch nannte. Jedenfalls klappte ich wie ein Taschenmesser zusammen und fing an zu heulen.

Das absolute Tief war also jetzt erst erreicht und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Einer der Köche die hier arbeiteten, fand mich vor der Tür. Er führte mich erst mal in das Büro unseres OBERKOCHS. Der kam dann kurz darauf und setzte sich auf einen der Stühle die im Raum standen.

„Geht es dir nicht gut?“

Was für eine Frage, ich hätte lachen sollen über diese Frage. Mir ging es so super, das ich hier saß meine Arme um mich geschlungen hatte und hemmungslos heulte. Natürlich bekam er keine Antwort von mir.

„Junge du ziehst dich um und wirst nach Hause gehen.“

Tja wie ein Roboter bewegte sich mein Körper in den Umkleideraum und fing an mich umzuziehen. Dann verließ ich das Hotel.

Zu hause angekommen, sah ich dass meine Mutter schon von der Arbeit zurück war.

„Was machst Du denn hier?“ erschrocken sah mich meine Mutter an.

„Mir geht’s nicht so besonders!“

„So siehst du auch aus. Setz dich und jetzt erzählst du mir alles!“

Und ich fing an zu erzählen, dabei wechselte ich ständig zwischen erzählen und Heulkrampf.

Irgendwann lag ich in den Armen meiner Mutter und hörte nicht mehr auf zu weinen.

„So Sohnemann du gehst jetzt erstmal ins Bad und machst dich frisch. Dann werden wir heute Abend den Familienrat einberufen.“

Am Abend saßen meine Eltern und meine Schwester mit mir zusammen. Ich erzählte in Kurzform was los war.

„Das gibt es doch nicht und dieser Direktor hat nichts unternommen?“

Ich schüttelte als Antwort, zu der Frage meines Vaters, nur mit dem Kopf.

„Günther ich lass es nicht zu, dass der Junge da noch mal hingeht. Erstmal werde ich mit ihm morgen zum Arzt gehen und ihn krankschreiben lassen.“

„Ja und dann, was willst du dann machen?“

„Wir werden zur Berufsberatung gehen! Es wird ja noch andere Berufe geben, die ihm gefallen werden.“

Am nächsten Tag, waren wir dann erst einmal beim Arzt und dann gingen wir weiter zum Berufsberatungszentrum. Meine Mutter erklärte der Dame dann um was es ging und diese nahm mich dann mit in ihr Büro.

Dort angekommen fragte sie mich, was ich denn für Hobbys hätte. Ich fing dann alles was mir Spaß machte aufzuzählen. Da ich kein schlechtes Schulzeugnis hatte, zeigte sie mir dann was an Berufen in Frage kam.

Da ja die Berufsausbildung schon für alle angefangen hatte, konnte ich entscheiden ob ich ein Jahr aussetzte und dann erst mit einer neuen Berufsausbildung anfing, oder aber jetzt noch in eine schon laufende Berufsausbildung ging. Ich entschied mich für die zweite Variante, ich wollte nicht ein Jahr zu Hause rumhängen. So kam ich zu meinem neuen Beruf.

Danach machte die Dame mit mir alles klar und telefonierte dann mit der neuen Ausbildungsstelle. Nach drei Stunden stand ich dann mit meiner Mutter wieder auf der Strasse.

„So Junge und morgen fahren wir zu Deiner alten Schule, diesen Direktor möchte ich noch einiges auf den Weg geben.“ so wütend hatte ich meine Mutter noch nie gesehen.

Am nächsten Tag waren wir dann auf den Weg zu meiner jetzt ehemaligen Berufsschule. Meine Mutter schritt energisch aus und ich hatte mühe mit ihren Schritten mitzuhalten. Was dann im Zimmer des Direktors abging, kann ich immer noch nicht in Worte kleiden.

Meine Mutter stand vor ihm und lies ihn nicht einmal zu Wort kommen. Ein Wirbelsturm war dagegen eine leichte Brise. Jedenfalls nachdem meine Mutter ihren Redeschwall beendet hatte, saß dieser Herr klein und zusammengesunken in seinem Stuhl und stammelte etwas von wie leid es ihm täte.

„So Junge, die Schulbücher kannst du gleich hier auf den Tisch packen und dann gehen wir.“

Nachdem ich die Bücher auf den Tisch gepackt hatte, verließen wir das Zimmer. Im Sekretariat standen einige Lehrer, die hatten wohl die LEISE Ansprache meiner Mutter mitbekommen. Sie sahen jedenfalls betreten weg.

Draußen vor der Schule stand Patrick mit ein paar von den Jungs, die zu mir gestanden hatten.

„Hi wie geht’s Dir?“ kam es fragend von ihm.

„Wer ist der Stefan?“

„Mam das ist Patrick einer derjenigen der mir beigestanden hatte!“

„Ach so, na dann verabschiede dich von ihm und dann fahren wir nach Hause!“

Ich wandte mich zu Patrick und erzählte ihm in Kurzform was nach dem Lager noch passiert war.

„Pass auf Dich auf und ich würde mich freuen wenn ich was von dir höre!“ dabei gab er mir ein Stück Zettel und ging mit den anderen in die Schule zurück.

Im Bus nahm ich den Zettel und fing an ihn zu lesen.

Hi Stefan,

es tut mir so Leid was dir passiert ist. Ich mag Dich und würde mich freuen wenn wir mal was zusammen unternehmen könnten.

Wenn Du Lust hast, hier meine Adresse:

Patrick Limbach

Vogtstrasse 23

Berlin Lichtenberg

Also bis hoffentlich bald und alles Gute für Dich!

Patrick

Ich las den Zettel vielleicht viermal und plötzlich wurde mir bewusst, dass auch ich Patrick mochte.

Am Abend kam dann meine Schwester zu mir ins Zimmer.

„Na Brüderchen geht’s jetzt etwas?“

Ich nickte und sah dabei aus dem Fenster.

„He glaub mir, solche Idioten gibt es nicht überall.“ dabei sah sie wohl den Zettel von Patrick.

„Wer ist Patrick?“

„Patrick ist der, der zu mir gestanden hat!“

„Man und der will Dich wieder sehen?“

„Ja steht ja drauf und seine Adresse.“

„Man das wirst Du vielleicht ist das ein ganz netter und es wird mehr draus!“

„Was meinst du damit? Ich bin nicht schwul!“

„Bruderherz du musst nicht laut werden, aber denk mal über dich etwas nach. Nur wegen diesen Idioten, musst du dich nicht verleugnen!“

„Ich habe aber wirklich keinen angesehen!“

„Das glaub ich dir doch. Man diese Idioten brauchten nur ein Ventil und der warst leider du.“

Ich nickte: „Ich würde meinem ärgsten Feind so was nicht wünschen, was mir da passiert ist!“

„Na dann geh doch morgen mal bei Patrick vorbei. Hast ja schließlich zwei Wochen noch Galgenfrist, bevor deine neue Ausbildung beginnt!“

Das machte ich dann auch. Am nächsten Tag machte ich mich nachmittags auf zu Patricks Adresse. Als ich dann vor dem Haus stand, bekam ich doch etwas Bammel. Bevor ich auf den Klingelknopf drücken konnte sprach mich eine bekannte Stimme an.

„Stefan bist du es oder dein Geist?“

Ich sah zur Seite und erkannte Patrick.

„Hallo Patrick!“ stammelte ich und merkte wie mein Herz anfing zu klopfen. Was soll das dachte ich bei mir, ich freue mich doch nur ihn zu sehen. Patrick sah mich an und grinste. Hoffentlich hat er nichts bemerkt.

„Na dann komm erst mal hoch!“

Oben angekommen, schloss er die Wohnungstür auf. Ich folgte ihm in die Wohnung.

„Geh mal schon voraus, mein Zimmer ist die letzte Tür rechts.“

Ich ging voraus und öffnete besagte Tür. Das Zimmer war nicht groß aber gemütlich eingerichtet. Ein Sofa stand am Fenster auf das ich mich dann setzte um auf Patrick zu warten, dabei wanderte mein Blick durch das Zimmer.

An den Wänden hingen voll viele Poster von Boygroups die zurzeit IN waren. Was mir auffiel, es hingen keine Bilder von irgendwelchen Frauen an den Wänden. Nicht eins.

Ich war so in Gedanken, dass ich gar nicht mitbekam das Patrick das Zimmer betreten hatte.

„Und gefällt Dir mein Zimmer?“

„Wie was jops dein Zimmer gefällt mir!“

Patrick lächelte mich an: „Haste Durst?“

Ich nickte und Patrick verschwand wieder aus seinem Zimmer. Kurz darauf erschien er wieder, mit einer Flasche Cola und zwei Gläsern. Nachdem er die beiden Gläser mit Cola gefüllt hatte, gab er mir eines davon und ich trank erstmal einen Schluck.

„Na wie geht’s die?“ kam es von Patrick dann fragend.

„Es ging mir schon besser. Aber jetzt geht es!“

„Weißt du was bei uns los ist, wegen der Geschichte mit dir?“

„Nee woher, ich geh ja nicht mehr hin!“

„Die älteren Schüler haben sich die Gruppe von Ede und Rudolf vorgenommen und haben denen Prügel angedroht, wenn die hier noch irgendeinen der Schüler fertig machen sollten.“

„Echt und was war noch? Das war doch nicht alles?“ fragend sah ich Patrick dabei an. Dabei fiel mir auf das er mich regelrecht anstarrte.

„Der Direx war dann in unserer Klasse und hat eine heftige Ansprache gehalten. Von wegen wie Scheiße wir uns benommen hätten und so. Dann sind ich und ein paar andere aufgestanden und haben ihn gefragt was er denn dagegen unternommen hätte, nachdem du bei ihm gewesen bist. Natürlich bekamen wir keine Antwort darauf.“

Ich musste erstmal schlucken um das ganze was ich da hörte zu verdauen.

„Und wie geht es bei dir jetzt weiter?“

Ich erzählte ihm dann, dass ich in zwei Wochen eine neue Ausbildung antreten würde. Er freute sich für mich und wir sahen uns diesmal ziemlich lange in die Augen.

„Stefan sei jetzt bitte nicht sauer, aber ich muss dir was sagen….“

Was wollte er mir wohl sagen, dabei sah ich ihn fragend an.

„Man ich mag dich und freue mich das du hier bist. Ich muss dir was zu mir sagen.“

„Was denn? Kann doch nicht schwer sein ODER?“

„Ich bin … schwul!“

Was hat Patrick gesagt? Ich musste wohl ein ziemlich blödes Gesicht gemacht haben, denn Patrick sah mich traurig an.

„Sorry was hast du da eben gesagt…..“ kam es leise von mir.

„Ich bin schwul Stefan! Ich wollte es dir schon im Lager sagen, hab es mir aber dann doch nicht getraut.“

Na super ich wurde im Lager fertig gemacht und Patrick der neben mir saß war schwul. Man wie kann das sein? Warum mir? Warum Patrick? Ich stand langsam auf und wollte nur noch aus diesem Zimmer, aus dieser Wohnung raus. Weg weit weg von Patrick.

„Bitte bleib doch Stefan….“

Ich stand an der Tür und wollte nur noch raus, aber irgendetwas in Patricks Stimme ließ mich an der Tür verharren. Langsam drehte ich mich zu Patrick und sah ihn an. Er selber saß zusammengesunken auf dem Sofa und sah wie ein Häuflein Elend aus.

Irgendetwas in mir drin, sagte zu mir NEIN. Wie die bist du nicht! Nicht wie dieser Ede oder dieser Rudolph oder die anderen. Ich ließ wie in Zeitlupe die Türklinke los und ging auf Patrick zu und setzte mich neben ihn.

„Patrick ich muss dir was von mir erzählen …“ dann fing ich an alles über mich zu erzählen und bei jedem Satz den ich herausbrachte, brachte mich dieser ein Stück näher an die Wahrheit, die ich bis jetzt nicht wahr haben wollte.

Als ich geendet hatte, war es bereits dunkel geworden und mir war klar ICH BIN SCHWUL.

Wie lange ich diese Wahrheit verdrängt hatte, man wie blöd musste man sein das nicht zu erkennen.

Patrick hielt mich schon eine ganze Weile im Arm und hatte nur zugehört, ohne ein Wort zu sagen.

„Patrick ich bin schwul! Die hatten recht ich bin ein Stück SCHEIßE!“

„Du bist kein Stück Scheiße Stefan. Die sind es. Vollidioten und Mutanten das sind die.“

„Aber was soll ich denn machen. Wenn meine Eltern das erfahren?“

„Stefan ich bin auch noch da und stehe zu Dir! Meine Eltern wissen und akzeptieren es, dass ich schwul bin.“

„ Echt deine Eltern wissen es?“

Dann fing Patrick mir von sich zu erzählen. Er hatte es auch nicht einfach auf der Schule. Seinem besten Freund hatte er es gesagt und der hatte ihn danach fallen gelassen und ihm den Rücken gekehrt. Toller BESTER Freund!

Als er geendet hatte war es erstmal ziemlich still, irgendwann sah ich auf die Uhr. Man es war schon halb elf. Ich musste zu Hause anrufen, meine Eltern machten sich bestimmt Sorgen wo ich blieb.

„Kann ich kurz meine Eltern anrufen?“

„Na klar warte ich zeig dir das Telefon!“ dabei sprang Patrick auf und lief in den Flur.

„Sag mal wo sind denn deine Eltern?“ fragte ich Patrick und folgte ihm.

„Die haben Urlaub und sind zurzeit in Spanien. Wenn du willst kannst du über Nacht bleiben.“

Na warum nicht. Ich rief jedenfalls meine Eltern an und sagte ihnen bescheid. Meine Eltern waren erst gar nicht so begeistert, von der Idee bei Patrick zu übernachten. Aber sie gaben dann doch nach.

Meine Schwester wollte mich dann kurz noch sprechen und diese sagte nur: „Kuschelt bloß nicht so doll!“

Man typisch meine Schwester.

Danach machte Patrick sein Bett und mir das Sofa. Wir unterhielten uns noch eine ganze weile, dabei rutschten wir immer enger zusammen und irgendwann in dieser Nacht bekam ich meinen ersten Kuss von einem Jungen. Tja das Sofa blieb natürlich unbenutzt, mehr sage ich jetzt nicht.

Mittlerweile sind jetzt drei Jahre vergangen und ich bin mit meinem Patrick immer noch glücklich wie am ersten Tag. Ja meine Eltern wissen es und was soll ich sagen sie nahmen es ziemlich gut auf. Meine Schwester half mir natürlich etwas dabei und auch Patrick und seine Eltern.

Ich bin endlich angekommen, dort wo ich glücklich bin und das bin ich bei meinem Patrick.

Tschau und ich wünsche euch allen, dass ihr euren Weg geht und euch nie selbst belügt nur um irgendwann aufzuwachen, mit der Gewissheit das ihr Euer Leben aus dem Fenster geworfen habt.

Euer Stefan………

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