Refreshing (2003) Nobody is perfect

Ich hatte wieder den Bus verpasst. Gelangweilt saß ich am Bushäuschen und wartete auf das nächsten Beförderungsmittel. Es war mir egal, ob ich zu spät nach Hause kam, denn dort wartete sowieso niemand auf mich.

Meine Mutter war den ganzen Tag am Arbeiten und kann dadurch selber erst spät heim. Ach so ich heiße Peter, na ja eigentlich Hans-Peter, meine Mutter dachte wohl, sie müsse wohl, die Namen der Opas in Ehren halten.
Von meinem Vater weiß ich nicht mehr viel, ich war drei oder vier als er mich und Mum verließ. Dass einzige was ich noch weiß, dass er recht groß war, etwas was ich wohl geerbt hatte.
Mit meinen siebzehn, war ich mit meinen 1,91 cm, der größte in der Klasse. Meine Mum meinte immer ich hätte seine tollen Haare. Naja hellbraun und immer wirr, was da toll dran war.
Der Bus kam und ich stieg ein. Im Gedanken versunken, zogen die Häuser an mir vorbei und wenn die Fahrerin nicht meine Haltestelle aufgerufen hätte, säße ich wahrscheinlich jetzt noch.
Ich schloss die Haustür zu unserem kleinen Häuschen auf und wunderte mich schon, weil nicht abgeschlossen war.

„Peter, bist du das?“

„Ja Mum, was tust du denn schon hier?“

„Komm erst mal rein ins Wohnzimmer“, rief meine Mutter.

Ich schloss die Tür warf meine Rucksack auf den Boden und lief zu ihr. Noch in der Tür bekam ich noch einen ordentlichen Schrecken. Meine Mutter saß auf dem Sofa und hatte einen verbundenen Fuß auf dem Tisch liegen.

„Mum was ist den geschehen?“

„Nichts Schlimmes, ich bin im Geschäft gestürzt und hab mir dabei den Fuß verstaucht.“

„Nichts Schlimmes? Du bist gut, tut es sehr weh?“

„Es geht, seit ich hier ruhig sitze nicht mehr so.“

„Brauchst du was, fehlt irgendwas?“

„Langsam Peter, aber es wäre nett, wenn du etwas einkaufen würdest, der Kühlschrank ist leer.“

„Mach ich doch, was soll ich holen?“

„Ich hab dir einen Zettel geschrieben, liegt auf dem Küchentisch, neben dem Geldbeutel.“

„Gut, kann ich dich allein lassen?“

„Ja, mein Großer“, meinte sie lächelnd.
Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand in die Küche. Oh ihr denkt jetzt, der ist siebzehn und knutscht noch mit der Mama. Tja Leute, so ist es nun mal, wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis, sie ist mir fast wie ein gute Freundin.
Vor zwei Jahren hatte sie von einer Tante, dieses kleine Häuschen geerbt, das wir dann bezogen. Riesen Fortschritt, gegenüber der kleinen Mietwohnung vorher, wo ich nicht mal ein eigenes Zimmer hatte und im Wohnzimmer schlief.
Sie stand auch voll hinter mir, als ich ihr unmittelbar nach dem Umzug beichtete, dass ich nie Mädchen mit nach Hause bringen würde. Ja ich bin schwul und seit ich das Versteckspiel aufgehört hatte, ging mir es auch wesentlich besser.
Die Klasse hatte es akzeptiert, war mir aber nicht so wichtig war, weil ich eher ein Einzelgänger war und so viele Freunde an der Schule hatte ich nicht. Mein sonstiges Umfeld nahm es gelassen auf, schon alleine mit der Hilfe meiner Mum, sie war oft in die Bresche für mich gesprungen.
Ich nahm den Zettel und den Geldbeutel und machte mich auf den Weg zum Supermarkt. Als ich fertig mit einkaufen war. Bereute ich es mein Fahrrad nicht mit genommen zu haben. Der Korb war schwer und ich musste mich beherrschen nicht laut los zu fluchen.

„Hallo Peter, wie geht es deiner Mutter?“

O Gott, der olle Ziegler, hatte es also schon die Runde gemacht in unserer Strasse.

„Ja Herr Ziegler, es geht ihr schon besser, danke der Nachfrage.“

„Dann ist ja gut.“

Ich nickte ihm noch zu und lief den kleinen Weg unseres Vorgartens entlang. Ich schloss auf und brachte den Korb in die Küche.

„Hi Mum, bin wieder da.“

„Kannst du mir ein Sprudel mitbringen?“, rief es aus dem Wohnzimmer.

„Klar doch“, sagte ich und nahm ein Glas aus dem Schrank und ging zu dir.

„Du bist schon Straßengespräch“, meinte ich zu ihr.

„Och nein, wieso?“

„Der olle Ziegler hat mich nach deinem Befinden gefragt.“

„Peter, lass das ja niemand hören, der olle…, wenn der das mal hört. Aber du hast Recht, wenn der das schon weiß, wissen es bald alle in unserer Straße. Da kann ich mich ja auf eine Besuchsansturm gefasst machen.“

„Dann hast du schon keine Langeweile und so schlimm wird es auch gar nicht werden. Wenn ich nicht da bin, lässt die eh niemand herein, oder willst du mit DEM Fuß jedes Mal aufstehen.“

„Dein Wort in Gottes Gehörgang“, meinte meine Mum und wir fingen beide an zu lachen.

„Hast du alles, ich würd gerne ein bisschen in mein Zimmer gehen“, fragte ich.

„Geh du ruhig, ich wird mich schon bemerkbar machen, wenn hier unten das Chaos herrscht.“

Es klingelte. Ich ging zur Haustür und vor mir stand Brigitte, unsere Nachbarin.

„Wo ist sie?“

Sie rannte mich fast um.

„Auch ein Hallo, schön dich zu sehen… im Wohnzimmer…“, sagte ich seufzend und schneller als ich schauen konnte, war sie schon im Wohnzimmer verschwunden.

Ohne Probleme konnte ich Mum beruhigt alleine lassen, jetzt wo ihre Freundin da war. Ich schnappte mir mein Rucksack und ging hinauf in mein Zimmer. Ich schmiss ihn neben den Schreibtisch, machte meine Stereoanlage an und legte mich aufs Bett.
Im Radio kam Xavier Naidoo.. sie sieht mich leider nicht… ich schloss die Augen und begann zu träumen. Ich überhört einfach das „sie“ und ersetzte es durch ein „Er“. Einen Traumprinzen… gefunden hatte ich noch keinen, geschweige denn kennen.
Ich griff unters Bett und holte mein Block hervor. Schon lange hatte ich mir angewöhnt, meine Gedanken einfach aufzuschreiben. Meine Mutter meinte immer es wären schöne Gedichte. Ich zückte den Kuli und lies meinen Gedanken freien Lauf.

ich sitze am Fenster
und schaue nach draußen
versuche die Ruhe
in mich aufzuziehen
die da beim Sonnenuntergang herrscht
das Vogelgezwitscher verstummt
keine Autos mehr fahren
die Gespräche der Nachbarn verklingen
ab und zu ein Flugzeug
dass einsam am Himmel seine Bahn zieht
vereinzelt ein Wolke vorbei zieht
diese Ruhe
macht mich ruhig
das brauche
um Gedanken und Gefühle
zuordnen
die sich angesammelt haben
und langsam überhand nehmen
die auf Verarbeitung warten
dass alles wieder ruhig werden kann
bevor das nächste Chaos meiner Gedanken losbrechen kann
©peter2002

Ich musste eingeschlafen sein, als es an meine Tür klopfte. Ich schrak auf.

„Ja“, rief ich verschlafen.

Die Tür ging auf und Brigitte schaute herein.

„Tut mir leid ich wollte dich nicht wecken, wollt nur fragen ob du mit uns was isst?“

„Ja gerne, gebe mir fünf Minuten, ich komm dann runter.“

„Okay“, und sie verschwand wieder.

Ich legte meine Block und Kuli zur Seite und ging kurz ins Bad. Ich schaute in den Spiegel mir das Gesicht zu waschen Danach sah ich mir selber tief in meine grauen Augen… warum gefallen diese Augen keinem anderen… schoss es mir in den Kopf. Ich musste grinsen.

*-*-*

„Oh, ihr habt was vom Chinesen kommen lassen“, fragte ich, als ich das Wohnzimmer betrat.

„Ja setze dich zu uns, freie Auswahl“, meinte Mum.

Ich griff mir einer der Schachteln um diese Auswahl zu studieren.

„Der eigentliche Grund, warum ich heut zu dir gekommen bin, besser gesagt zu euch, war eigentlich ein Anderer. Das mit dem Fuß hat mir der olle Ziegler auf der Straße erzählt.“

Ich musste kichern, denn ich war nicht der einzige der „der olle Ziegler“ sagte.

„Morgen stehst du in der Blödzeitung“, kicherte ich weiter.

„Und was ist so wichtig, dass du es uns zu erzählen hast?“, fragte Mum.

„Es betrifft mich auch?“, fragte ich.

„Schon irgendwie.“

„Dann schieß mal los“, sagte ich und machte es mir auf einem Sessel bequem.

„In Bremen sind doch schon Ferien und da hat mich mein Bruder angerufen. Er würd sich große Sorgen um seinen Sohn machen.“

„Du meinst den kleinen Dicken, dein Neffen, der letztes Jahr bei dir eine Woche gastierte?“ warf meine Mutter ein.

„Ja genau der, nur das er etwas geschossen ist und seit er fast nichts mehr isst, nur noch eine Bohnenstange ist.“

„Kann auch interessant sein“, warf ich ein, was ich aber gleich wieder bereute, weil ich von den zwei Damen, mir böse Blicke einfing.

„Na jedenfalls, meinte mein Bruder, weil es Jochen so gut bei mir gefallen hat, ob ich ihn nicht für ein oder zwei Wochen bei mir aufnehmen würde, damit er was anderes sieht.“

„Du hast natürlich zugesagt?“, fragte Mum.

„Ja, hab ich, ich mag Jochen sehr, und außerdem bin ich neugierig, was los ist mit ihm.“

„Und was hat das dann mit mir zu tun?“, fragte ich.

„Jochen ist so alt wie du Peter, und ich dachte du könntest dich auch ein wenig um ihn kümmern. Ich weiß ja, dass du ebenfalls nur zu Hause rumsitzt.“

Volltreffer, aber was ging das Brigitte an. Oder hatte meine Mum da irgendetwas angekurbelt von dem ich nichts wusste.

„Von mir aus, kann ja mal versuchen, ob er mit mir redet. Wann kommt er denn?“

„Am Samstag, mit dem Zug, willst du mit ihn abholen?“

„Jetzt übertreibe mal nicht, man könnt ja meinen du hast etwas vor.“

Meine Mum fing so komisch an zu grinsen, also war doch was im Busch.

„Hol ihn mal lieber alleine ab, er hat dann immer noch genug Zeit mich kennen zu lernen“, meinte ich.

„Wir könnten ja gemeinsam Grillen“, schlug meine Mum vor.

Später lief ich hoch in mein Zimmer und ließ meinen PC hochfahren, während ich mich auszog. Ich rief kurz meine Mails ab, ab wie es so ist, war nichts Interessantes dabei. Ich tippte noch schnell, das Geschriebene vom Mittag ab und speicherte es ab.
Noch kurz ins Bad und schon lag ich im Bett und versank in meinem Vatikanskrimi >Der Engelspapst<.

*-*-*

Ich wurde aus dem Schlaf gerissen, als mein blöder Radiowecker losging. Ich denke, ich werde nicht der Einzige sein, der diese Erfindung hassen wird, oder?. Ich stand also auf und taperte ins Bad.

„Du wirst dir wohl heut selber Frühstück machen müssen“, kam es aus dem Schlafzimmer.

Ich stoppte und schaute nach meiner Mutter.
.
„Geht schon in Ordnung, alles klar bei dir.“

„Hab zwar die halbe Nacht wach gelegen, aber sonst geht es.“

Ich verschwand ins Bad. Eine halbe Stunde später stand ich an der Haltestelle und wartete auf den Bus.

„Morgen Piet“, kam es von hinten.

Ich drehte mich um.

„Morgen Sabine“, sagte ich zu meiner Klassenkameradin, die grad zu mir stieß.

„Und wie geht es deiner Mutter?“

„Ist meine Mutter jetzt schon Dorfgespräch, oder was? Es geht ihr soweit gut, nur das Bein ist leicht verstaucht“, erklärte ich leicht genervt.

„Anscheinend, meine Mutter hatte es von einer Nachbarin und die…“

„Halt! Brauchst es mir gar nicht zu erklären, ich weiß wie das hier läuft.“

Der Bus kam und wir stiegen ein.

„Morgen Micha“, sagte Sabine.

„Morgen Sabine, morgen Piet.“

Ich nickte und wir beide setzten uns zu ihm auf die letzte Bank.

„Hat einer von auf den Mathetest gelernt?“, fragte Micha.

„Nein“, antwortete ich ehrlich.

Sabine bejahte.

„Dass du nicht Mathe büffeln musst, ist mir klar“, meinte Micha zu mir.

„Ja unser Genie steht da drüber“, meinte Sabine grinsend.

„Der Eine kann’s, der andere nicht“, sagte ich.

„Naja, noch zwei Wochen, dann haben wir mal sechs Wochen Ruhe“, sagte Micha.

Ja auf die Sommerferien freute ich mich auch. Ausschlafen, faulenzen, einfach nichts tun!

*-*-*

In der großen Pause, saßen wir auf der Bank unter den Linden.

„Oh man, ich glaub ich habe den Test versiebt“, meinte Michael.

„Wieso du hast doch alles ausgefüllt“, sagte ich.

„Ausgefüllt ja, aber ob es richtig ist?“

„Soweit ich das von meinem Platz aus sehen konnte, lagst du richtig.“

„Aha, du hast also von mir abgeschrieben?“, meinte Micha mit einem Lächeln.

„Ich? Abschreiben, das ist total unter meinem Niveau!“

Micha holte sich eine Zigarette aus der Tasche und steckte sie sich an.

„Du wolltest doch aufhören“, meinte Sabine, „wenn du so weiter machst, kriegst du von unserem Schatz hier nie wieder einen Kuss.“

Dabei zeigte sie auf mich. Micha, bekam einen fiesen Gesichtsausdruck.

„So also nicht mehr.“

Ich wusste gar nicht was ich antworten sollte. Micha beugte sich zu mir und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, dass mir Hören und Sehen verging. Sabine und Micha fingen laut an zu lachen.

„Haha, so komisch finde ich das gar nicht“, sagte ich immer noch ein bisschen benommen.

„Wieso hat es dir nicht gefallen?“, fragte Sabine immer noch lachend.

„Doch, dafür dass Micha absolut Hetero ist, küsst er verdammt gut.“

Diesmal war ich es der anfing laut zu lachen, weil Micha voll rot wurde im Gesicht. Ich nahm Micha in den Arm.

„Danke Micha, hätte ich echt nicht gedacht von dir.“

„Ich … äh… nein… oh Mist“, stammelte Micha.

„Ich frag mich, wer wen jetzt aus der Fassung gebracht hat“, meinte Sabine lachend.

*-*-*

„Hallo Mutti bin wieder zu Hause“, rief ich, als ich die Haustür aufschloss.

Sie kam aus der Küche gehumpelt. Entsetzt und böse werdend schaute ich sie an.

„Was läufst du schon wieder herum, hat der Arzt nicht gesagt, du sollst dich schonen?“

„Jetzt mach mal halblang, als würdest du immer machen, was man dir sagt! Ich langweile mich halt.“

„Was ist mit den Besucherstürmen?“

„Von Birgit abgewehrt, hat gemeint, ich kann keinen Besuch empfangen, von wegen aufstehen und so.“

Ich konnte nicht anders und fing an zu lachen.“

„warum lachst du jetzt so blöde?“

„Da erzählt der olle Ziegler bestimmt, du stehst unter Quarantäne und bist höchst ansteckend.“

„Der soll sich das mal trauen, dann zieh ich ihm eins mit der Krücke über.“

„Mum, was hast du für so brutale Gedanken, ich bin entsetzt von dir!“

„Du hast meine dunkle Seite in mir noch nicht gesehen!“

Kam jetzt irgendwo so ein nackthäutiges, verrunzelte Männchen zum Vorschein und rief: „die Macht sei mit dir…?“

Wir lachten beide.

„Könntest du nicht Schule schwänzen?“

„MUM!!! Das geht auch vorbei, da musst du jetzt durch und außerdem kommt Brigitte bald von der Arbeit, dann haste wieder jemand zum Quasseln.“

„Ist ja schon gut.“

„Also dann geh ganz brav wieder zurück ins Wohnzimmer, leg dich auf Sofa und das Essen, dass hier so gut riecht, kann ich auch servieren.“

„Dann mach mal flott, ich hab einen riesen Hunger.“

Mit einem Lächeln verschwand ich in der Küche.

*-*-*

Als ich am Mittag an den Hausaufgaben saß, begann mein Telefon zu klingeln.

„Hier Peter.“

„Micha…“

„Hi Micha, was ist los?“

„Ich… ähm… mir… oh Mann, ist das peinlich…“

„Micha, ganz langsam, was willst du mir sagen, was ist peinlich?“

„Der Kuss heute Morgen…“

Ich musste grinsen, weil ich den schon in den grauen Ecken meines Gehirns versenkt hatte.

„Was ist mit dem?“

„Mir, …mir hat das auch gefallen…“

„Wie, der hat dir auch gefallen?“

Jetzt stand ich grad irgendwie total auf dem Schlauch.

„Als ich dich küsste, ging so eine enorme Kraft von dir aus, so etwas habe ich noch nie erlebt. Nicht bei einem einzigen Mädchen, die ich bisher hatte.“

Ups, dass hätte ich nicht gedacht, aber ich fühlte mich unheimlich geschmeichelt.

„Deswegen rufst du an?“

„Peter, du musst mir glaube… ach ich weiß selber nicht was ich… kann ich bei dir vorbei kommen… ich möchte nicht hier am Telefon reden.“

„Ja kannst du, bin auch gleich mit den Hausaufgaben fertig.“

„Okay ich setze mich aufs Rad und bin in zwanzig Minuten bei dir.“

„Gut bis gleich.“

„Bye.“

*-*-*

Wow, jetzt hatte ich doch tatsächlich Micha aus dem Gleichgewicht geworfen. Eigentlich ist er ja daran selber schuld. Er hatte mich geküsst und ich nicht ihn. Vor allem auch noch unaufgefordert. Aber was konnte man von einer Hete da schon erwarten.
Ich räumte meine Schulsachen weg, öffnete das Fenster und ließ den Rollladen zur Hälfte herunter. Dann lief ich nach unten, holte Getränke und Gläser und dann klingelte es auch schon.

„Lass mal Mum ich mach auf, es ist für mich.“

„Schon okay, wäre eh nicht aufgestanden. Sonst kriege ich wieder einen Anschiss!“

Ich konnte es förmlich sehen, das freche Grinsen meiner Mutter, nach dieser Antwort. Ich lief zur Wohnungstür und zog sie auf.

„Du? … öhm hi… Sabine, was tust du denn hier?“

„Ich kann auch wieder gehen, du bist offensichtlich nicht erfreut, mich zu sehen?“, fragte sie.

„Nein… ja… ach Quatsch, ich habe Micha erwartet.“

„Deswegen bin ich auch hier, er hat mich angerufen und sagte ich solle herkommen, er hätte uns was Wichtiges mitzuteilen.“

„Da bin ich mal gespannt.“

„Ich auch.“

*-*-*

Ich hatte Sabine herein gebeten. Sie zog ihre Schuhe aus und ging erst mal ins Wohnzimmer um meine Mum zu begrüßen. Währenddessen klingelte es wieder an der Tür. Wieder öffnete ich und wieder war es nicht Micha.

„Christian du? Haben wir hier Klassentreffen?“

„Ähm … Micha hat gesagt ich solle herkommen..“ sagte Christian.

„Wie vielen denn noch?“

„Noch mehr?“

„Sabine ist auch schon da.“

„Weißt du was er will?“

„Nein, wir werden es gleich hören, dahinten kommt er angeradelt.“

Christian drehte sich um und gemeinsam warteten wir, bis uns Micha erreicht hatte. Er stellte das Rad ab und ich bemerkte schon, dass irgendetwas nicht stimmte.

„Gehen wir erst mal hoch in mein Zimmer“, sagte ich und die beiden betraten das Haus,

„Sabine kommst du Micha ist da.“

„Ja gut,.. gute Besserung .“

Sie kam wieder aus dem Wohnzimmer.

„Christian du auch? Kommen noch mehr?“

„Nein nur wir vier“, meinte Micha hinter Christian.

„Dann gehen wir mal hoch in mein Zimmer, hier im Treppenhaus wollt ihr sicher nicht weiter reden“, sagte ich.

Während die anderen in mein Zimmer gingen, lief ich in die Küche, um die Getränke und mehr Gläser zu holen.

„Peter?“, hörte ich meine Mutter rufen.

Voll beladen lief ich zu ihr ins Wohnzimmer.

„Warum hast du nichts gesagt, dass du so viel Besuch kriegst?“

„Das weiß ich doch selbst nicht, eigentlich wollte nur Micha mit etwas besprechen.“

„Aha, dann geh, die warten sicher schon auf dich.

Ich nickte und ließ sie alleine. Oben angekommen herrschte in meinem Zimmer absolute Stille. Als ich es betrat, schauten mich alle an. Jetzt war mir irgendwie komisch zu Mute. Ich stellte alles in der Mitte auf den Boden und ließ mich ebenso nieder.

„Micha, warum dieses Treffen?“, fragte Christian, „willst du alles ausplaudern?“

Was war denn mit den beiden los?

„Soll ich nicht? Piet und Sabine sind meine besten Freunde.“

„Könnte ihr beide die Güte haben, uns zu erklären was hier los ist?“

Sabine nickte zustimmend, aber Micha druckste herum, und schließlich fing Christian an zu erzählen.

„Nach eurem Kuss heut Morgen, kam Micha total verwirrt zu mir.“

„Kann ich mir vorstellen“, meinte ich und wollt schon wieder loslachen.

„Und warum kommt er dann ausgerechnet zu dir?“, warf Sabine ein, „ihr versteht euch doch sonst nicht so gut, streitet laufend.“

„Alles Tarnung…“, kam es leise von Micha.

„Wie Tarnung“, fragte ich verwirrt.

„Micha und ich sind seit einem halben Jahr ein Paar“, sprach Christian leise.

„Da brauch ich mich ja nicht wundern, dass Micha so traumhaft gut küssen kann“, sagte ich.

„Peter hör auf hier Späße zu machen, die beiden haben sich gerade geoutet“, meinte Sabine in einem leicht säuerlichen Ton

„Na und, ich bin selber schwul, und jeder weiß davon, ich leb auch noch. Warum habt ihr mir das nicht früher gesagt?“

„Da muss ich Peter recht geben, jeder in unserer Klasse weiß, dass er schwul ist und es hat deswegen auch noch nie Schwierigkeiten gegeben“, meinte Sabine.

„Wir trauten uns nicht“, sagte Micha leise.

„Da haben wir zwei absolut süße Schnuckelchen in unserer Klasse und ich weiß nicht mal das sie schwul sind“, sagte ich um die Stimmung ein wenig zu heben, wobei meine gerade ins Bodenlose fiel.

Sabine schien dass zu bemerken und legte ihren Arm um mich.

„Jetzt gugg nicht so, du findest sicher auch irgendwann deinen Traummann. Ansonsten kannst du dir ja sicher mal einen von den beiden ausleihen.“

„Ausleihen?“

„Nichts da, das ist mein Schatz, den gebe ich nicht her!“, kam es von Christian und zog Micha in seine Arme.

Ein total ungewohntes Bild für mich, sicher auch für Sabine. Ich überlegte kurz.

„Was haltet ihr davon am Samstagabend, eine kleine Grillfeier hier zu veranstalten, muss natürlich erst meine Mum fragen, aber ich denke das geht in Ordnung.“

Klar wusste ich, das Mum mit Birgit und diesem Jochen am Samstagabend grillen wollte, aber was war gegen ein paar Gäste mehr zu sagen. Micha und Christian schauten sich an und nickten sich zu.

„Wenn meine Eltern nichts dagegen haben gerne Peter“, meinte Sabine.

„Könnten wir auch hier schlafen?“, fragte Micha.
„Oben der Speicher ist ausgebaut, da können wir alle zusammen schlafen“, meinte ich und wollte gerade aufstehen, als es an meiner Tür klopfte.

„Ja herein“, meinte ich.

Die Tür ging auf und Brigitte schaute herein.

„Oh… hallo, ich wusste nicht, dass du so viel Besuch hast. Wollte dir nur sagen, Jochen kommt morgen schon.“

Und schon war sie wieder verschwunden.

„Wer ist Jochen?“, fragte Christian.

„Oh Mist, den habe ich ja ganz vergessen.“

*-*-*

Natürlich erlaubte Mum, das die anderen am Wochenende zum Grillen kamen und danach auch bei mir schliefen, Platz genug hatten wir ja. Nur sie selbst war plötzlich nicht mehr so davon überzeugt, dabei sein zu wollen.
So entschied sie sich, den Abend mit Brigitte im Nachbarhaus zu verbringen. Grillspeisen konnte man bequem über den kleinen Zaun hinüber reichen. So hatte sie ihre Ruhe und ich etwas sturmfreie Bude.
Wir entschieden, dass es auch nicht nur wir vier bleiben sollten, sondern auch noch Jörg, Sybille und Andre dabei waren, damit wäre die Clique komplett. Natürlich kam man auch noch auf Jochen zu sprechen.
So neigierig dieser Haufen war, musste ich versprechen ihn ebenso zum Grillen einzuladen, mit der Begründung, man könne ihn ja nicht bei den zwei Damen zurücklassen, während man im Nachbargarten wild feiert.

*-*-*

Die große Pause hatte begonnen.

„Und gehst du nachher gleich rüber und frägst Jochen ob er am Samstag dabei ist?“, fragte Sybille.

„Ja Sybille, keine Sorge!“, antwortete ich genervt.

Unsere Runde saß im Schatten unter der großen Eiche im Schulhof, einer unserer Lieblingsplätze.

„Jetzt lass ihn doch erst mal Jochen richtig kennen lernen“, sprach Sabine ein Machtwort.

„Wie sieht er aus?“, wollte Sybille noch wissen.

„Das kann ich dir nicht mal sagen.“

„Aber du hast doch schon mit ihm gespielt, du musst doch wissen wir er aussieht!“

„Sybille, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, war er klein, rund und ein Vielfraß. Seine Tante meinte aber, er wäre jetzt schlank und gutaussehend.“

„Peter wird das schon hinbekommen Sybille, du wirst diesen Jochen noch früh genug kennen lernen“, meinte Andre und somit war für ihn die Sache erledigt, „Leute, irgendetwas stimmt hier heute nicht.“

„Was soll hier denn nicht stimmen, es ist alles wie immer“, sagte Jörg und kaute weiter auf seinem Grasstängel herum.

„Doch, hier ist es irgendwie zu still.“

„Ach dass meinst du, da gebe ich dir Recht“, sagte Jörg, „Micha und Christian sind heute auffallend ruhig!“

„Das hat auch einen Grund“, kam es leise von Christian leise.

„Soll ich wirklich?“, meinte er zu Micha gewandt und dieser nickte.

„Vielleicht wollen sie uns ja erzählen“, begann Andre, „dass sie endlich ihr Kriegsbeil begraben haben und

„Andre, halt doch einfach mal die Klappe, wenn die beiden etwas Wichtiges sagen wollen!“, fuhr ihn Sabine an.

Ich konnte nicht anders und musste grinsen, ich wusste ja was jetzt kam.

Christian stand auf und setzte sich zwischen die Beine von Micha, der am Baum gelehnt saß.

„Micha und ich sind ein Paar“, meinte Christian und beide hatten einen roten Kopf.

„Ich habe es dir gesagt, dass die beiden zusammen sind“, meinte Sybille zu Jörg.

„Und ich wollte es dir nicht glauben, aber nichts desto trotz, Herzlichen Glückwunsch euch beiden.“

„Ihr habt das alle gewusst? Warum erfahr ich denn als letztes von eurem Glück“, gab Andre seinen Senf dazu.

Micha und Christian atmeten erleichtert auf und schauten zu Andre.

„Was schaut ihr mich an?“, fragte Andre, „ich freu mich für euch und wieder zwei weniger, die mir Konkurrenz sind bei den Mädchen.“

„Das war ja jetzt klar“, sagte Sabine und zeigte ihm den Vogel.

Alle fingen wir lauten an zu Lachen. Micha nahm Christian von hinten in den Arm und gab ihm einen Kuss. Sehnsüchtig schaute ich die zwei an.

„Neidisch“, sagte Sabine und rempelte mich an.

„Um ehrlich zu sein „Ja“. Will auch haben…“
Das hätte ich nicht so laut sagen dürfen, denn nun standen alle auf. Sie schmissen sich auf mich, und knutschen mich ab.

„Hilfe Vergewaltigung…“ schrie ich, aber es ging im Gelächter der anderen unter.

*-*-*

Einen weiteren Lachanfall musste ich über mich ergehen lassen, als ich beim Mittagessen meiner Mutter das Ganze erzählte.

„Und von wem hast du den Knutschfleck?“, fragte sie grinsend.

„Das weiß ich selber nicht so genau, aber ich denke Micha oder Christian waren es.“

Wieder fing sie an laut zu Lachen. Wenig später als sie sich beruhigt hatte, erzählte sie mir vom Telefonat zwischen Brigitte und ihrem Bruder.

„Brigittes Bruder ist wirklich ratlos, aber wir werden es ja selber sehen“, meinte meine Mutter, als es an der Haustür klingelte.

„Das werden sie sein“, meinte sie und wollte aufstehen.

„Du bleibst sitzen!“ sagte ich in einem strengen Ton.

„Ja Papa“, meinte sie und fing wieder an zu lachen.

„Erwachsene.. tztztzztz.“

Ich ging als an die Tür und öffnete. Wie nicht anderst erwartet, war es Brigitte. Und hinter ihr… ich glaub ich kriege einen Herzschlag, da stand der absolute megasüße Boy…

„Erde an Peter…“ riss mich Brigitte aus den Gedanken.

„Ähm ja.“

„Das ist Jochen von dem ich dir erzählt habe.“

„Hallo Jochen“, meinte ich und streckte meine Hand hin.“

„Hi“, sagte er und reichte mir seine Hand.

O man, was für eine süße Stimme… glaubt ihr auch an Liebe auf den ersten Blick. Ich glaube mich hat es erwischt.

„Warum musste deine Mutter ebenso laut lachen? Das habe ich ja bis rüber zu mir gehört“, meinte Brigitte.

„Lasst uns rein gehen, sie soll es dir selber erzählen“, sagte ich.

Brigitte schob an mir vorbei gefolgt von Jochen. Für wenige Sekunden betrachtete ich ihn mir genauer. Was war aus dem kleinen dicken Jungen geworden. Jochen war fast ein wenig größer als ich.

Seine blonden Haare waren jedenfalls genauso wirr, wie meine und diese Augen, diese Himmelsblaue Augen… schmachtz… traumhaft. Ich schloss die Tür und folgte den beiden in die Küche.

„Du hattest recht Brigitte, Jochen ist wirklich geschossen seit letzten Jahr, steht ihm aber gut, er ist richtig fesch geworden“, meine Mutter wieder.

Jochen bekam leichte rote Flecken im Gesicht.

„Was war gerade schuld an deinem überaus lauten Heiterkeitsausbruch eben?“, fragte Brigitte.

Ich stützte meine Kopf auf die Hände und schüttelte ihn.

„Und ich dachte das wäre vergessen“, murmelte ich.

Meine Mutter gab haargenau wieder, was ich ihr vor nicht einmal einer halben Stunden erzählt hatte. Brigitte bog sich vor Lachen. Bei Jochen bemerkte ich ein Grinsen übers Gesicht huschen.

„Willst du Jochen nicht dein Zimmer zeigen?“, fragte Brigitte.

„Sagt doch gleich, dass wir euch nicht weiter stören sollen“, antwortete ich, „kommst du Jochen.

Er nickte und folgte mir die Treppe hinauf.

*-*-*

Jochen schaute sich in meinem Zimmer um.

„Du bist also schwul?“, fragte er ohne mich dabei an zusehen.

„Ganz offensichtlich, sonst wäre ich wohl kaum in diese Lage heute Morgen gekommen.“

„Freund?“

„Nein.“

Wieder folgte Schweigen. Er schaute meine CD-Sammlung an. Jetzt wurde es mir doch ein wenig zu bunt.

„Und du?“, fragte ich.

„Was?“

„Einen Freund.“

Er drehte sich um und war total weiß im Gesicht. Er wollte etwas sagen, aber stattdessen kullerten ihm Tränen über die Wangen. Er sah mich hilflos an und rannte dann aus dem Zimmer. Ups.. da hatte ich wohl in ein Wespennest gestochen.

„Jochen, bleib doch..“, rief ich hinterher, doch ich hörte nur noch unsere Haustür knallen.

„Peter“, schrie es von unten.

Ich polterte hinunter.

„Keine Fragen, ich muss da hinterher.“

Meine Mum und Brigitte sahen mich verdutzt an, aber sagten kein Wort. Und schon war ich zur Tür draußen und auf der Straße. Ich sah gerade wie er noch in den Park einbog. Also setzte ich an und rannte hinter her.
Total außer Puste blieb ich im Park stehen. Ich schaute am Ufer entlang und sah ihn am rechten Ufer sitzen. Langsam lief ich auf ihn zu, nicht um ihn irgendwie aufzuschrecken, nein einfach weil ich nicht mehr konnte. In einiger Entfernung blieb ich stehen.

„Können wir reden?“, fragte ich.

Er zuckte zusammen und schaute zum See hinaus.

„Oder soll ich wieder gehen.“

Es kam keine Antwort von ihm, also beschloss ich wieder auf Distanz zu gehen.

„Bleib… bleib bitte“, kam es dann doch von ihm.

Wieder näherte ich mich ihm langsam und setzte mich neben ihn.

„Sorry, wenn ich dir zu Nahe getreten bin Jochen.“

„Da kannst du doch nichts dafür, wie denn auch. Daran bin ich ganz alleine schuld, dabei kann mir niemand helfen.“

„Und warum versuchst du es nicht mal?“, fragte ich.

Er tat mir leid, dieses zarte Gesicht, in das ich mich schon bei seiner Ankunft verguckt hatte, war gerötet, ebenfalls seine blauen Augen, die traurig zum See hinaus schauten.

„Was versuchen?“

„Dir helfen zu lassen.“

„Kann ich nicht.“

„Warum denn?“

„Ich weiß ja nicht mal wie.“

Das klang jetzt aber schon verzweifelt.

„Wie wäre es, wenn du einfach mal erzählst, was dir in den Sinn kommt.“

„Meinst du wirklich?“

„Ja, ich bleibe hier sitzen und höre einfach zu.“

Wieder Schweigen. Ich kramte meine Zigaretten für Notfälle heraus und steckte mir eine an.

„Du rauchst?“, fragte Jochen.

„Ab und zu.“

„Er auch.“

„Wer?“

„Thomas.“

„Und wer ist Thomas, wenn ich fragen darf?“

„Der Typ, in den ich mich unsterblich verliebt hab.“

„Aber…?“

„Es gibt kein aber…“

„Es gibt immer ein aber, also…?“

Ging ich zu schnell vor? Ich beschloss jetzt doch ein wenig den Mund zu halten, es zumindest zu versuchen.

„Oh man scheiße.“

Er raufte sich den Kopf und schaute mich an.

„Es hat alles angefangen, als mein Vater vorschlug, ob ich nicht irgendeine Sportart betreiben möchte. Das Einzige was mich interessiert war Volleyball und so nahm das Unheil seinen Anfang.“

Ich schaute ihm in seine Augen, blieb aber ruhig.

„Schnell hatte ich daran Spaß gefunden und bin dann einmal in der Woche zum Training gegangen. Du weißt doch noch, wie ich letztes Jahr aussah.“

Ich nickte.

„Ich wusste schon zu der Zeit, dass ich mich mehr für Jungs interessierte, als für Mädchen. So viel mir dann auch ein Typ auf, der auch im Training war. Das tolle war, er … also Thomas, kümmerte sich ein wenig um mich. Ich war oft außer Puste, wegen meines Gewichtes.“

Ich drückte meine Zigarette auf dem Boden aus, und verschränkte meine Arme auf meinen Knien.

„Irgendwann nach drei Monaten ungefähr, mit Thomas verstand ich mich mittlerweile super, sagte ich ihm dann, dass ich schwul wäre.“

„Und er ließ dich abblitzen.“

„Nein im Gegenteil, er meinte er fühle sich ja geehrt, aber ich solle mich doch mal anschauen…, wenn er mal einen Freund hätte, sollte dieser auch gut aussehen.“

„Oh, dass tat sicherlich weh?“

„Nein, er hatte ja recht, ich war ein dicker fetter Schwappel.“

„Und was hast du dann gemacht?“

„Ich habe angefangen ab zu nehmen. Am Anfang habe ich einfach nichts mehr gegessen, die Pfunde kullerten, aber mir ging es Zunehmens schlechter. Also begann ich wieder zu Essen, doch immer nur wenig. Und es klappte ich nahm ab. Mir kam dann noch zu Gute, das ich ein bisschen gewachsen bin, das Resultat, siehst du ja jetzt.“

„Also das Resultat find ich absolut sahneschnittenmäßig!“

Ein kleines Lächeln huschte übers Gesicht von Jochen.

„Das fand Thomas wohl nicht…“

Sofort war wieder Jochens finsteres Gesicht zurück gekehrt. Sein Kopf schüttelte sich leicht.

„Wieso?“

„Er meinte er hatte nie gesagt er sei schwul, nur wenn er einen Freund hätte, der müsse gut aussehen. Zwei Tage später sah ich ihn vor dem Kino mit einem Mädchen knutschen.“

„Autsch.“

Jochen schwieg wieder.

„Und deswegen hast du dich zurückgezogen?“

„Ja und ich habe sogar mit Volleyball aufgehört, nur um Thomas nicht mehr über den Weg laufen zu müssen.“

„Mensch Jochen, vergiss den Typen. Du siehst so verdammt gut aus und es gibt ja wohl genug Mütter mit Söhnen, denen du sofort auffällst. Du findest bestimmt einen.“

„Wenn denn?“

„Nimm mich“, sagte ich ein wenig verunglückt.

Jochen schaute mich an und fing herzhaft an zu lachen. Ich wusste nicht recht wie ich reagieren sollte, warum lachte er jetzt.

„Das ist lieb von dir gemeint, aber ich kenne dich doch nicht mal richtig, man kann sich doch nicht einfach so verlieben.“

„Wieso, ich hab es doch …“

„Wie… oh… ups.“

*-*-*

Ich schloss die Haustür auf. Es war doch schon ein wenig spät geworden. Jochen folgte mir ins Wohnzimmer. Meine Mum und Brigitte stellten keine Fragen, wir setzten uns einfach zu ihnen.
Wir redeten noch über den Samstag und Jochen war einverstanden auch zu kommen. Brigitte und Jochen verabschiedeten sich und ich saß noch ein wenig bei meiner Mutter.

„Na alles klar?“, fragte sie.

„Ja alles im grünen Bereich. Keine Sorge, ich bieg das schon wieder gerade mit Jochen.“

„Ich bin stolz auf dich mein Großer. Und wie sieht es mit dir aus?“

„Wie mit dir.“

„Peter ich bin nicht blind, ich habe Augen im Kopf und sehe wie du Jochen anhimmelst.“

„Ach so, na ja.. mach dir da mal keine Gedanken. Vor allem in drei Wochen ist Jochen wieder weg, ich mach mir da eh keine Hoffnungen.“

„Ist Jochen schwul?“

„Ja ist er, ein Problem, das mitverantwortlich war, warum er sich so zurück gezogen hat.“

„Dann nutz die Gelegenheit, schnapp ihn dir solange er da ist.“

„Mum du sagst das so leicht. Wenn ich einen Freund habe will ich was Dauerhaftes.“

„Das kann man wohl arrangieren, oder?“

„Bitte misch dich da nicht ein Mum.“

„Nein mach ich nicht, ich möchte nur, dass du glücklich bist.“

„Danke Mum werde ich schon.“

Wir umarmten uns noch kurz und ich ging ins Bett.

*-*-*

„Morgen Sabine.“

„Morgen Peter du strahlst so. Ist dir dein Traummann über den Weg gelaufen?“

„Yepp.“

„Aha. Und wer, wenn ich fragen darf.“

Der Bus fuhr los und kam an unserem Haus vorbei. Da stand Jochen mit Brigitte am Auto.

„Schau aus dem Fenster, dann weißt du es.“

„Wow, was ist das für ein süßer Typ?“

„Du wirst ihn kennen lernen, er kommt Samstagabend auch, das ist Jochen.“

Der Bus hielt an und Micha und Christian stiegen ein.

„Ähm guten Morgen, das ist aber nicht deine Haltestelle Micha.“

„Nein, ich war bei Christian über Nacht“, sagte er mit einem Strahlen im Gesicht.

„Gibt es vielleicht einen Grund, dass ihr beide so strahlt. Ist ja fast nicht auszuhalten erst Peter und jetzt ihr“, meinte Sabine und schaute zwischen uns hin und her.

„Was Peter auch?“, fragte Christian.

Ich wurde rot.

„Hat es dich endlich auch erwischt“, meinte Micha und fing an zu lachen, „wer ist denn der Glückliche.“

„Jemand der nur drei Wochen hier ist und dann wieder nach Bremen fährt“, sagte ich ein wenig traurig.

„Jochen?“

„Ja.“

„Wenn ihr ihn sehen würdet, könntet ihr unseren Peter verstehen, der ist wirklich megasüß“, meinte Sabine.

„Und was bringt mir das… egal, so warum strahlt ihr beiden so? Nur wegen einer miteinander verbrachten Nacht?“

„Nein“, fing Micha an, „wir sind gestern Abend gemeinsam mit unseren Eltern essen gewesen und haben uns geoutet.“

„Wow, und es schien gut zu gehen, so wie ihr beide glücklich ausseht“, meinte Sabine.

„Ja, sie hätten sich schon so etwas in der Art gedacht, wollten aber nichts sagen, weil sie uns selbst dazu die Gelegenheit geben wollten“, erklärte Christian.

„Naja…, danach folgte dann noch eine lange und ausführliche Predigt über das Thema Schutz und Aids. Die hörten nicht mal damit auf, als wir meinten, so weit wären wir noch gar nicht“, sagte Micha.

„Wie ihr habt noch nie…?“, fragte ich erstaunt.

Beide wurden rot.

„Nein haben wir noch nicht, schlimm?“, fragte Christian.

„Nö, ich find es toll. Man muss ja nicht gleich beim ersten Mal gleich im Bett landen“, sagte ich.

Sabine fing laut an zu lachen.

„Was denn?“, fragte Micha leise, wir saßen ja schließlich immer noch im Bus und waren nicht alleine.

„Ihr solltet euch mal hören. Normalerweise sind es immer die Mädchen, wo sich über so was unterhalten“, kam es von Sabine.

„Tja, das ist so, wenn Schwestern unter sich sind“, sagte Christian, worauf wir alle anfingen zu lachen.

*-*-*

Der Unterricht zog sich heute sehr in die Länge, besonders weil’s draußen auch so heiß war. Wunderlich war es, dass unser Klassenmacho fehlte. Unser Klassenlehrer kam herein. Sein Gesicht hatte etwas Ernstes an sich.

„Morgen Leute, packt eure Sachen weg, wir gehen raus“, sagte er kurz.

Ich räumte alles wieder in meinen Rucksack und wir folgten ihm nach draußen. Wir machten es uns unter der Eiche bequem.

„Grund, warum ich mit euch hier raus gehe, ist Matthias“, sagte Henrichs, unser Lehrer.
Matthias unser Macho also.

„Er wurde gestern Abend von Skinheads zusammengeschlagen, weil er sich Schwulenfeindlich geäußert hat.“

„Skinheads, die sind doch normalerweise auch gegen Schwule“, rief einer aus der Klasse.

„Nicht alle, es gibt auch Schwule Skinheads und an die ist Matthias geraten.

„Das verstehe ich nicht“, kam es von Miriam, „er hatte doch auch nie was wegen Peter gesagt.“

Ich wurde rot.

„Peter?“, fragte Henrichs.

Es wurde ruhig in unsere Klasse.

„Ja ich… ich bin schwul… und Matthias wusste davon.“

„Das ist jetzt aber mal was Neues“, kam es von Henrichs.

„Haben sie damit ein Problem?“, wollte Sabine wissen.

„Nein habe ich nicht, der Sohn meines Bruders ist selber schwul, und ich habe mitbekommen was er mitgemacht hat, er hat anscheinend nicht so eine tolerante Klasse wie Peter hier.“

Im Augenwinkel sah ich wie Micha und Christian unruhig wurden. Sabine grinste mich an und ich konnte mir denken was jetzt kam.

„Ähm Leute, wo wir gerade beim Thema wären…“, Micha hat das Wort ergriffen.

Alle Köpfe flogen herum.

„Christian und ich sind auch… schwul.. und zusammen.“

Ein wildes Gejohle ging in der Klasse los, alle sprangen auf und gratulierten den beiden.

„Also wie ich sehe, gibt es hier wirklich keine Probleme in dieser Klasse“, meldete sich Henrichs zurück.

„Und was machen wir jetzt wegen Matthias?“, fragte Miriam.

„Eine interessante Frage“, sagte Henrichs.

Allgemeines Schweigen war angesagt, ich hatte wirklich das Gefühl jeder machte sich Gedanken.

„Wie wäre es, wenn einige von uns ihn besuchen, Peter sollte natürlich dabei sein“, sagte Isabella.

„Keine schlechte Idee“, meinte Henrichs, „was sagst du dazu Peter?“

„Könnte ich machen, und wer geht noch mit?“

Andre und Sabine meldeten sich und Georg und Miriam auch. Am Mittag standen wir also im Krankenhaus. Unser Lehrer hatte sich auch bei den Eltern erkundigt, ob wir Matthias überhaupt besuchen durften.
Sie meinten, er sei zwar ganz schon ramponiert, aber Besuch konnte er schon empfangen. Jochen hatte ich einfach mitgenommen. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie.

„Dürfen wir?“, fragte ich als wir eingetreten waren.

Matthias versuchte den Kopf wegzudrehen.

„Was wollt denn ihr hier?“, kam es leise von ihm.

„Dich besuchen natürlich“, sagte Sabine und setzte sich neben ihm auf das Bett, „war es das wert?“

Sabine zeigte auf den Gipsarm.
„Ihr wisst also…?“

„Ja wir wissen Bescheid, Henrichs hat heute Morgen den Unterricht deswegen sogar sausen lassen“, sagte Jörg.

„Warum?“, fragte ich nur, „du hast dich doch nie gegenüber mir negativ geäußert.“

Eine kurze Pause entstand. Ich schaute mir Matthias ein wenig genauer an. Bis auf den Gips hatte er zahlreiche blauen Flecken am Oberkörper und auch Prellungen im Gesicht.

„Ich war neidisch…“, sagte Matthias plötzlich.

„Auf Peter?“, fragte Andre erstaunt.

„Ja…“ kam es fast erstickend, Matthias hatte anscheinend ziemliche Schmerzen.

„Sollen wir lieber gehen?“, fragte ich besorgt.

Jochen war bereits aufgestanden.

„Nein bleibt bitte. Es geht schon, bin ja selber schuld.“

„Warum bist du neidisch auf Peter?“ wollte Sabine wissen.

„Peter ist so beliebt in der Klasse, alle verstehen sich gut mit ihm…“

„Aber doch nicht weil er schwul ist“, kam es wiederum von Sabine.

„Das weiß ich jetzt auch, gestern ist wohl eine Sicherung durchgebrannt und ich bin an die falschen Leute geraten.“

„Und nur wegen mir?“, fragte ich jetzt irgendwie mit einem schlechten Gewissen.

„Sorry Peter tut mir leid, ich mag dich sehr gerne, aber irgendwie habe ich nie den richtigen Draht zu dir gefunden.“

„Und warum hast du nichts zu mir gesagt, man kann mit mir reden.“

Schweigen.

„Dein Stolz denke ich mal“, kam es von Andre.

Matthias nickte.

„Ja, dann werden wir das mal ändern wenn du hier draußen bist“, sagte ich“, wann darfst du wieder raus?“

„Wenn nichts dazwischen kommt, am Samstag…, wieso?“

„Gut, dann werden wir dich am Sonntag zu Hause besuchen.“

„Du bist mir nicht böse… ich meine … ähm, wegen dem Schwul und so.“

„Nein warum sollte ich, es ist ja alles geklärt, oder muss ich dich erst küssen, damit du mir glaubst?“

„Das würdest du tun?“

Alle fingen wir an zu lachen.

„Das würdest du mit einem armen wehrlosen Jungen machen?“, fragte Matthias grinsend.

„Seinen Humor hat er ja wieder, dann können wir ja beruhigt sein“, meinte Miriam.

Ich ging zu ihm hin und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, was wiederum eine Welle von Gelächter auslöste.

„Was nicht auf den Mund?“, fragte Matthias, den die Schmerzen beim Lachen doch jetzt Schwierigkeiten machten.

„Vielleicht hat da jemand was dagegen?“, fragte Sabine und schielte zu Jochen.

Ich wurde wieder mal rot. Jochen zeigte fragend auf sich, als ihn Sabine fixierte.

„Nicht das ich wüsste…“, kam es von ihm.

Ein bisschen enttäuscht schaute ich dann doch drein.

„Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden“, setzte er dann nach.

Mit großen Augen schaute ich ihn an.

*-*-*

„Du meintest das vorhin wirklich ernst?“, fragte ich Jochen.

Wir liefen Hand in Hand nebeneinander her.

„Ja schon, denn es ist ein schönes Gefühl wenn da jemand ist, der einen gern hat“, antwortete Jochen.

„Deine Eltern haben dich auch gern und Brigitte auch.“

„Das ist etwas anderes“, meinte er.

Eine kurze Pause entstand.

„Was überlegst du?“, fragte er mich schließlich.

„Ich mache mir Gedanken um uns.“

„Wieso?“

„Ich hätte dich schon gern als Freund, aber wie soll das mit uns dann weiter gehen, du gehst in knapp zwei Wochen nach Bremen zurück und ich …“

„He was soll das Peter, du malst schwarz. Bis jetzt bist du immer so energisch und mit Energie aufgetreten, und jetzt?“

„Wenn ich verliebt bin …“

„Du hast dich in mich verliebt?“

„Ja.“

„Ui … öhm … wow, jetzt bin ich platt. Das hat mir noch niemand gesagt.“

„Und was meinst du dazu?“

Jochen hielt an und nahm mich in den Arm. Sein Gesicht näherte sich meinem und er gab
mir einen Kuss.

„Warum weinst du?“, fragte mich Jochen, als er meine Tränen bemerkte.

„Ich bin einfach nur glücklich.“

„Wirst du auch bleiben, ich habe nämlich eine Überraschung für dich.“

„Und die wäre?“

Ich ließ ihn los.

„Was für eine Überraschung?“

„Hat Brigitte noch nichts gesagt?“

„Was soll sie gesagt haben, jetzt mach es doch nicht so spannend.“

„Ist es denn wirklich so schlimm für dich, wenn ich so weit weg wohne?“

„Schon, aber ich will dich nicht wieder verlieren, da muss ich wohl die Entfernung in Kauf nehmen.“

„Du würdest also zu mir nach Bremen kommen, wenn du Zeit hast, oder auf mich warten bis ich wieder her komme?“

„Ja, ja, ja. Ich will dich Jochen, keine andern, ich liebe dich! Auf was willst du denn hinaus?“

Ich wurde total nervös, mir war absolut nicht klar was Jochen damit bezweckte.

„Ganz einfach, dass du mich nicht verlieren wirst, und nicht auf mich verzichten musst.“

„Hä? Was jetzt, versteh ich nicht.“

„Also von vorne. Mein Vater hat durch Brigitte hier ein ganz tolles Angebot für einen Job bekommen, und da werden wir wohl hier her ziehen.“

„Du bleibst hier?“

„Ja, das heißt eigentlich nein! In zwei Wochen fahr ich noch mal heim, um packen zu helfen. Dann komm ich wieder her.“

Ich ließ Jochen los, fing an herumzurennen, zu hüpfen und zu jubeln.

„He, Kleiner langsam, schalt mal ein paar Gänge herunter, haben sie dir was in die Cola getan?“

Ich rannte zurück und nahm Jochen in den Arm.

„Nein ich bin nur glücklich.“

„Danke ich auch.“

Und wieder küssten wir uns.

*-*-*

Kaum hatte ich dir Haustür hinter uns geschlossen, lagen wir uns schon wieder in den Armen und küssten uns wieder.

„Wie wäre es mal mit Luft holen, werte Herren.“

Ich und Jochen fuhren auseinander. Meine Mutter stand grinsend im Türrahmen des Wohnzimmers.

„Dann hat dir wohl Jochen erzählt, dass er bald hier wohnt, so wie ihr aneinander hängt.“

„Du hast das gewusst?“, fragte ich erstaunt.

„Ja Brigitte hat mir erzählt, dass sie in das leer stehende Haus gegenüber ziehen.“

„Warum hast du mir nichts gesagt.“

„Ich wollte wissen, ob du für deine Liebe kämpfen willst“, antwortete meine Mum.

„Das hat er“, lächelte Jochen, „er hat nämlich gleich mit dem Thema Entfernung
angefangen.“

„Doch so ernst“, sagte meine Mutter und versuchte eine gewichtige Miene aufzusetzen, was ihr deutlich misslang.

Jochen begann schallend zu lachen. Meine Mutter kam zu mir her gehumpelt und nahm mich in den Arm.

„Ich gratuliere dir zu einem so lieben Freund“, meinte sie“, und du Jochen, mach meinen Großen nicht unglücklich, sonst bekommst du es mit der Mutter zu tun.

Dass sie es nicht ganz so ernst meinte, merkte man an ihrem Grinsen.

„Jetzt habe ich noch ein Problem“, meinte Jochen, „wie sage ich das meinen Eltern?“

*-*-*

Es war Samstagabend und Jochen und ich grad fertig mit dem Richten der Getränke und dem Essen, es klingelte an der Tür. Ich rannte hinunter und öffnete die Tür. Sabine mit Christian und Micha standen vor der Tür.

„Hallo Peter, hier sind wir, der Abend kann los gehen. Jörg und Sybille kommen auch gleich, die wollen noch etwas besorgen“, meinte Sabine und drängte mit ihrer Tasche herein.

Micha und Christian folgten ihr.

„Geht schon nach oben, Jochen ist schon da, ich hol nur noch schnell die Eiswürfel.“

Es klingelte erneut, der Rest der Truppe war angekommen. Als ich mit Sybille, Jörg und Andre oben angekommen war, saßen die anderen bereits da und diskutierten darüber, welche Musik aufgelegt werden sollte. Ich lief zu meinem CD- Player und legte eine Cd ein.

„Shania Twain, woher hast du die Scheibe denn?“, fragte Andre.

„Die habe ich von meinem Schatz geschenkt bekommen“, antwortete ich und wartete auf die Reaktion der anderen.

„Mach gleich lauter, ich hör die gern“, kam es von Andre.

„Wie Schatz?“, kam es dann endlich von Sabine.

Micha und Christian schauten auch neugierig. Jochen kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.

„Ich habe sie ihm geschenkt“, sagte Jochen.

„Du .. ihr..“, stotterte Sabine.

„Ja wir, wir sind zusammen“, gab ich strahlend von mir.

Jochen besiegelte das mit einem Kuss.

„Peter kannst du die mir ausleihen, damit ich sie mir brennen kann“, fragte Andre.

„Andre“, rief Sybille, „ hast du gerade gehört, was uns die beiden gesagt haben.“

„Ja, na und, wurde langsam Zeit das unser Peter endlich in feste Hände kommt“, grinste er.

Alle fingen laut an zu lachen. So lief auch der restliche Abend ab, bis wir schließlich uns für Nachlager fertig machten. Jochen sah mich an und ich wusste was er wollte. Ich nahm sein Kissen und legte es zu meinem auf die Matratze.
Keine fünf Minuten lagen wir alle flach. Eng an Jochen gekuschelt, genoss ich seine Wärme, einfach seine Nähe. Eine Diskussion war ausgebrochen, ob man so was nicht öfter machen sollte. Bisher waren wir ab und zu zusammen ins Kino gegangen oder Eis essen.
Jeder war dafür, dass wir mindestens einmal im Monat alle was zusammen machen sollten.

*-*-*

Anderswo in Bremen…

„Du meinst wirklich dem Jungen würde das gut tun?“

„Ja Annabelle, wenn sich sein Zustand nicht gebessert hat, kommt er zu einem Therapeuten.“

„Hoffentlich überstürzen wir nichts, Karlheinz.“

„Ich rufe nachher mal bei Brigitte an und frage wie es dem Jungen geht.“

„Rufe bitte gleich an“, sagte Annabelle.

„Wenn es dir danach wohler ist.“

„Hast du dir endlich einen Film ausgesucht, den wir noch schauen?“

„Du bist gut, Brigitte. Holst gleich vier Filme wie kann ich mich da entscheiden.“

Das Telefon klingelte.

„Wer ruft denn um diese Zeit noch an?“

Brigitte ging nahm den Hörer ab.

„Ja hier Tillich.“

„Hallo Brigitte, hier ist Karlheinz.“

„Hallo Karlheinz, wie geht es euch?“

„Soweit gut, der Hauptteil haben wir verpackt. Morgen kommen wir gegen Mittagessenszeit bei dir an. Und dir macht es wirklich nichts aus, wenn wir ein paar Tage bei dir sind?“

„Nicht die Bohne, freue mich sogar drauf.“

„Ist unser kleiner in der Nähe.“

„Da muss ich enttäuschen. Er ist mit Freunden zusammen.“

„Du redest von unserem Sohn?“

„Ja ich rede von Jochen. Er hat hier Anschluss gefunden sogar sehr lieben.“

„Das ging jetzt aber sehr schnell.“

„Ich habe dir doch erzählt von meiner Nachbarin.“

„Ja.“

„Und die hat einen Sohn in seinen Alter, der Peter.“

„Warum habe ich irgendwie noch so ein komisches Bauchgefühl bei der Sache?“

„Tja, liebes Brüderchen, ich verstehe was du meinst, aber dieses Gespräch ist euch mit eurem Sohn vorbehalten. Ich halte mich da raus.“

„Hat er was angestellt?“

„Nein ich sage nur so viel, er ist frisch verliebt.“

„Aha, na ja da bin ich ja mal gespannt, wir sehen uns morgen.“

„Ja bis dann. Tschüss.“

„Tschüss.“

Brigitte legte auf.

„Hast du nicht ein bisschen vorgegriffen“, meinte Inge, Peters Mutter.

„Iwo, ich kenne meinen Bruder.“

„Wenn das mal gut geht.“

„Hör mal Inge, dein Kleiner ist endlich mal glücklich verliebt und so schnell lass ich nichts an meinen Jochen und deinen Peter kommen, auch nicht von seinem Vater.“

„Du hast ja die Ruhe weg, ich will nur, dass meinem Großen nichts passiert.“

„Das wird es auch nicht versprochen.“

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Zuerst musste ich mich zurechtfinden wo ich überhaupt war, zudem schmerzte mir der Arm. Schnell wurde mir bewusst, was der Grund war. Jochen lag darauf und sein Kopf hatte sich auf meiner Brust breit gemacht.
Warum wir beide kein T-Shirt mehr anhatten, wusste ich auch nicht mehr. Aber es war einfach nur schön. Ich spürte Jochens Wärme auf meiner Haut, seinen gleichmäßigen Atem und seine Hand die auf meinem Bauch ruhte.
Ich strich ihm mit den Fingern sanft über die Schulter.

„Kannst du nicht schlafen mein Kleiner“, flüsterte er leise.

„Du bist auch wach?“ gab ich leise zurück.

„Wie kann ich da schlafen, wenn mich so was Süßes im Arm hält.“

„Ich weiß nicht aber ich finde es schön.“

Jochen wendete den Kopf und gab mir einen zärtlichen Kuss auf den Mund. Dann kuschelte er sich wieder an mich und zufrieden schliefen wir beide wieder ein.

*-*-*

Morgens wurde ich wach, weil ich etwas Feuchtes in meinem Gesicht spürte. Ich fuhr hoch und ein Waschlappen flog mir vom Gesicht.

„Er hat länger gebraucht als Jochen, anscheinend gefällt ihm was Feuchtes im Gesicht.“

Ich drehte meinen Kopf und das saß mein Schatz, Christian und Micha vor mir an der Matratze alle nur in Shorts, das war ein traumhafter Anblick. So könnte ich jeden Morgen geweckt werden, na ja der Waschlappen musste nicht unbedingt sein.
Frisch angezogen stand ich unten in der Küche und richtete das Frühstück. Jochen deckte den großen Tisch auf der Terrasse und die Mädels waren losgezogen um Brötchen zu holen.

„Morgen Peter“, meine Mutter kam in die Küche, „dürfen Brigitte uns euch anschließen?“

„Natürlich Mum es ist genug für alle da.“

Jochen legte noch zwei Gedecke mehr auf und eine halbe Stunde später, saßen wir alle vergnügt am Tisch.

„Das scheint noch ein herrlicher Tag zu werden“, meinte ich.

„Das kann ich noch nicht behaupten“, meinte Jochen, „heute Mittag kommen meine Eltern.“

„Schlimm?“

„Ich weiß nicht, wie sie drauf reagieren, sie wissen ja nichts.“

„Sie wissen, dass du verliebt bist?“, kam es von Brigitte, „mehr habe ich deinem Vater am Telefon gestern Abend nicht verraten.“

„Was hast du“, fragte mein Schatz ein wenig säuerlich.

„Er hat nach dir gefragt wie es dir geht, und ich hab gemeint dir gehe es gut du hast Anschluss gefunden und dich verliebt.“

„Jochen, daran musst du dich gewöhnen, Frauen sind so.“

Diese Aussage bereute ich sofort, als ich Sabines Ellenbogen in meinen Rippen spürte. Vom Rest der Damenwelt, erntete ich dafür böse Blicke. Andre konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

*-*-*

Die anderen waren gegangen, und wir lagen in der Sonne im Garten. Jochen war ein wenig eingedöst und ich betrachtete ihn mir genau. Im Sonnenschein glänzte sein Haar noch mehr. Im Gesicht konnte ich ein paar Sommersprossen entdecken, was ihn irgendwie noch frecher wirken lies.
Er war eigentlich normal gebaut so wie ich, das Volleyballspiel konnte man doch entdecken, seine Muskeln waren besser ausgeprägt als meine.

„Willst du mich noch weiter anstarren, oder gibst du mir endlich einen Kuss.“

Ich fuhr zusammen, wie machte er das bloß, das ich immer glaubte er schläft. Ich beugte mich zu ihm hinüber und gab im den gewünschten Kuss.

„Peter, Jochen… Jochens Eltern sind da.“

Meine Mum kam immer im passenden Augenblick, erschreckt fuhren wir auseinander, wobei es jetzt wahrscheinlich als Warnung für uns galt, wegen dem anstehenden Besuches. An Jochens Gesichtsausdruck konnte ich sehen, wie es ihn innerlich quälte was jetzt auf ihn zu kam. Mum kam mit Brigitte und einem Pärchen auf die Terrasse.

„Hallo ihr beiden, ist wohl doch später geworden gestern Abend“, meinte meine Mum.

„Nein wir haben nur die Sonne genossen“, gab ich zurück.

Blödes Gespräch dachte ich noch. Um Jochen die Nervosität ein wenig zu nehmen lehnte ich mich lässig an Jochens Schulter.

„So das hier ist mein Sprössling Peter“, sagte Mum zu Jochens Eltern.

Artig gab ich Händchen, den Diener lies ich weg.

„So du bist also jener welcher, der unserem Jochen den Kopf verdreht hat?“ sagte Jochens Papa.

Entsetzt schauten Jochen und ich mich an und wurden rot.

„Woher weißt.. du?“ stotterte Jochen.

Wieder ergriff Jochens Papa das Wort.

„Deine Mutter hegte schon lange den Gedanken, schon alleine, weil du keine Mädchen mit nach Hause gebracht hast, aber Gewissheit verschaffte uns erst Thomas.

„Thomas?“, riefen ich und Jochen gleichzeitig.

„Kommt lasst uns an den Tisch sitzen, ist bequemer für uns und für mich nicht so anstrengend“, meinte Mum.

Also setzten wir uns alle an den Tisch auf der Terrasse.

„Was hat das mit Thomas zu tun?“, fragte Jochen.

„Ich hab ihm vor den Supermarkt getroffen“, kam es diesmal von Jochens Mutter, „und ich hab ihn einfach gefragt, was mit dir los ist, da er ja anscheinend dein bester Freund war. Ich ließ nicht locker, da erzählte er mir alles, mit dem Vorbehalt, dir keine Ärger zu machen, was ich auch nicht vor hatte.“

„Ihr habt also keine Probleme damit?“, fragte Jochen.

„Es ist gewöhnungsbedürftig, schon alleine das wir keine Enkel haben werden, aber ich bin mehr als glücklich, das du wieder oben auf bist und dir zu dem solch einen adretten Jungen ausgesucht hast.

Kann man eigentlich tiefrot noch steigern? Jochen schaute seinen Papa an.

„Mach nicht so ein Gesicht Junge“, fing dieser an, „ich habe dich genauso lieb wie vorher. Wir haben uns mächtig Sorgen gemacht, erst verlierst du so viel Gewicht, was dir übrigens sehr gut steht, und dann den letzten Monat nur noch auf dem Zimmer, außer Schule überhaupt nichts mehr.“

„Thomas war eben der Grund, wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt. Ich hatte ihn missverstanden und hab mir Hoffnungen gemacht, falsche Hoffnungen. Ich wollte bloß niemanden mehr sehen.“

„Das hat sich ja jetzt anscheinend geändert, deinem Peter hast du es zu verdanken, dass wir nicht mit dir zum Therapeuten gegangen sind“, sagte Jochens Mum.

„Wie Therapeut? Verstehe ich nicht“, meinte Jochen.

„Junge vielleicht hast du es selber nicht gemerkt, aber im letzten Monat hast du dich nicht nur im Zimmer verkrochen, sondern auch immer weniger gegessen und wir hatten Angst, dass wird jetzt krankhaft bei dir.“

„Das er wenig isst, davon habe ich heute Morgen aber überhaupt nichts gemerkt beim Frühstück“, sagte ich und versuchte die Stimmung aufzulockern, „hat mir glatt das letzte Brötchen weggefressen.“

„Stimmt doch gar nicht, ich habe gefragt.“

„Stimmt wohl!“

Und schon jagte mich Jochen durch den halben Garten. Der Effekt war erzielt alle lachten, mir fiel ein Stein von Herzen, das alles so ausgegangen war. In meiner Versunkenheit der Gedanken stolperte ich über eine Wurzel und fiel hin, so hatte mich Jochen eingeholt. Er schmiss sich auf mich und begann mich durch zu kitzeln.

„Jochen hör auf, ich halt das nicht aus“, schrie ich vor Lachen, aber er machte weiter.

„Bitte Jochen ich mach mir gleich in die Hosen, hör doch auf…“

Und dann passierte es, ich konnte mich nicht mehr halten und es floss in Strömen in meine Hose. Zu spät merkte es Jochen und er bekam auch etwas ab.

„Inge ich glaube du solltest wieder windeln kaufen, dein Kleiner hat in die Hosen gemacht“, sagte Jochen und konnte sich fast nicht mehr halten.

Mit nasser Hose und hochroten Kopf lief ich an der lachenden Sippschaft vorbei ins Haus. Eigentlich sollte ich ja stinksauer sein, für die Blamage, aber ich konnte Jochen nicht böse sein.
„Warte doch Peter, Entschuldigung, soweit wollte ich nicht gehen.“

Ich stand mit der nassen Hose vor Jochen und schaute ihm in die Augen.. Ein kurzer Blick nach unten von ihm und er prustete wieder los.

„So ernst meinst du es also mit deiner Entschuldigung“, ich spielte den Beleidigten.

„Pietimaus, verzeih mir doch bitte“, sagte er lachend.

Wie hatte er mich genannt? Breitspurig lief ich weiter die Treppe hoch.

„Bitte Schatz vergib mir noch einmal“, er kroch fast die Treppe hoch, so lachen musste er.

In meinem Zimmer begann ich mich langsam auszuziehen, vor seinen Augen. Ich ließ ein Kleidungsstück nach dem anderen fallen. Jochen schluckte hart, als ich dann nackt vor ihm stand.

„Gehst du mit duschen?“, fragte ich lief an ihm vorbei in mein Bad.

Ich ließ die Tür ein Spalt offen, und drehte die Dusche an, bis ich plötzlich Küsse auf meinem Rücken spürte. Meinem Kopf nach hinten fallend genoss ich die zarten Berührungen von Jochen der sich nun eng an mich drückte.
Er war ebenfalls nackt. Ja ich wusste, dass ging jetzt alles etwas schnell, aber ich wollte mich nur rächen, aber dass es so ausging, war doch auch nett, oder?

*-*-*

„Da seid ihr ja endlich, wir haben beschlossen zu grillen, nachdem uns Karlheinz sein neues Domizil gezeigt hat“, sagte meine Mum, schaute auf unsere nassen Haare und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Meine rote Gesichtsfarbe hatte heute echt Hochkonjunktur, …irgendwie fühlte ich mich schon Blut leer, fast wie vorhin unter der Dusche, aber da war es aus einem angenehmeren Grund….

„Gerne, ich würd gerne sehen, wo Jochen wohnt“, sagte ich.

„Du willst mein Zimmer sehen?“

„Ja warum nicht, kann dir ja ein paar Tipps geben wo du was hinstellst.“

„Du kannst mir helfen tapezieren“, sagte Jochen.

„Bin ich froh, dass ich noch Schule habe diese Woche“, grinste ich.

„Aber nur morgens“, sagte meine Mutter lachend, wofür sie ein bitterböser Blick von mir erntete.

*-*-*

Also ergab ich mich meinem Schicksal, Montagmittag, stand ich in Jochens Zimmer und half tapezieren. Als mir Jochen erzählte, was er alles in seinem Zimmer vor hatte, machte es mir mit der Zeit mehr Spaß zu helfen.
Wir wurden zumindest mit Tapezieren fertig, streichen wollte Jochen am nächsten Tag.

„Welche Farbe?“, fragte ich.

„Da wo das Bett hinkommt möchte ich ein sattes kräftiges Blau, den Rest weiß.“

„Was für ein Bett überhaupt?“

„Es ist so groß, dass wir beide Plätze genug drin haben.“

„Ist dir etwa mein Bett zu klein?“

„Wenn ich öfters bei dir schlafen sollte, ist es zu klein, auf die Dauer schon.“

„Dann muss ich unbedingt mit meiner Mutter reden, was die Finanzen sagen.“

„Mach dass, aber erst mal solltest du Duschen, überall klebt an dir der Kleister“, meinte Jochen und nahm mich in den Arm. Er fing an, an meiner Unterlippe zu kauen.

„Bleiben wir hier oder duschen wir bei mir?“

Jochen lächelte, weil ich genauso reagierte wir er sich es vorstellte.

Später saßen wir bei Brigitte und aßen zu Abend.

„In was für eine Schule gehst du überhaupt, nach den Sommerferien“, fragte meine Mum.

„Das hab ich ja noch gar nicht gesagt. Ich werde das letzte Jahr bis zu meinen Prüfungen mit Peter in dieselbe Klasse gehen“, antwortete Jochen.

„Ob das mal gut geht“, meinte Jochens Mutter.

„Und danach?“

Meine Mum war heute wieder äußerst neugierig.

„Ich weiß noch nicht genau, aber ich würde gerne auf das technische Gymnasium gehen.“

„Hört, hört unser Sohn schmiedet Pläne.“

„Ja und, ich muss ja auch irgendwann an die Zukunft denken.“

Man sah Jochens Vater an das er vor Stolz trotzte, aber gesagt hatte er dann doch nichts. Also in den technischen Bereich wollte mein kleiner hinaus. Trotz Realschule, dank meiner guten Noten, hatte ich die Wahl zu einer privaten Kunstschule aufgenommen zu werden.
Auch sie war wie das technische Gymnasium in unserer Nähe. Also stand uns von da her auch nichts im Weg. Ich war einfach nur glücklich. Während Jochen mit seinem Vater über weitere Berufsmöglichkeiten diskutierte, hatte ich die Möglichkeit in genau zu beobachten.
Jochen sprach nicht einfach nur, er setzte seinen Hände, ja seine ganzen Körper ein. Ich war fasziniert davon und lauschte seiner Stimme. Ich nahm jede einzelne Bewegung in mich auf und merkte nicht wie ich langsam scharf auf ihn wurde.
Erst als sich in meiner Hose etwas zu regen begann, besann ich mich auf Besseres. Jochen war mittlerweile fertig mit seinen Ausführungen und kaute an seinem Steak. Er schaute mich an und merkte gleich, dass etwas mit mir nicht stimmte.
Schneller als ich dachte, fragte Jochen, ob wir nicht noch ein wenig hoch gehen wollten, Musik hören. Also taperten wir hoch in mein Zimmer. Kaum hatte ich die Tür geschlossen, nahm er mich in den Arm.

„Was ist los mein Großer?“, fragte er.

„Ich hab mir da vorhin Gedanken gemacht…“

„Über was?“

„Über dich und mich… ich will dir endlich ganz gehören…“

„Du willst wirklich?“

„Ja möchte ich..“

„Du weißt, dass kann ordentlich weh tun.“

„Nichts was du mit mir machst wird weh tun…“

*-*-*

Erschöpft lagen wir aufeinander.

„Ist es jedes Mal so schön?“ keuchte ich.

„Nein, es wird jedes Mal schöner“, sagte Jochen ebenfalls aus der Puste.

„Danke.“

„Wofür.“

„Dass ich eins mit dir sein durfte, dass du mich spüren lassen hast, wie sehr du mich liebst.“

„Oh du kleiner verrückter Kerl.“

„He, fragt sich wer hier der Kleine ist“, sagte ich.

*-*-*

Ein paar Tage später…

Ich wurde aus dem Schlaf gerissen, mein Wecker hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Es war ja zum Glück das letzte Mal. Viel laufen würde heute in der Schule nicht mehr, eigentlich nur die Ausgabe der Zeugnisse und dann endlich sechs Wochen Ferien.

„Warum grinst mein Schatz so früh am Morgen?“, es war Jochen der ebenfalls wach geworden war.

„Weil heut mein letzter Schultag ist und ich jetzt den ganzen Tag Zeit für dich habe.“

„Du weißt aber, dass ich heute mit meinen Eltern zurück fahre?“

„Das ist heute schon, o man… was mach ich dann nur ohne dich.“

„Jetzt hör dich doch einer mal an. Noch vor einer Woche wusstest du noch gar nicht, dass ich hier her ziehen würde. Und jetzt jammerst du weil ich drei Tage nicht da bin“, sagte Jochen und nahm mich in den Arm.

„Da siehst du mal, wie sehr du mich in deinen Bann genommen hast, ich bin süchtig nach dir.“

„Na hoffentlich bekommst du keine Entzugserscheinungen.“

Wir grinsten uns beide an.

„Wann fahrt ihr?“

„Nach dem Frühstück“, sagte Jochen.

„Gehst du mit mir duschen?“

„Nicht das du zu spät in die Schule kommst.“

„Dann muss halt mal die Kurzversion her halten.“

*-*-*

Die Ferien hatten begonnen. Unsere ganze Meute hatte sich für Mittags am Baggersee verabredet. Biene und ich fuhren zusammen mit dem Rad dahin. Es war unerträglich heiß geworden und ich freute mich auf ein kühles Bad.

„He Piet und Sabine, wir haben da ein Problem“, rief uns Jörg entgegen, als wir ankamen.

Ich sah es schon der Baggersee war an dieser Stelle restlos überfüllt.

„Und wo sollen wir jetzt hin liegen, wir sind sieben Leute“, meinte Sybille.
Andre meldete sich zu Wort.

„Ich kenne eine Stelle wo es garantiert noch leer ist. Es hat nur einen Haken.“

„Und der wäre?“, fragte Micha.

„Das ist der FFK Bereich“, sagte Andre.

Wir schauten uns alle an.

„Also Leute ich habe keine Schwierigkeiten vor euch nackt rum zulaufen“, kam es von Sabine als erstes.

Schnell waren wir uns einig, an die besagte Stelle von Andre zu fahren. Also schwangen sich alle aufs Fahrrad und fuhren Andre hinter her.
Er hatte uns wirklich nicht zu viel versprochen, es war wirklich ein schöner Platz. Umringt von Bäumen und Büschen, hatte man keinen Einblick von dem Weg her. Eine große Rasenfläche, die direkt am Wasser endete.
Ein großer uralter Baum spendete viel Schatten und ein Teil wuchs hinaus auf den See. Wir stellten unsere Räder ab und breiteten unsere Sachen aus. So nun standen wir da.

„Also ich zieh mich jetzt aus, ich vergehe bald“, meinte ich, machte den Anfang und zog mich aus.

Alle anderen zogen langsam nach, bis wir endlich alle nackt da standen.

„He Andre, was hast du da für ein geiles Tatu?“, fragte Sybille.

Automatisch schauten wir alle zu Andre. Direkt neben seinem Heiligtum prangte eine rote Rose mit einem Namen drauf. Christian beugte sich ein wenig vor um ihn besser lesen zu können.

„He Schatz, kaum haben wir nichts mehr an, stierst du schon nach anderen Kerlen“, meinte Micha.

„Ich wollte doch nur lesen, was für ein Name da steht“, antwortete Christian.

„Und was steht da?“, fragte Jörg.

„Andre, was sonst“, kam es von Andre selber, „aber würdet ihr bitte aufhören so zu starren, sonst kann ich für nichts mehr garantieren. Ich möchte ja nicht, dass hier ein paar anwesenden Herren neidisch werden.“

Alle fingen laut an zu lachen, dann rannten wir alle ins Wasser und eine riesige Wasserschlacht begann. Abgekühlt lagen wir dann auf unseren Matten und ließen uns von der Sonne wärmen. Es wurde ein richtig wunderschöner Mittag.
Sybille hatte die Idee Eis zu holen, also zogen ich und Micha uns an und liefen gemeinsam zu Kiosk. Als wir dort ankamen, musste ich einem Kind auf seinem Dreirad ausweichen, das an mir vorbeiheizte.
Ich tat einen Schritt zurück und schon passierte es, ich stolperte über etwas und verlor das Gleichgewicht. Und schon lag ich der Länge nach auf dem Boden.

„`Tschuldigung hast du dir was getan?“

Vor mir stand ein junger Mann in Saniklamotten, er gab mir die Hand und half mir auf.

„Nee, ist noch alles dran, bin nur erschrocken.“

„Tut wirklich nichts weh“, sagte er und schaute mich genauer an.

„He Peter du blutest am Rücken“, rief Micha.

„Habe ich gar nicht gemerkt, es tut zumindest nicht weh“, sagte ich.

„Ist aber ein ganz schöner Kratzer, warte ich mach dir etwas drauf, Peter… wenn ich richtig gehört habe“, meinte der Sani.

„Ja Peter heiße ich.“

„Ich heiße Vincent“, stellte sich mir der Sani vor.

Er war fast gute zwei Kopf kleiner wie ich, dick aber das störte mich nicht weiter, ich gehörte nicht zu denen, die aufs Äußere hielten. Was machte ich mir da schon wieder für Gedanken, nicht jeder Typ ist schwul, der mir über den Weg lief.
Wobei Vincent hatte irgendwie etwas besonders an sich. Ich fühlte mich wohl in seiner Gegenwart.

„Du Piet, ich geh schon mal zurück zu den anderen, das Eis fängt schon an zu verlaufen und womöglich denkt Christian noch, ich flirte hier herum“, sagte Micha.

„Als mein Jochen würde so etwas nie von mir denken“, meinte ich grinsend, während Vincent sich an meinem Rücken zu schaffen machte, „ich komm dann noch gleich nach, wenn Vincent hier fertig ist.“

„Okay bis gleich“, und schon war Micha verschwunden.

„Du bist schwul?“, fragte Vincent zögerlich als er meine Wunde mit irgendetwas einsprühte.

„Ja bin ich… Probleme damit?“

„Nein, jedenfalls nicht so wie du denkst“, erwiderte Vincent.

Vincent packte seine Tasche zusammen.

„Ich muss dann weiter, war nett dich kennen zu lernen“, sagte Vincent und war schon am weiter gehen.

„Vincent?“

„Ja?“

Er drehte sich noch mal zu mir um.

„Ich würde dich gerne näher kennen lernen.“

„Was bringt das? Du hast schon einen Freund, oder?“

„Ja habe ich, aber was hat das damit zu tun, wenn ich dich näher kennen lernen will.“

„Weil ich etwas Festes suche“, antwortete Vincent und sah seine traurige Augen.

„Hör mal, Vincent, ja ich hab einen festen Freund, aber was spricht gegen gute Freunde die für einen da sind. Du magst zwar älter sein als ich, aber dagegen spricht bei einer guten Freundschaft doch nichts.“

„Du magst recht haben, ich mag Jungs in deinem Alter sehr, aber ich will eben mehr, als nur einen normale Freundschaft.“

„Hast du was zum schreiben?“

„Ja warum?“

„Ich gebe dir jetzt meine Telefonnummer. Ruf doch einfach an, wenn du mit jemanden reden willst.“

„Danke nett von dir, aber…“

„Nichts aber, stecke sie einfach ein. Und danke noch mal fürs verarzten.“

„Ist mein Job.“

Es war mir egal, wer da alles um uns herum lief, ich gab Vincent einen Kuss auf die Wange.

„Also dann, Tschüss“, sagte ich und Vincent sah mir tief in die Augen.“

„Ja….. Tschüss.“

Ich spürte ein merkwürdiges Kribbeln im Bauch.

„Da bist du ja endlich wieder, du Schwerverletzter“, sagte Sabine, als ich wenig später unseren Liegeplatz wieder erreichte.

„Soso, hat Micha wieder Horrorgeschichten erzählt“, meinte ich.

„Und wegen dem kleinen Kratzer, hast du solange gebraucht“, Sabine wieder.

„Nein ich habe mich nur mit Vincent ein wenig unterhalten, mehr nicht.“

Alle schauten mich an.

„He Leute, ja Jochen ist mein fester Freund, deswegen darf ich mich doch noch mit anderen unterhalten.“

„Stimmt naschen darf man, aber essen muss man zu Hause“, kam es von Andre.

„Du und deine neunmalklugen Sprüche“, zickte ich ihn an.

„Wer weiß, ob du wegen Jochen nicht auf Entzug stehst“, sagte Andre wiederum.

Ich ging zu ihm hin.

„Und mir scheint, dein Eis hat dir keine Abkühlung gebracht.“

Ich hob ihn hoch und rannte mit ihm ins Wasser. Andres, nackten Körper an meinem zu spüren, hinterließ an mir Spuren, aber zum Glück war ich ja jetzt im Wasser.

„Rache ist süß“, rief Andre und schon tunkte er mich unter.

Die anderen waren auch ins Wassergekommen und schon war wieder ein Wasserschlacht im Gange.

*-*-*

Ich lag im Bett und hatte meinen Schatz am Telefon.

„Oh man, da wäre ich gerne dabei gewesen“, sagte Jochen, „und gefällt dir so was ein Tatu?“

„An Andre sah es mal nicht schlecht aus.“

„Und der Rest?“

Ich lachte laut auf.

„Nicht von schlechten Eltern, aber deiner gefällt mir fiel besser.“

Jetzt musste Jochen ebenfalls lachen.

„Jochen du fehlst mir.“

„Du mir auch mein Kleiner.“

Ich atmete tief durch.

„Peter komm, in zwei Tagen bin ich ja schon wieder bei dir.“

„Das sind zwei Tage ohne dich.“

„Mach es dir und mir doch nicht so schwer….“

„Hast ja recht… mit welchen Zug kommst du?“

„Mit dem kurz vor Vier, holst du mich ab?“

„Natürlich, kann doch meinen Schatz da nicht alleine auf dem Bahnsteig verkümmern lassen.“

„Also, dann noch eine schöne Nacht.“

„Ohne dich…“

„Peter…“

„Ja ist ja schon gut.“

„Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“

„Kuss.“

„Kuss.“

tut – tut – tut

Ich legte auf.

*-*-*

Mir kam es vor als wären es die längsten Tage meines Lebens. Es war drei Uhr und ich wollte gerade aus dem Haus um Jochen vom Bahnhof abzuholen, als das Telefon klingelt.

„Hier Peter.“

Stille

„Hallo wer ist denn da?“

„Vincent.“

„Hi Vincent, was ist denn los?“

„Ich kann nicht mehr…, will nicht mehr.“

„Vincent so darfst du nicht reden.“

„Wen stört das denn noch.“

„Vincent bitte, hör auf.“

Ich bekam Angst.

„Ich werde jetzt einfach einschlafen…“

„Vincent mach kein Blödsinn.“

Es kam nichts mehr.

„Vincent“, schrie ich ins Telefon.

Was mache ich jetzt nur. Ich war fast nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Ich rief bei meiner Mutter an und schilderte ihr kurz, was vorgefallen war. Sie hatte die Idee, beim DRK anzurufen, wo Vincent beschäftigt war.
Ich rief, nachdem ich die Nummer gefunden hatte, in der Leitstelle an. Zuerst wollte man mir nicht glauben, aber als ein Kollege im Hintergrund rief Vincent wäre noch nicht zum Dienst erschienen, änderte sich das schnell.
Wo Vincent wohnte, wollte man mir nicht sagen, aber ich hörte wiederum im Hintergrund, wo die anderen hinfahren sollten. Ich schmiss den Hörer auf und rannte zu meinem Fahrrad. Wie ein Wahnsinniger, raste ich durch die Strassen, dort angekommen stand schon der Rettungswagen.
Ich drängte mich durch den Haufen von Leuten, die vor der Eingangstür standen, um in die Wohnung zu kommen. Ich fand alle in einem Schlafzimmer, wo Vincent im Bett lag und versorgt wurde.

„Junger Mann verlassen sie bitte die Wohnung“, sagte einer der Männer.

„Ich habe sie verständigt wegen Vincent“, sagte ich mechanisch und starrte immer noch zu Vincent.

Mir liefen die Tränen herunter. Ich sah den Radiowecker.. scheiße 16.10 Jochen hatte ich auch noch vergessen.

Der Mann nahm mich in den Arm und schob mich hinaus. Ob Vincent überleben würde, was machte jetzt Jochen?

Ich saß draußen auf den Boden und weinte nur noch. Nach einer Weile merkte ich eine Hand auf meine Schulter.

„He Kleiner, was machst du denn, kaum lass ich dich alleine.“

Ich schaute nach oben.

„Jochen?

Ich sprang auf, fiel ihm um den Hals und fing an zu weinen, wie noch nie in meinem Leben. Jochen strich mir beruhigend über die Haare.

„Was ist wenn er nicht…..“

„Ssssscchh … Peter nicht, hör auf… es wird alles gut.“

Der Krankenwagen fuhr mit Sirenengeheul los, Jochen und ich standen immer noch am Straßenrand. Ich schaute ihn an.

„Wieso… wie bist du …“

„Deine Mutter, sie wusste doch wann ich ankomme, und als du vorhin in Panik bei ihr angerufen hattest, dachte sie schon, dass du mich vergessen würdest.“

„Tut mir leid Jochen, das ich dich vergessen habe..“

„Peter, Quatsch. Du hast einem anderen Menschen, wahrscheinlich das Leben gerettet.“

„Und wie kommst du hier her.“

„Das hast du ebenfalls dem Eifer deiner Mutter zu verdanken. Sie hat den Stellenleiter solange bearbeitet, bis er die Adresse rausrückte. Aber nun komm, laden wir dein Fahrrad ein und fahren nach Hause. Deine Mutter wartet schon da drüben.“

Ich lief zu meiner Mutter und nahm sie ebenfalls in den Arm.

„Wird schon alles wieder gut, morgen besuchst du den Vincent und wirst sehen, es geht ihm schon wieder besser.“

„Aber wenn er wieder….“

„Peter hör mir mal bitte zu, wenn Vincent hätte sterben wollen, hätte er nicht bei dir angerufen, das war seine Form von Hilferuf.“

„Da muss ich deiner Mutter recht geben“, sagte Jochen, der mit meinem Fahrrad hinter uns stand.

Am Abend war ich immer noch ein wenig geknickt, aber Jochen verstand es mich aufzumuntern.

„Was hast du mit mir für morgen alles geplant?“, fragte er.

„Wir wollten eigentlich schwimmen gehen, die ganze Meute“, gab ich zur Antwort.

„An derselben Stelle, die ihr letztes Mal wart?“

„Natürlich, wenn sie nicht schon besetzt ist, die gleiche Stelle.“

„Ah, dann kann ich mir ja auch die Rose von Andre anschauen.“

„Nur die Rose?“

Ich musste frech grinsen.

„Ich verspreche dir, ich werde nur Augen für dich haben.“

„Jaja und zu den anderen schielen.“

„Hör ich da grad was von Eifersucht bei meinem Kleinen, man du bist so süß.“

„Wie süß?“

Jochen neigte sich zu mir und strich sanft mit seiner Zunge über meine Lippen.

„Traumhaft süß!“

*-*-*

Ich wurde früh wach. Jochen lag neben mir und schlief noch. Sachte strich ihn sein wirres Haar aus dem Gesicht. Zufrieden brummte er und begann zu lächeln. Ich stand auf und suchte meine Shorts, weil nackt wollte ich meiner Mutter unten in der Küche nicht begegnen.

„Morgen Schatz und geht’s dir besser?“

„Ja Mum, ich habe geschlafen wie ein Baby.“

„Kann ich mir vorstellen bei dem Babysitter.“

Ich schaute meine Mutter grinsend an. Sie strich mir übers Haar und räumte ihr Geschirr weg.

„Heute wird es bei mir ein wenig später, wir haben noch die Inventur fertig zu machen.“

„Geht in Ordnung, ich bin ja nicht alleine.“

„Also gut, bis heute Abend dann.“

Sie nahm ihre Tasche und schon war sie zur Tür raus. Ich stand am Küchenfenster, schaute ihr nach und trank einen Schluck von meinem Kaffee.

„Wie kannst du mich nur alleine im Bett liegen lassen“, kam es von hinten.

Ich fuhr herum, Jochen stand vor mir.

„Ich wollte dich nicht wecken, du warst so goldig, als du schliefst.“

„Ich weiß.“

„Aha, der Herr ist überhaupt nicht eingebildet“, sagte ich lächelnd.

„Nö, wieso.“

Er trat mir gegenüber und gab mir einen Kuss.

„War das alles?“

Er öffnete das Marmeladenglas tunkte seinen Finger hinein und strich dann damit über meine Brust. Satt verteilte er die Marmelade auf meiner Haut. Dann fing er mit der Zunge alles abzulecken. Ich konnte nicht anders und stöhnte laut auf.
Plötzlich hörte er auf und ließ mich stehen.

„He was soll das jetzt?“

„Ich gehe duschen.“

„Und du lässt mich hier jetzt einfach so stehen?“

„Natürlich, hast mich ja auch einfach im Bett so liegen lassen.“

„Ach so läuft der Hase, na warte wenn ich dich in die Finger kriege.“

„Versuchs doch mal“, lachte Jochen und rannte die Treppe hinauf.

Ich stellte endlich meine Tasse Kaffee ab und setze ihm nach. Ich kam in mein Zimmer, in der Erwartung ihn an zutreffen doch hier war er nicht. Plötzlich spürte ich seine Hände in meinen Seiten und ich ließ einen lauten Schrei von mir, weil es kitzelte.
Ich fiel vornüber ins Bett, Jochen landete auf mir. Seine Finger bohrten unaufhaltsam in meinen Rippen.

„Jochen hör auf du weißt wo das endet.“

Abrupt hörte er auf zu kitzeln.

„Ich will keinen Ärger mit deiner Mutter haben, wenn sie dein vollgepinkeltes Bett abziehen muss.“

Er schaute mich einen Augenblick ernst an und fing dann laut an zu lachen.

„Du Jochen, da fällt mir was ein.“

Ich stand auf und machte meinen PC an.

„Ich habe etwas für dich geschrieben, als du weg warst“, sagte ich.

„Für mich?“

„Ich habe dir doch erzählt, dass ich ab und zu meine Gedanken aufschreibe.“

„Ja hast du, und nun hast du also auch was über mich geschrieben.“

„Nein für dich, mein Schatz.“

Ich öffnete den entsprechenden Ordner und lies ihn lesen.

gefühle für dich
so unbeschreiblich schön
unerklärbar und doch so nah
…. zum greifen nah ….
im gedanken mit dir aufstehen
den tag verbringen seite an seite
und abends gemeinsam in die nacht schreiten
in traumlandschaften
weit hinter dem horizont
die fülle unserer gedanken
gemeinsam genießen
und das jede einzelne sekunde
im meer aus farben unserer gefühle
treiben lassen
auftanken und weiter gehn
in den nächsten tag
der genauso beginnt
wie der andere erstarb……….
gefühle für dich
so unbeschreiblich schön
©peter2002

„Und dann das hier noch, ich hoffe es gefällt dir auch“, sagte ich.

die sehnsucht nach dir
vernebelt meine gedanken
macht mich unfähig einen gedanken zu halten
du – du – du immer du
schwierst mir im kopf umher
die bilder der erinnerungen laufen vorbei
erwecken erneut gefühle
du – du – du immer du
bohrst in meinem tiefsten innern
findest ecken
wo vor dir noch niemand war
du – du – du immer du
besänftigst meine seele
die unruhig umher fliegt
kein ende finden kann keinen halt
du – du – du immer du
raubst mir die sinne
das verlangen nach dir
zur sucht wird
du – du – du immer du
bist mein
gestern
heute und mein morgen
was ich aber auch nie wieder hergeben möchte…….
© peter 2002

Jochen starrte noch immer auf den Monitor. Ich bemerkte eine einzelne Träne die über seine Wange sich ihren Weg suchte.

„So sehr liebst du mich?“

„Ja!“

Er war aufgestanden und drückte mich fest an sich.

„Noch vor einem Monat hegte ich dieselben Gedanken wie dieser Vincent.“

Er setzte sich wieder auf das Bett. Ich schaute ihn fassungslos an.

„Ja, ich hab mir darüber Gedanken gemacht, eine Schlussstrich zu ziehen. Was hätte ich auch tun sollen. Im Nachhinein sieht alles anders aus. Ich war gekränkt, zu tiefst verletzt. Eigentlich durch einen eigenen Fehler, aber das wollte ich so nicht sehen. Dann kam mein Vater mit der Idee zu Tante Brigitte zufahren.“

„Du wolltest dich echt umbringen?“

„Ich hatte es mir fest vorgenommen. Irgendeine Möglichkeit hätte ich hier schon gefunden. Aber kurz nach meiner Ankunft hier, hat sich alles verändert.“

„Aus welchem Grund?“

„Ich war mit Brigitte jemanden besuchen… und als die Tür geöffnet wurde, da stand er… du, mit einem Lächeln im Gesicht, das mich fast um den Verstand gebracht hätte. Aus deinen Augen sprang so viel Energie auf mir über, dass ich wieder neuen Lebensmut fand.“

„Und doch bist du vor mir weggelaufen.“

„Ja, die Erinnerungen kamen zurück und ich hatte Angst davor, wieder enttäuscht zu und verletzt zu werden.“

Ich kniete mich vor ihm nieder und nahm seine Hände in die Meinigen.

„Du brauchst deswegen nie wieder Angst zu haben. Ich liebe dich Jochen und genieße wirklich jede einzelne Sekunde. Falls es auch mal Streit geben sollte, weil ich denke, wir sind nicht immer einer Meinung, darfst du nie vergessen wie sehr ich dich liebe!“

„Ich weiß gar nicht womit ich dich verdient habe. Du bist so lieb und ich bin froh, dass du da bist, mich raus gezogen hast aus dem ganzen Schlamassel.“

„He wir haben heute mein Großer, also vergiss ganz schnell was war, ok?“

„Ja tu ich.“

Er nahm mich in den Arm und wir verloren uns in einen unendlichen Kuss.

„Du bist sicher, dass ich mit hinein gehen soll?“

„Jetzt komm Jochen, sei kein Frosch. Vincent möchte dich sicherlich auch kennen lernen“, meinte ich.

Ich öffnete die Tür und wir traten ein. Die Jalousie war herunter gelassen, aber es war genug Licht um Vincents Bett zu erkennen.
„Vincent?“ sagte ich leise.

„Ja“, kam es vom Bett.

„Hier ist Peter.“

Er drehte den Kopf und sah uns an.

„Das ist Jochen mein Freund.“

„Hallo“, kam es zaghaft von Vincent und streckte Jochen die Hand entgegen.

„Tut mir leid, dass ich dir so viel Ärger gemacht habe Peter.“

„Hast du nicht, ich bin nur verärgert, dass du den Weg eingeschlagen hast, und nicht versucht hast, dir von jemanden helfen zu lassen“, antwortete ich.

„Peter, das ist nicht so einfach“, kam es von Jochen, „wenn du die umbringen willst, in dem Augenblick denkst du nicht über andere nach, alles dreht sich nur um dich.“

„Du hast wohl auch Erfahrungen damit gemacht“, sagte Vincent.

„Den letzten Schritt habe ich nicht gemacht, dank Peter“, erwiderte Jochen und senkte seinen Kopf.

„Unser Peter entwickelt sich wohl zum Retter von Selbstmördern..“

Ich schaute Vincent etwas schräg an.

„Ist ja schon gut, ich weiß, war ne blöde Feststellung“, meinte er dann nur.

„Bei Peter war es nur so, er hat bei mir bewirkt, dass ich wieder leben wollte“, sagte Jochen.

„Inwiefern?“, fragte Vincent.

„Ich hab mich in ihn verguckt“, meinte Jochen mit einem Lächeln.

„Wenn ich nur jemanden finden würde…..“, sagte Vincent und ich merkte wie er kurz vor dem Weinen stand.

Ich nahm seine Hand.

„Vincent, wenn du versuchst mit Gewalt einen Freund zu finden, wird das nichts, am Ende gerätst du an den Falschen, der dir womöglich noch das Herz bricht. Ich habe auch nicht mit einem Freund gerechnet, bis Jochen bei mir vor der Tür stand, wobei ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste ob er auch schwul war.“

„Peter hat Recht. Es läuft eben nicht ab wie im Film, Junge trifft Jungen verliebt sich und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie sich noch heute“, meinte Jochen, „es hat nie jemand behauptet die Liebe und alles was damit zu tun hat wäre einfach.“

„Also Vincent, wenn du jemand, und ich denke ich spreche auch für Jochen, wenn du jemand zum reden brauchst, wir sind für dich da.“

„Ich möchte euch aber nicht zur Last fallen“, sagte Vincent.

„Wieso solltest du uns zur Last fallen. Wir bieten dir unsere Freundschaft, und das einzigste, was du machen musst, sie annehmen.“

Jochen nickte.

„Du bist so lieb Peter.“

„Das höre ich heute schon zum zweiten Mal. Muss wohl was dran sein.“

Jochen fing an zu grinsen.

„Und wie geht es jetzt weiter mit dir?“, fragte ich.

„Also erst mal bin ich vom Dienst einen Monat befreit, aber mein Chef bestand darauf, zu unserem hauseigenen Therapeuten zu gehen. Wegen meiner Einsamkeit und so.“

„Weiß dein Chef, dass du schwul bist?“, fragte Jochen.

„Ja weiß er.“

*-*-*

Wir waren noch ein ganze Weile bei Vincent gesessen, und hatten fast vergessen, das wir zum schwimmen verabredet waren. Zu Hause angekommen, packten wir schnell unsere Schwimmsachen und radelten wieder los.
Natürlich waren die anderen schon da. Ich und Jochen zogen uns gleich aus und breiteten unser Matten aus.

„Das so süße Jungs schwul sein müssen“, sagte Sabine, als sie ihn nackt sah, „man Jochen du bist ja echt eine Sahneschnitte.“

Jochen wurde feuerrot im Gesicht und ich musste lachen.

„Also wenn ihr nichts dagegen habt ich gehe gleich ins Wasser mir ist warm“, meinte Jochen und rannte schon davon.

Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen und folgten Jochen. Das Wasser war herrlich erfrischend und nach einer kleinen Wasserschlacht nahm mich Jochen in den Arm.

„Guck dir doch die zwei Turteltäubchen an“, meinte Jörg.

„Neidisch?“ kam es von meinem Schatz.

„Nicht im geringsten“, meinte Jörg und zog Sybille zu sich und küsste sie.

„Andre komm her und nehm mich in den Arm ich ertrage es nicht das hier mit anzusehen“, meinte Sabine.

Alle fingen an zu lachen.

Wenn später folgte noch eine Überraschung. Matthias tauchte auf.

„Andre hat mir erzählt, dass ihr euch hier immer trefft, und ich dachte ich schau mal vorbei. Bei der Hitze werde ich noch verrückt mit diesem scheiß Gips.“

Ein Grinsen ging durch die Menge.

„Willst du dich nicht ausziehen?“, kam es von Sabine, die auffällig dicht bei Andre lag.

„Würde ich gerne, aber es gibt da ein klitzekleines Problem.“

„Und das wäre“, fragte Sabine.

„Mit meinem Gips bin ich nicht so gelenkig wie ich das gewohnt bin.“

Ich stand auf und ging zu Matthias.

„Da werde ich mich mal opfern und Abhilfe schaffen“, sagte ich.

„Jochen ließ einen gespielt bösen Blick zu mir herüber wandern.

„Nene lass mal lieber, so wie dein Freund guckt, ich will nicht noch einen zweiten Gipsarm.“

Jochen fing schallend laut an zu lachen und kam ebenfalls zu Matthias.

„Peter ich denke wir werden das mal zu zweit übernehmen“, meinte Jochen.

„Ich glaub Matthias verliert jetzt seine Unschuld“, rief Jörg, was ihm zwar einen Rüffel von
Sabine einbrachte, dafür aber die Lacher der anderen.

„Wenn ihr zwei Hilfe braucht Christian und ich helfen gerne“, sagte Micha lachend.

„Och, keine Sorge, mit Matthias werden wir schon fertig“, sagte ich.

Matthias verzog das Gesicht, als ich mich an seinem Tshirt zu schaffen machte.

„Wenn du oben anfängst, mach ich unten weiter“, sagte Jochen und lachte.

Matthias wurde rot, weil man unter seine Shorts eine mächtige Beule sah.

„Ähm Matthias, ich habe doch noch gar nichts gemacht“, sagte Jochen grinsend.
Ich zog das Shirt noch vorsichtig über den Gips und sah dann, was Jochen meinte.

„Ihr seid gemein, was würdet ihr machen, wenn ihr von so zwei gutaussehenden Jungs ausgezogen wirst.“

Alle fingen wieder an zu lachen.

„Matthias… ähm, du stehst auf Jungs?“ sagte Andre.

„Wieso, bist du noch zu haben?“

Alle Achtung, das war ein guter Konter von Matthias.

„Nein, ich glaube ich bin weg vom Markt, oder was meinst du Sabine?“

Das war das erste Mal wo ich Sabine sprachlos erlebte. Sie wehrte sich auch nicht, als Andre sie küsste.

„Na super und ich gehe leer aus“, sagte Matthias.

Jochen zog ihm jetzt auch noch die Shorts herunter und ich setzte mich mit ihm auf unsere Matten zurück.

„Und wo kann ich mich jetzt setzen?“, fragte Matthias.

„Komm zu uns“, meinte Jochen und legte sich zu mir herüber.

„Wenn du noch eine Weile mit deinem Hintern so an mir reibst, kann ich für nichts garantieren“, flüsterte ich ihm ins Ohr.

Er wendete den Kopf und grinste mich an.“

„Gibt es hier Zecken?“, fragte er mich nur und ich musste los lachen, während Matthias sich auf Jochens Matte nieder lies.

„Sag mal Matthias, hast du das vorhin ernst gemeint, dass du auf Jungs stehst?“, fragte Sybille.

„Wenn du mich so fragst, ich würde eher sagen ich bin Multiculti, ich interessiere mich für alles.“

„Könntest du dir eine Beziehung mit einem Freund vorstellen?“

„Warum nicht, wenn ich Christian und Micha und die zwei Täubchen hinter mir sehe, da spricht nichts dagegen.“

„Und wie sollte er so sein?“

„Du um ehrlich zu sein, bin ich noch nie nach dem Aussehen gegangen.“

„Hört, hört, unser Klassenmacho hat gesprochen“, meinte Sabine und versuchte sich das Lachen zu verkneifen.

„Das stimmt aber wirklich. Nehmt Peter als Beispiel, so einen Freund wie er mit so einem Charakter, so was würde mir sofort gefallen.“

„Nur das der mir gehört und verdammt gut aussieht“, sagte Jochen.

„Leider“, sagte Matthias ernst, fing aber dann zu lachen.

„Du Peter, ich wüsste da jemanden“, sagte Jochen.

Ich wusste sofort wen er meinte.

„Ich weiß nicht, Vincent ist ein lieber Kerl, aber ob Matthias…“

„Wer ist Vincent?“, fragte Matthias.

*-*-*

Wenige Tage später besuchte ich wieder Vincent, und diesmal war Matthias dabei. Die Zwei verstanden sich auf Anhieb und nach einer halben Stunde, ließ ich die beiden dann auch alleine. Ich selber fuhr nach Hause zurück.
Die Geheimniskrämerei zwischen Jochen und meiner Mutter ging mit langsam auf die Nerven. Das einzige was ich wusste, dass es um meinen achtzehnten Geburtstag ging. Jedes Mal wenn die zwei beieinander waren, und ich dazu kam, endete ihr Gespräch abrupt.

… noch eine Woche, dann war ich endlich Volljährig, aber ändert sich da was für mich? Ja, ich kann ein paar Sachen mehr machen, aber so gesehen, bleibt irgendwie doch alles beim Alten…

Und da sich anscheinend die beiden sich um meinen Geburtstag kümmerten, brauchte ich mich wohl nicht drum kümmern. Also saß ich vor meinem PC und beantwortete einige Mails.

„Na Kleiner was treibst du?“ Jochen war in mein Zimmer gekommen.

„Da müsste ich erst mal jemanden da zu haben“, antwortete ich.

„Zu was?“

„Zum Treiben“, lachte ich.

„Und hast du Mails bekommen.“

„Ja, eine aus Kanada, von meinem Mailfreund. Er hat geschrieben, er gehe jetzt segeln eine Woche, damit ich weiß das er nicht da ist.“

„Ist der auch schwul?“

„Nein, er hat schon seit zwei Jahren ne Freundin.“

„Und weiß er über dich Bescheid?“

„Ja, und über dich auch, er hat sich sehr gefreut, das ich endlich auch jemanden habe.“

„Hast du ein Bild von ihm?“

„Ja Moment, ich muss es kurz aufmachen.“

„Ui, der is aber süß.“

„Ich weiß, ich kenne nur so süße Typen“, grinste ich.

„Muss ich jetzt eifersüchtig werden?“

„Kannst du, weil du dann immer so goldig guckst.“

Ich zog ihn zu mir her und gab ihm einen Kuss. Ich flog fast von meinem Stuhl, weil er sich mit seinem vollem Gewicht auf mich fallen lies.

„Bett?“, fragte er mich.

„Warum nicht?“

„Worauf wartest du dann noch?“

„Das du endlich von mir runtergehst.“

„Ups..aha.“

*-*-*

Drei Tage später kamen Jochens Eltern mit zwei großen LKWS einer Umzugsfirma. Unsere Freunde waren auch gekommen, so ging es richtig schnell, die zwei Wagen auszuladen. Der olle Ziegler stand natürlich am Zaun um ja nichts zu verpassen.
Als Jochen mich kurz in den Arm nahm und einen Kuss gab, fiel ihm der Unterkiefer in den Vorgarten, so würde es aber auch bald die ganze Strasse wissen. Micha bekam das mit und begann natürlich gleich seinen Christian abzuknutschen.
Das war jetzt wohl doch zuviel für den Ziegler, entrüstet ging er ins Haus zurück. Und wir standen da und konnten nicht mehr vor lachen.

„Könnte man den Grund eurer Heiterkeit erfahren?“, fragte Jochens Mutter.

Jochen erzählte ihr in Kurzfassung, was eben gerade geschehen war. Sie wusste nicht ob sie laut loslachen sollte, oder schimpfen. Sie entschied sich für ersteres. Nach intensiven vier Stunden, waren die zwei Lkws leer.
Brigitte und Mum hatten im Garten für alle etwas zum Essen gerichtet. Mit Heißhunger fielen wir darüber her, so dass die Erwachsenen nur noch den Kopf schüttelten. Danach verabschiedete sich unsere Clique von uns und nur noch Jochen und ich standen da.

„So los komm, richten wir dein Zimmer ein“, sagte ich.

„Das Bett zuerst?“

„Natürlich, sonst müssen wir uns ja wieder mit meinem Bett abgeben“, grinste ich.

Wir stürmten die Treppe hoch zum Dachgeschoss. Die blaue Giebelwand kam wirklich gut, wo Jochen das Bett haben wollte. Mit ein paar Anfangsschwierigkeiten bekamen wir es dann doch noch gestellt.
Umso schneller waren Schrank, Regale und der Schreibtisch aufgebaut. Während Jochen begann seine Klamotten einzuräumen, stellte ich seinen Pc auf. Nach gut zwei Stunden, sah es schon recht wohnlich aus. Es klopfte an der Tür.

„Kann ich reinkommen?“

Es war Jochens Vater.

„Das hat er noch nie gefragt“, meinte Jochen, „natürlich kannst du.“

Die Tür ging auf und er schaute herein.

„Hi ihr zwei. Man ihr seid ja schon ganz weit gekommen. Ähm.. Jochen ich habe da noch was für dich, sozusagen als Einzugsgeschenk.“

Er hob Jochen eine kleine Kiste entgegen, die ihm Jochen mit großen Augen abnahm. Er riss sie auf und ein kleines schnurrloses Telefon kam zum Vorschein.

„Wir dachten uns, du brauchst ein wenig mehr Privatfähre jetzt und haben dir einen Anschluss hochlegen lassen. Und das hier ist eine Karte fürn Pc, das du auch ISDN und DSL nutzen kannst.“

„Wow Papa… womit hab ich das verdient?“

Er legte die Sachen auf seinen Schreibtisch und fiel seinem Vater um den Hals.
„Danke Dad, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“

„Nichts Sohnemann, mir reicht dein lachendes Gesicht, darauf habe ich solange verzichten müssen.“

Ich sah mir das an, und wurde irgendwie traurig. Irgendwie vermiste ich jetzt meinen Vater, war neidisch auf Jochen. Sein Vater verließ das Zimmer wieder und Jochen schloss das Telefon gleich an.
Er schaute mich an und merkte gleich das was nicht stimmte. Er streichelte sanft über mein Gesicht.

„Was ist los“, fragte er.

„Ach nichts.“

Ich drehte mich weg und lief zum Fenster.

„Hey Peter, was soll das?“

„Ach, ich weiß selber nicht, als ich dich grad so innig mit deinem Vater gesehen habe, wurde ich neidisch, ich kenne so was eben nicht.“

„Ist es so schlimm?“

„Ja irgendwie schon. Habe es oft vermisst, von meinem Vater in den Arm genommen zu werden.“

„Weißt du eigentlich was aus ihm geworden ist?“

„Natürlich, er wohnt nicht mal weit weg. Er hat wieder geheiratet und ich habe sogar Stiefgeschwister glaub ich, gesehen habe ich sie aber noch nie.“

„Keinen Kontakt?“

„Nein… die Karten die zum Geburtstag immer kommen, die sind von seiner Frau geschrieben, aber gesehen habe ich ihn schon lange nicht mehr.“

„Er fehlt dir wirklich..“

„Ja.. ich will nichts meiner Mutter absprechen, sie war immer für mich da, hat mir bei allem geholfen, aber wenn ich andere Kinder mit ihren Vätern spielen hab sehen.. dass tat eben weh.“

Jochen nahm mich von hinten in den Arm und drückte mich an sich. Mit den Fingern wischte er mir die Tränen aus dem Gesicht, die ich gar nicht bemerkt hatte.

„He Kleiner nicht versagen, da finden wir auch noch ne Lösung.“

Ich hörte ihm gar nicht recht zu, denn meine Gedanken kreisten nur um meinem Vater.

*-*-*

Es dauerte fast eine Woche, bis Jochens Eltern den letzten Karton auspackten und somit fast fertig waren mit dem Umzug. Jochens Dad musste jetzt auch bei seiner neuen Stelle anfangen und somit war es an seiner Mutter, den rest noch zu bewältigen.
Jochen und ich waren fast jeden Mittag am Baggersee, natürlich mit der ganzen Clique. Zwei waren dazu gekommen… Matthias und der Vincent.
Am Abend vor meinem Geburtstag, hielt ich es dann doch nicht mehr aus. Ich rannte hinunter in die Küche. Meine Mutter stand mit Brigitte und Annabelle und waren kräftig am wirken.

„Kann ich wirklich nichts helfen?“, fragte ich.

„Eigentlich sind wir mit dem meisten fertig, nein kannst du nicht“, kam es von meiner Mutter.
Ich fuhr zusammen, weil sich plötzlich ein Arm um mich legte.

„Ist mein Kleiner wieder neugierig?“ es war Jochen.

„Oh man, hast du mich jetzt erschreckt.“

„Schlechtes Gewissen?“

„Sollte ich das haben?“

„Wer weiß“

Und wieder dieses Herz zerreisende Lächeln, das mich hinschmelzen ließ.

„Wie wer mit Kino?“, fragte Jochen.

„Gerne, und was für einen Film?“

„Das kannst du aussuchen“, meinte er.

„Also gut, dann lass uns mal losgehen“, meinte ich.

*-*-*

Von dem Film hatte ich nicht viel mitbekommen, weil ich nur am Knutschen mit Jochen war. Gut gelaunt kamen wir zurück. Bei mir war schon alles dunkel, bei Jochen brannte noch Licht im Schlafzimmer seiner Eltern.

„Schläfst du bei mir?“

„Gerne.“

So liefen wir leise hoch in mein Zimmer, machten uns Bettfertig.

„He Kleiner komm mal her“, sagte Jochen.

„Was ist?“

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, es ist zwölf Uhr.“

„Danke Jochen.“

Er nahm mich in den Arm und küsste mich, dass mir ein leichtes Schaudern den Rücken runter lief.

„Ich wollte es dir ja erst beim Frühstück geben, aber jetzt geht es auch schon.“

Jochen ging zu seiner Hose und zog ein Päckchen heraus.

„Hier für dich Peter, mein Schatz.“

Ich nahm es entgegen und packte es aus. Zum Vorschein kamen eine Kette und ein Ring. Ich lächelte Jochen an.

„Lies was im Ring steht.“

Ich nahm den Ring und sah die kleinen Buchstaben auf der Innenseite.

> Forever and Allways<

Ich merkte das Nass in meinen Augen und zog Jochen zu mir.

„Danke Jochen, noch mal, das ist absolut lieb von dir.“

Jochen nahm die Kette und den Ring und legte es mir an den Hals an.

*-*-*

Unsanft wurde ich durch das Gesinge meiner Mutter geweckt. Sie stand in der Tür und hatte eine Torte mit achtzehn Kerzen drauf in der Hand. Ich sah Jochen an, der anscheinend schon hellwach war und mich angrinste.

„Alles Gute zum Geburtstag Sohnemann.“

„Danke Mum. Ich muss das wohl jetzt ausblasen?“

„Oder zieh dir erst mal was an“, kam es grinsend von meiner Mutter.

Jetzt erst merkte ich, dass ich überhaupt nichts anhatte. Meine Mutter verließ lachend das Zimmer, ich zog mir einer Shorts und Tshirt über und folgte ihr.

„Wenn es nach mir gegangen wäre, hättest du so bleiben können, dein Anblick ist einfach zu…, na ja geh mal deine Kerzen auspusten, bevor die Torte verbrennt“, meinte Jochen.

Ich grinste und rannte in die Küche hinunter.

„Happy Birthday“, riefen mir Brigitte und Jochens Eltern entgegen.

Jetzt stand ich doch einwenig baff da.

„Komm blas deine Kerzen aus, Karlheinz möchte ein Stück davon“, sagte meine Mum.
Irgendwie mechanisch blies ich die Kerzen aus. Brigitte und Jochens Eltern waren aufgestanden. Brigitte nahm mich in den Arm und drückte mich an sich.

„Alles Gute Peter“, sagte sie und drückte mir einen Umschlag in die Hand, „der ist von uns allen Vieren.“

Annabelle und Karlheinz gratulierten mir ebenfalls. Nervös öffnete ich den Umschlag und zog eine Gutscheinkarte heraus.

Einen

Gutschein

für einen
einwöchigen
Segeltörn
für
zwei Personen
von
Mum, Brigitte, Annabelle und Karlheinz.

„Mensch Leute danke, aber das ist doch viel zu teuer“, sagte ich und musste jeden einzelnen drücken.

„Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, du hast sehr viel für uns getan“, meinte Karlheinz und schaute mir über die Schulter, wo ich Jochen bemerkte.

„Da muss ich mir direkt überlegen, wen ich da mitnehme“, sagte ich.

Meine Mum wollte schon etwas sagen, bemerkter aber das ich nur Spass machte.

*-*-*

Der Vormittag und Mittag gingen schnell vorüber. Jochen und ich schafften meinen PC auf die Terrasse für die Musik. Die Damen schmückten den Garten und Karlheinz machte sich am Grill zu schaffen.
Ich schaffte es gerade noch, mich zu duschen und anzuziehen, da kamen schon die ersten Gäste. Wenig später rief mich meine Mum ins haus ob ich die Tür öffnen könnte es hätte geklingelt. Ich gab Jochen mein Glas und lief durchs Haus zur Haustür. Ich öffnete und war wie vom Blitz getroffen.

„Vater du?“

Es war komisch, solange nicht mehr gesehen, aber ich wusste sofort wer vor mir stand.

„Hallo Peter.“

Da stand mein Vater mit seiner Familie vor der Tür.

„Hallo Reinhard, schön dass ihrs einrichten konntet zu kommen“, kam es von hinten.

Meine Mum und Jochen standen hinter mir.

„Hast du..?“, fing ich an zu stammeln.

„Nein, lieber Sohn, das ist alleine von deinem Jochen ausgegangen“, sagte Mum.

Ich schaute wieder zu meinem Vater.

„Alles Gute zum Geburtstag wünschen wir dir“, sagte mein Vater.

„Danke Dad, sorry kommt doch erst mal mit rein.. ihr müsst entschuldigen, damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet“, sagte ich.

„Dir es aber gewünscht, oder?“ sagte Jochen.

Ich ging ins Wohnzimmer, wohin mir alle folgten. Mein Vater stellte mir seine Familie vor.

„Das ist Gudrun meine Frau und Kirstin meine Tochter. Und der junge Herr, der so gelangweilt in der Ecke steht ist Rüdiger.“

Ich begrüßte jeden der Reihe nach, aber ich war immer noch, einwenig benommen.

„Ich muss ehrlich sagen, da hast du wirklich einen tollen Freund gefunden“, meinte Gudrun.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen.

„Ähm .. wieso.“

„Er ist mit seinem Vater bei uns einfach aufgetaucht und hat uns zu deinem Geburtstag eingeladen, meinte du würdest dich sehr darüber freuen.“

„Tu ich, ja tu ich, aber ich hätte nie im Leben damit gerechnet das mein Dad zum meinem achtzehnten Geburtstag kommt.“

„Jetzt ist er da!“, sagte Jochen und stupste mich von hinten an.

Mein Vater breitete die Arme aus. Ich ging langsam auf ihn zu und lies mich in seine Arme fallen. Die Tränen kamen nur so herausgeschossen. Ich schaute meinem Dad ins Gesicht.

„Danke Dad!“

„Bedank dich bei deinem Kleinen da drüben, ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier.“

Ich drehte mich zu Jochen um der ein wenig verloren in der Mitte des Raumes stand. Meine Mum zog die anderen nach draußen. Ich ging langsam auf Jochen zu.

„Das ist wohl das schönste Geschenk, das du mir hast machen können“, meinte ich zu ihm.

„Du hast bei dem Gespräch über unsere Väter so traurig geschaut, da wusste ich, ich musste was unternehmen“, sagte Jochen.

„Oh man Jochen bin ich glücklich dich zu haben.“

Ich fiel ihm um den Hals und gab ihm einen Kuss.

Jemand räusperte sich hinter uns. Da stand immer noch Rüdiger, er war wohl nicht mit den anderen hinaus gegangen.

„Ihr beide seid wirklich schwul?“ kam es von ihm leise.

„Ja“, kam es uns wie aus einem Munde.

„Cool“, meinte Rüdiger nur, und ließ uns dann alleine.

Jochen schaute mich fragend an, aber ich zuckte nur mit der Schulter.

„Lass uns raus gehen“, meinte Jochen.

Ich folgte Jochen auf die Terrasse, wo sich die Erwachsenen breit gemacht hatten. Der Rest stand unten im Garten an den Stehtischchen.

„Ah da kommt das Burzelkind ja endlich, na wie fühlt man sich so als…. alter Mann“, kam von Sabine.

„Der alte Mann weißt darauf hin, dass er jetzt mit dem nötigen Respekt behandelt werde“, sagte ich, wofür ich die Lacher auf meiner Seite hatte.

Vincent kam auf mich zu und gab mir einen Kuss auf den Mund.

„He, he, ich dachte ich hab mein Geschenk schon bekommen“, meinte ich.

„Das war auch als Dankeschön gedacht.“

„Und wofür?“

„Für den süßesten Jungen, den du mir gebracht hast.“

„Matthias?“

„Ja, wer denn sonst.“

Ich fing laut an zu lachen.

Sorry ich kenne Matthias, dass er jetzt so ist haben wir alleine dir zu verdanken. Früher war er nämlich unser Klassenmacho.“

„Reden wir vom selben Matthias?“

Matthias stand neben uns und wurde rot.

„Yepp genau dieser“, meinte Sabine, „ bin froh das endlich jemand ihm mal die Leviten ließt.“

Ein Grinsen ging durch die Menge.

„Kommt hört auf, so schlimm war ich doch nicht.“

„Doch“, kam es einstimmig als Chor zurück.

Jetzt musste sogar Vincent lachen. Es gibt Augenblicke, da wünscht man sich, sie würden nie vorbei gehen, so auch dieser Abend. Ich saß eine ganze Weile mit meinem Vater zusammen und wir redeten über die vergangenen Jahre.
Ich verstand viel von dem, was er mir versuchte zu erklären. Einiges jedoch machte mich traurig, und er konnte sich nur entschuldigen. Auf jeden Fall wollten wir den Kontakt nie wieder so schleifen lassen. Jochen saß die ganze Zeit neben mir, drückte mir oft die Hand oder nahm mich in den Arm.
Mein Dad meinte zum Schluss er würde sich sehr freuen, dass ich so einen netten Schwiegersohn mit nach Hause gebracht hätte. Der Abend ging langsam seinem Ende entgegen und alle verabschiedeten sich.
Später bei Jochen im Bett kuschelte ich mich eng an ihn. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und hörte seinen gleichmäßigen Herzschlag. Ich war glücklich und Jochen war es auch. Und das war die Hauptsache, wir hatten uns einander gefunden.

** Ende **

 

 

 

 

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