BBTs Corner – Gedanken einer österreichischen Grübeltante

Nur ruhig‘ Blut?!

Es gibt gewisse Dinge, über die kann ich mich immer und immer wieder aufregen. Ein Beispiel hierfür stellt folgende Tatsache, bei der es sich gleichzeitig um meinen „Lieblingsaufreger“ handelt, dar:

Ich darf in Österreich nicht Blut spenden. Aber nicht etwa, weil ich an chronischem, unbehandelten Bluthochdruck litte oder Epileptiker wäre – beides sind Ausschlussgründe, die auch in meinen Augen vernünftig sind. Die auf mich zutreffende Ausschlussursache ist, dass es sich bei mir um einen homosexuellen Mann handelt.

Ihr habt ganz richtig gelesen – das österreichische Rote Kreuz schließt Schwule komplett vom Blutspenden aus. Auf der Homepage des ÖRK findet man unter „Blutspende – Informationen zur Blutspende – Wer darf Blutspenden?“ eine Liste mit Personen und Personengruppen die nicht zur Blutspende zugelassen sind.

 Dort heißt es: Homosexuelle Männer: Männer, die Sex mit Männern hatten, werden von der Blutspende aufgrund eines signifikant höheren HIV-Infektionsrisikos ausgeschlossen. Grund dieses Ausschlusses ist das verbleibende Restrisiko bei der Diagnostik, das trotz modernster PCR-Testung nicht ausgeschlossen werden kann. Somit werden selbst homosexuelle Männer, die geschützten Verkehr praktizieren, von der Blutspende ausgeschlossen, weil das Kondom keinen 100%igen Schutz vor Ansteckung bietet.“

 Das bedeutet, dass ein Teil der Bevölkerung (schenkt man verschiedensten Statistiken Glauben, sind 5-10 % der männlichen Bevölkerung schwul) quasi per Vorverurteilung von der Möglichkeit ausgeschlossen werden, Blut zu spenden. Und das, obwohl ich von als Sanitäter arbeitenden Freunden gehört habe, dass während eines Nachdienstes schon fast jede zweite Blaulicht-Fahrt zur Überstellung von Blutkonserven dient und demzufolge Spenderblut knapp ist.

Die Tatsache, dass zum Beispiel lesbische Frauen oder auch Prostituierte (bei denen man, könnte ich mir vorstellen, auch ein höheres Ansteckungsrisiko als bei anderen Menschen argumentieren könnte) nicht von diesem Verbot betroffen sind, interpretiere ich dahingehend, dass für Entscheidungsträger des ÖRK Aids und HIV reine „Schwulenprobleme“ sind. Wobei ich nach neuerlichen Lesens des vor der Spende auszufüllenden Fragebogens folgende Frage gefunden habe: „Hatten Sie Sex im Austausch für Geld oder Drogen?“ Daher werden wohl Prostituierte eventuell doch nicht zur Spende zugelassen.

Auch das Faktum, dass sich viele Homosexuelle entgegen des Klischees des „promiskuitiven Schwulen“ in langfristigen und monogamen Beziehung befinden, spielt offenbar keine Rolle – deren Blut ist noch immer wesentlich gefährlicher als dasjenige von heterosexuellen Männern, die pro Woche 3 – 4 verschiedene Sexualpartnerinnen haben. Es wird zwar nach „ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern“ gefragt, aber nicht nach dem geschützten – anscheinend ist das Kondom, das weiter oben nicht 100% vor Ansteckungen schützt, im Fall von Heteros verlässlicher.

Ebenso finde ich interessant, dass ein einmaliges (heterosexuelles) HIV-Risiko-Verhalten nur zu einem Ausschluss von 4 Monaten ab dem Ereignis (wörtlich auf genannter Seite zu lesen) führt. Offenbar ist der weiter oben erwähnte PCR-Test für Heteros sicher genug…

Ich kann mir nun vorstellen, dass so manch einer sich denkt: „Wenn du unbedingt Blut spenden willst, dann geh halt, und sag nicht, dass du schwul bist!“ Das geht (für mich) aus folgendem Grund nicht: Beim Blutspenden muss man einen Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen und denselben unterschreiben. Mit dieser Unterschrift erklärt man eidesstattlich, dass man zu keiner Risikogruppe gehört bzw. von keinem vorliegenden Ausschlussgrund weiß. Mit anderen Worten – ginge ich trotz meiner, mir bekannten Homosexualität Blut spenden, beginge ich einen Meineid. Außerdem kann ich mir (leider) durchaus vorstellen, dass dies im schön absurden Österreich zu Anzeigen wegen versuchter, fahrlässiger Körperverletzung (oder so etwas in der Art – ich bin kein Rechtsexperte) führen könnte.

 Bevor ich als „paranoide Schwuchtel, die überall Diskriminierungen gegen sich sieht“ bezeichnet werde, möchte ich folgende Dinge anmerken: Ich weiß, dass es bei der Frage des Blutspender-Ausschlusses natürlich primär um den Schutz des Empfängers geht (und auch gehen muss), aber wenn regelmäßig öffentlich über die Knappheit von Blutkonserven geklagt wird, wäre es vielleicht sinnvoll, die Kriterien zu überdenken, die zu Ausschluss führen.

Zudem sind mir genügend Statistiken zu HIV Übertragungs-Risiken bekannt (in Abhängigkeit vom Geschlecht der Sexualpartner, der Art des Geschlechtsverkehrs und so weiter) und ich gebe auch zu, dass aus einem statistischen Gesichtspunkt der Ausschluss bestimmter Homosexueller gerechtfertigt ist – nur werden die nicht gezielt herausgefiltert, sondern einfach gemeinsam mit allen Schwulen ausgeschlossen.

Zu guter Letzt regt mich diese Thematik deswegen auf, weil, so scheint es mir bei der Durchsicht der Informationen des ÖRK, mit zweierlei Maß gemessen wird: Als Beispiel sei das bereits erwähnte Kondom angeführt, das sicher genug ist, dass Heteros die mit wechselnden Partner geschützten Sex hatten, spenden dürfen, aber zu unsicher, als das Schwule, die mit einem Partner geschützten Verkehr hatten, spenden könnten.

 Die Konsequenz, die ich aus dem Ganzen ziehe, ist einfach: Ich spende dem Roten Kreuz nichts – weder Geld noch Blut. Denn wenn ihnen mein Blut zu minder ist, werden sie mein Geld wohl auch nicht brauchen.

Euer BBT

 

 

 

 

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3 Kommentare

    • Voice of Munich auf 21. Juli 2011 bei 14:56
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    BBT hat vollkommen recht! Leider ist die Situation beim Deutschen Roten Kreuz und beim Bayerischen Roten Kreuz exakt die gleichen.

    Hier handelt es sich um eine unspezifische Diskrminierung, die sich in einer staatlich tolerierten rechtlichen Grauzone befindet. In der Tat ist es gerechtfertigt promisk lebende Homosexuelle von der Blutspende auszuschließen, genau wie Prostituierte und promisk lebende Heterosexuelle ausgeschlossen werden (sollten).

    Die Tatsache, dass jedoch alle Homosexuelle als promisk lebend vorverurteilt werden ist ein Missstand, der sich über keine rechtsstaatlichen Grundsätze rechtfertigen lässt.
    In dieser Hinsicht sollte man die DRK und BRK Stellen nachhaltig auffrufen diese Diskriminierungen zu beseitigen. Dass Schwulen ein Recht verweigert wurde (hier das Recht durch Blutspenden Menschen zu helfen) gab es zuletzt unter den Nazis. Und dass sich gerade das Rote Kreuz nun auf diese Schiene begibt ist empörend und gefährlich!

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  1. was wäre wen ichbei eventuellen planbaren Bedarf, OP, nur ausschließlich Blut von gleichgeschlechtlich lebenden Spendern verlange ???

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  2. Hallo BBT,

    Du hast den Nagel auf dem Kopf getroffen, es wird Zeit das einige Damen und Herren mal unsere Gesetze aber auch die der EU lesen und danach handeln.
    Mathias hatte es ja schon gesagt, Gleichbehandlungsgesetz ist ein Stichwort.
    Klar muss gewährleistet sein, dass kein Blut von HIV Spendern an andere übertragen werden können. Jedoch alle in eine Schublade zu stecken ist sehr kurzsichtig und beweist die Dummheit mancher Menschen. Manche Blödheit ist Länderübergreifend.
    Ich kann nur hoffen, dass ein Umdenken und somit vernünftige Lösung gefunden und umgesetzt werden. Damit es nicht zu Engpässen kommt bei der Versorgung von Verletzen und kranken Menschen.
    Danke für Deine Gedanken
    Ralf

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