Die Fälle des Bronetti – Teil 5 – Vergangenheit und Rache

„Wir hätten eine Halle mieten sollen“, meinte ich und ließ den Block auf meinen Schreibtisch fallen.

„Jetzt übertreib nicht, der Strand ist groß genug für Andreas Geburtstag“, meinte Till und lehnte sich an die Wand.

„Aber da ist soviel zu bedenken und alles muss aufgebaut werden.“

„He, Bär ich habe Zeit, ich mach das wirklich gerne.“

Ich seufzte.

„Du hast ein schlechtes Gewissen gegenüber Andrea, oder?“

Ich nickte. Gleichzeitig klopfte es an meiner Tür.

„Ja?“

Die Tür öffnete sich und Ambros schaute herein.

„Chef, haben sie kurz Zeit?“

„Um was geht es?“

„Dieser Matteo ist da.“

Ohne eine Antwort zu geben sprang ich auf und lief ins Vorzimmer.

„Matteo“, rief ich erfreut, als ich ihn aber sah, erschrak ich auch. Er war abgemagert und sein Gesicht sah alt aus.

„Hier versteckst du dich also…“, meinte Matteo.

Wir standen uns gegenüber und sahen uns nur an. Seine Lippen formten sich zu einem breiten Grinsen und wir fielen uns in die Arme. Ich wusste nicht wie lange wir uns drückten, ich vergaß einfach, dass noch andere im Büro standen.

„Du siehst gut aus, der Commisario bekommt dir gut.“

„Ich tu was ich kann.“

Ich hörte ein leises Kichern hinter mir, dass von Till kommen musste.

„Das muss dein Freund sein“, meinte Matteo und humpelte auf Till zu.

„Ja, ich bin Till“, meinte dieser und schüttelte ihm die Hand.

„Nicht schlecht“, sagte Matteo mit einem fetten Grinsen.

Ich drängte die beiden in mein Büro und schloss hinter mir die Tür.

„Warum habe ich das Gefühl, du weißt wieder mehr, als du mir sagen willst“, fragte ich.

„Weil du mich kennst“, gab Matteo zurück und ließ sich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch fallen.

Ich schaute ihn durchdringend an.

„Ach komm Gabriel, ich habe dir schon damals gesagt, es war ein Fehler diese Laura zu heiraten.“

„Du hast sie nie leiden können, oder?“

„Nein! Sie war herrschsüchtig, fies und arrogant. Ich bin froh dass du sie los bist.“

„Du bist auffällig gut über mich informiert.“

„Man schnappt Sachen auf, mal hier… mal da.“

„Aber gemeldet hast du dich nie!“

„Du auch nicht… und, naja irgendwie haben wir uns entfremdet.“

„Findest du?“

Matteo nickte und mein Blick wanderte zu Till.

„Oh entschuldige, ich bin unhöflich, wir reden nur über Gabriel“, meinte Matteo plötzlich.

„Kein Problem, es ist immer interessant, etwas über meinen Mann zu erfahren!“

Mein Mann hatte er gesagt, ich lächelte stolz. Mittlerweile wusste ja jeder, dass ich mit Till zusammen war, es gab also keinen Grund, sich wegen irgendetwas zu genieren.

„Da könnte ich dir Geschichten erzählen“, meinte Matteo und grinste fies.

„Du bist gerade aus dem Krankenhaus, oder?“, fragte ich genauso grinsend.

„Ja… wieso?“

„Du willst da sicher nicht so schnell mehr hin?“

„Ja…, aber wieso fragst du?“

„Weil wenn du hier Märchen erzählst, fliegst du aus dem Fenster!“

„Jetzt bekomm ich aber Angst, wer soll das machen?“

„Ich!“

„Du und welche Armee?“

Till fing herzhaft an zu lachen. Ich nahm den Block, legte die verschiedenen Broschüren, die Till mit gebracht hatte.

„Habe ich bei etwas gestört?“, fragte Mateo.

„Nein. Till und ich haben gerade etwas über Andrea’s Geburtstagsparty gesprochen.“

„Stimmt, dein Sohn, er lebt bei dir, habe ich gehört.“

„Bin ich Stadtgespräch?“

Mateo lachte kurz laut auf.

„So bekannt bist du nun auch wieder nicht.“

„Woher weißt du dann so viel über mich?“

„Du weißt, ein guter Polizist verrät nie seine Quellen. Ach Quatsch. Kannst du dich noch an Aurora Tremante erinnern?“

„Dein Ziehmutter…, klar, sie lebt noch?“

„Ja, etwas älter, aber immer noch so fit wie früher. Sie hat nach wie vor einen Fabel für dich und hat auch alle Zeitungsausschnitte über dich gesammelt.“

„Ich werd verrückt, Aurora…“

Till sah mich fragend an.

„Mateo ist Vollwaise, ist bei Aurora aufgewachsen. Ich habe sie kennen gelernt, als Mateo und ich gemeinsam die Militärakademie in Modena besuchten.“

„Du bist Offizier?“, fragte Till verwundert, der sich anscheinend nicht so gut in der Strukturierung der italienischen Polizei auskannte.

„Ja, dein Freund ist Commissario Capo, bei euch in Deutschland würde man Polizeihauptkommissar sagen. Da es hier in Palermo keinen Hauptmann…Capitano gibt, ist Gabriel direkt dem Vice Questone Aggiunto, also dem Polizeichef unterstellt.“

„Emilio e Fontura…“, meinte Till.

Matteo nickte.

„Und welchen Rang hältst du inne?“

„Den Rang eines Sottotenente… Leutnant… eine Stufe unter Gabriel.

„Leutnant?“

„Ja, ich bin bei den Carabinieri und Gabriel bei der Polizei de Stato, deshalb die unterschiedlichen Titel.“

„Ich würde sagen eher verwirrend. Wieso gibt es zwei verschiedene Polizeikräfte in Italien?“

Till schien sich wirklich für dieses Thema zu interessieren, als setzte ich zur Antwort an.

„Es gibt sogar genau genommen fünf verschiedene. Es geht aber nur darum, dass nicht zu viel Macht bei einer Behörde liegt.“

„Nicht schlecht, diese Sichtweise kenne ich nicht.“

„Und welchen Beruf hast du…, Berater der Polizei?“, fragte nun Matteo meinen Till.

Dieser lachte kurz und schüttelte den Kopf.

„Nein ein Berater nicht…, vielleicht im weitesten Sinne.“

„Du hast uns schon sehr geholfen.“

„Ja, aber ein Berater bin ich nicht. Grob gesagt, bin ich Kaufmann und vertrete die Interessen meiner Familie in Sizilien.“

„Familie?“

„Jansen.“

„Der Name sagt mir etwas.“

Ich hob die Augenbraun. War ich so schlecht informiert?

„Ihr transportiert auch Sachen… oder?“

„Ja, ein kleiner Zweig der Firma.“

In Matteos Kopf arbeitete es kurz, bevor er mich wieder anschaute.

„Alle Achtung, da hast du dir einen großen Fisch an Land gezogen.“

Wieder hob ich fragend die Augenbraun, weil mir doch wieder bewusst wurde, dass ich immer noch recht wenig über Till wusste. Mein Blick wanderte zu Till, der recht verlegen drein schaute.

Matteo grinste breit und stand wieder auf.

„Ich wollte eigentlich nur einen Anstandsbesuch machen, ab Montag bin ich ja dir unterteilt.“

Ich sah wieder zu Matteo.

„Du bist sicher, dass du dich gleich wieder in Arbeit stürzen willst?“, fragte ich und zeigte auf sein Bein.

„Zuhause würde ich verrückt werden, nein das ist schon recht so.“

„Okay, deine Entscheidung.“

„Dann bis Montag.“

„Wieso Montag? Was machst du Samstagabend?“

„Nichts…, meine Zeit als Partylöwe sind vorbei.“

„Dann ist so eine Teenagerparty ja eigentlich nichts für dich.“

Till fing wieder an zu grinsen.

„Teenagerparty?“

„Naja… Andrea wird achtzehn und wir planen eine Strandparty.“

„Das hört sich verlockend an…“

*-*-*

Ich saß neben Till im Auto, denn mein neuer Dienstwagen warnoch nicht eingetroffen. Till lenkte schweigend seinen Wagen durch den Verkehr Palermos.

„Was ist?“, meinte er und sah kurz zu mir herüber.

„Hm…“

„Was hat mein großer Bär auf dem Herzen?“

Ich musste lächeln, denn ich liebte es, wenn er mich so nannte.

„Mir ist…, vorhin wieder bewusst geworden, wie wenig ich dich immer noch kenne.“

„Wenig? Du kennst jeden Zentimeter von mir.“

Wieder musste ich grinsen.

„Du weißt schon, was ich meine.“

„Ja…, aber ich weiß nicht wie ich das ändern könnte…, eine Deutschlandreise mit Familienbesichtigung…?“

„Begutachtung des Schiegersohnes? Nein danke, danach ist mir noch nicht zu mute.“

„Dazu müssten wir erst einmal verheiratet sein, was voraus setzt, dass du bei meinem Vater, ganz nach Tradition um meine Hand anhältst.“

„Bitte?“, kam es von mir und sah Till schockiert an, dessen Mund immer noch ein fettes Grinsen innen hatte, welches sich nun in ein lautes Lachen wandelte.

„Dein Gesicht solltest du sehen“, lachte er weiter, ohne mich anzusehen.

„Wieso sollte ich um deine Hand anhalten?“, fragte ich ernst.

Nun schaute er mich an.

„Die gehört mir schon!“

Es dauerte ein paar Sekunden, bevor Till wieder anfing zu lachen.

„Aber etwas ganz anderes. Ich habe das Gefühl, dass ich irgendetwas vergessen habe, also wegen Andreas Geburtstag.“

„Es ist alles arrangiert und bestellt, es ist nichts vergessen… außer vielleicht…“

„Was?“

„Was hast du für Andrea als Geschenk?“

Ich schlug mir mit der Hand auf die Stirn.“

„Scheiße…, daran habe ich gar nicht mehr gedacht.“

„Hast du wenigstens eine Idee, was du ihm schenken willst?“

„Nein…“

„Gut, dass du deinen persönlichen Kaufberater bei dir hast“, meinte Till lächelnd, während er das Tempo drosselte und auf der Straße umkehrte.

*-*-*

„Wieso keinen Ring, ich weiß wie gerne Andrea Schmuck trägt.“

Fragend schaute ich Till an.

„Gabriel…, ein Ring ist etwas Persönliches finde ich, so etwas kannst du mir schenken… Kauf ihm eine Kette oder Armband.“

War dass nun ein Wink mit dem Zaunpfahl? Mein Blick fiel auf Eheringe, die nur einen Schritt neben mir in einem Glaskasten aufbewahrt wurden.

„Schau hier, dass sieht gut aus“, riss mich Till mich aus meinen Gedanken, ich schaute auf.

Er hielt mir eine schwarze Kette entgegen, die aus Gummi zu sein schien.

„Das wird zu Zeit gern getragen.“

„Du kennst dich gut aus Bär“, meinte ich und lief zu ihm hin.

„Man muss mit der Zeit gehen“, grinste er mich an und hielt mir die Kette entgegen.

„Gefällt mir auch…, gibt’s davon noch mehr?“

Die Verkäuferin hinter der Theke zog einen Kasten hervor, wo noch viel mehr dieser Ketten lagen.

„Willst du auch eine?“, fragte Till.

„Warum nicht“, lächelte ich ihn an, „aber mir würde auch noch etwas anderes vorschweben.“

Ich wandte mich an die Verkäuferin.

„Könnte sie mir diese Kette und das Armband hier als Geschenk einpacken. Und wenn es möglich wäre, könnte ich mir die Ringe für Paare genauer anschauen?“

„Wie sie wünschen.“

Till sah mich fassungslos an. Ich griff nach seiner Hand und zog ihn etwas von der Theke weg.

„Till…, wir sind jetzt schon eine Weile zusammen und ich denke es ist an der Zeit einen Schritt weiter zu gehen.

„Gabriel…, bist du sicher. Du weißt, ich würde dich nie drängen, etwas zu machen, was dir nicht gefällt.“

„Würde ich es machen, wenn es mir nicht gefallen würde? Nein. Und das Gefühl, denselben Ring an der Hand zu tragen, fände ich einfach riesig.“

Till fassungsloses Gesicht änderte sich in einen gerührten Gesichtsausdruck.

„Bär, ich weiß nicht was ich sagen soll.“

„Einfach ja…“

„Du weißt aber schon, dass eine homosexuelle Ehe in Italien nicht anerkannt wird…“

„… und in Deutschland?“

Till lächelte.

„Du meinst das wirklich ernst.“

„Wie noch nie in meinem Leben…, also welchen Ring möchtest du…?“

*-*-*

Es zeigte sich, wie gut Till im organisieren war. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, er ist ein Meister seines Faches. Erstaunt stand ich auf der Veranda hinter meinem Haus und betrachtete den nicht wieder zu erkennenden Strand.

Da standen mehrere offene Zelte mit Essen und trinken. In der Mitte eine große Tanzfläche, umringt von einer großen Lichtanlage. Verschiedene Ecken mit Sitzplätzen und auch Decken mit Kissen.

„Und gefällt es?“, hörte ich Tills Stimme hinter mir.

Ich drehte mich um und nickte.

„… ähm…, das kostet doch…“

Till legte den Finger auf den Mund.

„Keinen Ton über das Geld, dass hier ist mein Geschenk für Andrea. Du weißt wie vernarrt ich in den Kleinen bin.“

„Ich weiß, aber…“

„Nichts aber! Er wird achtzehn, dass wird man nur einmal im Leben… einer der wichtigsten Geburtstage überhaupt. Gönn ihm diesen Tag.“

„Das tu ich doch…“

„Aber…?“

„Du weißt genau, dass ich ihm so etwas“, ich zeigte hinter mich, „nie bieten könnte.“

„Das ist nicht mal so teuer Gabriel. Aber mach dir deswegen keine Gedanken bitte… es trifft keinen Armen.“

Ich nickte und schaute etwas geknickt nach unten. Plötzlich kam Tills Hand in mein Blickfeld, wo ein silberner Ring in der Sonne funkelte.

„Ich weiß was du ungefähr verdienst und ich weiß was die beiden Ringe gekostet haben. Du hast dabei nicht einmal darüber nachgedacht, dass du es dir vielleicht nicht leisten könntest, hast sie aber dennoch bezahlt.“

„Das ist etwas anderes.“

„Das ist nichts anderes. Gut ich habe eine Familie, die mir vieles ermöglicht, aber auch ich habe meine Grenzen… was ich damit sagen will, Das Geld sollte nie zwischen uns stehen, oder denkst du so materialistisch?“

„Nein, du hast ja Recht.“

Ich hob meinen Kopf und sah in seine Augen. Sie funkelten genauso in der Sonne, wie unsere Ringe.

„Ich liebe dich Gabriel und ich würde sofort auf mein Geld verzichten, wenn dies zwischen uns stehen würde.“

„Nein dass tust du nicht. Dafür lasse ich mich zu gerne in deinem Wagen herumfahren…, du hast ein funktionierende Klimaanlage.“

“Ichhoffe in deinem neuen Dienstwagen funktioniert sie auch…”

Frech grinste ich ihn an und zog ihn zu mir.

„Ich liebe dich ebenso“, flüsterte ich und hauchte ihn ein Kuss auf die Lippen.

„Ich bin wieder da…, wo seid ihr denn?“

Die Stimme meines Sohnes.

„Auf der Veranda“, rief ich, ohne Till loszulassen.

Es dauerte nur Sekunden und Andrea erschien. Aber er begrüßte uns nicht wie gewohnt, sondern stoppte abrupt und riss Mund und die Augen weit auf.

„Wow…“, kam es ihm über die Lippen.

Till ließ mich los.

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Andrea.“

Andrea sah Till an.

„… ähm… wow danke…, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“

Till nahm ihn in den Arm und drückte ihn fest an mich.

„Unser Geschenk für dich…, aber dein Vater hat auch noch etwas….“

„Oh…“, meinte ich, als mir einfiel, dass das Geschenk sich noch in meiner Jacke im Haus befand.

Ich lief recht schnell ins Haus, suchte natürlich zu erst meine Jacke und wurde aber dann doch fündig. Ich zog das kleine Päckchen aus der Innentasche und ging zurück auf die Veranda.

Dort stand Andrea immer noch da, wo ich ihn eben verlassen hatte.

Strahlend überreichte ich ihm das kleine Päckchen. Als er es entgegen nahm, trat Till hinter mich und legte seine Arme um meinen Bauch. Hastig riss Andrea das Geschenkpapier herunter und ließ es einfach auf den Boden fallen.

Zum Vorschein kam eine kleine Schatulle die er vorsichtig öffnete. Seine Augen begannen zu strahlen.

„Wow, das ist…, das ist genau das was ich mir gewünscht habe. Woher wusstest du das, Papa?“

„Sagen wir ein Engel hat es mir zugeflüstert!“

Er trat zu mir und legte seine Arme um mich, so dass ich nun von beiden Seiten belegt war.

„Kannst du mir sie zumachen?“, fragte Andrea und zog das schwarze Band mit dem silbernen Anhänger heraus.

„Aber klar doch“, meinte ich und pfriemelte den Verschluss auf.

Dabei sah Andrea auf meine Hand und sah den Ring.

„Wow… was ist das für ein Ring?“, fragte er.

„Der gleiche wie der hier“, sagte Till hinter mir und streckte seine Hand nach vorne.

Andrea schaute abwechselnd zwischen Till und mir hin und her. Sein Gesicht strahlte noch mehr.

„Das ist sooooo cool…, habt ihr noch mehr Überraschungen?“

„Reicht das nicht?“, fragte ich, als ich den Verschluss endlich wieder zu hatte.

„Doch…, danke Papa“, umarmte mich Andrea, „… danke Till.“

Auch er wurde umarmt. Es klingelte an der Haustür.

„Erwarten wir schon Gäste?“, fragte ich.

Andrea und Till schüttelten gleichzeitig den Kopf. So liefen wir alle drei ins Haus und Andrea öffnete die Haustür. Gelächter war zu hören und wenig später sah ich den Besuch.

„Hallo Commisario.“

„Alessio…, das ist aber eine Überraschung.“

„Wenn mein Kleiner Geburtstag hat, muss ich doch als erstes erscheinen.“

Mein Kleiner? Ich hob die Augenbraue und sah zu Andrea.

„Papa…“, begann er schuldbewusst, „ ich wollte dir das schon die ganze Zeit erzählen.“

„Oh… entschuldige… ich wollte nicht vorgreifen…“, kam es von Alessio.

Nun standen beide wie begossene Pudel da. Ich legte jedem eine Hand auf die Schulter.

„So ihr zwei, ab auf die Veranda…, ich glaube wir haben da etwas zu bereden.“

Til sah mich fragend an.

„Kannst du uns etwas zu trinken machen?“, fragte ich ihn, lächelte dabei und gab ihm einen Kuss.

„Gerne…“, meinte er.

Ich folgte den zwei Jungs auf die Terrasse, die sich schon einen Platz gesucht hatten. Ich ließ mich neben Alessio nieder.

„So ihr beiden, zu aller erst, ich habe wirklich nichts dagegen, wenn ihr beiden zusammen seid, dass meine ich ehrlich und ich freue mich sogar für euch.“

Andrea wollte etwas sagen, aber ich winkte ab.

„Bisher habe ich auch mich nie groß dabei eingemischt, wenn du dir ausgesucht hast. Aber bei Alessio ist die Situation etwas anderes.“

Dieses Mal wollte Alessio etwas erwidern, aber auch ihm winkte ich ab. Till trat auf die Veranda, stellte vier Gläser ab und setzte sich zu Andrea.

„Was ich damit sagen will, Andrea. Du weißt wer Alessio ist, nicht umsonst sitzt draußen im schwarzen Wagen ein Bodyguard.“

Alessio nickte.

„Es wird sich in deinem Leben einiges ändern, Sohnemann. Du bist mit einer wichtigen Person zusammen. Er ist bekannt und man beobachtet sein Handeln. Dazu kommt noch sein Vater.“

„Du willst, dass ich mich von Alessio wieder trenne?“

„Nein, dass habe ich nicht gesagt, Andrea. Ich will nur, dass du in Zukunft nur besser aufpasst auf dich, mit wem du dich umgibst. Du wirst schnell merken, dass plötzlich Leute sich für dich interessieren, die du noch nie gesehen hast. Ehrlich ich freu mich wirklich für dich… mit Alessio hättest du es gar nicht besser erwischen können.“

Alessio lächelte verlegen.

„Wie gesagt… passt auf euch auf, ich will nicht, dass euch etwas geschieht!“

Beide nickten.

„So, wo dies nun geklärt ist, würde ich sagen, wir stoßen auf den Geburtstag und das junge Glück an.“

Wie aus dem nichts zog Till eine Sektflasche hervor, die sich bei näherem Hinsehen als Champagner entpuppte. Ich sah Till durchdringend an.

„Was denn?“

„Wusstest du davon?“

„Nicht richtig…, ich wusste nur, dass Andrea einen neuen Freund hatte und sehr verliebt ist.“

„Eine Verschwörung gegen mich… soso.“

„Och Bär… jetzt freu dich für deinen Sohn und stoß mit an.“

Ich nahm lächelnd das glas entgegen. Er wollte unseren sagen. Auch Andrea schien dies aufgefallen zu sein. Mit einem Glas bewaffnet drehte er sich zu Till. Mit der freien Hand griff er nach Tills Hand.

„Till…, ich kenne dich schon einige Zeit und seitdem du mit Papa zusammen bist…, du bist für mich ein sehr guter Freund… Berater… ja wie ein zweiter Vater geworden.“

Ich sah, wie Tills Augen feucht wurden, während Alessio neben mir immer mehr grinste.

„Ich hätte echt nichts dagegen, dich als „zweiten“ Vater zu bekommen!“

„Danke“, hauchte Till und drückte Andrea einen Kuss auf die Wange, bevor wir alle anstießen.

„Auf das Geburtstagskind“, sagte ich.

*-*-*

Laut hämmerte die Musik über den Strand. Irgendwann hatte ich aufgehört zu zählen, wie viele Leute da gekommen waren. Mein Team, Till und auch Matteo saßen mit mir in einer Runde und beobachteten das Treiben auf der Tanzfläche, wo sich viele Jugendliche unbeschwert tummelten.

„Eine gelungene Party“, sagte Ambros und vertilgte das letzte Stück Fleisch auf seinem Teller.

„Du hast ganze Arbeit geleistet“, sagte ich und Till lächelte mir zu.

„Will noch jemand etwas vom Grill“, meinte er dann, stand auf und gab den perfekten Gastgeber.

„Ich kann nicht mehr“, meinte Costa und rieb sich über den Bauch. Die anderen verneinten ebenso und schüttelten den Kopf.

So lief Till alleine zum Grill hinüber. Ich drehte mich gerade zu Matteo, als ein lauter Knall folgte und ich durch eine Druckwelle zu Boden gerissen wurde. Ein heller Feuerball stieg in die Höhe.

Lautes Kreischen war plötzlich zu hören. Ich rabbelte mich auf, um zu sehen was passiert war. Die anderen um mich herum standen ebenso geschockt wie ich da. Wo vorher der Grill stand, war nur noch ein großes Loch, aus dem noch Feuer züngelte.

Oh mein Gott. Till… Andrea.

„Ruft im Krankenhaus an… schaut nach den Verletzten“, schrie ich und rannte los.

Andrea kam mir entgegen, mit Alessio im Arm.

„Seid ihr verletzt…?“, rief ich.

„Nein… wir haben uns nur erschrocken.“

„Habt ihr Till gesehen?“

Überall rannten verstörte Jugendliche herum, teilweise Blut verschmiert.

Ich drehte mich fast im Kreis. Es war furchtbar. Aber wo war Till. Verzweifelt, auf niemand achtend, lief ich zu dem großen Loch, wo vorher der Grill stand. Trotz des Schreiens waren Sirenen zu hören.

Ich schaute überall hin. Das da einige die Explosion nicht überlebt haben konnten war mir klar, auch widerte mich der Anblick der verbrannten Leiber nicht an. Dass ich nicht wusste wo Till war, trieb mich fast in den Wahnsinn.

Rauch zog an mir vorbei, ich musste husten. Mein Blick wanderte weiter um das Loch herum. Keiner der Toten hatte etwas von Till. Tränen machten sich in meinem Gesicht breit. Ich fuhr mir über das Gesicht und wischte sie ab.

Bitte lass ihn leben! Dieser Satz hallte in meinem Kopf. Ich hatte das Loch umrundet, mich ein paar mal nach vorne gebeugt, um besser sehen zu können, bis ich zum Wasser hin eine im Sand liegende Gestalt sehen konnte.

Ich rannte auf diese Person zu und hoffte, dass es Till war. Ich erkannte das weiße Hemd, dass er den ganzen Abend getragen hatte.

„TILL!“ schrie ich, aber er bewegte sich nicht.

Ich schmiss mich neben ihn in den Sand, betrachte ihn kurz… konnte auf den ersten Blick keine Verbrennungen entdecken. Aus einer Wunde am Kopf trat Blut aus. Ich atmete tief durch.

Tränen sammelten sich in meinen Augen.

„Till…“, sagte ich heiser.

Ich griff nach seiner Hand. Sie fühlte sich warm an.

„Till…, Schatz, sag doch etwas.“

Ich riss mein Tshirt entzwei und drückte es auf die Wunde am Kopf.

„Papa…?“, hörte ich hinter mir Andreas Stimme.

Ich drehte mich zu ihm und sah ihn verzweifelt an. Alessio stand neben ihm, dahinter zwei Männer im Anzug.

*-*-*

Die ganze Zeit war ich wie in Trance. Die Bilder von damals kamen zurück, als Fontanis das Messer an Andrea’s Hals hatte, da hatte ich genauso viel Angst wie jetzt. (Bronettis 1. Fall)

„Gabriel?“

Ich schaute auf uns schaute in Brunos Castellchettas Augen.

„Es tut mir Leid Bruno, aber ihrem Sohn geht es gut“, sprudelte es aus mir heraus.

„Gabriel…, Gabriel… es ist gut. Ich habe Alessio und Andrea gesehen, ihnen geht es gut. Aber wie geht es Till?“

Ich rieb mir durchs Gesicht und schüttelte den Kopf.

„Ich weiß es nicht…, seit er in der Notaufnahme verschwunden ist, habe ich niemanden mehr gesehen.“

„Chef…“

Das war Costas Stimme. Ich blickte zu ihm auf,

„Chef…, wir wissen jetzt was passierte…, die Gasflaschen beim Grill sind in die Luft geflogen.“

„Wie viele Tote?“, fragte ich fast abwesend.

„Sieben…, fünf vom Personal…, zwei Jugendliche. Vier schweben in Lebensgefahr, drei konnten stabilisiert werden.“

„Oh mein Gott, warum musste das passieren.“

Verzweifelt schaute ich zu Bruno, der seine Hand auf meine Schulter legte.

„Chef… ähm… die Spurensicherung hat das hier gefunden…“

Costa hielt mir ein Tütchen entgegen. Ich sah darauf und traute meinen Augen nicht.

„… einen Zünder?“, kam es von Bruno, der sich sicher mit diesen Sachen auskannte.

„Ja!“, meinte Costa.

„Dann war es ein Anschlag…“, stellte Bruno logischerweise fest.

„Aber gegen wen?“, fragte Costa.

„Ist das nicht offensichtlich?“, stellte Bruno die Gegenfrage.

„Signore Castellchetta, das wäre ein Grund von vielen, dass ihr Sohn anwesend war.“

Die Tür zur Notfallstation sprang auf und ich konnte Davide entdecken, dessen weißer Kittel Blut verschmiert war.

Mich hielt nichts mehr auf meinen Stuhl und ich rannte auf Davide zu.

„Wie geht es Till?“

„Till?“

„Till Jansen mein Freund…“

Ich brach mitten im Satz ab, eine Attacke von Tränen überkam mich. Davide stütze mich.

„Der Deutsche? … er ist soweit stabil…, wir konnten die innere Blutung stoppen.“

Entsetzt schaute ich ihn an.

„Blutung.“

Davide  nickte.

„Kann ich zu ihm“, sagte ich mit heißere Stimme.

„Gabriel, es hat jetzt keinen Sinn…, er wurde auf die Intensiv gelegt… er liegt in Koma.“

Ich konnte mich fast nicht mehr auf den Füßen halten. Ich nahm zwar war, dass mich von hinten jemand stützte, aber nicht wer.

*-*-*

Es war leise um mich herum. Ich öffnete die Augen, aber es war dunkel. Wo ich war wusste ich nicht, nur nahm ich einen Schatten am Fenster wahr, da saß jemand.

„Till?“, flüsterte ich leise.

Der Schatten bewegte sich.

„Nein… ich bin es Matteo…“

„Matteo?“

Er war aufgestanden und humpelte an mein Bett. Ich richtete mich auf und wollte aufstehen.

„Du bleibst liegen!“

Plötzlich war alles wieder da. Das Feuer, die Schrei… Till.

„Ich muss zu Till.“

„Nein du bleibst liegen. Du bist auf dem Flur zusammengeklappt, wir dachten schon du hättest doch etwas abbekommen.“

„…Till…“, wimmerte ich.

„Till geht es soweit gut, er ist stabil!“

Matteo ließ sich neben mir auf mein Bett gleiten. Er legte seine Hand auf meine Schulter.

„… er liegt aber immer noch in Koma. Sie wissen nicht…, warum er nicht aufwacht.“

Trotz der Dunkelheit konnte ich schwach das Weiß in Matteos Augen sehen.

„… wo…, wo ist Andrea?“

„Signore Castellchetta war so freundlich sich um Andrea zu kümmern, er hat ihn mit nach Hause genommen.“

„… ein Anschlag…“, gab ich fast flüsternd von mir.

„Ja, es war eindeutig ein Anschlag. Jemand muss sich unbemerkt an den Gasflaschen zu schaffen gemacht haben.“

„Ich muss zu Till…“

„Dr. Domenico hat mir schon gesagt, dass ich dich nicht im Bett halten kann. Aber er meinte auch, dass ich dir nicht von der Seite weichen sollte. Er stand auf und lief zurück ans Fenster.

Hier ist etwas zu Anziehen…“

Mir war nicht bewusst, dass ich fast nichts anhatte. Plötzlich flackerte neben mir eine Lampe auf. Blinzelnd sah ich zu Matteo. An seiner Jeansjacke konnte ich Flecken aus machen, was hieß, er war die ganze Zeit bei mir geblieben.

Vorsichtig stand ich auf uns spürte, wie weich meine Beine waren.

„Geht es?“

Ich nickte. Etwas unbeholfen schlüpfte ich in den Klamotten und zog am Schluss die Schuhe an, die vor meinem Bett standen. Wieder fiel mein Blick auf Matteo. Sein Blick war besorgt.

„Kannst du mich zu Till bringen… bitte?“, fragte ich kraftlos.

Er nickte.

*-*-*

Till lag da, als würde er friedlich schlafen. Ein Verband zierte seine Stirn und ebenso seine Bauch, Ich  saß neben ihm auf einen Stuhl und hielt seine Hand. Gedankenverloren betrachte ich ihn.

Die Tür zur Intensiv schob sich auf und ich konnte Davide erkennen. Er kam direkt zu mir.

„Deine Leute sind ein gut eingespieltes Team…weißt du das?“

Ich nickte, obwohl ich nicht verstand, was er mir damit sagen wollte. Plötzlich spürte ich seine Hand auf der Schulter.

„Er wird es schaffen… er ist gut in Form…“

Wieder nickte ich.

„Deine Leute wussten nicht, wen sie noch verständigen sollten. Sie riefen in Rom an… haben etwas vom Vatikan gesagt…“

Ich sah ihn an.

„…Kardinal Christoforo ist Tills Onkel…“

„Echt…?“

„Tills Mutter ist die Schwester…“

„Ich weiß nur, dass irgendwer heute früh am Flughafen landen wird, wer weiß ich nicht.“

Wieder sah ich Till an, dann Davide. Ich atmete tief durch.

„Till…, ich bin gleich wieder da“, flüsterte ich, ließ seine Hand los und stand auf.

*-*-*

Im Flur standen Costa und Ambros bei Matteo. Als sie mich bemerkten, kamen sie auf mich zu.

„Alles in Ordnung Chef?“

Ich nickte.

„Wen habt ihr angerufen?“

Die Drei sahen sich etwas verwirrt an.

„Entschuldigen sie Commisario. Wir wussten nicht, wen wir wegen Signore Jansen verständigen sollten, bis Phillip plötzlich einen Einfall hatte“, erklärte Ambros.

„Ja Phillip“, sprach Costa weiter, „rief bei Lutz an und der verständigte seine Eminenz. Der wiederum muss die Mutter von Till angerufen haben…“

„Tills Mutter?“, fragte ich.

Beide nickten.

„Beide sind auf dem Weg hier her.“

„Beide?“, fragte ich erstaunt.

„Ja. Phillip ist unterwegs zum Flughafen. Seine Eminenz wollte kein großes Aufsehen und kommt inkognito.“

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.

„Wann kommen sie an?“

Costa schaute auf die Uhr.

„Die Maschine müsste in einer halben Stunde landen.

*-*-*

Nervös lief ich auf dem Flur vor der Intensiv auf und ab. Dass seine Eminenz auftauchte, machte mir kein Kopfzerbrechen. Aber dass Tills Mutter hier erschien, machte mich nervös.

Till hatte nie viel über seine Familie erzählt.

Wie würde sie auf mich reagieren. Ich hörte das Geräusch einer Tür und drehte mich um. Ich konnte Phillip entdecken, gefolgt von seiner Eminenz in einem normalen Straßenanzug und hinter ihm eine elegant gekleidete Frau.

Ich sah an mir herunter und schämte mich augenblicklich über meinen Aufzug.

„Gabriel“, hörte ich seine Eminenz sagen und schaute auf.

Ich wollte mich schon leicht verbeugen, aber er hielt mich davon ab.

„Nicht hier Gabriel…, ich bin nicht als Kardinal hier…, sondern als Onkel von Till und als Freund.“

Ich nickte.

„Darf ich ihnen Signoria Jansen vorstellen… Tills Mutter?“

Er trat einen Schritt beiseite und gab den Blick auf Tills Mutter frei. Ich hob meine Hand zum Gruß.

„Signoria Jansen“, sagte ich leise und wartete ihre Reaktion ab.

Sie nahm meine Hand und schüttelte sie. Ihr Mund verzog sich zu einem sanften Lächeln.

„Ich wusste schon immer, dass mein Herr Sohn einen guten Geschmack hat…, aber bei ihnen hat er sich übertroffen.“

Verlegen sah ich sie an.

„Wie geht es Till?“, fragte sie.

„Laut seinem Arzt ist er stabil…, aber er liegt in Koma.“

Besorgt nickte sie, ohne aber meine Hand loszulassen. Die Frau strahlte eine Wärme aus, dass sich meine Nervosität rasch legte.

„Wollen wir uns nicht setzten?“, fragte seine Eminenz neben mir.

„Christoph, ich habe einen anstrengenden Flug hinter mir, eine wilde Fahrt im Polizeiwagen, ich bin froh zu stehen, um mir die Füße zu vertreten.“

Verwundert schaute ich Tills Mutter an. Sie sprach mit seiner Eminenz, als wäre er ein ganz normaler Mensch. Gut es war ihr Bruder und er sagte auch er wäre privat hier, trotzdem war es ungewohnt.

„Gabriel… ich darf doch Gabriel sagen…?“

Ich nickte.

„… kann ich ohne Probleme zu meinem Sohn.“

Sie wirkte so ruhig und gefasst.

„Ich bringe sie gerne zu ihm.“

Die beiden folgten mir zur Intensivstation.

*-*-*

Mein Blick wanderte über den Strand. Das Haus und die Veranda hatten nichts abbekommen. Nur die Fenster zum Strand hin waren zersplittert. Wer am Wochenende gute Beziehungen hatte, konnte ich mir schon denken.

Bruno hatte ganze Arbeit geleistet. Die Leute von der Fensterfirma verabschiedeten sich und verließen das Grundstück. Überhaupt sah hier alles so aufgeräumt aus, als wäre nie etwas geschehen. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich zur Verandatür sah und darauf wartete, dass Till heraustrat.

Irgendwie musste ich mich zusammen reißen. Ich war Polizist und hier hatte ein Verbrechen stattgefunden. Tief im Gedanken betrat ich das Haus und hörte, dass die Haustür aufgeschlossen wurde.

Als ich Andrea sah, kam er auf mich zugerannt und fiel er mir um den Hals.

„Papa“, begann er weinend.

„Schhhh… alles wird gut.“

Ich strich ihm über den Kopf und sah, dass Andrea nicht alleine war. Alessio und meine Mutter betraten ebenfalls mein Haus.

„Mutter…“, war das einzige, was ich über die Lippen brachte.

Sie kam auf mich zu und umarmte mich ebenso.

„Gott sei dank ist dir nichts passiert meine Junge!“

Sie hatte Tränen in den Augen.

„Hallo Alessio“, meinte ich noch, der mir lächelnd zunickte.

„Wie geht es dir?“, fragte Mutter.

Ich strich mir durchs Haar, über mein Gesicht und atmete tief durch.

„Auf meinem Strand hat jemand eine Bombe hochgejagt. Es gab Tote und… Till liegt im Krankenhaus… im Koma.“

„Entschuldige… es war eine blöde Frage.“

Ich drückte sie kurz.

„Es gibt keine blöden Fragen… und für mich gibt es jetzt nur eine Frage…, wer die Bombe gelegt hat.“

„Dürfen sie in dem Fall denn ermitteln?“, fragte mich Alessio.

„Wer sollte mich daran hindern? Und ich heiße Gabriel…, du bist der Freund meines Sohnes…, also du und Gabriel!“

„Danke.“

Ich winkte ab.

„Nicht dafür. Ich muss mich bedanken, dass du und dein Vater sich Andrea angenommen habt.“

„Das habe ich gerne gemacht“, meinte Alessio und nahm Andrea in den Arm.

Meine Mutter wandte sich zu mir.

„Wenn irgendetwas ist Junge, dann wende dich an mich, ich helfe auch gerne.“

„Da wüsste ich sogar etwas.“

„Was?“

„Tills Onkel und seine Mutter sind hier…“

„Der Kardinal?“, fragte Alessio.

Da hat einer die Hausaufgaben gemacht und sich genau über seinen Freund informiert.

„Ein Kardinal?“, kam nun die Frage von meiner Mutter.

„Ja… Seine Eminenz Kardinal Christoforo. Rechte Hand des Papstes.“

„Sohn in welchen Kreisen verkehrst du…“

„In guten…“, lächelte ich sie an.

Andrea kicherte.

„Aber er ist privat hier, doch weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Im Krankenhaus habe ich auch Tills Mutter kennen gelernt… eine nette Frau.“

„Du fühlst dich unwohl?“

Ich nickte meiner Mutter zu.

„Ich kann doch beide schlecht hier beide zu mir einladen…“

Ich schaute mich in meiner Wohnung um, die mir plötzlich so klein und nichts sagend vor kam.

„Doch kannst du!“, widersprach mir Mutter.

„Dass ist euer Zuhause und Till teilt sein Leben mit dir… euch. Egal was Tills Mutter und sein Onkel gewohnt sind, die hier ist nichts worüber du sich schämend müssest! Du bewohnst ein sehr schönes Haus am Strand. Hier ist alles ordentlich aufgeräumt, trotz eures Männerhaushaltes.“

Ich verdrehte die Augen und als Andrea zu kichern anfing, konnte ich mir sogar ein Grinsen nicht verkneifen. Meine Mutter legte ihre Hand an meine Wange.

„So gefällst du mir schon besser. Ich werde die Einladung meines Schwiegerenkels annehmen und mit Andrea zusammen zu den Castellchettas fahren. Fährst du zum Krankenhaus zu Till?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich muss mich um meine Job kümmern… herausfinden, wer das getan hat.“

*-*-*

Als ich das Büro betrat, saßen Ambros, Costa, Phillip und Matteo an ihren Tischen, als wäre er selbstverständlich. Doch es war Sonntag. Ich zig die Tür hinter mir zu.

„Hallo Chef, wie überprüfen gerade die Angestellten des Cateringunternehmen, die für die Getränke und das Essen zuständig waren“, sagte Costa und reichte mir ein Blatt.

„Und ich lass meine Beziehungen spielen, um mehr über diesen Zünder heraus zubekommen“, kam es von Matteo.

„Ihr wisst schon…, dass es Sonntag ist?“, fragte ich.

Alle vier nickten.

„Danke!“, lächelte ich sie an.

Die Tür öffnete sich und Maria trat herein.

„Ah Commisario, hier hätte ich sie gar nicht erwartet.“

Verwundert schaute ich sie an. Sie stellte jedem ein Fresspaket auf den Tisch und wandte sich wieder zu mir.

„Ich soll ihnen Grüße vom Präfekten sagen, sie haben seine volle Unterstützung.“

Ich nickte und konnte es gar nicht richtig fassen.

„Maria, ich habe hier jemand, über den ich keinerlei Informationen finde“, unterbrach Phillip die Stille im Raum.

Diesen vertrauten Umgang, war ich nicht gewohnt, wobei ich auch nicht genau wusste, was meine Leute in ihrer Freizeit machten.

„Gib her…“, meinte sie und verschwand mit dem Blatt aus dem Büro.

„Habt ihr denn schon etwas herausgefunden?

„Bei den Toten…“, begann Costa zögerlich, „… handelt es sich bei allen um langjährige Mitarbeiter. Ebenso sämtliches andere Personal, bis auf einen, der verschwunden ist, … der besagte, um den sich Maria gerade kümmert.“

Wie aufs Stichwort ging die Tür auf und Maria kam herein. Sie sah mich ernst an und dann Matteo.

„Ihr konntet ihn unter dem Namen nicht finden. Den Mann den ihr sucht heißt in Wirklichkeit Daniele di Laura, und er steht unter dem Schutz der Guardi di Finanza.“

Matteo wurde bleich im Gesicht.

„Scheiße!“

*-*-*

Maria wusste mehr, aber sah Matteo durchdringend an. Ich setzte mich zu ihm auf seinen Tisch.

„Was ist?“

„Du hast nie gefragt, was ich eigentlich gemacht habe…“

Ich schüttelte den Kopf.

„Warum auch..“

Er lächelte verhalten.

„Stimmt…, weil ich eigentlich nicht darüber reden sollte.“

„Und warum willst du es jetzt tun?“

„Weil es unmittelbar mit unserem Fall zu tun hat. Auch wenn ich mich jetzt strafbar machen sollte und dem Finanzministerium in den Karren fahren werde…, es hilft nichts.“

Alle schauten auf Matteo, der nach wie vor an seinem Schreibtisch saß.

„Ich war der Polizia Penitenziaria unterstellt und…“

„Dem Justizministerium…?“, unterbrach ihn Costa, womit er sich einen vernichtenden Blick meinerseits einhandelte.

„Ja, sie ermitteln wie die Dia (Direzione Investigativa Antimafia) gegen die herrschende Ndrangheta in Kalibrien, besonders gegen die Familien Moranbito, Di Stefanio, Schianvone und Di Laura.“

„Dieser Di Laura gehört einem Clan an?“, fragte Ambros.

Matteo nickte.

„Aber warum arbeitet so einer für das Justizministerium…, wurde er nicht ausreichend überprüft?“

Diese Frage stellte Costa. Maria legte die Papiere auf Costas Tisch zurück.

„Doch…, aber Daniele di Laura wurde bei einem Überall festgenommen“, begann sie zu erklären.

Ich bewunderte sie, weil sie immer so gut informiert war.

„Es wurde ihm zur Wahl gestellt, eine langjährige Haftstrafe, oder als Informant für die Guardi di Finanza zu arbeiten. Wenn man sie schon nicht wegen ihrer Anschläge und Morde zu fassen bekam, dann zumindest wegen ihrer kapitalen Verbrechen.“

„Und das schien zu funktionieren…“, warf ich ein.

Matteo nickte.

„Durch Daniele wurde ich in die Familie di Laura eingeschleust, als unmittelbare Überwachung für ihn, aber auch für die Möglichkeit, mit den Instanzen der Justiz in Verbindung zu treten.“

„Was ist schief gelaufen?“, fragte ich.

„Meine Tarnung war wirklich gut und wenn Di Lauras jüngerer Bruder Leonardo nicht dazwischen gefunkt, dann wäre sie auch nicht aufgeflogen.“

„Leonardo… di Laura… er lebt?“, stammelte ich.

„Ja… ich sehe der Name sagt dir etwas.“

Ich nickte. Meine Leute sahen mich fragend an. Ich atmete tief durch, weil mir die Tragweite dieses Falles plötzlich bewusst wurde. Ich schaute zu Maria.

„Maria könnten sie einen Gefallen für mich tun und Signore Castellchetta zu uns bitten? Wir machen eine kurze Pause und warten auf sein Eintreffen.“

Maria nickte mir zu und verließ das Zimmer.

*-*-*

Eine halbe Stunde später saßen wir alle im Konferenzzimmer. Maria hatte auf mein Bitten noch ein paar Unterlagen heraus gesucht. Alle Augen starrten auf mich. Neben Castellchetta hatte auch Camerazzo platz genommen.

„Bruno, ich weiß… zwischen uns herrscht ein Absprache, die ich jetzt leicht brechen werde, was für sie aber keine Konsequenzen hinter sich her ziehen wird. Was in diesem Raum besprochen wir, bleibt in diesem Raum.“

Ich sah durchdringend meine Leute an, die dies mit einem Nicken bestätigte.

„Ich muss etwas ausholen, damit alle diesen Fall verstehen, welche Tragweite er hat. Wie Costa haben sich sicher alle schon gewundert, warum ich so guten Kontakt zu Signore Castellchetta habe.“

Ich stellte diese Behauptung einfach auf, weil ich mir sicher war, diese Frage brannte schon seit geraumer Zeit in den Köpfen meines Teams.

„Matteo und ich haben uns auf der Militärakademie in Modena kennen gelernt. Gemeinsam schaften wir es auch auf die Offiziersfachschule in Rom. Danach trennten sich kurz unsere Wege und wurden durch einen Zufall dem logistischen Unterstützungszentrum in Catania zugeteilt, die für Kalabrien und Sizilien zuständig sind.“

„Sie sind weiter herum gekommen“, meinte Bruno anerkennend.

Ich nickte ihm zu.

Gleich bei unserem ersten Einsatz lief einiges schief. Es gab viele Tote auf beiden Seiten. Und da tritt Signore Castellchetta auf den Plan. Bei einer Razzia hatte ich das Vergnügen, für ihn eine Kugel einzufangen.“

Bruno wollte etwas sagen, aber ich hob die Hand und sprach weiter.

„Es sollte nicht vorwurfsvoll klingen Bruno…, ich möchte nur erklären, wie unsere Freundschaft entstand.“

„Das habe ich nicht gewusst“, sagte Camerazzo leise.

„Camerazzo, sie wissen vieles nicht über ihren Chef“, lächelte ich Bruno an, der dieses Lächeln erwiderte.

„Auf alle Fälle, bei diesem letzten Einsatz wurde durch eine Autobombe der jüngste Spross der Familie Di Laura getötet. Sein Vater schwor ewige Rache, obwohl unsere Einheit nicht schuld war, an dieser Explosion.“

„Matteo sagte er lebt?“, fragte Costa.

Bruno sah mich verwundert an, auch er hatte von dieser Tatsache wohl nichts gewusst.

„Ja, etwas was mir bitter aufstößt und im Nachhinein einiges erklärt. Wegen meiner Schussverletzung war ich eine Zeitlang aus dem Verkehr gezogen. Als ich zu meiner Einheit zurückkehrte, war Matteo versetzt worden und wir haben uns völlig aus den Augen verloren.“

„Ich wurde nach Kalabrien versetzt…“, kam es von Matteo, „ich holte irgendwann meine Schwester nach, die bis dahin alleine in Rom wohnte. Dort lernte sie Ambros kennen, den sie irgendwann heiratete.“

„Mittlerweile sind wir geschieden…“, sagte Ambros leise.

Mitleidig sahen die anderen ihn an. Ich beschloss weiter zu erzählen, um die Aufmerksamkeit von Ambros abzulenken, der sich mehr als unwohl fühlte.

„Ich durchlief noch mehre Lehrgänge, landete hier in Palermo und wurde irgendwann Commissario in dieser Dienststelle. So nun wisst ihr ungefähr meine und Matteos Vorgeschichte, den Rest muss euch Matteo selbst mitteilen.“

Ich setzte mich, während Matteo sich erhob. Er atmete tief durch und schaute in die Runde.

„Eine Frage hätte ich“, kam es von Camerazzo, bevor Matteo loslegte.

Er schaute mich an.

„Sie sagten Matteo und sie haben die gleiche Laufbahn… sie sind Commisario und Matteo hat aber erst den Rang eines Sottotentende, wie passt dass zusammen?“

Ich schaute zu Matteo.

„Das kann ich erklären“, kam es von Matteo, „… ich hatte einmal ein handgreifliche Auseinandersetzung mit meinem  Vorgesetzten… Resultat, ich wurde zurück gestuft…“

Camerazzo sagte nicht dazu und die anderen schwiegen ebenfalls.

„Also… um auf das Thema zurück zu kommen… Durch meine Versetzung lernte ich auch Daniele Di Laura kennen, wurde mit seinen Aufgaben vertraut gemacht, in einigen Sachen der Finanzwelt geschult.“

Im Raum war es still, nur Matteo war zu hören.

„Ich freundete mich sogar mit Daniele ein wenig an. Er schien einer derjenigen zu sein, die bei der Mafia das Ruderherumreisen wollten. Doch sein Vater bremste ihn immer wieder aus. Es lief wirklich gut und wir konnten sogar einige Erfolge erzielen.“

Er atmete kurz durch, griff nach seinem Glas Wasser und trank ein paar Schluck davon.

„Bis eines Tages jemand aus Amerika zurück erwartet wurde. Es herrschte helle Aufregung und bis zur Ankunft, fiel kein Name. Ihr könnt mir glauben“, er sah Bruno und mich an, „ ich war genauso überrascht, als eine schwarze Limousine auf dem Familiensitz vorfuhr und Leonardo ausstieg.“

Er machte eine kleine Pause.

„Natürlich war mir gleich bewusst, dass ich eventuell in Gefahr geraten konnte, was sich später auch als Wahrheit erwies. Plötzlich kamen Männer in mein Zimmer gestürmt und Leonardo und sein Vater kamen dazu. Leonardo grinste fies und sein Vater schlug mir ins Gesicht.“

Ich schaute zu Bruno, der keine Mine verzog.

„Ich wurde von den Männern bearbeitet und wachte irgendwann in einem dunklen Raum auf. Dort war ich, bis ich bei einer Razzia befreit wurde…, was ich wohl ihnen zu verdanken hatte, Signore Castellchetta.“

„Ich habe jemanden nur einen Gefallen getan“, erwiderte Bruno und lächelte mich an.

„Daniele war seit diesem Zeitpunkt verschwunden und ist erst wieder… beim Anschlag in Erscheinung getreten.“

Nun schwieg Matteo und setzte sich wieder hin.

„Sie haben Recht Gabriel“, kam es von Bruno, „dass erklärt einiges und solange diese Familie nicht unschädlich gemacht wird, sind sie und ihre Leute, aber auch ihr Sohn, samt mein Sohn in Gefahr…“

Alle blickten zu mir.

„Da muss ich wohl ein ausführliches Gespräch mit dem Präfekten führen“, sagte ich.

Maria nickte.

*-*-*

Vor dem Einsatz war ich noch einmal kurz im Krankenhaus gewesen und hatte Till besucht. Seine Mutter war betont freundlich und auch seine Eminenz sprach mir Mut zu. Christoforo war wie immer bestens informiert und konnte auch einige interessante Details zu dem Fall beitragen.

Während die anderen den Flug nach Kalabrien zum Schlafen nutzen, saß ich die ganze Zeit und dachte an Till. Ich wusste nicht, was die Zukunft bringen würde und zum ersten Mal in meinem Leben, bereute ich, diesen Beruf gewählt zu haben.

Ich war erstaunt, wie schnell so viele Einheiten zusammengezogen werden konnten. Ganze Hundertschaften waren angetreten, um wenig später das Familienanwesen zu stürmen. Es begann ein wilder Schusswechsel und es gab leider auf Verluste auf unserer Seite.

Aber irgendwann, als immer mehr Einheiten auf das Grundstück drängten, wurde die Familie gestellt. Dass ich bei der Festnahme etwas austickte und Leonardo in die Fresse schlug, wurde später in keinem Bericht erwähnt.

Unsere Maschine setzte zum Landeanflug an. Matteo saß neben mir und schaute immer wieder zu mir herüber. Während des Rückfluges hatten wir fast nicht gesprochen. Plötzlich spürte ich seine Hand auf meinem Arm.

„Gabriel…, nimm doch einfach ein paar Tage frei…“

Ich schaute zu ihm.

„Ich weiß nicht…, es steht soviel Papierkram an…“

„Den wir gerne für dich erledigen. Kümmere dich um deine Familie… um Till.“

Ich nickte.

„Weißt du, ob er aufgewacht ist?“

Ich schüttelte den Kopf.

Am Flughafen standen Andrea und Alessio und begrüßten mich freudig. Bruni hatte eine Limousine geschickt, die uns nach Hause brachte. Dort angekommen zog ich meinen Schlüssel auf und sperrte die Haustür auf.

Ich stellte meine Tasche ab und lief in die Küche. Wie automatisch zog ich mir eine Kaffeetasse aus dem Schrank, während Andrea mit Hilfe von Alessio Kaffee machten. Gedanken versunken saß ich an meiner Theke und dachte an Till.

Das Klingeln der Haustür riss mich aus dieser Gedankenwelt.

„Ich mach auf…“, sagte Andrea und verschwand in den Flur.

Ich rieb mir über das Gesicht und atmete tief durch.

„Papa…“

Ich schaute auf und sah Andrea in Begleitung von Tills Mutter zurück kommen. Ich erhob mich und lief auf sie zu.

„Hallo Gabriel…“, meinte sie und hob ihre Arme.

„Signora Jansen“, erwiderte ich und ließ mich umarmen.

„Ich wollte mich von ihnen verabschieden…“

Ich hob die Augenbraun. Sie sah mir meine Verwunderung an.

„… ja ich muss zurück nach Deutschland um einiges zu klären, dann komme ich aber wieder.“

Ich nickte.

„Möchten sie auch einen Kaffee?“

„Gerne… danke.“

Andrea und sein Freund waren nach oben gegangen. Ich schenkte Tills Mutter einen Kaffee ein und setzte mich zu ihr.

„Till hat nicht übertrieben, das Haus ist wirklich schön gelegen und eingerichtet.“

„Danke…“, meinte ich nur dazu, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte.

Sie griff nach meiner Hand.

„Gabriel… mein Sohn und ich haben einige Telefonate geführt, seit er sie kennen gelernt hatte. Er hat mir viel von ihrer Arbeit erzählt, von ihren Sohn, in den er ganz vernarrt ist und auch viel über sie.“

Ich lächelte leicht und trank einen Schluck.

„Ich… ich weiß ehrlichnicht, was es über mich so viel zu erzählen gibt…“

Ich Blick war durchdringend und meine Hand ließ sie auch nicht los.

„In den vergangenen Jahren habe ich so einiges bei meinem Sohn miterlebt und ich kann ihnen sagen, ich und mein Mann waren nicht immer davon begeistert. Aber seit er sie kennt, hat er sich irgendwie zum Positiven geändert.“

„Positiven?“, fragte ich verwundert.

„Zum ersten habe ich Till schon lange nicht mehr so ausgelassen und fröhlich erlebt. Er nimmt seine Arbeit hier plötzlich sehr ernst. Er hatte früher öfter Ärger mit seinem Vater, weil er einige Kunden durch sein nachlässiges Handeln verärgert hatte.“

„Kann ich mir bei Till irgendwie nicht vorstellen.“

Sie lächelte.

„Ja ich weiß, Till kann auch ganz Gentleman sein, die Rolle beherrscht er sehr gut.“

„Ich kenne ihn nicht anders.“

„Das ist jetzt auch egal. Ich wollte ihnen nur damit sagen, dass ich froh bin, dass Till sie kennen gelernt hat. Ihr Einfluss tut ihm gut.“

„Mein Einfluss… ich weiß nicht. Seit ich Till kennen gelernt habe, har sich bei mir viel geändert und auch Andrea, mein Sohn, er ist begeistert von Till.“

„Ja… Andrea ist wirklich ein lieber Junge.“

Sie ließ meine Hand los und erhob sich.

„Danke für den Kaffee, aber ich muss jetzt los.“

Ich erhob mich ebenfalls und begleitete sie nach draußen. Dort stand ein Wagen, dessen Tür sich nun öffnete. Seine Eminenz, Kardinal Christoforo stieg aus. Auch er begrüßte mich noch einmal herzlich.

Er öffnete seiner Schwester die Tür und sie stieg ein.

„Passen sie auf meinen Sohn auf, Gabriel…, wir werden uns bald wieder sehen.“

„Ja, mein Neffe braucht ab und zu jemanden, der ihn führt“, kam es von seiner Eminenz. Gabriel, wenn sie es einrichten können, besuchen sich mich mal wieder in Rom. Es würde mich freuen.“

„Sobald Till genesen ist…“, ich stockte, weil mir wieder bewusst wurde, dass er immer noch in Koma liegt.

„Er wird es schaffen“, meinte Christoforo und stieg ebenfalls in den Wagen.

Sie nickten mir beide zu und der Wagen setzte sich in Bewegung. Ich stand noch eine Weile da und sah auf Tills Auto, dass seit dem Anschlag vor meinem Haus parkte. Ich strich sanft über das Metall, das sich in der Sonne gut erwärmt hatte.

Unweigerlich kamen die Tränen wieder. Till… mein Till. Ich wischte mir über die Augen und lief zurück ins Haus.

*-*-*Fortsetzung folgt*-*-*

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Pit,

    ich warte auf die Fortsetzung, trommel…. Ich habe nach einiger Zeit nun alle Teile gelesen, das hat wirklich Spaß gemacht und verlangt nach meeeeeeeehrrrrrrr.
    Viele Erfolg bei den kommenden 261 abgeschlossenen Teilen.

    So macht Lesen Spaß
    Ralf

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  2. Hammer geile storie!!!
    Bitte schnell die fortsetztung und noch viiiiiiiele weitere teiele 🙂

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