Margie 51 – Striptease

Nun war ich einigermaßen ratlos. Auf Zehenspitzen, als würde mich jemand Barfuss laufen hören.. taperte ich zu Ronald, der inzwischen ins Wohnzimmer gekommen war.

»Da ist jemand an der Tür«, sagte ich leise, »leider gibt’s da keinen Spion.«

»Aber.. an der Tür draußen ist auch keine Klingel.. «, meinte Ronald mit Schulterzucken.

»Dann.. hat man diesen Jemand unten reingelassen..« Wirklich seltsam.

Währendessen klopfte es weiterhin.

»Vielleicht ist es ja der Postbote.«

Diese Version war nicht ganz unmöglich. Ich beschloss, unser beider Neugier zu befriedigen und ging zurück zur Tür.

»Wer ist da?«

Ich drückte mein Ohr an die Tür.

»Die Nachbarin«, hörte ich dann eine Frauenstimme.

Au, etwas ganz Neues. Eine Frau konnte kein Unheil anrichten. So denkt man ja im Allgemeinen und deswegen öffnete ich die Tür einen Spalt. Und tatsächlich, eine noch junge, zierliche Gestalt mit langen, dunkelblonden Haaren geriet in mein Blickfeld.
Nun öffnete ich die Tür ganz.

Die Frau sah mich an und mir schien, sie war überrascht. Das bestätigte sich dann auch. »Ähm.. Sie sind aber nicht.. der junge Mann, der hier eingezogen ist«, stellte sie völlig richtig fest.

Nun standen wir uns gegenüber und ich verschaffte mir erst mal einen Überblick über die junge Frau. Einen halben Kopf kleiner wie ich, relativ hübsch, so ich das beurteilen konnte, ein luftiges, mit bunten Blumen besetztes Sommerkleid. »Nein, ich bin ein Freund«, bestätigte ich ihre Annahme.
Dann trat auch Ronald zu uns, sicher von derselben Neugier getrieben wie ich. Nun gut, zwei halbnackte Männer in einer Wohnung, die ihnen gar nicht gehörte.. Zu spät, um sich was überzuziehen. Ich hoffte, sie wollte nichts Bestimmtes. Eine Sekunde dachte ich, ob sie Angelo schon kannte.. Musste sie ja, aber ich wusste halt nicht wie gut.

»Ähm.. können wir Ihnen helfen?«, kam ich dann auf den Punkt.

Sie schien noch immer etwas verwirrt, ihr Blick wechselte zwischen Ronald und mir. »Ist.. der Mieter denn nicht da?«, fragte sie.

»Nein, im Augenblick nicht.«

Das trug nun scheint’s nicht zu ihrer Beruhigung bei.

»Wir helfen ihm beim Umzug«, meinte ich deswegen und setzte mein Lächeln auf.

Immer noch sah sie uns an als wären wir vom Mars.

»Aha.«

»Wollten Sie etwas von ihm?«

»Ich? Ach so ja.. also, ich hab meinen Hausschlüssel vergessen und weil sonst keiner im Haus ist hab ich hier geklingelt. Aber inzwischen kam Frau Paulsen und hat mich eingelassen. Nun wollte ich halt nur sagen.. ja, dass ich es war die da geklingelt hat.«

»Ja, klar, kein Problem.«

Nun streckte sie plötzlich die Hand aus.

»Karin Damstek. Ohne C hinten, nur K.«

»Ralf Bach.. und das ist Ronald.. Fischer.« Au, das war eine böse Falle.. beinahe wär mir der Name nicht eingefallen.

Ronald gab ihr ebenfalls die Hand.

»Na ja, wollte nur sagen.. ich wohn ja nur einen Stock drunter, wenn Sie.. was brauchen, einfach klingeln.«

Sehr freundlich, in der Tat. So richtig fett gelogen hatte ich mit der Umzugshilfe ja auch nicht. Wer wusste schon was Angelo mit uns vorhatte wenn er wiederkam.

Damit verließ sie uns wieder, die Damstek ohne C hinten, nur mit K.

Ich schloss die Tür. »Nett, die Kleine.«

Aha. Ronald starrte immer noch auf die Tür. Die müsste ihm gefallen haben, das konnte ich mir sehr gut vorstellen. Zum großen Glück musste ich nicht um Angelo bangen.

»Ja«, bestätigte Ronald meine Vermutung, »und hübsch ist sie auch.«

Mich interessierte das natürlich nicht die Bohne. Wenn Ronny da was anfangen wollte, dann war das völlig in Ordnung. Ich hatte ja eh keine Chancen bei ihm. Leider.

Wir trödelten dann noch etwas herum, wobei ich so einiges über Ronald erfuhr. Aber irgendwie war das alles nicht so spannend, als dass es mich wirklich beschäftigt hätte. In meinem Kopf kreiste nebenher ständig, wie es jetzt weitergehen würde.

Gegen 15 Uhr schließlich vernahmen wir auf dem Balkon Schlüsselklappern.

»Tach ihr beiden«, flötete Angelo, kaum dass er zu uns gekommen war, und schon auf den ersten Blick war mir klar, dass etwas Positives passiert sein musste.

»Alles klar mit euch?«

Ronny und ich sahen uns an. Was konnte eine derartige Wandlung in ihm ausgelöst haben? Ich hatte tausend Fragen auf einmal.

»Und wie ist es bei dir? Was war denn so wichtig, dass ihr Hals über Kopf hier rausgestürmt seid?«

»Langsam. Ich brauch jetzt erst mal ne Verschnaufpause.«

Dabei sah er auf den schwarzen Kasten in seiner Hand. Ganz so, als wäre da sein Leben drin. War es ja auch, irgendwie. Ganz fertig sah er aus, aber nicht gestresst.

»Vielleicht möchtest du.. erst unter die Dusche?«, bemerkte ich dann.

»Oh, keine schlechte Idee«.

Damit machte er kehrt und begann sich bereits auf dem Weg ins Bad auszuziehen. Ob er das schon mal geübt hatte? Ich stand auf und folgte ihm, während Ronald seine Beine ausstreckte und bequem sitzen blieb.

Dem Hemd folgte das Unterhemd. Ich beobachtete von hinten Angelos graziöses Muskelspiel, wobei mein Blick dann auf seine Taille fixiert blieb. Eben öffnete er den Hosengürtel, bückte sich dann und zog seine Schuhe und Strümpfe aus. Kann so ein Vorgang erotisch sein? Ein Striptease, nur für mich. Kostenlos. Ich hüstelte, weil er mir seinen knackigen Popo zustreckte. Angelo beugte sich noch tiefer und sah mich durch seine Beine an.

»Was gibt’s n da zu glotzen?« Dabei lächelte er in seiner umwerfenden Art.

Frech ging ich zu ihm hin, vergewisserte mich noch schnell dass Ronny uns nicht sah und gab Angelo einen Klaps auf den Hintern.

»Das da, zum Beispiel.«

Mit einem Schlag stellte sich er sich hin und drehte sich zu mir um. Da hing sein Hosengürtel offen, wie bereits der erste Hosenknopf geöffnet war.. Schwierig in so einer Situation, Ruhe zu bewahren.
Tja, wie war das mit den Batterien aufladen? Ich wäre auf der Stelle am liebsten über ihn hergefallen. Mein Blick wanderte über den nackten Oberkörper, beginnend an dem süßen Bauchnabel langsam hoch zu den kleinen Brustwarzen, am Hals entlang, über das Kinn, die Lippen, die Nase bis zum Ziel, den Augen. Die hatten zweifellos meinen Weg beobachtet und nun grinste Angelo wie ein Honigkuchenpferd. Der wollte was, ich spürte es ganz genau. Jawohl, ich hätte meinen Job verwettet, dass mein Hase rollig war. Aber das machte es mir nicht wirklich leichter, denn wäre Ronald nicht da draußen gewesen.. ich hätte für absolut überhaupt nichts eine Garantie gegeben. So musste ich mich arg zusammenreißen und ich roch zu allem Elend förmlich, dass Angelo heiß war und eine kurze Rückblende ins Bad äußerte sich durch einen tiefen Seufzer.

Angelo verstand, was ich eigentlich sagen wollte. Er hielt plötzlich seine Hände auf meine Wangen und küsste mich. Ich war dermaßen überrascht, dass ich zu keiner Reaktion fähig war. Mein Hase küsste mich, von sich aus.. »Wa.. was ist los?«, hauchte ich.

»Was soll sein? Ich liebe dich. Das ist.«

Das schlug alles, was ich in meinen vergangenen Träumen zusammengebastelt hatte.

»Du..? Sagst du das.. bitte noch mal?«

Ich konnte es nicht fassen. Nein, das war einer meiner Träume, aus denen ich in wenigen Sekunden aufwachen würde.

Es folgte statt einer Antwort ein zweiter Kuss, und diesmal erwiderte ich ihn. Mit meiner Zunge. Und kein aufwachen.
Dann nahm ich so mehr vom Gefühl her aus wahr, dass wir nicht unbeobachtet waren. Egal, Ronny wusste Bescheid. Nachdem er mich beim wichsen erwischt hatte, dürfte das wohl kaum Schockwirkung auf ihn haben.

Ronny ist ein Meister der Rücksichtnahme, das bewies er, nachdem ich mich ziemlich wiederwillig von Angelos Lippen trennte. Er schmeckte doch so gut..

»Ich werd mal in meine Bude rübergehen«, sagte Ronald ziemlich leise.

Angelo hielt noch immer meinen Kopf in seinen Händen. »Moment, Ronald. Ich hab euch noch was zu sagen.«

Aha, die große Überraschung. Die konnte, nachdem was grade passiert war, nichts Schlimmes beinhalten.

Angelo ging auf den Balkon, so mit halb offener Hose. Anscheinend war es trotzdem ziemlich wichtig.
Dennoch musste ich ihm kurz berichten. Von jener jungen Frau ohne C hinten, nur K nämlich, die ihre Hilfe angeboten hatte. Falls erforderlich.

»Ach, ja. Die hab ich gesehen, als wir die Sachen raufgetragen haben..«

Mehr kam nicht und mehr hatte ich weder erwartet noch hören wollen.

Wir setzten uns und nachdem sich jeder eine Kippe angezündet hatte, rückte mein Hase mit den Neuigkeiten heraus.

»Also, ich war heute noch mal vorspielen. Ein bekannter Produzent, Karel Placzek, hat mehr aus Zufall die Aufnahmen gehört, die letztens aufgezeichnet worden sind. Er war es, der mich so schnell hatte sehen wollen, deswegen die Eile heute morgen.«

Bekannt war mir dieser Mensch zwar keinesfalls, aber das konnte sich ja ändern. Jedenfalls, so wie das klang, war der Test alles andere als fehlgeschlagen.

»Nun, er war.. na ja, sagen wir mal begeistert. Sebastian war die ganze Zeit dabei und jetzt ist er so was wie mein Manager. Wir werden wohl diese Woche noch meinen Vertrag unterzeichnen. Mein Eltern wissen schon Bescheid und finden es in Ordnung.«

Puh, das war ein Wort. »Und.. wie geht das dann weiter?« Klar, ich musste schon wieder in die Zukunft blicken.

»Nun, natürlich muss ich jetzt so schnell wie möglich die Stücke einstudieren, die diesem Placzek vorschweben.«

Zunächst waren es mehr oder weniger Rätsel, die Angelo da von sich gab, aber ich wollte ihm dann auch Zeit lassen. Man konnte seine Freude nicht nur sehen, sondern regelrecht spüren.

»Er zweifelt nicht daran, dass ich noch im Herbst eine CD herausbringen werde.«

Aha, das war also der große Hit. Mein Hase würde hundert Mal schneller berühmt, als sich das je einer ausdenken konnte. Ich legte meine Hand auf seinen Schenkel. Und ich streichelte ihn, einfach als Zeichen dafür, wie mich das freute. Auch Ronald machte große Augen.

»Und.. was bedeutet das jetzt alles, konkret?«, wollte ich wissen.

»Ich hab jetzt erst mal Durst«, war dann die nicht ganz korrekte Antwort.

Damit stand Angelo auf und verschwand in der Wohnung.

Ronald sah mich nur an. Wie musste ich diesen Blick interpretieren? Gut, ich war innerhalb weniger Minuten verdammt stolz geworden auf meinen Freund. Und er hatte gesagt, dass er mich liebt. Welcher Tag konnte eigentlich schöner sein als dieser?

»Glückwunsch«, sagte Ronald dann leise, was ich mit einem Kopfnicken entgegennahm.

Ein Knall in der Küche ließ dann unmissverständlich anmuten, dass es etwas zu feiern gab. Mir war in dem Augenblick völlig wurscht wie es weitergehen würde, es gab aber schon da etliche Möglichkeiten in meinem Kopf. Irgendeine Lösung würden wir finden. Und wenn ich Mauern umrennen oder Störenfriede erschießen musste. „Na also. Was willstn mehr?“ Nichts. Angelo gehörte mir, seit ein paar Minuten, endgültig. Es war wie bei einer Oscar – Verleihung, wenn die Stars ihren Eltern, ihren Brüdern, Schwestern, der Oma, dem Hund und dem Goldfisch danken. Ich war zwar kein Star, aber zu danken hatte meinen Eltern, Werner, Onkel Herbert und irgendwie auch Felix. Das reichte mir auch. So ein Glückgefühl.. es war unbeschreiblich.

Angelo tauchte mit einem Tablett auf, mit Gläsern und ner Flasche Sekt drauf. Er stellte es ab. »Schenkt schon mal ein, ich muss jetzt erst aus diesen verdammten Klamotten und unter die Dusche..«

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