Traumschiff – Teil 32

Es ist gut gelaufen mit dem Schreiben diese Woche und das es jetzt über 100 Reviews gibt und 196 Favos, das hat mich natürlich beflügelt…
Der Dienstag…….und mehr
Jerome
Der Abend war sehr schön, wir haben gut gegessen und hatten viel Spaß. Oma und Frieda waren angeheitert und haben saulustige Sachen aus Ihrer Schulzeit erzählt und wir haben viel gelacht. Auch Papa und Mama haben auch ein bisschen von früher erzählt.

Mama war in einem Internat für reiche Töchter, da war es schon ziemlich streng und Papa hatte so wie wir private Lehrer, die aber auch strenger waren, wie das heute so ist.
Um zweiundzwanzig Uhr sind wir dann heimgefahren, Sigrid haben wir zu Hause abgesetzt und bis wir fertig waren fürs Bett, war es bald elf Uhr. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit, haben wir uns ohne Sex in den Schlaf gekuschelt und den Wecker wieder etwas früher gestellt, damit wir dann auch entspannt den Dienstag angehen können.
Vor dem Einschlafen habe ich mir noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen, was in naher Zukunft auf uns zukommt. Die kommende Woche, ein Tag ist ja schon rum, wird einiges an Ereignissen bringen und vielleicht auch neues über die Verwandten unseres Kleinen, der in seinem Zimmer friedlich in den Armen seines Wölfchens schläft. Ich bin gespannt, was er zu Martins Vorschlag meint, ob er sich freut über eine mögliche Adoption, die ja auf jeden Fall seine persönliche Situation noch einmal erheblich verbessern würde.
Dann die Geschichte zwischen Oles Onkel und dem Doc., ob der die Stelle bekommt und wie es dann weitergeht. Unsere Fahrt zu Torsten und Martins Geburtstag, man sieht, es wird keine ruhige Woche und auch auf der Baustelle ist einiges an Arbeiten für die folgenden Tage geplant. Die Fußbodenheizung, alles, was in den Boden sollte, ist drin und der ganze Estrich ist gemacht und trocknet jetzt.
Die Arbeiten an der Außenisolierung beginnen morgen, Teile des Arbeitsgerüstes stehen schon. Begonnen wird an der Rückseite des Gebäudes, weil vorne erst noch die Werbetafeln abgemacht werden müssen. So langsam nimmt alles richtig Fahrt auf und das mit Ole und dem Geld das muss ich morgen mit ihm regeln. Martin soll ihn mit herbringen, wenn sie von der Baustelle kommen. Obwohl ich sehr müde bin, kann ich nicht einschlafen und so beschließe ich, jetzt noch ein Bier zu trinken. Solange ich das Bier trinke, in meinem Wohnzimmer, kann ich auch noch kurz nach E-Mail schauen.
Ich sehe, dass die Dame Natalie, die Latexbraut für Torsten morgen versandt wird und bis Donnerstag spätestens eintrifft. Diverse andere Artikel wie Kondome und Gleitgel, das ich für uns gerade mitbestellt habe, kommt ebenfalls mit dem Paket. Mein Mathelehrer hat gemailt, das er morgen erst um Zehn kommen kann, er muss zum Arzt und er hat ein paar Übungsaufgaben gemailt, die ich bis dort hin lösen soll. Gut, das ich jetzt noch mal da reingeschaut habe ins Postfach. Ich drucke die Sachen gerade mal aus. Das Bier ist leer und jetzt werde ich einen neuen Einschlafversuch starten.
Der Wecker macht mich wach und ein Blick neben mich zeigt mir ein süßes Lächeln und einen lieben Blick aus wachen Augen. „Guten morgen, mein Schatz“, sagt Sergej zu mir und streckt seine Arme nach mir aus. Noch etwas schlaftrunken lasse ich mich auf seine Brust sinken, von seinen Armen umschließen und von seinen Lippen einfangen. Zärtlich beschmust er mein Gesicht, bevor er mich küsst und mit seiner Zunge an meine stupst.
Bist du wach genug, um mit mir duschen zu gehen“, fragt er in mein Ohr. „Aber ja doch, mit dir doch immer, mein Schatz“, sag ich und stemme mich hoch. Dabei wird mir zum ersten Mal so richtig bewusst, das ich meine Behinderung gar nicht mehr so dominant wahrnehme, nicht mehr so schlimm empfinde, wie das noch vor kurzer Zeit war.
Es gehört mittlerweile zu den Selbstverständlichkeiten, Max und Moritz an oder aus zu ziehen, sie zu tragen, oder im Rolli zum Duschen zu fahren. Auch stört es mich nicht, wenn Sergej mich einfach schnappt und in die Dusche trägt oder in die Sauna, im Gegenteil, so nackt auf seinen Armen, mit meiner Haut an seiner Haut, das hat was. Das ist in dieser Konstellation was ganz Besonderes, was intimes, ja sogar erotisches, finde ich und ich werde Wölfchen bitten, uns mal so zu fotografieren.
Jetzt fühle ich mich gerade wieder hoch gehoben und werde von meinem Schnuckel in das Bad getragen und auf meinem Duschsitz abgesetzt. Er dreht das Wasser auf und beginnt mich zu waschen, während ich meinerseits beginne, seinen Body mit duftendem Gel einzureiben. Weil alles
direkt wieder abgewaschen wird, stell ich das Wasser ab und fahre dann fort. Besondere Zuwendung wird, wie öfter beim gemeinsamen Duschen den vor meinem Gesicht präsenten Körperteilen zuteil, wobei das Teil in der Mitte sich in gewisser Art verselbstständigt, größer wird und sich aufrichtet, wohl, um noch mehr Aufmerksamkeit einzufordern. Diese lasse ich ihm gerne zu Teil werden, was dazu führt, dass es mich nach nicht allzu langer Zeit anspuckt und sich dann wieder in seine ursprüngliche Form zurück verwandelt. Offensichtlich hat das meinem Schatz so gut gefallen, das er das gleiche jetzt mit meinem Teil probiert und siehe da, der Erfolg ist der gleiche.
Nachdem unserem Spieltrieb zunächst mal Genüge getan ist, setzen wir den Reinigungsprozess fort, der mit dem gegenseitigen Abtrocknen beendet ist. Er trägt mich nun wieder zurück und setzt mich auf dem Bett ab, wo ich Max und Moritz anziehe, um dann selber in meinem Kleiderschrank was passendes für den heutigen Tag raus suche und anziehe. Auch Sergej ist bereits angezogen und sagt: „Ich schau mal nach unseren beiden drüben, ob sie wach sind“, und geht hinaus.
Kurz drauf sitzen wir beim Frühstück, das heute wieder von Frau Gut gemacht worden ist. Papa und sogar Mama kommen auch, Mama im Morgenmantel, Papa bereits im Anzug, mit Krawatte, wie jedes Mal, wenn er auf die Arbeit fährt.
Hoffentlich ist das später mal verhandelbar mit der Kleiderordnung, immer nur Anzug das behagt mir nicht und auch Sergej und Ole will ich mir nicht Tag für Tag im Anzug vorstellen. Obwohl, wie wir in Dresden den Anzug anprobiert haben, da hat mein Schatz verdammt heiß ausgesehen in dem teuren Zwirn und wenn wir zu Hause gewesen wären in dem Moment, dann hätte der Anzug bestimmt ein paar helle Flecken bekommen.
Die drei müssen los und mit ein paar Pausenbroten von Frau Gut im Rucksack machen sie sich auf den Weg zum Bahnhof, Sergej natürlich nicht, ohne mich noch einmal kurz zu küssen. Dann sind sie weg und ich bin mit meinen Eltern allein am Tisch.
„Jerome“, sagt Papa, „denk bitte daran, mit dem Atlantik die Einzelheiten ab zu sprechen und versuche heute Nachmittag, die Angelegenheit mit Ole zu regeln, damit das alles ordentlich über die Bühne gehen kann. Am besten, du fährst nach dem Mittagessen raus zur Baustelle und von da aus mit Ole zur Bank. Richte ein Baukonto ein und gib Ole die Vollmacht für das Konto und dann stell soviel Geld drauf, wie der Umbau voraussichtlich kosten soll. Den Rest kannst du dann getrost dem Ole überlassen, der macht das. Ole ist ein kluger und auch cleverer Junge, der das schon packt, davon bin ich überzeugt.“
„OK, Papa, ich mache das“, sage ich und trinke den Rest von meinem Kaffee aus. „Ich geh dann mal hoch, mein Lehrer hat mir noch Aufgaben geschickt, weil er heute später kommt. Er geht noch zum Arzt“, sag ich und steh auf. „Wie klappt es denn in deinem Hassfach Mathe?“, fragt Mama grinsend. „Seit ich jetzt mit Ole übe“, sag ich, „ verstehe ich einiges besser. Die letzte Überprüfung war eine drei, das hatte ich schon lange nicht mehr.“ „Na, das lässt ja hoffen“, sagt Mama. Ich gehe nach oben und fange mit den Aufgaben an.
Ole
Heute bin ich es, der früher aufstehen muss, da wieder Schule ist bis elf Uhr. Frank kann ja noch weiterschlafen, der hat frei heute und ich stelle ihm den Wecker für zehn Uhr, dann geh ich duschen. Gestern Abend, nach einem erfüllenden Gute Nacht Sex waren wir zu faul und sind, nachdem wir uns gegenseitig die Spuren abgeputzt haben, ohne Duschen eingeschlafen. Jetzt, nach dem Abtrocknen und Anziehen, alles natürlich im Bad, um Frank nicht zu wecken, geh ich runter zu Mutsch zum Frühstück. Marie ist auch schon auf und so sitzt die Familie einträglich beim Frühstück.
Der Nachmittag mit Mutsch und Onkel Jo war nett und auch ganz interessant, obwohl so richtig was über den Doktor und sich, was konkretes, hat er wohl nicht erzählt. Ich nehme an, dass er wohl mehr erzählt hätte, wenn ich mit ihm allein gewesen wäre. Die Anwesenheit von Mutsch hat ihn bestimmt gehemmt, über Details seines damaligen Verhältnisses zu reden. Ich meine aber, heraus gehört zu haben, dass er dem Doktor schon noch eine Chance geben möchte, dass er ihn aber wohl auch erst mal ein wenig schmoren lassen will. Ich bin auf jeden Fall zunächst mal gespannt, ob Morbach die Stelle auf dem Schiff bekommt, weil das wohl die Grundvoraussetzung für ein Happy End ist.
Martin holt mich um kurz vor elf an der Schule ab, wir haben einiges auf der Baustelle zu regeln. Die Außenisolierung wird heute begonnen, der Estrich wird schon begehbar sein, aber noch nicht belastbar, so das dort erst zum Ende der Woche hin weiter gemacht werden kann. Die Fensteröffnungen oben sind fertig gemauert und die Fenster sind schon in Arbeit. Weiße Kunststofffenster mit einer dreifachen Verglasung kommen überall hin.
Ich muss los, nehme meinen Rucksack und packe mein zweites Frühstück und was zum Trinken ein, gebe Mutsch einen Kuss auf die Backe, sage „Tschüss“ und laufe zum Bus.
Auf dem Schulhof treffe ich Armin und Denise und auch Mike und Dirk gesellen sich zu uns.
Denise erzählt vom Besuch bei Wolfi und von dessen tollen Bildern und auch Armin haben die Bilder gut gefallen.
Ich erzähle, dass ich um elf Uhr von Martin abgeholt werde und wir dann auf die Baustelle fahren und auch über die Fahrt zu Torsten reden wir noch kurz, dann müssen wir leider gehen. Mike kommt mit mir während die anderen drei in ihre Klasse gehen. Heute sollen wir ja erfahren, wer noch mündlich geprüft wird und wer sich noch verbessern kann, wenn er will. Da es nach den Klausuren eher locker zu geht in unserer Klasse, haben Mike und ich uns zusammengesetzt. Was Paul, dem Proll natürlich direkt ins Auge gesprungen ist. Allerdings hat er sich bisher jeglichen Kommentar verkniffen, was Mike und mich schon wundert.
Mike und Dirk gehen jetzt auch ein bisschen offener mit ihrer Freundschaft um und wer sie über die Pausen hinweg beobachtet, dem kann schon der Gedanke kommen, dass mehr zwischen den Beiden ist als nur Freundschaft. Das Wissen darum, nicht mehr allein schwul zu sein, hat sicher dazu beigetragen und auch die Party und das es jetzt auch Armin und Denise wissen, das sie zusammen sind, hat mit dazu geführt, offener damit umzugehen. Ich habe das Gefühl, das es Paul auch realisiert hat und ich warte auf seine Reaktion, die aber zurzeit nicht kommt.
Ich erfahre, dass ich mich in Physik und Deutsch von einer zwei noch durch mündliches Prüfen auf einen Einser schaffen kann. Ich beschließe, es auf jeden Fall zu versuchen, da man nicht schlechter werden kann dabei. Mike, der fast überall auf glatt zwei steht, will nichts mehr verändern, er ist zufrieden mit seinen Noten und für Graphik und Design reicht der Schnitt. Er macht jetzt erst mal ein freiwilliges soziales Jahr, bis Dirk auch sein Abi gemacht hat. Dann wollen sie zusammen studieren. Mikes Vater hat ein Malergeschäft, ich muss mal Jerome fragen, ob der nicht auch was machen kann auf der Baustelle, vielleicht ja den Außenanstrich.
Nach einer Stunde Diskussion über den Abi-Ball und der noch stattfindenden Abschlussfahrt, zu der ich mich, ebenso wie Mike, nicht angemeldet habe, werden wir dann um zehn vor elf entlassen.
Ich gehe mit Mike zum Tor, vor dem Martin schon im SUV auf mich wartet. Mike begrüßt Martin kurz, bevor er seinen Heimweg fortsetzt, während ich in den trotz bereits sehr feucht warmer Temperaturen schön kühlen Wagen steige und mit Martin nach Bremen fahre.
„Die Tasche mit dem Geld liegt vor dir im Fach“, sagt Martin. Wir haben vereinbart, das er die Tasche bei sich aufbewahrt, das ist mir lieber und auch Mutsch fühlt sich nicht wohl, wenn soviel Kohle im Haus ist.
Auf der Baustelle ist reger Betrieb. Die Gerüstbauer sind aktiv und auch das Isoliermaterial wird gerade abgeladen. Unmengen an Paketen mit Dämmstoffplatten und Zubehör stehen bereits dort, während immer noch abgeladen wird. Auch die neue Dacheindeckung ist bereits eingetroffen und Arbeiter sind dabei, einen weiteren Aufzug, diesmal bis auf das Dach der Halle, aufzubauen.
Auch oben ist die Türe offen, offensichtlich kann man den neuen Boden schon betreten. Das werden wir später begutachten, zunächst werde ich Marvin aufsuchen und ihm sein Geld für diese Woche geben,
Es sind zwei Kunden im Gespräch mit dem Chef i Laden, Marvin ist hinten an einem Tisch und hat einen geöffneten Rechner vor sich, an dem er wohl gerade arbeitet. Im Vorbeigehen grüße ich den Chef und seine Kunden und als ich an dem Tisch ankomme, auch Marvin. Der freut sich als er mich sieht und sagt: „Ahh, guten Morgen. Da kommt ja Ole, mein Goldesel.“ Ich muss grinsen und sage: „Ja, Marvin, da kommt Ole mit der Kohle. Das hört sich doch gleich besser an, Gold ist zwar auch gut, aber das Tierchen dabei, das bin ich hoffentlich nicht.“ Jetzt lachen wir beide und er wiederholt nochmal langsam: „Ole mit der Kohle.“ Der hätte auch von Torsten sein können, denk ich jetzt gerade. Unser Furzknoten, was er wohl gerade macht?
Ich gebe Marvin das Geld, notiere in meinem Kassenheftchen Zweck und Betrag und wünsche Marvin noch frohes Schaffen. Sein Chef geht gerade mit den Kunden in sein Büro und so winke ich kurz mit der Hand, was er dann auch prompt erwidert.
Draußen spricht Martin mit Herrn Stiefel und der zweite Mann, wo dabei steht, kann von der Kleidung her der Dachdecker sein, der für die Eindeckung, Isolierung und auch den Einbau der fünf Lichtkuppeln zuständig ist. Die Lichtkuppeln sorgen später dafür, dass der Gang zwischen den Wohneinheiten genug Licht bekommt. Auch ist noch der Einbau von jeweils einem großen Dachfenster pro Wohnraum vorgesehen.
Ich gehe auf die Leute um Martin zu und grüße auch hier. Dann frag ich beide, mit wie viel Leuten sie heute da sind und gebe ihnen dann für jeden Mitarbeiter fünfzig Euro Trinkgeld, mit der Bitte, das doch nach her an die Männer und auch zwei junge Frauen weiter zu geben. Dann frage ich Herrn Stiefel, Was oben läuft und will wissen ob der Estrich schon trocken genug ist, um darauf rum zu laufen.
„Oben ist der Chef der Elektrofirma“, sagt er, „der berechnet an Hand der Pläne und der bereits erkennbaren Raumaufteilung den Materialbedarf. Laufen kann man schon auf dem Estrich aber schwere Sachen oder Arbeitsgeräte, damit muss man noch ein paar Tage warten. Am Freitag kommen die Steine, die Kann man dann gleich teilweise oben abstellen, bis dahin ist der Estrich gut.“
„Komm, Martin“, sag ich, „wir gehen mal hoch gucken, wie es jetzt aussieht.“ Wir gehen die Treppe hoch und Schauen in die Halle, die jetzt vollkommen leer ist. Es sind auch die alten Zwischenwände weg und der Boden ist glatt und eben. Da, wo später die Wände stehen, schaut deren Verlauf etwa fünf Zentimeter aus dem Estrich heraus, so das man genau sieht, wo die Zimmer, Bäder und anderen räume sind. Das sieht irgendwie cool aus. Ein Mann mittleren Alters misst und schreibt und beachtet uns zunächst gar nicht.
Wir gehen langsam durch den Raum und schauen uns alles an. Martin sagt, dass er eine Kamera im Auto hat und er geht runter, um sie zu holen. Als er wieder herauf kommt, sagt er zu mir: „Ole, Herr Remmers ist unten, du sollst bitte mal zu ihm runterkommen, hat er gesagt. „Ich mache mich auf den Weg nach unten und Kai und Herr Remmers sitzen im Achter. Die hintere Seitenscheibe ist geöffnet und er bittet mich, hinten bei ihm einzusteigen, nach dem er mir einen guten Tag gewünscht hat.
Ich wünsche ihm auch einen guten Tag und schaue ihn dann erwartungsvoll an.
„Die Fahrt zu eurem Freund am Freitag fällt ja auf Martins Geburtstag“, sagt er zur Einleitung und fährt dann fort. „Jerome hat dort im Hotel ein Abendessen arrangiert, in einem gesonderten Raum und er geht davon aus, dass ihr dort dann mit Martin ein bisschen Geburtstag feiert. Was aber Jerome nicht weiß ist, dass wir alle, der Rest der Familie und auch Kai zu diesem Essen kommen werden. Ich habe hier ein Kuvert, das du bitte sofort nachdem ihr da im Hotel angekommen seit, dem Direktor bringst, der ist bereits informiert. Danach brauchst du dich dann um nichts mehr zu kümmern außer dafür zu sorgen, das Jerome nicht dauernd unten in diesem Raum rum rennt, um nach den Vorbereitungen zu sehen. Bring Jerome dazu, sich um das Geburtstagskind zu kümmern, übernehme für ihn das Gucken nach den Vorbereitungen und am besten bring Sergej und Ihn dazu, mit Martin den Torsten ab zu holen. Das wir kommen, soll eine absolute Überraschung werden.“
Zunächst bin ich sprachlos, weiß nicht, was ich dazu sagen soll, aber ich bin auch erstaunt, das er mich in seine Pläne einweiht, mir soviel Vertrauen entgegen bringt und sich voll auf mich verlässt.
„OK“, sag ich nach einer Weile, kein Wort mehr und nehme das Kuvert aus seinen Händen. „Jerome wird nachher hier vorbei kommen“, sagt Herr Remmers jetzt, „ er will etwas mit dir besprechen, dabei geht es um die Baustelle. Ich werde jetzt den Herr Weiden aufsuchen, Kai fährt nach Hause, Los braucht ihn später und Martin wird mich fahren, wenn ich hier fertig bin. Du kannst dann ja mit Jerome zurückfahren.“ Ich nicke zu allem.
Wir steigen aus und Herr Remmers geht Richtung Laden. Ich geh noch mal hoch, Kai folgt mir, er will auch mal kurz schauen, wie es hier jetzt aus sieht und auch Martin wird er kurz sehen wollen.
Carl August
Herr Weiden verabschiedet gerade zwei Kunden, als ich den Laden betrete, Ich weiß nicht, ob er mich kennt, ich war ja bisher nur einmal hier mit Hinnerk, Oma und Jerome und da war ich nicht im Laden unten. Die Kunden verlassen das Geschäft und auf mich kommt gerade ein Junge in Jeromes Alter zu und fragt, nachdem er mich begrüßt hat, nach meinen Wünschen. „Du musst Marvin sein „, sag ich und halte ihm meine Hand hin, die er zögernd schüttelt. „Ich bin Jeromes Vater, Herr Remmers und eigentlich möchte ich zu Herrn Weiden“, sag ich und schau ihn freundlich an. „Ah“, sagt er, „Jerome ist der Bauherr, gell. Jetzt weiß ich, wer sie sind. Ich wusste nicht, woher sie meinen Namen kennen. „ Jerome und Ole, das ist der, wo das finanzielle regelt, haben sehr positiv von Dir gesprochen, daher habe ich mal vermutet, dass du das bist. Die Beschreibung passte auf dich.“
„Kommen sie bitte mit, ich bring sie zum Chef“, sagt der Junge zu mir und geht vor. Am Chefbüro angekommen, klopft er an und öffnet die Tür. „Chef, Besuch für sie, Herr Remmers, der Vater von Jerome, der wo oben umbaut“, erklärt er in einem Satz die Situation. Herr Weiden erhebt sich und kommt auf mich zu. „Mit Ihnen hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen“, sagt er und streckt mir die Hand entgegen. „Nun“, sag ich, „ dann heute, ob es aber ein Vergnügen wird, muss sich erst noch zeigen“, sag ich und zu Marvin gewandt sage ich: „Marvin, dein Chef und ich möchten jetzt nicht gestört werden, OK?“ „OK, Herr Remmers“, sagt er und verlässt das Büro.
„Sie machen mich sehr neugierig, Herr Remmers“, sagt mein gegenüber. „Ja, ich weiß“, sag ich, „die Sache, um die es geht, ist sehr vertraulich und wenn meine Vermutungen sich bewahrheiten sollten, auch für sie mit Überraschungen verbunden. Ich erwarte heute Nachmittag noch Besuch aus Dresden und je nach dem wie sich unser Gespräch entwickelt, werden sie den Besuch dann auch noch kennenlernen.“
„Um alles verstehen zu können, muss ich etwas ausholen und ich muss sie bitten, mir zu versprechen, alle Informationen über die beteiligten Personen unbedingt vertraulich zu behandeln“, beginne ich meinen Bericht und ein „OK“ reicht mir, weil sein Blick ehrlich ist. „Die Geschichte, um die es geht, beginnt erst richtig in Dresden. Mein Sohn Jerome ist mit seinem Freund Sergej nach Dresden gefahren, um seiner Familie zu offenbaren, das er schwul ist und wohl auch, um dann Jerome dort als seinen Freund vorzustellen. Gewohnt haben sie im Hilton, das wie alle Häuser dieses Namens und auch noch etliche andere gute Hotels zu der Firmengruppe gehören, deren Anteilseigner im nicht unerheblichen Maße meine Familie ist. Die jungen Leute wurden dann von einem Mitarbeiter des Hotels in ihrem Bad mit einer Kamera ausspioniert und zwar halt nicht nur beim Baden oder Duschen.“ Ein leichtes, verstehendes Lächeln huscht über das Gesicht meines Gegenübers.
„Die Kamera wurde von einem jungen Pagen täglich mit einem neuen Chip versehen und neben dem Chip nahm der Junge dann auch noch getragene Unterwäsche mit, die er seinem Auftraggeber abliefern musste. Der Junge, ein Waisenkind, wurde mit Androhung sexueller Gewalt und einer Kündigungsdrohung gefügig gemacht und auch zu sexuellen Handlungen gezwungen.
Zufällig hat Sergej dann die Kamera entdeckt und Martin, der Fahrer und Begleiter meines Sohnes hat dem Pagen eine Falle gestellt und ihn beim Chipwechsel hoch genommen.
Der Junge erzählte nun die ganze Geschichte, der eigentliche Täter wurde festgenommen und überführt und hat sich eine Woche später im Gefängnis umgebracht.
Den Jungen, und jetzt kommen wir zum eigentlichen Anlass meines Besuches, haben wir mit zu uns genommen, er macht jetzt seine Ausbildung in Bremen weiter, meine zwei Jungs kümmern sich um ihn und Martin würde ihn sogar liebend gern adoptieren, wenn Kevin das möchte. Ich habe dann veranlasst, dass Nachforschungen angestellt werden über seine Herkunft und wir konnten den Namen seiner Mutter herausfinden, allerdings auch, dass sie wohl kurz nach seiner Geburt in einer Wohnung in Berlin verstorben ist.
Kevin wurde dann adoptiert, hatte aber wenig Glück, weil die Adoptiveltern mit ihm im Auto verunglückten und starben, während er fast ohne Schaden überlebte. Er kam in ein Heim und über zwei oder drei Stationen letztendlich nach Dresden, wo er im vorigen Jahr dann die Lehrstelle bekam. Über den Vater liegen uns derzeit noch keinerlei Informationen vor aber wir suchen halt.“
„Eine interessante Geschichte, Herr Remmers, aber ich verstehe bisher nicht, was ich bei der Geschichte für eine Rolle spiele“, sagt mein Gegenüber und schaut mich skeptisch an. „Nun, das werde ich versuchen, ihnen zu erklären, aber es wäre nett, wenn wir einen Kaffee oder Tee dazu trinken könnten“, sag ich. „Wir könnten auch zum essen fahren“, sagt er zu mir. „Das wäre im Moment noch nicht so gut“, „erwidere ich, „denn die Bilder hinter ihnen an der Wand, die spielen in meinem Puzzlespiel eine nicht unerhebliche Rolle.“ „Die Bilder hier…………
Ole
Nach dem Herr Remmers in den Laden ist, ist Kai nach der Baubesichtigung gefahren. Martin und ich haben mit dem Elektriker gesprochen und erfahren, dass es losgeht, sobald die Wände stehen. Jetzt werde halt erst mal das erforderliche Leitungsmaterial, Zähler und Verteilerkästen ermittelt, damit die Sachen bestellt werden können. Da auch Solarfelder auf dem Dach montiert werden sollen, ist auch für diese Elektrik besonderes Material von Nöten. Nach dem auch der Mann gegangen ist, geh ich mit Martin nach unten auf den Hof.
Wir gehen zur rechten, hinteren Gebäudeecke, wo gerade damit begonnen wird, Teile der alten Dachbleche abzumachen. Das wird jeweils in Etappen gemacht, um nicht das gesamte Dach auf zu machen, denn falls Regen kommt, würde es auf der ganzen Fläche rein regnen.
So wird jetzt ein Teil nach dem Anderen erst abgedeckt, der Hohlraum entsprechend isoliert und dann mit de neuen Eindeckung wieder verschlossen. Auf diese Weise soll das Dach bis zum Ende der nächsten Woche komplett erneuert sein, Einschließlich der Lichtkuppeln, der Dachfenster und den Aufhängungen für die Solarteile. Da die Firma mit acht Leuten vor Ort ist, glauben Martin und ich, dass der Zeitplan realistisch ist.
Es ist mittlerweile fast ein Uhr und wir sehen das neue Auto auf den Hof fahren. Jerome steigt aus, sieht sich um und kommt dann auf uns zu. Ich erzähle, was zurzeit hier alles gemacht wird und sage ihm auch, dass sein Papa drinnen im Laden ist und später mit Martin fährt. „Ich soll dann mit dir fahren“, sag ich. „Dein Vater sagte mir, das du noch was mit mir besprechen wolltest und deshalb extra hier her gekommen bist“, sag ich zu ihm, „Um was geht es denn so wichtiges, das du extra hier raus kommst?“, frage ich ihn.
„Nun, ich habe mal wieder einen Anschlag auf dich vor und hoffe, dass du mir keinen Korb gibst“, sagt er, „komm, wir setzen uns ins Auto, um die Sache zu bereden.“ Wir gehen zu dem Wagen und setzen uns rein, dann schau ich ihn erwartungsvoll an.
„Ich hoffe“, beginnt er „das ich nicht zu viel von dir verlange und ich wäre dir auch nicht böse, wenn du mit meinen Plänen nicht einverstanden bist. Ich muss mich ja zurzeit um mein Abitur kümmern und Sergej um seine Prüfung. Du bist eigentlich mit dem Abi dadurch und hättest die notwendige Zeit und auch den Grips, die gesamte finanzielle Abwicklung der Baustelle zu übernehmen. Das würde natürlich schon Zeit kosten, aber da du ja sowie so einen Ferienjob machen wolltest, biete ich dir das jetzt auch als einen solchen an. Du bekommst eine uneingeschränkte Vollmacht über das Baukonto, auf das ich die berechnete vorläufige Summe überweise und außer dir hätte nur noch ich als der Kontoinhaber Zugang. Du bekommst ab sofort bis zum Studienbeginn von mir einen Job, wenn du so willst. Ich werde als Gegenleistung deinen kompletten Führerschein bezahlen, so dass du keinen Ferienjob machen musst. Wäre das ein Vorschlag, mit dem du einverstanden sein könntest?“
Ich muss das jetzt gerade erst mal richtig begreifen, er vertraut mir, traut mir zu, dieses nicht gerade kleine Projekt mit einer Mindestsumme von mal eben einer Million alleine abzuwickeln?? Wo mit habe ich denn das verdient, dieses ja fast blinde Vertrauen in mich, jetzt auch, weil wir uns ja noch gar nicht solange kennen?
„Warum vertraust du mir so, obwohl wir uns ja noch nicht so lange kennen, Jerome, was habe ich, das du und auch dein Vater so eine hohe Meinung von mir haben?“, will ich jetzt doch wissen.
Er wird tatsächlich ein bisschen rot im Gesicht, als er antwortet: „Nun, es ist schon viel darauf begründet, das mein Vater dir wohl grenzenlos vertraut. Er hat die Gabe, Menschen umfassend zu beurteilen und einzuschätzen und bei einhundert Leuten sind höchstens zwei Einschätzungen, die sich nicht mit seinen Erwartungen decken. Das ist das eine, das andere ist, das auch ich bei dir ein so positives Gefühl habe und meine, das wir uns schon ewig kennen und darum auch glaube, dass du das kannst. Ja, und dann“, er macht eine Pause, streicht sich durch die Haare und sagt dann, „bist du der einzige unter meinen Freunden, der einzige Mensch, der, falls es Sergej nicht geben würde, seine Stelle in meinem Herzen einnehmen könnte.“ Es ist ganz still und er schaut geradeaus und ist jetzt richtig rot geworden.
Mir ist ganz warm geworden auf Grund dieser Ansage, welch ein Kompliment, welche Überwindung muss ihn das gekostet haben, mir das zu sagen. Ich greife nach seiner Hand, drücke sie an meine Brust und sage leise: „Brüder, OK?, mit Haut und Haaren, und für immer.“ Wir nehmen uns in den Arm, er riecht gut, und ich spüre seine warme Haut an meiner Wange. „Brüder, für immer“, sagt er und drückt mich fest.
Nachdem wir uns wieder richtig hingesetzt haben, sag ich: „OK, Bruder, ich mach das. Eine Frage hab ich noch, bei der Auswahl der Firmen, die für uns arbeiten, haben wir da Mitspracherecht oder macht das nur Herr Knauer?“
Leise sagt er: „Ich habe das gewusst, das du es machst, hab es gespürt und ich bin froh, denn ich hab es mir so gewünscht. Dann fahren wir nach her zur Bank und regeln alles. Zuerst fahren wir jetzt was essen, wir beide und dann sehen wir weiter.
Was das Mitspracherecht angeht, wenn ich zu Knauer sage oder jetzt auch du, das wir eine bestimmte Firma wollen, dann kriegen wir das auch. Wer die Musik bezahlt, der bestimmt auch was sie spielt, sagt Papa manchmal. Hast du dabei an was bestimmtes gedacht?“
„Mikes Vater hat ein Malergeschäft, das Mike nach dem Studium wohl mal übernehmen soll und dann könnten wir ihn ja indirekt als Freund ein bisschen unterstützen.“ „Gute Idee, mach das“, sagt er, „du hast jetzt Prokura.“
Er lässt den Wagen an und wir fahren vom Hof. Mutsch wird staunen und Frank sicher auch. Ich überlege gerade, ob ich ihm von der Geschichte eben erzählen soll. „Weiß Sergej, dass ich dir etwas mehr bedeute, als die anderen Freunde?“, will ich wissen. „Nein, so direkt nicht“, sagt er, „ obwohl er ein Gespür hat für meine Gefühle. Er wird schon gemerkt haben, dass mich mehr als nur Freundschaft mit dir verbindet. Ich werde ihm erzählen, was heute war mit uns und du solltest das auch Frank erzählen, nicht das sie irgendwann mal grundlos eifersüchtig werden auf das, was uns verbindet. Ab heute habe ich einen Bruder, dem ich voll vertraue und den ich auch liebe wie einen Bruder. Das sollten die beiden schon wissen, finde ich.“
Wir fahren nach Bremen rein und dort zu einem Gut aussehendes italienisches Restaurant, in dem man nicht nur Pizza essen kann. An einem Zweiertisch am Fenster bekommen wir von einem sehr hübschen Kellner einen Platz angeboten und nach dem er die Kerze auf dem Tisch angezündet hat, gibt er jedem eine Karte. „Was darf ich zu trinken bringen“, fragt er in akzentfreiem Deutsch und wir bestellen zunächst mal jeder ein Wasser.
Wir schauen die Karte durch und ich überlege ob ich Pizza, Pasta oder Fisch essen soll. Schließlich entscheide ich mich für ein Osobuco Milanese, eine Kalbshaxe auf Mailänder Art. Das Gericht habe ich schon mal bei unserem Lieblingsitaliener in Bremerhaven gegessen, das war, als Papa noch da war. Was der wohl gesagt hätte, wenn er gewusst hätte, dass sein Sohn schwul ist. „Einen Zehner für deine Gedanken“, sagt Jerome und ruft mich in die Gegenwart zurück. „Ich habe mich gerade gefragt, was mein Vater gesagt hätte, wenn er von meinem Schwul sein gewusst hätte“, sag ich. Die Bedienung, die gerade das Wasser bringt, hat das wohl jetzt mit bekommen und ich werde leicht rot.
Als er wieder weg ist, sag ich:“ „Ich hab den gar nicht kommen sehen, der hat das doch jetzt voll geschnallt, das ich schwul bin.“ „Na und, lass doch“, sagt Jerome, „ ist doch egal. Wir müssen uns ja nicht immer verstecken, nur weil wir schwul sind. Wir sind hier Gast und unserem Geld sieht keiner an, das es durch schwule Hände gegangen ist und selbst wenn, sie würden es trotzdem nehmen.“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Jerome hat das gleiche Essen bestellt, wie ich und zunächst bekommen wir einen gemischten Salat, den wir als Vorspeise verdrücken.
Das Hauptgericht schmeckt fantastisch und Jerome ist ebenfalls begeistert. Die Portionen sind zwar nicht so riesig, der Geschmack ist aber vortrefflich. „Wir bestellen noch einen Nachtisch“, sagt Jerome und winkt den Kellner her, nach dem wir das Hauptgericht verspeist haben.
Die übliche Nachfrage, ob es geschmeckt hat, bejahen wir beide und loben den Geschmack. Auf die Frage, was er denn als Nachtisch anzubieten hätte, sagt der Junge: „Wir haben verschiedene Eisvariationen, heute aber auch Tiramisu als Dessert.“ Dabei spricht er ausnahmslos zu mir und scheint Jerome nicht zu beachten. Wir wählen beide das Tiramisu und als der Junge mit dem Benutzten Geschirr weg ist, sagt Jerome grinsend: „Du hast einen neuen Verehrer und ich wette, der Kleine ist auch schwul. Der fährt voll auf dich ab, wetten.“
„Meinst du das Ernst?“, frag ich, „wie kommst du denn jetzt darauf?“ „Der hat nur noch Augen für dich und auch jetzt guckt er pausenlos zu dir“, sagt Jerome. Da ich mit dem Rücken zur Theke sitze, kann ich das nicht sehen. Eigentlich könnte es mir ja auch egal sein, aber mein Ego ist schon ein bisschen geschmeichelt. Scheinbar ist heute ein bisschen der „alles liebt Ole Tag“. Zuerst ein heißer Morgenritt mit Frank, dann Jeromes versteckte Erklärung und jetzt ein kleiner feuriger und durchaus schnuckeliger Italiener, mit dem ich, wenn es denn Frank nicht gäbe, gerne ein paar Nahkampfübungen machen würde.
„Deine Augen verraten dich, du denkst gerade an Sex mit ihm“, sagt Jerome und erstaunt mich aufs Neue damit, dass diese Remmers offensichtlich in den Gesichtern anderer lesen kann, so wie ich in einer Zeitung. Ich muss Grinsen und sage: „Aber nur ein bisschen, wir waren noch nicht beim blasen.“ „Arsch“, lacht er und dann: „Er kommt“, und ich „von was denn, ich habe doch nix gemacht.“ Mit dem Nachtisch, du Hirsch“, sagt er und dann lachen wir beide los.
Er, der Kleine, guckt jetzt ein bisschen reserviert, weil wir uns gerade so amüsieren, aber als ich ihn lachend anschaue, da beginnt er auch zu lächeln und er sieht nur noch süß aus. Man, der ist verdammt hübsch, der Kleine.
Eine nicht gerade freundliche Männerstimme ruft aus dem Hintergrund: „Enrico, venire qui, ma in fretta“( Enrico, komm her, aber schnell), worauf dem Kleinen förmlich das Lachen einfriert. „Vengo, Papa“ (ich komme, Papa), ruft er und geht zurück zur Theke. Jerome und ich schauen uns an, was war das denn jetzt.
Wir wenden uns dem Nachtisch zu, während der Junge nun zwei Tische weiter eine Bestellung aufnimmt. Das Tiramisu schmeckt fein und wir genießen das wirklich bis zum letzten Krümel.
„Wir trinken noch einen Espresso, dann muss er noch einmal mehr kommen“, sagt Jerome und winkt in Richtung Theke. Kurz darauf kommt er und strahlt uns an. Sein Vater ist jetzt wohl in die Küche, die Bestellung zubereiten. Jerome bestellt zwei Espresso und auch gleich die Rechnung.
Der Kleine geht zurück und dann hört man die Kaffeemaschine.
Er kommt zurück, stellt den Espresso vor uns hin und gibt mir den üblichen kleinen Teller mit dem Rechnungsbon. Jerome greift nach dem Bon und siehe da, darunter liegt ein Zettel mit einer Handy Nummer und einem Namen drauf.
Ich schau ihn an und sehe, dass er rot geworden ist. Ich nehme den Zettel und stecke in die Brusttasche meines Poloshirts, was ein Lächeln auf sein Gesicht zaubert. Dieses Lächeln verstärkt sich noch ein bisschen, als Jerome bezahlt und verschwindet, als die Stimme wieder zu hören ist.
„a me, Enrico(zu mir). Er nimmt das Geschirr vom Tiramisu, hebt kurz die Schultern und sagt: „Entschuldigung“, dann geht er.
Nach dem wir unseren Espresso getrunken haben, gehen wir zum Auto und Jerome fährt mit mir zu einem privaten Bankhaus, Carl F. Plump und Co, wo wir um zwei Uhr einen Termin haben, wie er sagt. „Ich bin wohl sehr leicht auszurechnen, wenn du schon einen Termin gemacht hast“, sag ich nicht sonderlich begeistert über die Tatsache, dass es offenbar nur so laufen konnte.
„Bevor du das jetzt meinst, nein, Ole, bist du nicht. Papa und ich waren wohl davon überzeugt, dass du das machen würdest. Wenn du nein gesagt hättest, säße jetzt Martin neben mir, der hätte es dann gemacht, wohlgemerkt, wenn du nein gesagt hättest. Aber selbst Martins Meinung war, dass du niemals nein sagen würdest, weil du ein Freund bist, wie es nur wenige gibt. Der Termin hätte jetzt also auch ohne dich statt gefunden“, lautet seine Erklärung. Das versöhnt mich wieder mit der Situation.
Drinnen, in einem piekfeinen Büro werden wir erwartet und von einem Herrn mittleren Alters mit den vorbereiteten Schriftstücken vertraut gemacht. Alle Bankgeschäfte kann ich online abwickeln und Geld auch an verschiedenen anderen Banken am Automaten abholen. Das Limit pro Abhebung pro Tag ist Fünftausend Euro, so hat Jerome das einrichten lassen.
Mit allen Unterlagen ausgestattet, wohl verstaut in einem von der Bank gestellten Aluminiumkoffer mit Schlössern und nach dem Auffüllen der Geldtasche am Schalter verlassen wir um drei Uhr die Bank und fahren Richtung Bremerhaven. Bevor wir das Auto besteigen, lesen wir noch schnell die SMS, er die von Sergej und ich die von Frank, in denen sich nach unserem Verbleib erkundigt wird. Schön, wenn man vermisst wird. Nachdem Jerome und ich die Antwort auf die Reise geschickt haben, geht es dann nach Hause. Bevor er losfährt, fragt er dann: „Sollen wir Frank holen und mit zu uns nehmen oder habt ihr was anderes vor“, und ich überlege kurz. „Wenn du mir einen Account auf deinem Rechner einrichtest, können wir da so machen“, sage ich, „es werden heute bestimmt die ersten Rechnungen zu euch gekommen sein und da muss ich von Anfang an dran bleiben. Da gibt es bestimmt auch Skontofristen, die wir nutzen werden.“
„OK“, sagt er, „da gibt es noch eine Lösung“ und fährt den Weg zurück, den wir gekommen sind. Zehn Minuten später stehen wir im PC Laden von Herrn Weiden und Marvin kommt freundlich grinsend auf uns zu. „Hey, ihr beiden, wenn du deinen Vater suchst, der ist mit meinem Chef weg gefahren, oder habt ihr einen anderen Wunsch?“, fragt er und schaut Jerome dabei an.
„Ich möchte ein McBook, habt ihr so was?“, fragt Jerome zu meinem Erstaunen. „Ja, haben wir, aber die sind sauteuer. Wir haben auch günstigere Modelle“, sagt Marvin zu Jerome.
Der sagt darauf: „Gut, dann nehme ich das McBook mit allem Drum und Dran, Tasche und so.“
„Echt jetzt, oder verarschst du mich?“, fragt Marvin und guckt entgeistert. „Marvin“, sagt Jerome und fährt dem Jungen übers Haar, „hübsche und nette Jungs verarsche ich nie. Hol bitte die Sachen, ich zahl mit der Karte und ich möchte nach Hause, mein Schatz wartet auf mich.“ Marvin, auf Grund der Berührung rot geworden, beeilt sich jetzt und schafft die Sachen herbei. Jerome zückt die Börse und greift zur Karte. Ein siebzehn Zoll mit 2,53 Ghz und 4 MB Arbeitsspeicher mit allem Zubehör für schlappe zweitausend achthundert Euro, ein Schnäppchen, oder?
Ich bin platt und Sergejs Erzählungen über Shopping mit Jerome fallen mir ein.
„So, Ole“, sagt er, „ das nimmst du jetzt für den Bau und wenn der Bau fertig abgerechnet ist, gehört das Teil dir und nein, das ist nicht verhandelbar. Wenn du schon für mich Jura studierst, bist du froh mit dem Gerät, was Besseres gibt es nicht.“ Nun ist nicht nur Marvin platt, ich bin es auch und nach dem Jerome den Bezahlvorgang abgewickelt hat, streicht er dem Marvin noch einmal über die Haare. „Du bist ein Hübscher und du hast seidenweiche Haare“, sagt er zu ihm, was den natürlich wieder rot werden lässt. „Ich habe eine Freundin und steh nicht auf Jungs, sagt Marvin leise. „Das ist OK, Marvin, ich hoffe, sie weiß, was sie für einen süßen Freund hat“, sagt Jerome und dann: „Komm Ole, unsere Männer warten. „Er dreht sich um und geht Richtung Ausgang, ich schnappe den Rechner und die Tasche mit dem Zubehör und folge ihm. „Bis Morgen, Marvin“, ruf ich und dann bin ich draußen.
Im Auto lacht Jerome und ich muss auch lachen. Marvins Reaktionen waren einfach köstlich, vor allem das Wechselspiel der Farben.
„Du hast ihn ganz schön in Verlegenheit gebracht mit deinem Streicheln“, sag ich. „Ja, das wollte ich auch“, sagt er, „aber er ist nicht zurück gezuckt beim zweiten Mal, also kann es nicht so unangenehm für ihn gewesen sein.“ Womit er auch wieder Recht hat. Mal sehen, was Marvin bei unserer nächsten Begegnung sagt.
Ich schicke Frank eine SMS, das wir ihn abholen und dann zu Jerome fahren. Kurz drauf trifft seine Antwort ein. Er ist allein bei uns zu Hause, Mutsch ist noch auf der Arbeit und Marie ist nicht da.
Jerome fährt ganz schön flott und so sind wir bald bei uns, wo Frank schon auf uns wartet.
„Oh“, sagt er, als er hinten einsteigt, „wart ihr ein Notebook kaufen und ist da jetzt echt ein MacBook drin?“
„Ole gehört das“, sagt Jerome und grinst zu mir rüber. „Echt jetzt?“, fragt Frank, „verarsche mich nicht. Das ist ja voll das heiße Teil, Ole, ist das echt dir?“ „Das muss ich mir erst verdienen, aber zum Studienbeginn wird es mir dann wohl gehören“, sag ich. „Das ist ja cool, und was musst du dafür tun. Hoffentlich hast du keinerlei sexuellen Dienstleistungen dafür versprochen“, sagt er lachend und auch Jerome gackert drauf los. „Er muss mir,…. solang der Umbau …..dauert, jeden Morgen…. einen blasen“, sagt er, von gackerndem Lachen unterbrochen. Ich spare mir jede Erklärung, lache einfach mit, nachher wird er es schon erfahren.
Als wir vor das Haus fahren, stehen noch zwei fremde Autos dort, eins davon mit Dresdener Nummer, das andere habe ich schon ein paar Mal beim PC Laden gesehen. Ich glaube Mal, das gehört dem Herrn Weiden. Ob es da wohl schon um Kevin und seine Herkunft geht?
Carl August
„Die Bilder hier…..?“, fragt Herr Weiden und dreht sich um, in dem er den Stuhl dreht und betrachtet die Bilder. „Das sind Familienfotos, einige davon sind schon älter und sind eher Erinnerungen“, sagt er und will von mir wissen, was das mit der Geschichte in Dresden zu tun hat, also muss ich nun Fakten und Vermutungen auf den Tisch legen, muss ihm wohl auch sagen, das Jerome heimlich seine Bilder fotografiert hat und welches Gesamtbild wir aus all den kleinen Puzzleteilen bekommen haben.
„Als mein Sohn Jerome neulich hier in ihrem Büro war mit Ole Jensen, wegen der Schlüsselgeschichte und Marvin, da hat er die Bilder betrachtet, und glaubte, eine starke Ähnlichkeit zwischen dem Mädchen und dem Jungen auf dem einen Bild und dem Jungen aus Dresden, unserem Kevin, zu erkennen. Die Nachforschungen nach Kevins Mutter waren von unterschiedlichem Erfolg, wir wissen jetzt, wie seine Mutter hieß, wissen gleichzeitig aber auch das sie kurz nach der Geburt verstorben ist. Das der Junge noch lebt, verdankt er einer alten, aber dennoch sehr aufmerksamen Nachbarin.
Der Name der Mutter war Melanie, Melanie Weiden.“
Bereits bei dem Namen Melanie zuckte er kurz mit den Augen, jetzt guckt er mich ungläubig an und sagt kein Wort.
Nach dreißig Sekunden flüstert er, in Gedanken versunken noch Einmal ihren Namen „Melanie“
Dann geht ein Ruck durch seinen Körper und er greift nach dem >Bild auf dem das Teenagermädchen mit seinem jüngeren Bruder abgebildet ist.
„Das ist meine Schwester Melanie Weiden, mit mir, ich bin fünf Jahre jünger und das war in Hannover, an meinem neunten Geburtstag“, erklärt er die Aufnahme.
„Was wissen sie von ihr“, fragt er, „sie verschwand, als sie neunzehn war, aus unserem Leben nach einem schlimmen Streit mit meinen Eltern und wir haben nie wieder was von ihr gehört.“
„wir wissen bisher nicht viel über sie, außer, das sie Kevin in einer herunter gekommenen Altbauwohnung in Berlin zur Welt gebracht und wohl einen oder zwei Tage später gestorben. Die Nachbarin hat das Kind Schreien hören und den Hausmeister gerufen. Die haben dann die Türe aufgemacht und die Tote und das Kind gefunden. Es tut mir leid, dass ich ihnen das so sagen muss mit ihrer Schwester.“
Er ist sichtlich bewegt und Kämpft mit den Tränen und als ich ihm mein sauberes Taschentuch reiche, fängt er an zu schluchzen und er kann die Tränen nicht mehr aufhalten. Ich stehe auf und geh raus in den Laden und frage den Marvin, ob es hier Kaffee gibt oder so was. Es gibt aber nur einen Automaten für Kaltgetränke und so bitte ich ihn, zwei Flaschen Wasser für mich zu holen, was er nachdem ich ihm Geld gegeben habe, sofort erledigt. Mit dem Wasser geh ich ins Büro zurück. Herr Weiden hat sich wieder gefasst und hält das Bild betrachtend in der Hand.
Ich stelle ihm das Wasser hin und er bedankt sich.
„Meine Eltern sind beide seit einiger Zeit verstorben, der ganze Streit und alles hat sie aufgezehrt.
Erst viel später habe ich erfahren, um was es bei diesem Streit ging. Meine Schwester war lesbisch, hatte sich in eine um ein paar Jahre ältere Frau verliebt, die nach Berlin ziehen wollte. Melanie wollte mit und verlangte einen Teil des Erbes, um in Berlin eine Wohnung zu kaufen. Meine Eltern verweigerten ihr jegliche Unterstützung, trieben sie mit ihrer Frömmigkeit und Sturheit aus dem Haus, verboten mir, ich war vierzehn, jeglichen Kontakt mit ihr und schwiegen sie von da an tot.
Als ich anfing, zu studieren, habe ich nach ihr gesucht, ohne Erfolg und irgendwann dann akzeptiert, dass sie für mich verschwunden ist“, bricht er seine Erzählung ab.
Ich habe interessiert zugehört und lasse ihm etwas Zeit. Dann sag ich zu ihm: „Ich mache ihnen einen Vorschlag. Wenn es ihre Zeit erlaubt, fahren sie mit mir zu uns nach Bremerhaven, lernen Sie meine Familie kennen, vor allem aber ihren Neffen, der zurzeit bei uns lebt. Ihre beiden Mitarbeiter werden bestimmt den Rest des Tages ohne Sie auskommen. Was halten Sie davon.“
„Ich muss meine Frau und meine Tochter verständigen“, sagt er, „ und ihnen kurz schildern, was geschehen ist. Sie wissen, dass ich eine Schwester hatte und diese sehr geliebt habe.
Ich denke, dass ich dann wohl später nicht mehr hier her fahre, auch wenn der Laden bis zwanzig Uhr geöffnet hat. Wissen die Leute, die nachgeforscht haben, wo sie begraben ist?“
„Ja, das ist ermittelt worden, das werden wir ihnen natürlich alles zeigen“, sag ich. „die Erkenntnis, dass sie mit einer Frau zusammen gewesen ist, kann bei den Nachforschungen natürlich auch helfen. Wieso sie dann trotzdem schwanger wurde, werden wir vielleicht nie erfahren. Was wissen sie denn über diese Frau, ist da mal ein Name gefallen?“ Er überlegt angestrengt, kommt aber wohl im Moment zu keinem Ergebnis.
Er greift zum Telefon und ruft seine Frau an. Ich gehe in der Zeit in den Laden zu Marvin und bitte ihn, den anderen Beschäftigten aus der Werkstatt hinten hier her zu holen. Als er mit dem Mann zurückkommt, eröffne ich den beiden, dass Herr Weiden jetzt mit mir nach Bremerhaven fährt und wohl heute nicht mehr kommen wird. „Kein Problem“, meint Marvin, „das ist nicht das erste Mal, das wir allein in der Firma sind, das kriegen wir hin. Ich schick dem Chef ne SMS, wenn wir alles zu haben und nach Hause gehen.“
Als er aus seinem Büro kommt, sage ich ihm, dass seine Leute alles regeln und wir fahren können.
„Fahren Sie einfach hinter Martin her, wenn ich darf, setze ich mich zu ihnen ins Auto, dann können wir noch ein bisschen über den Jungen reden“, sag ich und er nickt. Ich sage Martin Bescheid und steige dann zu Herrn Weiden ins Auto. Haben Sie das Bild dabei?, frag ich, „der Junge hat seine Mutter noch nie gesehen.“ Schnell steigt er noch mal aus und kommt kurz darauf mit dem Bild zurück. Martin hat am Tor gewartet und fährt nun zügig los. Herr Weiden fährt einen fünfer BMW, allerdings schon etwas älter, aber sehr gepflegt.
„Erzählen sie mir etwas von dem Jungen, wie heißt er, Kevin haben sie gesagt“, sagt er jetzt zu mir
„Gerne und ja er heißt Kevin, Kevin Balzer. Balzer hießen die Leute, die ihn adoptiert haben und dann umgekommen sind. Den Namen hat er dann behalten. Kevin ist auch schwul, wie mein Sohn und auch einige seiner Freunde. Seit ein paar Tagen hat er seinen ersten Freund und schwebt zurzeit auf Wolke sieben. Er ist durchschnittlich intelligent, sehr gut erzogen trotz Aufwachsen im Heim, bescheiden und sehr lieb. Aber er ist auch noch ein bisschen traumatisiert durch die Vorfälle in Dresden. Sein Freund Kai, den sie aber Wolfi nennen, ist zwanzig und hat wohl eine Ähnliche Erfahrung gemacht wie Kevin. Wolfi studiert irgendwas mit Psychologie und beide haben sich ihre Geschichte erzählt und das war wohl für Kevin ganz gut.“
Wir haben die Autobahn erreicht und Martin gibt jetzt Gas. Herr weiden beschleunigt ebenfalls, so das wir fünfundzwanzig Minuten später bei uns am Haus sind. Dort steht ein Auto mit Dresdener Nummer, ein VW-Passat, das müsste Herr Wagenknecht sein, der Anwalt aus Dresden.
„Schön haben sie es hier“, sagt Herr Weiden und schaut sich um, „da lässt es sich leben.“ „Ja, nur manchmal wäre ich schon gern öfter hier gewesen und nicht irgendwo sonst auf dem Erdball. Jerome ist früher oft gefragt worden, ob Martin sein Vater ist. Immer wenn ich das erzählt bekam, hatte ich ein schlechtes Gewissen“, sag ich, „alles hat seinen Preis, auch in unserer Liga.“
Wir gehen ins Haus und Lis kommen uns entgegen. Nach Vorstellung und Begrüßung gehen wir ins Wohnzimmer, wo Herr Wagenknecht auf uns wartet. Bei unserem Eintritt erhebt er sich und kommt auf uns Zu, um uns zu begrüßen. Als er hört, wen ich mitgebracht habe, mustert er den Herrn Weiden sehr genau und sagt dann freundlich: „Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen, Ich denke, in ihrer Person haben wir den ein zigsten lebenden Verwandten des Jungen gefunden.“
„Da ich verheiratet bin und eine Tochter habe, ist die Verwandtschaft doch etwas größer, als angenommen“, sagt er grinsend zu Herrn Wagenknecht.
Lis fragt, ob die Herren was trinken wollen und geht dann in die Küche, um das Kaffee und Tee zu bestellen.
„Carl August, wo ist denn Jerome abgeblieben“, fragt Lis, „war der nicht draußen auf der Baustelle?“ „Doch, war er“, sag ich, „der ist dann aber mit Ole weg gefahren, wahrscheinlich auf die Bank, du weißt schon warum. Das dauert alles ein bisschen und bestimmt waren sie auch noch irgendwo was essen.“
„Gut, dann werden sie ja bald kommen, denk ich“, sagt Lis, „Martin hätte ich auch gern dabei, bei dem Gespräch über Kevins Zukunft und ich möchte nicht, das wir ihn in einen unnötigen Entscheidungsnotstand zwingen. Er muss alle Informationen erst mal einordnen und verarbeiten und dazu kann und soll er sich Zeit lassen. Wenn ich merke, das er überfordert ist oder wird, dann brechen wir das ab und verschieben das nach hinten.“
Der Ton, in dem sie das sagt, lässt keine Spielräume zu und so reden wir zunächst mal allein und stellen die fachten zusammen.
Jetzt erscheinen auch Ole und Jerome und beide machen einen ganz besonderen Eindruck auf mich. Da hat irgendwas Positives stattgefunden, ein Ereignis, das ihr Verhältnis zueinander verändert, ja und auch noch verbessert hat. Jerome stellt Ole vor und die Herren begrüßen sich. „Darf ich oder besser“, sag Jerome, ,, dürfen wir die Neuigkeiten vorab erfahren, schließlich ist es Ole und mir zu verdanken, das Herr Weiden heute einen Neffen bekommt und der Kleine einen Onkel.“
„Und wenn es nach meinem und Kais Wunsch geht“, kommt Martins Stimme vom Eingang, „kriegt er auch noch ein Elternpaar dazu. “Sind die Jungs oben?“, fragt Jerome und als Lis das bejaht, sagt er, das er mal hoch geht und Boden vorbereitet, was immer er auch vorhat. „Ihr habt noch eine halbe Stunde“, sagt er, nimmt das Foto von Herrn Weiden vom Tisch und sagt dann, „komm Ole, der Count Down läuft“.
Beide gehen nach oben. Lis meint: „ Er ist so schnell so erwachsen geworden und ein Remmers durch und durch.“ „Und das ist auch gut so“, kommt Omas Stimme von der Türe her und mit Frieda im Schlepptau, jede der beiden Damen hat eine Flasche Cremant in der Hand, und Frieda sagt: „Für den Fall, das es was zu feiern gibt, haben wir die Brause mal gleich mitgebracht.“
Das trägt zur allgemeinen Erheiterung bei und das Lachen wird noch mehr, als meine Mutter sagt: „Du hast doch nicht im Ernst daran gedacht, Carl August, mein Junge, das wir oben sitzen und Däumchen drehen, wenn es um die Zukunft von Kevin geht. Das geht uns auch was an.“ Und meine Mutter setzt noch einen drauf, in dem sie sagt: „In letzter Zeit ist endlich mal wieder Leben in der Bude, richtig was los hier. Das gefällt uns:“
Jerome
Ich geh mit Ole hoch und finde alle bei mir im Wohnzimmer. Bevor wir an der Türe sind, hören wir schon Gitarrenmusik. Frank war eben, als wir gekommen sind, gleich hoch gegangen. Jetzt sitzen und lümmeln sie auf der Couchlandschaft rum und Kevin hat seine Gitarre im Arm. Er sitzt zwischen den gespritzten Beinen von Wolfi, der hinter ihm sitzt und seine Hände auf Kevins Bauch gelegt hat.
Frank hat sich ein bisschen lang gemacht, er hat die Augen geschlossen und lauscht den Klängen, die der Kleine der Gitarre entlockt. Es hört sich nicht nach Anfänger an und es klingt südamerikanisch oder auch spanisch, ich kenne mich da so gut nicht aus. Sergej sitzt an meinem Rechner und guckt die Ferientermine in den verschiedenen Bundesländern.
Wir haben natürlich gleich die volle Aufmerksamkeit, Frank hat wohl das MacBook schon erwähnt und jeder will natürlich gleich mal gucken. „Lasst Ole erst mal alles auspacken und das Ding in Betrieb nehmen“, sag ich, „Frank kann ihm dabei helfen. Wir anderen haben jetzt einfach mal was anderes vor und gehen dazu mal in mein Schlafzimmer, OK.“ Sergej, aber auch Wolfi und Kevin gucken mich groß an, kommen dann aber doch von der Couch hoch und gehen mit mir.
„Alle aufs Bett, aber ohne Schuhe bitte“, sag ich und ernte wieder erstaunte Blicke. Ich lege Max und Moritz ab und setze mich zwischen Sergejs Beine, den ich ohne Worte so ans Kopfende des Bettes geschoben hab, so dass er mit dem Rücken an der Wand sitzt.
„Wolfi, du setzt dich neben Sergej und Kevin setzt sich zwischen deine Beine so wie ich bei Sergej sitze“, sage ich und warte.
Als die beiden sitzen, fang ich an, zu berichten, was uns neulich auf der Baustelle und im PC Laden aufgefallen ist im Bezug auf Ähnlichkeiten zwischen dem Besitzer, dessen Bildern und Kevin.
Große Augen schauen mich jetzt fragend an und ich fahre fort. „Papa hat ja schon gesagt, das deine Mutter Melanie Weiden hieß und Herr Weiden aus dem PC Laden hatte eine Schwester, die genau so hieß und er hatte Bilder von früher an der Wand in seinem Büro. Eins der Bilder habe ich jetzt hier und ich gehe davon aus, das das junge Mädchen auf diesem Bild deine Mutter war.“ Ich habe das Bild jetzt so gedreht, das er und auch Wolfi das Bild erkennen können. Mit zittriger Hand greift er danach, nimmt es und schaut es an.
Es ist ganz still im Zimmer und Wolfis Hände drücken Kevin fest an seine Brust. „Sie war schön“, sagt er leise, „sehr schön war sie, meine Mama“, Dann fallen zwei Tränen auf das Glas des Rahmens und ein tiefer Schluchzer ist zu hören. „Danke“, sagt er, „Danke, jetzt weiß ich wenigstens, wie sie ausgesehen hat.“ Er lehnt sich ganz zurück und sucht Wolfis Gesicht, drückt sich an ihn und lässt sich von ihm streicheln.
„Die Ähnlichkeit zwischen Dir und den beiden Kindern auf dem Bild hat Papa veranlasst, heute mit Herrn Weiden zu sprechen und es ist so gut wie sicher, dass er der Bruder deiner Mutter und somit dein Onkel ist. Alle sitzen jetzt unten und warten auf uns, um mit uns, vor allem aber mit Dir über alles zu reden. Auch Martin und Kai haben sich viel Gedanken um deine Zukunft gemacht, sie wollen dir etwas anbieten, das dich sehr überraschen wird. Höre dir alles in Ruhe an, wir nehmen Wolfi mit runter, damit du dich sicherer fühlst und erst, wenn du dir sicher bist, was du für dich möchtest, dann sag es allen, sie werden es akzeptieren, weil sie wollen das, du glücklich bist“, beende ich meine Erklärungen.
Spontan nimmt er mich in den Arm und küsst mich auf den Mund. „Danke, die und auch den Anderen, das ihr euch so um mich kümmert. Ich hab schon ein bisschen Angst jetzt vor den vielen Leuten, Bitte geht mit mir, du und Sergej auch, mit euch und mit meinem Schatz fühle ich mich sicher“, sagt er und steht auf. Er reicht mit Max und Moritz und zieht dann sein Wölfchen vom Bett runter auf die Beine. Ich ziehe Max und Moritz wieder an und die Jungs ihre Schuhe und wir gehen zurück ins Wohnzimmer.
Der Mac läuft und Ole gibt Daten ein und richtet sich auf dem Läppi ein. „werden wir gebraucht unten?“, fragt er mich. Ich schau Kevin an und als der den Kopf schüttelt, sag ich zu Ole: „Bleibt ihr ruhig hier oben. Wenn wir wieder hochkommen, schau ich nach, ob schon Rechnungen in der Post sind. Es kann aber etwas dauern.“
Wir gehen nach unten und als wir ins Wohnzimmer kommen, verstummen die Gespräche. Mama kommt auf uns zu und nimmt den Kleinen in den Arm. „Wir sind alle bei dir, Kevin, es kam dir nichts passieren“, sagt sie und streicht über sein Haar. „Ich habe keine Angst, es ist nur plötzlich so anders, wenn man weiß, wie die Mutter, die ich nie kannte, ausgesehen hat“, sagt er und geht dann mit dem Bild auf Herrn Weiden zu. „Das ist doch meine Mutter, oder?“, fragt er und sieht den Mann, den er erst zweimal kurz gesehen hat, an. „Und du musst dann mein Onkel sein, oder?“, fragt er weiter.“
Kevin, komm mal zu mir“, sagt jetzt Papa und als Kevin neben ihm steht, legt er den Arm um ihn und sagt: „Herr Weiden ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der jüngere Bruder deiner verstorbenen Mutter und mit seiner Frau und seiner Tochter sind sie die einzigen lebenden Verwandten, die du hast. Für sie ist diese Situation auch neu und vollkommen überraschend gekommen und ihr müsst euch wohl erst mal kennenlernen in den nächsten Tagen. Die Suche nach deinem Vater ist bisher erfolglos geblieben und auf Grund unserer Gespräche und den daraus resultierenden Erkenntnissen ist es auch wenig wahrscheinlich, dass wir ihn finden. Allerdings gäbe es auch in diesem Fall, dein Einverständnis voraus gesetzt, jemanden oder besser zwei Menschen, die dich als ihren Sohn adoptieren würden, wenn du das auch möchtest.“
Der Kleine blickt sich um, schaut einen nach dem anderen an und beginnt dann, Martin anzustrahlen. „Martin?“, fragt er, „Martin und Kai?“ und als Martin nickt, läuft Kevin hinzu ihm und wirft sich in seine Arme und Tränen laufen über sein Gesicht und auch Martin ist gerührt und Kai umarmt jetzt die Beiden. Stille…..und….PLOPP… ein Korken fliegt durch die Gegend und Omas Stimme durchbricht die Stille und fordert laut: „Applaus, wenn das kein Grund zur Feier ist…. „der Rest geht im Beifall unter. Jetzt folgt das Händeschütteln und gratulieren und es redet alles durcheinander.
Zwei Hände legen sich von hinten um meinen Bauch und Sergej flüstert in mein Ohr: „Ich liebe dich, dich und deine steinreiche und doch so tolle Familie, die mich immer wieder aufs neue so positiv überrascht. Ich bin so froh, das du mich liebst und ich hier bei dir sein darf.“

Als der erste Trubel sich gelegt hat, Mama hat Gläser geholt und Oma und Frieda haben eingeschenkt, erhebt Papa sein Glas und sagt: „Ich glaube, heute ist für viele unter uns ein Tag, an den man später immer wieder gern zurück denken wird. Wir dürfen uns freuen, dass alles so gut gelaufen ist für Kevin. Er weiß jetzt, wie seine Mutter in jungen Jahren ausgesehen hat, er hat Verwandtschaft gefunden und hat zwei Menschen gefunden, die ihm gerne die fehlenden Eltern ersetzen wollen, die ihn sehr gern haben und ihn wahrscheinlich hoffnungslos verwöhnen werden.
Das das alles in einer sehr kurzen Zeitspanne nach traumatischen Erlebnissen sich so positiv entwickelt hat, daran haben viele mitgewirkt und alle, die zu dem Erfolg beigetragen haben, freuen sich ganz besonders mit dir, Kevin und wünschen dir alles Gute für die Zukunft.“
„Danke“ sagt Kevin jetzt mit fester Stimme, „danke euch allen, die sich so um mich gekümmert haben und es noch tun und Danke an Martin und Kai, ich will euch ein guter Sohn sein, auf den ihr stolz sein könnt. Danke an Jerome und Sergej, die mich in keiner Situation im Stich gelassen haben mit ihren und meinen Freunden zusammen. Danke auch an meinen Wolfi, dafür das er mich mag und ich mit ihm zusammen sein darf. Ich hatte in meinem bisherigen Lebe selten mal einen Glückstag, aber der Tag heute entschädigt mich für alles, was einmal war und ich bin sehr glücklich heute. Danke auch an die Familie Remmers, die erste bewusst von mir erlebte Familie, ihr seid so toll, das kann ich mit Worten nicht beschreiben. Hier in diesem Haus hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, zu Hause zu sein, geliebt zu werden.“ Zum Schluss hin ist er leiser geworden und er geht auf Mama zu und nimmt sie in den Arm. Ganz zart und scheu küsst er sie auf die Wange und haucht ein Danke hinter her.
Jetzt ist es noch einmal ganz still und ich glaube, dass alle froh darüber sind, dass Oma jetzt mit einem lauten „Darauf lasst uns anstoßen“ die Stille durchbricht.
Bei dem letzten Satz von Kevin habe ich eine Gänsehaut bekommen und Mama hat ganz feuchte Augen gekriegt.
Wolfi
Mein lieber Mann, das war ja ganz großes Theater, das hier über die Bühne gegangen ist und die Ergebnisse, die mich ja indirekt auch ein bisschen betreffen als Kevins Boyfriend so zu sagen, die sind ja schon der Hammer. Das er jetzt ein eine genauere Vorstellung von seiner Mama hat, finde ich gut, gut auch für sein Selbstwertgefühl. Ich denke, nicht zu wissen, wer die Eltern, speziell wer die Mutter war, ist schon eine Belastung, vor allem in der Pubertät, wenn es um die eigene Identität geht.
Auch Familie zu haben, ist etwas positives und ich werde ja sehen, wie Kevin und auch sein Onkel und seine Familie mit der neuen Situation umgehen lernen.
Was aber in meinen Augen das Besondere ist heute, das ist das Angebot von Kai und vor allem von Martin, dem Menschen, mit dem Kevin seine Rettung aus den Fängen des Berger personifiziert, der Mensch, der ihm soviel bedeutet. Dieser Martin Und sein Kai bieten ihm an, ihn zu ihrem Sohn zu machen und ihm damit ein langersehntes zu Hause anbieten, das dürfte für meinen Schatz das größte Geschenk des heutigen Tages sein.
Jetzt hat er Frau Remmers losgelassen und folgt er dem Wunsch der Oma, die mit ihrer Aufforderung zum Anstoßen die Stimmung etwas entspannter gemacht hat. Mit seinem Glas kommt er zu mir, stößt mit mir an, strahlt mich an, mit zwei Glitzertränchen in den Augen und nimmt dann einen großen Schluck. Jetzt drückt er mir sein Glas in die Hand und seine Augen suchen Martin. In sehen und auf ihn zu gehen ist eins und der große Martin breitet seine Arme aus, nimmt den Kleinen hoch an seine breite Brust, drückt ihn an sich und gibt ihm einen Schmatzer auf die Wange. Der Kleine legt sein Gesicht in Martins Halsbeuge und das Zucken seiner Schultern verrät mir, das jetzt die Freudentränen fließen. Martins große Hand liegt in Kevins Nacken, hält ihn fest an seinem Hals und die Finger kraulen den Haaransatz, ein Bild, das soviel Intimität ausstrahlt und auch viel Glück. Ich freue mich so für ihn, nein, für beide oder alle drei, Kai darf man hier nicht vergessen. Ole und Frank betreten nun den Raum oder besser gesagt, die große Bühne, denn was hier heute abläuft, ist für mich ganz großes Theater mit allem, was dazu gehört. Ich nehme einen großen Schluck von dem edlen Getränk, das sonst so gar nicht zu meinen Vorlieben zählt.
Es scheint mir aber dem Anlass gerecht zu werden und es schmeckt ja auch sehr gut. Der preis für dieses Trinkvergnügen wird auch entsprechend sein aber im Bezug zu Geld gehen hier im Haus die Uhren eh anders, als in meinem Universum.
Die Oma tuschelt mit Jerome und dann verschwindet der mit Sergej nach draußen. Ich könnte mir denken, dass sie Nachschub holen. Jeromes Vater telefoniert mit seinem Handy und Herr Weiden redet mit dem Anwalt aus Dresden. Frank und Ole bekommen von Tante Frieda ebenfalls ein Glas und natürlich auch die Neuigkeiten erzählt, die in Ihrer Abwesenheit gelaufen sind. Martin hat den Kevin jetzt wieder auf den Boden gestellt und Kai knuddelt gerade meinen Schatz. Martin winkt mir und ich geh rüber zu den dreien.
Carl August
Das ist ja eine tolle Entwicklung der gesamten Angelegenheit, ein toller Abschluss einer in Dresden begonnenen Geschichte, die anfing mit Sergej und Jerome, mit der Ausspähung durch Berger und dem unter Zwang stehenden Waisenjunge Kevin, von Martin mit Bravour geregelt und von Lis und mir unterstützt, von Jerome und Sergej getragen, und mit Oles und Jeromes Scharfsinn auf die richtige Fährte gebracht. Ich bin stolz, auf meinen Sohn, auf seinen Freund und meinen zukünftigen Schwiegersohn Sergej. Das ist meine volle Überzeugung, dass Sergej mein Schwiegersohn wird, eigentlich schon ist.
Stolz auch ein bisschen auf mich, in Ole den Menschen erkannt zu haben, der Jerome nach Sergej wohl am nächsten steht, der ihn mag und für ihn ein Freund ist, der diesen Status auch entsprechend ausfüllt und ich glaube, zu wissen, das wenn es keinen Sergej gäbe, Ole vielleicht mein Schwiegersohn wäre. Aber so wie es jetzt ist, so ist es gut und ich glaube, dass die Entwicklung in den letzten Wochen eigentlich nicht hätte besser sein können. Es gibt noch einiges zu tun und es wird auch noch ein bisschen dauern, bis alle ihren neuen, veränderten Status realisiert haben, aber wie heißt es doch so schön, „der Weg ist das Ziel“ und um es mit den Worten der heute allgegenwärtigen Werbung zu sagen: „Es gibt viel zu tun, packen wir es an!“
Ich habe in Bremen im Hotel angerufen und Sergej und Kevin für morgen beurlauben lassen. Heute wird mal gefeiert und Morgen dürfen sie dann ausschlafen, die Trabanten.
Jerome und Sergej kommen rein, in jeder Hand eine neue Flasche, die sie bis auf eine, zunächst mal in die Kühlung in der Küche tragen. Die eine wird von Frieda geöffnet und zum Auffüllen der zum Teil schon leeren Gläser benutzt.
Ich rufe über Sergej und sage ihm, dass er und Kevin morgen frei haben, was ihn natürlich sehr freut.
Auch Jerome, dem er das gleich erzählt freut sich und sie geben sich eine Five, was immer das auch jetzt heißen soll. Ich glaube, das will ich jetzt auch gar nicht wissen, schmunzeln muss ich aber doch. Wie heißt doch dieses Lied: „Man müsste noch mal zwanzig sein und so verliebt wie damals…“
Lis und Oma sind in die Küche gegangen, haben angefangen, Schnittchen zu machen und andere Sachen die man mit den Fingern essen kann. Natascha hilft auch und auch Sergej macht sich nützlich. Zwanzig Minuten später stehen die Sachen auf dem Tisch im Esszimmer und jeder kann sich bedienen. Jerome hat auch andere Getränke geholt und so kann jeder wählen.
Herrn Wagenknecht habe ich ein Gästezimmer angeboten und Oma hat Ole und Frank ebenfalls ihr Gästezimmer angeboten, so dass einzig Herr Weiden mit dem Auto zurück nach Bremen fahren muss. Alle anderen dürfen also auch Alkohol trinken und feiern, ohne ständig auf die Uhr gucken zu müssen. Meiner Sekretärin habe ich ein SMS geschickt, das ich morgen nicht vor elf erscheinen werde und sie eventuell Termine bitte verschieben soll. Sie wird sich gewundert haben, denn das kommt normal nicht vor, aber im Laufe des Abends kommt ihre Bestätigung.
Kevin
Ich sitze zwischen Martin und Wolfi, Kai sitzt neben meinem Schatz auf der großen Couch und ich schwebe auf Wolke sieben. Soviel geschehen ist in der letzten Zeit und seit ich aus Dresden weg bin, immer nur Gutes. Es ist schon fast unheimlich, wie das alles gelaufen ist.
Ich kann mein Glück, soviel davon, kaum fassen und ich halte mich an Wolfi und Martin fest, drücke ihre Hände und genieße dieses tolle Gefühl, nicht mehr allein zu sein, Familie zu haben, Freunde und so viel Menschen, die mich mögen.
Auch wenn es jetzt paradox klingt, aber ohne Berger wäre das wohl alles nie so passiert und indirekt ist er der Auslöser gewesen, durch dessen Aktivitäten das hier und heute überhaupt real geworden ist. Ich glaube, der Gedanke macht mir das Abschließen mit ihm und meiner Vergangenheit leichter und auch, wenn ich ihm nie dankbar sein könnte, versöhnt mich die Entwicklung mit meiner Vergangenheit und dem Schicksal, das ich ertragen musste.
Meiner Zukunft sehe ich mit Freude entgegen, Martin, Kai und Ich werden eine Familie sein, Rufus, so heißt Herr Weiden mit Vornamen, wird mich Seiner Familie vorstellen und mir auch noch mehr Bilder von Mama zeigen und Martin hat gesagt, dass wir sie hierher Umbetten werden, damit ich zumindest ihr Grab in der Nähe habe und sie auf dem Friedhof besuchen kann.
Zu wissen, wer meine Mama war und wie sie ausgesehen hat, das ist mir enorm wichtig und ich bin Herrn Remmers dankbar, dass er die Nachforschungen angestellt hat. Jetzt kommt Ole mit der Flasche und füllt unsere Gläser wieder auf. Martin grinst und sagt: Mach langsam, Kleiner, du bist das nicht gewohnt und dann rutscht es einfach so aus mir raus und ich sage: „Ja, Papa.“
Wir sind wohl beide etwas erschrocken und auch Wolfi und Kai gucken erstaunt und dann sag ich es einfach nochmal, weil es sich so gut und auch so richtig anfühlt: „Ja, Papa“ und dann küss ich in spitz auf den Mund und auch Kai, der ja bisher leer ausging, bekommt einen Knutscher auf den Mund. Jetzt strahlen wir alle und auch Wolfi hält mir jetzt seinen Schnabel hin und nur zu gerne küsse ich in mit all meinen Gefühlen für ihn und es würde mich nicht wundern, wenn ihm bei diesem Kuss die Hose eng wird. Ich glaub das kann ich aber hier jetzt nicht überprüfen.

 

 

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2 Kommentare

  1. Hi Niff, coole Fortsetzung, macht einfach Spass zu lesen. Freut mich, dass du wieder fleisig schreibst, hoffe dass du den Elan beibehalten kannst.

    vlG Andy

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    • Joachim auf 8. August 2014 bei 14:26
    • Antworten

    Moin Niffnase,

    jetzt komme ich fast mit dem lesen nicht mehr hinterher. Aber das bedeutet ja auch, das es Dir wieder wesentlich besser geht, und das freut mich am meisten. Natürlich freut es mich auch, das es jetzt soooo viel zu lesen gibt.
    Für den Kevin freut es mich, das er jetzt endlich Verwandte gefunden hat und viel über seine Mutter erfahren wird. Nur die Freude seines Onkels beim ersten Treffen mit dem Sohn seiner verstorbenen Schwester hättest Du ruhig ein wenig stärker in den Vordergrund stellen können. Aber es ist rundum
    eine schöne Emotionale Episode geworden.

    So, jetzt muss ich weiter lesen……

    Wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim schreiben.

    Liebe Grüße aus Berlin

    Joachim

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