Zoogeschichten III – Teil 106

Der Morgen danach

Volker

„Es ist nett, dass sie sich heute am Samstag noch die Mühe gemacht haben zu kommen“, meinte ich zu dem Architekten.

„Kein Problem. Also nach Überprüfung der Bausubstanz wäre es kein Problem, die gefundenen Gänge in die Planung mit einzubeziehen.“

„Also könnten wir problemlos eine unterirdische Verbindung zwischen Elefanten- und Bärenhaus schaffen.“

„Ja, das ist kein Problem. Nur müssten wir diesen ersten Raum“, er zeigte mir auf einem Plan den eingezeichneten Raum, „komplett freilegen und eine neue Decke einziehen. Er ist als einziges instabil.“

„Okay, dann machen wir das so. Wegen Beleuchtung und Elektrik werden sie sicher auch alles noch mal durchchecken.“

Der Architekt nickte. Mein Handy ging.

„Einen Moment bitte“, meinte ich und zog mein Handy hervor.

„Ja?“

„Hallo Volker, hier ist Jürgen. Hendrik ist hier, könntest du bitte kommen?“

„Bin gleich bei dir. Tschüss.“

„Tschüss!“

„So, ich muss weiter, mein Bruder verlangt im Büro nach mir. Wir sehen uns dann Montag, denke ich.“

„Ja, bis Montag“, meinte der Architekt und verabschiedete sich.

Eilig lief ich zum alten Hauptgebäude und traf dort wenig später Jürgen mit Hendrik an.

„Und? Wie sieht es aus?“, fragte ich.

„Wir haben da ein kleines Problem“, sagte Jürgen.

Robert

„Ich finde die Idee nicht gut“, meinte Adrian.

„Ich muss wieder arbeiten, mir fehlen meine Delfine.“

„Robi… bitte. Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da hattest du einen Eingriff am Kopf. Du bist einfach noch nicht auf dem Damm.“

„He, das geht schon und bei meinen Tieren fühl ich mich pudelwohl.“

„Das musst du wissen, Robert. Ich finde es unvernünftig.“

Traurig sah ich Adrian an. Adrian kam zu mir her und nahm mich in den Arm.

„Ich habe halt einfach Angst, dass dir was passieren könnte. Ich will dich nicht verlieren. Als du damals im OP warst, bin ich tausend Tode gestorben aus Angst um dich. Ich liebe dich und will keine Angst mehr um dich haben.“

„Mir fällt ohne die Tiere die Decke auf den Kopf.“

„Das verstehe ich ja… wenn du… wenn du einfach es langsam angehen lassen würdest… vielleicht kannst du mit Heike reden, dass du täglich nur ein paar Stunden arbeitest… als langsamer Einstieg oder so.“

Mein Schatz hatte Einsehen mit mir, ich lächelte.

„Danke“, meinte ich nur und küsste ihn.

Dennis

Ich quiekte laut los, als Micha mir seine Finger in die Seite bohrte. Schnell hatte ich mich aber aus seinen Fängen befreit und saß nun auf ihm.

„Ja, ja, meine Schwächen ausnützen, das würde dir so passen!“

Ich beugte mich zu ihm hinunter und gab ihm einen wilden Kuss. Wie lange das ging, wusste ich selbst nicht, denn Michael drückte mich plötzlich weg und keuchte nach Luft.

„Na, alter Mann, schon keine Puste mehr?“

„Kein Problem, ich wollte nur einen Stellungswechsel“, antwortete er und ehe ich mich versah, befand ich mich unter ihm.

Beide Hände hielte er mit seinen fest und ich konnte mich winden und wehren, ich kam nicht unter ihm los.

„Der alte Mann bändigt das kleine Bärchen immer noch!“, meinte Micha grinsend.

Nun küsste er mich, dass mir Hören und Sehen verging.

Volker

„Was für ein Problem?“, fragte ich und schloss die Tür.

Hendrik hatte anscheinend Papiere auf Jürgens Schreibtisch ausgebreitet.

„Ich habe soviel mittlerweile heraus gebracht, dass in Dänemark bei einem Notar Papiere von diesem Rudolf Merklinger hinterlegt sind. Ich habe mich über die Einsicht informiert. Es wurde mir mitgeteilt, dass ich nur mit einem Mitglied der Familie Kolping Papiere, die mit der Familie zu tun haben, einsehen kann.“

„Und was heißt das jetzt?“, fragte ich blöde.

„Das einer von uns mit Hendrik nach Dänemark fahren muss“, sagte Jürgen.

„Ich sehe da immer noch kein Problem.“

„Ich kann nicht, ich kann China nicht absagen.“

„Und ich werde hier im Zoo gebraucht“, kam es von mir.

Jetzt endlich war der Groschen gefallen. Jürgen sah mich an.

„David…?“

Nun änderte sich Jürgens ratloser Gesichtsausdruck in einen zweifelnden Blick.

„Die Leitung des Zoos…? Deine Vertretung hier?“

„Ich dachte da eher, dass er Hendrik begleitet. Schließlich reicht es, wenn Hendrik die Papiere einsehen kann. Er kann uns immer noch mitteilen, was da geschrieben steht.“

„Wäre kein Problem“, kam es von Hendrik.

„Ob er das überhaupt machen würde?“, fragte Jürgen, immer noch zweifelnd.

„Das lass mal meine Sorge sein! Der fährt schon mit“, antwortete ich.

„Bist du sicher?“

„Felsenfest!“

„Dein Wort in Gottes Gehörgang!“

Dennis

„Ich geh dann mal duschen… ich klebe überall“, meinte ich zu Michael und stand auf.

„Nimmst du mich mit?“

„Ich wollte eigentlich duschen und nicht das fortführen, was eben zu Ende gegangen ist.“

„Schade“, meinte Micha mit einem verschmitzen Lächeln.

Ich gab ihm noch einen Kuss und verschwand im Bad. Irgendwie konnte ich das immer noch nicht glauben, dass ich mit Micha und Jürgen nach China fahren wollte. Nach dem Duschen wollte ich an den PC, um Genaueres zu erfahren.

Im Umschlag, den mir Jürgen überreicht hatte, standen genaue Details unserer Reise. Also hüpfte ich unter die Dusche, damit ich endlich fertig wurde.

„Schatz, kann ich schnell auf die Toilette?“, hörte ich Michael rufen.

„Warum fragst du? Klar kannst du!“

Leicht verschwommen sah ich durch das Milchglas Michaels Umrisse, wie er zur Toilette ging.

„Micha, hast du Lust, mit mir nach zuschauen, wo wir genau hinfahren?“

„Klar doch!“

„Willst du auch noch duschen gehen?“

„Ja, das wär’ mir lieb.“

Ich hörte die Spülung.

„Du kannst gleich hier bleiben, ich bin fertig!“

Ich drehte das Wasser ab und öffnete die Duschkabine. Michael stand nackt vor mir und wie mir schien, schon wieder leicht erregt.

„Du kannst wohl nie genug bekommen?“, meinte ich und gab ihm einen wässrigen Kuss.

„Von dir bestimmt nicht!“, erwiderte er und nahm mich in den Arm, trotz meines nassen Körpers.

Sanft drückte ich ihn von mir weg.

„Geh duschen, du stinkst wie ein junger Puma!“, sagte ich frech.

Michael zog das Handtuch von der Stange und reichte es mir.

„Ich dachte, du stehst da drauf“, und küsste mich wieder.

Wie Recht er doch hatte.

Sebastian

Ich drehte mich um und winkte Britt noch einmal zu. Sie stand am Fenster ihres Zimmers und winkte mir nach. Ich warf ihr noch einen Handkuss zu, bevor ich ins Taxi stieg. Das erste Mal hatte ich jemand, der mich so liebte, wie ich war.

Wir hatten lange bis in die Nacht geredet, bis wir schließlich irgendwann einschliefen. Nein, es war nichts passiert, da waren wir uns beide einig, damit noch zu warten. Verträumt saß ich im Taxi, das sich Richtung Kahlbergs Haus bewegte.

Volker

„Wie…, dir sind die Belange des Zoos egal?“, meinte ich sauer.

„So wie ich’s eben gesagt hab“, antwortete David frech.

„Der Zoo bringt dir deinen Unterhalt!“

„Jetzt komm mir doch nicht wieder mit der Leier.“

„Was ist denn plötzlich mit dir los? Ich dachte, darüber wären wir weg… diese Phase.“

David zuckte nur mit den Schultern.

„Oder ist es wegen Tim?“, fragte ich.

Nun zuckte er zusammen.

„Hast du Angst, mal ein oder zwei Tage ohne Tim auszukommen? Der Junge ist 17!“

„Na und? Er liebt mich!“

„Ja, das was er unter Liebe versteht. Hoffentlich verrennst du dich da nicht in etwas. Tut mir leid David, ich wünsch dir sicher nichts Böses, aber ich habe dich in den vergangenen Jahren oft genug auf die Fresse fliegen sehen.“

David ließ die Schultern hängen und schaute mich traurig an.

„Isses so schlimm?

„Ich bin verrückt nach ihm.“

„Er ist ja auch ein süßer Junge…, ich habe nur Angst, dass man dir wieder weh tut, Bruderherz.“

„Das würde Tim nie tun…“

Ich nahm ihn kurz in den Arm.

„Dann nimm Tim mit, wenn du ohne ihn nicht sein kannst.“

„Ich darf wirklich?“

„Frag vorher seine Eltern, dann hast du meinen Segen.“

Jetzt strahlte er wieder. Wo sollte das nur mit ihm hinführen? Das Studium ließ er im Augenblick auch schleifen.

„David, könnte ich dich um noch etwas bitten?

„Noch etwas?“

„Ja… bitte nimm dein Studium ernster… und wenn du es nur für mich machst… okay?“

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