Good bye Amerika – Teil 32

„Du als unehelicher Priestersohn mit Mafiaverbindungen, der sein Geld auf die Bank geschafft hat, musst doch eine gute Partie sein.“

Es dauerte einige Sekunden, bis ich begriff, dann fing ich an zu lachen. Ich knuffte ihn in die Seite.

„So liebe ich es, dich zu sehen. Wenn mein Kleiner lacht!“, sagte Berry und strich mir über die Haare.

„Ich liebe dich… du großer starker Mann!“

„Ich glaub ich muss auch mal Austreten, dieses Liebesgeplänkel erträgt meine Blase nicht länger“, kam es von der Bank vor uns.

Ich hob den Kopf und sah direkt in Lesleys Gesicht.

„Du wolltest mich ja nicht“, meinte ich frech.

„Ja und hast dir dann meinen kleinen Bruder gekrallt!“

„Ach, ich bin also nur zweite Wahl gewesen?“, fragte Berry gespielt empört.

„Quatsch, gibt es etwas Besseres als dich?“, fragte ich mit einem zuckersüßen Lächeln auf den Lippen.

„Hilfe, ist das schmalzig!“, meinte Lesley und verließ den Wagen.

*-*-*

Mein Zimmer war herrlich kühl.

„Gustav, aus!“, rief ich.

Er hatte mich natürlich vermisst. Total aufgeregt sprang er die ganze Zeit an mir hoch.

„Ist ja gut, alter Junge“, meinte ich und stellte mein Gepäck ab.

Ich ging auf die Knie und zog Gustav zu mir her. Natürlich hatte das zur Folge, dass er mir mit der Zunge übers Gesicht fuhr.

„Bäh, Gustav hör auf!“

Ich wuschelte durch sein Fell.

„Nun ist aber gut, ich bin ja wieder hier und bleibe auch hier! Sitz!“

Gustav setzte sich nicht, sondern legte sich auf seinen Lieblingsplatz vor mein Bett. Ich dagegen atmete tief durch, da ich erst noch meine Sachen auspacken musste. Schweren Herzens zog ich den Reißverschluss meiner Tasche auf.

Zum Vorschein kam das Bild, welches ich zum Abschied von meiner Klasse bekommen hatte. Corinne hatte sich sehr ins Zeug gelegt. Von allen hatte sie Fotos eingesammelt und mir daraus eine schöne Collage gemacht.

Noch mal im Geist schaute ich mir jedes Gesicht einzeln an und zu jedem Gesicht fiel mir auch kurz eine kleine Geschichte ein. Mein Mund verzog sich zu einem Grinsen. Ich sollte es gleich aufhängen.

Ich legte es zurück auf die Tasche und verließ mein Zimmer. Gustav trottete mir wie immer einfach nach. Und da er nicht in die Küche durfte, welche ich nun betrat, blieb er im Türrahmen sitzen.

Ich verließ das Haus durch den Kücheneingang und lief zur Garage. Sicher hatte Bob auch irgendwo Nägel herumliegen. So stöberte ich eine Weile, bis ich das Richtige gefunden hatte. Bewaffnet mit Hammer und Nagel, ging ich wieder zurück ins Zimmer.

Als ich dort ankam, schaute ich mich erst einmal um. Wo sollte ich es aufhängen? Nachdem ich den Nagel und den Hammer auf den Schreibtisch gelegt hatte, nahm wieder das Bild. Ich hielt es an verschiedenen Stellen an die Wand, konnte mich aber nicht richtig entscheiden.

Es dauerte tatsächlich eine viertel Stunde, bis ich mich dann doch endlich für einen Platz entschieden hatte, nämlich den, den ich als erstes probiert hatte. Ich ging zum Schreibtisch zurück, nahm den Hammer und warf dadurch den Nagel runter.

Ich verfolgte den Flug mit meinen Augen und hörte das leise metallene Geräusch seines Aufschlags. Doch er blieb nicht sofort liegen sondern rollte etwas über den Boden. Gerade, als ich mich bücken wollte, um nach ihm zu greifen, verschwand er in einem Schlitz des Holzbodens.

„Scheiße“, war mein Kommentar dazu.

Da fiel mir auf, dass es genau die Stelle war, wo ich letzte Woche das lockere Brett gefunden hatte. Ich beugte mich zum Schreibtisch und zog die Schere aus der Schublade. Mit der Spitze der Schere fuhr ich langsam in den Spalt, denn ich wollte ja nichts verkratzen.

Hebelwirkung – das hatten wir schon mal in der Schule durchgenommen. So drückte ich sanft die Schere nach unten und sah, wie das Brett langsam nach oben kam. Als sich die Schere zu biegen begann, hatte ich schon Angst, sie würde abbrechen.

Aber mit einem leicht krächzenden Geräusch sprang das Brett heraus und gab einen Hohlraum preis. Aber nicht für mich, denn es war stockdunkel da drunter. So stand ich auf und suchte in meinem Schreibtisch nach meiner Taschenlampe.

Wo war sie nur? Ich war der Meinung, ich hatte sie hier rein getan. Ich schloss die Schublade wieder und überlegte. Ob ich sie in den Kleiderschrank getan hatte? Also lief ich zum Kleiderschrank und knipste das Licht an.

Nein, hier war sie auch nicht. Ich verließ wieder das Zimmer und begab mich in die Küche. Dort fand ich – zum Glück – Molly vor.

„Boah, hab ich ein Durst“, meinte sie und nahm noch einmal einen kräftigen Schluck Wasser aus ihrem Glas.

„Weißt du, ob es hier in der Küche eine Taschenlampe gibt?“, fragte ich.

„Ja klar, dort im Brotschrank, rechts – zweite Schublade“, bekam ich zur Antwort.

Ich ging auf den bewussten Brotschrank zu und zog an der benannten Schublade. Super! Da war wirklich eine Taschenlampe.

„Lege sie aber wieder zurück, wenn du sie nicht mehr brauchst. Dad sucht nicht gerne nach seinen Sachen“, meinte Molly und stellte ihr Glas in die Spüle.

„Okay, wird gemacht!“, meinte ich und verließ die Küche wieder.

Als ich wieder im Zimmer ankam, saß Gustav direkt vor dem Loch und schnüffelte.

„Was ist los? Ist da unten was Lebendiges?“, fragte ich.

Gustav hob nur kurz den Kopf, gab mir natürlich keine Antwort. So kniete ich mich neben ihn und leuchtete in das Loch. Viel konnte ich natürlich nicht sehen – in der Hauptsache Spinnweben und Zeitungspapier.

Ich zog an dem zweiten Brett, das sich mühelos entfernen ließ. Danach beugte ich mich nach vorne und leuchtete erneut in das Loch. Meinen Nagel konnte ich immer noch nicht sehen, dafür etwas anderes.

„Wofür brauchst du denn eigentlich die Taschenlampe“, hörte ich Molly durch die offene Zimmertür fragen.

Da ich Molly nicht bemerkt hatte, fuhr ich erschrocken hoch.

„Was? Ach so. Mir ist ein Nagel in die Ritze gefallen und den wollte ich wieder rausholen.“

„Wäre es nicht einfacher, wenn du dir einen neuen Nagel aus der Garage holen würdest?“

Mittlerweile stand sie neben mir.

„Doch, natürlich. Aber mir ist schon vor einer Woche aufgefallen, dass es von da unten zieht. Da wollte ich schauen, was darunter ist.“

„Komisch, dieser Teil des Hauses ist nicht unterkellert. Da dürfte nichts sein.“

„Doch ist es, ein Hohlraum und ich habe sogar etwas gefunden.“

„Was denn?“

„Hältst du mal die Taschenlampe? Ich versuch dann, rein zu greifen.“

Molly nickte und kniete sich neben mich. Während sie in das Loch leuchtete, versank meine Hand darin.

„Ihh, was für ein Haufen Spinnweben“, meinte ich.

„Ich will gar nicht daran denken, was da unten so herumkrabbelt“, kam es von Molly.

Vorwurfsvoll schaute ich sie an, sie konnte einen ja wirklich aufmuntern.

„Danke! Sehr hilfreich. Hoffentlich krabbelt da wirklich nichts herum.“

Meine Hand tastete über den Boden und griff nach dem, was ich vorhin erspäht hatte. Ein schwarzer Kasten. Sofort zog ich meine Hand wieder heraus. Am Arm blieben natürlich die Spinnweben hängen, die ich jetzt wie Fäden mit herauszog.

Es schüttelte mich und sofort rieb ich über meinen Arm, um die Spinnweben zu entfernen.

„Was ist das denn?“, fragte Molly und knipste die Taschenlampe aus.

„Ich weiß es nicht“, antwortete ich.

Bevor ich mich nun an den Kasten machte, drückte ich die zwei Holzbretter wieder auf ihren Platz.

„Und dein Nagel?“, fragte Molly.

„Den hole ich mir lieber draußen in der Garage.“

Molly grinste und gemeinsam setzten wir uns auf mein Bett.

„Was da wohl drin ist?“, fragte Molly nun.

„Das werden wir gleich wissen“, meinte ich und drückte die kleine Schließe zur Seite.

Der Deckel ließ sich nur schwer öffnen, eigentlich gar nicht. Irgendetwas hatte sich verhakt. Ich stand auf, nahm mir erneut den Hammer und ließ mich wieder neben Molly plumpsen. Ein oder zwei Schläge von unten und das Ding sollte offen sein.

Aber Theorie und Praxis sind eben mal Zweierlei. So schlug ich nicht nur zwei oder dreimal gegen die Schließe, sondern gab es nach mehreren Versuche ernüchtert auf.

„Wir könnten Dad fragen, ob er vielleicht weiß, wie das Ding aufgeht“, sagte Molly.

„Wär einen Versuch wert“, entgegnete ich, „ist er in der Praxis?“

„Nein, er ist oben im Schlafzimmer.“

Da war ich noch nie und wollte da nun auch nicht wirklich stören.

„Komm, wir zeigen es ihm“, sprach Molly und stand auf.

„Meinst du wirklich?“

„Klar, du willst doch auch wissen, was drin ist.“

*-*-*

Ich folgte ihr über die Treppe nach oben, bis sie vor einer Tür stehen blieb und klopfte.

„Dad, hast du kurz Zeit?“, rief Molly.

„Der steht grad unter der Dusche. Wofür brauchst du ihn denn?“, hörte ich Abby von drinnen.

„Tom hat etwas in seinem Zimmer gefunden und wir wollten fragen, ob er es uns aufmachen kann.“

Die Tür ging auf und Abby kam, nur in ein Handtuch gewickelt, heraus. Die Haare hatte sie hinten hochgesteckt.

„Was denn?“, fragte Molly.

Ich hob den schwarzen Kasten hoch und hielt ihn ihr unter die Nase.

„Wo hast du denn den gefunden?“, fragte Abby.

„Unterm Dielenboden“, antwortete ich.

„Was suchst du denn unter deinem Dielenboden?“

„Mir ist ein Nagel in einen Schlitz gefallen, da wollte ich ihn wieder raus holen.“

„Wäre es nicht einfacher gewesen, du hättest dir einen Neuen geholt?“

Molly begann während der Frage ihrer Mutter mit dem Grinsen.

„Ja, klar. Aber ich wollte wissen, was da drunter ist, es zieht immer so, wenn ich am Schreibtisch sitze“, erklärte ich.

Abby schaute sich den schwarzen Kasten an.

„Und der war unter den Dielen versteckt?“

„Ja, war er.“

Komisch, ich habe nie so einen Kasten in Dads Zimmer gesehen“, meinte Abby.

Dad? Ach so, stimmt ja, das Zimmer hatte zuvor ihrem Vater gehört.

„Schatz? Wo bist du?“, hörte ich es aus dem Zimmer rufen.

„Hier draußen, bei den Kindern“, antwortete Abby.

Durch den Türspalt sah ich Bob, wie er, mit dem Rücken zu uns, sich an einer Kommode zu schaffen machte. Er war nackt. Ich musste schlucken. Nie hätte ich vermutet, dass sich unter Bobs Klamotten so ein toller Körper befand. Diesbezüglich hatte ich mir Bob noch nie so genau betrachtet. Abby schien meine Blicke zu bemerken und räusperte sich. Verlegen schaute ich sie an. Sie grinste aber nur.

„Was gibt es denn?“, fragte Bob und trat nun auch auf den Flur.

Mittlerweile hatte er sich eine Shorts angezogen.

„Tom hat das unter den Dielen in seinem Zimmer gefunden und wollte fragen, ob du es öffnen könntest“, erklärte Abby und reichte ihm den schwarzen Kasten.

„Unter den Dielen? Was hast du denn da gesucht?“

Bevor ich etwas sagen konnte und Molly wieder so fies zu grinsen anfing, erklärte Abby kurz, was ich gemacht hatte.

„Okay, ich zieh mir schnell was über, dann gucken wir, ob wir das Ding aufkriegen.“

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