Traumschiff – Teil 48

Lis Party,neue Wohnung,Scarlottis Waterloo…….

 

Ole

 

Als wir nach dem Film die Couch wieder in ein großes Bett verwandeln, schaut Frank hilflos zu. „Ich hasse es, wenn andere meine Arbeit tun müssen“, sagt er zu uns. Sergej sagt:“Dafür kannst du doch jetzt mal gar nichts, also reg dich ab. Außerdem ist das ja wohl kaum Arbeit zu nennen, die paar Handgriffe und das bisschen Bettzeug.“

 Danach gehen beide rüber in Jeromes Schlafzimmer. Ich helfe Frank beim Ausziehen und dann liegen wir nebeneinander auf der ausgeklappten Riesencouch, und versuchen, einzuschlafen.

Ich habe mich an seine rechte Seite gelegt , um seinen Arm nicht zu berühren. Frank ist sehr unruhig und auf meine Frage hin, was denn los ist, sagt er: „Ich habe starke Schmerzen, das ist oft so in der ersten Nacht nach einem Bruch. Ich habe aber vergessen, was gegen die Schmerzen mit zu nehmen in der Klinik. Kannst du bitte mal Jerome fragen, ob er was gegen Schmerzen hat?“ „Klar, mach sofort“, sag ich und steh auf und ziehe meine Unterhose über. Hoffentlich sind die nicht gerade am Poppen, wenn ich jetzt klopfe.

Laut klopf ich an die Schlafzimmertüre und es kommt postwendend ein „Herein“ von drinnen.

Ich drück die Tür auf und sag erst mal: „Sorry, es ist wichtig“, bevor ich hinein gehe. Beide sitzen im Bett, gegen das Kopfteil gelegt und haben den Laptop vor sich.“Wir skypen mit meiner Mama,“, sagt Sergej und schreibt dann was. „Komm mal hier her, Mama will dich sehen“, sagt er und ich geh ums Bett auf seine Seite. Er dreht den Läppi etwas rum, gibt mir den Kopfhörer mit Mikrofon und ich sehe eine sehr sympathische Frau auf dem Bildschirm. „Hallo, ich bin Ole“, sag ich. „Freut mich, Ole, ich bin Waltraud, Sergejs Mama“, sagt sie. „Freut mich auch“, sag ich, „Sie haben einen tollen Sohn.“ Sergej schnauft und verdreht die Augen, Jerome küsst in auf die Backe und sagt laut: „Ole hats erfasst, Sergej ist toll.“ Sie lacht und sagt: „Ich weiß, er ist halt mein Großer.“

Ich geh zurück ums Bett zu Jerome und frage: „Hast du was gegen starke Schmerzen, Frank hat viel Weh und kann so nicht schlafen.“

„Geh rüber zu ihm, ich komm und bring was“, sagt er und steigt aus dem Bett. Auch er streift seine Pants über und geht an einen der Schränke.

Ich geh rüber und sag: „Er bringt was, sie waren beim skypen mit Sergejs Mama. Die sieht echt nett aus, finde ich. Waltraud heißt sie.“ Jerome kommt und hat ein Glas Wasser in der Hand und in der anderen ein Fläschchen. „Wie schlimm ist es denn, Frank? Das hier sind Tramaltropfen und je nach dem wie schlimm es ist, wählt man die Menge zwischen 10 und dreißig Tropfen. Aber dreißig ist schon viel, die würde ich dir nicht gern geben. Ich denke , mit Fünfzehn hast du die ganze Nacht Ruhe. Was meinst du?“

„Tramal kenne ich aus der Klinik, ich glaube, zehn Tropfen reichen aus“, sagt mein Schatz, „wenn nicht, kann ich ja später noch fünf holen.“

„OK“, sagt Jerome und macht zehn Tropfen in das Wasser. „Die wirken sehr schnell“, sagt er, „wie die Beine verbrannt waren, habe ich die auch bekommen, das ist der Rest noch davon.“ Frank nimmt das Glas aus Jeromes Hand, leert es auf einen Zug und sagt:“ Danke, Jerome.“

Der stellt das Glas und die Tropfen auf den Couchtisch und holt noch eine Flasche Mineralwasser dazu. Frank bedankt sich nochmals und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Nacht.

Frank bittet mich, ich soll mich auf seine linke Seite legen, dann dreht er sich nach rechts und ich kuschel mich an seinen Rücken. Der Gipsarm liegt jetzt oben auf der Decke und ich kann seinen Rücken mit den Nägeln zart kratzen. Das mag er sehr und hält immer still dabei. Die Tropfen und das Kratzen zeigen bald darauf Wirkung und an seinen Atemzügen merke ich, das er eingeschlafen ist. Es dauert nicht lang, da folge ich ihm nach ins Land der Träume. In dieser Nacht träume ich von Torsten, er ist mit Natalie durch die Ostsee nach Dänemark geschwommen und hat die ganze Strecke über fest in ihr gesteckt…….Torsten halt, wie wir ihn kennen…………

 

Dirk

 

Wie immer, wenn wir hier bei Remmers schlafen, haben wir vor dem Schlafen die Sau raus gelassen. Nach den Vorbereitungen im Bad haben wir gepoppt, zuerst Mike mich….echt geil, es gefällt mir immer besser, den Arsch voll zu kriegen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hätte nie geglaubt, das ich mal scharf drauf bin, gefickt zu werden, aber so ist das jetzt wohl und Mike freut das sehr. Und alles wegen diesem Ding da drin, Prostata oder so, wenn er da drüber reibt mit seiner Latte ist das anfangs zwar etwas komisch, aber dann wird das immer besser und ich geh dann ab wie ein Zäpfchen. Schreien könnte ich vor Lust, wenn ich mich trauen würde, aber Stöhnen geht auch und das hört halt hier keiner und wenn, hier oben sind eh alle schwul und die stöhnen auch öfter.

Nach einer Pause hab ich dann mein U-Boot bei ihm versenkt und dieses Mal durfte ich von Anfang an oben sein, also er lag auf dem Rücken und seine Füße auf meinen Schultern.

In Slow Motion bin ich dann rein, ganz vorsichtig und immer sein Gesicht beobachtend. Beim kleinsten Verziehen gestoppt, auf verlangenden Blick weiter vorsichtig rein geschoben. Gut präpariert mit Gel waren Po und Schwanz und nach ein ein halb Minuten war das U-Boot ganz im Hafen.

Das anschließende hin und her rangieren ging mit der Zeit immer besser, die Hafeneinfahrt hat sich angepasst und auf sein Bitten „schneller“ ging denn auch die Post ab. Er kam vor mir, spritzt heftig auf Bauch und Brust und als ich komme, spritze ich alles über seinen Schwanz und den Sack und reibe ihn dann da mit ein. Er grunzt wohlig, schaut mich lieb und geschafft an und sagt: „Gut hast du das gemacht, mein geiles Böckchen, mit dir ficken ist einfach irre gut, auch oder gerade, weil dein Pimmel so ein Mordinstrument ist.“ Ich küsse ihn zärtlich, meinen Besten und einzigsten.

Wir gehen kurz drauf noch mal ins Bad und duschen das Sperma ab, dann, nach dem Abtrocknen, wird geschlafen. Morgen sind wir ja auch noch hier und wenn ich dann ein paar Bier getrunken habe…..na ihr wisst schon, dann ist Polen offen. Jetzt drückt sein Po an meinen Schlaffi, aber der will jetzt wohl auch seine Ruhe haben. Bald drauf pennen wir.

 

 

Enrico

 

Um halb sieben brummt der Wecker, den Jerome uns geliehen hat. Schnell sind wir munter, denn die Prüfungen beginnen heute um acht Uhr dreißig in Bremen. Geprüft wird praktisch, den theoretischen Teil haben wir beide schon bestanden.

Wir duschen schnell gemeinsam und wer uns jetzt sehen könnte, würde nicht wissen, wer von uns denn nun wer ist, so ähnlich sind wir uns nackt. Früher haben wir oft die Lehrer veräppelt und die Klassen getauscht. Wenn ich Deutscharbeit hatte, hat Paolo die geschrieben und bei Mathe war es umgekehrt. Das ist nie aufgefallen, wir haben die Ranzen getauscht und fertig.

Nur Mama konnte uns auseinander halten. Wer uns länger und besser kennt, lernt das auch. Wenige Kleinigkeiten sind es, die uns unterscheiden. Mir fehlt rechts ein Zahn, aber etwas weiter hinten, das sieht man nur beim essen oder sprechen. Den hat Papa mir aus geschlagen, als ich vierzehn war und gesagt habe, das ich auf Jungs stehe. Mama hat mich damals gerettet und sich zwischen uns gestellt, da hat er sich nicht mehr getraut, so, wie sie in angeschaut und angeschrien hat. Einen neuen Zahn habe ich aber nicht bekommen. „Schwuchteln brauchen keine Blendaxlachen“,hat er gesagt, so ähnlich wars dann später auch beim Führerschein.

Paolo müsste eigentlich wegen seiner Arbeit mehr Muskeln haben wie ich, aber das habe ich mit Hanteln, Liegestütz und Klimmzügen ausgeglichen. Er hat eine kleine Narbe an der Augenbraue, kaum erkennbar für jemanden, der das nicht weiß, aber eigentlich das beste Erkennungsmerkmal für Eingeweihte. Wir sind fertig und gehen mit den Rucksäcken und mit unseren Sachen nach unten. Sergej sitzt mit Frau Remmers schon am gedeckten Frühstückstisch und nach der Begrüßung werden wir aufgefordert, ebenfalls Platz zu nehmen. „Macht euch auch ein paar Brötchen für über den Tag“, sagt Jeromes Mutter und jetzt fällt mir ein, das ja heute ihr Geburtstag ist. Ich stups Paolo an und sagt leise in sein Ohr: „Wir müssen Gratulieren.“ Synchron stehen wir beide auf und gehen um den Tisch herum und gratulieren zum Geburtstag. „Wenn ihr heute von der Arbeit kommt, seid ihr natürlich herzlich eingeladen, das andere Jungvolk springt ja dann auch hierum und da seid ihr dann auch dabei“, sagt sie. Wir bedanken uns und frühstücken dann zu Ende. Ich glaube, das Paolo genau so nervös ist, wie ich, aber das ist nach her, wenn es los geht, vorbei, bei ihm und bei mir.

Sergej mahnt zum Aufbruch und so packen wir jeder die fertig gemachten Brötchen ein und los geht’s. Ein „Alles Gute heute“ von Frau Remmers begleitet uns in den Tag. Sergej liefert uns nacheinander und überpünktlich an den jeweiligen Prüfungsorten ab und eine Stunde später sind wir bereits in vollem Gange.

 

 

Sergej

 

Nach dem ich die beiden abgeliefert habe, fahre ich noch einmal an der Bäckerei vorbei und hole noch Sachen ab. Auch der Metzger steht noch auf meiner ToDo Liste. Nach dem alles abgeholt ist, fahre ich zurück und mit Frau Gut, Frau Jensen und den drei Mädels laden wir aus und bringen alles in die Küche.

Ich habe unterwegs noch einen sehr schönen Blumenstrauß gekauft. Wir Jungs haben vorher schon Geld zusammengelegt und Jerome hat seiner Mutter davon ein Schmuckstück aus Ostseebernstein gekauft, von uns Freunden alle zusammen. Der Strauß ist mein persönlicher Glückwunsch für die nach meiner Mutter wohl tollste Frau, die ich bisher kennenlernen durfte. Sie ist schon toll, die Mama von meinem Schatz. Es ist ein bunter Strauß von Sommerblumen, keine Rosen, die kriegt sie bestimmt von Carl August.

Ich gehe durch ins Wohnzimmer, wo Lis mit ihrem Gatten sitzt und Kaffee trinkt. Sie steht auf, als ich mit Blumen auf sie zugehe und ein tolles Lächeln strahlt mir entgegen. „Herzlichen Glückwunsch und alles Gute wünsche ich, liebe Lis“, sag ich und gebe ihr die Blumen. Sie kommt näher mit dem Kopf und küsst mich mit spitzen Lippen auf den Mund. „Danke, mein Lieber, für die Glückwünsche, die Blumen und alles andere, du weißt schon, wie ich das meine“, sagt sie und lässt mich ein bisschen rot werden.

Carl August schmunzelt vor sich hin und blickt zur Tür, wo jetzt nacheinander Ole, Jerome und dann Frank, gefolgt von den Zwillingen, sowie Wolfi und Kevin und hinten dran Oma und Tante Frieda mit Paul im Schlepptau auftauchen. Oma stimmt das Lied „Happy Bursday“ an und alle singen jetzt für Lis ein Ständchen. Dann geht das Händeschütteln los, das Übergeben von kleinen Geschenken und, wie sollte es anders sein, Omas und Friedas Ruf nach einem Glas Cremant zum Anstoßen.

Den bringt nun Frau Jensen, schon fertig ausgeschenkt und zum Teil mit Orangensaft gespritzt, für die, deren Magen noch nüchtern ist. Als jeder was zum Trinken hat, Frau Gut, Martin und Kai waren wohl auch in der Küche, und auch die Mädels und Heiner sind jetzt dabei, ergreift Lis das Wort und bedankt sich für die Glückwünsche und die Hilfe bei der Vorbereitung und der Gestaltung des heutigen Tages.

„ Die ersten Gäste heute“, sagt sie, „das seid ihr und ihr seid mir auch die liebsten.Ich freue mich sehr über all die positiven Veränderungen, die Euer Erscheinen in unserem Leben hier gebracht haben und hoffe, das wir alle immer gute Freunde bleiben werden. Haltet zusammen und wenn wir Erwachsenen irgendwie helfen können, dann sagt es, dann werden wir es tun. Ich wünsche uns allen heute einen schönen Tag, lasst es euch gut gehen. Prost.“ Ein wenig Beifall gibt es und dann können alle, die noch kein Frühstück hatten oder schon wieder Hunger haben, sich auf das Frühstücksbuffet freuen, das Frau Gut und Frau Jensen jetzt aufbauen. Die Platten mit den ganzen Leckereien, Brot, Brötchen, wie viel Sorten, Käse Wurst und Eier, Konfitüren und auch schon etwas Kuchen werden jetzt auf einem separaten Tisch angerichtet. Ich helfe bei der Platzierung der Sachen und ordne das alles ein bisschen, das habe ich zur Genüge gelernt.

Als alles angerichtet ist, sagt Lis: „So, ihr lieben, dann esst mal was, damit ihr eine Unterlage für den Cremant bekommt. Die Jüngeren unter Euch sollten nicht unbedingt mehr als ein Glas trinken, am Besten mit Orangensaft. Ich habe die Verantwortung und möchte keinen voll sehen bitte“ Und so fängt der Tag mit vielen leckeren Sachen an.

 

 

Lis

 

Ein schöner Auftakt ist das heute morgen, an dem Tag, den viele Frauen gar nicht so gern feiern. Vierzig Jahre bin ich heute alt oder besser jung, denn mit den ganzen jungen Leuten um uns rum komme ich mir heute jünger, viel jünger vor als nach dem schrecklichen Unfall meines Großen.

Die erste Hälfte meines Lebens war von strengen Regeln und Verboten dominiert, die ich dann ja mit Carl August zusammen erfolgreich abgeschüttelt und verdrängt habe. Ich habe versucht, meinen Kindern ein Heim zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit Carl August und Martins Hilfe, Oma und auch Frieda nicht zu vergessen, ist das ja nun auch einigermaßen gelungen.

Gut, wir kennen keinerlei materiellen Sorgen, das ist halt so, aber wir helfen, wenn Not am Mann ist, ohne viel zu fragen.

Durch die Tatsache, das unser Sohn nun schwul ist, hat sich die Hilfsbereitschaft auch oder sogar sehr auf Jungs fokussiert, die durch ihre Veranlagung in Schwierigkeiten geraten sind und dringend Hilfe brauchen.

Das fing mit Sergejs Outing an, das wir halt dadurch unterstützen konnten, das wir Jerome und Martin mit geschickt haben nach Dresden.

Dann kam diese üble Geschichte mit unserem süßen Kevin, die durch Martins Handeln und Carl Augusts Reaktion geregelt wurden und bei der auch Jerome und Sergej sehr mit geholfen haben.

Nach der Party dann, kamen neue Freunde dazu, allen voran Ole, der ein ganz lieber und auch sehr schlauer Junge ist und zu dem mein Jerome ein ganz besonderes Verhältnis hat.

Carl August hat Oles Qualitäten früh erkannt und ihm einige, für Jerome gute und nützliche Angebote gemacht, mit Erfolg und er hat Ole dafür, das er angenommen hat, in sein Herz geschlossen, fast wie einen Sohn.

Als dann Oles Schulkamerad Paul von seinem Vater fast umgebracht worden ist, nur weil auch er schwul ist, haben wir in einer Gemeinschaftsaktion in das Geschehen eingegriffen und Paul raus geholt aus dieser Misere. Hier hat dann auch meine Schwiegermutter klar Position bezogen und zusammen mit ihrer Schwester den Paul unter ihre Fittiche genommen.

Mit den Zwillingen ist dann der nächste Notfall eingetreten und dieses Mal war es Jerome, der ohne Zögern eingegriffen hat und half, ohne lange zu überlegen. Er hat genau gewusst, das wir das voll unterstützen.Die Tatsache, das ihm der Laden dort zufällig gehört, wird bei der Regelung für die Zwillinge sehr hilfreich sein und es wird sich für die zwei auch alles zum Guten wenden.Wir werden sie auf dem Weg in die selbst gestaltete Zukunft unterstützen und begleiten und wenn ich alles richtig deute, werden auch sie zu dem Freundeskreis um meinen Großen dazu gehören.

Ich denke mal, das ab elf Uhr die ersten Gratulanten auftauchen, aus der Firma, aus dem Senat und auch von Werder wird eine Abordnung erscheinen. Ebenso werden diverse Verbände der Wirtschaft und Industrie Leute zum gratulieren schicken. So das es wohl über den Tag verteilt, kaum Ruhe gibt für mich. Carl August und auch alle anderen werden mich unterstützen und dafür sorgen, das es ein gelungener Empfang an meinem Vierzigsten wird.

 

 

Martin

 

Nach dem Gratulieren kommt der Chef und sagt: „Einige Herrschaften werden sich nur bringen lassen und müssen dann später wieder weg gebracht werden. Du und Kai, ihr müsst euch bereit halten, leider wohl im Livree, am besten, ihr setzt euch später in die Küche oder auf die Terrasse. Sagt mir aber, wo ihr seid, ich schicke dann einen von den Jungs, wenn ihr gebraucht werdet.“ Es ist halt wie immer, wenn was los ist hier und Gäste kommen. Die Autos sind startklar und geputzt, wegen uns beiden kann die Chose los gehen.

Kevin hilft Sergej, die Leute mit Getränken zu versorgen, zum Essen muss sich jeder selbst bedienen, es ist so eine Art Brunch, kalt warmes Buffet, das aus der Küche immer wieder nach gefüllt wird, wenn was fehlt. Das machen Frau Gut und Frau Jensen mit den Mädels, das ist in guten Händen.

Wolfi hat den Auftrag von Carl August, die Feier im Bild fest zu halten. Er hat seine Ausrüstung dabei und schon heute beim Gratulieren hat er verschiedene Bilder gemacht.

Oma und Frieda werden bei der Gästebetreuung mit wirken, für Unterhaltung sorgen, da auch ältere Gäste kommen. Hinnerk ist auch geladen mit seiner Tochter, die seit zwei Jahren mit einer Frau zusammen lebt. Lis hat gestern im Auto, nach dem Hinnerk ausgestiegen ist, erzählt, das die Zwei ein Kind haben wollten und das Dörte jetzt schwanger ist. Die Lebensgefährtin von Dörte ist selbstverständlich auch eingeladen und kommt mit.

Der Zeiger wandert stetig weiter und just um Elf kommen die ersten Gäste. Der regierende Bürgermeister und zwei Senatoren des Bremer Senats sind die ersten heute, aber sie bleiben nicht lang allein, es geht jetzt Schlag auf Schlag und um halb zwölf sind etwa fünfundzwanzig Gratulanten anwesend. Es haben sich Grüppchen gebildet, teils sitzend oder an den aufgestellten Stehtischen und Lis und Carl August wandern von Gruppe zu Gruppe, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Ich sag dem Chef, das ich mit Kai auf die Terrasse geh, die Sonne scheint und es ist schon schön warm draußen. Frank, Ole und Paul sitzen auch gerade hier draußen, weil drinnen im Moment nichts zu tun ist.

Ole hat einen kleinen Tisch an die eine Ecke der Terrasse gestellt, mit einem großen Aschenbecher für die Raucher. Ein paar Stühle stehen auch dort und ein Stehtisch, auf dem ein zweiter, großer Aschenbecher steht. Im Haus selber ist absolut rauchfreie Zone und wenn wirklich mal einer zum Glimmstengel greift, wird er von anderen darauf hin gewiesen, das die Raucher auf die Terrasse verbannt sind, solange die Kippe noch glimmt.

Um viertel nach zwölf kommt Jerome mit dem ersten Fahrauftrag und Kai möchte den übernehmen, weil ihm langweilig ist. Mir soll es recht sein. Er hat heute den Achter und die Politikergarde ist es, die zurück nach Bremen will. Mir bleibt der Q7, mit dem man ja auch vier Leute transportieren kann.

Zwischendurch kommen immer mal wieder Gäste dazu und es fahren auch einige wieder, die mit dem eigenen Auto gekommen sind. So wird es wohl über den ganzen Tag gehen.

Eine Abordnung des SV Werder ist mit sechs Leuten gekommen, in einem Großraumtaxi. Drei Leute aus dem Vereinsvorstand, dabei Willi Lembke, der Trainer Thomas Schaaf, sowie der Torwart Tim Wiese und Thorsten Frings aus der Profi Mannschaft sind Werders Gratulanten und sorgen bei einigen der Jungs für große Augen.

Aus der Konzernleitung sind auch Leute gekommen, die ich aber eher vom sehen kenne. Kai kennt oft auch die Namen, weil er mehr mit dem Chef unterwegs ist. Frauen sind nur drei bis jetzt da, das mag daran liegen, das Fußballclubs und Konzernleitungen eher immer noch Männerdomänen sind.

Hinnerk ist jetzt auch gekommen mit seiner Dörte und deren Partnerin, beide sind relativ groß und gut aussehend und in einigen Männeraugen glimmt ein Fünkchen Jagdfieber auf, was mich schmunzeln lässt. Von meinem Logenplatz kann ich fast alle drinnen beobachten.Das ist oft das beste an so einem Tag, die sogenannten Promis zu beobachten bei ihrem Bemühungen, immer im Mittelpunkt zu stehen. Die tollsten Bilder sieht man, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. So bohrte einer der Politiker vorhin, das Gesicht zum Fenster gedreht, in der Nase, als wollte er Öl suchen. Das wäre was für You Tube, sag ich euch. Mal sehen später, was Wolfi so alles auf den Chip gebannt hat über die Feinen der Gesellschaft. Ja, ich weiß…..heute bin ich etwas fies, aber ……ja, es sind letztendlich auch nur Menschen wie Kai und ich.

 

 

Torsten

 

Zwischen zwei Anwendungen am Vormittag packe ich meine Sachen, morgen geht es zurück nach Hause. Ich freue mich sehr, das die Reha zu Ende geht, wenn ich auch mit Jens und Natalie sehr viel Spaß hatte in den letzten Tagen. Wie versprochen habe ich ihm die Braut vermacht und gestern Abend spät haben wir sie, nach einem intensiven letzten Poppabend, über den Flur in sein Zimmer gebracht und dort im Schrank versteckt. Er ist ganz hin und weg, das ich sie ihm geschenkt habe. Er will damit echt sein Taschengeld aufbessern und seine Freunde fürs Gummi bumsen bezahlen lassen. Na ja, kann mir ja wurscht sein, jedenfalls will er mir mailen, wie das läuft.

Ich bin mal gespannt, was bei meinen Freunden in Bremerhaven alles gelaufen ist. Wir haben zwar ziemlich regelmäßig gemailt, aber da kriegt man ja längst nicht alles mit. Heute ist ja der runde Geburtstag von Jeromes Mutter. Ich habe Ole gesimst, das er von mir Glückwünsche ausrichtet, habe aber vor zwei Tagen auch eine Karte geschickt, so richtig von Hand geschrieben, mit Briefmarke, ganz so wie früher.

Ich wäre ja auch gern dabei heute, aber das haut ja nu mal nicht hin. Da ist bestimmt Halli Galli und viele interessante Leute. Sigrid ist auch da. Mit ihr habe ich des öfteren gesimst und wir freuen uns beide auf ein Wiedersehen.Sir gefällt mir schon und mag mich offensichtlich auch. Mal sehen, was draus wird.

Ich bin fertig mit Packen, Jens wird nach her kommen, wir gehen dann zusammen zum Mittagessen. Später habe ich noch eine Abschlussuntersuchung mit Arztgespräch, dann ist mein Programm zu Ende. Morgen früh um acht Uhr zwanzig fährt mein Zug, um halb Eins bin ich dann in Bremen. Zweimal muss ich umsteigen, mit Pausen zwischen den Zügen, Dann ist es vorbei mit der Reha. Das Bein ist fast so wie vor dem Unfall, ein paar Wochen soll ich noch ambulant gehen, haben die Ärzte hier gemeint. Länger bleiben wollte ich auf keinen Fall. Es klopft, das ist Jens. Ich schnappe Schlüssel und Geldbeutel und geh zu ihm hinaus und dann nach unten zum Essen. Heute gibt es Schnitzel mit Pommes und Salat für die, die keine Diät haben.

 

 

Paolo

 

In der Mittagspause telefoniere ich mit Enrico und frage, wie es läuft. Er ist ganz cool am Telefon und erzählt, das er alles gut hinbekommen hat bis jetzt. Das freut mich jetzt sehr und auch ich erzähle ihm, was bei uns gefordert ist und das es auch bei mir bis jetzt sehr ordentlich gelaufen ist.

Enrico fragt mich: „Weißt du noch, wie der Herr Remmers vom Hilton geredet hat, hat er doch den Namen von dem Küchenchef gesagt. Hieß der nicht Meinle?“ „Ich glaub schon“, sag ich, „warum fragst du?“ „Hier ist ein Herr Meinle in der Prüfungskommission“, sagt Enrico. „ ich hab den Eindruck, das er mich gezielt beobachtet beim Arbeiten.“ „Ich könnte Jerome mal anrufen und nach fragen“, sag ich. „Nee, mach das nicht, Sergej holt uns doch ab, der wird das wissen“, sagt Enrico, „wenn es so ist, dann kann das nur gut sein für mich und es spornt mich an, alles zu geben. Wir schaffen das, Paolo und ich bin froh , das ich dich zum Bruder habe.Ciao bella, ich muss los, es geht gleich weiter.“ Ciao Kleiner und viel Glück“, sag ich, dann hat er auch schon aufgelegt.

Auch meine Pause geht zu Ende und es wird gleich weiter gehen.

 

 

Jerome

 

Es geht zu wie im Taubenschlag, Leute kommen, Leute gehen. Die meisten kenne ich nur flüchtig, manche gar nicht und einige halt besser. Sergej und Kevin haben ganz schön zu tun und auch Ole hat angefangen, den beiden zu helfen. Wolfi knipst Bilder und Frank sitzt auf der Couch mit Paul und beide schauen dem Treiben zu. Ich werde von Mama mit rum geschleift und muss Konversation machen und werde natürlich andauernd auf den Unfall angesprochen. Ein paar mal ziehe ich sogar die Hosenbeine hoch und gewähre einen Blick auf Max und Moritz. Das geht mir zwar auf den Zeiger aber ich will Mama auch nicht allein da rum rennen lassen, oder unhöflich sein. Papa ist ebenfalls unterwegs und ihm zur Seite ist mein Schwesterchen in ähnlicher Situation wie ich. In den Kreisen hier ist alles neugierig und sensationsgeil und immer auf der Suche nach neuem Klatsch und Tratsch. Gerne würde ich meinen Schnuckel mal küssen aber das verkneifen wir uns besser heute bei dem ganzen Volk hier. Kevin schaut auch manchmal sehnsüchtig seinem Wölfchen hinterher und Ole und Frank geht es ähnlich. Dirk und Mike haben auf der Terrasse die Versorgung der Gäste übernommen. Dort darf geraucht werden und deshalb bleiben einige gleich draußen, stehen um die Tische herum, unterhalten sich und blasen ihre Nikotinwolcken in die Luft.

Von uns Freunden raucht keiner, das ist schon selten, aber wir finden das alle ganz gut, das es so ist.

Um fünfzehn Uhr kommt Ulf Schroer, Papas Personalchef und bester Freund mit seiner Frau Irene und seinem gut siebzehn jährigen Sohn Noah, der eigentlich immer ein ganz guter Freund für mich war und auch immer noch ist, auch, wenn wir seit dem Unfall keinen direkten Kontakt mehr hatten. Ich wollte damals halt niemanden sehen, auch ihn nicht.

Er war oder ist jemand, der auf den meist öden Feiern mit mir abgehangen hat und bei ihnen oder bei uns sind wir immer in seinem oder meinem Zimmer verschwunden. Ich freue mich, ihn nach fast fünf Monaten wieder zu sehen und in den Arm zu nehmen.

Als ich merkte, das mir Jungs mehr bedeuten als Mädchen, habe ich ein paar Wochen von ihm geschwärmt, viel mehr hübsche Jungs kannte ich ja auch nicht persönlich. Er ist ein sehr hübscher Junge und auch ein guter Freund, aber gegen Sergej verblassen alle anderen.

Blond ist er, hellblond,so wie sein Vater und er hat einige Sommersprossen, nicht viel, aber total süß , auf der Nase und ein paar an den Wangen, er ist so von der Statur her Ole sehr ähnlich und klug ist er auch.Ich mag ihn sehr und er kommt auch direkt auf mich zu.

 

„Hey, Alter, lange nicht gesehen“, sagt er, als ich ihn an mich drücke, „es scheint dir jetzt wieder besser zu gehen, du siehst toll aus.“ „Danke, Noah“, sag ich und schau ihn an, „es geht mir wieder gut, meine Behinderung hab ich voll im Griff und ich bin schwer verliebt.“ „Echt verliebt?“, fragt er, „wer ist denn die Glückliche?“ Sergej kommt gerade auf uns zu, um nach Noahs Getränkewunsch zu fragen.

„Da kommt mein Schatz“, sag ich und schau Sergej entgegen. „Upps, Julius Caesar, bei Asterix oder Shakespeare“, sagt Noah und wird rot. Ich schau ihn fragend an:“Was ist mit Caesar?“ „Auch du mein Sohn Brutus?“, sagt er leise und ich beginne zu begreifen.

Noah auch, ich werd verrückt, spontan zieh ich ihn nochmal in den Arm und seh über seine Schulter zu Sergej, der etwas verdutzt guckt. Aus den Augenwinkeln seh ich Mama, die mit Noahs Mutter zu uns guckt und lächelt. Sie hat es gewusst, geht es sofort durch meinen Kopf. Ich geb Noah frei und greif nach Sergejs Hand: „Das ist Sergej, mein Schatz“,sag ich zu Noah und dann zu Sergej: „Das ist Noah Schroer, der Sohn von Papas bestem Freund und er hat sich gerade bei mir geoutet, als ich ihm gesagt habe, das du mein Schatz bist.“

„Hey, Noah“, sagt Sergej und gibt ihm die Hand. „Hey, Sergej, schön dich kennen zu lernen“, sagt Noah, „ich hoffe, du weißt, was du dir da angelacht hast. Sei immer lieb zu ihm,er ist ein ganz, ganz Guter.“ Jetzt werde ich ein bisschen rot und Sergej sagt: „Ich weiß, Noah, vor ihm und neben ihm gibt es keine Männer in meinem Leben und ich weiß genau, was ich an ihm habe.“ Jetzt muss ich ihm einfach einen Kuss geben, auf den Mund und nur kurz und es ist mir gerade egal, ob es jemandem nicht passt.

„Was möchtest du denn trinken, Noah“, fragt Sergej jetzt. „Habt ihr von der Brause da, die Jeromes Oma immer trinkt?“, fragt Noah und als Sergej nickt, sagt er: „Drei Gläser wären gut, dann könnte ich mit euch anstoßen, auf mein Outing, ihr seid nämlich nach meinen Eltern die Ersten, die das von mir erfahren haben und auf eure Liebe, die mich genau so überrascht hat.“

Sergej läuft los und ich frag Noah: „Hast du auch einen Freund?“ „Nein, bis jetzt hat es sich noch nicht ergeben, wann und wo auch. Du weißt doch, das dass nicht so einfach ist, wie bei Heteropaaren, die im Internet, die suchen meist nur Fickbekanntschaften und wo hier oder in Bremen was zu finden ist, weiß ich noch nicht. Es war auch nicht ganz einfach zu Hause, Mama war schon sehr geknickt am Anfang und erst nach und nach hat es sich wieder normalisiert. Papa war da etwas lockerer drauf, aber ich glaube jetzt auch, das er mit deinem Vater darüber gesprochen hat und der ihm wohl dann von dir erzählt hat.“

„Das kann gut sein“, sag ich, „aber an Mamas Blick, als ich dich umarmt habe, hab ich gesehen, das sie es auch von dir wusste.“

Sergej kommt mit dem Cremant und wir trinken auf Noah und auf uns. In meinem Hinterkopf keimt gerade ein Gedanken auf. Noah gleicht doch sehr dem Ole. „Wann sollst du denn die Zwillinge abholen“, frag ich jetzt Sergej. „Die Prüfung heute ist um viertel nach Vier beendet“, sagt er, „ich muss gleich los fahren.“

„Ich kann ja auch fahren“, sag ich, „ich nehme Noah mit, dann kann ich ihm halt erzählen, was in letzter Zeit so abging hier bei uns.“

„Das wäre mir sehr recht“, sagt Sergej, „im Kombi ist alles im Navi eingegeben, dann fahrt ihr am besten gleich los.“ „Ich sag Mama noch Bescheid“, sag ich und nehme den Autoschlüssel von ihm entgegen. „Komm“, sag ich zu Noah und geh Richtung Mama. „Noah und ich fahren schnell die Zwillinge holen“, sag ich zu Mama, „Sergej kann dann hier weitermachen.“ Mama schmunzelt und ich frag mich gerade, was sie denkt. Na ja, ist auch egal jetzt.

Noah und ich gehen zum Kombi und fahren los, Richtung Bremen. Unterwegs erzähle ich, wie es in der letzten Zeit bei uns war, wie Sergej und ich zusammen gekommen sind, Ole und Frank und Kevin dazu kamen und was durch die Party entstanden ist. Von Paul und auch von den Zwillingen erzähl ich und das wir diese jetzt von der Prüfung abholen. Überm Erzählen haben wir Bremen erreicht und holen zuerst Paolo ab.

Der erzählt, das alles gut gelaufen ist bei ihm und fragt mich dann, ob der Herr Meinle aus dem Hilton, der Küchenchef, in der Prüfungskommission bei Enrico ist. Ich geb ihm mein Handy und sag: „Kurzwahl, die sieben, das ist Sergej, der müsste das wissen.“

Paolo ruft an und spricht mit Sergej und erfährt, das der Herr Meinle echt im Prüfungsausschuss ist.

Nach dem er aufgelegt hat, sagt er: „Enrico hat in der Mittagspause angerufen und gesagt, das ein Herr Meinle ihn wohl besonders beobachtet. Das muss der dann ja aus dem Hilton sein und dein Vater hat ihm wohl gesagt, das Enrico der ist, für den er nachgefragt hat wegen dem Job dort.“

„Das hat Papa bestimmt gemacht“, sag ich. „Dann wette ich, das Enrico gerne genommen wird. „Wenn der zeigen kann, was er drauf hat als Koch, dann läuft der zur Hochform auf“, freut sich Paolo. „Da vorne ist er“, sagt Noah, „euch kann man echt verwechseln.“ Enrico wartet schon auf uns und als ich halte, sitzt er auch sofort im Auto hinter mir. „Hallo“, sagt er, „ich dachte, Sergej kommt. Ich wollte ihn noch was fragen.“ Paolo sagt zu ihm: „Es ist alles geklärt, Herr Meinle ist der Chefkoch im Hilton.“ „Yeah“, macht Enrico, „der hat mich immer beobachtet und ab und zu anerkennend genickt. Den Job kriegt ich bestimmt“, freut er sich. Ich stell den beiden kurz Noah vor und Enrico mustert ihn sehr eingehend bis Noah fragt: „Alles Ok mit dem was du siehst?“

Enrico wird etwas rot und sagt:“ Sorry, du erinnerst mich halt an wen, und ja doch, sehr OK:“ Er bricht den Blickkontakt ab und wendet sich Paolo zu. Beide reden leise über ihre Prüfung heute und auch, was morgen auf dem Programm steht.

Noah fragt mich unterwegs noch ein bisschen aus, über den Unfall und auch über die Prothesen. So erreichen wir wieder unser Haus und waren ungefähr ein dreiviertel Stunden unterwegs.

„Geht hoch, macht euch frisch und kommt dann einfach runter“, sah ich den Zwillingen, als wir aus steigen und geh dann mit Noah wieder zu den anderen ins Wohnzimmer.

Noahs Mutter winkt ihrem Sohn und Mama mir, also folgen wir dem Rufe der Göttinnen und gehen zu ihnen.

Mama sagt zu mir: „Ich habe Irene gefragt, ob Noah heute hier bleiben möchte, er hat morgen auch frei und das eine Gästezimmer ist ja noch frei, was meinst du?“ „Wenn er das möchte, dann von mir aus gern“, sag ich. Irene kommt mit Noah zu uns und sie sagt: „Also er möchte schon ganz gern hier bleiben. Ulf und ich fahren noch zu einer anderen Feier und dann wäre er allein zu Hause. Samstag kommen wir ja noch ins Hilton, deswegen fahren wir heute auch schon um achtzehn Uhr.“

„Gut, dann kann er ja bleiben“, sag ich und dann: „Komm, ich stell dich mal den anderen vor:“

Wir gehen zu Frank und Paul, dann zu Wolfi, der gleich ein Bild von uns macht, zu Armin, Heiner und Dirk, die mit Mike bei Martin auf der Terrasse sitzen, in die Küche zu den Mädels und zuletzt zu Kevin. Jetzt kommen die Zwillinge runter und Mama geht gleich zu ihnen, bestimmt, um zu fragen, wie es gelaufen ist. Noah betrachtet derweil wieder Enrico, der im Gegensatz zu Paolo eine grüne Uhr anhat, während Paolos Uhr rot ist. Auch Enrico guckt öfter zu uns herüber und immer, wenn sich ihre Blicke begegnen, guckt er nach unten. Auf Grund meiner Erzählung weiß Noah genau, wer zu wem gehört und wer schwul ist und wer nicht.Die Zwillinge holen sich jetzt erst mal was zum Essen und setzen sich damit an den Tisch. „Ich könnte auch was essen“, sagt Noah, „kommst du mit?“ „OK, was Kleines geht immer“, sag ich und geh mit ihm zum Buffet. Ich werde das Gefühl nicht los, das Mama uns ständig beobachtet.Mit einigen Leckereien auf dem Teller folge ich Noah zum Tisch, wo der gegenüber von Enrico Platz nimmt, ich setze mich Paolo gegenüber. Zuerst ist Stille beim Essen, dann fragt Paolo Noah, ob er mit mir verwandt ist. Noah erklärt, was uns verbindet und das sein Vater mit meinem Vater sei der Studienzeit befreundet ist und er auch in der selben Firma arbeitet. Enrico will dann wissen, was sein Vater dort macht.

„Papa ist der Personalchef bei der Firma, er stellt Leute ein und macht die gesamte anfallende Personalplanung. Er verdient gut und macht seinen Job sehr gern“, sagt Noah zu den Beiden, „Mama geht nicht arbeiten, sie kümmert sich um Haus und Garten und um mich. Geschwister habe ich leider keine.“

„Wir haben noch zwei jüngere Schwestern, sind aber von zu Hause weg und beziehen diese Woche gemeinsam eine Wohnung hier in Bremerhaven“, sagt Enrico nicht ohne Stolz.

„Jerome hat mir schon ein wenig über euch erzählt, was vorgefallen ist. Krass, euer Alter, gut, das meine Eltern nicht ausgerastet sind“, sagt Noah. Enricos Augen beginnen zu leuchten. „Du bist auch……?, kommt es leise von ihm. „Schwul?, ja, auch“, sagt Noah und bekommt wieder ein bisschen Farbe. Enricos Augen suchen Ole und wandern dann wieder zu Noah. „Du gefällst mir“, sagt er heiser und nicht sehr laut.“ Du mir auch, besonders deine dunklen Augen und deine Locken“, sagt Noah jetzt auch ein bisschen heiser. „Komm Paolo, wir gehen mal auf die Terrasse zu den anderen, die sitzen da so rum“, sag ich.“ Aber….“, grummelt er. „Nix aber, komm einfach, essen kannst du auch draußen“, sag ich und geh mit meinem Teller raus. Paolo folgt mir, hat jetzt geschnallt, was los ist. Er verdreht die Augen und sagt: „Nicht schon wieder“ „Das hier ist anders, wart es ab“, sag ich ,vor mich hin grinsend, „ich täusche mich da selten, diese Blicke kenne ich nur zu gut.Wir lassen sie mal einfach in Ruhe. Noah wird schon nichts überstürzen, ich denke nicht, das du heute Nacht schon allein Schlafen musst.“ „Meinst du echt, wieso bist du so sicher?“, will er wissen. „Noah ist fast wie ein Zwilling zu Ole. Von der Gestalt her und vom Typ, auch Haare und Augen sind fast gleich“, erkläre ich mich, „auf Ole war Enrico hin und weg, bis er von Frank erfuhr.

Noah ist siebzehn, findet Enrico toll, das sieht man und jetzt liegt es an beiden selber, was daraus wird. Passen tun sie gut zusammen finde ich und mich würde es für beide auch sehr freuen, wenn es denn klappt.“

Draußen werden wir mit Hallo begrüßt, nicht nur von den Jungs, auch von Kai und Martin und auch Oma und Frieda sind draußen an der frischen Luft, das Cremantglas in der Hand. Die Augen sind aber noch klar, es ist ja auch noch nicht so spät.

Jetzt kommen immer noch Leute, wohl die, die ihrer beruflichen Tätigkeit nach gegangen sind und jetzt Feierabend haben.

Auch der Doktor Morbach und sein Johannes kommen, in Uniform, sehen geil aus die beiden und ich freue mich, das Mama sie eingeladen hat.

 

 

Lis

 

Treiben ohne Ende, aber sehr harmonisch und schön bis jetzt. Noah, ja, der Sohn von Ulf und Irene ist auch schwul. Ich weiß es ja schon etwas länger und Carl August auch, aber ich wollte es Jerome nicht sagen. Die beiden haben sich immer ganz gut verstanden zu der Zeit, als es wohl noch keiner von beiden realisiert hat, das sie nicht auf Mädchen stehen. Ulf hat sich vor fünf Wochen Carl August anvertraut und über Noah erzählt, der hat dann gesagt, das Jerome auch Jungs mag und sich wohl verliebt hat. Irene hat mich dann angerufen und wir haben uns getroffen und über alles geredet. Danach ging es ihr besser und Ulf war von Anfang an sehr tolerant, seinem Sohn gegenüber.

Nun sitzt der Noah am Esstisch dem Enrico gegenüber und ich müsste schon blind sein, um nicht zu merken, das sich da was anbahnt. Ich winke Irene zu mir und teile ihr mit, was ich da zu sehen glaube. Sie will natürlich sofort alles über den kleinen wissen und ich erzähle ihr von seinem Leiden zu Hause und der neuen Wohnung, die ab morgen eingerichtet wird. Auch, was ich sonst noch weiß und das er wohl ein lieber Kerl ist und wenn sich die zwei verlieben, das sie es eh nicht ändern kann.

„Das will ich auch gar nicht“, sagt sie, „ich habe es akzeptiert, das Noah schwul ist und Ulf und ich werden alles tun, damit er glücklich wird. Und wenn er es dann mit diesem zugegeben sehr hübschen Lockenkopf wird, dann soll es sein.“ Ulf kommt, deutet auf die Uhr und sagt: „Wir müssen, Irene, ruf bitte Noah.“ „Noah bleibt hier, heute Nacht, bei Lis, dann hat er wenigstens Gesellschaft und sitzt nicht allein zu Hause“, sagt Irene. Sie ruft kurz über Noah und als der schaut, winkt sie ihn her. Noah steht auf, sagt was zu Enrico und kommt dann her. „Wir fahren jetzt, Junge“, sagt Irene, „Schlaf gut heute Nacht und wenn du morgen heim willst, kann dich ja bestimmt jemand fahren.“ Auch Ulf verabschiedet sich von dem Jungen und dann geh ich mit den beiden noch bis zur Tür.

Als ich wieder ins Wohnzimmer komme, sitzt Noah wieder bei Enrico, jetzt aber neben ihm und sie sind so in ihr Gespräch vertieft, das sie nicht wahrnehmen, was um sie rum passiert.

Ich geh mal auf die Terrasse, muss mit Jerome kurz reden und auch dort mal bei den Jungs vorbei schauen. Ich denke mal, das jetzt keine neuen Gäste mehr kommen, am Samstag im Hilton werden es wohl mehr werden, als heute.

Auf der Terrasse sind alle Sitzgelegenheiten besetzt und auch an den Stehtischen halten sich Leute auf, meist sind es Raucher .Ich winke Jerome zu mir und frage ihn, wie er die Sache mit Noah und Enrico einschätzt. Wir sind beide der Meinung, das sich da ein neues Pärchen findet und ich frage ihn, ob er davon ausgeht, das beide heute Nacht in einem Bett landen.

„Mama“, sagt er , etwas entrüstet, „das geht uns doch nichts an, oder?“ „Oh doch, Jerome“, sag ich, „wenn es dazu kommt, möchte ich, das sie verantwortungsvoll handeln, du weißt was ich meine und du sorgst bitte dafür, das alles, was man zum Sex braucht, in Noahs Gästezimmer vor Ort ist und das er das auch weiß, wo er im Fall des Falles suchen muss. Versprich mir das, sonst werde ich mit den beiden reden.“

„Gut, Mama“, sag ich, „ich regle das, versprochen.“ Jetzt kann ich beruhigt wieder reingehen, ich muss auch mal was essen und auch mal nach Carl August sehen und Natascha.

 

 

Paolo

 

Der Kleine hat mal wieder Feuer gefangen, hoffentlich gibt das keinen Ärger. Das ist schließlich

ein Freund des Hauses hier, dieser Noah. Der ist mir echt sehr sympathisch und wenn das jetzt mal was ernstes wäre, würde ich mich freuen für Enrico und auch für Noah. Jedenfalls muss ich verhindern, das Enrico heute Nacht bei ihm und dann wohl auch mit ihm schlafen will. Bis jetzt war dann in der Regel für meinen Bruder die Sache vorbei, warum auch immer.

Bei der Schwärmerei für Ole hatte ich schon den Eindruck, das es ihm ernster ist, wie sonst, mal sehen, was das jetzt wird.

Jerome meint echt, da würde sich was anbahnen. Mir solls recht sein aber jetzt mitten in der Prüfung,weiß ich nicht, ob das gut ist. Ich werde nach her mit ihm reden müssen. Auf mich hört er ja doch ziemlich gut, vielleicht ja auch jetzt.

Wenn sie Interesse aneinander haben, dann sollen sie sich gerade jetzt ein bisschen Zeit lassen, das er in Ruhe und ohne jeglichen Beziehungsstress, auch positiven, seine Prüfung machen kann. Danach ist es ja dann einfacher für beide, denk ich.

Ich hoffe, das der Noah auch so vernünftig ist und einsieht, das Enrico diese Woche voll in die Prüfung eingebunden ist und wenig Zeit und Raum für andere Dinge ist. Ab Freitag ist das ja Geschichte und dann können sie es ja miteinander probieren. Meinen Segen haben sie dann.

 

 

Jerome

 

Nach einer viertel Stunde kommen Noah und Enrico auch raus auf die Terrasse. Ich geb Noah mal ein Zeichen, das ich mit ihm reden will und nach dem er was zu Enrico gesagt hat, kommt er rüber zu mir. Ich schiebe ihn vor mir her in Richtung Garten und sag: „Komm einfach mal ein Stück mit mir, ich muss etwas laufen, immer an einer Stelle zu stehen, drückt auf Dauer auf die Stümpfe und ein Sitzplatz war ja nicht frei.

Als wir so zwanzig Meter vom Haus weg sind, frag ich: „Er gefällt dir, oder?“ „Enrico meinst du?“, fragt er zurück. „Wer sonst, du Clown“, sag ich, „ja, das ist schon ein ganz süßer, aber überstürze bitte nichts. Er war in der Vergangenheit zwar oft verliebt, aber es war immer nur sehr kurz. Ich möchte nicht, das du dich verknallst und in ein paar Tagen dann enttäuscht wieder allein da stehst. Nehmt euch Zeit jetzt und testet aus, ob ihr zusammen passt.“

Er bleibt stehen und guckt mich an. „Ich habe nicht vor, heute schon mit ihm in die Kiste zu springen, Jerome“, sagt er, „wir müssen uns kennenlernen und das habe ich ihm auch so gesagt. Er meint, ich bestimme das Tempo, wie es mit uns weiter geht. Ja, wir mögen uns und ich finde ihn toll und er mich wohl auch. Also werden wir es miteinander versuchen. Da er diese Woche Prüfung hat, werde ich ihn erst am Freitag treffen. Wir haben die Nummern getauscht und rufen uns gegenseitig an, und heute Nacht bleibt jeder in seinem Bett.“

„Das ist eine gute Lösung“, sag ich, „sollte es aber wieder Erwarten doch zu mehr kommen, so liegen im Nachttisch Kondome und Gel, du weißt schon, immer mit.“

Jetzt ist er rot geworden und sagt: „Es wird nicht nötig sein, bis es dazu kommen sollte, das wird schon noch etwas dauern. Ich habe keinerlei Erfahrungen auf dem Gebiet und werde deshalb auch nicht gleich mit der Tür ins aus fallen, Jerome.“

„Gut, trotzdem, wenn du Fragen hast, Noah, kannst du mich ruhig fragen, alles, was du wissen willst“, sag ich zu ihm.

„Danke, ich komme bei Gelegenheit gerne drauf zurück“, sagt er. Mittlerweile sind wir weiter gegangen, einmal rum ums ganze Haus und gehen wieder auf die Veranda.

„Die, wo hier unten nicht mit eingebunden sind, können auch hoch gehen in mein Wohnzimmer und chillen oder einen Film gucken“, sag ich zu Armin und Mike, die ein bisschen gelangweilt rum stehen. „Gute Idee“, sagt Mike, „ich informiere mal alle, die Zeit haben.“ Er geht rein, holt Frank und Paul, und wer sonst noch frei ist jetzt und alle außer Sergej, Kevin und Ole und ich, die beiden Mädels in der Küche nicht zu vergessen, gehen hoch zu mir zum Film gucken.

 

So nach und nach gehen dann immer wieder mal Leute nach Hause oder lassen sich fahren. Da keine anderen mehr dazu kommen, reduziert es sich nach und nach und um halb acht sind es noch etwa zwanzig Gäste, die in Grüppchen rum sitzen oder stehen. Die Terrasse ist jetzt bis auf zwei oder drei Raucher leer und ich werfe mal einen Blick in die Küche. Hier sieht es für das Treiben, das draußen war, schon wieder sehr aufgeräumt aus und gerade kommt Sergej rein und bringt eine Ladung benutztes Geschirr. Von ihm will ich jetzt erst mal einen Kuss und wir umarmen uns das erste mal richtig , seit dem Aufstehen heute morgen.

„Du riechst so gut“, flüstert er mir ins Ohr, bevor er zart an meinem Ohrläppchen knabbert. Eine Gänsehaut überläuft mich und das Blut fließt südwärts. Das würde mir jetzt hier vor den Mädels noch fehlen, ein Ständer in der Hose. Ich schiebe ihn weg von mir und er kichert, weiß er doch zu genau, was passiert, wenn man an meinen Ohrläppchen knabbert.

„Lustmolch, wie kannst du das jetzt hier machen“, nuschle ich. „Es hat mich gerade gereizt nach diesem langen Tag ohne eine kleine Knuddelaktion“, sagt er und dann: „Ich muss los abräumen. Es wird nicht mehr so lang gehen, bis Zehn höchstens, denk ich. Dann gehen wir beide schön Duschen und dann……mal sehen.“ „Ich freue mich drauf“, ruf ich ihm leise hinter her.

 

 

Carl August

 

Ich denke mal, das war ein gelungenes Fest, auch dank der Unterstützung durch einige der Jungs und Mädels. Es geht langsam dem Ende entgegen und Kai und Martin sind unterwegs.Wenn sie zurück kommen, wollen gleich die nächsten fahren. So eine Feier über fast den ganzen Tag strengt schon ganz schön an und ich wundere mich über Lis, der man das gar nicht ansieht. Sie sieht noch genau so toll aus, wie heute morgen. Sie ist schon eine ganz tolle Frau und ich liebe sie mehr, als am Anfang unserer Ehe und da war es schon heftig. Sie strahlt immer Ruhe und Souveränität aus, ist wie ein Fels in der Brandung,

Nur einmal in all der Zeit war sie von Leid gezeichnet, als der Junge verunglückt ist. Das hat sie fast aus der Bahn geworfen, aber auch diesen schweren Schlag hat sie weg gesteckt und ist gestärkt aus dieser Geschichte hervor gegangen. Eine bessere Frau an meiner Seite und eine bessere Mutter für unsere Kinder gibt es nicht für mich und ich bin ihr unendlich dankbar für alles.

Das die jungen Leute so gern hierher kommen, ist auch mit ihr Verdienst und das sich Sergej und Kevin hier so schnell eingelebt und in unserer Welt zurecht gefunden haben, ist ihrer Wärme und Freundlichkeit und ihrem großen Herzen zu verdanken. Auch ihr Verhältnis zu Mama und Frieda ist was besonderes und zwischen Müttern und Schwiegertöchtern so nicht selbstverständlich. Ich bin stolz auf unsere Familie, hier ist wirklich ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt.

 

 

Enrico

 

Wir sind mit den anderen Jungs hoch gegangen, sie wollen einen Film gucken in Jeromes Wohnzimmer. Ich würde ja lieber mit Noah abhängen oder spazieren gehen. Er ist toll und ich bin mal wieder verknallt. Nur dieses mal fühlt es sich anders an, der Drang nach Sex mit ihm ist nicht so alles erdrückend, wie das sonst immer war. Bei Ole war es schon irgendwie anderes, als sonst, aber jetzt. Ich will einfach nur in seiner Nähe sein, ihn ansehen oder sogar riechen. Als er neben mir saß im Esszimmer, hab ich ihn gerochen, so was von gut, sag ich. Meine Nase möchte ich in sein Haar stecken und seinen Duft einsaugen, ihn berühren möchte ich, sein Gesicht streicheln und mit meinen Fingern erkunden.

Ich bin innerlich ganz unruhig, weiß nicht so recht, was mit mir geschieht. Hoffentlich mach ich mich hier nicht zum Affen, er hat zwar gesagt, das er mich auch mag, aber ob er das ernst meint, weiß ich nicht. Ich möchte es aber, das er es ernst meint, das er mich mehr als nur mag. Das wiederum würde bedeuten, das ich ernsthaft in ihn verliebt bin, eine Vorstellung, die ganz neu ist für mich. Bisher war ich immer verknallt, geil dazu und wenn es dann rum war mit Poppen, war der Reiz dahin und es gab selten eine zweite Nummer.

Hier läuft das anders, viel anders. Hier will ich nicht gleich ins Bett, will ihn kennen lernen, soviel wie möglich von ihm wissen, ihn einfach bei mir haben und ihn küssen, ja küssen würde ich ihn gern, streicheln, drücken, sein Lachen hören, seine Stimme, Oh Mann, es hat mich voll erwischt.

Ich muss Geduld haben, erst Prüfung machen aber wenn er dauernd in meinem Kopf herumspukt, wie soll das gehen. Wenn ich mir dauernd vorstelle, wie er mich küsst, wie soll ich dann noch kochen.

Er hat gesagt, ich soll meine Prüfung machen und dann hätten wir alle Zeit der Welt, uns kennen zu lernen aber wie soll ich das aushalten, ohne zu wissen, wie seine Küsse schmecken.

Er liegt am anderen Ende der Couch, neben Frank, und er schaut auf die Leinwand, wo der Beamer den Film abspielt. Ich nehme mein Handy, schreibe eine SMS, schreibe, das ich heute noch einen Kuss möchte, damit ich morgen ruhig in die Prüfung gehen kann nach Bremen, schreibe, das ich mich in ihn verliebt habe, ständig an ihn denken muss. Ich traue mich nicht, sie jetzt abzuschicken.

Ich starre jetzt auch auf die Leinwand, kriege aber von dem Film nichts mit. Meine Gedanken sind bei ihm.

Irgendwann ist der Film zu Ende und Paolo mahnt mich, das wir jetzt schlafen müssen, weil morgen wieder Prüfung ist. Als ob ich jetzt schlafen könnte.

Wir verabschieden uns von den Jungs, die wohl morgen alle frei haben. „Wir müssen um sieben Uhr los, sagt Paolo auf Noahs Frage, wann wir weg müssen morgen. Wir verlassen Jeromes Wohnbereich und gehen in unser zimmer. Auf dem Flur schick ich die SMS weg. Nach dem wir unsere Schlafklamotten anhaben und im Bett liegen, macht mein Bruder das Licht aus.

„Alles klar mit dir, Kleiner?“, will er wissen. Nach kurzem Zögern sag ich: „Weiß nicht, ich glaub, ich bin verliebt, aber diesmal richtig, in Noah.“ „Ich weiß, das hat man gesehen“, sagt er. „Echt?“, frag ich, „war das so deutlich?“ „Ja, war es“, sagt er, „verkack es nicht gleich wieder.“ „Ich habs nicht vor“, sag ich, „ aber ich weiß ja gar nicht, ob er auch in mich verliebt ist.“ „Jerome meint, das ist er“, sagt Paolo, „aber es ist alles ganz neu für ihn. Lass ihm Zeit und denk nicht wie sonst immer nur mit dem Schwanz.“ „Arsch, mach ich doch gar nicht“, sag ich und dreh mich von ihm weg . „Gute Nacht“, sag ich und beende damit das Gespräch. Schlaf gut“, kommt es von ihm. Ich schließe die Augen und sehe sofort Noahs Gesicht vor mir. Er lächelt mich an. Irgendwann beruhigt mich das und ich schlafe ein.

 

 

Noah

 

Löckchen hat mir eine SMS geschickt. Er ist verliebt in mich und hätte gern einen Kuss von mir, damit er ruhiger ist in der Prüfung. Ich muss schmunzeln, er ist süß, der kleine Lockenkopf, aber ich kann ja schlecht in das Zimmer gehen und ihn küssen, jetzt jedenfalls nicht. Ich glaube jetzt auch ernsthaft, das ich mich verliebt habe in ihn. Diese Gefühle hatte ich zwar noch nie so, aber was sollte es sonst sein. Er zieht mich an, gefällt mir gut, bringt mich zum träumen. Ich möchte ihn auch küssen und streicheln und riechen und dann auch später mal mehr von ihm.Alles ist so neu und auch aufregend. Ich geh noch mal runter, vielleicht kann ich ja noch etwas mit Jerome reden, ihn fragen, wie das bei ihm und Sergej war und wie das ist mit Küssen und auch mit dem Sex. Außer Handarbeit habe ich keinerlei Erfahrung, nicht mit Mädchen und auch nicht mit Jungs. Ich habe mit fünfzehn mal ein Mädchen geküsst und dabei soviel gespürt, wie wenn ich meinen nassen Waschlappen an die Lippen halte. Danach bin ich dem immer aus dem Weg gegangen. Harry Potter, den hätte ich gerne mal geküsst, aber das wird wohl immer ein Traum bleiben.

Jerome steht mit seinem Freund hinter der Couch. Wenn ich richtig zähle, sind gerade mal noch fünf Leute da, die nicht zum Haus gehören und es herrscht Aufbruchsstimmung. Martin und Kai stehen an der Eingangstüre und warten, bis sich die Leute verabschiedet haben und begleiten diese dann hinaus zu den Autos.

Tante Lis, so hab ich sie früher immer genannt, lässt sich in einen Sessel plumpsen und Carl August setzt sich zu ihr auf die Lehne. Das war bestimmt anstrengend für beide, den ganzen Tag jede Menge Leute.

Der Junge mit der Kamera, Wolfi sagen sie alle zu dem, macht noch ein paar Aufnahmen und packt dann seine Kamera in die dazu gehörende Tasche. Der Junge, der Kevin heißt, das ist sein Freund, hat Jerome erzählt, tritt hinter ihn und umarmt ihn, küsst ihn hier vor allen Anwesenden liebevoll in den Nacken. Das scheint aber niemanden hier zu stören und auch Sergej küsst gerade Jerome, voll mit Zunge und so und Tante Lis guckt schmunzelnd zu. Ich weiß nicht, ob Mama und Papa das so locker handhaben würden, wenn ich das bei uns zu Hause täte, aber das werde ich wohl irgendwann heraus finden.

Ich gehe zu Jerome und Sergej, frage, ob sie, bevor sie schlafen gehen, noch mal kurz auf mein Zimmer kommen könnten. Jerome sagt, das er mir ein Shirt und eine Shorts zum Schlafen hingelegt hat und eine frische für Morgen früh. Ich sag dann mal allen Gute Nacht und geh nach oben. Halb elf sagt die Uhr, da wir ja ausschlafen können, eigentlich früh, aber ich will jetzt nach denken über all das, was mir heute widerfahren ist. Auch will ich Löckchen noch eine Antwort auf seine SMS schicken.

Das mache ich zuerst, als ich ins Zimmer komme. „Hallo, Enrico, wenn du aufgestanden bist, komm einfach in mein Zimmer, dann bekommst du einen Kuss. Ich habe mich wohl auch in dich verliebt und werde jetzt von dir träumen. Noah“ So fertig, senden drücken, ich bin mal gespannt , ob er das früh genug liest und nicht erst unterwegs, kommen wird er dann bestimmt.

Es klopft und Jerome und Sergej kommen ins Zimmer. „Was möchtest du denn, Noah?“, fragt, mich Jerome. „Nun, ich hätte da ein paar Fragen an euch, ihr habt ja die Phase eins, das Kennenlernen schon hinter euch. Setzt euch doch bitte mal aufs Bett.“

Dann frage ich, wie sie sich kennen gelernt haben, was sie gefühlt haben, wie sie gemerkt haben, das es der Richtige ist und auch, wie das mit dem Sex unter Männern so angelaufen ist. Beide erzählen abwechselnd von ihren Gefühlen, Ängsten und Freuden und das sie es auch langsam angefangen haben mit den sexuellen Aktivitäten.Nach gut einer halben Stunde bin ich schlauer und erzähle den beiden, was ich Enrico gegenüber empfinde, das ich ihn sehr mag und das es kribbelt im Bauch, wenn ich an ihn denke. „Wie war das heute Nachmittag mit Shakespeare?“, fragt Jerome und Sergej sagt: „Auch du, mein Sohn Noah“, und dann grinsen sich beide an. „Schlaf gut, Noah“, sagt Sergej, „lass es wachsen, es kommt alles, wie es kommen muss und wenn er der Richtige ist, wird dein Herz das spüren.“ „Gute Nacht, ihr beiden und Danke, ihr habt mir sehr geholfen“, sag ich. „Dafür sind Freunde da und du bist, wenn du willst, in unserem Kreis herzlich willkommen, Noah“, sagt Jerome und dann gehen beide raus und wohl auch ins Bett.

Ich lösche das Licht und meine Gedanken wandern ins Nebenzimmer, zu dem kleinen, schwarzen Lockenkopf, der mir meinen Kopf wohl gerade gründlich verdreht hat. Ob er mich küssen kommt?

Mit diesem Gedanken schlaf ich ein und träume natürlich von ihm. Das die Träume wohl nicht jugendfrei waren, merke ich in der Nacht daran, das die Shorts vorne nass und klebrig ist. Ich muss kichern, das hatte ich echt schon längere Zeit nicht mehr und seit ich mir regelmäßig einen runter geholt habe, schon gar nicht. Kaum zum ersten mal verliebt, krieg ich einen Rückfall in die Anfangszeit der Pubertät, da war öfter mal die Bux nass morgens.

Ich ziehe die Shorts aus, putze die Spermareste vom Bauch und vom Penis ab und schiebe dann die Shorts unter der Decke mit dem Fuß nach unten.

Bald darauf schlafe ich wieder ein und träume weiter.

 

 

Enrico

 

Mein Handy hat Weckfunktion und als es anfängt, zu wecken, bin ich wach. Klebrige Nässe am Bauch und in der Hose schocken mich am frühen morgen. Mann, ein feuchter Traum von Noah, wenn Paolo das mit kriegt, der lacht sich kaputt. Ich hätte mir besser gestern Abend noch einen runter geholt als jetzt das hier. Ich stehe leise auf und geh ins Bad, die Hose kommt in die Wäsche, und Enrico unter die Dusche. Ich bin gerade eingeseift, da kommt Paolo ins Bad, mit Morgenlatte und setzt sich aufs Klo zum Pinkeln.

Da wir normal immer nach der Arbeit duschen, mustert er mich vom Klo aus aufmerksam, steht dann auf, guckt in die Wäschetruhe und grinst mich dann an.

„Wohl von Noah geträumt, Kleiner. Nicht rot werden, das muss dir doch nicht peinlich sein“, sagt er und geht zum Waschbecken. Ich trockne mich ab und geh ins Zimmer zurück. Ich schau auf die Uhr am Handy und seh das Symbol für neue Nachrichten blinken. Sofort erhöht sich mein Herzschlag und ich öffne den Speicher. Von Noah und was für eine Nachricht. So schnell war ich schon lange nicht mehr angezogen und als Paolo aus dem Bad kommt, sag ich: „Bin gleich wieder da“, und schon steh ich vor der Tür des anderen Gästezimmers.

Leise drücke ich die Klinke nach unten und öffne vorsichtig die Türe, das Zimmer ist fast dunkel, die Rollos sind unten. Im diffusen Licht sehe ich meinen Schwarm auf der Seite liegen. Leise gehe ich vor dem Bett auf die Knie und lege meine Lippen auf seine. Das ich mich ein bisschen verrenken muss dabei, stört mich nicht. Sein Mund ist warm und sein betörender Duft steigt mir in die Nase. Ich lege eine Hand in seinen Nacken und erhöhe den Druck während ich mit der Zunge über seine Lippen hin und her fahre.

Er schnauft durch die Nase und will zurück fahren. Ich gebe ihm etwas Spielraum und schau jetzt in seine tiefblauen Augen, die mich erschrocken angucken, „ ich habe nur schnell meinen versprochenen Kuss geholt“,sag ich leise, dabei seinen Nacken streichelnd. Seine Augen leuchten und verschlafen nuschelt er: „jetzt will ich aber dafür auch einen von dir“, und dann legen sich seine Lippen auf meine. Wieder stupse ich mit der Zunge und vorsichtig öffnet sich sein Mund und lässt mich ein bisschen ein. Als er mit seiner Zunge gegen meine stupst, muss ich seufzen. Der Kuss dauert, wir atmen durch die Nase und erkunden immer wieder den Mund des anderen, es ist einfach schön, fühlt sich so gut an und stimmt mich glücklich. Dann klopft es laut an der Tür. „Wir müssen los, Enrico. Sergej wartet, wir dürfen heute nicht zu spät kommen. Komm jetzt, ihr könnt ja später telefonieren.“

Noah löst sich, sagt: „Lauf, ich warte auf dich, bis du wieder kommst heute Nachmittag und gib alles bei der Prüfung. Ich denk an dich. Ciao, mein Löckchen.“

„Ciao, Noah, bis später. Ich freue mich so.“ Dann renne ich durch den Flur und dann runter in die Küche, wo die Zwei gerade Brote machen. „Es wird Zeit, Junge“, sagt Paolo und grinst dabei, „hier, dein Handy, es lag auf dem Bett, deshalb wusste ich, wo du so schnell hingerannt bist.“

„Du hast es gelesen?“, frag ich. „Ja und ich freue mich für dich. Verkack es nicht gleich wieder“, sagt er.

Wir müssen los, sagt Sergej und wir schnappen unsere Sachen und los geht es.

 

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3 Kommentare

  1. Hi,

    Macht immer wieder Spaß, ne sehr schöne Fortsetzung zu lesen, mach so weiter. Schön auch, dass immer wieder ein neuer Charakter in die Gemeinschaft reinkommt.

    VlG Andy

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  2. Hallo,

    wieder eine gelungene Folge.
    Scheint so als ginge dir der Stoff so schnell nicht aus 🙂

    Es scheint so, als hätten sich die nächsten zwei gefunden…
    Die Geburtstagsparty war auch ein voller Erfolg.

    LG Claus

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  3. Hallo,

    eine sehr schöne Geschichte. Jede Fortsetzung wird mit Spannung erwartet und es macht Spaß weiterzulesen.
    Trotz der ständig wachsenden Anzahl der Charaktere und Paare , wird die Geschichte nicht unübersichtlich und läßt sich sehr gut lesen.

    Mach weiter so. Hoffentlich gehen Dir die Ideen für noch viele weitere Folgen nicht aus.

    LG Chris

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