Traumschiff – Teil 60

Noah

Als Natascha mit Paolo, Rolfs Familie und meine Mama weg sind, herrscht gespannte Still im Zimmer. Was wird jetzt passieren, trauen wir uns oder trauen wir uns nicht. Ich schau zu Rolf, unsere Blicke treffen sich und ich sehe die gleiche geile Entschlossenheit in seinem Blick, wie ich sie wohl auch habe.

Die beiden, Rico und Paul, müssen was für unsere Genesung tun, ein erotische Massage, Wartungsarbeiten am Südpol, speziell am Fahnenmast, sehnsüchtig erwartete Streicheleinheiten am Penis oder schlicht und einfach einen Handjob erledigen, wie fremd wichsen im Internet heißt.
Es empfiehlt sich aber dabei, zunächst das Abendbrot ab zu warten, das ja gleich gebracht wird und wenn das auf gegessen und es abgeräumt ist, dann dürfte ein störungsfreies Vergnügen für uns leidende Patienten möglich sein.
Paul und Enrico werden sich nicht davor drücken wollen, im Gegenteil, zumindest Rico spielt mit Begeisterung mit meiner Samenschleuder, wie er mein Glied manchmal sehr respektlos bezeichnet.
Das Essen kommt pünktlich wie immer und ein grinsender Zivi stellt uns jedem ein Tablett auf den ausgeklappten Nachttisch, bevor er Enrico und Paul aufmerksam mustert. Warum habe ich das Gefühl, das er vermutet, dass das unsere Schätzchen sind?
Sein Gesicht, seine Blicke sagen mir, dass er uns durch schaut hat, aber das ist ja eigentlich auch egal, außer wenn er Frühschicht hat und zum Waschen kommt. Als er Rolf gewaschen hat am Unterleib, hat er ja schon eine Latte bekommen, bei mir war er noch nicht, aber nach der Erkenntnis jetzt, dass ich wahrscheinlich auch schwul bin, wird er es ja vielleicht versuchen, mich auch mal zu waschen.
Wenn ich dann steif werde, kann ja durchaus passieren, dann wird er schon Augen machen, denk ich, wenn er meinen Hammer sieht. Ich muss grinsen bei der Vorstellung und möchte gerade nicht wissen, was wäre wenn Rico meine Gedanken lesen könnte.
Chris wünscht uns guten Appetit und geht wieder, mal schauen was es gibt. Rolf hat Suppe, wie immer und ich Brot, Wurst, Käse, Be.We.Ka.Jot, sag ich, weil auch noch ein Joghurt dabei ist heute. Standardessen also, aber durch aus OK, eigentlich gibt es ja daheim abends auch oft nichts anderes, also wird es gegessen.
Paul hilft Rolf und Rico füttert mich, nach dem er die Brote fertig gemacht hat. Wenn Rolf nicht verdrahtet wäre, könnte ich ja mal Pizza oder Nudeln bestellen, aber das wäre sehr unfair ihm gegenüber, weil er ja dann zugucken müsste.
Relativ schweigend verzehren wir alles, von Rolfs gelegentlichen Schlürfgeräuschen begleitet. Am Tee verbrenne ich mir fast den Mund, was Rico wiederum zum grinsen bringt.
Nach etwa dreißig Minuten räumt ein gutgelaunter Zivi, er grinst vor sich hin, warum auch immer, das Geschirr ab und wünscht beim raus gehen einen schönen Abend.
Der Sack, scheinbar geht die Fantasie mit ihm durch. Das manche Zeitgenossen aber auch immer so zweideutig eindeutig denken müssen. Das Nachdenken über Chrissis Vorstellungen lässt mich hart werden und in meinem Kopfkino läuft gerade die Szene ab: Rico mit dem Kopf unter meiner Decke und Chris mit Latte in der Tür.
Es ist an der Zeit, Druck ab zu lassen, bevor sich die Sache von selber regelt und das Bett nass wird. Ich denke, das auch Rolf ähnliche Gedanken hat, denn er guckt immer sehnsüchtig zu mir rüber, so als wollte er sagen, los fangt doch an du bist der Ältere von uns.
Ich beginne, Ricos Hand zu streicheln und schiebe sie dabei immer weiter runter, das gesunde Bein anstellend und mein Schatz schnallt es sofort und fährt unter die Decke. Ein nickender Blick zu Rolf gibt auch für die Beiden das Startsignal und die nächsten Minuten werden Rolf und ich unter leisem Stöhnen mit Hingabe lustvoll per Hand zu einem schönen und entspannenden Höhepunkt gebracht.
Leider geht es dann immer zu schnell, wenn man eh schon auf Entzug ist.

„Wenn wir hier raus sind, Rolf“, sag ich zu ihm rüber schauend, „haben wir einiges gut zu machen an unseren beiden Schätzchen.“

Er wird ein bisschen rot, sagt aber dann, Pauls Hand nehmend: „Es wird mir ein Vergnügen sein und bei ein bisschen Handarbeit wird es dann aber nicht bleiben.“

Paul strahlt förmlich, als er sagt: „Oh Mann, ich freue mich drauf, wenn es dann nur schon endlich so weit wäre.“

Er beugt sich zu Rolfs Ohr und flüstert mit ihm. Rolf hebt die Decke und Paul macht mit dem Handy ein paar Bilder von Rolfs Schwanz.

Er sagt: „So habe ich wenigstens heute Abend ein Bild von seinem guten Stück, wenn ich mir einen runter hole.“

Wortlos hebe ich meine Decke, als Rico sein Handy heraus holt. Er fummelt aber zuerst an meinem Penis rum und macht ihn wieder steif, bevor er ein paar Bilder macht.

Dann streift er die Vorhaut zurück und sagt: „Festhalten“, und macht noch zwei Bilder mit blanker, im Blitzlicht schleimig schimmernder Eichel. Auch Paul macht noch ein paar Bilder, nachdem Rolfs Gerät wieder ausgefahren ist und weil jetzt beide steif sind, gibt es für jeden noch mal eine geile Massage, bis zum Schuss so zu sagen und so doppelt gemolken, fühlt sich alles noch besser an.
Nach dem alles wieder im Normalzustand ist, reden wir über die Dinge, die in den nächsten Tagen stattfinden. Morgen ist ja erst mal Rolfs sechzehnter Geburtstag und auch der Torsten wird so alt morgen.
Sie werden wohl zum gratulieren kommen, obwohl die eigentliche Feier ja am nächsten Wochenende sein soll. Das wird wohl für uns beide nichts werden, denk ich, so mit dem eingegipsten Bein und einem verdrahteten Mund.
Zwanzig Uhr zwanzig kommen Paolo und Natascha zurück. Beide machen einen glücklichen Eindruck auf mich und Natascha hat Rolf und mir je einen kleinen Teddy aus Stoff mitgebracht, dass wir Nachts nicht so allein im Bett sind, sagt sie.
Wir finden das toll und freuen uns darüber. Jetzt heißt es wohl wieder mal Abschied nehmen bis morgen und mit ein paar süßen Küssen verabschieden wir Paul und Enrico. Dann schließt sich die Türe hinter den Vieren und wir sind allein.

Sergej

Als wir zu Hause ankommen, ist es fast fünf Uhr und Lis öffnet uns die Haustüre, bevor wir selber zum aufschließen kommen. Abwechselnd nimmt sie uns in den Arm, küsst uns links und rechts ab und gratuliert zu den bestandenen Prüfungen.
Oma und auch Frieda, mit zwei Flaschen in der Hand, kommen die Treppe runter zum gratulieren und bei deren Umarmungen sehe ich, dass es heute wohl kein Cremant ist, sondern Champagner, genauer Dom Perignon 2004 Brut, der wohl ca. einhundert fünfzig Euro die Flasche kosten dürfte, im Einkauf versteht sich.
Bei einem siebzigsten Geburtstag im Hilton hat Herr Meinle das gesagt, da gab es nämlich den gleichen Champus. Nach dem sie von uns abgelassen haben, gehen wir rein und Lis holt sechs Gläser und Oma füllt sie mit der edlen Brause.
So etwas Teures habe ich noch nie getrunken und wenn ich drüber nachdenke, wie viele Stunden ich in der Krankenhauscafeteria arbeiten musste für so viel Geld, wird mir schon ein bisschen komisch.
Just in diesem Moment, als die Gläser gefüllt sind, kommt Carl August zur Türe herein und Lis reicht ihm das sechste Glas. Jeromes Vater ergreift es und schaut uns an.

„Liebe Familie, mit großer Freude hat mich vorhin eine SMS von den bestandenen Prüfungen unserer beiden großen Jungs erreicht und so können wir jetzt in diesem kleinen Kreis das Erreichen eines wichtigen Ziels in eurem noch jungen Leben feiern. Oma hat zur Feier des Tages den von mir für dieses Ereignis im Keller aufbewahrten, besonders edlen Tropfen geholt und so bitte ich euch, mit mir an zu stoßen auf das Erreichte, aber auch auf eine gute Zukunft für unsere Beiden hier. Auf Euch.“

Die Gläser klingen und dann steigt das Bouquet des edlen Gesöffs in die Nase und ein ganz besonderes Geschmacksempfinden stellt sich ein, als erste Tropfen Zunge und Gaumen benetzen.
Ein Hauch von Blumen und Zitrusfrüchten begleitet den Geschmack auf dem Weg, hinab in den fast nüchternen Magen. Die feine Kohlensäure prickelt etwas in der Nase.

„Ahh“, kommt es von Oma, „göttlich, das ist, als wenn einem ein Engelchen auf die Seele pinkelt!“

Fast hätte ich mich jetzt verschluckt und auch Jerome geht es ähnlich, typisch Oma halt, sie und ihre Sprüche. Nun müssen wir kurz berichten, wie es im Einzelnen gelaufen ist und alle hören uns auch aufmerksam zu.

„Eine Zeit lang hatte ich schon Zweifel“, sagt Lis jetzt, „dass Jerome das nach dem Unfall schaffen würde. Das hat sich dann aber geändert, als er mir einen Schwiegersohn ins Haus brachte. Von dem Tag an hätte ich jede Wette gehalten, dass er das schafft. Du hast ihm sehr, sehr gut getan, Sergej und dafür liebe ich dich so, als ob du mein eigenes Kind wärst.“

Während ich rot werde, nimmt sie mich in den Arm und drückt mich an sich. Nun nimmt Jerome uns beide in den Arm und sogar Carl August, der sonst eher zurück haltend im Zeigen von Gefühlen ist, stellt sich dazu und legt seine Arme um uns.
Das laute „Plopp“ des zweiten Korkens, den Oma fachmännisch gelöst hat, beendet unsere Umarmung und nur Jerome hält sich weiter an mich gedrückt. Die Gläser werden ein zweites Mal gefüllt und wir setzen uns hin und reden über morgen, den Umzug, Rolfs Geburtstag und was sonst noch so auf uns zu kommt.
Lis erzählt, das Natascha mit Paolo shoppen ist in Bremen und dabei schaut sie mich an und lächelt. Sie denkt dabei bestimmt an Dresden und die Einkaufsaktion mit Jerome und mir. Heute kann ich auch darüber schmunzeln und ich hoffe, dass Natascha es langsam angehen lässt mit Paolo beim Einkaufen.
Der Champagner ist alle und ich merke die zwei Gläser deutlich. Zeit ist es, zu duschen und etwas Bequemes an zu ziehen. Es ist schönes Wetter und wir beide waren ja in langer Jeans unterwegs, zur Prüfung in kurzen Hosen wollten wir dann doch nicht gehen.

Ich erhebe mich einfach und sage: „Ich muss jetzt wohl mal duschen und vor allem auch was bequemes anziehen. Prüfungen sind mitunter schweißtreibend und anstrengend.“

„Lass uns doch runter, ne Runde schwimmen gehen und ein bisschen Whirlpool wäre auch ganz entspannend“, sagt Jerome und steht ebenfalls auf.

„Wenn Natascha und die Zwillinge mit Paul zurück kommen, legen wir draußen noch etwas auf den Grill. Martin und Kai kümmern sich darum. So gegen acht Uhr könntet ihr ja dann wieder hoch kommen“, sagt Lis jetzt, „Wolfi und Kevin sind ja heute bei Wolfi, da haben Kai und Martin sich angeboten. Frau Jensen hat Kartoffelsalat und Frau Gut Nudelsalat gemacht und Bier und andere Getränke sind auch noch genug in der Kühlung.“

„Prima“, sagt Jerome und dann gehen wir nach oben.

Im Schlafzimmer ziehen wir uns aus und eine Badeshorts an, so für durchs Haus. Unten sind wir dann nackt und nach dem Duschen auch gleich im Pool. Zwischen durch schwimmen wir beide in eine Ecke und üben ein bisschen die Eintrübung des Beckenwasser nach Wolfi und Kevins Art und mittlerweile beherrschen wir beide das auch fast perfekt.
Am geilsten ist es, wenn die Schwänze nicht am Bauch des anderen sondern mit der ganzen Länge am Schwanz des Gegenübers reiben, Schaft an Schaft und Eichel an Eichel. Das geht nur langsam, mit Gefühl, aber der Orgasmus ist echt der Hammer.
Nach dieser entspannenden Einlage legen wir uns in das warme Sprudelbecken und reden über die morgen früh statt findende Umzugsaktion, zu der auch Wolfi kommt, wenn er Kevin im Hilton abgesetzt hat. Mit Kai und Martin sind wir dann zu fünft und das wird schon zügig gehen, so viel ist das ja nicht.
Wir schmusen ein bisschen, genießen die sprudelnd nasse Wärme und dösen fast ein. Also, an Luxus gewöhnt man sich verdammt schnell, finde ich. Umgekehrt wäre es wohl um ein vielfaches schwerer und wenn man bedenkt, dass es doch selbst hier in Deutschland viele Menschen gibt, die ständig um ein vernünftiges Leben kämpfen müssen, das ist schon krass.
Wie komm ich jetzt auf so Gedanken, den Bauch voll super teurer Edelbrause, im sprudelnden Wasser eines Sau teuren Geräts, dessen Blasen und Blubbern dir perlend am Sack kitzeln wie der Champus am Gaumen?
Ja, ich weiß es auch nicht, es fiel mir halt gerade so ein.

Natascha

Kurz vor Neun bin ich mit den Zwillingen wieder bei uns zuhause. Als ich die Haustüre öffne, kommt mir dezenter Geruch von gegrilltem Fleisch in die Nase und so gehe ich mit den Beiden durchs Wohnzimmer direkt auf die Terrasse, wo alle zusammen sind und Martin steht am Grill.
Salate, Geschirr und Besteck stehen auf einem Beistelltisch und auch der Kühlschrank mit Getränken steht da. Wir werden mit „Hallo“ begrüßt und zunächst gratulieren wir mal Jerome und Sergej zur bestandenen Prüfung.
Dann beantworten Paul und Enrico die Fragen nach Rolfs und Noahs Befinden und Sergej spitzt in Paolos Tüten, um zu sehen was wir gekauft haben. An seinem grinsen und Paolos rot werden sehe ich, dass er jetzt die heißen Höschen für untendrunter gesehen hat.
Ich muss grinsen, weiß ich doch, dass er und Jerome noch heißere Teile in ihrem Besitz haben, von diversen anderen Spielzeugen mal abgesehen. Ich denke, der Sumsemann, den mir Jerome geschenkt hat, ist da noch das harmloseste Teil gewesen.
Paolo hätte die Tüten ja auch im Auto lassen können, ich will aber, dass er Teile der Kleider und Höschen oben in meinem Zimmer deponiert, denn er wird ja wohl jetzt öfter hier bleiben über Nacht, wenn wir tagsüber oder abends zusammen sind.
Ich werde auch was zum Wechseln und auch Wäsche bei ihm im Kleiderschrank deponieren, denn auch dort gedenke ich öfter zu bleiben über Nacht in Zukunft. Um weiteren Neugierigen den Boden zu entziehen, nehme ich Paolo an der Hand und zieh ihn ins Haus und dort zur Treppe.
Oben in meinen Räumen knutschen wir erst mal und dann schiebe ich ihn bis zur Couch und drück ihn in die Polster. Er riecht gut, mein kleiner Italiener und ich sauge an seinem Hals, allerdings nicht so, dass dauerhafte Spuren zurück bleiben.
Nach schmusen und knutschen sortieren wir dann aus, was hier bleiben soll und gehen dann mit dem Rest nach unten. Bevor wir wieder auf die Terrasse gehen, bringen wir die Tüten ins Auto.
Die Zwillinge essen noch was, ich natürlich auch und gegen zwanzig nach Zehn fahren die zwei dann zu ihre Wohnung, beide müssen ja morgen zur Arbeit und auch ich sage den anderen Gute Nacht und gehe nach oben.

Kevin

Heute zum Feierabend holt mein Schatzi mich ab mit dem Skoda, den Jerome ihm geliehen hat, weil ja Wolfis Freund Volker seine Karre hat. Heute bleiben wir bei Wolfi, seine Mutter wollte uns auch noch mal im Haus haben, hat sie gesagt.
Ich bin eigentlich gern dort, sie sind lieb und nett zu mir und Wolfis Zimmer ist ja auch ganz toll mit den schrägen Wänden und den tollen Bildern. Ich fühle mich immer sehr wohl dort und kann seine Mama auch verstehen.
Sie werden nächste Woche auch mit zum Friedhof gehen, wenn meine Mama hier beigesetzt wird, obwohl sie ja keiner außer Rufus gekannt hat, selbst ich kenne sie ja nur von Bildern.
Das freut mich und Wolfi auch, je mehr Leute da sind, umso einfacher wird es für mich, denk ich.
Wolfi will mir etwas zeigen heute bei sich zu Hause. Ich bin gespannt, was und wofür es ist. Normal kann er ja nichts vor mir geheim halten, aber dieses Mal hat er tatsächlich dicht gehalten.
Im Hotel ist es heute sehr lebhaft und auch die Vorbereitungen für diese japanische Delegation sind voll im Gange. Die Zimmer liegen alle im dritten Stock und sind heute vorbereitet worden.
Auch in der Küche stellt man sich darauf ein, die Leute mit asiatischen Köstlichkeiten verwöhnen zu können. Jerome hat gesagt, dass auch einige teure Liebesdamen im Hotel untergebracht werden, damit die Leute aus Fernost was zum Poppen haben.
Sollte einer von denen nach einem Mann verlangen, wird ein Escortservice angerufen und die werden dann jemanden schicken oder auch mehrere. Es ist also für alles gesorgt, sag ich mal. Zuerst wusste ich gar nicht, was ein Escort ist, aber Jerome hat es mir erklärt.
Na ja, irgendwie krass ist das schon, also ich könnte mir das beim besten Willen nicht vorstellen, für Geld so einem japanischen Geschäftsmann den Arsch hin zu halten, da kommt nur Wölfchen ran, sonst keiner.
Mitten hinein in meine kruden Gedanken ruft mich der Portier und die Pudeltour ist mal wieder an der Reihe. Das bedeutet, Spaziergang plus Futterkauf plus Trinkgeld, super, na dann los.

Wolfi

In der Mittagspause, in der Mensa, sitzen wir zu dritt zusammen und reden über Morgen. Eingepackt, sagt Volker, ist alles und heute Morgen haben sie sogar noch das Bett zerlegt. Die Gardinen hängen noch und werden auch noch ein paar Tage hängen bleiben zur Tarnung, so dass man meint, die Wohnung wäre noch bewohnt.
Lange wird sie nicht leer stehen und wenn der Nachmieter die Gardinen behalten will, dann kann er das, sagt Volker. Ich erzähle kurz, wie es ablaufen soll, dass Martin den kleinen Lkw holt und wir uns an Volkers Wohnung treffen.
Ole fährt mit Frank beizeiten in die neue Wohnung, lüften und was zu essen besorgen. Volker und seine Freundin haben schon unter der Woche ein paar Stunden dort verbracht, ein bisschen gemalert und auch schon ein paar Pakete zusätzliche Möbel hin gefahren, direkt vom Möbelriesen aus.
Beide gehen davon aus, dass die Sekte nichts von den Umzugsvorbereitungen mit bekommen hat. Volkers Vater will dann übers Wochenende eine gebrauchte Küche montieren, so das ab Montag ordentliches wohnen möglich ist. Beide freuen sich sehr, vor allem über die schnelle und problemlose Hilfe und über viele neue Freunde und Freundinnen.
Volkers Mutter hat wohl auch schon für Gardinen gesorgt, nur die erforderlichen Stangen dazu müssen die beiden noch kaufen. Die Pause ist zu Ende und wir müssen zur nächsten Vorlesung, die letzte für heute und der Dozent ist einer, dessen Vorlesungen immer sehr gut sind und gar nicht langweilig.
Da geht die Zeit auch viel schneller vorbei und danach wollen wir uns noch mal wieder bei den Autos treffen. Ich habe ja dann noch etwas Zeit, bis Kevin Schluss hat und vielleicht fällt uns ja noch was ein für morgen.
So gegen zwei Uhr bin ich dann im Hilton und hole meinen Schatz ab und fahre mit ihm zu uns nach Hause. Mama freut sich und sagt, das sie mit Papa und uns noch ein bisschen durch die Stadt bummeln und dann Eis essen gehen möchte.
Papa kommt erst um fünf, also haben wir noch ein bisschen Zeit für uns und legen uns hinaus in den Garten. Dort stehen zwei Liegen im Schatten eines Kirschbaums, an dem die Früchte in größeren Mengen und in den ersten zart roten Farbtönen hängen.
Bis Mitte der nächsten Woche dürften sie reif sein und wir können davon ernten.
Als Papa dann da ist, geduscht und umgezogen, fahren wir in die Stadt und gehen dort an den Geschäften vorbei bummeln und dann auch in eine gute Eisdiele.
Am alten Hafen liegt das Eiscafé Venecia, Gelateria Cocatto, dorthin führt uns Papa und es ist eine gute Wahl. Ich esse ein Erdbeere-Balsamico Eis, neu im Programm und sau lecker, Kevin isst ein Perla del Sud, Mandeleis mit Pistazien, das ihm auch toll schmeckt. Mama und Papa mögen es lieber schokoladiger.
Mamas Lieblingsthema ist zurzeit die ab Montag stattfindende Ausstellung, von der sie bei jeder sich bietender Gelegenheit spricht. Auch Papa scheint ein bisschen stolz zu sein, dass sein Sohn eine Ausstellung seiner Fotografien hat und in seiner Arbeitsstelle hat er schon kräftig geworben dafür.
Nach dem Eis gehen wir dann langsam zurück zum Auto und gegen halb zehn sind wir wieder daheim. Kevin und ich gehen hoch, ich habe ja noch etwas, das ich ihm zeigen und schenken will. Zuerst werden wir aber noch duschen und dann, bevor wir ins Bett gehen, werde ich ihm zeigen was ich für ihn gemacht habe.
Unter der Dusche haben wir uns natürlich beide mit Erfolg befummelt, zu mehr können wir uns aber heute nicht mehr aufraffen. Wieder im Zimmer, gehe ich an den Kleiderschrank und hole eine großen, eingepackten Rahmen heraus, auf dem ich aus allen Bildern von Rufus, auf denen Kevins Mutter war, einen Mix gemacht habe.

Ich lege den Rahmen aufs Bett und sage: „Das ist meine Überraschung für dich, packe es vorsichtig aus. Ich hoffe, es gefällt dir.“

Als das Packpapier ab ist, schaut er mit großen Augen ganz still auf die Bilder hinter dem Glas. Nun dreht er sich um und kommt mit feuchten Augen auf mich zu.

Er umarmt mich und küsst mich, flüstert in mein Ohr: „Das ist so toll, danke, danke, danke, mein toller Schatz, ich habe dich soooo lieb.“

Wir halten uns und küssen uns wieder, dann lässt er mich los und schlägt das Papier wieder vorsichtig um das Bild und wir stellen den Rahmen wieder in den Kleiderschrank.
Nun krabbeln wir aber endlich ins Bett und aneinander gekuschelt schlafen wir bald darauf ein, glücklich und zufrieden versteht sich.
Bevor wir uns zugedeckt haben, wird noch kurz mit Martin und Kai telefoniert und Einzelheiten für morgen abgesprochen. Natürlich hat er gleich von seinem Geschenk erzählt.
Jetzt dämmern wir zusammen ins Traumland hinüber.

Noah

Die Nacht tröpfelt so vor sich hin, es ist erst halb elf, Rico ist in meinen wirren Träumen, die ich in den kurzen Schlafphasen habe, ständig präsent und wird von seinem Vater gejagt. Mein Bein schmerzt unten am Knöchel und ich schwitze stark, fühle mich heiß und bin ganz unruhig. Es fühlt sich alles nicht gut an und irgendwann, kurz nach eins, denke ich, da stimmt was nicht und entschließe mich zu klingeln.
Ein Pfleger kommt schnell, macht Licht und fragt, was los ist. Ich schildere meine Empfindungen und als erste fasst er an meine Stirn.

„Du hast Fieber, nicht zu knapp. Ich rufe den Arzt“, sagt er und geht.

Rolf ist wach geworden und tippt auf dem Handy rum.

„Was ist los?“, lese ich und sage ihm dann, was mit mir los ist.

Ich schicke Papa eine SMS, das haben wir so vereinbart, falls es Komplikationen gibt. Scheiße man, was wird denn das jetzt, was passiert denn da an meinem Fuß?
Ein junger Arzt kommt, mit ihm der Pfleger mit dem Wagen in dem die Verbände und andere Dinge verstaut sind.
Sie holen als erstes ein Fieberthermometer, das nach dem Messen neun und dreißig, vier anzeigt. Der Arzt beginnt, den Verband ab zu machen und sagt zu dem Pfleger, er solle den Chef zu Hause verständigen.
Als die operierte Stelle frei liegt, ist alles rot und auch angeschwollen. Der Arzt zieht vorsichtig an dem Drainageschlauch und dann läuft plötzlich wieder Flüssigkeit in den Glasbehälter.
Der Druckschmerz lässt nach. Skeptisch guckend betrachtet der Arzt die Flüssigkeit, deren Aussehen im offensichtlich nicht geheuer ist. Der Pfleger kommt zurück und sagt, dass der Chef unterwegs ist.
Der Chef hat angeordnet, dass eine OP vorbereitet werden soll, falls das notwendig ist. Das dazu notwendige Personal wird bereits verständigt und hält sich bereit. Der OP-Raum wird vorbereitet.
Ein Blick zu Rolf sagt mir, dass er bereits dabei ist per SMS Nachrichten zu verschicken, wohl an Paul, denke ich und der wird dann die anderen über Ole und Jerome informieren, obwohl es ja noch nichts konkretes gibt, was man berichten könnte.
Der Arzt und der Pfleger machen mein Bett startklar und bringen mich in den Warte-Bereich vor dem OP, wo dann auch der Professor erscheint und nach einer kurzen Begrüßung mit seiner Untersuchung beginnt. Blut wird mir abgenommen und der Chef zieht auch den Schlauch raus und lässt die Flasche zusammen mit dem abgenommenen Blut sofort ins Labor bringen. Er wandte sich zu mir.

„Aus welchem Grund auch immer hat sich das Gelenk und das Gewebe ringsum wohl entzündet und wir werden das noch mal auf machen müssen, um das richtig behandeln zu können. Nur mit einem Antibiotikum gegen die Infektion vor zu gehen, das reicht meiner Einschätzung nach nicht aus und ich möchte kein Risiko eingehen und den Fuß gefährden.“

Ich nicke und dann wird mir erst bewusst, was er mit „den Fuß gefährden“ gemeint hat. Ich kann also im ungünstigsten Fall einen Fuß verlieren. Jerome fällt mir spontan ein, dem fehlen beide und ich krieg jetzt schon ein bisschen Angst davor, einen zu verlieren.
Ich schau den Professor an und er erkennt wohl meine Sorgen in meinem Gesicht.

Er nimmt meine Hand und sagt beruhigend zu mir: „Keine Angst, Noah, wir werden das schon schaffen und alles tun, um dich gesund zu machen.“

Jetzt kommt der Anästhesist, der schon bei der ersten OP dabei war und er erzählt noch einmal kurz, was er macht. Da nur der Fuß operiert werden soll, wollen sie eine Lokalanästhesie machen, wenn ich damit einverstanden bin.
Bin ich nicht, ich kann da nicht zuhören, wenn die mein Bein aufschneiden, ich will schlafen dabei. Jetzt kommen Mama und Papa und der Chefarzt spricht mit Papa, während Mama zu mir kommt und meine Hände nimmt.
Dann kommt auch Papa an mein Bett und streicht mir durch die Haare.

„Das wird schon“, sage ich, „bleibt ganz locker.“

An der Seite, hinter einer Glaswand, taucht plötzlich das Gesicht von Rico auf, daneben das von Paolo. Rico hat Tränen in den Augen und ist wohl voll durch den Wind.

„Mama“, sag ich, „da ist Enrico, bitte lass in herkommen und kümmere dich nach her ein bisschen um ihn, wenn ich da drinnen bin.“

Papa geht, nachdem er kurz mit dem Professor gesprochen hat, an die Tür und ruft Rico rein.
Der kommt, guckt scheu um sich und kommt dann zu mir und gibt mir einen Kuss, ohne sich an die hier versammelten Leute zu stören.
Zwei Tränen fallen dabei von seinen langen Wimpern auf mein Gesicht.

„Hab keine Angst, mein Schatz“, sag ich, „das kriegen die hier schon wieder hin.“

Die Laborergebnisse kommen und es geht jetzt wohl los. Mama, Papa und Enrico küssen mich noch mal und gehen dann raus, Mama hat den Arm um Enricos Schulter gelegt. Mit diesem Bild vor Augen werde ich in den OP gefahren und der Narkosearzt beginnt mit seiner Arbeit.
Kurze Zeit später bin ich weg getreten, die OP kann beginnen.

Enrico

Es ist mitten in der Nacht, als Paolo in mein Zimmer kommt und mich weckt. Draußen ist es dunkel und ich bin sauer.

„Was soll das?“ frag ich, „es ist doch noch viel zu früh. Warum weckst du mich?“

„Hast du keine SMS bekommen?“, will er wissen.

„Mein Handy ist in der Hosentasche und die Hose liegt drüben im Wohnzimmer“, sag ich, „was ist denn los.“

„Es gibt Komplikationen mit Noahs Fuß und er muss wohl noch mal operiert werden“, sagt mein Bruder.

Eine eiskalte Hand greift nach meiner Brust und Tränen schießen in meine Augen. Verdammt, was soll denn das jetzt bedeuten, heute Nachmittag war doch noch alles easy.

„Wie so das denn jetzt, was soll denn die Scheiße, heute Abend war er noch gut drauf und alles war OK“, ruf ich wütend aus.

„Zieh dich an, wir fahren hin, hier kommst du jetzt doch nicht zur Ruhe“, sagt Paolo und geht rüber in sein Zimmer, um sich ebenfalls an zu ziehen.

Aufgeregt suche ich mir Kleider zusammen, vor meinen Augen laufen Horrorszenarien ab, Noah ohne Bein und teils noch schlimmer. Paolo kommt und hilft mir die Schuhe an zu ziehen. Ich bin fix und fertig.
Er nimmt mich in den Arm, wie schon so oft in der Vergangenheit, wenn es mir dreckig ging und er tröstet mich.

„Mach dich mal nicht gleich verrückt.“, sagt er, „die werden das schon hinkriegen in der Klinik, du musst jetzt ganz ruhig durch atmen und abwarten. Wir wissen doch nichts Genaues und jetzt fahren wir erst mal hin. Hast du alles was du brauchst, Handy, Geldbeutel?“

„Ja, hab ich“, sag ich, „wir können los.“

Auf geht’s zum Wagen und dann los nach Bremen, Paolo fährt wie immer, kein Rasen, ganz normal, er hat die Ruhe weg. In der Klinik, im Bereich wo die OP-Räume sind, bringt uns eine Schwester an eine Glaswand.
Durch die Scheiben sehen wir Noahs Eltern, einige Leute in Weiß und auf dem Bett mein Schatz mit rotem Kopf und das Gesicht beginnt zu strahlen, als er mich sieht. Er sagt was zu seinen Eltern und dann kommt sein Vater und holt mich in den Raum hinein.
Ich geh sofort zum Bett, zu ihm, umarme ihn vorsichtig und küsse ihn, während zwei meiner Tränen auf seinem Gesicht landen.

„Keine Angst, mein Schatz“, sagt er, „das kriegen die hier schon hin.“

Jemand kommt und gibt dem Chefarzt ein paar Blätter und der sagt dann, dass es los gehen kann. Wir, seine Eltern und ich küssen ihn nochmal, bevor sie ihn nach nebenan bringen. Seine Mutter legt ihren Arm um meine Schulter und nimmt mich mit hinaus auf den Flur, wo Paolo auf mich wartet.
Eine Schwester zeigt uns den Wartebereich, wo wir uns hinsetzen und auf das Ende der OP warten wollen.

„Ihr müsst beide morgen arbeiten“, sagt Herr Schroer, „fahrt bitte nach Hause. Wenn Noah da raus kommt, schläft er so wie so und vielleicht kommt er auch wieder auf die Intensivstation für den Rest der Nacht. Gib uns deine Handynummer, wir rufen dich an, wenn die OP zu Ende ist und sagen was der Professor meint, OK? Hier könnt ihr jetzt nichts tun, aber es ist ganz toll, dass ihr hergekommen seid. Noah hat das sehr gut getan und auch Irene und ich freuen uns darüber sehr. Morgen früh, vor deiner Arbeit, kannst du ja dann mit deinem Bruder nach Bremen kommen, mit uns frühstücken und dann mit Irene zu Noah in die Klinik fahren.“

Paolo ist schon aufgestanden, sagt: „Komm Rico, Herr Schroer hat recht, du kannst Noah jetzt nicht helfen. Morgen sieht alles anders aus. Lass uns fahren, um halb acht muss ich auf der Arbeit sein und den Wilfried holen wir ja auch immer noch ab.“

Wir verabschieden uns und gehen runter zum Parkplatz und fahren nach Hause. Ich bezweifle, dass ich überhaupt schlafen kann, aber Paolo muss ja auch schlafen. Vielleicht kann ich schlafen, wenn der Anruf war und alles in Ordnung ist mit Noah.
Fünfzig Minuten nach dem wir zu Hause sind, ruft Ulf an und berichtet, dass jetzt erst mal alles OK ist und Noah heute Nacht auf Intensiv liegt. Er bekommt ein starkes Antibiotikum und morgen wird man sehen, wie es anschlägt.
Er wünscht uns eine gute Nacht und erinnert noch mal ans Frühstück, dann legt er auf. Ich mag seine Eltern jetzt schon sehr und jetzt kann ich auch einigermaßen beruhigt einschlafen.
Gefühlte zwanzig Minuten später geht der Wecker und kurz drauf kommt Paolo, um zu gucken, dass ich auch aufstehe.
Er ist morgens der Fittere von uns beiden, schnell munter und meist gut gelaunt, ich brauche immer etwas Anlaufzeit und starken Kaffee, um in die Gänge zu kommen. Deshalb ist Paolo immer lange vor mir fertig, macht das Frühstück und Brote und Kaffee für auf die Arbeit und wenn ich dann endlich fertig komme, ist bereits alles gemacht.
Als Ausgleich mache ich dann immer Abendbrot, koche und gehe in den nahe gelegenen Markt einkaufen, so dass Paolo der ja körperlich schwerer arbeiten muss als ich, abends duschen und sich erholen kann in der Zeit, in der ich mich um unsere Ernährung kümmere.
Nach einem kurzen Frühstück, eher für Paolo als für mich, fahren wir nach Bremen, holen unterwegs den Wilfried ab und Paolo lässt mich bei Schroers aus steigen, bevor er mit seinem Kollegen zur Arbeit fährt. Schroers haben ein Einfamilienhaus, hübsch und gar nicht klein, mit ein bisschen Garten rundum in einem Vorort, am Weidenröschenkamp, das ist gar nicht so weit von Jeromes Baustelle in dem Industriegebiet „In den Hufen“ weg.
Ulf öffnet mir nach meinem klingeln und reicht mir zur Begrüßung die Hand.

„Schön das du da bist, mein Junge“, sagt er und geht dann mit mir ins Esszimmer, wo Irene den Frühstückstisch gedeckt hat.

Auch sie gibt mir zur Begrüßung die Hand und streicht mit der anderen durch meine Locken.

„Solche Haare müsste man haben“, sagt sie und dann fragt sie mich, ob ich wenigstens schlafen konnte.

„Nach dem Anruf bin ich eingeschlafen, vorher nicht“, sag ich.

Auf dem Tisch steht alles was man für ein gutes Frühstück braucht und der Kaffee duftet fein. Die Brötchen sind noch etwas warm und ihr Duft macht Appetit.

„Greif zu, Enrico“, sagt Irene, „Fühl dich hier wie zu Hause.“

Das geht mit gut ab und ich bedanke mich und mache mir dann ein Brötchen mit… na, ja, dem braunen Zeugs, ihr wisst schon. Ulf schenkt mir Kaffee ein und dann wird erst mal gemampft.

„Ich habe schon mit dem diensthabenden Arzt gesprochen“, sagt Ulf jetzt, „Noahs Nacht war gut, Fieber ist fast ganz runter und er hat auch gut geschlafen. Er kommt gleich wieder zu Rolf ins Zimmer und dort könnt ihr beiden ihn nachher besuchen. Irene fährt dich dann pünktlich zur Arbeit. Ich werde dann am Nachmittag hinfahren. Noah werde ich ein Eis mit bringen und Rolf einen leckeren Milchshake, dann haben sie beide Mal ein bisschen Abwechslung.“

„Gut, das es jetzt besser geht“, sag ich, „und die Idee mit Eis und Shake ist gut, weil ja Rolf dann auch was hat. Noah hatte eigentlich vor abends mal Nudeln oder Pizza zu bestellen, aber aus Solidarität mit Rolf, der das ja nicht essen kann, hat er auch darauf verzichtet.“

„Nun, das können wir ja noch nach holen“, sagt Irene, „wenn Rolfs Draht mal raus ist, werden wir was bestellen.“

„Ich möchte, wenn Noah wieder zu Hause ist, mal für euch kochen, wenn du mich in deine Küche lässt“, sag ich zu Irene, „so richtig italienisch, mit allem drum und dran.“

„Das klingt gut“, meint sie, „wenn du alles wieder sauber machst, ist das OK. Wenn Ulf mal mit Noah kocht, dann sieht es hinterher aus, wie in einem Handgranatenwurfstand, so nennt Ulf den Zustand der Küche dann immer.“

Ich grinse, schau zu Ulf und der zwinkert mir zu. Ich hole mir noch ein Brötchen aus dem Korb und Ulf schenkt mir noch Kaffee nach. Ulfs Handy klingelt und er nimmt den Anruf an, es ist Jerome, der sich nach Noahs Befinden erkundigt.

Jerome

Die Nachricht von Noahs Komplikationen sehen wir erst nach dem Aufstehen auf dem Handy und sogleich rufe ich bei Ulf an. Der schildert kurz was war in der Nacht und das es jetzt wohl besser ist.
Er sitzt mit Irene und Rico beim Frühstück und erzählt, dass Paolo und Enrico heute Nacht auch in der Klinik waren. Die Freude darüber erkenne ich an seiner Stimme. Ich denke, Enrico ist jetzt als Schwiegersohn in Lauerstellung voll akzeptiert und das ist auch gut so.
Die Zwillinge sind echt OK und so wie es aussieht, wird ja Paolo jetzt hier bei Natascha aufschlagen und dann wohl auch ihr Gärtchen beackern……grins und den von mir geschenkten Sumsemann aufs Abstellgleis verbannen. Natascha, meine süße kleine Schwester wird bestimmt ganz froh mit Paolo.
Da sie in vielen Dingen so gestrickt ist wie ich, denke ich, wird sie keinen anderen wollen als Paolo, wenn der lieb zu ihr ist und den Eindruck habe ich schon. Sie passen gut zusammen und auch das Verhalten von Mama und Papa in dieser Sache sagt mir, dass die beiden auch so denken wie ich.
Mir soll es recht sein, wenn mein Schwesterchen glücklich ist und Paolo auch.
Sergej und ich sind jetzt angezogen und gehen runter zum Frühstück. Danach geht es dann mit Martin und Kai nach Bremen.
Wir treffen uns mit Wolfi und ziehen Volkers Sachen um nach Bremerhaven, weg von den lästigen Zeugen Jehovas, die Volker und seiner Freundin das Leben schwer machen.
Sergej und ich werden mit dem Kombi fahren und Kai und Martin mit dem Lkw, den die beiden gleich abholen werden.
Da sind dann wohl auch Decken und Gurte drin in dem Auto, so wie das bei dem Umzug der Zwillinge auch war. Frau Gut hat den Tisch im Esszimmer gedeckt und Mama und Natascha sitzen bereits kauend am Tisch, Papa wird schon unterwegs sein oder schon in der Firma. Wolfi ruft an und fragt, was mit Noah ist.
Auch er und Kevin hatten heute beim Aufstehen eine SMS auf dem Handy. Ich erzähle kurz, was war und sehe an Mamas Gesicht, dass sie davon wohl noch nichts wusste. Auch Natascha war wohl ahnungslos und nach dem ich mit Wolfis Anruf Schluss gemacht habe, erzähle ich den beiden von den nächtlichen Ereignissen.
Mama will nach her mal gleich mit Papa und Irene telefonieren, obwohl Papa mittlerweile wohl schon von Ulf informiert worden ist. Martin kommt irgendwann und mahnt zum Aufbruch, Sergej und ich trinken die Tassen leer und machen uns auf den Weg nach Bremen, Wolfi wird schon dort sein, er hat den Schlüssel von Volker bekommen und will dort auf uns warten.

Kevin

Nach dem Aufstehen und der Morgentoilette sitzen wir jetzt mit Wolfis Eltern beim Frühstück und starten mit Kaffee und Brötchen in den Freitag. Wolfi bringt mich nachher ins Hilton und fährt dann zu Volkers Wohnung, während der im Hörsaal sitzt und für Wolfi mit schreibt.
Ab heute Abend wohnen Volker und seine Freundin dann in der Nähe von Paolo und Enrico in Bremerhaven und sie hoffen beide, dass sie dann Ruhe vor diesen Zeugen haben. Ich muss sehen, wer mich heute zum Feierabend abholt oder vielleicht muss ich ja auch mit dem Zug fahren, was ich aber eher nicht glaube.
Torsten und Rolf schicken wir beide eine SMS mit Glückwünschen zum Geburtstag und Rolf schreibt uns zurück, dass Noah jetzt wieder auf das Zimmer zu Rolf gebracht worden ist. Wolfi erzählt seinen Eltern von den Komplikationen und das es jetzt wohl wieder besser geht. Wolfis Mama leidet immer mit, wenn jemand was hat und sie ist froh, dass es für die beiden Jungs nicht so schlimm ausgegangen ist.
Sein Papa erkundigt sich nach dem Unfallfahrer. Wolfi erzählt kurz von dem jungen Mann und von seinem Auftritt beim Almauftrieb, wo er sich gegen die Verkuppelungsversuche des vorlauten Heinis zur Wehr setzen musste.
Jerome hat erzählt, dass die Eltern von ihm ein sehr großzügiges Schmerzensgeld in Aussicht gestellt haben, wenn die beiden Jungs auf eine Klage wegen Körperverletzung verzichten, so dass er nur wegen Unfallflucht bestraft werden würde.
Noahs Eltern wollen wohl erst mal mit den Jungs und auch mit Rolfs Mutter darüber beraten.
Zwei Nutellabrötchen habe ich gefuttert, Wolfi nur eins, aber ich bin ja noch am wachsen, sagt Martin immer, ich muss halt mehr essen als mein Schatz, der mit zwei und zwanzig ja ausgewachsen ist und nicht mehr so viel essen muss.
Ich muss grinsen, bei den Gedanken, Wolfi ist ein süßer Twink, eine echte, verdammt hübsche Sahneschnitte, an ihm hat alles die richtigen Proportionen für meinen Geschmack. Mit gerade mal zwei und sechzig Kilo, die er wiegt, kann ich ihn locker hoch heben und wenn ich ihm genau gerade in die Augen sehen will, mache ich das auch.
Dann hängt er immer mit den Füßen in der Luft. Ich bin jetzt etwa zehn Zentimeter größer als er und auch zwölf Kilo schwerer, aber auch eher immer noch Twink anstatt zu athletisch gebaut. Alle sagen, wir passen gut zueinander und auch sonst ist ja alles einfach perfekt.
Wir lieben uns sehr und sind glücklich darüber, dass uns das Schicksal zusammengeführt hat. Ich will niemanden anders als nur ihn und er wohl auch nur mich. Einen Nutellakuss später wird es Zeit, dass wir uns fertig machen und auch sein Papa muss gleich los zur Arbeit.
Mit dem Skoda sind wir vierzig Minuten später am Hilton und nach einem etwas längeren Abschiedskuss fährt er los, zu Volkers Wohnung und ich trete meinen Dienst an. Morgen und Sonntag habe ich frei, da haben wir mehr Zeit für uns, die wir auch nutzen wollen.
Das mit der Ausstellung ist alles vorbereitet. Auch sonst steht außer einem Essen mit fast allen in dieser Schleuse am Samstag gegen Abend, so als interne Prüfungsfeier für alle, die Abi oder Prüfung nach der Ausbildung gemacht haben, nichts an und der Empfang der Japaner am Flughafen am Sonntag der findet ohne uns statt, da sind wir nicht gefordert.
Erst am Montagmorgen, Carl August hat mir frei geholt, wenn die Ausstellung eröffnet wird, dann sind Schatzi und ich auf jeden Fall dabei, im Anzug versteht sich. Wir wollen schließlich Eindruck schinden bei den Japsen, das wäre doch gelacht, wenn uns das nicht gelingen würde.
Wolfi hat geschwärmt unterwegs von der Ausstellung, hat Lis und Frank sehr gelobt für die tolle Anordnung der Bilder und findet, dass alles sehr gelungen ist, was die beiden da gemacht haben.
Umgezogen melde ich mich beim Portier, der mir leider eine sehr schlimme Nachricht übermittelt. Der ältere Herr, von dem Ehepaar mit dem Pudel, ist in der vergangenen Nacht plötzlich verstorben.
Die Frau ist mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus gekommen und der Hund ist zur Zeit allein auf dem Zimmer. Da es sich um Dauergäste handelt, geht er davon aus, dass die Frau in den nächsten Tagen zurück kommt und auch weiterhin bei uns wohnen wird.
Ich soll mich jetzt erst mal um den Hund kümmern, weil dieser mich ja gut kennt und soll mir überlegen, wo ich den Hund bis zur Rückkehr der Frau unterbringen kann. Am liebsten wäre es dem Portier, wenn ich den Fiffi mit nach Hause nehmen könnte, aber das muss ich wohl erst mal mit Martin und Kai bereden.
Ich geh hoch in das Zimmer und muss ständig an den Mann denken, der zwar alt, aber gestern noch relativ munter war und ich hätte nie gedacht, dass er sterben könnte, dazu war er eigentlich viel zu fit noch und er war ja auch nicht krank.
Jetzt liegt er irgendwo Tod in einer Kühlbox und seine Frau in der Klinik. Als ich in das Zimmer komme, kommt der Kleine winselnd angelaufen und ich nehme ihn hoch und setze mich mit ihm auf die Couch.
Nach intensivem streicheln ist er ruhiger geworden und ich steh auf mit ihm und nehme die Leine. Auf dem Arm trage ich ihn bis in die Lobby und setze ihn dort auf den Boden und leine ihn an.
Ich winke dem Portier zu, der nickt zurück und dann gehe ich mit dem Kleinen Gassi, eine große Runde und Futter kaufen wir auch unterwegs. Ich bin traurig und auch erschrocken über die Plötzlichkeit des Todes, gestern war ihm noch nichts an zu merken, jetzt ist er schon kalt und steif, einfach so und lässt Frau und Hund zurück.
Für ihn bestimmt ein schöner Tod, so über Nacht, im Schlaf, ohne Angst und Schmerzen. Für sie schlimm, so abrupt, kompromisslos, einfach weg. Ich konnte ihn sehr gut leiden, er war immer nett und gut zu mir, nie ein böses Wort, nie gemeckert, einfach lieb, der Opa.
Nun ist sie mit dem Hund allein, zurzeit ganz allein im Klinikum Mitte, da wo auch Noah und Wolfi liegen. Wir werden später hin fahren, Rolf gratulieren, dann werde ich sie besuchen und ihr sagen, dass ich mich um den Fiffi kümmere bis sie wieder kommt und auch was besorgen kann, wenn sie was braucht.
Als wir zurück kommen, sucht der Hund sein Herrchen und auch sein Frauchen in der Wohnung, er schnüffelt überall und miefert, als er niemanden findet. Ich nehme ihn auf den Arm und setze mich mit ihm auf die Couch, streichele ihn und lenke ihn ab.
Nach etwa zehn Minuten hat er sich ziemlich beruhigt und ich stehe mit ihm auf. Ich setzte ihn an seinem Fressnapf ab und fülle diesen mit Futter. Er frisst aber nur, wenn ich bei ihm bleibe und ihn streichele. Wenn ich aufstehe und weg gehen will, hört er auf zu fressen und will mir nach. Ich setze mich zu ihm auf den Boden und streichle sein Fell so lange, bis er aufhört zu fressen.
Es ist halb Elf und ich hole mein Handy raus und rufe Martin an, der sich nach dreimal klingeln dann auch meldet.

Da er meine Nummer kennt, fragt er: „Was will mein Sohn denn schon so früh von mir?“

Ein Glücksgefühl macht sich in mir breit, was habe ich doch für eine Sonne gehabt, dass ich diesen Mann in Dresden getroffen habe oder besser, er mich. Von diesem Zeitpunkt an hat sich mein bis dahin eher bescheidenes Leben kontinuierlich in einen Traum verwandelt, hat mich mit Glück, Freunden, zwei tollen Vätern und vor allem mit dem besten Freund der Welt, meiner großen Liebe Wolfi, förmlich überrollt und zu einem glücklichen Menschen gemacht.

„Es gibt ein Problem“, sage ich, „ich habe doch des Öfteren von dem Ehepaar mit dem süßen Pudel erzählt. Der alte Mann ist heute Nacht verstorben und seine Frau hat daraufhin einen Nervenzusammenbruch bekommen und liegt im Klinikum Mitte. Das Hundchen ist allein und ich bin wohl der Einzige, den er kennt und dem er vertraut. Ich wollte fragen, ob ich ihn mit zu uns nach Hause bringen kann, bis die alte Dame aus dem Krankenhaus kommt. Das kann allerdings ein paar Tage dauern, sagt der Portier.“

Martin räuspert sich und sagt, dass es ihm leid tut und sagt dann, dass er zuerst Lis oder Carl August fragen muss, ob das mit dem Hund im Haus OK ist. Er will das gleich machen und mich dann zurück rufen.
Ich rufe vom Zimmer aus den Portier an und berichte kurz, wie es bisher war und das der Hund leidet, wenn ich ihn alleine lasse. Da im Moment wohl nicht so viel zu tun ist, erlaubt er, dass ich erst mal beim Hundchen bleiben darf.
Diese Lösung erscheint mir im Augenblick die Richtige zu sein, ich ziehe die Schuhe aus, lege mich auf die Couch und hol den Hund auf meinen Bauch. Da macht er sich lang und schließt die Augen, während meine Finger ihn unentwegt im Nacken kraulen.
Er atmet ruhig und ich auch, wir dösen beide ein bisschen, so lange bis mein Handy geht.
Es ist Martin mit der Botschaft, dass ich den Fiffi mit nach Hause bringen darf und das mich jemand, wahrscheinlich Wolfi, zum Feierabend abholen kommt.
Das ist gut, wir müssen ja alles Zeug für den Hund mitnehmen, sein Körbchen, Spielzeug und auch Futter und die Näpfe für Futter und Wasser. Auch die Leine und die Kackbeutel mit der Schüppe müssen mit.
Ich teile dem Portier mit, dass ich den Hund und seine Sachen mit zu mir nehme und auch die alte Dame im Klinikum noch besuchen gehe, später weil wir ja so wie so dorthin fahren.
Damit ist er die Sorge um den Fiffi ja recht elegant los geworden, was ihn sicher freut, aber auch mir fällt keine bessere Lösung ein.
Ich hole das Hundekörbchen auf die Couch, lege den Kleinen dort hinein und streichele ihn solange, bis er schläft. Lang allein kann ich ihn wohl nicht lassen, aber runter zum Portier will ich jetzt trotzdem mal gehen. Vielleicht schläft der Fiffi ja solange, schön wäre es auf jeden Fall.

Wolfi

Nach dem ich Kevin abgesetzt habe, fahre ich in die WG, wo Volker mit seinem Schätzchen wohl heute das letzte Mal übernachtet hat. Er hat gesagt, das heute Morgen niemand dort sein wird außer uns und das wir freie Bahn haben bei dem kleinen Umzug.
Er hat auch gesagt, dass sie in der WG schon einen Nachmieter gefunden haben, der aber erst zum ersten Juli dort einziehen wird. In dem Zimmer stehen etwa zehn Kartons mit Sachen, sowie diverse Möbel, die Volker alle mit hergebracht hat.
Das Bett ist abgebaut und bereit zum verladen, die zwei Ikea-Kleiderschränke können wir zusammen gebaut runter tragen, die sind nicht so groß und schwer. Martin und Kai werden das wohl übernehmen. Das Treppenhaus ist in jedem Fall groß genug und in der neuen Wohnung geht das auch im Ganzen nach oben.
Um halb neun kommen die anderen mit dem Auto und wir legen gleich los. Die Kartons, die nicht so schwer waren, habe ich schon nach unten in den Flur getragen. Die mit Büchern und schwereren Sachen müssen mit zwei Leuten getragen werden.
Jetzt geht es zügig voran, Kai und Martin schleppen das meiste, so als hätten sie immer nur Möbel transportiert. Um kurz nach zehn ist alles verstaut und wir können losfahren nach Bremerhaven. Martin erzählt uns noch von Kevins Anruf und sagt, dass der Kleine einen Hund mitbringen wird für ein paar Tage.
Nun sind wir natürlich alle gespannt auf den Hund und jeder macht sich so seine Gedanken dazu. In der neuen Wohnung stehen schon Möbelteile, die wohl von Verwandten von Volker und seinen Eltern dorthin gebracht wurden.
Sogar eine kleine Küchenzeile ist montiert und es sieht gar nicht mehr so trist aus. Wir tragen nacheinander die Sachen nach oben in den ersten Stock, das ist dann nicht gerade so schlimm, als wenn es der Vierte wäre.
Während wir arbeiten, erscheint ein Mann, der sich als Volkers Vater vorstellt und der noch Lampen montieren will. Er begrüßt uns sehr nett und bedankt sich, dass wir seinem Sohn und dessen Freundin helfen und auch die Wohnung so schnell besorgt haben.
Er ist froh, dass die Beiden jetzt hier in Bremerhaven wohnen, da haben er und seine Frau nicht so weit und umgekehrt, sie wohnen im selben Ort, wie Franks Eltern, in Nordenham auf der anderen Weserseite.
Kevin und das Hundchen gehen mir nicht mehr aus dem Sinn, das muss der Hund sein, den er immer Gassi führt und dabei das Futter kauft. Hoffentlich geht ihm der Tod des älteren Herren nicht so aufs Gemüt, nächste Woche haben wir ja auch noch einen längeren Friedhofsaufenthalt vor uns, wenn seine Mama hier beigesetzt wird.
Ich werde ihn nach her abholen und dann fahren wir kurz zu Rolf und Noah in die Klinik, sehen was Noah macht nach den Komplikationen und Rolf gratulieren, er wird heute sechzehn, der Furzknoten übrigens auch, dem wir alle gesimst haben.
Wir helfen noch ein bisschen beim Möbelrücken, Martin und Kai bringen den LKW weg und Sergej und Jerome fahren heim. Ich gehe zum Auto und hole drei Bilder, die ich für Volker und sein Schätzchen zum Einzug gerahmt habe.
Motive aus dem Wattenmeer in bunt diesmal. Die Zwei müssten eigentlich bald kommen, aber ich muss jetzt los Kevin abholen. Die Bilder gebe ich seinem Vater und sage ihn, dass das mein und Kevins Geschenk zum Einzug ist.
Dann verabschiede ich mich und fahre los.

Kevin

Lange hat der Fiffi nicht geschlafen und als ich nach ihm schaue, springt er bellend und winselnd an mir hoch. Der Portier hat gesagt, ich soll ihn an die Leine nehmen und mit ihm raus gehen, bis meine Schicht zu Ende ist.
Das mach ich doch gern und mit ein paar Hundekuchen, einem Kackbeutel und der Schüppe in einer Tragetasche mache ich mich mit dem Hund auf den Weg ins Freie, raus an die warme Sommerluft.
Bis zwei Uhr sind es noch gut ein einhalb Stunden, da kann man schon ein bisschen laufen.
Wir gehen nach links, die Böttcherstraße runter, unter der Martinistrasse hindurch an die Weser und dort auf dem Uferweg in Richtung Weser abwärts, hier kann man toll spazieren gehen.
Ich trau mich aber nicht Fiffi von der Leine zu lassen, aber da das so eine Leine auf der Rolle ist, hat er mit sieben Meter Leine ja auch genug Platz zum Laufen und natürlich zum schnüffeln, schnuppern halt wer schon vor ihm hier hin gepinkelt oder geschissen hat.
Viele Hundehalter lassen die Kacke einfach liegen und da wo es grün ist in der Stadt, ist es besonders häufig. Ich finde das nicht OK und ich sammle seine Köttel immer schön ein.
Wir laufen bis zur Stefanibrücke, dann kehren wir um und sind pünktlich, zum Schichtende wieder im Hotel, wo Wolfi bereits wartet.
Das trifft sich gut, muss ich doch noch mal hoch und die Hundesachen zu holen, wenn wir ihn jetzt mit zu uns nehmen. Nach einem schnellen Begrüßungskuss, gebe ich Wolfi die Leine und laufe schnell nach oben. Das Körbchen, das Fressen und sonstige Dinge wie Spielzeug, Kamm und Bürste und auch Kackbeutel und Schüppe packe ich zusammen und trage es runter und dort ins Auto.

„Ich geh mich noch schnell umziehen und sag Bescheid, das alles OK ist, dann können wir los“, sag ich zu Wolfi, der mit dem Fiffi an der Leine am Auto steht und auf mich wartet.

Der Portier ist sichtlich froh, dass die Hundefrage gelöst ist und er sagt: „Du hast jetzt was gut bei mir Kevin, dafür dass du das Hundchen betreust, bis Frau Wörner wieder aus dem Krankenhaus kommt.“

„Ist schon OK“, sag ich, „ich mach das gern. Ich mag die Leute und auch den Hund und zuhause haben sie auch nichts dagegen. Tschüss bis morgen.“

„Du darfst eine Stunde später kommen, du musst ja schon früh mit dem Hund raus, als Ausgleich“, ruft er mir nach.

Schön, das ist doch schon was. Der Fiffi bellt und wedelt mit dem Schwanz, als ich zum Auto komme. Im Auto nehme ich ihn auf den Schoss, gepinkelt und gekackt hat er ja, da dürfte nichts passieren, aber sicher ist sicher, denk ich.
Jerome wäre bestimmt sauer, wenn er auf die Polster pullern würde vor Aufregung, denn Auto ist er ja eher selten gefahren und wenn dann mit Herrchen und Frauchen im Taxi.
Wolfi fährt los und es ist alles easy mit Fiffi, ab zur Klinik.

Rolf

Seinen sechzehnten Geburtstag mit verdrahtetem Mund im Krankenhaus zu verbringen, anstatt mit seinem neuen Roller durch die Gegend zu brettern, das ist schon öde und daran hat auch der von Paul mit Liebe herbeigeführte Orgasmus nur kurzfristig was geändert.
Zuerst nach dem Waschen, heute Morgen durch Janus, kam Noah wieder zurück ins Zimmer. Er war ziemlich munter, Chris hat ihn gebracht und Noah gratulierte mir während des Reinfahrens laut zum Sechzehnten.
Ich weiß nicht was mich mehr gefreut hat, die ersten Glückwünsche des Tages oder die Tatsache ihn munter und nun auch wieder bei mir auf dem Zimmer zu haben. Er hat noch zwei Flaschen anhängen, eine wohl mit Antibiotikum.
Chris gratulierte mir dann auch zum Geburtstag, bevor er das Zimmer verließ und wir allein waren. Gegen Neun kam der Chef und untersuchte Noah kurz, fragte ihn ein wenig aus und kam dann zu mir, um mir zu gratulieren.
Er fand ein paar tröstende Worte zu meiner Lage am Geburtstag und machte mir ein wenig Mut mit der Ankündigung, eventuell am Freitag der nächsten Woche die Drähte zu entfernen. Das war zwar mal was, aber so richtig vom Hocker riss mich das jetzt auch nicht gerade und das merkte er mir wohl auch an.
Er ging dann auch gleich wieder. Mama und auch Lena haben schon früh geschrieben und gratuliert und auch Glückwünsche von Opa und Oma übermittelt. Weitere SMS kommen von fast allen Freunden und ich bin erstaunt, dass aus den Bekanntschaften in der kurzen Zeit richtige Freundschaften geworden sind, obwohl ich ja alle noch gar nicht so gut kennengelernt habe, von Noah, Rico und vor allem Paul mal abgesehen.
Das wird sich wohl im Laufe der nächsten Wochen ändern, denke ich, alle sind jedenfalls bemüht und schwer in Ordnung, finde ich und wenn die alle im August nach Bremen ziehen, dann wird alles eh noch einfacher.
Mama, Lena und die Großeltern werden heute Nachmittag auf jeden Fall kommen und Paul wird wohl bleiben, bis Rico von Paolo nach Hause gebracht wird.

Kevin

An der Klinik angekommen, überlegen wir, wie wir das jetzt am besten machen mit Fiffi und dem Besuch bei Rolf und ich auch noch kurz bei der Frau Wörner. Im Auto wollen wir den Fiffi nicht lassen, erstens, weil es da zu warm wird und auch so lass ich ihn jetzt nicht gern allein.
Wir stehen noch da und beraten uns, wie wir vorgehen wollen, als ein Roller auf den Parkplatz biegt und dann direkt neben uns anhält. Der Motor geht aus und dann werden zwei Helme nach oben geschoben.

„Tadaa“, sagt Torsten und strahlt uns an und die zweite Person ist Sigrid, die jetzt ebenfalls den Helm abgenommen hat.

Wir gratulieren ihm zum Geburtstag, begrüßen Sigrid und bewundern dann gebührend den Roller, den sein Vater echt gut zurecht gemacht hat.

„Geile Karre“, sag ich und er strahlt „Manchmal ist der Alte echt zu gebrauchen“, sagt er, „die Karre hat er echt geil hingekriegt. Der geht auch ab wie eine Sau.“

„Wollt ihr auch kurz zu Rolf zum gratulieren?“, fragt Sigrid.

„Auch“, sag ich, „ich muss aber noch jemanden besuchen.“

Ich erzähle beiden kurz um was es geht.

Sigrid meint: „Ihr geht zuerst zu Rolf, wir, Torsten und ich gehen in der Zeit eine Runde mit dem Hund und dann kann Wolfi mit ihm gehen, wenn du die Frau besuchst. Dann gehen wir zu Rolf, gratulieren.“

„Perfekt, Sigrid, du bist genial“, sag ich und mache den Fiffi an die Leine.

Wolfi holt den Saft, den wir für Rolf gekauft haben und dann gehen wir hoch. Vorher frage ich an der Rezeption, auf welchem Zimmer Frau Wörner liegt.

„Auf Zimmer Nummer vierhundert zwölf“, sagt mir die freundliche Dame an der Rezeption.
Auf Rolfs und Noahs Zimmer ist Betrieb, Rolfs ganze Familie ist da und wir beide gratulieren kurz und gehen auch noch kurz zu Noah ans Bett.
Dem scheint es wieder besser zu gehen und er erzählt kurz, was los war. Dann verabschieden wir uns von allen und Wolfi geht zum Auto und dann mit Fiffi. Ich fahre in den vierten Stock und suche das Zimmer von Frau Wörner.
Ein schwaches „Herein“ ertönt auf mein klopfen und ich gehe hinein. Bleich liegt sie auf dem Bett, aber als sie mich erkennt, huscht ein Lächeln auf ihre Lippen.

„Kevin, Junge, das ist aber schön, das du mich besuchen kommst, ich bin furchtbar allein und sehr traurig. Was macht unser Fiffi, wie geht es ihm?“, will sie wissen.

„Mein Freund geht unten mit ihm spazieren und wir nehmen ihn mit zu uns, bis sie wieder in ihr Zimmer zurück kommen“, sag ich.

„Das ist so lieb von Dir Kevin, dass du dich um ihn kümmerst, er kann ja nicht allein bleiben und dich mag er sehr“, sagt sie.

Sie setzt sich auf, sagt: „Komm bitte mal her zu mir, zieh mal die Schublade auf, da ist mein Portemonnaie drin, gib mir das mal.“

Sie macht das Teil auf, nach dem ich es ihr gegeben habe und nimmt einen Zettel heraus, den sie dann auseinander faltet.

„Hast du so ein Handy?“, fragt sie mich und als ich nicke, hält sie mir den Zettel hin.

„Wähle mal diese Nummer und wenn einer dran ist, gib mir das Ding.“

Ich wähle und nach dreimal läuten meldet sich eine dunkle Männerstimme: „Kanzlei Ottmar Wagner, was kann ich für sie tun?“

„Moment bitte, ich übergebe das Telefon an Frau Wörner“, sag ich und reiche ihr das Handy

„Hier spricht Marlies Wörner, ich hätte gern Herrn Wagner Senior gesprochen…..Danke. Hallo, Ottmar, bist du das? Hier ist Marlies Wörner, ich brauche dringend deine Hilfe. Werner ist heute Nacht verstorben…………Danke…….ja, ganz plötzlich. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und bin im Klinikum Mitte, Zimmer vierhundert zwölf. Kannst du bitte kommen, du musst alles regeln für mich… Der Hund? Ja, der wird von unserem Hotelpagen Kevin betreut, der immer mit Fiffi Gassi war und spazieren… Wie heißt du mit Nachnamen, Kevin?“, fragt sie mich jetzt.

„Balzer heiße ich, Kevin Balzer“, sag ich und sie redet weiter mit Herrn Wagner.

„Also der Kevin Balzer, der nimmt Fiffi mit nach Hause und kümmert sich um ihn, solange ich hier liege“, sagt sie, „du musst im Hotel anrufen und fragen, wo Werners Leichnam ist, er wollte auf jeden Fall eine Seebestattung, kümmere dich bitte darum. Wann es gemacht wird, hängt davon ab, wie lange ich hier bleiben muss. Wenn du kommst, wegen mir auch erst morgen, bring alle unsere Unterlagen mit, bitte…..ja, das auch. Gut, Ottmar, dann erst mal danke und dann bis morgen.“

Sie gibt mir das Handy zurück und sagt dann: „Er kommt erst morgen, Kevin erzähl mir ein bisschen von Dir, du hast gesagt, du hast einen Freund?“

„Ja sagte ich, ich bin schwul und hoffe, es stört sie nicht“, sag ich.

„Nicht im Geringsten. Hauptsache, du bist glücklich“, sagt sie und lächelt zum ersten mal richtig, seit ich da bin.

Ich erzähle ihr aus meinem Leben, in den Heimen, von Dresden und auch von Berger, von Martin, Jerome und Sergej, von Lis, einfach von allem und wie glücklich ich jetzt bin. Mein Handy geht und Wolfi fragt, ob ich heute noch mal komme und dass der Hund wohl auch Hunger hat.

„Ich komme gleich runter“, sag ich und lege auf.

„Geh nur, gib Fiffi einen Kuss von mir und lass ihn nicht in dein Bett sonst kriegst du ihn nicht mehr raus da“, sagt sie, „und jetzt geh, mein Junge. Komm morgen bitte wieder.“

Nachdenklich fahre ich nach unten, sie ist so eine nette alte Dame und jetzt so allein.

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2 Kommentare

  1. Hallo Niff,

    es geht spannend weiter. Viel Aufregung um Noah.
    Sehr gelungen.
    Und Glückwunsch zur 60. Folge!

    Viele Grüße
    Claus

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    • Smiley auf 12. Januar 2016 bei 19:46
    • Antworten

    Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn ich sehen, dass ein neuer Teil online ist. Es bringt Spaß, deine Geschichte zu lesen.

    Gruß Smiley.

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