Traumschiff – Teil 78

See…..Stadt…..Flussfahrt……Dresden……..Berliner Luft.

Ich freue mich immer sehr über Reviews hier, aber auch über die Kommentare von der Seite “Pitstories”, wo die Geschichte auch zu lesen ist. Ich denke, das jeder Leser oder die meisten, einen der Charaktere besonders mag und immer von neuem hofft, möglichst viel von

diesem zu lesen. Das freut mich, aber bei der Vielzahl der Leute sind nicht immer alle in jedem Kapitel gegenwärtig und kommen zu Wort. Das ist halt so, hängt auch davon ab, was denn gerade passiert in der Story.
Ole ist zum Beispiel einer der Hauptcharaktere und wird auch von den Lesern als solcher gesehen. Dass er zurzeit etwas im Hintergrund wirkt, entspricht aber durchaus seiner Art und wenn es dann in die WG geht, wird er dort mit Sicherheit auch wieder mehr in den Vordergrund treten.
Also, liebe Ole-Fans, ein bisschen Geduld, er kommt wieder mehr zum Tragen, der gute Junge. Ich mag sie alle und kann hoffentlich noch viel über sie erzählen.

Jerome

Der Hafen liegt nun achteraus, wie der Seemann für „hinter uns“ sagt. Früher, als wir öfter mal mit dem Schiff unterwegs waren, waren Natascha und ich oft bei Kapitän Sundermann auf der Brücke, von dort aus führt man das Schiff und hat einen Überblick über das Ganze. Darunter, durch eine Treppe verbunden, ist der Leitstand, dort werden die Befehle des Käptn´s umgesetzt. Jetzt, nach dem wir raus sind aus dem Hafen, der Grauwallkanal liegt an Steuerbord, gehe ich mit Sergej zur Brücke, die man auch von achtern über einen Aufgang betreten kann. Die Türe steht auf und ich rufe von unten: „Zwei Mann auf Brücke?“ Als von oben ein; „Ai Ai“ kommt, gehen wir hoch und betreten das Heiligtum des Kapitäns. Der gibt gerade ein neues Kommando an den Leitstand: „Maschine dreiviertel voraus, beide voraus zehn.“ Das Vibrieren wird etwas stärker und das Schiff nimmt reichlich Fahrt auf.
Die Brücke ist normal für Passagiere nicht zugänglich und nur mit Genehmigung des “Dienst habenden Schiffsführers“, das ist immer der, der gerade das Kommando hat, zum Beispiel der Steuermann, wenn der Käpt´n schläft, darf man sie betreten.
Oben angekommen, begrüße ich den mir seit vier Jahren bekannten Kapitän Sundermann und stelle ihm Sergej als meinen Freund vor. Eine hoch gezogene Augenbraue und ein freundliches Grinsen sind die einzige Reaktion auf meine Vorstellung. Keine Ablehnung oder negative Kommentare, das ist ja schon mal was. Er erkundigt sich nach der Schule, nach Natascha und wie es sonst so läuft und dann sagt er: „Wir haben gehört, du hättest einen üblen Unfall gehabt, das war offensichtlich wohl doch nicht so. Es hieß nämlich, du hättest deine Füße verloren dabei, dem ist ja wohl nun doch nicht so und das freut mich für dich.“
„Sie haben schon richtig gehört“, sage ich und ziehe die Hosenbeine der weiten, luftigen Sommerhose nach oben, „deswegen trage ich auch keine Shorts wie all die anderen Jungs und Mädels.“
Große Augen schauen auf Max und Moritz und dann sagt er: „Man man, dat is ja en Ding“, und er beugt sich runter und fährt mit der Hand an Max entlang und sagt: „Min Jung, dat is ja wat. Dat hätt ich jetzt nich geglövt, du löbst ja perfekt mit de Dinger, wer dat nich wees, der glövt dat nich. Ick bin baff. Dann kumm mo rin mit din Schatz“, sagt er, „zeich em mol alles hier, du kenns dat ja noch, oder?“
„Jo jo“, sag ich, nun auch ins Platt verfallend, „ick wees dat noch.“
Ich erkläre Sergej mit kurzen Worten, was es mit der Brücke so auf sich hat, welche Geräte hier sind, Radar und Sonar und dann werfen wir von oben auch einen Blick in den Leitstand, wo ein Matrose sitzt und die Kommandos des Käptn’s an die Abteilungen weitergibt. Hier ist der Maschinentelegraph und die Hebel zur Schraubenverstellung, mit der die Befehle des Käptn´s ausgeführt werden. Von der Brücke aus kann der Kapitän mit allen Abteilungen sprechen und Kommandos geben.
Der Käpt´n spricht jetzt in eine Art Rohr und sagt: „Der eins WO auf die Brücke“ Als Antwort hören wir: „Ai Ai, Käpt´n.“ und kurz darauf kommt der IWO die Treppe vom Leitstand hoch auf die Brücke. „IWO, übernehmen sie, Kurs zehn Grad, Nord Ost Richtung Brunsbüttel, Hamburg, Maschine dreiviertel, Beide voraus zehn. Ich geh jetzt mit den jungen Leuten rund.“ “Ai Ai“, sagt der IWO, der uns zu nickt. Der Käpt´n spricht wieder in das Rohr, sagt: „Der IWO übernimmt das Kommando“ Dann schaut er uns an, deutet zur Treppe und wir gehen mit ihm runter, zu den Anderen, die alle, außer den Frauen, noch im vorderen Schiffsdrittel an der landseitigen Reling stehen. Als wir dort ankommen, stellen sich alle in einem Kreis um uns rum und warten darauf, was jetzt kommt.
Der Kapitän stellt sich vor und ich stelle die Mädels und Jungs vor. Das dauert etwa zehn Minuten, in denen das Schiff mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch das Nordseewasser pflügt.
Robin fragt den Käpt´n: „Herr Kapitän, wie schnell fährt denn das Schiff überhaupt und wie viel Kilometer pro Stunde fahren wir jetzt?“
„Das Schiff kann maximal 35 Knoten fahren, jetzt fahren wir etwa 25 Knoten, das sind etwa 46 km/h, für ein Schiff schon ganz schön Flott. Das ist so zu sagen unsere Reisegeschwindigkeit hier auf der offenen See. In diesem Tempo sind wir um Mittag vor Brunsbüttel und da fahren wir dann Elbe aufwärts.“ Wir machen jetzt einen Rundgang und schauen uns das an, was wir gestern am späten Nachmittag und frühen Abend noch nicht gesehen haben. Auf dem freien Vorderdeck hat die Besatzung Liegen aufgestellt, die wir nach dem Rundgang zum Sonnenbaden nutzen wollen.
Das große gegenseitige Einschmieren mit Sonnencreme und Blocker beginnt und der ein oder andere legt sich relativ schnell auf den Bauch, warum nur? Sergej hat auch schnell in die Bauchlage gewechselt, bevor das Zelt in der Badeshorts zu auffällig wurde. Grinsend reibe ich seinen Rücken ein. Natascha meint, wo wir doch alle mittlerweile nackt Sauna machen und Schwimmen, könnten wir doch auch nackt sonnen.
Martin meint aber, dass wir da mal lieber eher den Käpt´n um Erlaubnis fragen sollten, von wegen der Besatzung und so. Das wäre dann wohl meine Aufgabe und dazu muss ich die Schwimmweste wieder anziehen, wenn ich die Liege verlasse und zur Brücke gehe. Die meisten haben nichts dagegen und so nehme ich das Orange farbene Teil, ziehe es an und geh zur Brücke. „Mann auf Brücke“, ruf ich nach oben zur offenen Tür. Nach dem obligatorischen „AI Ai“ geh ich hoch. „Was gibt es, Jerome?“ fragt Käpt´n Sundermann. Ich erkläre ihm, das wir bei uns zu Hause in Sauna und Schwimmbad immer FKK machen und Frage, ob wir das hier auch dürfen.
„Also, zum Sonnen und nur auf dem Vorderdeck erlaube ich das“, sagt er. „Wer das Vorderdeck verlässt, zieht die Büx und die Mädels auch obenrum was an. Ich will nicht, dass meine Männer Stielaugen kriegen. Denen werde ich den Besuch des Vorderdecks untersagen. Wenn ihr dort was zum Trinken braucht, ist dann Selbstbedienung angesagt, dein Vater hat so wie so gemeint, das ihr das selber hinkriegt, deshalb ist auch nur ein junger Stewart an Bord, die anderen haben Urlaub.“
Mit dieser Aussage des Käptn´s gehe ich zurück und bald liegen alle nackt da und die vorher textil verdeckten Teile werden auch mit Sonnenblocker behandelt, jeder bei sich, versteht sich. Ein Sonnenbrand im Vergnügungszentrum, das wäre schon Shit. Martin ist runter, um den Frauen und dem Smut beim Vorbereiten des Mittagessen zu helfen. Martin hat gesagt, er geht Botacken drehen, so heißt bei den Seeleuten das Kartoffeln schälen.

Alex Brunner

Robin, den ich zärtlich in bestimmten Situationen manchmal meinen kleinen Maikäfer nenne, es war vor zehn Jahren im Mai, als wir den ersten Kontakt hatten, der hat es faustdick hinter den Ohren. Hat er doch dem Chef von dem Enrico, dem Herrn Meinle oder Markus, wie ich mittlerweile zu ihm sagen darf, einen Platz bei mir zum Mitfahren nach Bremen angeboten und dann konnte ich das ja wohl nicht mehr verwehren.
Da der Markus gar nicht so weit weg wohnt von meiner Wohnung, zwei Straßen weiter, war es ja auch kein Umweg, na ja, und wenn es dann noch so ein ansprechender, hübscher Mann ist, dann macht man es halt gern. Zwei Häuser neben seiner Wohnung ist eine kleine Kneipe und Markus lud mich noch auf einen Drink ein, als Dank fürs Heimfahren.
An einem Zweiertisch in einer Ecke des ganz gut besuchten Lokals fanden wir Platz. Der Wirt, der wohl auch mit bediente, kam zu uns und begrüßte Markus wie einen alten Bekannten und fragte dann, auf mich guckend: „Ein neuer Freund? Wird auch Zeit. Was darf ich euch bringen?“
Markus war rot geworden auf Grund der, wie ich fand, unmöglichen Art, jemanden zu outen, aber dem Wirt war das wohl gar nicht bewusst oder er war der Meinung, dass alle Männer in Markus Begleitung schwul sein müssten.
Zu dem Zeitpunkt vermutete ich, auf Grund verschiedener aufgeschnappter Äußerungen von dem Enrico und auch von Jeromes Freund, dass Herr Meinle, Markus eben auch schwul war. Robin, der das wohl auch vermutete, wollte wohl mal wieder ein bisschen Amor spielen. Dabei wohl vergessend, das wir ja am zweiundzwanzigsten Juni für längere Zeit in die Staaten verschwinden.
Als der Wirt wieder auf dem Weg zur Theke war, meinte Markus: „Auf die Gefahr hin, dass sie mich gleich allein lassen, muss ich sagen, das ich auch schwul bin, so wie viele der Jungs heute Abend, Enrico eingeschlossen, was sie sich nach der Frage des Wirts wohl schon gedacht haben, denke ich.“
„Nun“, sag ich, „ich habe das schon auf Grund der ein oder anderen Äußerung heute Abend bei Remmers vermutet, es macht mir absolut nichts aus, weil, na ja, weil ich auch lieber Männer mag. Robin und Chris und auch wohl einige der Jungs wissen das und das Platzangebot in meinem Auto war nichts anderes als ein von Robin geplantes Verkupplungsmanöver und er würde sich vor Freude die Hände reiben, wenn er uns jetzt hier sehen könnte. Chris und Matze hat er auch mehr oder weniger zusammen gebracht, hat er mir stolz erzählt.“ Ich grinse ihn an und nehme ihm damit den Rest der Verlegenheit und dann grinst er zurück.
Der Wirt bringt unsere Getränke, wir stoßen an und er sagt: „Sag bitte Markus zu mir und ich sage Alex, wenn ich darf. Der Kleine liegt dir wohl sehr am Herzen, so wie er deinen Namen immer ruft. Willst du mir was von ihm erzählen?“
„Na ja, eigentlich bin ich sein Arzt, dürfte nichts sagen, aber die Jungs und Mädels wissen fast alles von ihm und du wirst ja wohl auch alles für dich behalten, oder?“ „Versprochen“, hat er gesagt und dann habe ich von Robin erzählt, von Anfang an, wie er in mein Leben kam, das damals noch glücklich, ja eigentlich perfekt war.
Unser Kampf um das Leben des kleinen Mannes, Nächte langes Wachen, Bangen und Hoffen, die Absagen der Kassen, das Leid der Mutter und die Liebe des Bruders, alles erzählte ich ihm und dann auch von Noah und Chris, dem Gespräch, das Jerome und seine Schwester auf den Plan rief und wie es jetzt weitergeht und das der Kleine bestimmt gesund wird, so wie er zur Zeit drauf ist.
„Heute liebe ich ihn wie einen Sohn, werde ihn nach drüben begleiten und so lange es geht, dort bei ihm bleiben“, sag ich und schau ihn an. Er hat sehr aufmerksam zugehört und sagt jetzt: „Ich finde das toll, das du ihm bei stehst dort drüben, obwohl, dann bist du lange fort. Ich würde dich schon gern etwas näher kennen lernen, du gefällst mir recht gut.“
„Du gefällst mir auch, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass du allein bist, keinen Partner hast, so wie du bist“, sag ich. Sein Gesicht verfinstert sich und er sagt: „Ich hatte bis vor einigen Tagen einen Partner, seit fünfzehn Jahren. Als ich zwei Stunden früher nach Hause kam, hat er in unserem Bett mit jemandem gevögelt und das ging wohl schon längere Zeit.“ „Oh Scheiße, das tut mir leid“, sag ich, „das braucht kein Mensch. Ich bin jetzt fast zwei Jahre allein, mein Freund starb bei einem Verkehrsunfall.“ Meine Stimme versagt und er legt spontan seine Hand auf meine. „Das tut mir leid“, sagt er leise.
Es dauert einen Moment, bis die bösen Geister verfliegen und ich wieder normal reden kann. „Es ist lange her“, sag ich, „aber es tut jedes Mal weh, davon zu reden.“ Ein Blick zur Uhr lässt mich erschrecken, viertel nach zwölf. „Ich weiß nicht, wie es dir geht“, sag ich, „ich muss früh raus, hab zwei OP´s morgen vor Mittag, ich muss jetzt los, muss schlafen gehen.“
„Ich fange diese Woche erst immer um halb elf an, dafür geht es dann bis zehn Uhr“, sagt Markus und er winkt dem Wirt, dass wir zahlen wollen. „Ich würde dich schon gern wieder sehen und dich ein bisschen besser kennenlernen, wenn du das auch möchtest“, sagt er jetzt und schaut mich dabei an. „Gerne“, sag ich, „nur vor dem Wochenende wird es kaum gehen. Ich habe mich für morgen und Mittwoch auf 24 Stundenbereitschaft setzen lassen. Da muss ich in der Klinik bleiben, komm erst Donnerstagabend nach Hause und werde wohl den Freitag verschlafen.“
„Wir könnten Samstag zusammen Frühstücken, im Hilton oder sonst wo, wenn du was anderes weist“, sagt er, „lass uns die Handynummer tauschen, dann machen wir was ab.“ Wir tragen die Nummern des jeweils anderen ins Handy ein, der Wirt erscheint und Markus bezahlt. „Gehst du öfter hier her?“, frag ich ihn beim raus gehen.
„Ein, zwei Mal die Woche war ich mit meinem Ex hier, seltener allein“, sagt er, „es ist halt nicht weit, man braucht kein Auto und er macht sehr gute Hähnchen und auch die Pommes sind gut. Manchmal brauch ich das an Stelle der Haut Cusine´, die wir immer im Hilton anbieten.“ Am Auto verabschieden wir uns per Handschlag und wünschen uns eine gute Nacht. Ich steige ein und er geht auf das Haus zu. Das war das erste Mal, seit mein Schatz verunglückt ist, dass ich mit einem schwulen Mann ein Lokal besucht habe. Es hat mir gefallen, er gefällt mir, der ganze Abend war gut.
Er gefällt mir sogar recht gut, mal sehen, ob und was daraus wird. Da kommt ja doch bald der Abflug nach drüben, wer weiß, ob er überhaupt Interesse für mich entwickelt? Jetzt erst mal ins Bett. Halb Eins schlägt mein Kopf auf das Kissen auf, sechs Uhr geht der Wecker.

Sergej

In der Messe ist der Tisch gedeckt und wir sitzen zum ersten Mal auf dem Schiff beim Mittagessen.
Cuxhaven an Steuerbord, also rechts von uns, haben wir vor einer halben Stunde passiert. Wir sind in der Außenelbe, Kurs Hamburg, Brunsbüttel ist an Backbord vorbei und eben sieht man durch die Fenster das AKW Brokdorf vorbei ziehen. Der Strom macht eine Rechtskurve und dann sieht man Backbord voraus schon Glücksstadt liegen. Bis Hamburg sind es noch etwa fünfzig Kilometer und wir werden wohl dort auch nicht an halten, sondern zügig Elbe aufwärts fahren. Das Essen geht zu Ende, Ole, Frank und Natascha mit Paolo wollen zurück in die Sonne, Tom, Micha, Mike und Dirk schließen sich an und auch Boris und Marianne zieht es wieder auf das Vorderdeck. Kevin und Wolfi helfen beim Abdecken und aufräumen, Chris und Matze bringen Robin in seine Koje, er will und soll auch ein Mittagsschläfchen halten. Jerome und ich wollen noch ein wenig auf die Brücke zu Kapitän Sundermann, von dort hat man die beste Sicht und er erklärt auch gerne, was man vom Schiff aus sehen kann.
Nach dem üblichen Prozedere mit „Zwei Mann auf Brücke“ stehen mein Schatz und ich oben und schauen voraus, wo jetzt der Pagensand wie eine Insel den Fluss teilt, an Backbord ist Schleswig Holstein, an Steuerbord ist Niedersachsen Nach dem Pagensand kommt an Steuerbord Butzfleht, ein großes Industriegebiet. Bei der Ortschaft Wedel an Backbord überqueren wir die Grenze zum Bundesland Hamburg, erklärt uns Herr Sundermann.
Am Neßsand vorbei kommt Steuerbord voraus der Airport Finkenwerder in Sicht, dessen einzige Start und Landebahn bis an den Strom heran reicht. Nun beginnt das Stadt und Hafengebiet Hamburg und auf den Liegen entsteht Bewegung. Einer nach dem Anderen, mit Schwimmweste, versteht sich, steht nun an der Reling und schaut sich diesen gigantischen Hafen und Teile der Stadt an. Gegenüber des Stadtteils Ottensen zweigt die Süderelbe nach Steuerbord ab. Sie führt im Bogen um die Hafenanlagen und die dort liegenden Stadtteile herum.
Wir nehmen den Weg durch die Norderelbe, unter der Freihafenbrücke durch, um dann später beim, Moorwerder Hauptdeich wieder auf die Süderelbe zu treffen, die ab hier wieder zusammen die Elbe bilden.
Der Strom ist hier überall mit hohen Deichen abgegrenzt, die das Umland bei Hochwasser schützen. Um Fünfzehn Uhr dreißig liegt Hamburg achteraus und wir fahren der Stadt Lauenburg entgegen, die wir etwa um achtzehn Uhr dreißig erreichen werden.
Der Schiffsverkehr, der von der Nordsee bis Hamburg noch sehr rege war, hat abgenommen und jetzt sind es fast alles Binnenschiffe, Frachtschiffe überwiegend, die sich den Strom mit uns teilen.
Um achtzehn Uhr finden sich alle wieder in der Messe ein zum Abendessen. Danach wollen wir in Gruppen, in der Messe ein paar Spiele machen, bevor es dann später in die Kojen geht. Matze, Chris und Robin mit Boris und Marianne spielen „SkiBo“, ein interessantes und kurzweiliges Kartenspiel, Jerome, Dirk und Mike und ich, wir haben „Monopoly“ gewählt. Die beiden Frauen und Sigrid, Torsten und Martin spielen Romme während Ole und Frank mit Tom und Micha, so wie Natascha und Paolo „Mensch, ärgere dich nicht“ aus gewählt haben. Es geht recht lustig zu und wir haben viel Spaß dabei und die älteren trinken Bier oder Mixgetränke, die jüngeren was ohne Alkohol, auch Knabberzeug und Gummitiere sind ausreichend auf dem Tisch. Der in der Messe vorhandene große Fernseher findet heute keine Beachtung, vielleicht gucken wir ja morgen einen Film, abends.
Bis Mitternacht will der Kapitän Wittenberge erreichen, wo er eventuell für ein paar Stunden anlegen will. Hinter Hitzacker beginnt die Elbe, in mehr oder weniger großen Schleifen und Bögen dahin zu fließen, die in der Dunkelheit nicht so gut zu fahren sind. Deshalb geht es ab da wohl langsamer in Richtung Dresden. Wenn es bis Mitternacht nicht klappt bis Wittenberge, will er die Nacht durch fahren, an ansonsten würde es dort um sechs Uhr weitergehen.
Um halb Zehn möchte Robin schlafen gehen, man sieht ihm an, dass er müde ist. Alle, auch er haben schon etwas Farbe bekommen und einen ernsthaften Sonnenbrand hat eigentlich niemand dank der guten Sonnenschutzcremes, die wir ausreichend mit genommen haben.
Als Chris den Robin ins Bett bringen will, wehrt dieser ab und sagt: “Boris geht mit mir, bring du nach her deinen Matze ins Bett und deck ihn schön zu.” Er grinst dabei und wir lachen ein bisschen, der Kleine ist cool drauf und Matze und Chris sind ein bisschen rot geworden…warum eigentlich?
Nach und nach, je nachdem, wie die Spiele zu Ende gehen, leert sich die Messe und Jerome, Martin und ich, wir sind die letzten, die nach dem wir noch ein bisschen Ordnung gemacht haben, in die Kabinen und dort dann auch in den Kojen verschwinden.
Da es alles Einzelkojen von einem Meter Breite sind, ist das zusammen einschlafen und nebeneinander aufwachen hier nicht möglich, aber für die Zeit des Urlaubs werden wir das schon hinkriegen. Erotische Aktivitäten finden dann trotzdem statt, da liegt man ja gern aufeinander und das Bad ist ja auch noch da. Es muss also auf nichts verzichtet werden.
Irgendwann in der Nacht ist das leichte Vibrieren der Motoren verschwunden und erst um sechs Uhr in der Frühe setzt es wieder ein und es kommt wieder Bewegung ins Schiff. Frühstück ist ab Neun geplant, also wird noch weiter geschlafen.

Noah

Wir haben die Nacht durch geschlafen, nach dem wir die Anderen gestern Nachmittag zum Schiff begleitet haben und sind heute Morgen nach dem Aufwachen mit Tante Lis und allen, die noch im Haus waren, zum Schiff gefahren und haben dort gemeinsam gefrühstückt und dann dem auslaufenden Schiff hinter her gewunken.
Mein Papa hat uns dann, Rico und mich aber auch Paul und Rolf, bei Tante Lis abgeholt und wir sind zu Rolf und nach dem wir die Zwei dort raus gelassen haben, zu uns nach Hause gefahren. Bevor wir von Rolf weg sind, hat Papa sich noch Rolfs neuen Roller zeigen lassen und mit dem Handy das Teil fotografiert, erst dann sind wir los zu uns.
Da wir bei Remmers heute Morgen nicht geduscht haben, tun wir das jetzt bei uns und das Ganze ist sehr lustvoll für uns beide. Rico wird von mir richtig hingebungsvoll geblasen und dabei so rattenscharf, das er von mir gepoppt werden will. Diesen Wunsch erfülle ich ihm gern und nach guter Vorbereitung wird es dann auch sehr, sehr schön für uns beide. Ein zusammen geknülltes Handtuch als Schalldämpfer vor den Mund gepresst, verhindert das schlimmste, ich hoffe, Mama hat nichts gehört. Wenn sie in der Küche werkelt, bin ich sicher, dass man dort nichts hören konnte.
Ricos Po ist anschließend etwas gestresst und ich mache ihm ein wenig Bepanthensalbe auf die süße, braune Knospe und stupse die Salbe mit der Fingerspitze etwas in ihn hinein. Das gefällt ihm und das Streicheln seiner strammen Bäckchen auch. Um nicht wieder geil zu werden, ziehen wir uns was an und gehen dann nach unten. Papa sitzt mit seinem Notebook auf der Terrasse und Mama ist beim Kochen. Als Enrico fragt, ob er was helfen kann, sagt sie: “Heute nicht, ich bin soweit fertig, ein anderes Mal gerne, geht nur raus auf die Terrasse zu Papa, wir essen später auch dort.”
Wir gehen zu Papa und ich sehe, das er nach Motorrollern schaut im Internet. Papa will auch, dass ich jetzt mit Rico den Führerschein mache. Rico ist zwar in Bremerhaven in der Fahrschule angemeldet, da diese Fahrschule aber auch hier in Bremen eine Filiale hat, kann Rico hier mit mir und ich in Bremerhaven mit Ihm den Unterricht besuchen. Das hat Papa schon geregelt und den gleichen Fahrlehrer haben wir auch, so dass wir auch die Fahrstunden gemeinsam planen und machen können.
Ich möchte aber trotzdem einen neuen Roller haben, denn das Feeling fehlt mir und wenn Wetter ist, macht es einfach mehr Spaß als Auto fahren, finde ich.
Mama möchte, das wir beide den Tisch auf der Terrasse eindecken, was wir dann auch machen und mein Schatz hat das ja alles voll drauf und wir sind in Null Komma nix fertig. Wir helfen beim raus tragen der Speisen und dann lassen wir uns Mamas Essen gut schmecken. Es gibt gefüllte Paprika mit Reis und grünen Bohnen und es ist sehr lecker. Zum Nachtisch gibt es Eis, mit Sahne aus der Sprühflasche. Dabei beschert mir mein Kopfkino einige schöne Sachen, die man mit der Sprühsahne machen könnte. Gut, das Mama meine Gedanken nicht lesen kann.

Rolf

Noahs Papa hat uns heim gefahren und nach dem er meinen Roller begutachtet und fotografiert hat, sind sie nach Hause gefahren. Wir sind dann ins Haus, haben Opa und Oma begrüßt, geguckt, was Oma kocht und sind dann hoch zu Mama, die uns freudig begrüßt und uns beide nach einander umarmt hat. Meine Schwester ist irgendwo in der Nachbarschaft bei einer Freundin und würde wohl später zum Essen erscheinen.
Mit Pauls Sachen sind wir dann hoch und er hat seine Sachen für die nächsten Tage in meinen Schrank geräumt, nach dem ich ihm ein Fach frei geräumt habe.
Jetzt liegen wir schmusend auf dem Bett, nach einem für uns sehr schönen Wochenende mit vielen neuen Erfahrungen und dem Gefühl, uns noch viel näher gekommen zu sein, uns jetzt richtig zu lieben und gemeinsam in die Zukunft zu starten, als Paar, er und ich und es fühlt sich einfach gut an.
Wir haben uns zärtlich und mit viel Gefühl gegenseitig verwöhnt, wissen nun, wie schön der Sex und die Liebe zwischen zwei Jungs ist, haben gespürt, wie es ist, zu nehmen und auch, wie es ist, genommen zu werden. Es war beides weit besser, als wir es uns vorgestellt haben und es ist ja erst der Anfang. Die Gespräche, mit Ole und auch mit Noah, haben uns geholfen und auch, dass wir uns viel Zeit genommen haben, ungestört waren und offen zueinander.
Die anfänglichen Hemmungen sind einer aufregenden Neugier gewichen und die Erkenntnis, seinem Schatz tolle Gefühle in den Bauch zaubern zu können, selber dahin zu schmelzen unter forschenden Händen oder einer feuchten Zunge, das ist einfach geil und sich dann zu vereinigen, eins zu werden im Liebestaumel, das ist einfach der Wahnsinn.
Ich glaube, man sieht uns an, das wir zusammen gerade sehr glücklich sind und das finde ich, ist auch gut so.
Ich muss morgen nach der Reha mit Noah reden, über das Ringen und wie es da nun weiter geht mit uns beiden. Outen oder verstecken, wobei ich eher gegen ein Verstecken bin und obwohl outen auch das Ende beim Ringen sein kann. Das kann ich nicht einschätzen und das muss wohl auch mit dem Trainer besprochen werden. Noahs Vater hat da seine Unterstützung zu gesagt, da er den Trainer wohl gut kennt. Wir können ja mal zusammen hinfahren, wenn wir auch nicht trainieren können, reden kann man ja dann.
Mama ruft und wir gehen runter zur Oma. Sonntags essen wir immer dort. Oma kocht toll, alles ist super lecker. Heute gibt es einen Rinderbraten, dazu Blumenkohl mit brauner Butter und Salzkartoffeln. Es schmeckt uns gut und auch Paul scheint mehr als zufrieden.
Zum Nachtisch hat Oma einen Karamellpudding gemacht und dazu gibt es Schokosoße, auch das ist sehr fein.
Nach dem Essen liegen wir oben auf dem Bett und dösen. Opa hat beim Essen erzählt, dass sie für einen Bauunternehmer Stiefel für mehrere Zimmer Kirschbaummöbel hergestellt haben und das der Bauherr Remmers heißt. “Heißt nicht einer eurer neuen Freunde so?”, will er wissen. Paul fragt, ob das in einer umgebauten Fabrik in Bremen, “In den Hufen” wäre, dann wäre es die Baustelle von Jerome Remmers und das wäre unser Freund. Opa sagte, dass es genau dort sei und dass es ein sehr schöner Auftrag wäre, so um die fünfzigtausend Euro.
“Das ist die WG, in die ich zum Studiumsbeginn auch einziehen werde”, sagte Paul dann zu Opa, Wir haben beide nicht gewusst, dass Opa dort einen Auftrag bekommen hatte. Er erzählte uns auch, dass er für diese Firma Stiefel des Öfteren arbeitet und dass es fast immer sehr schöne Aufträge sind.
Opa hat auch noch erzählt, dass die Möbel soweit fertig sind und dass ab Mittwoch der Einbau in den Zimmern erfolgt.
Ich denke, wenn diese Woche mit der Reha zu Ende ist, kann ich auch wieder problemlos mit dem Roller fahren, den ich ja wegen des Unfalls bisher nur anschauen konnte und durfte. Dann sind Paul und ich mobil und wir können Noah besuchen. Wenn der jetzt kurzfristig auch einen neuen Roller bekommt, können wir zu viert was unternehmen, schwimmen gehen oder so was. Auch zu der Baustelle könnten wir fahren und schauen, wie weit alles fort geschritten ist.

Joachim Morbach

Der Wind hat stark aufgefrischt und das Meer ist jetzt ganz schön in Bewegung gekommen. Auch das Schiff bewegt sich fast rhythmisch vorwärts durch die Wellen. Der Wind kommt in Stärke sechs bis sieben von Achtern, das haben die Seeleute nicht so gern, hat Johannes gesagt. Der ist in seinem Büro, arbeitet an den Bestellungen für die Mittelmeerkreuzfahrt. Seekrank werde ich wohl nicht, denn auch bei dem Gestampfe des Schiffs durch die Wogen kommt keine Übelkeit auf bei mir.
Jo hat gesagt, das alle, die jetzt nichts Wichtiges zu tun haben, am besten in der Koje bleiben, weil auch das Laufen auf Grund der Schiffsbewegungen nicht ungefährlich ist. Das Schlechtwettergebiet sollen wir bis zu späten Abend durchfahren haben und wieder in ruhigere Gewässer kommen, hat Jo gesagt.
Mein Piepser geht und ruft mich in den Sanitätsbereich. Hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert, bei diesem Seegang wäre wohl operieren nicht möglich.
Auf der Untersuchungsliege liegt ein Maat aus dem Maschinenraum, der dort gestürzt ist. Der linke Arm ist etwas verdreht, das sieht nach einer Fraktur, einem Bruch aus. Da der Mann starke Schmerzen hat, spritze ich zunächst mal ein starkes Schmerzmittel, bevor wir ihn mit der Liege zum Röntgenraum bugsieren.
Das Röntgenbild zeigt einen an sich glatten Bruch, dessen Enden aber gegeneinander verdreht sind, so dass ich das richten muss. Da das für den Patienten sehr schmerzhaft ist, werde ich den Arm mit einer Lokalanästhesie betäuben und ihn dann erst wieder richten, bevor er vergipst wird.
Ich erkläre dem Mann, was wir vorhaben und der Sanitätsmaat bereitet alles für die Vergipsen vor, während ich den Arm betäube.
Jetzt warten wir darauf, dass der Arm Gefühllos wird, damit ich den Knochen richten kann. In der Zeit rede ich mit dem Mann, frage ihn ein wenig aus, wo er her kommt und ob er verheiratet ist. Er stammt aus Sri Lanka, heißt Vairavan Kunabalasingam und er ist einunddreißig Jahre alt. Er war jetzt während der Reparatur des Schiffes auch zu Hause, wo er eine Frau und drei Kinder hat, erzählt er mir.
Jetzt, nach dem der Arm taub ist, richte ich den Knochen und der Sani beginnt mit Verband und Gips, den Bruch zu fixieren.
„Wir lassen ihn für heute Nacht hier“, sag ich, „für den Fall, dass es anschwillt oder der Gips drückt. Wir legen ihn zu dem Mann, dem wir die Galle operiert haben.“
Über die Sprechanlage beordert mich der Kapitän auf die Brücke und so mach ich mich auf den Weg dorthin. Dort berichte ich über den Patienten und dann fragt der Kapitän, ob mir der Seegang was ausmacht, ob mir übel ist. Ich verneine das und er ist sichtlich froh, dass sein neuer Doktor auch bei Seegang einsatzfähig ist und bleibt. „Es macht sich nicht gut, wenn der Arzt mit grünem Gesicht und kotzend an der Reling hängt“, sagt er lachend.
Er sagt mir, dass wir morgen, gegen Abend den Ort Suez und den Kanaleingang erreichen, fast sechsunddreißig Stunden früher, als geplant.
Das bringt der Mannschaft ein Zeitpolster in Genua, wo ja alles für die Mittelmeerkreuzfahrt an Bord geholt und verstaut werden muss. Johannes wird das sehr freuen, ist das doch sein Aufgabenbereich und eine Menge Stunden mehr, das ist gut für ihn. Ich verlasse die Brücke, schau nochmal kurz bei dem Patienten rein und suche dann unsere Kabine auf. Später werden Jo und ich zum Abendessen in die Messe gehen. Bis dorthin ruhe ich noch ein wenig in der Koje.

Dirk

Die Fahrt auf dem Schiff, das hat schon was, auch wenn wir getrennte Kojen haben, das ist nicht so tragisch. Mein Schatz und ich schlafen ja öfter zu Hause auch getrennt, hier sind wir ja immerhin zusammen in einer Kabine, wenn uns also der Hafer sticht, wir poppen wollen oder so was ähnliches, ist das ja echt kein Problem hier. Man geht zwei Meter rüber zum Schatz und alles liegt griffbereit vor einem.
Samstag um drei Uhr waren wir zur Wohnungsbesichtigung. Die Wohnung ist deutlich besser, als unsere alte und auch größer. Da sie uns allen gut gefallen hat, Mike war auch dabei und Jeromes Oma uns auch sehr gute Bedingungen eingeräumt hat, was Miete und Kaution angeht, haben wir die Wohnung gerne genommen und werden noch diesen Monat umziehen.
Mike, seine Eltern und auch die Freunde haben ihre Hilfe beim Umzug zugesagt. Bei so viel Hilfe wird es ja doch recht flott gehen. Ich bekomme neue Möbel, weil die jetzigen alt und auch nicht mehr altersgerecht sind und jetzt gibt es dann auch ein großes Bett, in dem wir, mein Schnuckel und ich, nach dem Aufeinander dann auch genug Platz für das Nebeneinander haben.
Die Lage der Wohnung ist gut, nicht so weit von Mike weg und auch Paolo und Enrico wohnen hier im Viertel. Der Bahnhof ist fußläufig zu erreichen, also mit anderen Worten, es passt.
Mama und Papa sind froh, dass es so gut gelaufen ist und das wir mit Jeromes Oma auch eine Vermieterin haben, die nichts gegen schwule Jungs hat.
Jetzt können Mike und ich auch öfter mal bei uns Sex haben, ohne dass meine Eltern Angst haben müssen, dass uns der Vermieter hört und uns dann kündigt, weil ich schwul bin.
Nach ein bisschen erfrischenden und entspannenden Handsex unter der Dusche stehen mein Schatz und ich, mit Schwimmweste natürlich, ziemlich vorn an der Reling und schauen auf das in leichtem Dunst liegende Land entlang des Stromes, das jetzt nach und nach von strahlendem Sonnenschein beleuchtet und in goldenen Glanz gehüllt wird.
Das ist schon ein tolles Panorama, das vor unseren Augen vorbei zieht und ich denke, das solche Bilder schon was besonderes für uns sind, gerade von Bord des Schiffes aus diese Schönheit der Landschaft zu sehen, ist ja nicht gerade alltäglich für uns. Ole und Frankgesellen sich zu uns, schauen ebenfalls fast schon andächtig auf die Schönheit der Landschaft rechts und links des Stromes.
Die Flusslandschaft entlang der Mittelelbe, hat der Kapitän gestern gesagt, ist von der UNESCO als Biosphärenreservat “Flusslandschaft Elbe” ausgewiesen worden. Hier gibt es noch intakte Auwälder und auch viele Tiere, Biber, Adler und so, sind entlang des Flusses heimisch. Es gibt auch noch einige Elbfischer, also solche, die das als Hauptberuf ausüben, hat Herr Sundermann erzählt. Öle, der sich vor unserer Reise wohl per Internet mit dem Strom beschäftigt hat, erzählt uns jetzt einiges über den elfhundertfünfundsechzig Kilometer langen Fluss, der im tschechischen Teil des Riesengebirges entspringt. Ole erzählt einiges vom Strom und als wir später beim Frühstück sitzen, wissen wie beide, Mike und ich und auch Frank einiges mehr über die Elbe.

Lis

Nach dem das Schiff abgelegt und den Hafen verlassen hat, sind wir, der Rest der Truppe, zu uns heim gefahren und kurz drauf kam Ulf und hat die vier Jungs nach Bremen abgeholt. Jetzt sind nur noch Wolfi, Kevin und Kai da, wobei Wolfi und Kevin später, gegen Abend, zu Wolfi nach Hause wollen und morgen von dort aus dann auf die Seebestattung des Herrn Wörner, zuerst aber wohl ins Hilton fahren werden.
Dort treffen sie sich mit dem Anwalt und Frau Wörner und fahren dann mit denen dort hin. Schwarze Sachen haben beide ja und wenn alles rum ist, kommen sie zu uns. Dienstag früh fahren wir dann mit Kai am Steuer nach Berlin um dann von dort nach der Bestattung, die Mittwoch Vormittags um Elf Uhr stattfinden soll, an Bord des Schiffes zu gehen, falls das bis dahin in Berlin eingetroffen ist. Carl August hat schon Zimmer bestellt für Dienstag auf Mittwoch im Waldorf Astoria, das auch zur Hilton Kette und damit auch ein gutes Stück unserer Familie gehört.
Das Schiff muss ja von Dresden aus wieder Elbe abwärts bis nach Magdeburg und von dort durch den Kanal über Potsdam nach Berlin fahren und im Kanal geht es nicht so schnell.
Da wir ja ständig Kontakt mit dem Schiff haben werden, wissen wir ja dann auch rechtzeitig, wo wir am besten an Bord gehen werden. Wir können mit dem Auto ja auch dem Schiff entgegen fahren, mal sehen, was sich ergibt. Carl August telefoniert zweimal täglich mindestens mit Kapitän Sundermann, um immer auf dem neusten Stand zu sein.
Wolfi und Kevin haben sich angeboten, uns, Carl August und mich, zur Beisetzung zu begleiten. Kevin sagte zu mir: “Du warst bei mir, als wir Mama beerdigt haben und du hast mich getröstet. Jetzt möchte ich mit dir gehen und deine Eltern bestatten und dich auch ein bisschen trösten, bitte.”
Ich habe ihn in den Arm genommen, gesagt: “Du bist so lieb, mein Junge, danke. Wenn ihr wollt, dürft ihr natürlich gerne mit gehen. Wir freuen uns sehr darüber.”
Damit, vor allem aber mit der Begründung, habe ich und auch mein Mann nicht gerechnet. Sie bestätigt aber wiedermal die Remmrsche Weisheit, die da sagt: “Wenn du Menschen in Not was Gutes tust, dann kommt das irgendwann doppelt und dreifach zu dir zurück.” Das hat mein Schwiegervater oft gesagt und auch praktiziert und dass das klappt, haben Martin, Kai und jetzt auch Kevin wieder mal bewiesen und auch andere, denen wir geholfen haben, sind, wenn wir sie brauchen, auch für uns da.
Da ich über jetzt schon einundzwanzig Jahre keinen Kontakt zu meiner Familie hatte, weiß ich nicht, was da auf uns zu kommt. Drei ältere Schwestern gibt es, siebenundvierzig, achtundvierzig und die Älteste dürfte jetzt schon fünfzig sein, alle von Mama und Papa standesgemäß adelig verheiratet, ohne auf persönliche Gefühle der Betroffenen Rücksicht zu nehmen.
Ob und wie viel Kinder sie haben, wissen wir nicht und die wenigen Details, die mir eine frühere, bürgerliche und damit nicht standesgemäße Freundin ab und zu mit geteilt hat, lassen kein genaues Bild zu und wir müssen uns überraschen lassen, mein Mann und ich.
Die älteste Schwester war mit einem adligen Offizier verheiratet, das war noch zu der Zeit, als ich noch Kontakt hatte. Ich war fünfzehn, als die Hochzeit stattfand und daran kann ich mich noch erinnern.
Der Bräutigam, ein Oberstleutnant von und zu Reventlow, war schon zweiunddreißig, meine Schwester vierundzwanzig. Er war bei einer Raketeneinheit und nach der Hochzeit wurde der Mann für zwei Jahre in die USA, nach Texas geschickt, so dass auch meine Schwester zunächst mal nicht mehr in Berlin wohnte. Als Carl August mich mit Martins und Friedas Hilfe “entführte”, waren sie gerade in Bitburg stationiert.
An die anderen Anwärter auf meine zwei Schwestern kann ich mich nicht erinnern, war ich doch längst im Internat und geheiratet haben sie erst, als ich schon in Bremerhaven war.
Wir haben also absolut keinen Plan, was uns dort für eine Sippschaft erwartet und ich habe mir fest vorgenommen, keinerlei Erbschaften, auch keinen Pflichtteil, zu beanspruchen. Da sie keine Liebe für mich hatten, können sie auch sonst alles behalten, ich will nichts.
Ich glaube nicht, das sie mir irgendeine Szene machen werden und auch ich habe nicht vor, mich unnötig lange und kontrovers auseinander zu setzen, aber ich werde mit ihnen reden, wenn ihnen daran liegt. Das sie nie Kontakt mit mir aufgenommen haben, das ist wohl den Eltern geschuldet aber ich habe ja auch keinen ernsthaften Versuch gemacht, sie zu kontaktieren. Da ich mit Carl August und seiner Familie und seinen und meinen tollen Freunden glücklich bin, hat mir meine gestelzte, arrogante Sippschaft nicht gefehlt.
Wenn das alles vorbei ist, bin ich froh. Etwas unsicher, was da alles auf uns zukommt, bin ich trotzdem, obwohl ich ja nicht allein bin, dort in Berlin. Das jetzt noch Kevin und Wolfi und auch Kai mit auf den Friedhof gehen, gibt mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit, so dass ich all dem etwas gelassener entgegen sehe.

Ole

Heute Morgen, das Schiff ist schon seit zwei Stunden wieder unterwegs, nachdem es wohl für ein paar Stunden angelegt hat, krabbelt mein Schatz zu mir in die Koje. Da wir zwei ja relativ schmal sind, geht das, aber viel Platz ist jetzt nicht zwischen uns, obwohl wir beide auf der Seite liegen. Er war vorher schon im Bad und hat, als er zu mir kam, ein Kondompäckchen und die Lubtube dabei und seine Shorts ist dick ausgebeult.
“Meinst du, wir könnten hier poppen, ohne das die anderen uns hören können?”, fragt er leise an mein Ohr, nachdem er hinter mich gekrabbelt ist und mir sein Horn an den Po geschoben hat. “Wenn wir nicht zu laut stöhnen, müsste es schon gehen”, sag ich, “links von uns liegen Sergej und Jerome und rechts Mike und Dirk, also denk ich, selbst wenn die was hören, ist das doch egal.”
“OK”, sagt er, “dann darfst du mich jetzt poppen. Es ist alles sauber und ich bin rattenscharf auf dich. Poppen auf dem Schiff, das ist wieder was Neues und auch, wenn es hier sehr eng ist im Vergleich mit meinem oder deinem Bett, wir kriegen das hin.” Er dreht sich mit dem Po zu mir und schiebt die Hose weit nach unten und strabbelt sie weg an das Fußende.
Seine Rechte nimmt meine und er führt sie nach vorn zu seinem voll steifen Teil und legt den Penis in meine Hand. Seine jetzt nackten Po drückt er gegen meine steife, aber noch textilverhüllte Latte und reibt sich an ihr. Ich schiebe nun meine Hose ebenfalls Richtung Bettende und drücke meinen Schwanz in seine Ritze, reibe dabei zart sein Glied und schmuse ihn seinem Nacken. Es ist alles ein bisschen eng, vorn an der Koje ist ein Brett angebracht, das man bei Wellengang nicht aus der Koje rollen kann. Das Brett ist jetzt an meinem Po und Rücken. Ich drücke meinen Schatz etwas zur Wand hin, dass ich mit meinen Fingern seinen Eingang etwas weiten kann. “Gel”, sag ich und halte meine Finger vor ihn. Er macht etwas drauf und ich beginne, ihn zu weiten. Dann hält er mir das bereits ausgepackte Gummi hin und ich rolle ihn über mein Glied. Wieder halte ich meine Hand vor ihn und er macht wieder Gel drauf, das ich auf dem Gummi verteile und auch an seinem Po. Dann drücke ich mein Glied nach unten und setze es mit der Spitze auf die Knospe. Langsam dringe ich ein, er schiebt dagegen und dann haben wir ihn voll versenkt.
Nach ein bisschen Eingewöhnung und Nacken küssen beginne ich, zunächst verhalten zu stoßen, was er mit kleinen Seufzern quittiert. Als ich schneller werde, werden die Seufzer lauter und er versucht, da gegen zu stoßen. Dann also noch etwas fester und schneller und jetzt stöhnt er vor Lust und auch mir entfleuchen ähnliche Laute. Spannung baut sich auf, mehr und mehr und als ich nochmal das Tempo erhöhe, kommen wir beide, kurz nacheinander, ich zuerst, er folgt reibend ebenfalls heftig und dann liegen wir, ruhig und schwer atmend und lassen die Gefühle ausklingen.
“Geil war das mein Schatz”, sagt er leise. “Ich liebe dich”, sag ich und vergrabe meine Nase in seinen Haaren, die immer so gut riechen. Ganz ruhig liegen wir, mein Schniedel ist mittlerweile raus gerutscht und wir dösen vor uns hin. Es riecht nach Sex und Samen, nach Liebe, finde ich. Er ist mein Leben, mein ein und alles geworden in den zurück liegenden Wochen und ich wünsche mir, dass es für immer so bleibt.
Ab neun Uhr soll es Frühstück geben, hat Mutsch gestern Abend gesagt. Bis dahin ist es noch ein bisschen hin und ich werde jetzt auch schnell meinen Nordpol aufklaren, Platz machen für einen zweiten Durchgang mit umgekehrter Rollenverteilung. “Lust auf andersrum?”, frag ich an sein Ohr.
“Gerne doch”, sagt er, “geh schnell ins Bad, mein Schatz.” Ich geh in das kleine, aber feine Bad und mache den Po gründlich sauber, außen und innen.
Als ich wieder zu ihm in meine Koje krabbel, hat er sich mit dem Po an die Wand geschoben und er hält seinen schon wieder Dicken in der Hand. Violett guckt die dicke Eichel oben aus seiner Faust heraus und ein dicker, silbrig schimmernder Lusttropfen tränt, der Schwerkraft folgend und einen Faden ziehend, von der Schwanzspitze in Richtung Bettlaken. Geschickt fange ich den mit dem Zeigefinger und lecke in dann ab. Mit großen Augen hat er das genau verfolgt und probiert ebenfalls davon.
“Es schmeckt anders wie Samen, besser irgendwie, salzig, finde ich”, sagt er und grinst hoch zu mir, “komm ins Bett, ich mach uns noch mal froh.”
Ich krabbel wieder in die Koje und er bemüht sich redlich und mit Erfolg, die nächsten zwanzig Minuten sehr befriedigend für uns zu machen. Das mit dem Sex, das ist echt geil mit ihm, es wird immer freier und er ist auch sehr experimentier freudig, mein Schatz.
Nach dem die schönen Gefühle abgeklungen sind, gehen wir gemeinsam ins Bad und duschen den Schweiß und die Spuren unserer Liebe ab und machen uns fertig für den Tag, der mit einem guten Frühstück in etwa einer halben Stunde beginnen wird.
Oben an Deck stehen ziemlich vorn Dirk und Mike an der Reling, schauen auf die vorbei ziehende Landschaft. Wir gehen vor zu den beiden und ich erzähle einiges über den Strom. Im Internet habe ich im Vorfeld der Fahrt einiges über die Elbe gelesen und angeschaut. Solche Wasserstraßen sind wohl mit die ältesten Verkehrswege, die wir kennen und bereits sehr früh hat der Mensch ihre Bedeutung erkannt und sie sich zu nutzen gemacht.
In der Messe treffen wir auf die anderen und Robin erzählt, das er schon mit Boris auf der Brücke war beim Kapitän. Die Tafel ist reichlich gedeckt und jetzt wird erst mal gut gegessen und der Kaffeedurst gestillt.

Sergej

Auf dem Strom draußen ist wenig Verkehr, das hatte ich mir schon anders vorgestellt mit den Schiffen. Ich habe geglaubt, dass deutlich mehr Schiffe unterwegs sind. Das hängt wohl auch damit zusammen, das entlang des Stromes hier im mittleren Elbe teil wenig Industrie ist, die Mengenverbrauchsgüter wie zum Beispiel Kohle oder Erz brauchen. Stückgut und Kleinmengen werden ja fast immer mit LKW oder Transporter auf den Straßen transportiert.
Im Bereich der Städte entlang des Flusses sind dann auch weiße Schiffe, Fahrgastschiffe, unterwegs und auch das ein oder andere Flußkreuzfahrtschiff begegnet uns. Heute will der Kapitän bis nach Torgau fahren, an Magdeburg vorbei, das wir so gegen fünfzehn Uhr passieren.
Die Sonne, die mittlerweile strahlend auf uns runter scheint, lockt die meisten von uns wieder auf die Liegen auf dem Vorderdeck und anfangs findet wieder das große Eincremen mit Sonnenschutz statt.
Jeromes Beinstümpfe müssen auch immer gut geschützt werden. Wenn es da einen Sonnenbrand gäbe, wäre wohl nichts mehr mit Max und Moritz anziehen und im Rollstuhl hier an Bord, das wäre gar nicht gut. Das käme wohl dann arg schlimm für meinen Schatz, deshalb reibe ich seine Beine häufiger ein und mit einem starken Sonnenblocker ein.
Das Einreiben an den Beinen macht ihm, nach Problemen in der ersten Zeit der Prothesen, nun offensichtlich nichts mehr aus. Ich glaube vielmehr, er genießt es mittlerweile, wenn ich da was einmassiere.
Die Stümpfe, die anfangs, als er aus der Reha kam, noch eine starke Rötung hatten, haben sich mittlerweile an den Hautton der Beine oberhalb der Knie angeglichen. Da sieht das gleich optisch nicht mehr gerade so krass aus, finde ich. Von unseren Freunden schaut kaum noch einer hin, es gehört für alle wohl schon zu Jerome dazu, das da keine Füße mehr sind. Nur der kleine Robin streichelt bei sich bietender Gelegenheit über die Beinenden, zärtlich, finde ich und mein Schatz mag das wohl auch, was der Robin da tut. Robin ist schon was Besonderes für Jerome und das spüren auch alle um uns rum.
Es ist schon ein schöner Haufen Freunde geworden in der relativ kurzen Zeit, aber es passt einfach alles und ist echt toll, dass man sich so gut versteht.
Ich freue mich auf meine Familie, die ich wohl morgen wiedersehen werde. Hoffentlich klappt alles mit meinen Leuten, damit wir eine gute Zeit miteinander haben hier an Bord. Mal sehen, wohin wir von Berlin aus fahren und was uns auf der Reise noch so alles erwartet. Die Fahrt als solche, mit dem Schiff, meine ich, ist schon ein Erlebnis für sich ohne das es noch großes Programm gibt, aber wer Carl August kennt, weiß das es bestimmt noch was anderes wie nur Schiff gibt unterwegs.
Am dreizehnten Juli, also Morgen in einer Woche, wird unser Freund, ja eher noch unser Bruder, Ole volljährig. Er wird achtzehn und das werden wir feiern, ein bisschen hier an Bord und dann zu Hause richtig.
Jerome will das noch mal im Freien mit den Zelten und so feiern. Ich habe ihm gesagt, das er das im Vorfeld schon mit Ole absprechen sollte, nicht das der was anderes geplant hat. Da bleibt eh nur das Wochenende direkt nach unserer Rückkehr. Am sechzehnten, im Laufe des Nachmittags kehren wir zurück und am nächsten Tag, Samstags, müsste dann die Fete stattfinden, denn am Wochenende drauf sind Chris, Matze und Robin bereits in den USA und Noah und Enrico und auch Paul und Rolf mit ihren Familien in Urlaub.
Das will mein Schatz auch tun und auch sein Papa sollte schon wissen, was für diesen Tag oder das Wochenende darauf geplant ist. Ich kann mir vorstellen, das Carl August und Lis den Ole auch besonders gern dort feiern sehen, ist es doch und gerade auch die vorerst letzte größere Festlichkeit vor dem Beginn des Studiums und damit auch des Umzuges fast aller jungen Leute nach Bremen in die WG. Jerome will das mit seinen Eltern klären, wie das ablaufen soll, sobald diese an Bord sind.
Vielleicht können ja die, die daheim geblieben sind, Rico und Noah mit Paul und Rolf und mit Noahs Eltern schon einiges an Vorbereitungen treffen. Mein Schatz wird sich schon was einfallen lassen und auch sein Papa wird sich bemühen, allein schon, weil es um Ole geht.
Martin und Kai werden dann wohl in England sein, falls das Auto pünktlich fertig ist. Allerdings können die beiden auch erst nach dem Wochenende siebzehnter, achtzehnter nach England fliegen und vorher bei den Vorbereitungen helfen und natürlich auch mit feiern. Genaueres wird es wohl erst geben, wenn Carl August an Bord ist.
Oles Mama hat beim Frühstück gesagt, das wegen dem arg warmen Wetter erst für heute Abend gekocht wird, für heute Mittag gibt es belegte Brote. Das kommt bei der Hitze einfach besser und lässt den zwei Frauen und auch Martin, der den Beiden immer zur Hand geht, auch ein bisschen mehr Freiraum zum gucken und auch zum Sonnenbaden. Beide und auch Martin liegen genau so nackt wie wir draußen auf dem Vorderdeck und lassen die Sonne auf die haut scheinen. Gestern, im ersten Moment ihres Erscheinens ohne was an war es ein komischer Moment, allerdings dauerte es nicht lang, bis sich alle dran gewöhnt haben.
Marie, die ja zu Hause geblieben ist, hält regen Kontakt zu Ole und Greta Jensen und von Ole weiß ich, das Marvin über Nacht bei ihr ist oder sie fahren auch zu Marvin und bleiben dort über Nacht.
Wir, mein Schatz und ich, haben den Eindruck, dass sie den Heiner mittlerweile vergessen hat und das Marvin und Marie jetzt so richtig fest zusammen sind. Ole freut sich sehr darüber, wohl, weil er da schon ein wenig den Amor, den kleinen Nacktarsch mit dem Pfeil, gespielt hat. Ole, nackt mit Pfeil und Bogen, das läuft jetzt gerade in meinem Kopfkino………ich muss grinsen.
“Darf ich an den schlüpfrigen und wohl auch lustigen Gedanken meines Liebsten teilhaben?” fragt der neben mir liegende Jerome und ich erzähle ihm von Ole Amor, was auch bei ihm für Heiterkeit sorgt.
Mein Schatz stemmt sich hoch und greift dann nach den unter einem weißen Handtuch liegenden Prothesen und zieht diese an. Es folgt eine Shorts und dann die Schwimmweste. Auf meinen fragenden Blick sagt er: “Erst pinkeln, dann mit Ole reden, wie er sich seinen Geburtstag vorstellt und ihm dann unsere Vorstellungen nahe zu bringen, damit ich, wenn Papa da ist, mit ihm alles zu bereden.” “Soll ich mit kommen?”, frag ich und er nickt und sagt: “Frank holen wir auch dazu, ein Gespräch unter Brüdern.”
Also ziehe ich auch Shorts und Schwimmweste an und sag zu Jerome: “Wohin setzen wir uns denn, geh du pinkeln, ich rufe die beiden.”
“Wir gehen in die Messe, ganz vorne an die großen Scheiben. Da können wir unsere Freunde und auch den Fluss und die Landschaft sehen, was trinken und nach her auch ein Brot essen, wenn wir Hunger haben”, sagt mein Schatz und geht dann.
Ich gehe zu Ole und Frank, sage ihnen, was Jerome vorhat und beide ziehen ebenfalls ein Hose und die Schwimmweste an und gehen mit mir zur Messe. Jerome hat bereits am vordersten Tisch Platz genommen und hat einen Block und einen Kuli vor sich liegen.

Ole

Zunächst bin ich mal ganz froh, aus der prallen Sonne raus zu kommen. Lange wäre ich nicht mehr daliegen geblieben. Als blonder Mensch ist halt die Haut doch sehr empfindlich und ich muss das trotz Creme langsam angehen. Nun sitzen wir ganz vorn in der Messe und Sergej bringt uns gerade vier Flaschen Apfelschorle, gut gekühlt und richtig lecker. Die Messe ist klimatisiert und es ist sehr angenehm, hier zu sitzen
Jerome beginnt nun und will von mir wissen, wie ich denn meinen achtzehnten zu feiern gedenke. “Eigentlich wollte ich nach unserer Rückkehr eine Party bei uns zu Hause machen”, sag ich, “aber das müsste ich ja dann gleich Samstags machen oder Sonntags, weil am nächsten Wochenende Chris, Robin und Matz in Amerika sind und auch Noah und Rico, so wie Paul und Rolf sind ja dann wohl auch in Urlaub. Da meine Mama aber hier ist und nichts vorbereiten kann, bin ich mir nicht sicher, ob das hin haut, das ist jedenfalls hochgradiger Stress. Marie und Marvin, denk ich, schaffen das auch nicht allein mit der Vorbereitung.”
“Das ist es, was ich auch gedacht habe und ich möchte, dass du es mir überlässt, deine Feier zu planen”, sagt Jerome und schaut in meine Augen. “Bitte”, lese ich da in seinem Blick.
“Was hast du denn vor?”, frage ich. Frank hat meine linke Hand genommen und spielt mit meinen Fingern. Ich mag das sehr, wenn er mich so fühlen lässt, dass er mich liebt. Viele dieser kleinen Gesten lassen mich immer wieder spüren, wie viel ich ihm bedeute. Mir flattern dann immer die Schmetterlinge im Bauch rum und ich muss aufpassen, dass sie sich nicht am Südpol niederlassen und dort als Beule für Aufregung sorgen.
“Ich habe gedacht, wir feiern noch mal von Samstag in den Sonntag rein, gerade so wie neulich”, sagt er jetzt, “allerdings möchte ich dieses Mal etwas zum Essen kommen lassen, weil wir das nicht mehr gut vorbereitet kriegen und dann brauchen auch keine Leute am Grill zu stehen. Zelte und die Sitzbank sind schnell aufgebaut, das Loch für das Stromaggregat hat Martin nur abgedeckt, es wäre also am Samstag machbar, was die Vorbereitung angeht.”
“Die Idee gefällt mir”, sag ich, “wo soll denn das Essen herkommen und was kostet das denn ungefähr, ich muss ja auch ein bisschen planen mit der Kohle.”
“Das kriegen wir schon hin”, sagt Jerome, “das Essen könnten doch Papa und Mama dir zum Geburtstag schenken. Lass mich das alles für dich regeln, bitte!”
“OK”, sag ich. “du wirst mir ja doch keine Wahl lassen, aber übertreibe es nicht.”
“Hast du denn Vorstellungen, was das essen angeht oder kann ich das entscheiden?”, will er jetzt von mir wissen.
“Ich überlasse dir die Entscheidung”, sag ich zu ihm und küsse mal meinen Schatz, der mich die ganze Zeit gestreichelt hat. Mal sehen, was er von einem Mittagsschläfchen hält nach her, so mit ein bisschen erotischer Gymnastik, das freut ihn ganz bestimmt, meinen Schnuckel. Jerome hat die ganze Zeit mein Gesicht beobachtet und sagt jetzt: “Viel Vergnügen……” und er grinst mich an. Ein leichtes Erröten gibt ihm natürlich recht und deshalb grinse ich einfach mit.
Jetzt kommen einige von draußen rein, wollen wohl was essen, denk ich. Auch wir holen uns was vorne am Tisch, wo die Frauen die Brote angerichtet haben. Beim Essen gibt dann Jerome gleich bekannt, das wir am Samstag nach unserer Rückkehr meinen Achtzehnten feiern, wieder am Baumhaus mit Zelten und so. Näheres gibt es dazu, wenn sein Papa an Bord ist. Jerome schreibt jetzt fleißig SMS, drei oder vier, bevor er sich seinem Brot widmet, das Sergej im mitgebracht hat.

Carl August

Jerome hat eine SMS geschickt, wegen Oles Geburtstag, der am dreizehnten, also am Dienstag nächste Woche ist. Da befinden wir uns alle an Bord, mal sehen wo. Das werden wir ein wenig an Bord feiern und dann, wie Jerome es vorgeschlagen hat, hier bei uns im Park, am Baumhaus, wie gehabt. Einzelheiten dazu sprechen wir auf dem Schiff ab, wenn Lis und ich an Bord sind.
Wir sind nun ebenfalls am Packen, auch Trauerkleidung muss ja mit. Hoffentlich ist es nicht so heiß am Mittwochvormittag. Zehn Uhr ist die Trauerfeier, anschließend die Beerdigung und Lis meint, dass Adel und Co dort reichlich vertreten sein werden. Da ich bisher nicht das Vergnügen hatte, muss ich mich wohl auch dort nicht verwandtschaftlich verhalten. Mal sehen, wie sie uns behandeln die unbekannte Verwandtschaft.
Wenn Kevin und Wolfi heute Abend hier her kommen, setzen wir uns noch kurz zusammen. Auch die Trauerkleidung der Jungs kann Kai dann noch einladen, die zwei gehen ja mit uns auf den Friedhof.
Ich werde mal mit Ulf reden, vielleicht kann der mit den hier gebliebenen Jungs ja auch schon was vorbereiten für Oles Geburtstag, das macht der bestimmt. Unseren Gärtner werde ich nach her auch noch informieren, der kann ja auch was übernehmen, das Mähen zum Beispiel. Er kann auch Material besorgen, wenn was fehlt und auch die Dixie Häuschen noch mal bestellen.
Das Ganze kriegen wir schon hin, auch wenn wir erst einen Tag vorher zurück kommen. Martin und Kai können ja Omas Auto auch etwas später abholen, dann sind sie ja beide hier und Martin wird das mit Kais Hilfe locker schaffen. Da Martin den Ole auch sehr mag, wird er sich große Mühe geben bei der Vorbereitung.

Wolfi

Nach einer ruhigen Nacht in meinem Bett sind wir um acht auf gestanden und sind gemeinsam Duschen gewesen. Reinigung und Entspannung mit einander zu verbinden, ist immer wieder sehr schön morgens und der Tag fängt gleich optimal an, wenn dann noch ein gutes Frühstück folgt, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Um halb zehn verlassen wir die Küche und gehen hoch um dort die Trauerkleidung an zu ziehen. Mit Mamas guten Wünschen verabschiedet, fahren wir im Audi nach Bremen ins Hilton, wo wir Frau Wörner und den Anwalt, den Herr Wagner treffen. Mit dessen Wagen, einem sielbener BMW fahren wir dann nach Wilhelmshaven. Von dort aus geht es dann mit dem Schiff in das Seegebiet, das für Bestattungen frei gegeben ist. Dort wird dann die Urne nach einer kurzen Trauerfeier der See übergeben und dann fährt man zum Hafen zurück.
Auf der Fahrt mit dem Auto und auch auf der Schiffsfahrt ist Frau Wörner still und wohl auch sehr traurig. Der Fiffi, der auch dabei ist, liegt ruhig auf ihrem Schoß.
An der Bestattungsstelle angekommen, wird die Urne nach einer Trauerrede des Kapitäns dann der See übergeben. Es folgen noch ein paar Blumen, die wir alle nacheinander der Urne nach werfen und dann ist die Rückfahrt angesagt.
Mit dem Auto des Anwalts geht es dann zurück ins Hilton, wo wir gemeinsam etwas essen. Frau Wörner bedankt ich, dass wir mit ihr gefahren sind und es ist fast neunzehn Uhr, als wir, zunächst zu uns nach Hause und dann später zu Remmers und zu Kevin nach Hause fahren. Der Tag war nicht so einfach für Kevin gewesen, er mochte den Mann ganz gern, den wir mit bestattet haben und der wohl immer sehr nett zu meinem Schatz war. Ich werde ihn nach her ein wenig aufmuntern, mir fällt da bestimmt was ein. Mit viel Liebe und Zärtlichkeit gelingt es mir meistens, trübe Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben
Jetzt, nachdem wir angekommen sind, suchen wir zuerst Lis und Carl August auf. Die sitzen zusammen am Esszimmertisch und skypen mit Jerome und Sergej auf dem Schiff. Die Fahrt geht gut voran und morgen Nachmittag werden sie in Dresden ankommen und Sergejs Familie an Bord nehmen.
Dann geht die Reise wieder Elbe abwärts bis hinter Magdeburg und dann durch den Kanal Richtung Berlin, wo man dann am Mittwoch im Laufe des Nachmittags ein treffen will. Wir fahren morgen Vormittag um halb Elf los, mit Kai und dem Achter nach Berlin, ins Waldorf Astoria, von wo aus wir Mittwoch dann zur Beerdigung von Lis Eltern fahren. Dann haben mein Schatz und ich aber genügend Beisetzungserlebnisse fürs Erste, finde ich. Die hier in Berlin ist für uns ja nicht so belastend, weil wir die Toten überhaupt nicht kennen und nur Lis zum Gefallen überhaupt mit dort hingehen.
An Bord ist alles Ok, sie liegen viel in der Sonne und gestern Abend haben sie Spiele gemacht, das wollen sie wohl heute noch mal wiederholen, sagt Jerome. Robin geht es auch sehr gut und er war schon mit Boris auf der Brücke bei Kapitän Sundermann. Das hat ihm wohl viel Spaß gemacht und er hat gleich gefragt, ob er morgen noch mal hoch kommen darf auf die Brücke.

So, ich hoffe, das ihr Spaß hattet beim Lesen, bis zum nächsten Mal, dann wohl in Dresden und auch in Berlin. Mal sehen, was es Aufregendes bei Adels und Co gibt bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in der großen Stadt.

LG Niff

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1 Kommentar

  1. Huhu Niff, es hat wieder einmal Spaß gemacht, eine neue Folge zu lesen und ich freue mich schon auf die nächste Folge. Lass uns bitte nicht so lange warten.

    VlG Andi

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