Adoption und andere Katastrophen – Teil 1

1.Gute Nachrichten

Ich sah immer wieder auf den Brief vom Jugendamt und versuchte zum x’ten mal Kjell’s Telefonnummer in dieses verfluchte Telefon einzugeben. Endlich klappte es und ich hörte das Rufzeichen am anderen Ende. Es knackte und Kjell seine Stimme ertönte.

Wie immer männlich dominant und ich bekam sofort weiche Knie und dachte an letzte Nacht. Mein Gott, wir waren jetzt Fünf Jahre verheiratet und ich liebe ihn immer noch wie am ersten Tag.

„Hi Kjell wir haben einen Brief vom Jugendamt bekommen.“

„Was Mert und was steht drin?“

„Wir bekommen einen fünfzehn Monate alten Jungen zur Betreuung und einer Adoption spricht nach einer Probezeit nichts dagegen und…“

„Was….“

Mein Ohr, das kreischen am anderen Ende der Leitung überlebt mein Trommelfell nicht, war mein einziger Überlebensgedanke. Daher hielt ich schnell den Telefonhörer gefühlte drei Kilometer von mir.
Nachdem endlich das Kreischen zu Ende war und Kjell zur normalen Lautstärke zurück fand,
las ich ihm den Brief nochmals vor.

„Kjell denke dran wir müssen noch das Bett kaufen. Das Jugendamt kommt morgen um den Kleinen zu bringen.“

„Schatz ich bin schon unterwegs.“

Ich hörte nur ein knacken und weg war er. Bitte was war das denn. Sonst war ihm seine Arbeit so was von heilig und jetzt lies er alles stehen und liegen na super. Na bis er denn hier aufschlug, werde ich noch das Abendessen vorbereiten und mich ausgehfertig machen, damit wir das Bett kaufen konnten.

Kjell und ich kannten uns jetzt 8 Jahre und wir haben nach dem dritten Jahr geheiratet. Ein Jahr später kauften wir ein schickes kleines Häuschen, in dem wir jetzt leben. Kjell war der Mann im Haus.

Dunkelbraune Haare, zwei entsprechend dunkelbraune Augen in die ich mich immer wieder verlieren konnte und ein super durchtrainierter Körper, der einfach nur zum dahin schmelzen aussah.

Und dann war ich noch da. Klein, zierlich, blonde Haare, blaue Augen und keine Muckis in Sicht an den richtigen Stellen. Doch Kjell verliebte sich vom ersten Augenblick in mich, als er mich sah.

Und ich Blondchen dachte nur, der verarscht mich. Aber nein, der war so penetrant, der hat sogar mit meinen Briefkastenschlitz an meiner Wohnungstür geredet. Naja nicht ganz, denn ich stand auf der anderen Seite der Tür mit einer Bratpfanne bewaffnet und drohte ihm diese vor dem Latz zu knallen.

Soweit kam es dann nicht, denn ich musste ihn vor dem Hund unserer Nachbarin retten und dabei traf die Pfanne unglücklicherweise den Hund statt Kjell. Kjell der Muskelbepackte Mann meiner Träume schrie jedenfalls wie am Spieß vor meiner Tür und ich hörte das Hündchen kläffen.

Da ich Angst um meine Fensterscheiben hatte, denn bei dem Gekreische wären die zu Bruch gegangen, öffnete ich die Tür. Als ob Kjell nur darauf gewartet hatte sprang er in meine Arme und ich lies vor Überraschung die Pfanne fallen und sie traf den Hund, oder besser gesagt die Ratte von Hund, denn größer war der nicht.

Tja der Hund hatte eine Woche lang Kopfschmerzen und ich hatte Kjell an der Backe. Wie man sieht er klebt immer noch an meiner Backe. Na so schlimm war es dann auch nicht, auch wenn er etwas tollpatschig war, war er sonst der liebste Kerl, den es gab.

Vor einem Jahr entschieden wir uns ein Kind zu adoptieren und da das in Dänemark ja möglich ist, taten wir das auch. Meine Güte was wir da an Formulare unterschreiben mussten war die Hölle.

Vor zwei Wochen war dann Frau Dingsdabumsda vom Jugendamt da, um sich das Haus und das Kinderzimmer anzusehen. Sorry der Name der Frau war echt nicht zu übersetzen, selbst ich habe den Namen nicht verstanden.

Als die Dame da vor unserer Wohnungstür lauerte, musste ich diese erst einmal in der Küche etwas unterhalten. Kjell war kurz am durchdrehen und das bedeutete Kreischalarm. Zum Glück konnte ich ihn nach oben in unser Schlafzimmer schicken um ein paar nicht kinderfreie Spielzeuge zu verstecken.

*-*-*

So ihr merkt schon, unser Leben hat immer wieder Höhepunkte und davon könnte ich eine Menge aufzählen. Nun zurück zu dem besagten Brief. Das Jugendamt teilt uns darin mit das sie am morgigen Mittwoch den 13.04. einen fünfzehn Monate alten Jungen bringen wollten.

Der Junge hieß Bente, ich fand den Namen wunderhübsch und stellte mir den Jungen vor, wie er aussah. In meiner Phantasie sprang in unserem Garten ein zweiter Kjell herum nur einige Jahre jünger.

So in Gedanken versunken, bekam ich nicht mit wie Kjell in das Haus stürmte. Erst als mich etwas packte und an sich drückte und meinen Mund anfing zu plündern, bekam ich mit das Kjell da war.

Meine Güte der konnte auch so was von Küssen. Am liebsten hätte ich jetzt den Tisch etwas umdekoriert und mich auf diesen verführen lassen. So als Nachspeise wäre nicht schlecht. Aber dazu kam es nicht, denn wir sind ja zwei erwachsene Männer, die jetzt eine wichtige Aufgabe vor sich hatten.

Das Kinderbett kaufen. Als Kjell und ich uns endlich, nach Atem ringend trennten, mussten wir lachen.

„Ich habe morgen frei, Schatzilein…“

„Wunderbar hoffentlich passiert morgen nichts Ungewöhnliches und du heulst los. Du verstehst Alarmsirene und so…“ dabei fuchtelte ich wie wild mit meinen Händen in der Luft.

„Mert alles klar, habe alles im Griff. Kathrin hat mit mir nochmals einige Entspannungstechniken geübt.“

Ohh Gott, nicht das wieder. Diese sogenannten Entspannungstechniken kannte ich zur genüge. Kathrin war bei dem Zeitungsverlag, für die Rubrik Gesund Leben verantwortlich und hatte sich vorgenommen Kjell’s Panikattacken durch Entspannungsübungen zu beheben.

Woher sie diese Übungen her bekam war fraglich. Jedenfalls eine der Übungen war wohl aus dem Yogaumfeld und Kjell hatte sich so mit seinen Gliedmassen verknotet, das ich die Panik bekam.

Er bekam die Hände nicht mehr aus den Beinen heraus und ich sah mich schon mit einer Laubsäge bewaffnet an Kjell rumsägen, Jedenfalls hatten wir es dann doch irgendwie geschafft das ganze zu entknoten, danach hatte Kjell fünf Tage lang Gelenkschmerzen und ich meine fünf entsagungsreiche Tage, wenn ihr versteht.

Was für eine Verschwendung. Kjell muss mir wohl die Panik angesehen haben und grinste.

„Keine Bange Schatz, es sind nur Atemübungen!“

„Ohh…, Hoffentlich nicht solche wo Du die Luft anhalten musst?“

„Doch…“

„Ohh, in Ordnung dann brauchen wir noch ein Beatmungsgerät für alle Fälle. Wo bekommen wir so etwas jetzt auf die schnelle her?“

„Mert, los jetzt, Kochschürze aus, die Läden haben nicht rund um die Uhr auf…!“

„Ja aber wir brauchen ein Beatmungsgerät! Für alle Fälle…“

„Es ist alles in Ordnung und das mit dem Luft anhalten ist auch nur für eine Minute, danach meint Kathrin sollte sich die Attacke verzogen haben.“

Bestätigend nickte Kjell zu seinen Worten. Gut wenn er meinte und eine Minute, das übersteht jeder. Schnell aus der Schürze raus und rein in meine Jacke und danach Schuhe angezogen und ich stand ausgehbereit vor Kjell.

*-*-*

So machten wir uns dann auf ins berüchtigte IKEA. Ja mein Lieblingsfavorit für schnell, gut und günstig. Nachdem wir endlich da waren, standen wir in der Bettenabteilung doch etwas desillusioniert rum. Boah wo findet Mann hier ein Bett für Kinder?

Das musste auch ein netter Verkäufer gesehen haben, denn er kam auf uns zu und begann uns auszufragen was wir suchen. Wir erläuterten ihn unser Problem und er ging mit uns in die Kinderabteilung.

Ja jetzt bitte keine blöde Kommentare. Woher sollten wir wissen, das Kinderbetten nur in der Kinderabteilung zu finden sind. Wir entschieden uns dann schnell für ein Bett, das man auch das Wachstum des Kindes anpassen konnte, ohne gleich alle drei Jahre ein neues kaufen zu müssen.

Man konnte das Ding bis auf ein Meter achtzig vergrößern, verlängern, ist auch egal. Als wir alles hatten, auch die entsprechende Bettwäsche mit blauen Elefanten die aussahen als ob sie einen Unfall hatten. Ja, Dumbo war dagegen herz aller liebst, verließen wir das Geschäft.

Zu Hause angekommen, baute Kjell das Ding im Kinderzimmer auf und ich machte das Abendessen fertig.

*-*-*

 

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1 Kommentar

  1. Huhu,

    Hm ein vielversprechender Anfang, bin gespannt wie es weitergeht.

    VlG Andi

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