Adoption und andere Katastrophen – Teil 2

2. Bente und woher bekommt man ein Beatmungsgerät

Der Tag war angebrochen und da leider in dem Brief keine Uhrzeit stand, waren wir seit acht Uhr auf den Beinen. Ich dekorierte das Kinderzimmer noch mit einigen Sachen, wie einen großen blauen Teddybär der jetzt auf dem Bett saß und die verunglückten Elefanten tarnte.


In Gedanken schrieb ich mir auf, neue Bettwäsche zu kaufen. Da klingelte es schon an der Haustür. Schnell noch mal ins Bad und die Frisur in die richtige Richtung schwingen und schon standen wir vor der Haustür.

„Nun mach schon die Tür auf Mert.“

Ich öffnete mit Schwung die Tür und grinste in das Gesicht von Frau Dingsdabumsda.

„Guten Morgen Frau…“ stotterte ich, wie war bloß der Name.

„Lambertson mein Lieber und alles schon hergerichtet?“ kam es prompt von ihr.
„Stimmt Frau Lambertson, na dann kommen sie mal rein.“
Ich trat zur Seite und Frau Lambertson oder wie auch immer stiefelte an mir vorbei.

„Bente kommst Du bitte!“

Jetzt erst wurde eine zweite Person vor der Tür sichtbar. Ein Junge, aber bestimmt nicht fünfzehn Monate alt, stand da vor uns und hinter mir hörte ich kurz ein piepsen und dann war Ruhe.
Der Junge hielt eine Reisetasche in der Hand und seine Kleidung war auch etwas gewöhnungsbedürftig. Er sah etwas deplatziert aus und machte einen ziemlich traurigen Eindruck. Sein Gesicht konnte ich nicht sehen, da langes schwarzes Haar dieses verdeckte.

„Frau La…“, bevor ich den Namen ganz aussprechen konnte polterte es hinter mir und etwas Schweres fiel zu Boden. Sofort drehte ich mich um und sah zum Boden wo Kjell mit hochrotem Kopf lag.
Kathrins Atemübung fiel mir ein und Panik stieg in mir auf. Jetzt wusste ich auch woher das kurze piepsen kam. Kjell hatte die Luft angehalten.
Panik. Ich kniete mich neben Kjell nieder und klatschte ihm zwei saftige Ohrfeigen ins Gesicht. Aber der Blödmann wollte nicht atmen.
Als ob der Junge wusste was er zu tun hatte, sprang er an mir vorbei und kniete neben Kjell und begann diesen zu beatmen. Kurz darauf hörte ich einen tiefen Atemzug, der wohl von Kjell kam.

„Mert…,ich glaube, ich falle in Ohnmacht!“

„Wag es nicht Kjell, ansonsten erwürge ich Kathrin und dann muss ich eine Doppelbeerdigung bezahlen, weil ich dich dann gleich mit einbuddeln lassen. Dann könnt ihr eure blöden Übungen gegen deine Panikattacken unter der Erde fortführen!“

Der Junge kniete immer noch neben Kjell, der jetzt langsam wieder eine gesunde Gesichtsfarbe bekam. Erst jetzt sah ich sein Gesicht und das zierte ein ziemlich dickes Veilchen am rechten Auge. Dieses war zugeschwollen und sah gar nicht gut aus.

„Hallo kommen sie endlich?“

Ohh, Frau Lambertson, die war direkt in unsere Küche geschritten und hatte nichts von all dem hier mitbekommen.

„Wir kommen Frau Lambertson, einen kleinen Augenblick noch!“

Bente, der Junge stand auf und ging zur Haustür, wo seine Tasche stand. Er bückte sich und hob diese auf und sah mich mit einem traurigen Blick an. Die Haare hatte er in diesem Moment aus dem Gesicht gestrichen, so dass ich das ganze Ausmaß der Verletzung sehen konnte. Ich glaub mir wird schlecht.

„Ich werde dann draußen warten! Hier bin ich bestimmt nicht erwünscht“, kam es von ihm.

In diesem Augenblick hörte ich wieder ein piep.

„Kjell wehe du hältst wieder die Luft an, dann hole ich die Luftpumpe von meinem Fahrrad und drehe dir die in den Rachen. Glaub es mir…“

„Mmppff…“

Besser so, er hielt wenigstens den Mund und nach den Geräuschen zu urteilen, war Kjell dabei aufzustehen.

„So und jetzt zu dir, junger Mann! Nimm deine Tasche und komm jetzt rein. Wir werden das schon klären.“

Energisch drehte ich mich um und schritt an Kjell vorbei. Kurz darauf saßen wir alle vier in der Küche und Frau Lambertson las den Brief den wir bekommen hatten.

„Das tut mir wirklich leid, da hat sich jemand einen blöden Patzer erlaubt. Also das hier…“, dabei zeigte Frau Lambertson auf Bente, „ …ist Bente und er hatte ein paar gravierende Probleme im Kinderheim. Wir waren gezwungen eine drastische Maßnahme durchzuführen und da kamen sie ins Spiel.“

„Was waren das für Problem?“, fragte Kjell und ich verdrehte innerlich die Augen.

Konnte er es denn nicht sehen? Ich stand auf und ging zum Kühlschrank und holte aus dem Gefrierfach ein Kühlpack heraus. Damit ging ich zu Bente, der auf einem der Stühle saß und kniete mich vor ihm hin.
Vorsichtig um ihn nicht zu erschrecken, schob ich ihm die Haare aus dem Gesicht und legte behutsam und vorsichtig das Kühlpack auf sein Auge.

„Deswegen Kjell…“, sagte ich dann.

„Ohh, das habe ich nicht gesehen!“

„Du warst ja auch mit den Nachwirkungen deiner Atemübung beschäftigt!“

„Was für eine Atemübung? Muss ich mir Sorgen machen?“

Frau Lambertson sah unruhig uns an.

„Nein da müssen sie sich keine Sorgen machen. Kjell hat ab und zu mal eine kleine Panikattacke, aber die hat er gut im Griff. Er hat da so eine tolle Therapie Tante am Start, die tolle Ideen zur Bekämpfung dieser hat!“, knurrte ich in Richtung Kjell.

Dieser zog kurz den Kopf ein und murmelte etwas von Entschuldigung. Bente bei dem ich noch kniete, grinste mich an.
„So was machen wir jetzt?“

Frau Lambertson sah fragend in die Runde.

„Ich kann Bente nicht zurück bringen, in dieses Heim. Da gehört er auch nicht hin!“

„Wie ist Bente denn in das Heim gekommen?“, fragend sah ich sie an.
„Ich habe meine Eltern vor gut einem Jahr, bei einem Autounfall verloren…“, kam es stockend von Bente.

Ein ganzes Jahr war der Junge in diesem Heim gewesen und so wie er aussah, war das Veilchen nicht das einzige, was er dort erhalten hatte.

„Ich würde sagen, er bleibt erst einmal hier und wir sehen dann weiter!“

Oh Kjell hatte seinen Mundwerk wieder gefunden.

„Danke Kjell.. Ich denke auch Bente bleibt erst einmal hier!“, und zu Bente, „ich glaube wir müssen dein Zimmer doch noch mal umdekorieren, denn wir haben das eingerichtet für einen fünfzehn Monate alten Jungen.“

„Das ist mir so was von peinlich, dieser Tippfehler. Aber jetzt wäre das ja geklärt.“

Damit stand Frau Lambertson auf.

„Ich muss dann auch wieder los, die Pflicht ruft!“, damit verabschiedete sie sich und verschwand mit Kjell zur Haustür.
„Und was machen wir jetzt mit dir?“

„Ist schon in Ordnung. Tut nur etwas weh“, Bente sah mich an, „Danke!“, flüsterte er noch.

„Komm mal mit, ich zeige dir dein Zimmer und dann überlegen wir was wir noch kaufen müssen. Ich glaube neue Farbe brauchen die Wände auch, denn Himmelblau willst du bestimmt nicht haben.
Ich stand auf, nahm seine Tasche, die neben dem Stuhl stand und ging hoch in das erste Stockwerk. Bente folgte mir und wir gingen beide zusammen in das Himmelblaue Kinderzimmer.

„Ohhh, ich glaube Farbe ist eine gute Idee…“, kam es von Bente.

Und dann fing er an zu lachen.

„Die… die… die Bettwäsche ist der Hammer.“

„Tja die hat Mert ausgewählt! Er leidet manchmal an Geschmacksschwund..“

Das kam definitiv von Kjell, der im Türrahmen des Zimmers stand.

„Noch ein Wort Kjell und ich reanimiere dich mit der Fahrradluftpumpe…“

„Ja ja, Mert ist unser Spaßvogel hier…“

„Ihr seid echt lustig.“

„Tja das sind wir wohl. Zwei Spaßvögel, die das Leben lieben“, kam es von mir.

Ich sah Kjell an und musste grinsen. Auch Kjell grinste über das ganze Gesicht.

„So nun lasst uns mal aufschreiben was wir brauchen.“

Ich sah mir Bente an. Er war etwa ein Meter fünfundsiebzig, leider konnte man bei der Kleidung die er trug nicht auf seinen Körperbau schließen.

„Also zuerst mal, was hast du an Sachen bei?“

Bente nahm seine Tasche aus meiner Hand und stellte sie auf den Boden, um diese zu öffnen. Zum Vorschein kam nicht viel.

„Ähmm, sag mal, ist das alles an Sachen von dir?“, entsetzt sah ich Bente an.

„Tja da im Heim sind meine Sachen abhanden gekommen und die Erzieher waren so überfordert, das ich außer zwei Schlüpfer und drei Shirts nichts mehr habe.“

„Ach du liebe Güte…“, selbst Kjell war entsetzt.

„Das kann ja nicht wahr sein!“

Ich war echt baff und das bei mir.

„Also wir müssen Sachen kaufen, dann Farbe für das Zimmer und Bettwäsche. Was noch?“, fragte ich in die Runde?

„Ich glaube, das reicht erst einmal. Alles was Bente noch braucht wird dann an einem anderen Tag noch herangeschafft“, sagte Kjell.

„Aber…, aber ihr habt doch gar nicht… oder…“, kam es stockend von Bente.

„Bente, jetzt bist du erst mal hier und wir werden das hier schaukeln. Aber nur wenn du es willst! Ach und noch ein wichtiger Punkt, ich und Kjell sind ein Paar! Kommst du denn damit klar?“

Bente sah uns an.

„Wäre ich dann noch hier, wenn ich das nicht wüsste. Frau Lambertson hatte es mir gesagt.“

„Na das wäre dann ja auch geklärt und nun los. Einkaufen ist angesagt..“

Damit drehte sich Kjell um und stapfte die Treppe runter.

„Na los Bente, dann gehen wir mal shoppen.“

*-*-*

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7 Kommentare

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  1. Hi Jörg,

    na das ist schon mal eine interessante, gelungene Fortsetzung. Freu mich schon auf mehr.

    LG Andi

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    • Calippo auf 20. März 2016 bei 20:43
    • Antworten

    Hej Joerschi,

    eine sich gut entwickelnde Geschichte, die Du hier schreibst. Gefaellt mir echt sehr gut und lies mich schon einige male Grinsen 🙂
    Hoffe, da kommen noch einige Teile hinterher von den dreien, den die Charaktere scheinen gut gewaehlt zu sein.

    Viel Spass weiter beim schreiben
    Lg Calippo

    P.S. Bente ist ein Maedchenname, und Jungs heissen Bent 😉

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  2. Der Anfang liest sich gut und macht Lust auf mehr. Tolle Charaktere,

    Gruß Stef

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  3. Tolle Charaktere, wenn es so weitergeht, dann erwartet uns ja noch einige chaotische Situationen.

    Gruß Stef

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    • Andi auf 9. September 2016 bei 00:54
    • Antworten

    Hallihallo, schade dass es hier nicht schon wieder mal eine Fortsetzung gibt. Eine solch tolle Storie verdient eine Fortsetzung, würde mich jedenfalls echt freuen.

    Auf mehr hoffend VlG Andi

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    1. Der Autor ist zur Zeit leider durch Krankheit verhindert! Gruß Pit

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    • Markus auf 25. Februar 2017 bei 17:34
    • Antworten

    Ich finde die Geschichte klasse hoffentlich geht es bald weiter

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