Traumschiff – Teil 88

Party……..Spiele…….Erkenntnisse in Sachen Love.

So Leute, es geht weiter, dieses Mal hat es etwas länger gedauert. Sorry, aber es gab einige Gründe, mehrere Arztbesuche, spezielle Untersuchungen und eine neue Schmerztherapie, Termine ehrenamtlicher Natur mit viel Schreibkram und natürlich auch die Fußball-EM haben wenig Zeit zum Schreiben gelassen.
Danke für die Kommis, für Empfehlungen und Favoriteneinträge, ich freue mich sehr darüber und Danke auch meine treue Beta Leserin.

Jerome

Die erste Essensrunde neigt sich dem Ende zu, der erste Hunger scheint gestillt und es wird Zeit, die Kurzvorstellung zu starten. Armin ist der Erste von uns, Alex ist ja erst später dran. Mit gerade mal vier Sätzen stellt er sich vor, dann ist Boris dran, gefolgt von Chris und Denise.
Weiter geht’s mit Dirk, dann Frank, Kevin und Wolfi, der ja eigentlich Kai heißt und deshalb auch bei K dran ist. Marie kommt vor Marvin, dem folgen Matze, Micha und dann Mike.
Ole, Paolo, Paul und Robin, sowie Rolf, schließen sich an und den Schluss der ersten Runde bilden Sergej, Sigrid und Torsten. Ich war hinter Frank und vor Kevin ebenfalls dran.
Ich stehe wieder auf und sage: „Jetzt sind zunächst Alex und Ralf an der Reihe, danach dann die Erwachsenen.“
Alex erhebt sich jetzt, schaut in die Runde und beginnt: „Mein vollständiger Name ist Friedhelm Alexander Graf von und zu Reventlow, für euch aber nur Alex bitte, Lex ist auch OK, der Rest ist geschenkt. Geboren bin ich in Idar Oberstein, das liegt in Rheinland Pfalz, dort war mein Vater an der Artillerieschule der Bundeswehr, als ich am dreizehnten April neunzehnhundertzweiundneunzig geboren wurde. In meinem gerade mal achtzehnjährigen Leben bin ich, mit der Reise nach England und der Fahrt hierher, ganze neun mal umgezogen.
Mit fünfzehn Jahren wurde mir klar, das ich lieber Jungs mag und keine Mädchen, allerdings kam das erst kurz nach meinem siebzehnten Geburtstag heraus, als sich mein damaliger erster fester Freund anlässlich der Versetzung seines Vaters nach Bonn bei uns zu Hause verplappert hat. Damit endete nicht nur unsere Freundschaft, sondern für mich begann die Hölle auf Erden und zu Beginn des neuen Schuljahres kam ich in ein englisches Elite und Horrorinternat und ich habe oft über einen Freitod nachgedacht um diesem unglaublich beschissenen Leben für immer zu entkommen. Das ich heute hier sitzen kann mit euch allen, verdanke ich Kevin und Wolfi, aber auch meiner hiesigen Verwandtschaft und dafür bedanke ich mich jetzt noch einmal offiziell bei Euch. Soviel Freunde und deren Unterstützung zu haben ist für mich ein tolles, vor allem aber auch ein beruhigendes Gefühl. Das ihr dann auch noch den Ralf eingeladen habt, an dem mir sehr wohl etwas liegt, freut mich besonders und das ihr das gemerkt habt, das wir uns schon was bedeuten, das finde ich ganz toll, Danke dafür. Ich werde mir Mühe geben, Euch ein guter Neffe, Cousin und Freund zu sein und freue mich echt, das das Schicksal mich zu euch verschlagen hat.“ Es gibt Applaus für ihn und er setzt sich wieder.
Ralf steht jetzt auf, räuspert sich kurz und fängt dann an: „ Ich heiße Ralf, Ralf Degenhardt, bin vierundzwanzig und stamme aus Oldenburg. Als zuhause, ich war gerade achtzehn, raus kam, das ich schwul bin, haben sie mich quasi raus geschmissen und ich zog zu meinem Opa, weil ich ja meine Schule noch zu Ende machen wollte. Opa hatte nichts gegen Schwule und wir verstanden uns ganz toll. Nach dem Abitur und drei Jahren Ausbildung im Hilton zum Hotelkaufmann habe ich auf der MS Europa angeheuert und später dann auf die August Remmers gewechselt. Opa hat mir ein bisschen was vererbt und zuerst wollte ich studieren, als aber die Stelle auf der August Remmers frei wurde, habe ich mich dorthin beworben und ein eventuelles Studium nach hinten verschoben.
Ich bin also flexibel, was meine Zukunft angeht. Wenn meine Wünsche wahr werden, die in erster Linie wohl auch Alex betreffen, dann kann ich ein Studium beginnen, bin nicht dauernd mit dem Schiff unterwegs, mal sehen wie es denn so wird mit uns und allem anderen. Über die Einladung hier her habe ich mich sehr gefreut und bedanke ich bei all denen, die das ermöglicht haben.“
Er setzt sich, bekommt Applaus und Alex legt kurz den Arm um seine Schulter. Jetzt wäre Papa wohl an der Reihe und ich nicke ihm zu.
Er steht auf, räuspert sich, wie immer halt, und fängt an. „Ich heiße Carl August Remmers, bin fünfundvierzig Jahre alt und Vater von Natascha und Jerome. Unsere Familie spielt eine große Rolle an der Spitze eines weltweit agierenden, sehr vielschichtigen Konzerns und das eröffnet uns im Prinzip alle Möglichkeiten, auch die, anderen Leuten in Schwierigkeiten helfen zu können. Jeromes Unfall hat einige Dinge ins Rollen gebracht und nach einer rasanten Entwicklung ist diese heute hier versammelte Gemeinschaft entstanden und es ist aus unserer Sicht alles gut so. Wir, meine Frau Lis und ich, aber auch meine Mutter und ihre Schwester würden es auch in der Zukunft sehr begrüßen, Euch des öfteren hier in diesem Kreis zu sehen und wenn ihr Hilfe braucht, meldet euch, bei mir, bei Lis , bei Jerome oder Ole. Ich wünsche allen heute hier ein paar schöne Stunden und hoffe, das wir in einem Jahr spätestens mit einem gesunden, großen und toll aussehenden Robin wieder hier feiern können. Viel Spaß.“ Es gibt ordentlich Applaus, was Papa sichtlich freut. Jetzt ist Mama dran.

Lis

Jetzt ist es wohl an mir, ein paar Sätze zu meiner Person zum Besten zu geben, also stehe ich nun auf: „Ich bin Elisabeth Freifrau von Salmuth-Remmers, kurz und bündig aber nur Lis oder Frau Remmers genannt und mein vierzigster Geburtstag ist gerade mal sieben Wochen her.
Den verstaubten Adelsklimmbimm habe ich mit neunzehn Jahren in Berlin zurück gelassen, als mich mein Mann regelrecht aus den Klauen meiner versnobten Familie entführt hat, die mich dort an einem kleinen, pummeligen, aus Ostpreußen stammenden Baron verheiraten wollte. Hier in Bremerhaven bin ich mit Carl August und unseren Kindern, deren Partnern und Freunden, sowie Oma und Frieda und seit neustem Neffe Alex glücklich und zufrieden. Das Bestreben, glücklich zu sein, sollte meiner Meinung nach den höchsten Stellenwert im Leben eines jeden Menschen haben und alles, was wir dazu beitragen können, Menschen glücklich zu machen, das tun wir. Wir freuen uns, wenn es allen in unserem Umfeld gut geht. Auch ich wünsche Robin alles Gute für seine USA Reise und uns allen einen tollen Abend.“
Ich setze mich wieder hin und es gibt auch für mich Applaus. Jetzt wäre dann wohl Frau Gut an der Reihe.
Sie steht auf und beginnt mit den Worten: „Als ich damals, nach dem mich Sigrids Vater vor über sieben Jahren verlassen hat, hier anfing, im Haushalt der Familie Remmers zu arbeiten, habe ich die Stelle meines Lebens gefunden und bin hier sehr gern und fühle mich sehr wohl hier. Den Zwang, als alleinerziehende Mutter mit zweiundvierzig Jahren wieder einer Arbeit nach gehen zu müssen, den empfand ich schon bald nicht mehr als negativ, sondern ich komme seit vielen Jahren jeden Tag gerne hier her. Seit Sigrid jetzt auch hier mit eingebunden ist in den großen Freundeskreis, ist alles eigentlich perfekt und auch Torsten ist mir als Freund meiner Tochter sehr willkommen. Da ich mich auch mit allen anderen Angestellten hier sehr gut verstehe, freue ich mich auf hoffentlich noch viele Jahre hier im Haus Remmers. Für die Einladung zu eurer Party bedanke ich mich.“

Nun ist Oles Mutter an der Reihe. „Ich bin Greta Jensen, die Mutter von Ole und Marie und arbeite im Haushalt von Oma Gesine und Tante Frieda. Das mache ich seit etwa zwei Jahren, nach dem mein Mann auf seiner Arbeit tödlich verunglückt ist. Auch ich bin froh, hier arbeiten zu können und meine Kinder sind froh, auch hier dazu gehören zu dürfen. Es ist gerade zu fantastisch, wie sich alles so entwickelt hat hier und ich freue mich für und mit euch allen, das es so gut läuft in diesem Kreis. Das hier jeder so sein kann, wie er ist, zeichnet den Kreis und auch die Familie Remmers besonders aus und die Hilfen, die einige von Euch erfahren durften, sind schon was besonderes. Auch ich wünsche mir noch etliche schöne Jahre hier und euch allen viel Glück auf dem Weg in die Zukunft.“
Auch sie bekommt Applaus und nun ist die Reihe an Martin und Kai. Martin beginnt und sagt:“Hey, ich bin Martin, zweiundfünfzig und seit fünfundzwanzig Jahren hier angestellt. Noch von Oma Gesines Mann August Remmers eingestellt, habe ich all die Jahre hier gearbeitet und habe Jerome und Natascha im Kreis der Familie aufwachsen sehen. Ich wohne hier im Haus, unten im Souterrain mit Kai und seit ein paar Wochen wohnt auch Kevin bei uns, meist mit seinem Wolfi. Kai und ich sind seit fünfzehn Jahren zusammen, arbeiten sehr gern hier und durch mein besonderes Verhältnis zu Jerome habe ich die Entstehung dieser Gemeinschaft immer hautnah mit bekommen und kenne alle gut hier, so wie ihr mich kennt. Auch ich freue mich auf hoffentlich noch viele gute Jahre hier mit euch allen, auch oder gerade weil ihr jetzt bald mehrheitlich nach Bremen auswandert. Ich wünsche uns allen einen schönen Abend in diesem Kreis und unserem Robin eine erfolgreiche Zeit in New York.“
Jetzt ist der Kai aufgefordert, sich vor zu stellen und er steht auf und blickt kurz in die Runde. „Hallo, ich bin der Kai, aber das wissen die meisten ja schon. Seit über fünfzehn Jahren bin ich mit Martin zusammen, genau so lange etwa fahre ich hier für die Familie Remmers und bin wie Martin sehr froh, das ich hier arbeiten und leben darf. Ich bin mit siebenunddreißig, fünfzehn Jahre jünger als es mein Martin ist, das war aber für uns nie ein Problem. Nach dem Kevin nun bei uns eingezogen ist, mit dem kleinen Kai, sind wir eine echte Familie und wir fühlen uns auch so. Das wir das hier so sein können, ist toll und dafür sind wir auch der Familie Remmers sehr verbunden. Wie es ist, keine Familie mehr zu haben, habe ich nach meinem Outing erfahren, da bin ich nämlich wie der Ralf raus geflogen, allerdings hatte ich keinen Opa, zu dem ich gehen konnte. Das ist aber alles Vergangenheit, die Gegenwart ist deutlich besser und auch die Zukunft sieht rosig aus. Ich hoffe, das wir noch oft so zusammen kommen in diesem Kreis und das es allen gut geht.“ Er setzt sich wieder hin und Martin legt einen Arm um ihn.

Ole

Jetzt ist die Reihe an dem Doktor Alex und auch er steht auf für seine Worte. „ Ich heiße Alex Brunner, stamme aus Augsburg und bin Arzt, genauer Kardiologe, spezialisiert auf Kinder und Jugendliche mit Herzerkrankungen. Ich arbeite im Herzzentrum in Bremen seit etwas mehr als zehn Jahren. Seit dieser Zeit ist auch Robin Wegmann mein Patient. Wegen homophober Anfeindungen haben mein damaliger Partner und ich Augsburg verlassen und sind hier her nach Bremen gekommen. Mein Partner wurde bei Radio Bremen angestellt und ich arbeitete im Herzzentrum. Vor gut zwei Jahren verunglückte mein Partner, während der Arbeit bei einem Verkehrsunfall und verstarb. Jetzt habe ich vor kurzem hier den Markus Meinle kennen gelernt und Robin und auch Enrico waren der Meinung, das wir ganz gut zusammen passen würden. Mittlerweile glauben wir das wohl auch und so werden wir es, sobald ich aus den Staaten zurück sein werde, wohl dann auch probieren. Zu Robin habe ich über die Jahre wohl väterliche Gefühle entwickelt und deswegen begleite ich ihn nach Amerika.“
Applaus, besonders natürlich von Robin, aber auch der Herr Meinle klatscht länger als die meisten. Der ist jetzt dann auch an der Reihe und er stellt sich hinter den Doktor Alex und legt seine Hände auf dessen Schultern. Der schaut hoch und grinst ihn aufmunternd an.
„Ich bin Markus Meinle, fünfundvierzig Jahre alt und Chefkoch im Hilton in Bremen“, fängt er an. „Sergej und Enrico, Kevin aber auch den Ralf kenne ich, weil sie bei uns waren oder es noch sind. Um Enrico für seine gute Arbeit aus zu zeichnen und seinen Vertrag vorzeitig zuverlängern, war ich ja neulich auf Einladung meines Chefs schon einmal hier und habe die meisten da ja auch schon kennengelernt. Den Doktor Alex kenne ich auch daher und wir haben uns mittlerweile schon des öfteren getroffen und dabei festgestellt, das wir uns mögen. Was daraus wird, muss die Zeit nach seinem USA Aufenthalt zeigen, aber wir sehen schon die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft über eine Männerfreundschaft hinaus. Das Essen heute Abend haben Enrico und ich für Euch vorbereitet und wir hoffen, das es euch gut schmeckt. Alles Gute für Robin und einen tollen Abend uns allen.“
Nun ist noch Noahs Familie und Robins Mutter da, die sich noch kurz vorstellen müssen, dann sind alle durch. Ulf, Noahs Papa macht den Anfang, erzählt, das er auch fünfundvierzig ist und mit Carl August seit dem Gymnasium befreundet ist und auch mit ihm studiert hat. Er erzählt weiterhin, das er in dem Konzern als Personalchef arbeitet, seit neunzehn Jahren mit seiner Irene verheiratet ist. Er ist froh, das Noah hier wieder Anschluss gefunden hat, der nach Jeromes Unfall wohl abgerissen war und die Tatsache, das Noah jetzt mit Enrico zusammen ist seit dem vierzigsten Geburtstag, das gefällt ihm und er mag Enrico sehr. Er freut sich auf den gemeinsamen Urlaub am Gardasee, zu dem jetzt auch Irenes Mutter mit kommt, nach dem sie sich zunächst mal vorläufig von ihrem homophoben Mann getrennt hat und bei ihnen in Bremen wohnt.
Nach dem schon obligatorischen Applaus ist nun Noahs Mama dran. Sie sagt, das sie Irene heißt, zweiundvierzig Jahre alt und das sie Hausfrau ist. Sie möchte aber, wenn Noah studiert, wieder einer Arbeit nachgehen. Sie war vor Noahs Geburt als Arzthelferin beschäftigt. Das ihr Vater so stur ist, was Noahs Schwul sein angeht, tut ihr leid und sie hofft, das er doch noch zur Vernunft kommt. Mit Enrico kommt sie gut aus und mag ihn sehr und auch sie freut sich auf den gemeinsamen Urlaub in Italien.
Auch Noahs Oma stellt sich vor, heißt Judith Rasmussen und wohnt zur Zeit bei der Familie ihrer Tochter in Bremen. Ihr Mann, Pfarrer im Ruhestand, ist abgereist, weil Noah schwul ist und seine Eltern das so akzeptieren. Sie sagt weiter, das sie nicht vorhat, zu ihm zurück zu kehren, solange er homophob ist und auch, das sie durch kluge Planung seit Jahren unabhängig ist und den Mann nicht zum Leben braucht. Jetzt kommt erst mal der unverhoffte Italienurlaub, der erste ohne ihren alten Nörgelpitter und das freut sie sehr.
Sie bekommt viel Applaus für ihre Einstellung und nun, zum Schluss, steht Robins Mutter auf und stellt sich vor: „Ich bin Charlotte Wegmann, bin sechsundvierzig Jahre alt und seit fünfzehn Jahren Witwe. Mein Mann starb an einer Hirnblutung, als ich mit Robin im sechsten Monat schwanger war. Chris war fünf und es war eine schwere Zeit, weil mein Mann gut vorgesorgt hatte, wurde Sie zumindest materiell nicht zu einem Desaster. Als Robin zur Welt kam, hatte er diesen tückischen Herzfehler und es wurde anfangs ein ständiger Kampf ums Überleben für ihn, aber auch für Chris und mich. Als Doktor Brunner Robins Arzt wurde, gelang es ihm, den Zustand Robin etwas zu verbessern und ihn weitestgehend zu stabilisieren. Als Robin acht wurde, musste ich wieder zur Arbeit gehen, fand mit viel Glück eine gute Stelle, bei der ich immer Mittagsschicht hatte. So konnte ich morgens für Robin da sein und Chris dann immer nachmittags. Mein Leben war bestimmt vom Kampf gegen die Krankenkasse, die eine OP in Amerika nicht übernahm. Das es jetzt doch dazu kommt, verdanken wir Jerome und seiner Schwester, die die Kosten dafür übernommen haben. Die Freude ist groß, aber auch Angst ist da in meinem Herzen und es fällt mir trotz allem schwer, Robin gehen zu lassen. Das Alex Brunner, Chris und Matze dabei sind, ist gut und so hoffe ich, das alle, vor allem aber mein Kleiner, gesund zurück kommen. Euch allen danke ich für die Freundschaft, die ihr meinen Söhnen entgegen bringt und sie dadurch in ein neues Leben eintauchen konnten mit vielen Freunden und vielen, zum Teil unbekannten Aktionen für die beiden. Das mein großer nun auch noch hier bei Euch einen lieben Freund gefunden hat, freut mich und dich, Matze, mag ich jetzt schon sehr gern. Das du meine Jungs begleitest, finde ich toll, danke dafür.“ Lang anhaltender Applaus beendet die Vorstellungsrunde und nun finden sich schnell Gruppen, die etwas zusammen spielen wollen.
Andere wiederum sitzen zusammen und reden, trinken Bier oder Radler und so und Denise hat jetzt die Musikanlage angemacht. Die Erwachsenen gehen teilweise mit Lis und Carl August durchs Gelände spazieren, Robin wird von Lis geschoben, während er den Fiffi an der langer Leine hält.

Joachim Morbach

Gestern, am späten Nachmittag haben wir mit Genua den größten italienischen Hafen erreicht und im „Ducca degli Abruzzi“, so heißt der Touristenhafen, festgemacht, wo heute die Vorbereitungen für die anstehende Mittelmeerkreuzfahrt begonnen haben. Jo ist voll eingespannt mit der Bunkerung all der vielen Lebens- und Genussmitteln und sonstigen Dingen, die auf so einem Trip verzehrt oder gebraucht werden.
Ich habe mit dem Sanitätspersonal eine Inventur gemacht und in Folge davon eine Liste der Sachen, die noch benötigt werden. Verschiedene Medikamente, Verbandsstoffe und anderes werden von Jo dann bestellt und ans Schiff geliefert. Jo hat mir aufgetragen, die jeweiligen Lieferungen für meinen Bereich sorgfältig zu kontrollieren, ob es mit der Bestellung übereinstimmt und auch, ob das Verfallsdatum der Medikamente nicht zu knapp oder gar schon abgelaufen ist.
Er sagt, das manche Lieferanten es immer wieder versuchen, fast abgelaufene Sachen an die Schiffe abzugeben.
Der Hafen ist mit über fünfhundert Hektar riesig und der wichtigste Umschlaghafen Italiens. Seine handelsstrategisch wichtige Lage am Ansatz des Stiefels zum Kontinent machen ihn auch aus europäischer Sicht zum wichtigsten Hafen Italiens. Der Fähr und Touristenhafen wird jährlich von über drei Millionen Passagieren benutzt.
Nun wird es langsam ernst, denn am Mittwoch nächster Woche kommen die ersten Passagiere an Bord und am Donnerstag in der Frühe laufen wir aus. Erstes Ziel ist Sizilien, von dort geht es in Richtung Kreta und Griechisches Festland und runter bis in türkische Gewässer. Ich bin gespannt, wie es läuft und was wir hier im Sanitätsbereich alles zu tun bekommen.
An Land waren wir noch nicht, wollen aber heute Abend ein bisschen in die doch relativ große Stadt, die mit über sechshunderttausend Einwohnern die Hauptstadt Liguriens ist. Jo, der schon öfter hier war, will mir einiges Sehenswerte dieser Stadt näher bringen.

Boris

Martin hat auch einen Fußball zu den Spielen gelegt und schnell haben sich zwei Vierer Mannschaften gebildet und wir bolzen abseits des Partygeländes auf der Wiese, die, kurz geschnitten, ein ordentliches Spielen mit dem Ball zu lässt. Die Tore sind durch T-Shirts markiert. Jerome und Armin sind im Tor, zu Armins Mannschaft gehören Ole, Dirk und Mike, so wie der Torsten.
Bei Jerome spielen Sergej, Alex und Ralf und ich und es ist ziemlich ausgeglichen. Marvin macht den Schiedsrichter und wir haben alle viel Spaß dabei. Armins Mannschaft spielt mit freiem Oberkörper, damit sich die Teams besser auseinander halten können.
Paul und Marie spielen mit Tom und Micha Badminton am Netz und sie sind ganz gut. Matze, Chris und Denise so wie Paolo, Natascha und Sigrid spielen Boule, Drei gegen Drei, Triplette heißt das wohl.
Frank spielt mit Kevin, Wolfi und Rolf Kriquet, so das alle außer Noah und Enrico beschäftigt sind. Die zwei sitzen beim Grill auf einer Bank und unterhalten sich mit Markus Meinle und Doktor Brunner. Die anderen Erwachsenen sind mit Robin und dem Fiffi auf dem Gelände unterwegs. So sind alle beschäftigt und haben Spaß und es dauert mehr als eine Stunde, bis sich nach und nach wieder alle um die Feuerstelle versammeln.

Enrico

Noah ist zu mir gekommen, an den Grill, Fußball kann er mit dem Bein noch nicht gut spielen und jetzt sitzen wir auf einer Bank mit dem Markus und dem Doktor Brunner, der ein wenig von der bevorstehenden OP-Serie in den Staaten spricht, die etwa fünf bis sechs Eingriffe umfasst und dann auch mit einer hormonellen Behandlung Robins einher geht.
Je nach Reaktion der Hormone in Robins Körper kann die OP- Serie auch durchaus acht Monate dauern, wobei die ersten beiden OP´s wohl die schwierigsten sind und somit wohl auch die gefährlichsten. Wenn die mal überstanden sind, dann sieht alles besser aus und dann dürfte auch der Rest der Behandlungen klappen, sagt er. Wir alle werden wohl in Gedanken bei dem Kleinen sein, der ja am sechsundzwanzigsten dort zur Eingangsuntersuchung erscheinen muss. Wenn es wirklich zum Schlimmsten kommen würde, wäre das eine Katastrophe, ein Supergau für alle hier, aber seine Chancen stehen ganz gut, meint der Dr. Alex.
Morgen geht es ja jetzt auch mit uns los, ab in den Urlaub, nach Bella Italia, mit Schatz und dessen Familie. Ich freue mich sehr darauf und es wird bestimmt toll am Lago di Garda. Dort war ich noch nie und deshalb bin ich gespannt darauf, wie es dort sein wird. Die lange Autofahrt ist zwar nicht so prickelnd, da es mit dem A6 Kombi aber ein ziemlich großer Wagen ist, denke ich, das es nicht so schlimm wird. Herr Schroer hat von Herrn Remmers zwei Bildschirme für an die Rückenlehne der vorderen Sitze geliehen und über den Bordcomputer können wir dann einige Filme gucken unterwegs, mein Schatz und ich. Da wird die Zeit nicht so lang und ein bisschen pennen werden wir wohl auch noch.
Markus meint jetzt, wir sollten mal mit dem zweiten Grilldurchgang anfangen, weil die meisten Leute vom Spielen und Spazieren gehen zurück sind. Ich hole schnell noch zwei Radler für Noah und mich und zwei Bier für Markus und den Doktor, dann geht das Grillen wieder los. Es ist halb acht mittlerweile, es ist immer noch warm und auch die Sonne ist noch da.

Alex

Das Fußballspiel ist beendet, zweimal dreißig Minuten mit Pause dazwischen und wir haben alle geschwitzt. Jeromes Mannschaft hat mit sechs zu vier Toren gewonnen, also ich auch. Es hat Spaß gemacht und jetzt ist auch wieder Hunger da nach der Anstrengung, vor allem aber Durst.
Seit ich in Berlin an der Beerdigung meiner Großeltern mit Kevin und Wolfi abgehauen bin, habe ich noch kein böses Wort, keine Beschimpfung oder was Abwertendes gehört, nicht das es mir fehlen würde, nein. Hier gehen alle respektvoll und nett mit einander um und das muss ich wohl erst mal wieder realisieren nach all den „Nettigkeiten“ in unserer Familie und dem rüden Ton in diesem komischen Internat bei den „Inselaffen“ drüben.
Das ich da nicht mehr hin muss, das freut mich fast noch mehr, als das ich meine Familie nicht mehr sehen muss. Ich schlafe endlich wieder gut und statt Alpträume träume ich jetzt schon mal ab und zu von Ralf, aber keine feuchten Träume, wenigstens bis jetzt noch nicht, da ist wohl noch zu viel Uwe im Unterbewusstsein.
Das Ralf heute hier ist, ist einfach gut und wir werden zusammen in einem der Zelte übernachten, mit Kuscheln und so aber nicht mehr. Ich glaube, das reicht uns auch im Moment, alles andere kommt irgendwann später bestimmt auch, wenn ich das will. Das er das will oder besser gesagt, möchte, das spüre ich deutlich und es lässt mich nicht kalt. Ob er wohl auch von mir träumt, ich hoffe es.
Er gefällt mir schon echt gut und auch seine Art macht mich an, mit ihm könnte ich mir sehr viel vorstellen und meine Gefühle für ihn wachsen ständig, ich mag ihn sehr, denk viel und sehr oft an ihn, trotz der vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen, die ich täglich erlebe und mache.
Hier ist eine ganz andere Welt, als die, aus der ich komme. Hier bist du erwünscht, man freut sich, das du da bist, bezieht dich voll mit ein, gibt dir das Gefühl der Zugehörigkeit, etwas das mir so schon ewig nicht mehr passiert ist.
Hier bin ich nicht der kleine, schwule Assi, der Kotstecher oder die Afterdirne, hier bin ich Alex, der Neffe, der Cousin, der jetzt hier wohnt und lebt und den man mag und das zeigt man auch. Dem man zuhört, den man fragt, ob alles OK ist, dem man das tolle Gefühl gibt, dazu zu gehören zu der tollen Familie, das macht froh, macht vieles leichter für mich und nimmt mir jegliche, in der Vergangenheit oft sehr große Zukunftsangst.
Hier bin ich ICH, Alex, achtzehn, schwul, nicht dumm und voller Hoffnung. Abi im nächsten Jahr, das schaff ich, Führerschein, kann ich machen, hat Jerome gesagt, eine Beziehung mit Ralf, möchte ich und dann ein Studium in Bremen, vielleicht auch in der WG, von der sie immer reden. Wenn das keine Aussichten sind, was dann?
All das ist einfach passiert nach meiner Frage an Kevin und Wolfi, ob sie schwul seien. Ab da lief es wie von selber, ich war quasi Zuschauer, höchstens aber Statist, bei meiner Befreiung und dann stand ich im Focus des Geschehens, wurde beguckt, vielleicht sogar bestaunt und dann wie selbstverständlich vereinnahmt, aufgenommen, ohne wenn und aber, bedingungslos praktisch und deshalb ist das für mich alles fast wie ein Wunder. Mittlerweile kneife ich mich aber nicht mehr, weil ich jetzt realisiert habe, das es kein Traum ist und die Hand, die jetzt nach meiner greift, ist auch echt und da hängt sogar ein Ralf dran. „Komm mit, wir holen uns noch was zum Essen“, sagt er an mein Ohr und dann zieht er mich einfach hoch und wir gehen zu dem großen Grill.
Fisch hatten wir vorhin, jetzt holen wir uns jeder ein Steak mit ein paar leckeren Beilagen und der Koch am Grill sagt zu Ralf: „Hallo, Ralf, jetzt hat es dich auch hier her verschlagen wie ich sehe und einen hübschen Freund hast du jetzt auch.“ „Hallo, Herr Meinle, schön, sie auch hier zu sehen“, sagt Ralf, „wir, Alex und ich, haben uns auf dem Schiff kennen gelernt und deshalb wurde ich auch heute eingeladen von unserem Chef.“ Der Herr Meinle legt jedem von uns was auf den Teller und wir gehen zu dem Tisch, auf dem die Beilagen stehen und bedienen uns dort.

Frank

Nach unserem Spiel, Rolf hat zweimal gewonnen, sind wir nun auch wieder im Kreis um die Feuerstelle, wo Ole gerade die Vorbereitungen trifft, das Feuer anz machen. Wir helfen kurz und reichen ihm die erforderliche Anzahl an Buchenholz-Scheiten an, die er gekonnt aufstapelt, so das sie nur noch mit Papier und dünnen Schlibbern angebrannt werden müssen.
Ole kann das echt gut, mach einer würde da wohl kein Feuer zustande bringen. Ole ist überhaupt handwerklich geschickt und hat immer Lösungen parat. Das er überhaupt ein Jurastudium machen will und nicht irgendwas Technisches, hat mich schon gewundert, er wird dann seine praktische Veranlagung wohl über ein Hobby zur Geltung bringen, kann ich mir vorstellen.
Ich bin so froh, das er mein Schatz geworden ist, er könnte wohl fast jeden bekommen, aber er will nur mich und ich nur ihn. Ich hoffe, dass das für immer so sein wird mit uns und ich werde mich bemühen, das Feuer unserer Liebe niemals ausgehen zu lassen.
Der zweite Grilldurchgang ist vorbei, alle sind vorübergehend satt und Kevin packt, sehr zur Freude Robins, die Gitarre aus und stimmt kurz die Seiten. Es geht auf einundzwanzig Uhr zu und die Sonne berührt schon fast den Erdboden, bald beginnt die Dämmerung und Ole macht nun das Feuer an, das bald lustig knisternd vor sich hin brennt. So ein Feuer hat schon irgendwie was romantisches und jetzt, nach dem Denise die Muke aus gemacht hat, fangen unsere Musikanten mit ihrer kurzen Probe an. Ralf, der seine Mundharmonika auch dabei hat, setzt sich mit Alex zu Kevin und Robin und dann üben sie das Zusammenspiel zuerst gemeinsam.
Als es klappt, beginnen sie zu spielen und zu singen. Wer kann, singt mit, wer nicht kann, summt halt mit und es klingt stellenweise echt gut, vor allem, wenn Kevin und Robin alleine singen. Die haben das drauf, das ist aber für uns ja schon länger klar und man hört ihnen gerne zu, obwohl es ja keine modernen oder angesagten Texte sind, die sie da singen.

Boris

Der Kleine singt zuerst leise mit Kevin zur Probe und schaut dabei öfter zu mir herüber. Der Ralf kommt auch dazu, stimmt sich mit den beiden ab, bevor sie dann richtig los legen. Es ist schon ein komisches Gefühl, über die Robin erwartenden Strapazen dort in den USA nachzudenken. Hoffentlich kriegen die Ärzte ihn wieder hin, machen ihn so gesund, das er normal leben und normal alt werden kann, mein Kleiner.
Ich habe ihn in den letzten Wochen, vor allem auf dem Schiff, einfach lieb gewonnen, darum wünsche ich mir von ganzem Herzen, das er gesund zurück kommt und wir uns auch bald wiedersehen werden.
Sergej wird mich auf dem Laufenden halten und auch Chris hat mir versprochen, eine tägliche Lagemeldung an mich zu schicken, so das ich immer aus erster Hand weiß, wie es Robin gerade geht. Wenn ich weiß, das es dem Jungen gut geht, werde ich mich auf alle anderen Dinge und auf die neue Ausbildung viel besser konzentrieren können.
Bereits am Montag, im Laufe des Tages, werde ich mit Mama im VW-Bus die Sachen zu Opas Haus bringen und dort mein neues Zimmer im Obergeschoss einrichten. Papa hat bereits mit Opa ab Donnerstag renoviert und alles weiß gestrichen, das wollte ich so. Jetzt werde ich dann ab Montag diverse Poster von Fußballern und auch verschiedene Filmplakate aufhängen und alles so einrichten, wie es mir gefällt.
Ein Zimmer oben, groß und ein Duschbad auf dem Flur, Opa und Oma schlafen ja unten, das hat schon was, darauf freue ich mich und dann muss ich nur schauen, was aus den Jungs und Mädels geworden ist, mit denen ich früher immer gespielt habe, wenn ich bei Opa zu Besuch war. Im Fußballverein werde ich mich dann auch zeitnah anmelden und mit dem Training beginnen. Papa hat mich bei meinem alten Verein abgemeldet.
Die wollten mich zwar behalten, mir auch das Fahrgeld und sonstige Unkosten bezahlen, aber dreimal die Woche hin und her fahren und dann noch am Wochenende spielen, das wollte ich nicht. Der Verein in Radebeul soll ganz gut sein und das reicht ja dann auch, um meinem Lieblingssport nach zu gehen.
Marvin, der Freund von Marie, fragt mich jetzt, wann ich denn am Sonntag los fahre und wie lange ich etwa unterwegs sein werde. Ich sage zu ihm: „Wenn ich so um neun wegfahre und den kürzesten Weg nehme, kann ich bis sechzehn Uhr locker zu Hause in Dresden sein.“ Da der Roller gut neunzig Sachen macht, müsste das zu schaffen sein und durch halten wird er auch, er ist ja fachgerecht überholt und voll OK. Getankt habe ich auch und das bisschen an Sachen, was ich noch hier habe, kommt in den Rucksack.
Solange an einem Stück bin ich noch nie gefahren, aber es wird schon hin hauen, da habe ich keine Bedenken. Schließlich fahre ich ja schon über ein Jahr und bisher immer unfallfrei. Marvin sagt, das er nie einen Roller hatte und erst seit kurzer Zeit ein Auto, so einen kleinen, Smart heißt der. Ich werde wohl nächstes Jahr einen Skoda bekommen, vielleicht Opas Kombi, das wäre natürlich toll, das ist eine tolle Karre. Allerdings geht jetzt zunächst mal meine neue Ausbildung los, ein Neuanfang, den ich aber gern beginne, sehe ich dann doch täglich vor Augen, für was ich quasi noch mal neu anfange. Später mal von Opa den Betrieb übernehmen, das ist doch eine gute Zukunftsoption, die jede Anstrengung wert ist.

Carl August

Wir Erwachsenen werden später hoch gehen ins Haus, so gegen halb Elf und das Jungvolk sich selber überlassen. Dort werden wir noch ein gutes Glas Wein trinken oder auch zwei und Robins Mutter ein bisschen ablenken. Lis wird das in den nächsten Tagen so wie so tun, um ihr das Allein sein zu ersparen, zumindest teilweise und ihr auch versuchen, die Angst ein wenig zu nehmen. Lis fällt da schon was ein, da bin ich mir ganz sicher. Mit Ulfs Urlaub beginnt Montag mein Job auch wieder und ein wenig freue ich mich darauf.
Dann, wieder fast den ganzen Tag in Bremen, werde ich auch mal auf die jetzt wohl langsam fertige Baustelle fahren und schauen, was aus der Fabriketage geworden ist. Ewald Knauer muss dann hierher kommen und der Herr Stiefel, um den Außenpool zu planen und schnellst möglich zu beginnen.
Hinter dem Haus, in Verlängerung der Terrasse werden wir das Teil hin bauen mit diversen Außenduschen, einer Umkleide und einer guten Wasseraufbereitung, auch die Möglichkeit der Wasserheizung mit Erdwärme oder Sonnenenergie für die Übergangszeit werden wir besprechen und das beste dann auswählen. Ein wenig natürlichen Sichtschutz und auch eine schöne Liegefläche mit Beschattung soll dann her.
Im Hinblick auf Jerome muss alles Rollstuhl tauglich sein, da es ja wohl noch keine wasserdichten Prothesen gibt und auch kaum geben wird. Auch, wenn seine Behinderung im Alltag nicht mehr auffällt, so kommt im Wasser und auf dem direkten Weg dahin immer wieder die Stunde der Wahrheit für meinen Sohn, der so glaube ich, sein Schicksal angenommen hat, der aber auch, so finde ich, an diesem Schicksal gewachsen ist, in erster Linie dank Sergej. Ich bin stolz auf ihn, ebenso auch auf Natascha und auch die Wahl ihrer Partner hat unser vollstes Einverständnis.
Mal sehen, wie das dann ab Dienstag klappt, wenn Kai und Martin weg sind. Ganz ohne Fahrer waren wir jetzt noch nicht, ich will aber auch nicht jetzt noch einen der beiden hier behalten, wo sie doch selten Gelegenheit haben, zusammen ein paar Tage auszuspannen und etwas gemeinsam zu erleben.
Ich habe da aber schon eine Idee und das erscheint mir eine gute Lösung. Ich lasse mich durch einen der Werksfahrer abholen und bringen, über Tag fahre ich eh immer mit diesen. Ich werde Sundermann anrufen und ihn bitten, mir den Ralf zu überlassen, der wird sowieso lieber zurück ins Hilton wechseln, jetzt wo es mit dem Alex wohl ernster zu werden scheint.
Sundermann soll einen neuen Stewart suchen mit Hilfe des Personalbüros. Der Ralf kann ja dann, wenn er das will, ab Montag hier solange als Fahrer einspringen, bis Martin und Kai zurück sind. Martin kann den jungen Mann ja am Montag mit den zwei Autos vertraut machen, Probefahrt inklusive und dann müsste es doch für knapp zwei Wochen funktionieren. Danach kann er dann bestimmt, bis Alex mit der Schule fertig ist und auf die Uni wechselt, wieder im Hilton arbeiten, so er das will.
Ich stehe auf und gehe um das Feuer zu Ralf und Alex, auf dem Weg dorthin hole ich mir gerade noch ein Bier und setze mich neben Ralf, der mich erstaunt ansieht. Jetzt erkläre ich ihm meinen Plan so, das auch Alex mit hören kann und auf meine Frage, ob das eine Option für ihn wäre, sagt er: „Ein Traum wäre das, keine Option, das wäre toll für mich und Alex wird das auch sicher freuen.“
Alex nickt und meint: „ Das wäre schon eine tolle Lösung, die mir sehr gut gefallen würde.“
„Das dachte ich mir schon“, sag ich grinsend, „dann werde ich mal Lis und auch Martin von der neuen Situation in Kenntnis setzen, Einzelheiten besprechen wir dann Morgen Nachmittag, wenn ich mit Sundermann gesprochen habe.“
Ich gehe wieder hinüber zu Lis und lasse die zwei jungen Männer mit der neuen, auf sie zu geschnittenen Situation zurück. Lis gefällt mein Plan und sie meint, das wir ihn ja dann auch für die Zeit im Haus unterbringen müssen und das sollte auf keinen Fall in Martins Wohnung sein, dann eher im zweiten Gästezimmer in Jeromes Bereich. Ich winke Jerome und Sergej und als sie bei uns ankommen, erkläre ich unser Vorhaben und auch die Überlegung, Ralf oben bei ihm unter zu bringen.
Jerome sagt: „Kein Problem, wenn sie schon ein bisschen weiter wären, würde wohl ein Zimmer reichen, aber ich kann mir vorstellen das Alex das noch nicht möchte, allerdings kann sich das sehr schnell ändern, habe ich das Gefühl.“ Sergej nickt dazu, ist wohl der selben Meinung, aber das kommt ja auch immer öfter vor. Ich sage zu Jerome, er soll bitte mal Martin zu mir schicken und der soll gerade mal noch zwei Bier und für Lis einen Radler mitbringen.
Chris und Robins Mama hat noch eine halbvolle Flasche in der Hand. Lis hat ihr vorhin von der Aktion Alex in Berlin erzählt, von Kevin und Wolfis Handeln und wie es Alex vorher ergangen ist bei seiner Familie.
Als Martin nun neben mir sitzt, erläutere ich ihm meine Überlegungen, das Fahren in ihrer Abwesenheit zu regeln und bitte ihn, den Ralf übermorgen auf dem Achter und auch auf den SUV einzuweisen und mit ihm Probe zufahren, damit er sich mit den Wagen aus kennt. „Kein Problem, Chef, das kriegen wir hin und wenn er auch später im Hilton arbeitet, dann können Kevin und er ja bestimmt zusammen fahren.“ Das setzt voraus, das er auf Dauer auch hier wohnen würde, vielleicht mit Alex zusammen, das muss aber die Zukunft zeigen. Alex wäre dann wohl besser in der Lage, seine Vergangenheit aufzuarbeiten mit dem Ralf an seiner Seite und da wir wissen, das der Ralf absolut ohne Tadel ist, habe ich auch kein Problem, wenn er bei uns im Haus wohnt.
Allerdings werde ich darauf bestehen, das er sein eigenes Zimmer behält, wir wissen ja nicht, ob beide dauerhaft zusammen kommen.
Wo sie dann letztendlich schlafen, das ist mir egal, aber so hat jeder sein Zimmer, wenn es nicht klappt oder wenn der Beziehungssegen mal schief hängt, kann sich jeder von beiden auf sein eigenes Terrain zurück ziehen.
Die drei, Kevin, Robin und Ralf unterhalten uns mit ihren Liedern und jedes mal werden die Stimmen derer, die mit singen, mehr und sie werden auch lauter. Einige haben kleine Liederbücher von Kevin bekommen, „Mundorgel“ heißen die und die Erwachsenen kennen einen Teil der Texte von früher und der Doktor und sein Koch haben sogar ganz gute Stimmen und bringen sich gut mit ein.
Diese Lagerfeuerromantik mit Singen zur Gitarre oder Akkordeon ist ja heute, im digitalen Zeitalter fast gänzlich unbekannt bei den jungen Leuten. Früher war das wohl relativ weit verbreitet und war auch immer toll, obwohl ich als Junge nur zweimal an so etwas teilnehmen durfte. Mit dem Sportverein waren wir damals fünf Tage Zelten an der Ostsee und ein mal sechs Tage in Holland, an der Ostsee in der Nähe von Olpenitz und in Holland auf der Insel Texel, es war eine tolle Zeit.
Unseren Jungen hier scheint es aber auch Spaß zu machen, zusammen zu singen und am Feuer zu sitzen. In den Pausen zwischen den Liedern unterhält man sich, wechselt mal den Platz, um mit anderen zu reden und Langweile hat wohl keiner heute Abend. Heute wird auch etwas mehr Bier getrunken wie sonst, hab ich das Gefühl, aber da keiner mehr Auto oder Roller fahren muss, ist das ja auch egal, finde ich. Solange sich keiner bis zur Halskrause abfüllt, was bisher noch nie vor kam, sehe ich keinerlei Probleme dabei. Einige der jungen Leute trinken heute Abend wohl gar keinen Alkohol, Matze nicht und auch Armin und die Sigrid auch nicht, Robin selbstverständlich erst recht nicht.
Robin trinkt gerne alkoholfreies Weizenbier, wohl auch, weil ihm das das Gefühl vermittelt, schon fast sechzehn zu sein und nicht wie ein zehn oder elf jähriger Steppke nur Saft und Limo zu trinken. Seit er hier mit den Jungs und Mädeln zusammen sein darf, ist er gewachsen, nicht körperlich sondern als Persönlichkeit und er ist, das kann ich immer nur betonen, absolut liebenswert und wenn ein Seebär wie Sundermann sich so intensiv um Robin gekümmert hat, ihm Mut und Selbstvertrauen gegeben hat dort auf der Brücke, dann will das schon was heißen.

Alex Brunner

Mit Markus sitze ich in der Runde, Enrico und Noah sitzen links von Markus und neben mir sitzt Chris mit seinem Matze, wir trinken Bier und reden, unter anderem habe ich ihm erzählt, das Peter, der Wirt auf eine normale Station verlegt wurde und auf dem Weg der Besserung ist. Er, Markus, fragt mich, ob wir Montag Abend noch einmal zum Hähnchen essen und zum vorläufigen Abschied in die Kneipe gehen sollen oder ob mir der Sonntag, also morgen, lieber ist, weil ich ja am Dienstag fort fliege.
„Ich muss mit den Anderen am Dienstag um neun Uhr dreißig einchecken und da es ja wohl ein Privatflugzeug ist, reicht es wenn wir eine halbe Stunde vorher dort sind“, sag ich und fasse mir dann ein Herz. Ich mache ihm jetzt einfach mal den Vorschlag, das ich am Montag Abend um sieben zu ihm nach Hause komme, mit allen Sachen im Auto, die mit nach Amerika sollen: „Mein Auto lasse ich dir da, das kannst du benutzen und wenn du einverstanden bist, bleibe ich nach dem Kneipenbesuch bei Dir und du bringst mich Morgens zum Flughafen.“
Er schaut mich an, ein bisschen erstaunt ihn mein Vorschlag, das sehe ich ihm an. Dann lächelt er leicht und sagt: „Du weißt, dass das schon gefährlich ist, oder? Wir könnten uns zu Tätigkeiten hinreißen lassen, für die es eigentlich noch zu früh ist.“ „Findest Du?“, frag ich, „Fakt ist doch wohl, wir mögen uns und ich werde die nächste Zeit weit weg sein. Wenn wir im Bett landen, ein Gedanke, der mir mehr Freude und keine Angst macht, dann ist das halt so und wir wissen beide in den nächsten Monaten, auf was wir uns freuen können, wenn ich zurück komme. Wir wissen dann auch, ob wir uns vermissen, uns auf einander freuen und Sehnsucht nach dem anderen haben. Wenn das nicht der Fall wäre, was ich nicht glaube, dann war es eben Sex mit einem guten Freund, etwas das wir beide wohl schon längere Zeit nicht mehr hatten, außer vielleicht ein wenig Selbstbespaßung. Du bist jetzt dran, OK zu sagen und dann schauen wir mal. Ich habe schon über zwei Jahre keine hübschen Mann mehr nackt gesehen und das reizt mich jetzt bei dir ganz besonders, du bist ja angezogen schon der Hammer.“
Mit einem leichten Rotton im Gesicht wie ein verliebter Teenager sagt er jetzt: „Gut, ich bin sehr einverstanden und das du mir das Auto überlässt, ist auch ganz toll. Ich glaube auch, das wir es nicht bereuen und die Vorfreude drückt gerade von innen ans Hosenbein.“
Ich muss grinsen, geht es mir doch nicht anders, auch nein Zepter ist etwas größer als normal und ich bin froh, das es eine dreiviertel lange Bermuda ist, die ich anhabe. Enrico, der offensichtlich unserem Gespräch gelauscht hat, fragt Markus jetzt grinsend: „Wer ist denn top und wer der Bottom?“, was ihm post wendend eine Kopfnuss von Markus einbringt.
Ich muss grinsen, der Lockenkopf und sage dann: „Das testen wir noch aus, ich für meinen Teil mag beides und bin flexibel, du neugieriger Pitter. Mal sehen, wie es passt.“
„Wir sind da auch nicht festgefahren“, sagt er, immer noch frech grinsend, „und das, obwohl er wie ein Pferd ausgestattet ist, mein Schatz.“
„Nun, dieses Gespräch wollen wir jetzt nicht weiter vertiefen“, sag ich. „Wärst du so nett, Enrico, würdest du mir noch ein Stück von dem fantastischen Zanderfilet grillen? Das wäre sehr lieb von dir. Ich habe noch nie etwas besseres gegessen, das aus dem Wasser kommt.“
„Klaro, mach ich. Ich frage mal, wer sonst noch was möchte“, sagt er und steht auf. Er pfeift kurz auf den Fingern und fragt dann: „Wer will noch was vom Grill. Zuerst Fisch, Hand hoch. OK, sieben. Jetzt Fleisch, Hand hoch, Fünf. OK in etwa zwanzig Minuten, Leute.“ Markus und Enrico begeben sich noch mal an den Grill.

Markus Meinle

Da hat der Alex sich aber getraut. Mir soll es recht sein und seine Gründe, das ein Landen im Bett ja nichts ist, was uns schaden könnte, haben mich schnell überzeugt. Es wird vielleicht unser endgültiges Zusammenkommen beschleunigen und das lange Warten hinterher etwas leichter machen, weil man ja von dem gemeinsam Erlebten zehren kann.
Außerdem gibt’s es ja Skype und wir können die Erinnerung immer wieder ein bisschen auffrischen, abends, wenn er nicht mehr bei Robin in der Klinik ist. Da habe ich schon so meine Vorstellungen und denke, das er auch nicht prüde oder ängstlich ist, wenn es um ein bisschen gemeinsamen Spaß über einige tausend Kilometer hinweg geht.
Jetzt konzentrier ich mich mal auf den Grill, verscheuche meine unkeuschen Gedanken und mache meinen Job. Allerdings freut mich die Entwicklung zwischen uns beiden, er ist ein toller Typ, ruhig zwar, aber jemand mit viel Herz, glaub ich und einer, der absolut treu sein kann, mit anderen Worten ein gut aussehender Pfundskerl, auf den man bauen kann.
Er ist anderes als mein Exfreund, ganz anders, denk ich, aber ich fühle, das es mit Alex echt was werden könnte und ich freue mich drauf, auch wenn er zunächst erst mal über den großen Teich fliegt, um dem kleinen Robin bei zu stehen und diesem hilft, endlich gesund zu werden.
Der Robin, das habe ich schnell gemerkt, bedeutet dem Alex sehr viel, den mag er sehr und tut so ziemlich alles für ihn. Das ist aber auch ein ganz liebes Kerlchen und hat in seinem bisherigen Leben schon einiges mit gemacht durch seine Krankheit, die wohl sehr tückisch ist und ihm ohne diese OPs keine Chance lässt, älter als dreißig zu werden. Robin würde ohne Behandlung mit der er Krankheit körperlich bis zum Schluss immer wie ein krankes Kind aussehen und wäre auch immer auf Hilfe angewiesen.
Das die zwei Remmers Kinder ihm jetzt diese Behandlung bezahlen und ein Gesund werden jetzt möglich wird, das ist schon toll und für Robin, für den Alex fast wie ein Wunder. Dazu kommt dann noch für ihn die Möglichkeit, Robin und seinen Bruder zu begleiten. Dann diese Klinik, in der wohl ein ihm von früher bekannter Arzt arbeitet, das bietet Alex doch bestimmt eine Möglichkeit, mehr über die OP-Technik und die dafür notwendigen Gerätschaften zu erfahren, ja vielleicht so viel zulernen, das er später das alles hier in Bremen auch machen kann und Jugendliche wie Robin hier in Deutschland operiert und geheilt werden können.
Das sind die Gründe dafür, das er unbedingt mit fliegen will und es wäre dumm und egoistisch von mir, zu versuchen ihn da in irgendeiner Form zu beeinflussen, hier zu bleiben oder schnell zurück zu kommen. Wenn er denn mehr von mir will und davon gehe ich aus, wird er zurück kommen, wenn er seine Mission als abgeschlossen betrachtet, zu mir wird er dann zurück kommen und dann beginnt vielleicht unsere gemeinsame Zukunft und darauf freue ich mich. Ich bin wohl doch schon in ihn verliebt und wenn er Dienstag fliegt, er ja vielleicht auch in mich, mal sehen, es bleiben ja noch drei Nächte bis dorthin. Ich werde da für sorgen, das er sich auf den Rückflug freut.

Jerome

Papa und Mama, die Schroers mit der Oma, und Frau Gut, Frau Jensen, so wie Martin und Kai und Robins Mama gehen jetzt hoch ins Haus, Alex Brunner und Markus Meinle bleiben, wollen sie ja in einem der Zelte übernachten. Natascha will später mit Paolo hoch und Sigrid und Torsten werden dann mit ins Haus gehen zum Schlafen. Sergej und ich werden mit Robin ins Baumhaus gehen, so wie beim letzten Mal. Für alle anderen sind Plätze in den Zelten und Ralf kann ja zu Alex ins Zelt krabbeln.
Martin und Kai werden morgen Früh das Frühstück für alle holen fahren, Mama hat schon was vorbestellt, so das wir um neun Uhr alle hier unten frühstücken wollen. Danach werden wir Boris verabschieden, der dann seine Heimfahrt antritt. Schade, das er fährt, er passt echt gut zu uns, Sergejs Bruder und ich hätte ihn gern noch länger hier gesehen. Robin wird auch traurig sein, Boris und er sind sich schon sehr nahe gekommen auf der Schiffstour, fast wie Brüder sind sie geworden und beide werden denn jeweils anderen bestimmt vermissen. Auch wir werden den Boris vermissen und wir wollen für die Zukunft planen, das wir uns öfter sehen, hier oder in Radebeul oder Dresden, vor allem aber, wenn die Bundesliga noch mal anfängt, im Bremer Stadion. Wenn er den Führerschein fürs Auto hat, kann er ja dann selber öfter kommen, so übers Wochenende oder so.
Noah und Rico, so wie Matze, Chris und Robin sind ja jetzt erst mal weg ab Montag oder Dienstag, bei Dirk steht der Umzug an in die neue Wohnung und wir werden uns ja dann auch in der WG häuslich einrichten im Laufe der nächsten Tage.
Am fünften August beginnt die Uni für Frank und Ole, für mich und Sergej, Wolfi und Paul. Alex, der Cousin, Dirk, Marie und Sigrid, Torsten, sowie Armin und Denise aber auch Noah, müssen am selben Tag wieder zur Schule. Micha, Tom, Rolf und Kevin und der Ralf wohl auch, werden wohl Montag, spätestens aber Montag nächster Woche wieder zur Arbeit gehen müssen, so das wir uns heute in diesem Kreis wohl vorläufig zum letzten mal hier treffen und ein solch komplettes Zusammenkommen wohl erst wieder zu den Herbstferien statt finden wird.
Ich klopfe an meine Flasche, nach dem ich aufgestanden bin und es wird ruhiger. Da unsere Musikanten gerade eine etwas längere Pause machen, sage ich jetzt laut: „Liebe Freunde! Heute und hier ist es wohl für die nächste Zeit das letzte Mal, das wir in diesem großen Kreis zusammen sind. Für einige beginnt am Montag wieder die Arbeit, Andere fahren in Urlaub oder fliegen in die USA und wiederum andere werden nach Bremen umziehen in die WG. Spätestens aber am fünften August beginnen Schule und Studium und die Zeiten für gemeinsame Unternehmungen wird weniger werden. Ich bitte euch trotzdem alle, den Kontakt zu pflegen, miteinander zu kommunizieren, wann immer möglich und von dem eingespielten System der Benachrichtigungen untereinander rege Gebrauch zu machen. Treffen an den Wochenenden sind ja nach wie vor möglich, auch wenn sie wohl jetzt des öfteren in Bremen stattfinden werden. Fahrten zu den Treffen können wir im Vorfeld immer planen und die Bremerhavener können ja auch dann abgeholt werden. Da Armin und Ralf, aber auch Tom einen Führerschein haben, könnte ich, wenn das Sinn macht, noch einen Kleinbus kaufen, der dann alle von Bremerhaven nach Bremen bringen kann und der hier bei uns abgestellt wird und natürlich auch sonst mit eingeplant werden kann. Einige sind ja dann auch selber schon mit einem Auto mobil.
Alle Leute, die am nächsten Samstag da sind, planen mal eine Einweihungsparty in der WG mit ein, zu der auch die Eltern der jetzigen, aber auch der im nächsten Jahr dazu kommenden WG Mitglieder eingeladen werden. Genaueres dazu sage ich noch morgen beim Frühstück. Jetzt kann es weiter gehen mit Musik und wer müde ist, kann selbstverständlich in den Schlafsack hüpfen.“
Es gibt ein bisschen Applaus, dann beginnt Kevin wieder und Ralf und Robin machen mit. Natürlich geht jetzt noch keiner ins Bett und da es ja warm genug ist, schlägt Armin während einer Gesangspause vor, noch eine kleine Nachtmahlzeit auf zu legen, falls die beiden Köche noch Lust dazu haben. Schnell haben sich die zwei Männer bereit gefunden und legen für jeden, der noch was will, das Gewünschte auf die wieder aktivierten Gasgrille auf und bald darauf duftet es wieder fein.
Kevin und Robin, aber auch Ralf machen derweil weiter Musik und singen jetzt passend zum anstehenden Atlantikflug das Lied von Reinhard Mey „Über den Wolken“.

Alex (von und zu)

Auch ich habe mir noch ein Stück Fisch bei Enrico geholt, der Fisch ist echt gut, so ein feines Fischfilet habe ich bisher noch nie gegessen, das hat er drauf, der lockige Koch, der auch eine echte Sahneschnitte ist. Mit Noah, etwa zehn Zentimeter größer, mit seinen blonden, an den Seiten und hinten kurzen Haaren, gibt das ein optisch ganz tolles Paar ab, das muss ich neidlos zugeben.
Alle hier sehen eigentlich gut aus und jeder hat ja auch bestimmte Vorstellungen, wie der zukünftige Partner denn so aussehen sollte. Ich denke, das dann letztendlich das Herz, die Gefühle und Emotionen den Ausschlag geben, wenn das Äußerliche in das gewünschte oder erträumte Spektrum passt und das ist ja bekanntlich individuell verschieden.
Meine Gedanken und Wünsche fokussieren sich immer mehr auf den Ralf, das ist einfach so gekommen, wohl schon auf dem Schiff, von mir selber fast unbemerkt. Als er mich nach der Nachricht von Uwes Tod dort am Flaggenstock am Heck einfach in die Arme genommen hat, hat sich sein Geruch in meinem Hirn fest gebrannt und immer danach, wenn ich ihn rieche und er in meiner Nähe ist, wird mein Verlangen stärker, will ich ihn auch umarmen, ihn drücken, ja auch küssen und in seinen Duft eintauchen wie in eine wohlig warme Badewanne.
Mit ihm kann ich mir jetzt schon alles vorstellen und nur das Andenken an Uwe und die anhaltende Ungewissheit über die Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, bremsen mich, ihn nicht einfach zu umarmen und erbarmungslos nieder zu küssen, bevor ich ihm dann die Kleider vom Leib reißen möchte, um ihn wahnsinnig zu vernaschen. Ich weiß, das ist ein bisschen verrückt, aber so fühle ich halt hier und jetzt und ich schäme mich nicht dafür. Ich denke, die „Grafenschwuchtel“ hat ihren Traummann gefunden und hofft sehr, das es ihm genau so geht.
Vom Siuzidkandidaten im Inselaffeninternat zum total verliebten, von allen Sorgen und Qualen befreiten Cousin und Neffen, den es in unvorhersehbarer Art und Weise aus dem Land der Arschgeigen ins Schlaraffenland verschlagen hat. Alles dank dieses Gitarre spielenden Twinks und seinem Wolfi, die gerade mal drei Arschbreit links von mir sitzen und Musik machen mit Robin und Ralf. Ich bin beiden auf Lebenszeit zu Dank verpflichtet und wenn ich mal für sie etwas tun kann, wird mich nichts und niemand davon abhalten.
Auch der Schwester meiner Mutter, fast sträube ich mich, sie noch Mutter zu nennen, meiner „neuen“ Tante Lis, sowie ihrem Mann Carl August und den beiden Kindern Natascha und Jerome bin ich einfach nur dankbar, das sie mich ohne Wenn und Aber in ihre Familie integriert haben und das ich dabei auch noch eine Menge neuer Freunde und sogar zukünftige Schulkameraden gewonnen habe, ist unbezahlbar.
Das absolute Tüpfelchen auf dem I ist aber, wie schon gesagt, das ich den Mann, der gerade auf der Mundharmonika spielend neben mir sitzt, kennengelernt und in den ich mich wohl auch allen Anzeichen nach hoffnungslos verknallt habe. Manch mal denke ich immer noch, das alles ein Traum ist, aber die blauen Flecken vom Kneifen zeigen deutlich, das es der reale Wahnsinn ist.

Alex Brunner

Nach dem die beiden Köche alles bestellte verteilt haben, drehen sie das Gas ab und setzen sich zu uns in die Runde. Mittlerweile ist es dunkel und das jetzt gut brennende Feuer taucht uns in ein warmes, flackerndes Licht, das Erinnerungen an Zeltlager in der Jugend in Erinnerung ruft.
Markus sitzt nun dicht neben mir, er hat mir noch eine Flasche Bier mitgebracht und wir stoßen an: „Auf eine gute und erfolgreiche Zeit in Amerika“, sagt er und ich sage einfach nur: „Auf uns und eine gute Zukunft“. Dann trinken wir Brüderschaft. Der sich anschließende lange, feuchte und sehr intensive Kuss hat absolut nichts Brüderliches an sich, das denke wohl nicht nur ich, sondern auch die jungen Leute, die das schlicht auch so sehen, das zeigt der Applaus, den die Rasselbande, allen voraus Robin, jetzt los lässt.
Robin kommt zu uns, allein, ohne Hilfe und nimmt Markus und mich abwechselnd in den Arm und er freut sich sichtlich über unseren Kuss. „Ich habe es gespürt, das es so kommt“, sagt er grinsend, bevor er, nachdem er jedem von uns einen Schmatzer auf gedrückt hat, zu Kevin und Ralf zurück kehrt. Auch Enrico schaut durchaus zufrieden drein und reckt beide Daumen in die Höhe. Beide Jungs haben sich das wohl gewünscht, das der Markus und ich zusammen kommen und wenn es jetzt so kommt, dann ist es OK, so sehe ich das und seine Blicke und sein Lächeln sagen mir, das er das auch so will.
Unsere erste gemeinsame Nacht hier im Zelt wird wohl um der Diskretion halber eher nur kuschel bezogen sein, Sex zwischen zwei Erwachsenen und wohl auch ausgehungerten Männern in unserem Alter ist nichts für ein Zeltlager, aber morgen, in seiner Wohnung, da wird es nicht beim kuscheln bleiben und er soll in der Zeit, in der ich weg bin, von dieser Nacht zehren und sehnsüchtig auf meine Rückkehr warten. Das nehme ich mir mal fest vor.

Ole

Ab und zu legen Frank und ich Holz nach, damit das Feuer nicht zu stark runter brennt. Nachher werden wir zusammen ins Zelt kriechen und dort gemeinsam in einem großen Schlafsack schlafen, keusch, ohne Sex, versteht sich. Es ist zu hellhörig in so einem Zelt, die schallschluckenden Wände fehlen und man kann ja auch mal „ohne“ schlafen bei einem solchen Anlass. Selbst Dirk hat heute nicht viel Bier getrunken und die Beiden haben auch nicht nach dem sonst schon obligatorischen Zimmer gefragt.
Robin ist müde und geschafft, für ihn wird es Zeit und Sergej schnappt ihn sich auf die Schulter und mit Jerome zusammen gehen sie zum Baumhaus und klettern nach oben zum Schlafen. Das ist wie ein Zeichen und langsam lichten sich die Reihen und Zelt für Zelt füllt sich nach und nach. Der Fiffi wird von Kevin und Wolfi mit genommen. Frank und ich, wir sind die letzten, die um viertel nach eins in den Schlafsack kriechen, um dann auch bald kuschelnd einzuschlafen. Es war eine schöne Party und so einen Geburtstag mit der Feier in Dresden und der Feier heute hier hat es verständlicher Weise vorher noch nie gegeben für mich und das Carl August das alles so für mich gemacht hat, ist einfach unglaublich.
Das Gemurmel in den Zelten und das Aufleuchten der Taschenlampen hat aufgehört und die große Ruhe kehrt ein. Ab und zu knackt ein Scheit im Feuer, das nun auch langsam runterbrennt und später verlöschen wird. Neun Uhr soll es Frühstück geben, das von Lis bestellt, durch Kai und Martin abgeholt und her gebracht wird. Auch die Erwachsenen kommen zum Frühstück hierher und irgendwann danach, im Laufe des Tages, geht es ans Abschied nehmen.
Nach dem Frühstück will Boris los und irgendwann später dann Schroers mit Enrico und letztlich auch die Amerikareisenden, die ja noch ein paar Vorbereitungen treffen müssen, denk ich. Die Sachen aus dem Hilton, Geschirr und Besteck, müssen auch zurück gebracht werden und einige werden am Montag morgen wieder zur Arbeit müssen, nach unserem schönen, gemeinsamen Urlaub und wir, Frank und ich und auch die anderen WG Bewohner haben ja auch noch einen Umzug vor uns. Zuerst werden wir aber noch, das haben wir vorhin beschlossen Dirk und seinen Eltern helfen, die Möbel in die neue Wohnung zu bringen und Dirks neues Zimmer aufzubauen. Soviel Zeit ist noch und da gab es auch keine Diskussionen. Eine Lieferwagen bringt Mike aus ihrer Firma mit und mit so vielen Leuten ist das ja dann auch flott gemacht. Rolf will aus Opas Firma zwei Akku Schrauber mit bringen und mit Paolo die Möbel zusammen bauen in Dirks Zimmer und was auch sonst noch zu verschrauben ist.
Wenn wir es bis um siebzehn Uhr schaffen, wollen wir uns alle hier nochmal zum Schwimmen und zur Sauna treffen, auch Robin, Chris und Matze kommen noch dazu, wenn sie bis dahin mit allem fertig sind. Da es ein privater Flug ist, können sie ja auch deutlich mehr Gepäck mitnehmen, als auf einem Linienflug und da sie ja eine lange Zeit dort drüben sein werden, wird einiges mehr mitgehen als nur Kleidung. Da sie dann drüben durch den Zoll müssen, hat Carl August ihnen eine Liste mit Sachen gegeben, die sie nicht mit nehmen dürfen, um Ärger bei der Einreise ins Land der Sicherheitsfanatiker zu vermeiden. Ansonsten werden sie und die Manager der Firma, die mit fliegen, von Firmenangehörigen am Flughafen abgeholt und dann an ihren Zielort gebracht, wo sie alle bereits erwartet werden. Wie es dann weitergeht mit unserem Robin, das wird sich zeigen und wir alle hoffen natürlich, das er gesund zurück kommt und Matze und Chris dann zusammen in Hamburg Medizin studieren können. Die Unterlagen zur Anmeldung für einen Studienplatz im nächsten Jahr hat Carl August von den beiden verlangt und auch bekommen, also geh ich davon aus, das das mit den Studienplätzen schon in trockenen Tüchern ist.
Jetzt muss ich mal langsam einschlafen, Frank pennt schon fest, sein Arm ist vollkommen ausgeheilt und es schmerzt nur ein bisschen, wenn das Wetter wechselt, was in meiner Hand und auch in der Schulter ebenfalls zu spüren ist. Ich bin mal gespannt auf den Prozess und natürlich auch, was es an Schmerzensgeld gibt. Auch Pauls und Ullis Prozess steht ja noch aus und für Noah und Rolf kommt ja noch die Sache mit dem van Straaten, der ja jetzt doch wohl angezeigt ist.

Ich hoffe, es hat gefallen, bald geht es weiter und einiges an Veränderungen an und danach wird dann im Wochentakt geschrieben, nicht mehr im Tagestakt und auch die Schauplätze verlagern sich, aber das war ja eigentlich klar. Das nächste Kapitel hat die Nummer Neunundachtzig und ich hätte nie gedacht, das diese Geschichte, die von mittlerweile fast dreitausenddreihundert Leuten gelesen wird, sich über einen so langen Zeitraum Bestand hat und auch von so vielen Lesern treu begleitet wird. Ich bin ein wenig stolz darauf, das es so vielen gefällt.
Danke für eure Treue, eure Kommis und Empfehlungen, einfach dafür, das ihr dabei seid

Bis bald, Niffnase  (Hermenn)

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4 Kommentare

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  1. Hallo Hermann,

    da hast du ja wieder klasse abgeliefert, nochmal das vergangene aufgefrischt bevor dann die Zeit der Veränderungen ansteht. Wirklich super, Respekt. Bin mal gespannt, wie viele Folgen es noch gibt. Find es auch beeindruckend, wie du es immer wieder schaffst, eine Auswahl von Charakteren im Wechsel in den Vordergrund zu stellen, gefällt mir. Das hat alles einen Hauch von Suchtfaktor😀😀
    Deine Gesundheit betreffend wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass du bald vollständig gesund wirst, ich drück dir jedenfalls alle Daumen.

    Viele ganz liebe Grüße Andi

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    • Prive 01 auf 24. Juli 2016 bei 14:50
    • Antworten

    Hallo Nifnase,

    kaum aus dem Urlaub zurück, konnte ich mich dreifach freuen!
    Toll wie Du das wieder hingegriegt hast.

    Danke für die 3 letzten Kapitel. die sehr gut sind!

    Gruss
    walter

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  2. Hallo Herrmann,
    wieder großes Kino. Ich lese Deine Geschichte immer wieder gerne. Jede Fortsetzung hat ihre eigenen Höhepunkte. Ich hoffe, Du findest die Kraft uns noch lange als Deine Leser zu beschäftigen!

    Alles Liebe Lothar

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  3. Hallo, ihr treuen Kommischreiber. Danke für eure Rückmeldungen.
    LG

    Hermann

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