Traumschiff – Teil 97

Frisch verliebt… Schulwechsel… Uwe, der Rest… Führerschein?… Teich und Poolfest, Party?… Heimaturlaub… Fortschritte

Danke an die Beta und alle Kommi-Schreiber

Boris, Samstag, 04.09., 22:30 in seinem Zimmer, nach dem Spiel gegen Dresden Amateure am Nachmittag.

Ein toller Tag liegt hinter mir und auch der morgige Tag wird bestimmt ganz toll für Anke und mich.
Volles Haus auf dem Fußballplatz heute und eine ganz tolle Stimmung, 4 : 3 gegen 

den Angstgegner Dresden, Lokalderby mit fast fünftausend Zuschauern. Wir haben gewonnen mit Glück und vor allem aber mit Kampf und vollem Einsatz. Zur Halbzeit wurde ich eingewechselt, wir lagen mit 1 : 2 im Rückstand und dann, kurz nach der Pause schaffte ich mit einem Volleyschuss aus etwa sechzehn Metern den viel bejubelten und verdienten Ausgleich, 2 : 2 . Dresden machte noch mehr Druck, ging dann in der zweiundsechzigsten Minute durch einen umstrittenen Elfmeter wieder in Führung.
Darauf hin ging ein Ruck durch die Mannschaft und es wurde der Turbo eingeschaltet. In der dreiundachtzigsten Minute fiel der Ausgleich durch Jakob, den anderen Innenverteidiger. Von ihm kam dann auch die Flanke in der vorletzten Minute, die ich voll mit dem Kopf unhaltbar im Dresdener Tor versenken konnte. Jetzt war die Hölle los, alle stürzten auf mich, erdrückten mich fast.
Dann verteidigten wir mit allen Leuten, bis uns endlich der Schlusspfiff erlöste. War das ein Jubel, auf dem Platz und auf den Rängen, Sieg, geil und zum ersten Mal kamen Sprechchöre auf mit „Boris, Boris…….,“ Wahnsinn.
Zum zweiten Mal in die erste Mannschaft eingewechselt und zum zweiten Mal der Matchwinner, das ist soooo geil und Anke war auch da, hat gejubelt und mich nach her ganz doll geküsst und umarmt, obwohl ihr Vater daneben stand. Ich bin voll verknallt in dieses süße Mädel und sie wohl auch in mich. Opa, der auch beim Spiel war, hat sich echt gefreut und mir spontan einen Fünfziger in die Hand gedrückt.
Darauf hin habe ich Anke für heute Abend zum Essen eingeladen, aber nicht zu Mac Doof, sondern in das Restaurant „Lößnitzblick“, von dem Oma so geschwärmt hat neulich.
Um Neunzehn Uhr, vorher waren wir noch bei der Oma, sind wir hin gefahren und haben echt lecker gegessen da. Es ist ein schönes Restaurant, das Essen war sehr gut und der Preis war angemessen.
Später habe ich Anke nach Hause gebracht und wir haben noch lang auf ihrem Zimmer geschmust und geknutscht und auch ein bisschen gefummelt unter dem Shirt, bevor ich dann um zweiundzwanzig Uhr heim gefahren bin. Für Morgen ist ein Besuch bei uns zu Hause in Dresden vorgesehen, wir sollen schon zum Mittagessen kommen, hat Mama gesagt. Ich hol mein Schätzchen, das ist sie wohl jetzt, um Elf Uhr ab, dann fahren wir nach Dresden in die Tannenstraße, zu uns. Ich bin mal gespannt, wie sie meine Familie so findet und umgekehrt natürlich auch.
Es war wohl der richtige Entschluss, die Ausbildung bei der Bahn ab zu brechen und bei Opa neu an zu fangen. Die Arbeit macht Spaß, einen tollen Schatz habe ich mit Anke gefunden und nach den beiden Spielen in der ersten Mannschaft werde ich wohl in der Zukunft Stammspieler sein.
Morgen früh werde ich mal wieder ein längeres Gespräch, Handy oder über Skype, mit Sergej und Jerome führen, wir haben schon drei Tage nicht mehr telefoniert mit einander.
Da ich noch vier Kilometer mit Flipp durch die Nacht getrabt bin, gehe ich, zum dritten Mal heute unter die Dusche. Meine Gedanken an meinen hübschen, schlanken und sportlichen Schatz treibt mein Blut in den Süden und so mach ich mir mit ihrem Bild vor Augen schöne Gefühle und es tut auch richtig gut. Ich glaube, dass es nicht mehr so lange dauert, bis sie mit mir unter einer Dusche steht und ihre Hand und vielleicht auch der Mund an meinem Penis für schöne Gefühle sorgen.
Nach einer SMS „Ich liebe dich, schlafe gut“ leg ich mich ins Bett und deck mich zu. Die Türe ist nur angelehnt, Flipp kommt in der Nacht immer und legt sich vor das Bett auf den Teppich und passt auf mich auf. Tief und traumlos schlafe ich in den Sonntag hinein. Es läuft echt gut im Moment, so kann es bleiben.


Markus Meinle, Montag, 06.09. 12:30, im Hilton, zu Beginn der Mittagsschicht mit Josch und Enrico.

Nun hat er mich wieder, der Alltag und die tolle Zeit drüben bei meinem neuen Partner ist sehr schnell vorbei gegangen. Es war im Nach hinein die beste Entscheidung, zu ihm zu fliegen, denn jetzt sind wir ein Paar und mit dieser Gewissheit wartet es sich auch leichter, weil ich jetzt weiß, dass er genau so verliebt in mich ist, wie ich in ihn. Er ist ein toller Mann, einer, der mir Schmetterlinge in den Bauch zaubert, immer, wenn ich an ihn denke. Ich freue mich auf ihn und auf unsere hoffentlich immer währende gemeinsame Zeit, will einfach mit ihm alt werden, mit meinem Alex.
Gestern Abend, nach der Ankunft, war ich noch in Peters Kneipe auf ein Halbes mit Pommes, das hat mir irgendwo gefehlt. Peters Frau, hinterm Buffet, begrüßte mich freudig, fragte gleich, wo Alex ist und sagte, das es Peter gut gehe und er schon seit fast zwei Wochen in Reha ist in Bad Pyrmont .
Ich habe ihr dann von Alex erzählt und das ich gerade daher komme, wo er zur Zeit ist und auch, dass wir jetzt zusammen sind.
Das hat sie gefreut und dann kam mein Essen und ich setzte mich an einen freien Tisch mit Hähnchen und fetten Pommes. Alex Auto, das in Hamburg im Parkhaus gestanden war seit meinem Abflug in die Staaten, hat mich gut wieder nach Bremen gebracht. Obwohl ich kein Fan englischer Autos bin, gefällt mir der Mini immer besser. Zur BMW Gruppe gehörend, aber in England gebaut, handelte es sich bei Alex Modell um einen Mini Cooper S mit ein hundertsiebzig PS, Baujahr 2008, also schon ein heißes Teil, mit dem das Fahren echt Spaß machte. Bis Alex zurück kommt, werde ich ihn benutzen und darauf freue ich mich, weil es echt Spaß macht, damit durch die Gegend zu Brettern. So bin ich voll mobil, bis mein neuer Schatz wieder zurück in Bremen ist.
Vorerst werden wir wohl unsere Wohnungen bei behalten, wenn aber das Thema zusammen ziehen mal akut wird, können wir uns ja gemeinsam eine neue, etwas größere Wohnung suchen. Mit Alex werde ich da schon einig und da wir beide auch ganz gut verdienen, könnten wir sogar ein kleineres Häuschen mieten oder eine Eigentumswohnung kaufen. Ich weiß schon, dass das alles etwas weit im Voraus geplant ist, ich bin mir bei ihm aber so sicher von meinen Gefühlen her, dass ich jetzt einfach mal in diese Richtung träume.
Die zwei jungen Köche haben hier tolle Arbeit geleistet und der Direktor hat das Essen, besonders aber das Ossobuco von Enrico, sehr gelobt und ist mit der Arbeit der Küche in meiner Abwesenheit sehr zufrieden gewesen. Das höre ich natürlich gern, sage aber auch, das wir wohl noch einen Koch brauchen werden. Zwei auf jeder Schicht ist kein Luxus, sondern einfach nötig, wenn wir über das Essen punkten wollen.
„Schauen sie sich nach einem um, der in das Team passt, ich rede mit Herrn Remmers, dann geht das wohl in Ordnung“, sagt er zu mir und das werde ich dann auch mal in Angriff nehmen. Vielleicht wissen ja meine beiden Jungköche von jemandem, der sich gern verändern möchte und gut in unser Team passt.
Jetzt gehe ich mal an die Arbeit mit Josch, Enrico wird ja gleich abgeholt. Wir hier bereiten die von den Hausgästen bestellten Abendmahlzeiten und das bereits obligatorisch gewordene Vorspeisen-Buffet vor, das Antipasti und andere leckere Sachen bereit hält und gut von den Gästen angenommen wird.

Kevin, Montag, 06.09.2010, 20:30 Uhr, in Wolfis Auto, auf dem Weg zur WG.

Da es draußen regnet, ist mein Schatz mit dem Auto ans Hilton gekommen, um mich und mein Fahrrad ab zu holen. Nach einem heißen Kuss haben wir das Rad in dem doch sehr langen Avant verstaut und fahren Richtung zu Hause, denn das ist die WG ja jetzt wohl für uns. Er fragt, wie mein Tag war und ich erzähle ihm das ein oder andere des Hotelalltags, der manchmal locker, mit unter aber auch sehr stressig sein kann. Heute war es relativ ruhig, Wochenanfang, ein paar Abreisen, und auch ein paar Anreisen, nichts außergewöhnliches, sage ich ihm und frage dann, wie es für ihn heute war.
Er hatte wohl Vorlesungen bis um drei und ist dann nach Bremerhaven zu seinen Eltern gefahren.
Dort hat er noch Sachen fürs Labor geholt und auch noch einige gerahmte Bilder vom Speicher. Die Bilder hat er dann in die ständige Ausstellung in der Firma von Carl August integriert und sie mit Preisen in die Liste beim Pförtner eingetragen. Der hat ihm das Geld von zwei verkauften Bildern
gegeben, ein hundertsiebzig Euro und gesagt, das noch ein Bild verkauft, aber mit Karte bezahlt wurde.
Drei Bilder in diesem Monat und vier im Monat davor, das freut Wolfi sehr und er sagte, dass wir bald mal wieder auf Motivsuche gehen müssen, weil ihm sonst der Nachschub ausgeht. Das planen wir dann mal gleich für den Samstag ein, ich habe nämlich freies Wochenende, dann haben wir den ganzen Tag Zeit. Durch den Bilderverkauf ist er nicht gezwungen, einen anderen Nebenjob zu suchen, kann, wann immer er Zeit und Lust hat, runter gehen und unten an den Bildern arbeiten. Ich helfe natürlich dabei und lerne ständig mehr über das Herstellen der Fotos, über das Rahmen machen und das Aufziehen auf Plattenmaterial. Auch mir macht das Spaß und das ich dabei immer in seiner Nähe bin, mir zwischendurch mal ein paar Küsse stehlen kann und auch ein bisschen fummele, macht alles doppelt Freude und zu sperren können wir auch einfach mal, wenn wir nicht gestört sein wollen. Auch die Liebe kommt durch sein oder besser unser Hobby nicht zu kurz.
Martin, Kai und auch den Fiffi vermisse ich schon ab und zu, aber mein Wölfchen merkt immer, wenn es mir nicht gut geht und er muntert mich dann schnell wieder auf.
Nach her fragt er mich noch ab für die Fahrschule, ich bin ganz gut mittlerweile, mache nicht mehr viele Fehler bei den Fragebögen und denke, das ich die Theorie gleich schaffen kann, mal sehen.
Im März, genauer am siebzehnten, bekomme ich dann den Führerschein, darauf freut man sich selbstverständlich sehr. Es gibt ja auch die Option „Begleitetes Fahren“, auch Führerschein mit siebzehn genannt, Martin hat gemeint, das sollten wir beantragen, dann kann ich mit ihm oder Kai dabei schon jetzt nach bestandener Prüfung fahren. Da Wolfi schon zwei Jahre Unfallfrei fährt, dürfte es auch mit ihm gehen. Martin kümmert sich um die Einzelheiten.
Nach einer Stunde Üben, es ist jetzt halb Zehn Abends, setze ich mich bei meinem Wölfchen auf den Schoss und fange an, ihn geil zu machen.
Nach so viel rein in den Kopf, kommt jetzt erst mal rein in den Po und zwar in meinen, das brauche ich jetzt und viel überreden muss ich nicht, wie ich unter mir merke. Da wächst was, etwas auf das ich jetzt voll Bock habe. Sein schöner Schwanz soll mich jetzt mal gut durch nudeln uns so beginne ich damit, uns aus zu ziehen. Nach einem kurzen Umweg durch das Bad finden wir uns nackt und scharf im Bett wieder, beim gegenseitigen Flötenspiel ohne Noten. Es fängt richtig gut an.

Alex, der noch Graf, Dienstag, 07. 09., 2010, Abends, 21:00 in ihrem Zimmer, wieder mit Ralf auf dem Bett, Tagebuch, die dritte Lesung.

Auf dem Nachttisch steht ein Sixpack Holsten, zwei Flaschen sind geöffnet und wir haben beide schon einen guten Schluck getrunken. Er hält mich so, wie bei den beiden letzten Malen auch und ich lese zuerst leise für mich den nächsten Part von Uwes Gedanken und vom Erlebten. Es war der neunzehnte Juli, der Tag, an dem Uwe beim Essen erfuhr, dass sein Vater nach Bonn versetzt wird, was für ihn bedeutete, das wir getrennt werden, uns nicht mehr sehen und lieben können, weit voneinander entfernt nur noch von Träumen und Erinnerungen zehren, uns aber kaum oder gar nicht mehr sehen würden.
Dieses Szenario vor Augen, kam er zu uns, auf mein Zimmer und beklagte alles so laut, dass mein Bruder im Zimmer neben an alles mit bekam und dann mit meinem Erzeuger im Schlepptau über uns herein brach.
Schreiend und schimpfend wurde Uwe aus dem Haus gejagt, ich bekam Prügel, man beschimpfte mich übelst und nahm mir Handy und Laptop weg. Zimmerarrest, ein blaues Auge und diverse Prellungen, Angst und Wut, eine alles in allem sehr schlimme Situation, praktisch aus dem Himmel in die Hölle.
Mein Vater tobte am Telefon mit Uwes Vater, sprach von Arsch fickenden Schwuchteln und beschimpfte Uwe und mich aus Schlimmste.
Den Zimmerschlüssel hatten sie weg genommen, das Zimmer durchsucht nach Bildern und Magazinen, die ich aber nicht besaß. Bilder von Uwe und mir wurden zerrissen, der Umgang mit ihm verboten und ein Hausarrest bis hin zu der mir in Aussicht gestellten Verlegung in ein englisches Internat verhängt.

Uwes Einträge am 20.07. 2009

Immer noch unter Schock, weiß ich doch nicht, warum ich gestern bei ihm so laut über das Dilemma der Versetzung meines Vaters reden, unsere Trennung thematisieren musste, so dass sein bescheuerter und wohl extrem homophober Bruder im Zimmer neben an alles mit bekommen hat.
Danach ging alles drunter und drüber und wüst beschimpft fand ich mich kurz darauf draußen an meinem Roller wieder und brachte mich mal zunächst in Sicherheit. Ich hatte echt Angst vor diesen zwei durch drehende Männer und die Ohrfeigen, die Lex bekam, verfolgten mich bis zum Roller.
Ich fuhr nach Hause, meine Eltern nahmen mich in den Arm und fragten, was genau denn passiert sei.
Ich schilderte vollkommen aufgelöst, was bei denen abgelaufen ist, gab damit unbewusst in meiner Aufregung auch viel über unser Verhältnis preis und als mir das bewusst wurde, verstummte ich. Keine bösen Worte, eher Mitgefühl und Trost kam darauf hin von meinen Eltern, die wohl schon länger mehr als nur Freundschaft vermutet haben.
Alex Vater hatte schon angerufen, mich und auch Alex auf das Übelste beschimpft und mir jeden Kontakt zu Alex verboten. Ich erzählte dann stockend alles über Alex und mich, wie es angefangen hatte und das wir verliebt und glücklich waren, bis zu dem Moment, als Papa seine Versetzung bekannt gab.
Auch was dann geschah berichtete ich noch einmal im Detail und das sie mich rausgeschmissen und Alex verprügelt haben. Mama hielt mich dabei die ganze Zeit im Arm, streichelte meinen Rücken und gab mir Trost und die Kraft, es überhaupt erzählen zu können. Danach ging ich auf mein Zimmer, warf mich aufs Bett und heulte mich in den Schlaf, er fehlte mir jetzt schon sehr, wie soll ich das nur ohne ihn aushalten, dachte ich gestern Abend.
Das war der Tag, an dem ich Alex das letzte Mal gesehen habe. Zwei Wochen später, am vierten August, noch vor Ende der Ferien in Nordrhein Westfalen, zogen wir um nach Bonn, wo Papa ab jetzt bei der Stammdienststelle des Heeres im Dienst war. Dass ich nicht wusste, wie es Alex ging, machte mir schwer zu schaffen und so wagte ich es doch, dort anzurufen. Der Bruder, der mich wohl an der Stimme erkannte, beschimpfte mich erneut auf das Schlimmste und drohte mir, es nicht noch einmal zu wagen, da an zu rufen. Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, Alex verloren zu haben und das tat weh, sehr weh und manche der folgenden Nächte weinte ich mich in den Schlaf.
Ich konnte nicht mehr lachen, war immer traurig und auch der Schulbeginn am siebzehnten August an einem Bonner Gymnasium änderte daran zunächst nichts.
Der Junge, Jürgen Klein, neben den ich gesetzt wurde, versuchte ständig, mit mir ins Gespräch zu kommen und fragte immer wieder, was mich denn so bedrückt. Nach ein paar Tagen, er gibt nicht auf, sage ich, das ich durch die Versetzung meines Vaters den wohl wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren habe und auch nicht weiß, wie es diesem Menschen geht, weil ich ihn nicht erreichen kann.
Auf seine Frage, wie sie denn heißt, rutscht mir spontan ein „Alex“ raus. Danach ist erst mal Stille und mir wird klar, dass das wohl so eine Art Outing war ihm gegenüber. Blöde Kommentare kommen nicht und nach der Stunde, es war die letzte heute, gehen wir wortlos nach draußen. Er wird immer abgeholt von seiner Mutter, ich hole den Roller, fahre heim. Mal sehen, wie schnell das jetzt in der Klasse die Runde macht, dass ich schwul bin.

Eintrag 12.09.2016

Jürgen, mit dem ich jetzt schon relativ normal umgehe, reden mein ich, hat sich gestern beim Sport in der letzten Stunde verletzt und konnte nicht mehr auf treten. Ich habe mich angeboten, ihn nach Hause zu fahren, was er dankend an genommen hat. Seit ich mit Alex zusammen war, war immer ein zweiter Helm unter dem Sitz verstaut, so dass ich den Jürgen problemlos heimbringen konnte, was wir dann auch taten, nach dem er mir den Weg erklärt hat.
Sie wohnten in einer guten Gegend, lauter schöne Einfamilienhäuser und wir wurden von seiner Mutter eingelassen. Jürgen ging, auf mich gestützt, mit Schmerz verzogenem Gesicht mit mir hinein und dort in ein großes Wohn- und Esszimmer mit tollen, schweren Möbeln, in einem dunklen Rotton, Mahagoni, hat er später auf mein Fragen gesagt.
Seine Mutter telefonierte unterdessen, kam dann aber zu uns und sagte: „Ich habe Papa angerufen, wir fahren in die Klinik zum Röntgen.“ Jürgen maulte, wollte nicht dahin. Ich redete ihm gut zu, das Bein, den Knöchel, doch röntgen zu lassen. „Nur wenn du mitfährst“, sagte er, nach dem ich und auch seine Mutter ein paar Mal darum gebeten hatten. Ohne über ein Motiv für seinen Wunsch nach zu denken, sagte ich dann ja, nach dem seine Mutter mir zustimmend zu genickt hatte.
In einem 5er BMW fuhren wir ins Bonner Malteser Krankenhaus, wo sein Vater, wie ich unterwegs erfuhr, Chefarzt der Chirurgie war und da genau landeten wir auch.
Nach Röntgen und Untersuchung wurde eine starke Überdehnung der Bänder mit Schwellung und Bluterguss fest gestellt und nach einer Punktion des Gelenks wurde das Bein gekühlt, verbunden und Jürgen wurde in einen Rollstuhl gesetzt. Auch eine Spritze gegen die Schmerzen gaben sie ihm und dann wurde er wieder zu seiner Mutter und zu mir zurück in die Wartezone gebracht. Sein Vater kam dazu, begrüßte uns und gab der Mutter ein paar Anweisungen und eine kleine , weiß rote Medikamentenschachtel, danach konnten wir dann wieder zu ihm nach Hause fahren.
Zwischenzeitlich hatte ich zu Hause angerufen, berichtet, was war und das ich wohl später nach Hause kommen würde.
Bei ihm zu Hause trug ich ihn auf den Rücken hoch in den ersten Stock, wo sein Zimmer war und legte ihn auf seinem recht großen Bett ab.
„Bleib noch, Uwe“, bat er mich, nach dem er richtig auf dem Bett lag, „ ich möchte gern mit dir reden.“
„Es ist schon bald vier Uhr“, sag ich, „ich muss mal langsam heim.“ Er meinte dann, ich solle dort anrufen, dass es später wird und das ich hier bei ihm essen würde, zu Abend. Ich weiß nicht, warum. vielleicht war ich auch nur froh, mal einen Nachmittag nicht allein und einsam in meinem Zimmer rum zu hängen, also sage ich zu und rief Mama auf dem Handy an. Ich sage ihr, wo ich bin und das es später wird. Jürgen freut sich sichtlich und er zeigt auf eine Musikanlage und fordert mich auf, eine CD meiner Wahl einzulegen.
Bald darauf erklingt Musik von Robbie Williams, Jürgen hat einiges aus den Charts des Jahres.

Ich mache eine Pause, schaue nach oben und lasse mich zärtlich von Ralf küssen, habe das Gefühl, das der Jürgen da in dem Tagebuch auf den damals noch eigentlich meinen Uwe abfährt.
Auch Ralf sagt jetzt: „Der Jürgen mag den Uwe, ist bestimmt auch schwul und hat das mit der Fahrt zum Röntgen und das mit dem da bleiben geschickt gemacht, finde ich.“
„Du hast mich erstmals mit deinem Geruch betört“, sag ich, „und dann, am Flaggenstock der „August Remmers“ hast du dich endgültig in mein Herz geschlichen. Ab da habe ich sehr oft an dich gedacht und mir gewünscht, dich besser kennen zu lernen. Das wir jetzt ein Paar sind, macht mich froh und glücklich und ich freue mich auf ein Leben an deiner Seite, mein Schatz.“
„Als du aus dem Audi gestiegen bist“, sagt er jetzt, „ habe ich schon fast Stielaugen bekommen und war direkt hin und weg“, sagt er und küsst mich wieder. Wenn er mich so noch zwei oder drei Mal küsst, werden wir heute wohl nicht mehr weiterlesen, denk ich.
Als ob er das gerochen hätte, küsst er mich weiter, macht damit, das Leben in meine Hose kommt.
Ich lese aber noch kurz über die restlichen Seiten, viel ist es ja nicht mehr, was da noch kommt.

Es ist so gelaufen, wie wir es vermutet haben. Uwe ist letztlich Jürgens Charme und seinem Werben erlegen. Jürgen, der out ist zu Hause, hat in den letzten Wochen Uwes Leben noch mal um vieles besser gemacht, bevor er selber, durch den Mord des feigen Schweins, der mein Bruder war, viel Leid erfahren hat.
Den Tod eines geliebten Menschen erleiden zu müssen, ist einfach furchtbar und er hat bestimmt lange daran zu knabbern. Die Gewissheit, dass Uwe nicht unglücklich gestorben ist, tröstet mich schon ein wenig und da Ralf weiter küsst und auch fummelt, so landet das Tagebuch auf dem Nachttisch und wir zunächst im Bad.
Später dann, landen wir wieder, in wechselnden Positionen auf dem Bett und das, was da läuft, ist einfach nur gut. Liebe machen wir, mit Haut und Haaren, mit jeder Faser des Körpers schenken wir uns Lust und auch tiefe Entspannung Ich liebe ihn einfach ganz doll und will ihn mit niemanden mehr teilen. Irgendwann, nach elf ist das Pulver verschossen und eng beieinander schlafen wir

Alex Brunner, Mittwoch, 08.09. 2010., 18:00 Uhr in der Küche im Haus, mit Chris, Matze und Robin

Jason hat heute Mittag um vierzehn Uhr eine Teambesprechung angesetzt, in der wir über den weiteren Ablauf geredet haben. Der Termin für die dritte und wie es für beide Jungs aussieht, auch letzte OP, ist auf den sechzehnten September fest gesetzt, morgens Robin und am Nachmittag John Ephraim. Danach ist dann noch mal Klinikaufenthalt für Beide bis zum zwanzigsten. Dann, nach einer großen Abschlussuntersuchung könnten sie, bei Gewährleistung entsprechender fachmedizinischer Betreuung eigentlich nach Hause, wenn Reha und Hormonbehandlung sicher gestellt sind.
Bei Robin in Bremen dürfte das absolut kein Problem darstellen, bei John weiß ich das nicht. Darum müssen sich seine Eltern kümmern und die werden das schon hinkriegen, denk ich.
Ich werde nach her dann mal den Herrn Remmers anrufen und fragen, ob das zurück mit dem Firmenflieger klappt für die Heimreise oder ob wir Linie fliegen sollen. Jason hat mir eröffnet, dass noch einiges an Geld übrig sei, weil es gut gelaufen ist und auch, weil es nur drei der sonst oft erforderlichen vier oder fünf Eingriffe waren.
Dieses Geld wird später zurück überwiesen. Die Medikamente zur Hormonbehandlung werden wir über das Herzzentrum in Bremen bestellen. Rehapläne werde ich der Klinik vorab schicken und nach der Rückkehr werden wir Robin ein paar Tage in die Klinik aufnehmen. Dort bleibt er unter meiner Aufsicht, bis sich alles eingespielt hat und seine Versorgung und auch die Reha so gut organisiert ist, das er das alles von daheim aus erledigt bekommt. Ich bin gespannt, was sie sagen, wenn ich ihnen das später erzählen werde.
Meinen Chef, vor allem aber Markus, werde ich die freudige Nachricht auch heute noch zu kommen lassen.
Ich weiß, dass er sich sehr freuen wird und ich mich natürlich auch. Ich werde nicht mehr allein sein, wenn ich wieder zu Hause bin. Der Gedanke wärmt mein Herz, macht mich froh.
Einen Termin für den Besuch bei Winston und auch für das Pizza Essen mit dem Jungen werden wir festlegen, aber erst, wenn wir wissen, wann und wie wir heim fliegen. Vielleicht bleiben uns ja noch ein paar Tage nach dem zwanzigsten, um etwas in der Richtung zu planen. Mal abwarten, was Herr Remmers zum Fliegen sagt, Firma oder Lufthansa.
Als ich dann heim kam vorhin, habe ich den drei Jungs von der Besprechung und ihrem Inhalt erzählt und alle haben sich ganz doll gefreut, besonders der Kleine, der froh ist, seine Mama aber auch alle seine neu gewonnenen Freunde wieder zu sehen. Etwa, um was mit ihnen zu unternehmen, ohne das Handicap eines kaputten Herzens. Ich habe ihm gesagt, das er jetzt in der Wachstumsphase schon noch etwas vorsichtig sein muss, nicht so viel über das ja schon anstrengende Rehaprogramm hinaus machen soll und das alles mit der Zeit kommt. Schwimmen bei Jerome und ein wenig Fitness Training wird schon gehen und auch mit der Sauna kann er langsam und vernünftig anfangen, muss dann nicht mehr draußen sitzen, wenn andere in den Schwitzkasten gehen, aber wie gesagt, er muss einfach langsam beginnen.
Jetzt essen wir erst mal, Chris und Matze haben gekocht, Tortellini-Auflauf mit Gemüse und Hackfleisch und mit Käse überbacken. Ist richtig gut geworden und einen guten Salat haben sie auch dazu gemacht. Zusammen mit einer Flasche Zinfandel aus Kalifornien lassen wir es uns schmecken, Robin probiert dabei an meinem Glas, aber da der Wein recht trocken ist, schmeckt ihm das nicht. Eine Orangenlimonade schmeckt ihm deutlich besser, Cola ist immer noch tabu, genau wie Coffein.

Robin, froh aber auch nachdenklich, Donnerstag, der 09.09.2010, 19:00 auf dem Bett im Zimmer des Hauses, an der Abendinfusion hängend.

Wieder läuft ein Liter Kochsalzlösung, versetzt mit diversen, Hormonhaltigen Medikamenten, um meine körperliche Entwicklung auf einen meinem tatsächlichen Alter angemessenen Stand zu bringen. Das betrifft Größe und Gewicht, Muskulatur und auch die pubertäre Entwicklung, Größe und Funktion der Geschlechtsorgane, Scham und Körperbehaarung, halt alles, was durch das kranke Herz zurück geblieben ist. Das dieser Vorgang nun durch Medis beschleunigt wird, verleitet dazu, täglich genauestens hin zu schauen, was sich wie verändert hat. Wir messen Körpergröße und Gewicht jeden Morgen und was sonst zu messen ist, messe ich im Bad oder in meinem Zimmer vor einem großen Spiegel und ja, es tut sich was.
Haare sprießen, über dem Penis, unter den Armen und auch an den Beinen und Armen ist das Flaum-Stadium vorbei und es wachsen richtige Haare. Elf Zentimeter bin ich schon gewachsen, habe fast sieben Kilo, überwiegend Muskeln, zugelegt und mein Penis ist jetzt schon länger als sechs Zentimeter, steif ist er fast doppelt so lang und auch deutlich dicker als im Normalzustand, das kann ich jeden Morgen sehen und immer öfter auch zwischen durch, er scheint ein Eigenleben zu entwickeln. Gestern Morgen beim Aufwachen war die Hose nass, das geht also auch jetzt los und Chris hat grinsend gesagt, das man dem vorbeugen kann, in dem man sich ab und zu wichst, sich einen runter holt. Ich habe es später im Internet gesucht und einiges dazu gefunden. Am Abend habe ich es dann im Bett ausprobiert, irre, sag ich, ist das irre gut….wow, hat das gejuckt, unbeschreiblich aber auch feucht, bzw. nass.
Ich glaube nun, was Boris gesagt hat. Wenn man einmal damit angefangen hat, will man es nicht mehr lassen.
Heute Morgen, beim Duschen habe ich es wieder getan, es ist einfach nur gut, echter Wahnsinn und es kostet keinen Cent, was bei echt guten Sachen doch sehr selten ist.
Alles geht voran und seit gestern wissen wir von Alex, dass es nur noch einen Eingriff gibt und dass wir wahrscheinlich zum Ende des Monats zurück fliegen werden. Das ist so geil, es ging echt gut und schnell hier und es ist bald geschafft.
Essen kann ich zurzeit eigentlich vierundzwanzig Stunden am Tag und ich bekomme auch zweimal täglich einen Eiweißdrink, der das Muskelwachstum zusätzlich fördern soll. Alex, der das alles koordiniert und kontrolliert, ist mit meiner Entwicklung zufrieden, freut sich, das sein kleiner Robin nun wächst und gedeiht. Auch Chris und Matze, die jede Veränderung präsentiert bekommen, freuen sich mit mir und Chris hat mit feuchten Augen gesagt, das er jetzt fast sicher ist, im nächsten Jahr mit Matze zusammen in Hamburg Medizin zu studieren. Schön für die beiden und auch für mich, meinem Bruder nur das Beste, in jeder Beziehung und das Matze das Beste ist für Chris, sieht doch ein Blinder mit Krückstock, oder? Chris habe ich das natürlich erzählt, das mit dem Wichsen. Er hat mich in den Arm genommen und er freut sich mit mir. Ich soll es nicht übertreiben jetzt am Anfang, ein oder zweimal am Tag sind aber nicht schädlich, hat er gesagt und ich finde, das reicht ja auch fürs erste.
Jetzt gilt es noch, die Aktivitäten mit Winston zu planen, den Besuch bei ihm und das Pizza-Essen im Taco-Bell.
Die Tage hier mit John Ephraim waren gut, wir sind uns näher gekommen, wie das halt so ist unter Freunden und das sind wir jetzt. Wir werden auch nach unserer Trennung in Verbindung bleiben, das Internet macht es ja möglich. Er zieht jetzt bald nach Kanada, wo er jetzt ja als ganz normaler Junge anfangen kann, in der Schule und so. Er freut sich drauf, Atlanta findet er nicht so gut wegen der Rassengeschichte, da gibt es viele, die meinen, farbige Menschen wären Menschen zweiter Klasse und deshalb weniger wert als weiße. Als ob man sich das aussuchen könnte.
Das Schlafen in meinem großen Bett, sich Abends vor dem Einschlafen in die Augen zu schauen, den anderen fast eine Woche ständig bei sich zu haben, aber auch die gleichen Probleme von klein auf zu haben und jetzt gemeinsam zu bewältigen, das schweißt schon zusammen.
Ich würde mein Verhältnis zu ihm mit dem zu Boris vergleichen und am Abend, bevor er von seiner Mutter abgeholt wurde, habe ich ihn, auf sein Bitten hin erlaubt, meinen Penis und hier speziell die ja bei ihm fehlende Vorhaut, an zu fassen und er hat sie, fast ehrfürchtig, zweimal hin und her geschoben. Er hätte seine eigene wohl auch gern wieder.
Wir waren wohl beide steif, hatten aber nicht den Mut oder das Bedürfnis, weiter zu gehen als bis hier her.
Ich hätte ihn wohl gern noch länger hier bei mir gehabt, ich konnte vieles mit ihm zusammen spielen, PS 3, schwimmen und andere Sachen, wir verstehen uns einfach gut. Ich werde Jerome bitten, mir immer dann Bescheid zu geben, wann der Firmenflieger nach Kanada fliegt. Vielleicht kann ich in den Ferien dann mal mit rüber fliegen oder John von drüben zu uns. Wiedersehen werden wir uns, das haben wir uns versprochen und das wird auch irgendwann kommen.
In der Reha geht es täglich mehr zur Sache und wir merken, dass wir jetzt vieles können, was vor den OPs einfach unmöglich war und das erfüllt uns beide mit Stolz und ist die beste Motivation für uns.
Ab Morgen geht es dann auch raus zum Laufen, Ausdauertraining, hat Dan gesagt. Einen passenden Jogginganzug haben wir auf dem Rückweg von der Mittagsinfusion gekauft, neue Größe ist jetzt Einhundert sechsundvierzig, geil, oder? Er ist von Nike und ein paar andere, größere Sachen haben wir auch noch gekauft. Einen Teil meiner Kleidung kann Mama in die Kleidersammlung geben oder in die Kita, die nehmen auch noch gute Kleider an zum Wechseln. Das habe ich ihr aber schon geschrieben und sie hat sich darüber gefreut. Es ist alles so toll, manches Mal kneife ich mich, weil ich sicher sein will, nicht zu träumen. Wir alle hier sind Happy und Alex wohl am meisten. Sein Robin wird gesund und sein Markus wartet auf seine Rückkehr. So froh und glücklich war er nur, als sein erster Partner noch gelebt hat und es war an der Zeit, dass das Glück noch einmal zu ihm kommt, er hat es so verdient.

Jerome, Donnerstag, 09.09. 08:00 auf dem Bett im Zimmer, kurz, nach dem der Wecker ging.

In gut zwei Stunden, um viertel nach Zehn, beginnt unsere erste Vorlesung für heute, dafür geht es bis sechzehn Uhr. Vom gemeinsamen Frühstück, Ole und Frank haben Küchendienst, haben wir uns schon gestern Abend abgemeldet und Frank, der auch erst später Vorlesung hat mit uns, macht für uns um Neun ein kleines Frühstück.
Es nieselt draußen, man sieht das durchs Fenster und auch auf den Dachfenstern ist die Nässe deutlich zu erkennen.
Ich denke mal, das alle die früh zur Uni mussten, mit Wolfi gefahren sind, Ole und Paul. Kevin, der diese Woche ja seine Mittagsschicht hat, wird bei Regen, da Wolfi nicht da ist und auch wir weg sind, von Mike gefahren, mit dem Golf, der vorher seiner Mama gehört hat. Wenn Mike bei Dirk übernachtet, kommt er doch morgens her, wenn Dirk zur Schule ist und macht fleißig sein Fernstudium. Er ist da echt vorbildlich und sehr diszipliniert, ich weiß nicht, ob ich das so könnte. Mike ist echt ein toller Freund und bringt sich überall gern mit ein, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Er hat viel mit Ole gemeinsam und liebt seinen Dirk wirklich sehr, ist der ruhende Pol in der Beziehung und ein ganz lieber, ehrlicher Freund, den man gern um sich hat.
Das wir so tolle Freunde in Armins Keller gefunden haben, ist einfach nur Klasse.
Wir haben kürzlich beschlossen, den Tag der Party, der fünfzehnte Mai 2010, an dem unsere Freundschaft begann, jedes Jahr mit einer besonderen Party hier oder bei Mama und Papa gebührend zu feiern. Es war für uns alle hier und auch für meine Familie ein echtes Schlüsselerlebnis, das nicht in Vergessenheit geraten darf.
Ich werde den Tag nicht vergessen, es war Pokalfinale in Berlin, mit Werder und Bayern München, aber wir waren auf Party mit unseren jetzigen Freunden und was daraus wurde ist mehr, als es Fußball je sein kann ………. Freundschaft, echte tiefe Freundschaft, Einer für Alle……… Alle für Einen.
Mein Einer steht jetzt auf, mit Campingplatz am Südpol und sagt: „Duschen, jetzt, Her Remmers, aber Zack Zack.“ Wer kann bei diesem Anblick schon „Nein“ sagen, ich nicht, kicher. Also lasse ich mich in unsere Dusche tragen und einseifen, vor allem zwischen den großen Zehen. Um Neun sitzen wir dann mit Frank, Mike und auch Kevin beim Frühstück und ich berichte von dem, was Robin gestern Abend geschrieben hat, das alles gut läuft, das er wächst und auch, dass er jetzt kein Kind mehr ist und das er sich freut, wieder nach Hause zurück zu kommen, um uns alle wieder zu sehen.
Wir freuen uns auch, dass es gut gelaufen ist und wohl auch weiter läuft bei ihm und das er gesund nach Hause kommt Ende des Monats.
Mit Ole und Frank, das wird auch langsam wieder besser, Ole geht jetzt wohl immer mit zum Psychologen und Frank arbeitet echt sehr an sich. Böse Blicke gibt es schon nicht mehr, wenn einer von uns mit Ole spricht oder ihn umarmt und auch so sind sie wieder sehr verliebt mit einander, hab ich das Gefühl. Die Geräusche abends sprechen für sich und es ist gut, Ole nicht mehr leiden zu sehen. Beide lachen wieder, mit uns und auch mit sich und alle Zeichen stehen voll auf Besserung, Versöhnung ist angesagt.
Papa hat gesagt, dass Martin und Kai am zweiten Oktober auf das Standesamt in Bremerhaven gehen und sich dort verpartnern. Diesen Tag werden wir alle mit feiern, der Tag drauf ist ein Sonntag, da können wir ja gut feiern. Papa wird das alles schon regeln, das lässt er sich von niemandem nehmen und auch ich muss mir was einfallen lassen an diesem Tag. Martin vor allem aber auch Kai stehen mir und den meisten hier bei uns sehr nahe und deshalb müssen wir überlegen, was wir den beiden denn zu ihrer „Hochzeit“, denn das ist es in meinen Augen, schenken werden. Auch Kevin fiebert dem Tag bestimmt entgegen, schafft er doch die Voraussetzung für seine Adoption durch das Paar.
Wir sind fertig mit dem Frühstück, müssen unsere Sachen holen und dann los fahren. Mike sagt zu Kevin: „Komm in unserer Zimmer, wenn du los willst, ich fahre dich dann. Bis dahin bekomme ich noch eine Lektion fertig.“
Kevin räumt alles ab, macht das Geschirr in die Spülmaschine und stellt sie an. Er wird mal ein toller Hausmann, der Kleine. Bevor ich Sergej und Frank folge, nehme ich ihn noch einmal kurz in den Arm und verstrubbele seine Haare.
Er ist gewachsen, seit wir ihn von Dresden mit gebracht haben, körperlich, aber auch sonst in allem, ein wahrer Hingucker und ein ganz, ganz Lieber, ehrlich und treu. Er ist jetzt etwa sieben Zentimeter größer als Wolfi und beide zusammen wiegen etwa hundertzwanzig Kilo, Kevin fünfundsechzig bei eins achtundsiebzig und Wolfi fünfundfünfzig bei eins einundsiebzig Zentimetern. Sie sind ein tolles Paar und ziehen viele Blicke auf sich.
Fast in jeder freien Minute sind sie mit der Bilderbeschaffung oder der Bearbeitung beschäftigt und auch im PC-Laden von Kevins Onkel sind Bilder von Wolfi aufgehängt und können auch dort erworben werden. Auch da sind in den letzten Wochen schon vier Bilder verkauft worden und Wolfi hat ein nicht übles Nebeneinkommen dadurch, was ihm natürlich alle gönnen.
Papa kauft auch ab und zu Bilder, verschenkt die dann an Jubilare in der Firma, zusätzlich zu den üblichen Geldgeschenken bei solchen Anlässen. Auch zu Geburtstagen schenken meine Eltern jetzt öfter mal ein Bild von unserem Freund.
Der Wirtschaftssenator konnte der Kultussenatorin ebenfalls überreden, überall in den Bremer Grundschulen und Gemeinschaftsschulen Bilder aus der Region aufzuhängen und so bekommt Wolfi nach und nach einige Folgeaufträge.
Schule um Schule sollen zunächst mal je zwölf Bilder bekommen, hat Papa zu Wolfi gesagt. Bei der Anzahl der Schulen im Land ist Wolfi dann doch blass geworden und hat gemeint, dass es jetzt ein bisschen ausartet.
Papa hat gesagt, das das wohl schon aus Kostengründen über mehrere Jahre laufen würde, er rechnet mal mit sechs bis acht Schulen im Jahr, das sind also zwischen zweiundsiebzig bis sechsundneunzig Bildern pro Jahr. Bei im Schnitt siebzig Euro je Bild kommt da, nach Abzug der Selbstkosten, doch ein schönes Sümmchen zusammen. Die Sache mit der Steuer wird durch einen Buchhalter aus Papas Firma gemacht, Wolfi muss nur die Daten in den PC eingeben und rüber schicken. Den Rest erledigt ein Herr Wiesemann.
Jetzt sind wir auf dem Campus gelandet, mussten noch ein gutes Stück laufen, weil um die Uhrzeit in Uninähe kein Parkplatz mehr frei ist. Ab Morgen soll das Wetter noch mal besser werden, dann fahren wir wieder mit dem Fahrrad.
Zum Essen in der Mensa treffen wir auch wieder auf Ole und Wolfi, zusammen essen wir an einem Tisch, Schnitzel mit Pommes und Salat, da ist der Andrang immer groß. Auch Volker, Wolfis Studienkollege und seine Freundin sind beim Essen an unserem Tisch. Volker erzählt, dass sie bis jetzt Ruhe haben vor der Sekte und beide sehen zufrieden aus.

Lex, Freitag, 10.09. 11:20 in der Klasse mit Armin, Denise und Dirk, Mathe beim Hausschulte.

Die Türe wird aufgerissen, nach dem jemand forsch angeklopft hat. Herein kommt der Direx mit …… Noah und einem weiteren jungen Mann, der ganz in schwarz gekleidet ist, eine coole Frisur hat mit hellblauen Strähnen in pechschwarzem Haar. Noah zwinkert uns zu, Dirk und mir. Der andere Typ sieht gut aus, cool und sportlich, mit breitem Kreuz und schmalen Hüften, ist etwa einsneunzig groß und er hat ein markantes Gesicht, nicht schlecht, zwar kein Ralf aber doch einen längeren Blick wert.
Es wird still in der Klasse und der Direx sagt: „ Diese beiden Herrn hier, Noah Schroer und Alwin Schwertfeger werden in Zukunft den Weg zum Abitur mit ihnen gemeinsam gehen. Persönliche Gründe haben sie veranlasst, von Bremen hier her zu wechseln. Sie sind somit jetzt fünfundzwanzig Schüler und Schülerinnen, immer noch deutlich unter der vom Ministerium festgesetzten Obergrenze. Ich möchte, dass sie die neuen Schüler in ihre Klassengemeinschaft aufnehmen. Ab Montag werden sie dann anwesend sein. Jetzt folgen mir die Beiden bitte ins Sekretariat.“
Alle drei verschwinden wieder, Gemurmel kommt auf, bis Herr Hausschulte Ruhe verlangt. Er fährt mit seinem Unterricht fort. Bei ihm macht Mathe sogar Spaß, aber das hat mir Ole schon vorher mal gesagt, dass der ein guter Lehrer ist.
Es war die letzte Woche, ich glaube Mittwoch, als beim Abendbrot Onkel Carl August über Noahs Wechselwunsch an unserer Schule kurz geredet hat. Irgendwas war da wohl mit Mobbing. Da wir uns später in der WG treffen, um von dort in die Fahrschule zu fahren, werde ich Noah mal zu den Einzelheiten befragen. Ralf und ich bleiben dann abends dort, wieder bis Sonntag und auch Noah und Enrico wollen dort bleiben. Rico, der frei hat, will Samstag einen Crashkurs „Kochen“ mit uns machen und am Abend wollen sie dann zu Noah nach Hause fahren.
Ich möchte am nächsten Wochenende mit Ralf noch mal nach Bonn fahren, Uwes Familie und auch sein Grab noch einmal besuchen. Ich werde Uwes Eltern fragen, ob sie den Jürgen dann mal zu sich einladen können, wenn ich dort bin, ich würde ihn gern kennenlernen. Mal sehen, was Ralf dazu sagt oder auch Tante Lis und der Onkel.
Dienstag ist Theorie Prüfung und Mittwochnachmittag Praxis für Ole, Paul und Enrico und mich.
Heute ist der letzte Unterricht und wir werden einen oder auch zwei scharfe Durchgänge üben. Ich bin echt gespannt, gelernt habe ich viel, mit Ralf und auch allein und ich fühle mich fit. Wenn wir dann wirklich nach Bonn fahren, lässt Ralf mich bestimmt auch mal ans Steuer, das wird cool. Endlich selber mal fahren, das hat was, ich freue mich drauf. Auf der Insel wäre das undenkbar und ich bin immer wieder, jeden Tag, schon beim Aufwachen froh, dass alles so gekommen ist, wie es jetzt ist und es wird bestimmt noch besser.

Natascha, Samstag, 11.09., 09:00 mit Mama beim Frühstück.

Paolo ist schon um halb acht in die Firma gefahren, er muss heute arbeiten und hat dann noch die Nachhilfe mit dem Neffen des Chefs. Vor sechzehn Uhr wird er wohl nicht zurück kommen. Heute Abend gehen wir ins Kino und schlafen danach bei ihm. Enrico bleibt mit Noah in der WG und ist dann Morgen Abend bei Noah zu Hause, wir haben halt die Wohnung für uns.
Mein sechzehnter Geburtstag rückt rasant näher, am achtzehnten September, am Samstag nächster Woche, ist es soweit und mit Mama werde ich jetzt mal über den Tag reden. „Mama, ich werde in einer Woche sechzehn“, sage ich. Mama grinst und sagt: „Stell dir vor, ich war dabei damals und an allen anderen Geburtstagen auch.“
„Können wir eine Party machen hier, Mama?“, frag ich. „Gerne, mein Schatz. Was stellst du dir denn vor?“, fragt sie zurück.
„Na ja, der Brunch, neulich, so was in der Richtung mit allen Freunden und allen aus dem Haus, mit ein paar Spielchen vielleicht, Sauna und Schwimmen und feiern natürlich“, sag ich, „Paolo geht an dem Tag nicht arbeiten, hat sich schon abgemeldet und für die anderen, Kevin und Enrico, kann Papa ja frei besorgen, falls die zur Arbeit müssten. Ich möchte, das alle da sind.“
„Schatz, hör zu, Papa hat gesagt, das Robin, Chris und der Matze in der Woche darauf zurück kommen, wenn wir es also um eine Woche verschieben, sind echt alle wieder da und wir können dann ganz groß feiern, deinen Geburtstag, Robins Rückkehr und Genesung, mit all den Leuten, die bei der letzten großen Party hier waren“, sagt Mama jetzt und ich überlege kurz.
„Ich rufe jetzt mal Kevin und Enrico an“, sage ich, „frage, wann sie frei haben. Vielleicht kann Enrico mit Herrn Meinle das Essen machen und es her bringen und dann mitfeiern. Dann laden wir auch Matzes Pflegeeltern noch mal ein und Ulf und Irene mit Noahs Oma. Wenn Papa heute kommt, machen wir einen genauen Plan, Papa hat ja fast immer alle Daten und Dinge im Kopf oder auf dem Handy.“
„Die Idee ist gut und deinem Bruder kannst du dann auch her bitten“, sagt Mama, „Papa ist um eins auf dem Flughafen, Martin holt ihn ab und so gegen halb Vier wäre dann Zeit, alles zu besprechen.“
Ich rufe jetzt Kevin und Enrico an, beide hätten am besagten Wochenende frei und Enrico würde auch bei der Vorbereitung des Essens dabei sein. „Ich bin froh“, sagte er am Telefon“, das ich mal was zurück geben kann, nach dem ihr so viel für uns getan habt.“
Jerome schreibe ich eine längere SMS und gegen Elf kommt die Antwort. Er und Sergej kommen um halb Vier und er bringt noch Ole und Frank mit, schreibt er. Das ist mir recht, Ole hat immer gute Einfälle und genau wie Papa immer alle Dinge im Kopf.
Die Sache mit der Eifersucht scheint sich ja aus zu wachsen, sie kriegen das bestimmt wieder hin.
Torsten und Sigrid haben jetzt auch Sex und es gefällt Sigrid ebenso gut, wie mir. Torsten gibt sich wohl auch sehr viel Mühe, ist liebevoll und fährt sehr auf Sigrid ab. Sigrid ist auch ein tolles Mädchen und Torstens Eltern sind hin und weg von Ihr. Die Zwei können ja dann hier oben bei mir in einem der Gästezimmer schlafen, wenn sie nicht mit Frau Gut nach Hause fahren. Auf meiner Couch, die ist ähnlich wie die bei Jerome, da können sie auch pennen, und Frau Gut und Frau Jensen in einem der Gästezimmer oder in dem einen bei Oma.
Mal sehen, wie wir das alles regeln. Im Sauna Ruheraum können bestimmt auch noch ein paar von den Jungs schlafen. Das muss ich alles noch genauestens mit Mama regeln, wenn feststeht, dass alle kommen. Ein Großraumtaxi zur WG wäre ja bestimmt auch möglich, wenn der Platz nicht reicht hier für alle. Mal sehen, was Papa zu allem zu sagen hat heute Nachmittag. Einen speziellen Wunsch habe ich eigentlich nicht, weil wir ja auch eigentlich alles haben, was junge Leute in unserem Alter so gerne hätten und seit ich Paolo habe, bin ich eigentlich wunschlos glücklich. Gerne wäre ich ja mit Sigrid, Marie und Torsten auf das normale Gymnasium gegangen, glaube aber, dass das meinen Eltern nicht so gefallen würde. Ich werde es einfach heute Nachmittag noch mal ansprechen. Meine Lehrer können ja dann auch Nachmittag kommen und mir und auch Alex noch etwas unter die Arme zu greifen.


Dirk, Sonntag, 12.09., morgens um 10:00 Uhr, auf dem Zimmer in der WG mit Mike.

Mike sitzt, seit wir vom Frühstück zurück sind, an einer Ausarbeitung, die er in der nächsten Woche weg schicken muss. Ich mache Fahrschulbögen, gehe ich ja auch schon länger in Bremerhaven in eine Fahrschule. Der Chef dort ist ein Schulfreund meiner Mutter und da habe ich zehn Prozent Rabatt bekommen. Am siebzehnten Oktober werde ich ja dann auch achtzehn und dann will ich auch den Führerschein bekommen. Die anderen sind ja alle in der gleichen Fahrschule und auch jetzt alle in Bremen hier. Mittwoch haben Ole, der Alex, Paul und Enrico Prüfung, mal sehen, ob sie es alle beim ersten Mal schaffen. Genug gelernt haben sie bestimmt alle, schließlich will man sich ja nicht blamieren. Fahrübungen hier auf dem Hof finden auch jeden Sonntag statt, bei geschlossenem Tor und ohne Kaufpublikum beim PC Laden.
Ich darf nach her mit Mikes Auto auch noch etwas üben, rückwärts einparken zum Beispiel. Als Bordstein dient ein langer Holzbalken, der beim Umbau über war und den Jerome auf Oles Wunsch hin hier behalten hat. Ein paar große Pappkisten werden als parkende Autos abgestellt und in die Lücke hinein üben wir das Parken. Wenn man wirklich einen der Kartons an stupst, gibt es am Auto keinen Schaden.
Ich werde mir wohl in absehbarer Zeit kein eigenes Auto leisten können, als Schüler nicht und auch nicht als Student. Mein Schatz wird mich aber bestimmt des Öfteren mit dem Golf fahren lassen, da bin ich mir vollkommen sicher. Zu Hause haben wir auch kein Auto, Papa und Mama fahren Bahn oder Bus, manchmal auch Rad, seit neustem arbeitet Mama ja zu Hause.
Papa hat gar keinen Führerschein und Mama hat wohl einen, aber nie ein Auto besessen. Es hat eigentlich auch nie gefehlt, weil es nie da war und in Urlaub sind wir, wenn überhaupt, mit dem Zug gefahren. Die Kohle war nie wirklich vorhanden bei uns, nicht das uns jetzt lebensnotwendige Dinge gefehlt haben, nein, das nicht, aber Mama musste immer ein bisschen rechnen, um vernünftig rund zu kommen. Ein ordentliches Fahrrad habe ich immer gehabt.
Ich hätte gern immer noch ein oder zwei Geschwister gehabt, aber das ging wohl nach meiner Geburt bei Mama nicht mehr.
Markenklamotten, teure Schuhe oder Champagner, das war nicht bei uns und deshalb hatte ich anfangs auch so meine Probleme bei den Remmers denn da ist ja wohl die Kohle zu Hause.
Nach dem ich dann im Laufe der Zeit gemerkt habe, das die trotz Kohle normal, offen und sehr tolerant geblieben sind, bin ich gern dort oder hier in der WG.
Bei Mike war es ja auch schon anders, so als Unternehmersohn hatte er auch andere Möglichkeiten, aber er liebt mich, ist mein Ein und Alles und das ist einfach toll. Er hat nie einen Unterschied gemacht, alle Leute, ob arm oder reich immer gleichermaßen behandelt und es macht ihm nichts aus, das wir eben nicht so viel Kohle haben.
In unserem Freundeskreis spielt das auch keine Rolle. Wer ehrlich, tolerant und teamfähig ist, der ist willkommen, Herkunft und Einkommen sind da kein Kriterium. Es ist schon gut, wie alles so gekommen ist mit Ole und dann auf der Party bei Armin. Meinen Eltern tut das irgendwie gut, das es außer mir und dann später Mike noch mehr schwule Jungs da sind und das auch reiche Familien nicht davon verschont sind, schwule Kinder zu haben. Ich glaube, das sie am Anfang immer das Gefühl hatten, an meinem Schwul sein in irgend einer Form Schuld zu sein. Diesen Quatsch haben Mike und ich ihnen mittlerweile aus geredet.
Sie haben sich gut mit der Situation arrangiert und die Welt ist noch mal in Ordnung. Durch die neue Wohnung mit dem Arbeitszimmer für Mama reduzieren sich ihre Fahrtkosten deutlich und sie kann sich die Arbeit einteilen, wie sie es möchte. Dadurch erzieht sie ein um etwa hundertfünfzig
Euro höheren Monatslohn, was natürlich der Familienkasse eine deutliche Entlastung bringt.
Für meine Studienzeit werde ich dann schon einen Job suchen, Mike meint, bei seinem Papa in der Firma würde das schon gehen, mit ihm zusammen. Das wäre natürlich ideal und das geht schon klar, meint er.
Schatz ist jetzt fertig und wir werden jetzt runter gehen und einparken üben. Ich denke, das wir da nicht allein sein werden heute Morgen. Da der Fahrschulwagen bei mir auch ein Golf ist, üben wir mit dem. Die anderen üben mit dem Skoda Kombi, da dass das gleiche Modell ist, wie ihr Fahrschulwagen, ein Zufall, aber ein willkommener.
Unten üben gerade Ole mit dem Kombi und Paul mit dem Yeti, kein Problem, da der Hof ja recht groß ist. Da allerdings der PC Laden geöffnet ist, üben wir hinter dem Gebäude, um niemandem in die Quere zu kommen.
Mit so kleinen, clownsmützen ähnlichen Hütchen, die Jerome besorgt hat, haben sie eine Kreuzung und ein Stück Straße markiert und auch der Rest des Makierungssprays von der Baustelle kam zum Einsatz, so dass ein kleiner Parcours entstanden ist, den wir jetzt durchfahren mit drei Autos. Wolfi hat auf seinem großen Drucker diverse Verkehrsschilder ausgedruckt und an Campingstühlen aus der Garage festgemacht. Die sind nun aufgestellt und müssen entsprechend beachtet werden. Das Einparkholz, das einen Bordstein darstellt und die durch Pappkisten dargestellten Autos sind ebenfalls integriert.
Auf dieser halbwegs realistischen Strecke üben wir jetzt bis zum Mittagessen, das Enrico oben mit Kevin, Wolfi, Frank und Sergej zubereitet, Crash Kurs Kochen Teil zwei, Teil eins war mit Frau Jensen vor zwei Wochen schon.
Marvin, der heute arbeitet, kommt ab und zu raus und sieht uns amüsiert zu. Der hat gut lachen, der hat ja schon den Führerschein. Mit Marvin hat Oles Schwester Marie wohl auch voll den Schatz gefunden. Das der Heiner sich wie ein Arschloch verhalten hat ihr gegenüber, war im Nachhinein eher ein Glücksfall. Marvin ist um Längen besser und auch Ole sagt, dass es jetzt wohl noch um vieles besser ist, als es je mit Heiner je war.
Heiner lästert jetzt hinter unserem Rücken über uns „Schwuchteln“ in der Schule, habe ich von einer Mitschülerin gehört. Ich habe mich noch nie in einem Menschen so getäuscht, wie in Heiner, aber da bin ich nicht allein damit. Wenn ich mal konkret was mit kriege, gehe ich zum Direx, dann kriegt Heinerchen aber ein Problem.
Um halb eins ruft uns Kevin zum Essen und wir stellen das Üben ein. Oben gibt es zwei Gerichte zur Auswahl, Combinazione, plus Salat oder Spagetti Carbonara mit Salat. Der Spruch: „Viele Köche verderben den Brei“ trifft heute nicht zu, es schmeckt echt klasse, beides und der Gürtel strämmt am Bauch nach dem Essen. Als Krönung gibt es dann noch Tiramisu, konnte das denn keiner sagen vorher?
Nach diesem Essen muss ich jetzt erst mal etwas ruhen, Mike und einige andere auch, so voll ist der Bauch jetzt.

Carl August, Montag, 13.09., morgens um 11:00 Uhr in der Firma im Büro

So, nach einem Anruf gestern Abend bei Alex Brunner in NY hat der mir gesagt, das sie nach der Abschlussuntersuchung am zwanzigsten September zurück nach Deutschland fliegen können. Ich habe dann geprüft, wo unsere Maschine zu dem Zeitpunkt ist und ob wir sie nach NY schicken können.
Wir können die Maschine am zweiundzwanzigsten morgens gleich herüberschicken, dann ist sie etwa um acht Uhr Ortszeit in NY, so dass sie wohl gegen halb elf dort starten könnten. Sie müsste dann noch nach Toronto, Leute aus der dortigen Niederlassung mit nach Deutschland nehmen. Dann wären sie morgens etwa gegen sieben Uhr am dreiundzwanzigsten in Bremen.
Nach dem meine Tochter, die ja am Samstag sechzehn wird mit Lis schon besprochen hat, mit der Party zu warten, bis die Jungs und der Doktor wieder aus den Staaten zurück sind.
Es soll dann nochmal eine so große Party werden, wie beim letzten Mal, dieses Mal wohl ohne Zelte, obwohl wenn das Wetter gut wäre, könnte wer wollte auch noch im Zelt übernachten.
Ich rufe gegen Dreizehn Uhr in den Staaten an und rede mit dem Doktor über den Zeitplan und dann legen wir uns fest. Die Maschine könnte auch zuerst nach Toronto Fliegen, dann erst nach NY, das ist vielleicht besser für Robin, dann muss er nicht so lange in der Maschine sitzen.
Das soll der Doktor entscheiden, wie wir das regeln. Vielleicht kriegen wir ja noch ein paar Passagiere für den Hinflug, wir bieten das immer an, zu Sonderpreisen, versteht sich. Wer gerade in dem Zeitraum nach Kanada möchte, kann da echt sparen.
Das mit der Party will Lis regeln, wieder mit Essen aus dem Hilton von Enrico und Herrn Meinle, wenn es Probleme geben sollte, wird sie mich schon anrufen, aber sie schafft das bestimmt allein.
Die Sache mit Noahs Schulwechsel ist gebongt, heute fangen er und noch ein andrer schwuler Schüler am Bremerhavener Gymnasium an, an dem auch die anderen Freunde sind.
Ich habe dem Direktor gesagt, er soll einen Wettbewerb zur Umgestaltung des eher tristen Schulhofs machen.
Erster Preis: eintausend fünfhundert Euro Zuschuss für die Klassenfahrt, den Umbau finanzieren wir publikumswirksam mit einhundert fünfzig tausend Euro, die setzen wir dann steuermindernd ab.
Knauer soll bei der Umsetzung der Schülerideen in die Realität mit helfen, das macht der Ewald bestimmt gern für mich. Diese Optionen gefielen dem Direx sehr, also ist alles gelaufen.
Meine Tochter möchte nun auch auf das Gymnasium gehen mit Sigrid, Torsten und Oles Schwester Marie in eine Klasse. Nach der Schulhofoption ist das kein Problem, allerdings sind Lis und ich uns nicht sicher, ob das das Beste für Natascha ist.
Rückendeckung kam von Mutter und Frieda und auch Jerome, Sergej, Ole und Frank fanden Nataschas Begehren gut. Also muss ich den Direktor wohl noch mal bemühen.

Robin, Dienstag, 14.09., 13:00 in der Klinik, beim Essen nach der Reha und der Ruhepause.

Heute müssen wir wieder hier bleiben, alles wird kontrolliert heute und Morgen, denn übermorgen ist die letzte OP bei uns beiden, dieses Mal John morgens und ich am Nachmittag und dann müssen wir bleiben. Am zwanzigsten ist dann die Abschlussuntersuchung morgens und wenn alles OK ist, werden wir aus der Klinik entlassen. Danach gibt es die Infusionen nur noch morgens und abends und natürlich Reha und Training, Ausdauer und auch Kraft.
Das wird Alex dann erst mal mit mir machen, bis wir wieder zu Hause sind, dann werde ich wohl in Alex Klinik weiter betreut. Chris hat mir sein Fahrrad versprochen, ein gutes Mountainbike, das auf dem Dachboden steht, seit er den Roller hat.
Ich werde es putzen und dann damit trainieren und in die Schule fahren, denn jetzt gehe ich ja bald in eine normale Schule. Mal sehen, ob sie mich aufs Gymnasium lassen, meine Leistungen sind ja recht gut und ich könnte ja mit der dritten Klasse, eventuell auch in der vierten, also in der Klassenstufe acht, beginnen. Da sollte ich wohl einen Test machen im Vorfeld und Alex will das für mich regeln, wenn es nicht anders geht, mit Hilfe von Jeromes Papa. Der hat echt die Beziehungen, solche und andere Dinge zu deichseln. Man kann ihm eigentlich auch kaum was abschlagen, weil er so viele gute Sachen macht, wenn man auf ihn hört.
Er hat doch tatsächlich meinen Vorschlag von dem Teich in die Tat umgesetzt und die Bilder, die Natascha von dem Teich und dem Benachbarten Pool geschickt haben, sind einfach Klasse. Ich freue mich so, bald wieder dort zu sein bei Ihnen und all den tollen Freunden.
Jetzt muss ich noch mit Alex reden, wir wollten Winston noch besuchen und ja auch noch ins Taco Bell zum großen Pizza essen. Vielleicht können wir das ja miteinander verbinden, ab Mittag der Besuch und abends die Pizza und Winstons Familie laden wir mit ein, wo jetzt doch einiges an Geld übrig ist, dürfte das kein Problem sein.
Alex hat gesagt, das nach unserer Rückkehr eine Party statt findet bei Remmers, einmal, weil Natascha sechzehn wird jetzt am Samstag und zum Anderen, weil wir zurück kommen und ich wohl fast ganz gesund bin…..und der Pool und der Teich werden gefeiert, bin echt gespannt, wie das aussieht. Fische sollen ja auch schon drin sein, hat sie geschrieben. Ich muss ihr und Jerome was mitbringen von hier, ich dachte da an ein geiles Shirt oder so was, bei dem man sieht, dass es aus NY ist. Chris meint, vielleicht was aus dem Hard Rock Cafe, da soll es tolle Shirts geben. Ich werde mal Herrn Miller fragen, vielleicht weiß der ja was darüber oder Winston, mal sehen.
Vielleicht auch ein Bild oder etwas in der Richtung, es gibt auch Straßenschilder mit „Wallstreet“ drauf, das erscheint mir aber eher unpassend.
Jetzt kommen sie, die Herrn Doktoren, holen uns mit zu den üblichen Messungen und Untersuchungen. Blut, Urin und abhorchen, morgen Früh noch mal Herzkatheder, das kennen wir ja jetzt schon, Jonny und ich und es macht uns keine Angst mehr. Ich möchte nicht wissen, wie oft wir beide das in unserem Leben schon mit machen durften.
Nicht mehr allzu lange, dann werde ich ja sechzehn Jahre alt und das erste Mal in meinem Leben, am neunundzwanzigsten Oktober nämlich, wird mein Körper auch dem Alter entsprechen, werde ich zwar nicht der Größte, aber doch ein normaler sechzehnjähriger sein, den man nicht mehr in der Grundschule vermuten würde. Das ist doch voll geil und dann in einer normalen Schule, eine Vorstellung, die mich froh macht. Leben, endlich normal leben, bald keine Medis mehr, Sport, Rad fahren und vielleicht sich auch mal verlieben, alles so tolle Sachen, an die ich früher nie zu denken wagte. Immer nur: „Das geht nicht, das ist zu anstrengend, das kannst du nicht und so fort, allein.“ Dass das jetzt der Vergangenheit angehört, ist voll der Hammer, und der wächst ja auch schön mit……kicher.
Den Flug zurück werde ich auf jeden Fall auch anders erleben als den Herflug, als Alex ständig in meiner Nähe saß, mit Defi und Adrenalinspritzen im Koffer neben sich. Es kommt ein total neues Leben auf mich zu und Chris und Mama müssen sich nicht mehr ständig sorgen, können jetzt viel öfter an sich selber denken und glücklich sein.
Jonny und seine Family sind auch total Happy, das alles so gut und vor allem in relativ kurzer Zeit gelaufen ist und sich nicht noch einen oder zwei Monate länger hingezogen hat.
Alex hat gesagt, dass es besser hätte nicht laufen können und auch, dass es bei uns beiden, Jonny und mir, sehr gut und schnell verheilt ist.
Der Einstich in meine Armvene holt mich aus meinen Träumen zurück in die Realität, noch ist es nicht so weit.

So, das war es mit Kap 97, ich hoffe, es hat gefallen

Bis bald……..Niff

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12 Kommentare

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  1. Wieder eine sehr gute Fortsetzung,
    warte schon gespannt auf die nächste Folge und werde täglich um Mitternacht hier rein schauen 🙂

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  2. Hallo Hermann, super die Fortsetzung, wirklich toll geworden. Vor allem gefällt mir der Ausflug in die Vergangenheit von Uwe, das sind noch mal neue Details und Informationen, kommt bei mir jedenfalls sehr gut an. Darüber hinaus machts immer wieder Spaß, deine Serie zu lesen, gefällt mir sehr. Mach so weiter
    Ich hoffe, dass es dir gesundheitlich wieder besser geht.

    VlG Andi

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    • Prive01 auf 10. November 2016 bei 14:38
    • Antworten

    Hallo Niff,

    soviel Sterne für diese gut Geschichte gibt es gar nicht die Dir zustehen!!!!
    Danke für diesen neuen Teil.

    mfg

    Walter

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    1. danke, fühle mich geehrt.

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    • Siegfried auf 12. November 2016 bei 15:48
    • Antworten

    Hallo Niff,
    zunächst vielen Dank für diese äußerst interessante spannende Geschichte. Ich habe inzwischen alle früheren Teile nachgelesen -bis jetzt aktuell 97-. Ich finde es prima wie Du die verschiedensten Charaktere mit ihren ganzen Eigenheiten darstellst. Ich hoffe, dass es bald weiter geht und erwarte begierig die nächste Folge.
    Gruß Siegfried

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  3. bin zur zeit sehr krank, kann kaum das bett verlassen, antibiotikum, das zweite schon, scheint aber jetzt zu greifen.
    ich kann auch nicht viel schreiben, hänge sehr zurück. tut mir leid, wird hoffentlich bald besser

    LG Niff

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    1. Haalo Herrmann,
      leider geht es mir nicht viel besser, wegen Medikamentenumstellung, wünsche dir aber auf diesem Wege gute Besserung und baldige Genesung
      Liebe Grüße dein Pit

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        • Andi auf 18. November 2016 bei 06:23
        • Antworten

        Hallo ihr beiden,

        Ich wünsche euch möglichst baldige Genesung, drück euch jedenfalls die Daumen, dass ihr bald wieder gesund werdet.

        VlG Andi

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      1. Alter, ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute.

        GLG
        Hermann

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      2. Hallo Niff,

        von mir auch gute Besserung und einen großen Dank für diese Folge. Sieh zu, dass du dich ganz auskurierst.

        Lg Chris

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  4. es wird wohl keine genesung mehr geben, 70 % und das wird auch ncht besser aber wir leben noch und ich werde die rentenversicherung gern noch etliche jahre in abspruch nehmen…..lacht…..sterben, das kann eh jeder, das hat noch Zeit….lacht noch mehr.
    lg

    hermann

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      • Andi auf 22. November 2016 bei 19:41
      • Antworten

      Auweia das klingt übel, heftig!😱Natürlich wünsche ich euch, dass sich euer Zustand verbessert, drück euch ganz doll die Daumen. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ihr uns Leser noch sehr lange mit schönen, tollen Stories erfreut, ihr schreibt beide sehr schön, kreativ, spannend, gefällt mir.

      VlG Andi

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