Ein neuer Anfang – Teil 2

5. Überraschung in der Scheune

Als Falco den Trecker noch ein Stück in die Scheune zurücksetzen wollte, hörte er plötzlich Jarek laut aus der Scheune rufen „Halt – Stopp! Falco, mach den Trecker aus und komm her.”

Überrascht trat Falco abrupt auf die Bremse und drehte den Zündschlüssel herum, worauf der Motor gurgelnd erstarb. Mit einem Satz sprang er dann vom Trecker und rannte zu Jarek in die Scheune.

„Was ist passiert?” fragte Falco atemlos.

„Schau mal dort drüben, da liegt jemand”, antwortete der Pole nur und zeigte dabei auf ein paar Strohballen.

Falco folgte dem Fingerzeig und sah tatsächlich eine Gestalt regungslos auf ein paar zusammen geschobenen Strohballen liegen. Mit schnellen Schritten eilte er auf die Stelle zu und bemerkte, dass die Kleidung des Fremden total durchnässt und dreckig war. Der Unbekannte regte sich trotz dem Lärm, den Falco und Jarek mit dem Trecker veranstaltet hatten, keinen Millimeter. ‚Mein Gott, dachte sich Falco, er wirkt fast wie tot.’

Ängstlich rüttelte er an der Schulter des fremden Jungen, hoffend, dass er aufwachen würde. Doch die Versuche blieben weiterhin ohne Reaktion.

„Jarek, hilf mir. Ich bekomme ihn nicht wach.”

Jarek, der mittlerweile neben Falco stand, nahm die Hand des Fremden und fühlte dessen Puls.

„Der Puls ist fast nicht mehr spürbar. Falco, ruf sofort deinen Vater an!”

Falco griff zitternd in seine Hosentasche, um das Handy daraus vorzuziehen. Er trug es immer bei sich, sobald er das Haus seiner Eltern verließ, vor allem aber, wenn er auf dem Feld unterwegs war. Es gab viel, was dabei passieren konnte und mit diesem Gedanken hatten ihm seine Eltern das Handy zu Weihnachten geschenkt. Falco selbst hatte das immer für übertrieben gehalten, schließlich kannte er sich mit den Arbeiten auf dem Feld bestens aus. Doch heute war er froh und erleichtert, es zu haben.

Als er die Nummer seiner Eltern per Kurzwahltaste gewählt hatte, kam es ihm wie eine Ewigkeit vor, bis endlich jemand ans Telefon ging. Ohne darauf zu warten wer sich meldete, erzählte Falco schon hastig drauf los: „Hier liegt ein Junge in der Scheune, klitschnass und er rührt sich nicht. Jarek meint der Puls sei nur noch sehr schwach.”

„Ruft schnell den Doktor an! Ich bin gleich bei euch!”, kam es von seinem Vater und schon wurde die Verbindung unterbrochen.

Ebenso wie die Telefonnummer seiner Eltern hatte Falco auch die Handynummer von Dr. Wagner für Notfälle schon am ersten Tag im Handytelefonbuch gespeichert und wählte diese auch gleich an.

Kurze Zeit später meldete dich der Arzt: „Wagner!”

„Dr. Wagner, hier ist Falco. Sie müssen schnell kommen. Hier in unserer Feldscheune liegt ein Junge. Er ist total durchnässt und hat kaum noch Puls.”

„Falco, ganz ruhig. Zieht ihm erst einmal seine Kleidung aus und versuch ihn so gut es geht zu wärmen. Ich bin gleich da.”

Falco legte sein Handy an die Seite und berichtete Jarek von dem Telefonat mit Dr. Wagner.

Gemeinsam versuchten sie nun den unbekannten Jungen auszuziehen, was sich aber als schwieriger als gedacht herausstellte. Die nasse und kalte Kleidung war schwer und klebte wie eine zweite Haut an dem Jungen. Doch irgendwie schafften sie es mit vereinten Kräften, ihm die Jacke und den Pullover auszuziehen. Es patschte richtig, als Jarek die Kleidung neben den Strohballen auf die Erde schmiss. Jarek war bereits dabei die Schuhe auszuziehen, während sich Falco an der Jeans abmühte. Als er es endlich geschafft hatte, sie zu öffnen, hob Jarek den Jungen etwas an, damit Falco die Hose runterziehen konnte.

„Ich hole die alte Decke vom Trecker”, meinte Jarek und war auch schon auf dem Weg dorthin. „Die ist zwar dreckig, aber besser als nichts.”, fügte er im Laufen noch hinzu.

Falco entledigte den Jungen währenddessen seines T-Shirts, sodass dieser nun bis auf die Unterhose nackt vor ihm lag. Falco musste schlucken. Der Junge sah wahnsinnig gut aus. Sein schönes Gesicht wirkte sehr entspannt und friedlich, wie er da so lag. Die kurzen blonden Haare standen im leichten Kontrast zu der sonnengebräunten Haut und sein Körper war sehr muskulös, ohne dass es zu viel gewesen wäre.

„Hier ist die Decke!” Jarek war mittlerweile zurück und hielt Falco die Decke entgegen. Doch dieser reagierte gar nicht, so sehr war er in seinen Gedanken versunken. Erst als Jarek ihn mit der Decke berührte, zuckte er zusammen.

„Wickel ihn damit gut ein, damit er wieder warm wird.”

Noch immer nicht ganz bei der Sache nahm Falco die Decke und wickelte sie so gut es ging um den kalten Körper. Plötzlich bewegte sich der Junge etwas, öffnete langsam seine Augen und blickte Falco geradewegs in die Augen. Falco erstarrte wie von Blitz getroffen, als ihn die wunderschönen blau-grünen Augen des Fremden taxierten.

In dem Moment fuhr vor der Scheune ein Auto vor und Jarek beeilte sich, zum Tor zu kommen. Wenige Minuten kam er in Begleitung von Dr. Wagner zurück.

„Oh schön, er ist ja schon aufgewacht. Ihr hattet Glück, ich war ganz in der Nähe”, begrüßte dieser Falco. Dann setzte er sich neben den Jungen und ergriff dessen Hand, um den Puls zu fühlen.

„Hallo, ich bin Dr. Wagner”, lächelte er den Jungen dabei an. „Tut dir irgendetwas weh?”

Der Junge wollte antworten, doch brachte nur ein leises Stöhnen zustande. Bis auf ein paar unverständliche Worte brachte er nichts über seine Lippen.

„Ist schon gut, du musst nichts sagen”, beruhigte ihn der Doc. „Alles wird gut. Ich werde dich erst einmal kurz untersuchen und dann bringen wir dich schnell hier weg”.

Dr. Wagner sah sich den Jungen an und bat Falco, ihm seine Tasche zu reichen. Aus dieser entnahm er eine Spritze und eine kleine Ampulle, zog sie auf und spritzte dem Jungen das Medikament in den Arm. In diesem Moment hörte Falco das Auto seines Vaters, der kurze Zeit später auch schon neben ihnen stand.

„Hallo Felix”, begrüßte er den befreundeten Arzt. „Kann ich dir irgendwas helfen?”.

„Er muss so schnell es geht wieder warm werden. Bis auf eine starke Unterkühlung scheint es ihm soweit gut zu gehen. Genaueres kann ich dir aber im Moment noch nicht sagen.”

„Dann bringen wir ihn am besten zu uns”, meinte Bernd „Jarek, fass bitte mal mit an.”

Gemeinsam brachten sie den Jungen zu den Autos, steuerten auf Bernds Wagen zu und legten ihn auf den Rücksitz.

„Falco, setz du dich bitte zu ihm nach hinten, Jarek kann mit Felix hinterher fahren”.

6. Kälte und seine Folgen

Schon kurze Zeit später waren sie auf dem Gutshof angekommen und Bernd parkte den Wagen direkt vor dem Eingang, wo Heike bereits auf sie wartete.

Wieder mit vereinten Kräften brachten sie den Jungen gemeinsam in eines der freien Zimmer im oberen Stock und legten ihn sacht in das Bett. Bernd schloss sofort die Fenster und drehte die Heizung an. Der Arzt verlangte, mit dem unbekannten Patienten allein gelassen zu werden und so wandten sich Bernd, Jarek und Falco der Tür zu.

„Er wird doch wieder gesund?” Falco war als letzter der dreien im Türrahmen stehen geblieben und sah Dr. Wagner erwartungsvoll an.

„Mach dir keine Sorgen. Es wird einige Tage dauern, aber es sieht momentan nicht lebensbedrohlich aus. Ich werde ihn gleich noch genauer untersuchen und gebe euch dann später Bescheid.” Falco nickte mit einem besorgten Blick, schloss dann aber endgültig die Tür und folgte den anderen in die Küche.

„Was ist denn eigentlich passiert?”, fragte Heike in die Runde und Falco erzählte abwechselnd mit Jarek, was sich die letzten Stunden ereignet hatte. Frida stellte währenddessen für jeden eine heiße Tasse Kaffee auf den Tisch und setzte sich zu ihnen.

Nachdem die beiden alles erzählt hatten, meinte Bernd „Ich fahre mit Jarek zurück zur Scheune, damit wir das Stroh noch rein bekommen. Ihr könnt uns ja anrufen, wenn es etwas Neues gibt.”

Als die beiden aufgebrochen waren, versank Falco wieder in seinen Gedanken. Er dachte an den Jungen und dass sie noch nicht einmal seinen Namen kannten.

‚Wie war er wohl in die Scheune gekommen? So nass, wie er noch war, musste er die ganze letzte Nacht unterwegs gewesen sein, obwohl es der große Sturm wirklich in sich hatte. Aber warum war er bei einem solchen Sauwetter überhaupt unterwegs gewesen? Wo er wohl herkommen mag?’ Weit und breit war kein Haus und er hatte ihn noch nie vorher gesehen.

‚Und warum hat er mich so verwirrt? Seit ich ihm in die Augen gesehen habe, kann ich an nichts anderes mehr denken, als an ihn…‘

Diese Fragen stellte er sich immer und immer wieder.

„Falco!” rief plötzlich seine Mutter.

„Falco, hörst du mir eigentlich zu?”

Er zuckte schuldbewusst zusammen und sah seine Mutter fragend an.

„Ich hatte dich schon zwei Mal gebeten, mir Zucker zu holen”, sagte sie und schüttelte mit dem Kopf.

Zögernd stand Falco auf und ging in den Keller, den seine Eltern als Vorratsraum nutzten.

„Ich möchte mal wissen, was mit dem Jungen los ist”, meinte Heike zu Frida. „Er ist ja völlig durcheinander.”

„Ja, das wäre ich wohl auch, wenn ich in der Scheune einen wildfremden Jungen finden würde.”

In dem Moment, als Falco aus dem Keller zurückkam, hörten sie den Doktor die Treppen herunterkommen.

„Wir sind in der Küche!”, rief Heike.

Kurze Zeit später gesellte sich der Doc zu ihnen an den Tisch.

„Wie geht es ihm”, rief Falco aufgeregt.

„Jetzt lass Felix doch erst einmal hinsetzen”, ermahnte Heike ihren Sohn.

Sie nahm eine weitere Tasse aus dem Schrank und stellte sie vor dem Doktor auf dem Tisch.

„Wie immer schwarz?” fragte sie.

„Ja”, antwortete Felix, „das ist lieb von dir”.

Heike füllte die Tasse mit frischem Kaffee und bedachte Felix nun mit einem erwartungsvollen Blick.

Nachdem dieser einen großen Schluck getrunken hatte, fing er endlich an zu erzählen.

„Also, dem Jungen geht es den Umständen entsprechend gut. Er ist immer noch stark unterkühlt, aber das wird sich wieder geben. Wichtig ist, dass er nun Wärme bekommt und viel schläft. Wenn ich morgen in der Nähe bin, schaue ich bei euch rein. Bis dahin braucht er viel Ruhe.”

„Kann ich zu ihm?”, fragte Falco

„Ja, du kannst gerne zu ihm gehen und aufpassen, dass er immer gut zugedeckt bleibt. Nimm bitte auch etwas zu trinken mit hoch. Wenn er wieder aufwacht, hat er bestimmt Durst. Und Falco…” er schaute Falco dabei ernst an.

„…wenn irgendwas ist, ruft mich bitte sofort an. Ich bin Tag und Nacht erreichbar.”

„Danke erst mal für alles”, sagte seine Mutter zum ihm. Und zu Falco: „Du hast Felix gehört! Und nun rauf mit dir, ich schaue nachher noch zu euch hoch”.

Felix trank indes noch seinen Kaffee zügig aus und ging mit einem „Bis Morgen…” hinaus zu seinem Auto.

7. Der unbekannte Junge

Nachdem der Arzt gefahren war, eilte Falco sofort die Treppen hoch in den ersten Stock. Vor dem Zimmer, in das sie den fremden Jungen gebracht hatten, blieb er kurz stehen und holte noch einmal tief Luft, um sich zu sammeln. Dann öffnete er so leise es ging die Tür und schlich zu dem Bett, auf dem der Fremde wieder eingeschlafen war. Falco wollte ihn auf keinen Fall wecken und beließ es dabei, den Jungen anzusehen. Dazu setzte er sich vorsichtig neben ihm auf das Bett. Immer wieder schwirrten ihm dieselben Gedanken durch den Kopf.

‚Was hat er in unserer Scheune gemacht? Wie heißt er? Warum bin ich so verwirrt, wenn ich an ihn denke? ‘

Falco hatte sich vorher noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht, aber seit einem halben Jahr schaute er immer anderen Jungs hinterher. Wenn er ein Mädchen sah, interessierte es ihn eigentlich gar nicht. Aber wenn er dagegen einen Jungen sah, schaute er sich diesen schon genauer an.

Und heute, als er diesen fremden Jungen zum ersten Mal gesehen hatte, war er total verwirrt gewesen. Er kannte ihn ja nicht, aber sein Gesicht, seine Augen, sein Körper… Falco faszinierte eigentlich alles an dem Fremden. Als der ihn vorhin mit seinen schönen Augen angesehen hatte, war es ihm, als hätte ihn der Blitz getroffen. Ein unbeschreiblich schönes und intensives Gefühl hatte sich in ihm breit gemacht, das er bis dahin noch nie gefühlt hatte.

‚Warum fühle ich so bei ihm? Warum mache ich mir solche Gedanken, ob es ihm gut geht? Warum schmerzt es mich, wenn ich ihn so liegen sehe?‘

Ohne sich richtig darüber bewusst zu sein, was er eigentlich tat, legte sich Falco neben den Jungen und nahm ihn in den Arm, um ihn zu wärmen.

Als einige Zeit später Heike das Zimmer betrat, war Falco bereits eingeschlafen. Sie hatte den beiden etwas zu trinken bringen wollen, denn Falco war zuvor so schnell hochgehastet, dass er es wohl vergessen hatte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie ihren Sohn und den Fremden in dem Bett liegen sah. Jegliches Geräusch vermeidend stellte sie zwei Gläser sowie eine Flasche Wasser auf den Nachttisch und wandte sich zum Fenster, wo sie ebenso leise die Gardinen zu zog, um das Licht im Zimmer etwas zu dämpfen. Erst dann verließ sie den Raum wieder, wandte sich an der Tür noch einmal den beiden Schlafenden zu und schloss noch immer lächelnd die Tür.

***   ***   ***   ***   ***

Erst am späten Nachmittag kamen Bernd und Jarek wieder zurück von ihrer Arbeit. Da sich Jarek noch um die Pferde kümmern wollte, ging Bernd schon mal alleine vor ins Haus. Er begrüßte seine Frau nur kurz und war dann schon im Badezimmer verschwunden, um erst einmal ausgiebig zu duschen. Wenig später schlenderte er erfrischt und entspannt in die Küche, wo er sich einen Kaffee einschenkte und sich zu seiner Frau an den Tisch gesellte.

„Und, was hat Felix gesagt?”, fragte er Heike, während er den aromatischen Duft des frischen Kaffees genoss.

Ausführlich wurde er von seiner Frau darüber aufgeklärt und erfuhr auch, dass der Doktor am nächsten Tag wieder vorbeikommen wollte, um nach dem Jungen zu sehen.

„Ob wir die Polizei rufen sollten?”, hörte Bernd seine Frau leise fragen.

Bernd antwortete nicht sofort, sondern betrachtete nachdenklich seinen Kaffee, nahm einen Schluck davon und entgegnete: „Das können wir morgen immer noch machen. Ganz so schlecht scheint es ihm ja nicht zu gehen und … ich möchte vorher erst mit ihm sprechen. Wer weiß, warum der Junge mitten in einer Sturmnacht durch die Gegend gewandert ist.”

Heike nickte nur stumm und erzählte nach einigen Augenblicken und mit einem Lächeln, dass Falco bei dem fremden Jungen sei und dass er aufpassen würde, dass während der Nacht nichts passieren würde.

8. Zwei in einem Bett

Mitten in der Nacht, Falco wusste nicht wie spät es war, wachte er auf, weil er soviel Durst hatte. Leise Unmut stöhnend dachte er daran, dass er gar nichts zum Trinken mit auf das Zimmer gebracht hatte. Er war, gleich nachdem der Arzt gefahren war, sofort zu dem fremden Jungen hochgestürmt und hatte vergessen, etwas mitzunehmen. Also setzt er sich müde auf, um nach unten in die Küche zu gehen. Sein Blick streifte dabei den Nachttisch und Falco stutzte. Dort standen tatsächlich zwei Gläser, sowie eine Trinkflasche gefüllt mit Wasser … seine Mutter musste im Zimmer gewesen sein und hatte für Getränke gesorgt. Müde und in Gedanken versunken schenkte er sich ein Glas ein und trank es in schnellen Zügen leer. Er stellte das Glas zurück auf den Tisch, sank zurück auf das Kissen und war sogleich wieder ins Reich der Träume entschwunden.

Doch schon am frühen Morgen, für ihn durch die Arbeit auf dem Gutshof eigentlich zur Gewohnheit geworden, wachte Falco wieder auf, weil er einen großen Druck auf seiner Blase verspürte. Ein kurzer Blick auf seinen Bettnachbarn zeigte ihm, dass dieser noch schlief und so bemühte sich Falco, möglichst leise aufzustehen und auf ebenso leisen Schritten ins Badezimmer zu gelangen.

Nach ein paar wenigen Minuten kam er, sichtbar erleichtert, zurück in das Zimmer. Der Unbekannte schien noch immer zu schlafen, zumindest bewegte er sich keinen Millimeter. Falco blieb kurz am Bett stehen und betrachtete den Jungen mit einem Lächeln. Er sah so niedlich aus, wie er so da lag. Sein Gesicht hatte schon etwas mehr Farbe bekommen, zumindest kam es Falco so vor, denn besonders viel konnte er durch die zugezogenen Vorhänge nicht erkennen.

Er blieb nicht lange stehen, sondern legte sich vorsichtig wieder ins Bett, der Junge schlief weiterhin fest und gab so Falco die Möglichkeit, ihn weiter zu betrachten. Dabei machte sich in ihm schon wieder dieses komische Gefühl breit und er konnte dies einfach nicht zuordnen. Aber er war noch zu müde, um sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen und schloss abermals seine Augen. Es dauerte nicht lange und er war wieder eingeschlafen.

Falco merkte nicht, als nach einiger Zeit seine Mutter das Zimmer betrat und wie sie den beiden Jungs ein paar Minuten beim Schlafen zusah. Dass sie nicht mehr alleine waren merkte Falco erst, als jemand sanft an seiner Schulter rüttelte, um ihn zu wecken.

„Komm, das Frühstück ist fertig. Geh dich aber vorher noch duschen und vergiss das Zähneputzen nicht.”

Noch schlaftrunken quälte sich Falco aus dem Bett und stellte verwundert fest, dass er noch immer die Kleidung vom Tag zuvor trug. Klar, er war ja gleich zu dem Fremden ins Bett geschlüpft und hatte keinen einzigen Gedanken an Kleidungswechsel verschwendet. Nun verließ er leise den Raum und wechselte in sein eigenes Zimmer, um sich frische Sachen zu holen. Sein weiterer Weg führte ihn direkt in das Badezimmer, wo er sich schnell seiner Kleidung entledigte und unter die Dusche sprang.

Er genoss das warme Wasser auf seinem Körper nur kurz, eben solange, bis er sich wieder sauber und erfrischt fühlte. Im Anschluss putzte er sich noch die Zähne, schlüpfte in die mitgebrachte Kleidung und steuerte die Treppe an, um in die Küche zu gelangen. Dort angekommen stellte er allerdings fest, dass er alleine frühstücken musste. Die anderen waren schon alle fertig und hatten das Haus bereits verlassen. Auf seinem Platz sah er aber immerhin ein Zettel liegen, den er nun las:

Lieber Falco,

ich bin mit deinem Papa einkaufen gefahren. Sei bitte so lieb und räume den Tisch ab, wenn du mit dem Frühstück fertig bist. Falls unser Gast schon wach ist, frage ihn bitte, ob er auch etwas essen möchte und bringe ihm dann das Frühstück hoch. Er soll noch im Bett bleiben, bis Felix da war.

Und sei bitte so lieb und lasse ihn nicht so lange alleine. Falls etwas ist, kannst du uns auf dem Handy erreichen.

Hab dich lieb.

Mom

Falco musste grinsen, als er den Zettel durchgelesen hatte. Er war ohnehin froh, wenn er bei dem Fremden sein konnte, also würde er ihn sicherlich auch nicht länger als nötig alleine lassen. So machte er sich an sein Frühstück und beeilte sich mit dem Essen. Dann räumte er noch schnell wie aufgetragen die Sachen weg und eilte wieder in den ersten Stock, wo er leise die Tür zu dem unerwartet belegten Gästezimmer öffnete.

Langsam näherte er sich dem Bett, um nach dem Jungen zu sehen und wurde von dem Blick zweier wunderschönen Augen begrüßt.

Fortsetzung folgt…

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