Regenbogenfamilie Teil 24 – Neue Aufgaben

Am Freitag konnten wir zum ersten Mal länger ausschlafen, da ab sofort keine täglichen Krankenbesuche auf unserem Programm standen.  Erst gegen halb neun saßen wir gemeinsam am Früh­stückstisch im Esszimmer.

Während des Frühstücks besprachen wir in erster Linie die wichtigsten Aktivitäten für die nächsten Tage bis zu unserem Abflug am Montagmorgen. Heute wollten wir mit Hochdruck an der Digitalisierung der Unterlagen weiterarbeiten, damit uns die wichtigsten Unterlagen bereits in nächster Zeit in digitaler Form zur Verfügung stehen, zumindest bis später sämtliche Unterlagen verpackt und nach Deutschland gebracht werden konnten.

Des Weiteren wartete auf Mutter und mich noch die Mail von Christoph mit der Liste, der Verwandten und Bekannten, die zur Beerdigung und zum Leichen­schmaus einzuladen sind. Diese Aufgabe wollten wir sofort nach dem Frühstück in Angriff nehmen, damit Martina und Christoph, wie gestern Abend mit ihnen besprochen, die Leute kurzfristig informieren konnten.

Danach würden wir uns im nächsten Schritt noch mit dem Ablauf der Trauerfeier beschäftigen, Benjamin hatte mir gestern versprochen, uns per Mail einen ersten Vorschlag zu senden. Ich war mehr als neugierig darauf, ob sich Onkel Willi, wie von Benjamin angedroht, in die Planung eingeschaltet hatte.

Thomas erklärte uns, dass er sich in erster Linie mit unseren Koffern und unserer Bekleidung beschäftigen würde und er sich auch der vorhandenen Schmutzwäsche annehmen will. Bevor wir zu Hause gleich wieder die Waschmaschine bemühen, könnte er das auch hier noch erledigen. Wer weiß, ob wir in den ersten Tagen, nach unserer Rückkehr, überhaupt dazu kommen würden.

Wenn möglich, wollten wir den ganzen Nachmittag dafür nutzen, uns noch einmal im Garten zu entspannen und ein wenig im Pool plantschen, bevor dann spätestens in gut einer Woche der normale Arbeitswahnsinn wieder über uns herein­brechen würde.

Und da war dann auch noch das Problem mit der Lokalität zu lösen, an der der Leichenschmaus stattfinden könne. Ich wollte dafür gleich auch noch im Internet recherchieren, vielleicht findet sich doch eine Gaststätte oder ein Restaurant in der näheren Umgebung, das über entsprechend große Räumlichkeiten verfügte.

Nach dem ausgiebigen Frühstück, die Jungs hatten sich bereit erklärt den Küchendienst zu übernehmen, ging ich direkt ins Arbeitszimmer und nach dem geglückten Start des Computers, wühlte ich mich durch mein Mail-Postfach und druckte mir die Mails mit Anlagen aus, die ich für die weiteren Gespräche mit meiner Mutter brauchen würde. Christoph hatte, wie ver­sprochen, die Mail mit der Liste der Familien und Personen, die zur Beerdigung und zum Leichenschmaus eingeladen werden sollten, an mich geschickt.

Auch das Bestat­tungsunternehmen Müller hatte die ersten Unterlagen geschickt, natürlich hat sich Benjamins Vater, also Onkel Willi, wie vermutet, in die Vorbereitungen eingemischt.

Zuletzt beschäftigte ich mich mit der Recherche im Internet nach einer geeigneten Räumlichkeit für den Leichenschmaus. Da ich dort nicht fündig wurde, telefonierte ich sicherheitshalber noch einmal mit Benjamin vom Bestattungsunternehmen, ob er eine geeignete Lokalität in der näheren Umgebung kenne, bei der wir mit unsern mindestens einhundertvierzig Gästen speisen könnten.

Er überlegte lange, bevor er mir antwortete, dass ihm auf die Schnelle auch keine geeignete Gaststätte oder ein Restaurant einfallen würde, die ohne Probleme mehr als einhundertvierzig Trauergäste bewirten könnten. Er würde sich auf alle Fälle noch einmal umhören und vor allem auch seinen Vater dazu befragen.

Mit den vorher ausgedruckten Unterlagen ging ich zu Mutter, die bereits im Wohnzimmer auf mich wartete. Wir setzten uns an den Wohnzimmertisch und zuerst sprachen wir über die Mail des Beerdigungsinstitutes Müller.

Ich las Mutter die Mail mit den uns vorgelegten Vorschlägen zum geplanten Ablauf der Trauerfeier und der Beerdigung vor. Ich beobachtete sie nebenbei sehr aufmerksam, während ich las. Mir fiel immer wieder auf, dass sie gelegentlich den Kopf schüttelte oder einfach nur zustimmende nickte.

Kaum hatte ich alles vorgelesen, wollte sie von mir persönlich wissen, was ich von dem Vorschlag halten würde. Ich erklärte ihr, dass ich mir diesen Ablauf durchaus so vorstellen könne, aber, wenn ich das richtig gedeutet habe, sie, also meine Mutter, an manchen Punkten eine andere Vorstellung davon haben würde, wie die Beerdigungsfeierlichkeiten ablaufen sollen.

Nach einer kurzen Pause erklärte sie mir: „Du hast das sehr richtig beob­achtet, in weiten Teilen bin ich mit dem geplanten Ablauf durchaus einver­standen, aber was die Musik- und Liederauswahl anbe­trifft könnte ich mir teilweise eine andere Auswahl vorstellen. Ich würde zum Beispiel gerne „Time to say good bye“ in die Trauerfeier einbauen. Ich weiß nur noch nicht, ob es besser am Anfang oder zum Ende hin gespielt werden soll.“

Ich versuchte ihr den uns übermittelten Vorschlag zu erklären: „Die ganze Feier ist, wenn ich das interpretieren darf, vermutlich eher von Willi Müller und weniger von seinem Sohn Benjamin oder seiner Tochter gestaltet. Willi ist wahrscheinlich davon ausgegangen, dass du dir eine möglichst erzkonservative Beerdigung für deinen Gatten wünschst.

Denk daran, es ist nur ein Vorschlag, der uns hier vorliegt und den du, beziehungsweise wir, immer noch nach unseren Vorstellungen abändern können.

Wir haben noch ein paar Tage, bis wir den Ablauf der Trauerfeier endgültig festlegen müssen, noch sind Änderungen im Ablauf und in der Musik­auswahl möglich. Ich persönlich kann mir eine Mischung aus konservativer und moderner Musik durchaus vorstellen. Du weißt sicher am besten, was Vater sich gewünscht haben würde, ihr habt doch sicher irgend­wann einmal über dieses Thema gesprochen.“

„Ja, haben wir, aber wenn ich an dieses Gespräch zurückdenke, dann kannst du den gesamten Vorschlag von Willi in die Tonne treten. Vater wünschte sich mehr eine fröhlichere und positivere Gestaltung der Feier. Er war der Meinung, dass der traurige Anlass durchaus eine positivere Note vertragen könnte, und dabei sind wir einer Meinung“ erklärte mir Mutter.

Sie ergänzte: „Dein Vater hat bei dem Gespräch, einen Satz formuliert, den ich so in Erinnerung habe, ein Ende kann auch der Anfang von etwas ganz Neuem und Außergewöhnlichem sein.“ Dass dieser Ausspruch von meinem Vater für mich in der Zukunft eine große Bedeutung haben könne, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht.

Ich dachte noch kurz über Mutters Aussage nach, bevor ich ihr folgenden Vorschlag unter­breitete: „Ich hätte da zumindest eine Idee, könntest du dir vorstellen, dass wir am Anfang eher konservativ, also trauriger beginnen und im Laufe der Feier uns in die Richtung bewegen, die Vater besser ge­fallen würde.“

Während Mutter über meinen Vorschlag nachdachte, kam Thomas ins Zimmer und verkündete, dass die Waschmaschine mit der ersten Ladung Schmutzwäsche bestückt sei und sie vorerst beschäftigt sei. Er würde jetzt Zeit dafür habe, sich an der Planung zu beteiligen.

Ich informierte ihn, in einer kurzen Erklärung über unseren derzeitigen Planungsstand, den er damit kommentierte, dass wir bisher nicht sehr weit gekommen seien. Ich erwiderte ihm, dass das in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei, da mein Vater sich keine übliche, traurige Beerdigung, sondern eine eher positive, fröhlichere Trauerfeier vorgestellt hätte.

Mutter schaute mich an und erklärte uns: „Dein Vorschlag würde Vater sicher gefallen, er hat einen gewissen Reiz. Vor allem hätte er den Vorteil, dass für alle Altersklassen und Geschmäcker etwas dabei sei. Ich bin der Meinung wir sollten den Ablauf der Trauerfeier in diese Richtung verän­dern.“

Den Rahmen für die Trauerfeier hatten wir damit abgesteckt, jetzt müssen wir nur noch die Details festlegen. Nur das war einfacher gesagt als umgesetzt. Wir drei hatten so gut wie keine praktische Erfahrung, wie aktuell Trauerfeiern gestaltet werden. Auch bei der Auswahl der Musik, vor allem, für den freundlicheren Teil der Veran­staltung hatten wir keine vernünftigen Ideen.

Zur Verstärkung holte Thomas die beiden Jungs aus dem Büro, die ihre Arbeit liebend gern unterbrachen, um mit uns zusammen an der Detailierung unserer Vorstellungen zu feilen. Bei den Musikstücken konnten sie uns auch nicht weiterhelfen. Ich machte deshalb den Vorschlag, dass wir bei Müllers anrufen und uns von ihnen Anregungen ge­ben lassen sollten.

Ich holte mir das Telefon und rief in Deutschland beim Bestat­tungs­unternehmen Müller an, ich hatte zuerst wieder die Tochter Monika von Benjamin am Apparat, der ich unser Anliegen erklärte. Während des weiteren Gesprächs, war Benjamin zu seiner Tochter ins Büro gekommen und gemeinsam gaben sie uns Tipps welche Musik oder auch Lieder heute bei Beerdigungen gefragt sind.

Für den Anfang entschieden wir uns für Georg Friedrich Händels „Largo.“ Zum Ende des kirchlichen Teils einigten wir uns auf „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers. Für die Zwischenpausen bei den einzelnen Trauerredner entschieden wir uns auf eine Reihe von moderneren Songs, unter anderem für „Morning has broken“ von Cat Stevens, „My Way“ von Frank Sinatra, „Memories“ aus dem Musical Cats, „Amazing Grace“ und noch ein paar weiter Lieder, je nachdem wie viele Trauerredner sprechen würden.

Monika meinte noch, ganz groß im Kommen sei aktuell der Song von Andreas Gabalier mit dem Refrain „Einmal sehen wir uns wieder“. Dieses Lied bringt trotz seiner Melancholie auch eine gewisse Hoffnung zum Ausdruck bringt, dass es ein Leben nach dem Tode geben kann.

Nach dem letzten Trauerredner soll „Time to say goodbye“ erklingen, bevor die Trauerge­meinde den Sarg zum Grab begleitet. Vorsichtshalber legten wir fest, dass jeder Trauerredner nicht länger als rund fünf Minuten sprechen dürfe und dass jeder Redner sich seinen Song aus der Liste auswählen könne, unter der Maßgabe, keinen Titel doppelt zu spielen.

Für den Weg zum Grab wählten wir den „Trauer­marsch“ von Edvard Grieg. Nach der Ansprache und Segnung am Grab und für die Zeit in der der Sarg ins Grab gelassen wird, den „Klei­nen Trauer­marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Damit hatten wir zumindest den groben musikalischen Rahmen für die Trauerfeier endlich festgelegt. Benjamin meinte, er habe sich alles mitno­tiert und so verabschiedeten wir uns von ihm und seiner Tochter Monika und beendeten das Gespräch.

Marcus und Philipp gingen zurück ins Büro, um dort ihre Digitalisierung der Unterlagen weiter voranzu­treiben. Mutter wünschte, dass sie mich gerne als letzten Trauer­­redner hören möchte, bevor „Time to say goodbye“ erklingen würde.

Damit begann eine weitere Diskussion, denn ich hätte für meine Ansprache gerne den Song von Andreeas Gabalier gewählt, weil hier nicht nur vom Abschiednehmen die Rede ist, sondern auch positiv in eine ungewisse Zukunft geblickt wird. Ich versprach ihr, dass ich diesen Teil gerne übernehmen würde, jedoch nicht mit „Time to say goodbye“ sondern mit „Einmal sehen wir uns wieder“.

Meine Mutter erklärte mir, dass sie dieses Lied nicht kennen würde und ihr deshalb die Zustimmung zu meinem Wunsch schwerfalle. Ich bat sie, Thomas und mich ins Büro zu den Jungs zu begleiten, weil wir uns dort den Song sicher über das Internet anhören könnten.

Im Büro bat ich Marcus, der gerade am Computer saß, im Internet nachzusehen, ob er den Song „Einmal sehen wir uns wieder“ von Andreas Gabalier finden könne und ihn Mutter vorspielen könne. Es dauerte nicht lange und die ersten Takte waren aus den Lautsprechern zu hören.

Ich beobachtete aufmerksam meine Mutter, während das Lied vorgetragen wurde. Als die letzten Takte verklungen waren, konnte ich ihr ansehen, dass der Text sie scheinbar doch in ihren Bann gezogen hatte. Sie erklärte mir, dass sie jetzt verstehen würde, warum ich mich für dieses Lied entschieden habe, und gab ihre Zustimmung dazu, dass am Ende der Ansprachen dieser Song erklingen solle.

Während Thomas in die Küche ging, um uns mit frischen Getränken zu versorgen, das viele reden hatte uns durstig gemacht, ging ich mit Mutter wieder zurück ins Wohnzimmer. Bis Thomas wieder zu uns zurückkam, erklärte sie: „Ich bin fest davon überzeugt, dein Vater hätte sich auch für dieses Lied entschieden, da es nicht nur um das Abschiednehmen gehe, sondern einen positiven Blick in die Zukunft bietet.“

Thomas brachte Wasser und Fruchtsäfte mit, damit jeder selbst entscheiden konnte, was er trinken will. Er sagte, er würde kurz nach der Waschmaschine sehen und gegebenenfalls die nächste Schmutzwäsche einlegen und eine neue Waschrunde starten.

Währenddessen unterhielt ich mich mit Mutter über die Liste der einzuladenden Trauergäste. Sie fragte zwischendurch, ob wir den Pächter des Gutshofes auf unserer Liste hätten, was ich, nach einem Blick auf die gesamte Liste, verneinte. Sie erklärte mir, dass es wohl vernünftiger sei, die Liste doch auf Voll­ständigkeit zu überprüfen.

Wir einigten uns darauf, dass sie mir die Namen und dazu die Anzahl der möglichen Trauergäste sagt, ich auf der Liste prüfe, ob vorhanden und die Zahl der zu erwartenden Personen dahinter schrieb. Ich kann die Ergänzungen in der Liste vermerken und anhand der

eingetragenen Personen, könnten wir auch bereits eine vorläufige Gesamtsumme der Trauer­gäste ermitteln, die voraussichtlich am Leichenschmaus teilneh­men würden.

Die nächste Stunde waren wir nun damit beschäftigt, die Liste zu überprüfen und zu vervollständigen. Mutter ging dabei systematisch vor, zuerst waren die Familien von ihrer Seite in ihrem Focus, im zweiten Teil konzentrierten wir uns auf die Verwandtschaft von Vaters Seite. Nachdem der engere Familienclan abgearbeitet war, überprüften wir den Freundes- und Bekanntenkreis meiner Eltern.

Thomas der inzwischen wieder zu uns gestoßen war, fragte, ob er von seiner Seite auch Verwandte oder Freunde einladen dürfe. Meine Mutter meinte nur, dass sie damit kein Problem habe, solange er darauf achtet, keine Personen einzuladen, die mit seinem Lebensstil nicht klarkommen würden. Sie erklärte, dass sie kein Interesse daran habe, wegen solchen, ewig gestrigen Mitmenschen, sich den Tag vermiesen zu lassen.

Sie erklärte Thomas, dass auch aus Vater Familie oder ihrer eigenen möglicherweise homophobe Personen dabei sein könn­ten, aber die sich eine solche Entgleisung bei einer Trauerfeier nicht erlauben würden. Ich dachte über Mutters Worte nach und stellte für mich fest, dass sie richtig vermuten würde. Fast alle waren bereits zu Vaters 70. Geburtstag eingeladen gewesen und hatten damals mitbekommen, dass Thomas und ich ein Paar waren.

Als wir die Liste fertiggestellt hatten, riefen wir noch einmal nach den Jungs, damit sie einen kurzen Blick auf die Liste werfen und eventuell noch Freunde von ihnen nachgetragen werden konnten.

Bevor ich die Liste dann den Jungs überließ, mit der Bitte sie einzuscannen und Christoph zuzusenden, er­mittelte ich noch die voraussichtliche Gesamtzahl der zu erwar­tenden Trauergäste. Ich staunte nicht schlecht beim Gesamt­ergebnis, mit nahezu einhundertvierzig Personen hatte ich nicht gerechnet. Ich war davon ausgegangen, dass wir die einhundert nicht überschreiten würden.

Während die Jungs die Liste ihrem Schwager übermittelten, blieben wir, also Mutter, Thomas und ich im Wohnzimmer sitzen und diskutierten über den Leichenschmaus. Christoph rief an, kaum dass er unsere Daten vorliegen hatte und meinte, damit seien seine Überlegungen, wo wir das anschließende Essen durch­führen könnten, geplatzt.

Für rund einhundert Personen hatte er schon beim örtlichen Sportverein angefragt, ob dies in der Vereins­gaststätte möglich sei. Der Vorstand hatte ihm zugesagt, dass wir den Raum nutzen könnten, wir jedoch einen Caterer für das Essen organisieren müssten, da er keine Leute habe, die für so viele Gäste kochen könnten.

Mutter hatte in Ruhe zugehört und fragte, ob er denn bereits einen Caterer gefunden habe. Christoph erklärte, er sei mit zwei Firmen in Vorverhandlungen, die sich zutrauten, diesen Auftrag zu übernehmen.

Sie erklärte nun ihre Vorstellung davon, wo und wie das ganze stattfinden könne. Ich fiel aus allen Wolken, als sie der Meinung war, dass wir das, wie vor knapp zehn Jahren zum runden Geburtstag meines Vaters, im Gutshof durchführen könnten. Dazu solle er doch mit dem Caterer Baumann Kontakt aufnehmen, der damals alles organisiert hatte, vielleicht könne er diesen Auftrag übernehmen, er kenne immerhin schon die Örtlichkeit und die Richtung in der das Essen gehen sollte.

Damals waren etwas mehr als zweihundert Gäste eingeladen, der Platz sollte also ausreichend sein. Während ich noch über ihren Vorschlag nachdachte, verabschiedete sich Christoph und ver­sprach uns auf dem Laufenden zu halten. Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass wir den Leichenschmaus dort abhalten wollen, dann sind weitere Dinge zu besprechen und zu klären.

Zuerst fragte ich Mutter, ob sie sich das gut überlegt habe. Ihre Erklärung dazu überzeugte mich von ihrer Idee. Wir besprachen danach, welche Vorbereitungen von unserer Seite zu treffen sind, um die Veranstaltung dort durchzuführen. Wir müssen mit dem Pächter sprechen, damit er uns wieder, wie damals eine Fläche zur Verfügung stellt, an dem alle Fahrzeuge geparkt werden konnten.

Thomas schlug vor, dass alle Trauergäste mit ihren Fahrzeugen direkt zum Gutshof kommen sollten, dort ihre Autos parkten und mit einem oder zwei angemieteten Bussen zum Friedhof gebracht würden. Damit könne man auch verhindern, dass die Straßen rund um den kleinen Dorffriedhof wieder einmal restlos zugeparkt wären und das entstehende Verkehrschaos vermieden wird. Mutter fand diese Idee gut und somit hatten wir eine weitere Aufgabe auf unserer To-Do-Liste für die Beerdigung.

Während Thomas jetzt mit Mutter in die Küche ging, um unser Mittagessen vorzubereiten, telefonierte ich mit dem Pächter des Gutshofes. Ich informierte ihn als erstes darüber, dass Vater gestern verstorben sei und ich auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin die Aufgabe übernommen hätte mich um alles rund um den Gutshof zu kümmern. Ich sei bereits davon informiert, dass er zum Jahresende aus Altersgründen den Pacht­vertrag beenden will, weil keines seiner Kinder Interesse hätte, seinen landwirtschaftlichen Betrieb weiterzuführen.

Danach erklärte ich ihm Mutters Plan für den Leichenschmaus. Er meinte, dass sei kein Problem, die damals genutzte Fläche zum Parken, könne er wieder zur Verfügung stellen und die Idee mit dem Bustransfer aller Trauergäste zum Friedhof und zurück, wäre ein genialer Schachzug in unserer Planung. Ich versprach ihm in der kommenden Woche, nach unserer Rück­kehr von Mallorca, bei ihm vorbeizuschauen.

Nach Beendigung des Telefonats ging ich zuerst in das ehemalige Büro meines Vaters, um nach den beiden Jungs zu sehen, wobei mein Hauptaugenmerk darauf gerichtet war, wie sie bei der Digita­lisierung der ausgewählten Dokumente vorankommen.

Philipp meinte nur, im Moment läuft es fast wie geschmiert, kaum Probleme mit dem Multifunktions­drucker. Er erzählte noch, dass er Christoph noch gebeten habe, Marcus und seine Freunde nicht anzurufen, das würden sie selbst übernehmen.

Mein nächster Weg führte mich in die Küche, dass ich dort über­flüssig war, wusste ich. Ich holte mir deshalb nur das Geschirr und Besteck und verzog mich ins Esszimmer um den Tisch einzu­decken. Ich war gerade fertig damit, als Thomas neben mir stand und meinte, ich könne die Jungs holen, das Essen sei in wenigen Minuten fertig.

Ich ging wieder in Vaters Büro und sagte den Beiden, dass sie zum Essen kommen könnten. Marcus sagte nur, er scanne noch das eine Dokument fertig und dann schalten sie den Computer ab. Auf dem Rückweg ins Esszimmer hörte ich das Telefon klingeln. Ich überlegte, ob ich rangehen sollte, entschied dann aber es bleiben zu lassen. Nach dem Mittagessen kann ich immer noch nachsehen, wer angerufen hat und zurückrufen, sofern es ein Anrufer war, dessen Rufnummer übermittelt wurde.

Da wir beschlossen hatten, den Nachmittag ohne geplante Akti­vitäten zu verbringen, wurde nach dem Mittagessen kurz aufge­räumt. Thomas und ich wollten es uns im Garten auf den Liegen bequem machen.

Philipp und Marcus verkündeten, dass sie später nachkommen werden, sie wollten ihren Freunden die Ein­ladung zum Begräbnis und zum Leichenschmaus von Philipps Opa übermitteln. Sie fragten noch ob es okay sei, wenn sie statt ihrer Handys, den Festnetzanschluss von Opa und Oma nutzen würden. Ich bat sie nicht zu lange mit den Einzelnen zu sprechen, damit Anrufer eine Chance haben uns zu erreichen. Mutter hatte beschlossen sich zurückzuziehen und etwas schlafen zu wollen.

Thomas und ich gingen nach oben und schlüpften in unsere Badehosen. Auf dem Weg nach draußen, meinte er, wir sollten vielleicht das mobile Telefon mitnehmen, damit wir nicht ständig ins Haus laufen müssten, wenn wirklich Anrufe kommen sollten. Ich nahm beim Hinausgehen im Wohnzimmer vorsichts­halber noch das Mobilteil mit.

Im Garten legten wir uns auf die Doppelliege, wenn die Jungs kämen, blieben ihnen noch die Einzelliegen. Wir hatten uns kaum auf der Liege breit gemacht, als es bereits zum ersten Mal klingelte. Die Anzeige verriet, dass es sich um ein internes Gespräch handeln sollte.

Ich nahm ab und wollte gerade bei den Jungs nachfragen, was es Wichtiges gäbe, als sich Alejandro meldete. Er wollte wissen, ob sie stören würden, wenn sie nachher noch bei uns vorbeischauen würden. Ich verneinte, und Alejandro erklärte mir, dass sie so knapp in einer Stunde bei uns wären. Ich bat sie noch ihre Badehosen mitzubringen, da wir den Nachmittag gemütlich im Garten liegend verbringen würden.

Danach blieb es längere Zeit ruhig, keine Anrufe störten und so konnte ich mich mit Thomas in aller Ruhe unterhalten und ihm vom Gespräch mit dem Pächter berichten.

Der nächste Anrufer war Christoph, der uns davon in Kenntnis setzte, dass der Caterer von Vaters Geburtstagsfeier den Auftrag annehmen wird, er bringe auch wieder die Tische und Stühle mit, so wie vor gut zehn Jahren. Wir sollten aber bitte Anfang nächster Woche bei ihm vorbei­kommen, um die Details mit ihm zu besprechen.

Wenn die Trauer­feier am Freitag stattfindet, würde er gerne am Vortag bereits die Tische und Stühle aufstellen. Für die Speisenfolge schickt er euch per Mail heute noch seine Vorschläge, damit ihr und Mutter euch darüber in den nächsten Tagen Gedanken machen könntet.

Die Stunde war noch nicht vorüber als plötzlich Jorge und Alejandro neben uns standen. Erstaunt blickte ich sie an, wir hatten kein Klingeln der Glocke an der Haustüre gehört. Alejandro erklärte uns, sie seien direkt in den Garten gekommen, da ich doch gesagt hätte, wir seien dort anzutreffen.

Sie gingen beide zum Poolhäuschen und wenige Minuten später standen sie in Badebe­kleidung wieder vor uns. Sie setzten sich auf die beiden Liegen und wir unterhielten uns zuerst über ihren Flug mit Mutter und den beiden Jungs nach Deutschland. Wir haben großes Glück gehabt bei unserer Buchung der beiden Flüge nach München, meinte Alejandro, sie hätten die beiden letzten Plätze erhalten.

Anscheinend waren Philipp und Marcus inzwischen fertig mit ihren Telefo­naten, denn nur kurze Zeit später standen sie mit zwei weiteren Liegestühlen neben uns. Die Beiden hatten es sich kaum bequem gemacht, als erneut das Telefon einen Anrufer ankündigte.

Diesmal war es Benjamin der mir im Gespräch erklärte, das sein Vater seine alten Beziehungen genutzt hätte. Wir würden für die Trauerfeier nicht auf Musikkonserven zugreifen, sondern für den Weg zum und am Grab hätte er die örtliche Blaskapelle gewinnen können. Wir soll­ten doch bitte etwa zwanzig Musiker für den Leichen­schmaus mit einplanen. Während der Trauerfeier in der Kirche konnte er den Organisten engagieren, der zusam­men mit einem Streich­quartett den musikalischen Rahmen bestreiten wird. Das waren großartige Nach­rich­ten die uns aus der Heimat erreich­ten.

Ich be­dankte mich für die gelungene Überraschung, die er uns damit bereitet hatte. Ich versprach spätestens am Dienstag bei ihm im Büro vorbeizukommen. Bevor er auflegte, erzählte er, dass von unserem beauftragten Bestattungsunternehmen in Mallorca bereits die Mitteilung vorliegt, dass Vater spätestens am Mittwoch­morgen in München eintreffen wird.

Während ich telefonierte, war Mutter aus dem Haus gekommen und hatte sich auf der Terrasse in einem Stuhl gesetzt. Ich ging kurz zu ihr und erzählte ihr die Neuigkeiten von Christoph und Benjamin. Sie meinte: „Beim Caterer war ich mir ziemlich sicher, dass er den Auftrag übernehmen würde, er hätte höchstens abgesagt, wenn er bereits eine größere Veranstaltung für diesen Tag gehabt hätte.

Dass sich Willi eingemischt hat, habe ich bereits von dir erfahren, dass er jetzt aber eine ganze Blaskapelle für den Weg zum Grab anbringt, damit hätte ich nicht gerechnet. Die Idee mit dem Streichquartett und einem Orgelspieler für alle gewünschten Lieder ist sicher etwas gewagt, hat aber ihren eigenen besonderen Reiz.

Später am Nachmittag verabschiedeten sich Alejandro und Jorge und meinten zu den Jungs, dass sie sich am Mittwoch zum gemeinsamen Flug nach München direkt am Flughafen in Palma di Mallorca treffen würden.

Außer einem kleinen Abendessen und weiteren Gesprächen am Abend ist an diesem Freitag nichts Nennenswertes mehr geschehen.

 

Auch am Samstag, für den wir ebenfalls nichts Festes vorgeplant hatten, blieb es insgesamt ruhig, mit Ausnahme, dass mehrere Mal ange­rufen wurde. Bei den meisten Gesprächen ging es in erster Linie darum, uns auf dem Laufenden zu halten oder eben Nachfragen, wenn doch noch Ungereimtheiten bestanden.

Thomas hatte angefangen unsere Koffer zu packen, damit nicht wie sonst immer erst in letzter Minute alles erledigt wird. Zudem wollten wir Sonntag sehr früh ins Bett gehen, da unser Flug am Montag be­reits um halb acht startet. Das bedeutete für uns. in der Nacht von Sonntag auf Montag, spätestens um drei Uhr morgens aufzustehen, um sicher und rechtzeitig am Flughafen zu sein.

Die Jungs hatte noch die letzten wichtigen Dokumente, die wir bisher ausgesucht hatten, digitali­siert und übergaben die beiden USB-Sticks an Thomas, damit er sie bereits in unsere Koffer legen konnte.

Im Laufe des Tages fiel mir ein, dass ich es bisher versäumt hatte unseren Chef anzurufen und ihn zur Trauerfeier am Freitag ein­zuladen. Da ich für Notfälle seine private Nummer in meinem Handy gespeichert hatte, holte ich das umgehend nach.

Er sagte sofort zu und wollte wissen, wann wir beide wieder im Büro erscheinen würden. Wir einigten uns darauf, am Montag nach der Beerdigung unsere Arbeit wieder aufzunehmen, da in der kommenden Woche doch noch einige Vorbereitungen und wichtige Termine rund um das Begräbnis anstehen.

Beim Kaffee am Nachmittag erklärte uns Mutter, dass sie am Mittwoch direkt zum Gutshaus fahren will und bis zu ihrem Rückflug nach Mallorca, dort bereits wohnen will. Ich versuchte ihr das auszureden, hatte aber nicht mit ihrem massiven Widerstand dabei ge­rech­net.

Für sie war es beschlossene Sache, weil sie sich dann vor Ort um die letzten Vorbereitungen für den Leichenschmaus kümmern will. Ich überlegte lange, ob wir sie wirklich im Guts­haus alleinlassen konnten, irgendwann gab ich nach und fügte mich Mutters Wunsch.

Später besprach ich mit Mutter die Vorschläge des Caterers, die er uns für den Leichenschmaus unterbreitetet hatte. Diese Mail hatte ich mir bereits am Vormittag ausgedruckt. Eine endgültige Entscheidung müssen wir bis Mittwochvormittag treffen. Wir verständigten uns auf zwei Menüs, die es zur Auswahl geben soll, wobei die Vorspeise und die Nachspeise in beiden Fällen gleich sein darf. Am Nachmittag wird es Kaffee, Tee und Kuchen geben. Bei den sonstigen Getränken wollten wir dem Caterer die Auswahl über­lassen.

Wie gesagt, war Samstag unser letzter Tag, an dem wir noch einmal in Ruhe am Pool relaxten. Am Montag, nach unserer Ankunft in der Heimat, hatten wir für den gleichen Tag und die nächsten Tage bereits einige Termine vereinbart, sowie die restlichen Vorbereitungen für Freitag zu erledigen.

 

Am Sonntagmorgen, dem letzten Tag unseres Aufenthalts auf Mallorca, schliefen wir lange aus, wir hatten uns am Samstag be­reits da­rauf verständigt, dass wir Frühstück und Mittagessen zusammen­zulegen. Nach dem ausgiebigen Brunch, den Thomas und ich vorbereitet hatten, blieben wir auf der Terrasse und genos­sen die Sonne.

Am Nachmittag rief Christoph an, wann wir denn jetzt genau am Flughafen ankommen würden. Thomas sagte ihm unsere voraussichtliche Ankunftszeit, meinte es würde ausreichend sein, wenn Martina so kurz nach zehnuhrdreißig uns abholen würde. Sollten wir mit Verspätung abfliegen schicken wir eine Nachricht mit der neuen voraussichtlichen Ankunfts­zeit.

Ein Anruf am Sonntagnachmittag verwundert mich dann doch noch etwas. Der Rechtsanwalt meiner Eltern war in der Leitung, der mir kurz mitteilte, dass mit der Sterbeurkunde meines Vaters, die wir ihm am Donnerstag noch übermittelt hatten, alle Eintragungen in den entsprechenden Büchern noch am Freitag durchgeführt wurden und ich jetzt nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Teilhaber der Firma sei.

Da er nicht wusste, ob wir noch auf der Insel sind, hat er einfach versucht mich zu erreichen. Er kommt in einer Stunde vorbei und übergibt mir die Unterlagen, damit ich auch in Deutschland sofort und ohne Probleme handlungsfähig sei.

Bei seinem Kurzbesuch, eine Stunde später, drückte er Mutter und mir sein Beileid aus und übergab mir alle Unterlagen, die sich in den letzten Tagen bei ihm ange­sammelt hatten.

Auf meine Frage, ob er immer sonntags arbei­ten würde, erklärte er mir, dies sei eine Ausnahme und normalerweise hätte er sich schon gestern gemeldet, war aber durch einen privaten Termin verhindert.

Nach dem Abendessen verabschiedeten wir uns bereits von Mutter und den Jungs, mit dem Versprechen sie am Mittwoch vom Flug­hafen abzuholen und Mutter direkt zum Gutshof zu bringen. Wir hatten abgesprochen, dass wir sie morgen früh nicht wecken würden, da wir ja bereits gegen halb fünf Uhr losfahren wollten mit dem Leih­wagen, um ihn bei der Autovermietung am Flughafen abzugeben.

Da wir wussten, dass der Montag ein langer Tag für uns beide werden könne, legten wir uns sehr früh schlafen und stellten vorher noch den Wecker auf dreiuhrdreißig.

 

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