Regenbogenfamilie Teil 46 – Noch ein Unternehmen

Nach einer ruhigen Nacht, in der ich mich sehr gut regene­riert hatte, wachte ich auf, bevor unser Wecker läutete. Ich stand auf und wollte kurz ins Bad und anschließend in die Küche, um für uns drei das Frühstück vorzubereiten. Bernhard stand bereits im Bad, da er heute früher mit der Arbeit starten wolle, wie er mir kurz erklärte.

Er meinte zu mir, du kannst ruhig reinkommen, ich schau dir schon nichts weg, du brauchst auch gar nicht in die Küche zu gehen, da war ich schon, der Kaffee läuft bereits und der Tisch ist auch schon gedeckt. So blieb ich im Bad rasiert mich und putzte mir die Zähne, bevor ich in die Dusche hüpfte, war Bernhard fertig und verschwand ins Gästezimmer um sich anzu­ziehen.

Thomas tauchte im Bad auf, kaum dass ich aus der Dusche kam und erklärte mir, Bernhard bringt unsere Tagesabläufe völlig durch­einander, wenn er jeden Morgen das Frühstück macht.

Ich sagte zu ihm: „Keine Sorge, dass wird schneller vorbei sein als du denkst, am Freitag wird schon seine Küche geliefert und wenn das am Samstag mit den schwedischen Möbeln funktioniert, wird uns Bernhard nächste Woche schon wieder verlassen und in sein Appartement um­ziehen. Ich bin gespannt, ob er den Heiligen Abend mit seinen Eltern feiert oder hier im Gutshof verbringt.“

Thomas meinte dazu, ich glaube der feiert lieber am Gutshof, mit seinem Bruder und Michael, danach wird er bei Philipp und Marcus vorbeischauen und am Ende wird es wieder wie im letzten Jahr sein, mit Ausnahme von unseren Müttern, sind dann wieder alle bei uns versammelt. Du kannst dich schon noch daran erinnern, dass am Heiligen Abend alle die damals am Gutshof lebten bei uns versammelt waren.

Wobei, damals waren Alejandro und Jorge noch nicht dabei, sie kamen erst zwei Tage vor Silvester hier an und deine Tochter mit Mann und Kindern waren noch nicht umgezogen. Das könnte schön voll werden, wenn dieses Jahr alle bei uns vorbeischauen.

Wir beeilten uns jetzt im Bad und zogen uns eilig an, damit Bern­hard, wenn er schon das Frühstück zubereitet, nicht zu lange auf uns war­ten musste. Beim Eintritt in die Küche rief uns Bernhard ein fröhliches Guten Morgen zu, was von Thomas sofort erwidert wurde.

Als ich mich an den Tisch gesetzt hatte und eine Tasse mit frischgebrühtem Kaffee vor mir stand, fragte ich Bernhard, was er denn für Weih­nachten und Silvester geplant hätte. Er antwortete: „Bis jetzt noch nicht so richtig, da ich ja davon ausgegangen bin, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch bei meinen Eltern wohne und lebe und damit Weih­nachten mit ihnen verbringe. Seit vorgestern Abend ist jetzt alles anders, ich wohne auf dem Gutshof und vermutlich ab kurz vor Weih­nachten in meinen eigenen vier Wänden. Allein feiern will ich nicht, vielleicht kann ich mit Andreas und Michael feiern. Die wollen am ersten Feiertag zu meinen Eltern fahren, wo auch Michaels Eltern und Geschwister zum großen Familientreffen erwartet werden.

Für Silvester hat Sebastian die große Jahresende Party angekündigt und da werde ich dabei sein. Ich hoffe ihr seid auch mit dabei, die Jungs haben ihr Erscheinen schon angekündigt. Alejandro und Jorge haben auch zugesagt mit uns Silvester im Restaurant im Gutshof zu feiern.“

Wir wussten zwar von Sebastians Plänen zu Silvester, aber dass die Jungs bereits zugesagt hatten, war uns doch neu. Wenn das so ist, werden wir sicher auch vorbeischauen, vorher werden wir aber einen Teil des Abends mit unseren Müttern verbringen, das haben wir ihnen bereits versprochen.

Bernhard meinte noch, über den Heiligen Abend sprechen wir nächste Woche noch einmal, dann bin ich etwas schlauer, wenn die Küche eingebaut ist und vermutlich auch Möbel vorhanden sind.

Bernhard war mit seinem Frühstück fertig und meinte, er ver­schwinde schon einmal im Büro, gestern sei er den ganzen Tag nicht so richtig zum Arbeiten gekommen und er will die Ruhe morgens nut­zen um bei der Planung für die Digitalisierung der Unterlagen voran­zukommen, bevor er im Laufe des Tages wieder gestört wird.

Ich grinste ihn an und meinte dazu: „Von Thomas und mir hast du zu­mindest am Vormittag nicht viel zu befürchten, wir sind unterwegs und haben Termine beim Notar und bei den Banken wegen der Fir­menübernahme. Wir sind erst am Nachmittag wieder im Büro und auch da sind bereits mehrere Termine geplant.

Ich störe nur wenn ich unterwegs Probleme mit meinem Notebook haben sollte, und da werde ich dann auf Marcus und Philipp zurückgreifen, du weißt ja, bei dir hat das Digita­lisierungsprojekt erste Priorität. Denk daran, du hast ab Mitte Januar wieder Blockunterricht hast, bis dahin sollte die Erfassung der Doku­mente bereits im Rollen sein und ohne dich laufen können.“

Er stand auf und verließ uns, um ins Büro zu gehen. Thomas schaute mich an und meinte zu mir: „So eilig kann das mit den Doku­menten doch nicht sein, dass du so großen Druck aus­übst.“

Ich ant­wor­tete ihm: „Ist dir eigentlich bewusst, wie viele Dokumente im Archiv bei euch schlummern. Ich kenne das Archiv und wenn wir nicht Gas geben bei der Digitalisierung sind wir in zwei Jahren immer noch damit beschäftigt, dass was hier zu digitalisieren war, waren vielleicht fünf Prozent von dem, was uns dort erwartet und du weißt, wie lange wir hier gekämpft haben, bis die wichtigsten Unterlagen digitalisiert und kata­logisiert war.

Auf der anderen Seite weiß ich, Bernhard wird sich hin­einhängen und wenn er Schwierigkeiten hat, wird er sich bei mir melden und wir werden zusammen Wege finden um voranzu­kom­men.“

Ich schaute zur Uhr und meinte, dass wir uns jetzt so langsam auf den Weg machen, damit wir rechtzeitig beim Notar sind, wer weiß was auf den Straßen wieder los ist. Thomas meinte noch, soll ich fahren oder willst du dich ans Steuer setzen.

Ich grinste und meinte wir wer­den wohl mit zwei Autos fahren müssen, sonst hat einer von uns beiden ein Problem wieder nach Hause zu kommen. Du wirst nach­mittags im Büro erwartet und ich habe hier einige Termine. Thomas lachte und erwiderte, dann hätte ich heute Abend eben ein Taxi nehmen müssen oder einen Chauffeur anrufen, der mich einsammelt und nach Hause bringt.

So fuhren wir mit zwei Autos in die Stadt, Thomas parkte sein Fahrzeug auf den Parkplätzen der Firma und mit meinem Auto fuhren wir weiter zum Notar. Im Notariat wurden wir bereits erwartet.

Johannes saß bereits im Büro des Notars und dieser begann die notwendigen Dokumente vorzulesen, nachdem wir von seiner Sekretärin dort abgeliefert wurden. Zum einen den Beschluss der Gesellschafterversammlung, dass Thomas zum Geschäftsführer bestellt wird und die Dokumente, die für die Eintragung ins Handelsregister beim Amtsgericht benötigt werden. Da alle Dokumente noch von Johannes unterschrieben werden, musste ich sie als neuer Eigentümer noch genehmigen, da der Eigen­tums­übergang für den ersten Januar vereinbart war, die Bestellung des neuen Geschäftsführers aber mit sofortiger Wirkung erforderlich war.

Nach gut einer Stunde hatten wir das gesamte Prozedere hinter uns gebracht und der Notar erklärte uns, bevor er mit allen Papieren fertig war, dass ich eine Erklärung zur Übernahme der bisherigen beiden Prokuristen noch zu unterschreiben hätte. Er ver­sprach die Unterlagen sofort beim Amtsgericht vorzulegen und wegen der Dringlichkeit auf eine schnelle Eintragung zu drängen. Meine Eintragung als neuer Geschäftsführer, der zusammen mit einem Pro­ku­risten oder dem weiteren Geschäftsführer handeln kann, hatten wir bereits bei der Übernahme der Firma erledigt.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, meinte Johannes, dass wir uns beeilen sollten, da der Termin beim Notar doch etwas länger gedauert hatte als geplant. Wir beschlossen mit Johannes in einem Auto zur Bank zu fahren, um dort die notwendigen Änderungen zu besprechen. Der Notar hatte uns für die Banken jeweils eine beglau­bigte Abschrift der Unter­lagen mitgegeben.

Da wir in meinem Auto fuhren, rief Johannes beim Banker an und erklärte ihm, dass wir uns ein paar Minuten verspäten, da es beim Notar doch länger gedauert hatte als es einkalkuliert war. Glücklicherweise waren die Straßen frei und wir kamen nur mit knapp zehn-minütiger Verspätung in der Bank an.

Der zuständiger Firmenbetreuer erwartete uns bereits und bat uns, da wir zu dritt waren in ein kleines Besprechungs­zimmer, sein Büro wäre zu klein für so viele Personen. Da der Gutshof mit der Bank nicht in Geschäftsverbindung stand, stellte mich Johannes erst einmal als den neuen Eigentümer und Geschäfts­führer der Gesellschaft vor und erklärte, dass Thomas zum weiteren Geschäftsführer bestellt wurde, der das operative Geschäft leiten würde.

Das mit den Unterschriften war schnell geregelt, im weiteren Gespräch mit Herrn Huber ging es dann darum, nachdem wir ihm mit etwas Hintergrundwissen zum Gutshof und seinen Aktivitäten vermittelt hatten, ob wir beab­sichtigen langfristig mit dem Geldinstitut zusammen arbeiten zu wollen oder eine Veränderung zu einer anderen Bank geplant sei.

Dazu erklärte ich ihm: „Ehrlich gesagt, ein Wechsel zu einer der Banken, mit denen der Gutshof bisher zusammenarbeitet, wäre sicher eine reizvolle Über­legung, aber da die bestehende Gesellschaft in ihrer bisherigen Form eigenständig weiterbesteht, sehe ich keine Notwendigkeit etwas in diese Richtung zu verändern.“

Weiter erklärte ich ihm, dass nur im Bereich der Buchhaltung, der Personalverwaltung und in der Informationstechnologie die Mitarbeiter in einem Team verei­nigt werden, alle anderen Bereiche bleiben bestehen wie bisher. Möglicherweise wird das Marketing noch ausgegliedert und für alle Unternehmungen zuständig werden.

Dafür wird es dann Dienstleistungsverträge zwischen den Unterneh­men geben. Ich ver­sprach Herrn Huber weitere Konten der Gutshofverwaltung bei der Bank einzurichten, die sich auf die Verwaltung der neuen Immobilien beziehen werden, was aber noch einige Zeit dauern könne, da das nächste geplante Objekt in der Stadt erst im Spätherbst nächsten Jahres fertig sein werde.

Nach diesem aus­führlichen Gedanken­austausch verabschiedeten wir uns vom Bankmit­arbeiter und Johannes meinte, bevor wir in die Firma zurückfahren, sollten wir beim gemeinsamen Mittagessen noch so einiges besprechen. Erstens habe ich Hunger und ich habe noch eine Neuigkeit für euch, die vermutlich Peter sehr interessieren könnte.

Wir stimmten zu und Johannes meinte, dass wir zum Chinesen fahren sollten, dort gibt es einige Tische, an denen man sich ungestört unterhalten kann. Mit Johannes Hilfe fuhr ich zielstrebig auf dem kürzesten Weg zum Chinesen und um diese Zeit waren sogar noch einige Parkplätze direkt vor dem Restaurant frei.

Von unterwegs hatte Johannes noch beim Chinesen angerufen und einen Tisch für uns reserviert, der etwas Abseits gelegen war. Dass Johannes beim Chinesen bekannt war und auch schon öfter hier war, merkte ich sofort nach dem Eintreten in die Gaststätte. Er wurde herzlich begrüßt, wie ein alter Stammkunde und wir wurden an den reservierten Tisch gebracht, an dem auch eher ungestörte Gespräche möglich waren.

Nachdem wir uns gesetzt hatten, wurden uns die Speisekarten gereicht und gefragt, was wir denn trinken möchten. Ich bestellte mir ein alkoholfreies Weizenbier, Thomas wollte erst einmal nur ein Glas Wasser und Johannes orderte eine Weinschorle.

Während wir die Speisekarte studierten, schlug uns Johannes vor, eine gemischte Platte für drei Personen als Menü zu bestellen. Er erklärte als Vorspeise gibt es entweder Suppe oder Frühlingsrollen, der Hauptgang besteht meist aus vier bis fünf Sorten Fleisch und Geflügel, verschiedene Arten von Gemüse und dem obligatorischen Reis. Zum Dessert kann ich nichts Genaues sagen, es gab schon so viele Varianten dabei, die ich nicht mitgezählt habe.

Da ich selbst keine große Lust auf Auswählen hatte, gab ich für meinen Teil grünes Licht für seine Wahl. Thomas überlegte noch kurz und schloss sich uns an. Als der Kellner die bestellten Getränke brachte, fragte er uns, ob wir uns bereits entschieden hätten. Johannes meinte er solle uns die gemischte Platte für drei Personen bringen. Auch die Frage, welche Vorspeise wir möchten, war schnell geklärt, alle ent­schieden sich für die Suppe.

Johannes meinte, bis die Suppe kommt, kann ich euch schon einmal die Neuigkeit erzählen: „Ihr kennt doch Gerhard Bauer von der Gerhard Bauer Projektberatung GmbH, er hat mich am Sonntag ange­rufen und wollte sich unbedingt mit mir treffen, er hatte mich und meine Frau zu einem Abendessen am Sonntag eingeladen. Während und nach dem Essen unterhielten wir uns darüber, dass er bereits seit fast zwei Jahren nach einem Nachfolger suche, da seine Söhne kein Inte­resse hätten die Firma zu übernehmen.

Er wollte von mir wissen, ob ich entweder jemanden kenne, der seine Firma übernehmen will oder vielleicht sogar selbst Einsteigen möchte. Ich habe ihm erklärt, dass er mit seinem Vorschlag etwas spät komme, da ich mein Unternehmen zwischenzeitlich an einen Nachfolger, einen ehe­maligen Mitarbeiter verkauft habe. Hätte er mich vor einem halben Jahr oder noch früher gefragt, ich hätte dieses Unternehmen sofort übernommen. Er wollte wissen an wen ich mein Unternehmen verkauft habe und ob von dessen Seite even­tuell Interesse bestehen könnte, sein kleines Unternehmen zu über­nehmen. Ich versprach ihm dich zu fragen und bei Interesse den Kontakt herzustellen.“

Thomas schaute mich an und erklärte mir: „Aus meiner Sicht als Geschäftsführer sehe ich das wie Johannes, das Unternehmen würde hervorragend zu uns passen und mit seinem guten Namen auch für uns einige Aufträge zur Zusammenarbeit bringen. Da ich nur angestellter Geschäftsführer bin, brauche ich dafür die Zustimmung des Eigen­tümers der Firma, was in diesem Fall du wärest, Peter.“

Ich überlegte kurz bevor ich Johannes meine Fragen stellte: „Ihr seid euch da so sicher, dass da nichts anderes dahintersteckt, warum er seine Firma verkaufen will, und seid beide der Mei­nung, dass es eine sinnvolle Investition ist? Mir gefällt nur die Konstruktion nicht, dass die J. Graf GmbH die Firma kauft, wenn sie doch als selb­ständiges Unternehmen weiter bestehen soll. Dann würde ich sie lieber als weiteres Unternehmen der Gutshofverwaltung dazukaufen. Wer soll dort Geschäftsführer werden, dazu kenne ich die Mitarbeiter zu wenig, um einen von ihnen diese Aufgabe zu übertragen. Thomas und ich kommen für diese Aufgabe nicht in Frage, da wir beide bei Vertragsabschlüssen befangen sein könnten. Das Problem habe ich jetzt schon bei Verträgen zwischen dem Gutshof und der GmbH oder dem Gartenbaubetrieb und das will ich nicht auf weitere Unternehmen ausweiten.“

Johannes schaute mich kurz an und meinte zu meinen Fragen: „Die Frage nach Interessenkonflikten hat sich mir nie gestellt, aber ich ver­stehe durchaus deine Bedenken, wenn zwei verbun­dene Unter­nehmen Verträge miteinander schließen wollen. Du könntest doch Geschäftsführer sein und mit einem Prokuristen zusammen diese Entscheidungen treffen, es muss nur sicher­gestellt sein, dass der zweite Beteiligte zuerst an die Interessen seines Unter­nehmens denkt.“

Ich erklärte Johannes, dass ich in allen externen Unter­nehmen inzwischen einen Prokuristen eingesetzt habe, damit bei allen Ent­scheidungen ein Interessensausgleich stattfindet. Die Frage ist nur, gibt es im Unternehmen von Gerhard Bauer einen Mitarbeiter, den man mit dieser Aufgabe betrauen kann? Wenn ja, dann habe ich keine Bedenken, wenn nein, hätte ich das Problem einen neuen externen Mitarbeiter zu holen, was sicher zu einer gewissen Unruhe unter der Belegschaft führen könnte.“

Gott sei Dank wurde jetzt die Suppe gereicht und wir unterbrachen unser Gespräch über die mögliche Übernahme der Firma von Gerhard Bauer. Für jeden von uns bot sich die Ge­legenheit über Johannes Vor­schlag noch einmal in Ruhe nachzu­denken.

Ich überlegte, ob im Unter­nehmen genügend Reserven stecken um den Kauf ohne Fremd­finanzierung abzuwickeln, so wie es mir mein Vater immer vorgelebt hatte. Er hatte einmal gesagt, wenn du dir Geld von den Banken für deine Geschäfte holst, lieferst du dich ihnen aus.

Je nach Höhe des Kauf­preises würde wir das aus dem vorhandenen Barvermögen des Guts­hofes bestreiten können, im anderen Fall müsste ich auf die vor­han­denen Reserven aus dem Gartenbaubetrieb und der J. Graf GmbH zurückgreifen müssen. Ich muss vor allem darauf achten, dass die Reserven für den Neubau der Wohnungen in der Stadt nicht angetastet werden.

Nachdem wir mit der Suppe fertig waren, meinte ich zu Johannes: „Du kannst ja den Kontakt herstellen und dann sehe ich im Gespräch mit Gerhard wie sich die Sache entwickelt, nein sagen kann ich not­falls immer noch.“

An Thomas gewandt meinte ich: „Damit hätten wir den nächsten Digitalisierungskan­di­­daten, der abgearbeitet werden muss und noch fehlt uns der Gartenbaubetrieb, der ebenfalls aufgear­beitet werden muss.“

Johannes fragte ich, ob er wüsste, ob die Firma von Gerhard Bauer in einem eigenen Gebäude arbeitet oder die Räume angemietet sind. Das weiß er nicht so genau erklärte mir Johannes. Da bereits der Hauptgang aufgebaut wurde unter­brachen wir wieder unser Gespräch, das wir erst wieder vor der Nachspeise fortsetzten.

Ich wollte eigent­lich nur noch von Johannes wissen, wie schnell Gerhard Bauer sein Unternehmen verkaufen will, mir wäre im neuen Jahr zwar lieber, aber wenn es noch in diesem Jahr sein müsste, wird der Stress eben noch etwas größer. Johannes meinte, es ist eigentlich egal, den Vertrag könnt ihr auch im nächsten Jahr abschließen. Ich denke Gerhard ist mit einem Verkauf in der ersten Hälfe des nächsten Jahres einver­standen, wenn du ihm verbindlich erklärst, dass du die Firma über­nehmen willst.

Er weiß ja, dass du gerade erst meine Firma über­nommen hast und deshalb einiges an zusätzlichen Aufgaben auf dich zukommt. Ich meinte zu Johannes und Thomas, dann sollten wir das Gespräch so schnell wie möglich führen, damit ich meinen Kopf wieder für andere wichtige Dinge freibekomme. Ich biete euch an, dass wir uns heute Abend privat bei uns treffen und alles besprechen. Johannes meinte, er ruft Gerhard gleich an und klärt, ob er heute Abend Zeit für das Gespräch hat.

Keine fünf Minuten später hatten wir die Zusage, dass wir uns heute Abend zu einem Gespräch zusammensetzen werden. Sie beide würden so gegen achtzehn Uhr bei uns im Gutshof eintreffen und wir könnten im Restaurant eventuell anschließend Essen. Wenn ich Klaus überreden kann länger dazubleiben, werde ich ihn und Bernhard zum Gespräch mitnehmen, dann können wir zumindest die Themen Digitalisierung von alten Unterlagen und Buchhaltung ansprechen, vielleicht können wir die Buchhaltung ab Januar direkt in unserem System durch­führen, wenn Gerhard zustimmt.

Nachdem wir die Nach­speise hinter uns hatten, zahlte Johannes und brachte uns zu meinem Auto, wobei er meinte, er nehme Thomas direkt mit in die Firma und ich bräuchte nicht extra vorbeifahren.

So fuhr ich direkt zum Gutshof zurück und mein erster Weg führte mich zu Klaus in die Buchhaltung. Ich erzählte ihm von unserem Gespräch mit Johannes und dem Angebot eine weitere kleinere Firma zu übernehmen, die in der Vergangenheit eng mit der J. Graf GmbH zusammengearbeitet hat. Er wollte wissen, ob dort weitere Mitarbeiter in der Buchhaltung beschäftigt sind, die integriert werden müssten.

Ehrlichweise erklärte ich ihm, dass ich das nicht wisse, diese Fragen werden erst heute Abend bei unserem ersten Gespräch mit Gerhard Bauer geklärt, wobei ich ihn fragte, ob er heute um achtzehn Uhr bei diesem Gespräch dabei sein könne.

Er meinte, heute ist schlecht, da er am Abend auf die Kinder aufpassen müsse, weil seine Frau sich mit ihren Freundinnen trifft und er bereits fest zugesagt hat. Ich meinte, wir sollten uns morgen früh kurz zusammensetzen und die Ange­legenheit besprechen, wenn ich alle wichtigen Informationen habe.

Mein nächster Weg führte mich zu Bernhard, den ich mit der Mitteilung schockte, dass vermutlich in Kürze ein weiteres Projekt zur Digitalisierung von alten Akten auf ihn zukommt. Er lachte und meinte, du wirst doch nicht eine weitere Firma kaufen wollen.

Philipp und Marcus wird der Schlag treffen, wenn du eine weitere Firma an unser Datennetz anbinden willst. Ich meinte, dass das keine Priorität haben wird, die Digitalisierung dieser Unterlagen werden wir bei Thomas in der Firma durch­ziehen.

Hast du Zeit um achtzehn Uhr bei diesem Gespräch dabei zu sein, anschließend werden wir zu Sebastian zum Essen gehen. Er sagte, kein Problem, ich muss ja nicht mehr zu meinen Eltern fahren, ich übernachte ja bereits im Gutshof.

Der nächste Weg führte mich in das Büro meiner zukünftigen Assistentin, wo Alejandro und Philipp bereits einen Schreibtisch auf­ge­baut hatten und Philipp damit beschäftigt war, die Geräte einzu­richten. Ich fragte, ob sie außer den Computern und den Telefonen auch einen Schreibtisch aus der Stadt mitgebracht hätten.

Er meinte nein, denn haben wir aus der Buchhaltung entführt, wo derzeit noch ein unbenutzter Arbeitsplatz war, so können wir bereits heute den Arbeitsplatz für deine neue Assistentin einrichten, wer weiß was die nächsten Tage noch für Überraschungen bringen. Manuel hat für dich angerufen, du solltest dich dringend bei ihm melden, wenn du wieder im Büro bist.

Ich erzählte Philipp noch kurz, dass ich heute Abend ein Gespräch führen werde, wo es um die Übernahme eines weiteren kleineren Unternehmens gehen würde, wobei ich ihm klarmachte, dass dort vorerst kein Handlungsbedarf besteht die Arbeitsplätze in unser Datennetz zu integrieren. Näheres könnte ich ihm morgen früh bei unserer wöchentlichen Besprechung erzählen.

Ich wechselte in mein Büro, rief Manuel an und fragte ihn, was es so Dringendes gäbe. Er meinte, dass will er nicht am Telefon be­sprechen, aber er sei in zehn Minuten bei mir im Büro. In den nächsten zehn Minuten startete ich mein Notebook und begann die einge­gangenen Mails zu lesen und nach Wichtigkeit zu sortieren oder sofort zu beantworten.

Es klopfte und auf mein herein, stand Manuel in meinem Büro. Er setzte sich mir gegen­über auf den Besucherstuhl und unterbreitete mir seine Neuig­keiten: „Ich hatte heute Vormittag zwei Gespräche mit zwei mög­lichen neuen Abnehmern, die gerne bei uns im größeren Um­fang einkaufen würden. Ich habe noch keine feste Zusage gegeben, da ich selbst erst einmal prüfen müsste, ob ich ihren Wünschen nachkommen könne.

Den einen Interessenten kennst du sehr gut, dass ist der Caterer, von dem Sebastian manchmal Personal ausleiht. Er will im nächsten Jahr verstärkt seine Speisen mit Gemüse aus einheimischem, biologischem Anbau anbieten. Seine Frau hat privat im Hofladen mehrfach eingekauft und er konnte sich von unserer Qualität ein Bild machen.

Er hat auch angedeutet, wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, zukünftig sein Fleisch ebenfalls direkt bei uns einzukaufen, aber dafür sind Tim und Jonas zuständig. Da er immer größere Mengen an frischer Ware benötigt, hat er angefragt, ob wir die Belieferung an sein Unternehmen übernehmen könnten.

Bei den Freilandprodukten habe ich kein so großes Problem, da nutzen wir einfach die Flächen, die Vater vor eini­gen Jahren stillgelegt hat. Schwieriger wird es mit den Produk­ten aus den Gewächshäusern, dort haben wir kaum noch Kapa­zitäten. Auf den Freiflächen brauchen wir im Sommer zusätz­liche Erntehelfer, die wir uns heuer schon vom Gutshof ausgeliehen haben.  Ich weiß im Moment nicht wie ich mich ent­scheiden soll.“

Ich überlegte und ging alle Möglichkeiten durch, wir müss­ten den Neubau eines Gewächshauses vorantreiben, der erst für das darauf­folgende Jahr vorgesehen war. Andererseits mit den steigenden Um­sätzen könnte sich das möglicherweise sogar rechnen.

Ich erklärte Manuel: „Ich merke, du steckst in einer schwierigen Lage, einerseits möchtest du die beiden neuen Kunden nicht abweisen, auf der anderen Seite fehlen dir teilweise die Ressourcen, die von ihnen ge­wünschten Men­gen an frischen Produkten anzubauen. Gut wir könn­ten den Neubau des umweltverträglicheren Gewächshauses vorantrei­ben und bereits im kommenden Jahr bauen, dafür fallen dir aber wiederum für eine gewisse Zeit andere Anbau­flächen aus.

Hast du schon mit den beiden Jungs gesprochen, ob sie dir für ein Jahr von den Gutshof­flächen etwas für deine Produktion ausleihen können. Am besten ihr setzt euch zusammen und besprecht im Grunde genommen das Ge­samt­paket des Caterers, überlegt euch welche Maßnahmen notwendig sind und dann beschließen wir gemeinsam, wie es weitergehen wird. Da die Zeit drängt, solltet ihr vielleicht noch vor Weihnachten einen Plan haben.”

Danach erzählte ich ihm noch von dem Angebot eine weitere kleinere GmbH zu übernehmen und dass dazu heute Abend die ersten konkreten Gespräche geführt werden. Dann bist du zur­zeit sehr gut beschäftigt und dann komme ich auch noch mit meinen Wünschen dazu, meinte Manuel.

Ich wiederum sagte zu ihm, dass die großen Her­ausforderungen leichter zu Händeln sind, wenn in den Teilbe­trieben des Unternehmens alle Mit­arbeiter einen guten Job machen, so wie er zum Beispiel.

Beim Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass in kürze Armin Schwarz zum zweiten Vorstel­lungsgespräch erscheinen wird. Ich meinte zu Manuel noch, ruf die Jungs einfach an und triff dich mit ihnen, nimm deinen Daniel mit, ihr findet sicher gemeinsam eine Lösung für diese Angelegenheit. Er verabschiedete sich und verließ mein Büro.

Ich rief Alexandra an und bestellte zuerst einen Tisch für vermutlich fünf Personen heute Abend im Restaurant. An­schließend meinte ich, ich würde sie und Sebastian so gegen halb sechs Uhr kurz in meinem Büro sprechen wollen. Sie sollen sich das bitte so ein­richten. Bis Armin eintraf beschäftigte ich mich wieder mit meinen Mails.

Als es an der Bürotür klopfte, rief ich herein und Armin betrat mein Büro. Ich begrüßte ihn und meinte er solle sich bereits in die Besprechungsecke setzen, ich sei in wenigen Augenblicken für ihn da. Ich schrieb die Mail noch fertig und ging dann zu ihm in die Besprechungsecke.

Nachdem ich mich gesetzt hatte, erklärte ich ihm, warum ich ihn zu einem weiteren Gespräch gebeten habe: „Du hast gestern erwähnt, dass deine besonderen Stärken in der Tätig­keit als Eventmanager liegen und ich da eine Möglichkeit sehe ihn als solchen zu beschäftigen.“

Er sah mich mit großen Augen an, damit hatte er wohl überhaupt nicht gerechnet und fragte mich: „Habe ich das richtig verstanden, ich soll als Eventmanager bei euch arbeiten, ob­wohl ich mich über die Leiharbeitsfirma als Assistent der Geschäftsleitung beworben habe?“

Ich erklärte ihm: „Wir haben auf dem Gutshof einige Teil­bereiche, in denen immer wieder Veranstaltungen durchgeführt werden. Zum einen gibt es da das Restaurant, das für Veran­staltungen gebucht werden kann, wo in den nächsten beiden Wochen unter anderem noch zwei größere Firmen ihre Weihnachtsfeier abhalten werden.

Dann gibt es in einem eigenen Gebäude, das als Schullandheim, als Ferienhotel für Kinder aus benachteiligten Familien verwendet wird und in dem vor allem an Wochenenden Seminare veranstaltet werden. Wir über­legen derzeit im nächsten Jahr ein großes Gutshoffest abzuhalten und bräuchten dafür einen Mitarbeiter, der das alles organisiert.

Für die Schulkinder wären zum Beispiel auch Ausflüge in die nähere Umge­bung zu planen oder vielleicht auch die eine oder andere Firmen­besichtigung.

Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir für ein Wochenende einige Leiter von Jugendämtern aus Hessen und Thüringen hier, die das Haus kennenlernen wollen, bevor sie in den Ferien ihre Kinder hierherschicken. Auch für sie brauche ich ein Rahmenprogramm, dass ich bisher noch nicht vorbereiten konnte, da ich anderweitig zu sehr beschäftigt bin.

Sein Büro wäre nicht hier im Haus, sondern drüben im Gesinde­haus, also dort wo seine Dienste am meisten benötigt würden. Wenn er sich das als seinen neuen Job vorstellen könne, dann würde ich ihm diese Chance geben.“

Armin überlegte lange, wie er auf mein Angebot reagieren sollte. Ich verstand das, hatte er sich doch für einen anderen Job beworben und jetzt sollte er eine andere Aufgabe übernehmen, die ihm weitaus besser zusagte. Nur seine eigene Unsicherheit verhinderte, dass er eine Entscheidung traf.

Er sagte zu mir: „Ich hoffe du hast nichts dagegen, dass ich dein Angebot in meine eigenen Worte fasse, vielleicht ver­stehe ich es so besser. Ich soll als Eventmanager am Gutshof arbeiten und bei allen Veran­staltungen, die geplant werden, mitwirken. Das betrifft zum einen das Restaurant und sonstige vom Gutshof geplanten Veran­staltungen, auf der anderen Seite soll ich für die Gäste im Gesindehaus Ausflüge und ähnliches organisieren, je nach dem, was sie sich vorstellen.“

Ich ergänzte: „Und du kannst eigene Ideen für Veranstaltun­gen einbringen, die dann je nach Machbarkeit auch umgesetzt werden kön­nen.“ In diesem Moment klopfte es und Alexandra und Sebastian traten ein. Ich bat sie, sich zu uns in die Bespre­chungsecke zu setzen.

Ich erzählte ihnen kurz, dass sich Armin gestern als Assistent der Geschäftsführung vorgestellt habe, im Gespräch stellte sich jedoch heraus, dass er eigentlich Eventmanager ist. Ich würde ihn gerne als Eventmanager für den Gutshof einstellen, deshalb heute das zweite Gespräch mit ihm. Ihr beiden seid in erster Linie diejenigen für die er die meisten Aufgaben erledigen könnte.

Wenn ich an den Restau­rantbetrieb denke, gibt es eine Reihe von Veran­staltungen, die von ihm organisiert werden könnten. Ich denke da an Hochzeits- oder Ge­burtstagsfeiern in kleineren, aber auch größeren Gesellschaften oder Firmenfeste und Firmenveran­staltungen wie zum Beispiel auch die Weih­nachtsfeiern.

Für die Gäste im Gesindehaus soll er sich um die Organisation und Planung des Rahmenprogrammes kümmern, hier als Beispiel Ausflüge für Schulklassen oder unsere sons­tigen Jugend­lichen, selbst für die Seminare wird auch das eine oder andere zu veranstalten sein. Mir ist bewusst, dass ich euch zum einen Arbeit wegnehme, auf der anderen Seite euch entlaste, weil ihr euch nicht mehr um den Kleinkram bei den Veranstaltungen kümmern müsstet.

Sebastian lachte und erklärte: „Ich habe kein Problem, wenn ich mich um diese Dinge nicht mehr selber kümmern müsste, ich wäre sogar froh darum und ich spreche für Alexandra gleich mit, es würde uns helfen, uns besser auf unsere Hauptaufgaben zu konzen­trieren.

Armin du kannst sofort anfangen, wir haben für die beiden großen Weih­nachtsfeiern noch einiges, was auf die Reihe zu bringen wäre, wobei der schwierigste Fall für uns ist, das Bei­programm zu organisieren. Wir bräuchten eine Gruppe Musiker, die eine Weihnachtsfeier mit weihnachtlichen Klängen und Gesang begleiten kann.“

Armin schaute ihn an und meinte, ich hätte da schon eine Idee, ich müsste nur prüfen, ob die Musiker an diesem Tag schon gebucht sind. Wann soll die Veranstaltung stattfinden, dann rufe ich gleich einmal an und frage nach. Sebastian erklärte ihm, dass die Weihnachtsfeier am Freitag in einer Woche stattfinden würde.

Während Armin telefonierte, sprach ich mit Alexandra und Sebastian weiter über dieses Thema. Sie hatten angeregt im Restaurant im großen Saal regelmäßige Veranstal­tungen zu planen und meinte, sie könnten mit Armin über dieses Thema sprechen, sofern er die Stelle annimmt und den Arbeitsvertrag unterschreibt.

Fünf Minuten später setzte sich Armin wieder zu uns an den Tisch und meinte, der Chef der Truppe, die hier in der Gegend zu Hause sind, würde so gegen halb sieben vorbeikommen und die Einzelheiten besprechen. Ich habe ihm gesagt, er solle sich bei Alexandra im Restaurant melden, wenn er da ist. Für diesen Abend haben sie noch kein Engagement angenommen und sie wären interessiert.

Sebastian sagte zu ihm, wenn du das auf die Reihe bekommst, habe ich ein großes Problem vom Tisch. Ich würde mich freuen, wenn du uns dabei hilfst, unsere Gäste zu zufriedenen Kunden zu machen. Während du telefoniert hast, hat uns Peter daran erinnert, dass wir unsere Ideen zu weiteren Veranstaltungen im Gutshaus mit deiner Hilfe umsetzen könnten. Die nächsten Veranstaltungen, die wir uns vorstellen könnten, wären Ende Januar, Anfang Februar Faschingsbälle im großen Saal, einen davon auch für Kinder am Nachmittag.

Armin hatte sich wieder zu uns gesetzt und meinte, ich wäre schön blöd, wenn ich dieses Angebot nicht annehmen würde, die Frage ist nur ab wann ich hier anfange. Ich meinte dazu, dass wir heute bei der Zeitarbeitsfirma nichts mehr klären können, aber morgen früh würde ich sofort anrufen und Armin anfordern in Festanstellung.

Armin meinte, ich sollte es trotzdem sofort probieren, Herr Bauer der Chef des Unter­nehmens sei abends öfter länger im Büro, falls noch dringende Anfragen kommen würden.

Ich ging zu meinem Schreibtisch und rief in der Zeitarbeits­firma von Armin an. Nach nur zweimaligem Anklingeln meldet sich Herr Bauer. Ich stellte mich kurz vor und er meinte, dass ich derjenige sei, der gestern schon wegen der Entgleisungen seines Mitarbeiters ange­rufen habe und er wollte wissen, ob es weitere Beschwerden gäbe.

Ich beruhigte ihn und erklärte ihm, dass ich nicht deswegen anrufen würde, sondern einen seiner Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung fest einstellen möchte. Er fragte mich, ob es denn Probleme gäbe bei der Übernahme des Assistenten der Geschäftsleitung.

Ich erklärte ihm, dass es gar nicht darum ging, das wird Thomas schon alles geregelt haben, ich möchte Armin Schwarz mit sofortiger Wirkung am Gutshof Son­neneck als Event­manager einstellen.

Mein Gesprächspartner am Tele­fon atmete tief durch und meinte, noch einen guten Mitarbeiter, den ich an sie verliere. Er wollte wissen, wieso ich ihn für diese Aufgabe haben will. Ich erklärte ihm, dass Armin einer der drei Bewerber und Bewerberinnen gewesen ist, die sich gestern auf Empfehlung seines Hauses bei uns vorgestellt haben.

Im Gespräch mit Armin habe ich herausgefunden, dass sein fester Berufswunsch eher in diese Richtung ginge und er nicht unbedingt als Assistent arbeiten will. Da bei uns diese Stelle in absehbarer Zeit sowieso eingerichtet werden sollte, habe ich Armin noch einmal zu einem zweiten Gespräch gebeten und ihm diese Tätigkeit angeboten.

Er hat sich mein Angebot und seine zukünftigen Aufgaben in Ruhe angehört und mir erklärt, dass er sich freuen würde, wenn er diese Aufgabe übernehmen kann. Er sitzt gerade noch hier bei mir im Büro und bespricht mit dem Chef des Restaurants und unseres Schullandheimes wie er sich die Zusammen­arbeit vorstellt.

Herr Bauer überlegte kurz, bevor er mir erklärte, dass er Armin Schwarz ungern gehen lassen würde, aber so eine Chance will er ihm nicht verbauen. Er ist damit einverstanden, dass er ab sofort bei uns fest eingestellt wird. Wegen der vertrag­lichen Regelungen würde er sich mit uns beiden morgen Vor­mittag bei uns im Büro treffen.

Wir verblieben so, dass er ab morgen, dem Unternehmen wo Armin derzeit ausgeliehen war, einen neuen Mitarbeiter zur Verfügung stellen werde und er gegen elf Uhr bei mir im Büro sei. Ich bedankte mich für das konstruktive Gespräch und verabschiedete mich bis morgen Vormittag.

Zurück am Tisch bei den anderen, erzählte ich kurz von meinem Gespräch und dass uns Armin mit sofortiger Wirkung als fester Mitarbeiter überlassen wird. Sebastian meinte, dann kann ich ihm in den nächsten Tagen alle bereits eingetragenen oder angefragten Veranstaltungen für die weitere Planung Armin überlassen.

Ich fragt Alexandra wie es im Gesindehaus mit den Büros aussehe und ob Armin dort seine Arbeit aufnehmen könne, wenn er mit allem ausgestattet ist. Sie meinte, die Büros seien vollständig eingerichtet und warten nur noch darauf in Betrieb genommen zu werden.

Vielleicht zieht unser Sozialarbeiter Michael jetzt doch in sein vorgesehenes Büro um, wenn er drüben nicht mehr allein ist, was ja der Grund war, warum er hier im Haus sein Büro aufgeschlagen hatte. Wenn das mit der weiteren Sozialarbeiterin klappt, werden sie spätes­tens im neuen Jahr schon zu dritt in den Büros sein.

Da Armin noch unverheiratet war, bot er an, bei dem Gespräch mit dem Chef der Musiker dabeizubleiben, wenn er schon ab sofort auf dem Gutshof beschäftigt sei. Er würde sich dann morgen früh um acht Uhr hier melden.

Da ich noch etwas Zeit hatte bis zu meinem nächsten Termin, ging ich gegenüber ins Büro von Philipp und Marcus, wo ich jedoch nur Bernhard antraf, der meinte ich würde ihn zu unserem Gespräch abholen.

Ich erklärte ihm, dass ich entweder Marcus oder Philipp brauche, ich hätte noch eine dringende Aufgabe, die von einem der Beiden erledigt werden müsste. Er rief bei den beiden oben in der Wohnung an und übergab mir Marcus. Ich erzählte ihm, dass ich morgen früh ein weiteres eingerichtetes Notebook brauchen würde für unseren neuen Mitarbeiter Armin Schwarz, der ab sofort als Event­manager beschäftigt sei. Außer­dem solle er doch bitte prüfen, ob die notwendige tech­nische Ausstattung an den Arbeitsplätzen in den Büros im Ge­sinde­haus auch funktionsfähig sei.

Alles kein Problem meinte Marcus, die Notebooks sind bereits vorbereitet und drüben funktioniert alles. Er würde von hier oben aus gleich noch den Mail-Account für den neuen Mitarbeiter anlegen, alles andere sei morgen früh gleich erledigt.

Ich meinte zu Bernhard, dass er gleich mit mir ins Büro kommen könne, da unsere Gäste für die Besprechung jeden Moment eintreffen werden. Auf dem Flur kam uns schon Thomas mit drei weiteren Personen im Schlepptau entgegen. Ich konnte Johannes erkennen und von den beiden weiteren Personen war leicht auszu­machen, wer Gerhard Bauer sei, da der letzte Mann ein­deutig zu jung war, um bereits in Rente zu gehen.

An der Tür zu meinem Büro trafen wir uns und ich stellte Bernhard als unseren Auszubildenden in der Infor­mationstechnologie vor. Johannes übernahm die Aufgabe uns Gerhard Bauer und seinen Mitar­beiter Peter Brunner vorzustellen.

Peter Brunner ist in der Firma von Gerhard Bauer der Stellvertreter des Chefs, wenn der nicht im Haus ist. Wir gingen in mein Büro und setzten uns in die Besprechungsecke, nachdem alle ihre Wintermäntel abgelegt hatten.

Johannes eröffnete die Gesprächsrunde und meinte, wir sind hier, weil Gerhard seine Firma, genau wie ich, aus Altersgründen abgeben will. Er hatte bisher keinen Nachfolger gefunden und hofft, dass mit dem heutigen Gespräch der Fortbestand seines Unter­nehmens dauerhaft ge­sichert werden kann. Ich denke Gerhard be­ginnt mit der Vorstellung seines Unternehmens und wie er sich die Zukunft vorstellt.

Gerhard übernahm und erzählte zuerst etwas aus der Geschichte des Unter­nehmens, die mir zumindest teilweise bekannt war. Als er zu den Wünschen für die Zukunft kam hatte er meine absolute Auf­merksamkeit. Er wünschte sich, dass seine Firma als eigenständiges Unternehmen bestehen bleibt und nicht irgendwo eingegliedert wird.

Das konnte ich ihm garantieren, da ich im Endeffekt die gleiche Einstellung dazu hatte wie er. Wenn wir uns über den Kaufpreis einigen könnten, stand aus meiner Sicht einer Übernahme nichts im Weg. Da Gerhard seine Ausführungen beendet hatte, übergab Johan­nes mir die Möglichkeit meine Fragen zu stellen.

Meine erste Frage bezog sich auf Peter Brunner, ich wollte von Gerhard wissen, ob er ihm zutrauen würde, als Geschäfts­führer zusam­men mit mir die Firma zu leiten oder er besser als Prokurist geeignet sei. Gerhard meinte, im Grunde genommen könnte er sich durchaus vorstellen, dass Peter zusammen mit mir das Unternehmen als Geschäftsführer leiten könnte. Er fragte seinen Stellvertreter, ob er denn bereit wäre diese Aufgabe zusammen mit dem neuen Eigentümer zu übernehmen. Nach kurzer Überlegung antwortete er, dass er sich geehrt fühlt, und diese verantwortungsvolle Aufgabe gerne über­nehmen würde.

Das nächste Thema, das ich anschnitt, war die Buchhaltung des Unternehmens. Gerhard erklärte, dass die Buchhaltung aus nur einem Mitarbeiter bestehe, der direkt bei DATEV bucht. Ich meinte zu Gerhard, dass wir hier eine eigene Buchhaltung betreiben und ich dies als zentrale Angelegenheit betrachten. Ich würde den Mitarbeiter, genau wie bei Johannes Firma aus dem Unternehmen ausgliedern und in unser zentrales Buchhal­tungs­team übernehmen.

Gerhard erklärte weiter, dass er für alle IT-Aufgaben ein externes Unternehmen beschäftigt, deren Vertrag mit dem Verkauf der Firma endet, es sei denn, der neue Eigentümer schließt einen neuen Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister ab.

Bernhard meinte dazu, dass diese Aufgaben zukünftig vom IT-Team des Guts­hofes und der J. Graf GmbH übernommen werden. Meine Frage nach der Digitalisierung von Akten und alten Unterlagen beant­wortete Gerhard damit, dass in seinem Unternehmen bisher alle Papier­unterlagen in einem Archiv gelagert werden.

Ich erklärte ihm, dass wir alle alten Unterlagen und alle aktuellen Unterlagen direkt in einem Dokumentenmanagement aufbewahren. Alle Unterlagen, die nicht gesetzlich in Papierform aufbewahrt werden müssen, werden nach der Digitalisierung direkt beseitigt, um Archivplatz zu sparen. Diese Aufgabe hat Bernhard übernommen, der derzeit auch die Digitalisierung in der J. Graf GmbH vorbereitet. Dorthin würden wir auch alle Unterlagen aus Gerhards Firma zur Digitalisierung bringen und danach dort auch einlagern, was noch nicht vernichtet werden darf.

Da alle wichtigen Fragen damit geklärt waren, meinte ich, dass von meiner Seite im Grunde genommen alles geklärt sei, die Preis­ver­hand­lungen würde ich aber gerne mit Gerhard in einem Vier-Augen-Gespräch führen, wenn er nach diesem Gespräch noch den Verkauf an den Gutshof als Eigentümer in Erwägung zieht.

Ich versicher­te Gerhard noch einmal, dass ich an einem Fortbestand des Unternehmens in seiner jetzigen Form mit einverstanden bin, mit Ausnahme der zen­tralen Buchhaltung. Wir können gerne dieses Gespräch im Anschluss an das Abendessen führen, wobei ich denke, dass Gerhard die Möglichkeit haben sollte, noch eine Nacht über unser Gespräch zu schlafen und wir morgen einen Termin für die Preisverhandlungen vereinbaren sollten.

Gerhard meinte noch, bevor wir ins Restaurant aufbrachen, er würde morgen früh mit seinem Buchhalter sprechen und ihm die Situation schildern und es ihm freistellen, ob er kündigen oder in einem zentralen Buchhaltungsteam mitarbeiten will.

Wir gingen rüber ins Restaurant und ich stellte fest, dass Armin immer noch mit Sebastian und Alexandra in ein Gespräch verwickelt war. Ich ging an den Tisch und fragte Alexandra, wo sie für uns reserviert habe. Sie sagte, sie hat den großen runden Tisch für bis zu acht Personen für uns reserviert. Ich wollte wissen, ob Armin denn schon zu Abend gegessen habe.

Als er verneinte, meinte ich zu Alexandra, dass wir dann mit Armin jetzt sieben Personen beim Essen wären. An Sebastian gewandt meinte ich, ihr könnt morgen euer Gespräch fortsetzen, jetzt entführe ich dir Armin. Armin versprach gleich nachzukommen und so ging ich allein zur Gruppe zurück und meinte, wir dürfen uns an den großen runden Tisch setzen.

Peter Brunner, der während der Besprechung fast nur zugehört hatte und nur Gerhards Frage beantwortet hatte, meinte, ob er sich neben mich setzen dürfe, da er noch Fragen an mich hätte.

Ich meinte, er könne gerne links von mir Platz nehmen, rechts sitzt auf alle Fälle mein Lebensgefährte Thomas. Armin kam wie versprochen nach kurzer Zeit zu uns an den Tisch und ich stellte ihnen Armin als unseren neuen Eventmanager vor, der ab morgen für die Gutshofgruppe tätig sein wird.

Da er direkt nach seiner Arbeit hierherkam, und bei den Gesprächen mit unserem Chefkoch und Restaurantleiter Sebastian bisher keine Möglichkeit hatte, zu einem Abendessen zu kommen, habe ich ihn an unseren Tisch geholt, damit er mit uns eine Mahlzeit einnehmen könne.

Danach stellte ich Armin alle Personen vor, die bereits am Tisch saßen. Als ich erklärte, dass neben mir mein Lebens­gefährte Thomas sitzt, schaute mich Gerhard etwas verwirrt an. Ich sagte zu ihm, ich sei davon ausgegangen, dass er von Johan­nes über meine Familienverhältnisse aufgeklärt worden sei. Da dies bisher scheinbar nicht geschehen, hier die Kurzform für alle. Ich war ver­heiratet und habe zwei erwachsene Kinder, die im Familienunternehmen mitarbeiten.

Meine Frau verstarb an Krebs als unser Jüngster gerade sechs Jahre alt war. Thomas war mein Arbeitskollege, der mir in der ersten Zeit nach dem Tod meiner Frau immer zur Seite stand, wenn ich in Depressionen verfiel. Auf einer Weihnachtsfeier hat er mir erzählt, dass er schwul ist und sich in einen Mann verliebt hätte.

Da meine beiden Kinder mit Thomas gut auskamen, war Thomas ein häufiger Gast bei uns. Irgendwann hat es bei mir gefunkt und danach sind wir uns Schritt für Schritt heimlich nähergekommen, bis uns eines morgens meine Kinder in einem Bett erwischt haben. Seit die­sem Zeitpunkt sind wir offiziell ein Paar.

 Gerhard lachte und meinte, er habe kein Problem mit schwulen Mitmenschen, in seinem Unternehmen gibt es auch einen schwulen Mitarbeiter, wobei er direkt Peter anschaute. Einer meiner Enkel hat mir vor zwei Wochen erklärt, dass er schwul sei, ich habe es zwar akzeptiert, weiß aber nicht so richtig wie ich damit umgehen soll.

Ich erklärte ihm, dann sei er und seine Frau mögliche Kandidaten für unseren geplanten Stammtisch, der sich im Januar zu ersten Mal treffen will, für Ange­hörige von schwulen oder lesbischen Kindern und Enkeln, zum gemein­samen Erfahrungs­austausch. Wenn er Interesse habe, würde ich ihm Bescheid geben, wann das erst Treffen stattfindet.

Er würde mich und Thomas dort ebenfalls antreffen, da mein Sohn schwul ist und mit seinem Freund im Gutshaus eine eigene Wohnung bewohnt. Mein Neffe Jonas und sein Freund Tim arbeiten ebenfalls hier am Gutshof mit, nachdem er von seiner Mutter, meiner Schwester, aus dem Haus geworfen wurde.

Gerhard meinte, dass er mit seiner Frau gerne kommen werde um sich mit anderen Eltern oder Großeltern zu diesem Thema auszu­tauschen. Alexandra war inzwischen an den Tisch gekommen, nachdem für die beiden zusätzlichen Gäste einge­deckt war und fragte uns nach unseren Getränkewünschen, gleichzeitig überreichte sie jedem eine Speisekarte. Sie nahm unsere Bestellungen hinsichtlich der Getränke auf und meinte sie würde in wenigen Minuten nach unseren Essenswünschen fragen.

Peter neben mir hatte bereits ausgewählt und die Karte wieder beiseitegelegt, ich wusste, was ich bestellen wollte und so fragte ich ihn leise, ob er der Mitarbeiter in Gerhards Firma sei, der schwul sei. Ich würde das Vermuten, da Gerhard ihn dabei direkt angeschaut hatte.

Erwischt, meinte Peter, eigentlich hatten sie vereinbart, dass darüber nicht gesprochen werde, aber, da er jetzt weiß, dass ihm von unserer Seite keine Probleme entstehen würden, habe er auch nichts dagegen, dass es bekannt wurde.

Er hat es Gerhard auch erst vor wenigen Tagen erzählt, nachdem er ihm von seinem schwulen Enkel erzählt hatte. Ich erklärte ihm, dass die Beiden nicht die einzigen sind, die im Unter­nehmen beschäftigt seien, es gebe da noch Andreas und Michael, Alejandro und Jorge und nicht zu vergessen, Manuel und Daniel. Eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung hat sich als lesbisch geoutet, sie lebt mit ihrer Lebensgefährtin in einem Haushalt.

Da wir für unsere IT einen weiteren Arbeitskollegen suchen, ist Philipp, meinem Sohn, eingefallen, dass einer seiner ehemaligen Kommilitonen noch immer auf der Suche nach einem Job sei, da er wegen seines etwas auf­fälligerem schwulen Benehmen, bisher keinen Arbeitsplatz gefunden habe. Der junge Mann will sich am Donnerstag vorstellen und wird vermutlich unser Team ergänzen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in den Firmen, die in letzter Zeit zur Gutshoffamilie hinzugekommen sind, weitere schwule oder lesbische Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen beschäftigt sind.

Alexandra stand am Tisch wollte die Essensbestellungen von uns aufnehmen. Ich bestellte eine Leberknödelsuppe und einen großen Salatteller mit gebratenen Rinderfiletstreifen. Peter meinte, er würde sich meiner Bestellung anschließen, obwohl er sich eigentlich mit etwas Günstigerem zufriedengeben wollte. Ich sagte zu ihm, als zu­künftiger Geschäftsführer wirst du für deine Gäste mit gutem Beispiel vorangehen müssen und darfst dir nicht das günstigste Essen bestellen.

Thomas wollte wissen, was wir so Wichtiges zu besprechen hätten. Ich meinte zu ihm, dass ich ihm alles später erzählen werde.

Unsere Hauptgänge wurden von Sebastians Servicepersonal ser­viert, kaum dass das schmutzige Geschirr von der Vorspeise abgeräumt war. Während alle mit ihrem Essen beschäftigt waren, warf ich immer wieder einen Blick in die Runde. Bei Johannes konnte ich erkennen, dass er mit dem Ergebnis des heutigen Abends zufrieden schien.

Armin, erwischte ich, wie er immer wieder einen Blick auf Peter warf, den dieser jedoch nicht erwiderte. Peter war damit be­schäftigt ständig nach mir und Thomas zu schielen. Wen ich nicht einordnen könnte, war Gerhard, der, während er aß, abwesend wirkte.

Ich konnte das irgendwie verstehen, er will in den Ruhestand, findet lange Zeit keinen geeigneten Kandidaten der seine Firma übernehmen und fortführen könnte und mit Hilfe seines Freundes Johannes kommt es zu einem Vorgespräch, bei dem der Käufer das Un­ter­­nehmen mit wenigen kleinen Veränderungen in der bisherigen Form weiterführen will.

Unglücklicherweise outet er seinen Stellver­treter, den er für den Posten als Geschäfts­führer als geeignet hält, während unserer Unterhaltung, obwohl die beiden vereinbart hatten, dass dieses Thema nicht zur Sprache gekommen soll.

Dass Peter, nach dem gesamten Verlauf des Abends auf seinem Chef überhaupt nicht sauer ist, hat er bisher gar nicht bemerkt. Unser Jüngster am Tisch, also Bernhard, wiederum hinterließ den Eindruck, dass er bereits wieder in sein Projekt, der Digi­talisierung alter Akten abgetaucht ist.

Nachdem alle mit dem Essen fertig waren, sprach ich Gerhard an und erklärte ihm, dass sein bisheriger Stellvertreter und gleichzeitig mein zukünftiger Geschäftsführer kein Problem damit hätte, dass er ihn un­frei­willig als Schwulen geoutet hat. Nachdem ihm klar war, dass sein neuer Chef ebenfalls zu dieser Gruppe gehört, brauchte er keine Angst mehr, um seinen Job haben, was bei einem homophoben Eigen­tümer vielleicht anders gewesen wäre.

Während ich dies Gerhard erklärte, nickte Peter immer wieder zur Bestätigung mit seinem Kopf. Gerhard meinte danach: „Ich hoffe ihr habt eben das Poltern vernom­men, von den Steinen, die soeben von mir heruntergefallen sind.“

Peter meinte zu seinem Chef: „Gehört habe ich zwar nichts, aber zumindest deinem Gesicht kann ich entnehmen, dass du dich ziemlich erleichtert fühlst. Es ist so wie mein wahrscheinlich zukünf­tiger Chef gesagt hat, nachdem ich wusste, dass Peter, ich hoffe ich darf dich so nennen, ebenfalls schwul ist, hatte ich keinerlei Problem, dass du dich wie ein kleines Kind verplappert hast.“

Nachdem ich gezahlt hatte, gingen wir zurück in mein Büro, aber nicht um unsere Gespräche fortzusetzen, sondern um uns von unseren Gästen zu verabschieden. Gerhard meinte beim Verabschieden, wir telefonieren morgen und vereinbaren einen Termin für die Preisver­handlungen.

Wie angekündigt werde ich mit meinem Buchhalter sprechen und wenn du nichts dagegen hast, kann er anschließend zu euch auf den Gutshof fahren und sich mit dir unterhalten und dein bisheriges Buchhaltungsteam persönlich kennenlernen. Vielleicht fällt ihm dann die Ent­scheidung leichter in deinem neuen Team mitzu­arbeiten.

Ich wünschte allen eine gute Heimfahrt und beim Hinaus­gehen meinte Armin, ob ich noch fünf Minuten Zeit für ein kurzes privates Gespräch hätte. Bernhard und Thomas gingen nach oben und meinten, sie würden dort auf mich warten. Ich feixte noch, dass ich nicht wüsste, wo sie sonst auf mich warten könnten.

Ich ging mit Armin noch einmal in mein Büro und wartete darauf, was er mir zu sagen hätte. Er erzählte mir, dass er ebenfalls schwul sei und lange mit sich gekämpft habe, ob er es uns erzählen soll oder nicht. Ich sagte ihm, dass ich beim Abend­essen schon den Verdacht hatte, da er immer wieder einen auffälligen Blick auf Peter geworfen habe, der ihm scheinbar gefiel.

Wenn ich das richtig verstanden habe, lebt Peter derzeit allein ohne einen festen Partner. Armin bestätigte mir, dass ihm Peter von Anfang an gefallen habe und nachdem er mitbekommen hat, dass er auch noch schwul sei, könnte er sich ein Leben an der Seite von Peter lebhaft vorstellen. Ich meinte, was ihr beide in eurem Privat­leben anstellt, geht mich eigentlich nichts an, solang die Arbeit nicht darunter leidet. Wenn er dir so gutgefällt, dann sprich ihn doch offen und ehrlich darauf an, selbst mit einer Absage wirst du sicher gut zurechtkommen. Er verabschiedete sich bis morgen früh und ich ging hoch zu Thomas und Bernhard.

Wir saßen noch eine Weile zusammen im Wohnzimmer und unterhielten uns über die Verhandlungen am Abend. Thomas meinte, dass der Deal schon so gut wie gelaufen sei, da ich die Firma als eigenständiges Unternehmen weiter betreiben will. Bernhard meinte dazu, ich solle langsam auf die Bremse treten, denn wenn ich weitere Unternehmen aufkaufe, dann sei er zu­künftig nur noch mit den Digitalisierungsprojekten und alten Akten beschäftigt.

Ich erklärte Bernhard, dass ich nicht plane kurzfristig weiter kleinere Betriebe aufzukaufen. Das Unter­nehmen von G. Bauer sei da eine Ausnahme, da die Firma schon seit Jahren erfolgreich mit der J. Graf GmbH zusammenarbeite und ansonsten von einer Schließung bedroht gewesen wäre.

So gegen zehn Uhr meinte ich, dass ich jetzt rasch ins Bett ver­schwinde, heute sei es schon etwas stressig gewesen und den Rest der Woche wird es sicher nicht viel besser werden.

 

Thomas schloss sich mir an und gemeinsam verschwanden wir zuerst im Bad, wo Thomas noch einfiel, dass er mir noch etwas sagen wollte, Jens sei heute bei ihm im Büro gewesen und hat ihm erklärt, dass sie unser Angebot hinsichtlich der Wohnung an­nehmen und Marion als weitere Sozialarbeiterin am Gutshof mitarbeiten will.

 

Sie sei von deinem Angebot restlos über­zeugt, selbst wenn sie manchmal nachts raus müsste. Vor allem, dass sie am Gutshof wohnen und gleichzeitig arbeiten kann, empfindet sie als hervorragende Kombination, da sie so auch ihren Verpflichtungen als Mutter leichter nachkom­men kann.

 

Ich meinte zu Thomas nur, alles andere als eine Zusage hätte mich überrascht, ich war von Anfang an überzeugt, dass ich sie mit diesem Angebot für den Wiedereinstieg ins Berufsleben begeistern könne.

 

Da wir im Bad fertig waren gin­gen wir in unser Schlafzimmer. Ich hörte nur noch, wie Bernhard ins Bad ging und kurz danach war ich schon im Land der Träume.

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