Solarplexus Manipura – Teil 10

„Doch, das hast du … und es ist ja auch wahr.”

Geknickt ging er an den Tisch zurück, schüttelte sich eine Zigarette aus der offenen Schachtel und steckte sie zwischen die Lippen. Er blinzelte und stockte kurz, bevor er sie anzündete.

„Verdammt! warum hatte ich das bloß gesagt?!” Ich machte mir große Vorwürfe deswegen und kam fast ängstlich zu ihm an den Tisch.

Er sagte gar nichts, sondern setzte sich hin und nahm seine Tasse zur Hand. Er hatte von Anfang an dieselbe Angewohnheit wie auch ich gehabt und beobachtete immer seinen Kaffee, wenn er in Gedanken war.

„Es tut mir wirklich leid, Kay … bitte … du weißt, dass mich das nicht stört. Ich hab keine Ahnung, wie ich sowas sagen konnte.”

Zwar versuchte Kay ein Grinsen aufzusetzen, aber an seinen Augen konnte ich deutlich erkennen, wie sehr ich ihn verletzt hatte. Ich näherte mich ihm weiter an und kniete vor ihm nieder. Dann begann ich seine Hand zu streicheln und fragte leise: „Kannst du mir den dummen Spruch verzeihen?”

„Klar, halb so wild”, meinte er und nahm einen tiefen Zug an seiner Zigarette. „Ich mein, ich war ja eigentlich auch immer so … mir konnte es nie schnell genug gehen…”

„Aber … so ist es doch gar nicht…”, widersprach ich. Dachte er wirklich, es könne mir nicht schnell genug gehen? Ausgerechnet mir?

„Bastian … es ist doch okay. Is schließlich was ganz normales.”

„Für mich nicht…”, flüsterte ich gekränkt.

Als Kay meinen traurigen Blick bemerkte, wirkte er im ersten Moment sehr erschrocken und dann auch sehr schuldbewusst. „Bastian, jetzt muss ich mich entschuldigen. Ich hab das nicht so gemeint, dass es mit dir nichts Besonderes wäre.” Gestresst strich er seine Haare aus der Stirn und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „Ich meinte nur … ich kann es verstehen, wenn du langsam mal mehr mit mir erleben möchtest…”

Mit dem Versuch, meine Traurigkeit zu überspielen, stand ich wieder auf, nahm ihm einfach seine Tasse aus der Hand und stellte sie auf den Tisch. Wortlos setzte ich mich auf seinen Schoß und umarmte ihn fest. Auch er legte seinen freien Arm um mich. Ich dachte gerade noch, ich sollte nicht jedes Wort so überbewerten, als Kay seinen Kopf an meine Schulter lehnte und ich Feuchtigkeit spürte. Erschrocken sah ich ihn an.

Er weinte, versuchte das jedoch vor mir zu verbergen und die Tränen wegzuwischen. Weil er aber aufpassen mußte, um sich nicht mit seiner Zigarette anzukokeln, gelang ihm das nicht wirklich. Also verzog er nur seine Lippen zu einem Grinsen und schüttelte den Kopf, als ich etwas sagen wollte.

Er atmete tief durch und meinte dann lächelnd: „Komm, lass uns das vergessen …” Ich nickte nur stumm und er ließ mich von seinem Schoß rutschen. Meine gute Stimmung war schlagartig verflogen und ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen. Dieses wurde noch stärker, als Kay aufstand und ohne ein weiteres Wort im Haus verschwand. Erst wollte ich ihm folgen, doch ich traute mich einfach nicht. Er hatte zwar meine Entschuldigung sofort angenommen, aber ich wusste, dass er sehr verletzt war. Ich begann mich selbst fertig zu machen und gab Rolf in einem Punkt recht: Ich war, genauso wie er immer gesagt hatte, ein totaler Versager. Nichts konnte ich richtig machen, war einfach zu blöd dazu. Als ich noch mit ihm zusammen gewesen war, hatte ich mich bemüht alles richtig zu machen. Anfangs weil es mir wichtig war, später dann weil ich Angst vor ihm hatte. Ein solcher Spruch zu Rolf und er hätte mich vermutlich krankenhausreif geschlagen. Nie und nimmer hätte ich mich zu so einer Aussage hinreißen lassen.

Aber warum dann bei Kay? Warum hatte ich nicht nachgedacht, bevor ich so einen dummen Satz sagte? Immer und immer wieder hatte ich ihm versichert, dass es mir nichts ausmachen würde … dass ich auf ihn warten könne. Er hatte mir das lange nicht geglaubt und erinnerte an seine Vergangenheit. Er hatte ja nahezu in jeder Stadt eine andere Freundin gehabt und da er immer recht schnell weiter gezogen war, hatte er nie was anbrennen lassen. Irgendwie war er dem Gedanken verfallen gewesen, dass es immer so schnell gehen müsse.

Bei mir hatte er zum ersten Mal erlebt, dass dem eben nicht so war. Dass es genauso schön sein konnte, sich nur in den Armen zu liegen und miteinander zu kuscheln. Und das taten wir auch ausgiebig. Seit wir zusammen gekommen waren, hatten wir noch nie richtig miteinander geschlafen. Zwar hatten wir per Hand schon öfter Spaß miteinander gehabt und er hatte mich manchmal auch an sich heran gelassen, aber zu mehr hatte er sich bisher nicht bereit gefühlt. Er wollte nicht, dass ich ihn mit dem Mund verwöhnte, genauso wenig wie er das bei mir tun wollte. Doch das musste er ja auch gar nicht. Ich liebte ihn wie keinen Mann zuvor und ich genoss es einfach, mit ihm zusammen sein zu können. War dankbar um jede Minute, die er mir schenkte. Dass solch eine Situation auch für mich etwas ganz neues war, musste ich ihm eigentlich auch gar nicht mehr lange erklären. Ich hatte ihm nach und nach immer mehr über die Beziehung zu Rolf erzählt und auch, wie Rolf zu dem Thema stand. Er hatte sich immer genommen, was er wollte, eben auch körperlich. Dabei war es ihm nicht wichtig, ob ich das nun auch so wollte… nach und nach hatte ich sogar den Eindruck, als würde es ihm besonders viel Spaß machen, wenn ich keine Lust hatte.

 

In meinen Gedanken versunken merkte ich gar nicht, wie viel Zeit schon vergangen war, aber ein Blick auf die Uhr zeigte mir erschreckend, dass Kay schon fast eine Viertelstunde nicht mehr aus dem Haus gekommen war. Besorgt wollte ich nach ihm sehen und suchte das gesamte Erdgeschoss ab, allerdings erfolglos. Also stieg ich die Treppe nach oben und setzte dort meine Suche fort. Im Schlafzimmer hatte ich ihn dann endlich gefunden. Kay stand von der Tür abgewandt mit einer Zigarette am Fenster und schaute gedankenverloren in die Ferne.

Leise trat ich auf ihn zu und umarmte ihn von hinten. Er umklammerte sofort mit seiner freien Hand die meine. Diese einfache Berührung tat so unendlich gut und ich schloss meine Augen, als ich mich an seinen Rücken lehnte. Leise flüsterte ich: „Möchtest du darüber reden?”

Kay drehte sich langsam zu mir um und sah mich nur stumm an. Dann nahm er noch einen Zug von seiner Zigarette, bevor er sie im Aschenbecher ausdrückte und antwortete nur: „Mach dir keine Sorgen.”

Den ganzen Nachmittag über war er sehr still gewesen. Er hatte durch sein Verhalten zwar klar gemacht, dass er nicht böse auf mich war, aber ihn so traurig und nachdenklich zu sehen, tat dennoch weh.

Um achtzehn Uhr fragte ich Kay zum fünften Mal schon, ob ich das Treffen nicht lieber absagen solle. Er antwortete mit einem nun ärgerlichen Blick: „Sebastian, wie oft willst du mich das denn noch fragen?” und verschwand gleich ins Bad, wo ich Sekunden später das Wasser der Dusche hören konnte.

Ich war bei Kay’s Reaktion ängstlich zusammen gezuckt, was er aber nicht mitbekommen hatte. Seine Stimme hatte so abweisend geklungen, er hatte meinen vollen Namen ausgesprochen und er hatte mich noch nicht einmal angesehen. Tränen liefen mir über das Gesicht, als ich mich an die vielen Abende erinnerte, an denen Rolf sauer auf mich gewesen war. Er hatte mich dann immer mit Nicht-Beachtung gestraft und egal, was ich machte, ich konnte es ihm nicht recht machen. Nicht selten war ihm auch die Hand ausgerutscht oder Schlimmeres. Ich sank bei diesen Gedanken weinend auf den Boden und fühlte mich unglaublich schwach. Ich konnte keine Geräusche aus dem Bad mehr hören, bemerkte auch Tammo kaum, der schwanzwedelnd um mich herum strich. Wieso mußte ich immer alles falsch machen? Immer wieder stellte ich mir die gleiche Frage, begann mit den Händen zu ringen und kratzte an der schon verheilten Narbe an meinem Handgelenk herum. Obwohl die Wunde längst zugewachsen war, war die Haut darüber sehr empfindlich und dünn. Viel zu oft hatte ich mir an der Stelle selbst Wunden zugefügt. Ich merkte nicht, wie ich die Haut dabei aufraute, merkte nicht, wie ich mein Handgelenk blutig kratzte.

„Mein Gott, Bastian, was machst du denn?”, vernahm ich wie aus weiter Ferne eine bekannte Stimme.

Erst als ich hochgezogen wurde, kam ich wieder zu mir und schaute verweint zu Kay auf. „Komm, wir müssen da was drauf machen.”, meinte er und ich blickte verwirrt auf mein Handgelenk, wo aus der alten Narbe das frische Blut tropfte.

Eilig wurde ich von Kay ins Bad gezogen, wo er meinen Arm unter das laufende Wasser hielt und dann die Wunde abtupfte. Dann holte er aus dem Schränkchen Verbandszeug und umwickelte mein Handgelenk damit. „So, das dürfte reichen”, flüsterte er und sah mich forschend an. Seinem Blick konnte ich nicht standhalten und senkte meine Augen beschämt. Er aber hob sanft mein Kinn an, sodass ich ihn ansehen musste. „Bastian, es ist alles in Ordnung.” Etwas leiser fügte er hinzu: „Ich liebe dich!” und zog mich in seine Arme.

Ich begann wieder zu schluchzen und stotterte: „Kay, es tut mir so leid … ich wollte dir doch nicht weh tun…!”

„Pssst … Bastian … es ist alles in Ordnung … wirklich”, flüsterte Kay und wiegte mich sanft in seinen Armen. Nur langsam konnte ich mich wieder beruhigen, doch schließlich versiegten meine Tränen und ich sah ihn ängstlich an. Er lächelte und strich eine Haarsträhne, die mir ins Gesicht gefallen war, zurück und küsste dabei wie so oft meine Nasenspitze.

„Bastian … ich meine das ernst. Ich liebe dich abgöttisch und könnte dir doch niemals wegen nem dummen Spruch so böse sein, dass sich an meinen Gefühlen etwas ändern würde.”

Etwas schniefig blickte ich zu ihm auf, konnte aber nichts dazu erwidern, so sprach er eindringlich weiter: „Aber ich kann durchaus sehr böse werden, wenn du sowas machst…” und zeigte dabei auf mein verbundenes Handgelenk. „Geht es wieder?”

Beschämt nickte ich erst nur, konnte mich dann aber wenigstens zu einem „Ja.” durchringen.

„Lass uns losfahren, hm? … du solltest ein bisschen auf andere Gedanken gebracht werden und du weißt, wie sehr sich deine Freunde auf dich freuen.”

Ich nickte zaghaft und ließ es zu, dass er mich mit nach unten zog. Kay schnappte sich seinen Schlüssel und bedachte mich noch einmal mit einem besorgten Blick: „Hey, der Abend wird bestimmt schön. Und wegen mir mach dir mal keine Gedanken. Es ist wirklich alles in Ordnung, hm?”

Ich lächelte unsicher, nahm seine Hand, die er mir entgegen streckte, aber dankbar an. Er hatte ja recht mit dem was er sagte und langsam machte sich die Erleichterung in mir, dass alles okay war, breit.

~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~~*~*~

Bereits eine halbe Stunde später waren wir an dem Billardcafé angekommen und saßen noch eine Weile im Auto. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich da wirklich hinein wollte und zögerte damit, auszusteigen. Schließlich meinte Kay: „Bastian, sieh mich mal an”, und ich tat, wonach er verlangte. Zwar sehr schüchtern, aber immerhin: ich sah ihn an.

Er lächelte sanft und versuchte, mir Mut zu machen: „Du wirst sehen, es wird bestimmt sehr schön werden.” Als ich nur mit einem zweifelnden Blick nickte, legte er seine Hand in meinen Nacken und zog mich näher zu sich heran. „Ganz bestimmt”, flüsterte er noch und küsste mich dann zärtlich auf die Lippen. Sein Kuss tat so gut, nachdem ich Stunden zuvor so einen Mist gebaut hatte und ich erwiderte ihn zögernd. Am liebsten wäre ich aber trotzdem mit Kay im Auto sitzen geblieben, dachte ich lächelnd, während wir uns noch immer küssten.

Als ich mich endlich überwinden konnte, stiegen wir beide aus dem Auto und Kay drückte mich noch mal kurz, bevor wir Hand in Hand auf die Eingangstür des Billardcafés zugingen.

Ich musste schon noch einmal tief durchatmen, bevor wir den Raum betraten und wäre schon nach ein paar Meter am liebsten wieder rückwärts raus.

Das Café war beinahe total überfüllt und ich sah im ersten Moment nur fremde Gesichter. Als sich uns nach und nach immer mehr Blicke zuwandten, bekam ich ein mulmiges Gefühl … ich dachte sofort nur feindliche Blicke zu erkennen, als wir eindeutig als Paar erkennbar das Café betraten und wurde auch ein wenig ängstlich. Kay ließ sich da gar nichts anmerken, also wusste ich nicht, ob ich mir das alles nur eingebildet hatte.

Nervös ließ ich meinen Blick über die Gesichter der Besucher schweifen und suchte nach meinen Freunden, die ich dann auch im hinteren Teil des Raumes entdecken konnte. Sie hatten sich bereits einen der Billardtisch nahe der Bar reserviert, was wohl vorausschauend gewesen war, da bereits alle übrigen neun Tische belegt waren.

Die Bar am gegenüberliegenden Ende des Raumes schien ebenfalls gut besucht zu sein, jedoch verteilten sich die meisten Besucher direkt an den Spieltischen und den dazu gehörigen Sitzgruppen.

Ich musste grinsen, als uns Matthias, mit dem ich auch mittags gesimst hatte, als erster entdeckte und wild mit seinem Queue winkte. Natürlich flogen dadurch erst recht sämtliche Blicke in unsere Richtung und ich spürte, wie mein Gesicht nun endgültig mächtig heiß wurde. Sicherlich hätte ich es in diesem Moment mit jeder überreifen Tomate der Stadt aufnehmen können. Kay’s Hand hatte ich aber dennoch nicht losgelassen, auch wenn wir dafür das eine oder andere teils angewiderte Kopfschütteln ernteten.

„Hey Basti, altes Haus … auch mal wieder im Lande?”, wurde ich dann auch gleich fröhlich von Matthias begrüßt, als wir an „unserem” Tisch angekommen waren.

Ich wurde von allen durch stürmische Umarmungen begrüßt und fühlte mich sofort wieder wohl im Kreis meiner Freunde. Es schien keiner ernsthaft böse auf mich zu sein und auch diese kalte Distanz, die insgeheim erwartet und vor der ich mich gefürchtet hatte, stellte sich nicht ein. Es war ganz so, als hätten wir uns erst letzte Woche gesehen und als wäre keine so lange Pause dazwischen gewesen.

Strahlend stellte ich ihnen dann Kay vor, der mit einem Mal fast schüchtern wirkte. Seine Zurückhaltung legte sich aber schnell, als er merkte, wie freundlich auch er aufgenommen wurde.

Wir hatten uns natürlich erst mal sehr viel zu erzählen, schließlich gab es viel Nachholbedarf und so saßen wir die erste Stunde einfach nur an der Bar zusammen und ließen das letzte Jahr Revue passieren. Ich hielt mich da etwas außen vor, weil ich nicht unbedingt von der Zeit mit Rolf erzählen wollte und ließ den anderen den Vortritt. Kay wurde natürlich gnadenlos ausgefragt und er meinte mittendrin mit einem Lachen: „Ich hätte wohl doch meinen Lebenslauf mitnehmen sollen.”

„Lebenslauf? Wir hätten mindestens ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Bankauskunft UND einen Lebenslauf erwartet. Schließlich willst du unseren Basti haben”, entgegnete Matthias frech und zwinkerte Kay gelassen zu. „Aber fürs erste sind wir mit seiner Wahl einverstanden”, fügte er großzügig hinzu.

Dann ließ Matthias aber von Kay ab und meinte grinsend: „So, und wer will nu’ als erster gegen mich verlieren?”

Ich lachte und nahm die Herausforderung gerne an. Wir spielten im Doppel: Kay und ich gegen Matthias und Daniel. Thomas setzte dafür eine Runde aus und machte es sich an der Bar gemütlich, während unser großer Kampf begann. Leider hatte ich mich anfangs noch etwas unbeholfen angestellt, denn immerhin hatte ich seit beinah einem Jahr schon nicht mehr gespielt und so war ich auch gleich für ein paar Minuspunkte verantwortlich.

„Na Basti, wohl nimma ganz fit, was?”, meinte Daniel scherzhaft und ich zuckte nur grinsend mit den Schultern. Was mich jedoch sehr überraschte, waren Kay’s Spielkünste. Er versenkte eine Kugel nach der anderen im richtigen Loch und glich so meine vielen Fehlstöße aus. Zwei Stunden sowie einige Mixgetränke und viele Lacher später gingen wir schließlich mit 3:2 in Führung und ich fragte Kay angeheitert fröhlich: „Wie machst du das nur? Seit ich dich kenn, hast du kein einziges Mal Pool gespielt.”

„Tja mein Lieber, ich hab ja nicht überall gleich nen Job bekommen. Und da kann man mit solchen Sachen einiges verdienen.”

„Hah! Daher weht also der Wind”, rief Matthias in meine Richtung lachend, „du lässt uns hier eiskalt gegen einen Profispieler verlieren. Das hätte ich ja niemals von dir erwartet.”

Ich kicherte nur, meinte dann aber: „Leute, ich brauch ne Pause.” Meinen Queue reichte ich an Thomas weiter, der nun statt meiner mit Kay spielte. Ich selbst setzte mich an die Bar, bestellte einen weiteren, diesmal nicht alkoholischen, Cocktail und beobachtete, wie nun Kay und Thomas das andere Team in Grund und Boden spielten. Verträumt ließ ich meine Blicke auf Kay ruhen, beobachtete, wie er äußerst konzentriert den Queue anlegte, um dann zielsicher zuzustoßen. Auch wenn er viel lachte und mit den anderen rumalberte, so fixierten seine Blicke trotzdem immer den Tisch. Bei jedem Zug hatte er vorher kurz abgewogen, welche der Kugeln am günstigsten lag und hatte diese dementsprechend angespielt.

Ich mußte zugeben, es faszinierte mich, ihm dabei zuzusehen und ich war ständig nur am verliebt lächeln. Zwischendurch kam Matthias zu mir an die Bar und beobachtete mit mir zusammen unsere Freunde.

Kay sah wieder mal zum Anbeißen aus, so komplett in weiß gekleidet… Ein enges weißes Shirt zu einer etwas weiter fallenden weißen Hose. Seine Haare hatte er in einem Zopf gebändigt, wodurch die weißen Strähnen darin sehr betont wurden.

Meinem Kumpel war wohl aufgefallen, was in mir vorging und meinte grinsend: „Dich scheint’s ja mächtig erwischt zu haben” und auf einen überraschten Blick meinerseits hin fügte er hinzu: „Ich find ihn echt ok, der is ned so’n arrogantes Arschloch wie dein letzter. Echt, ich finde ihr passt super zusammen.”

Ich strahlte Matthias regelrecht an, als er das gesagt hatte. Wusste ich doch, wenn EINER der Clique das so sah, dann konnte man getrost davon ausgehen, dass die anderen das genauso sehen würden. Und es war ein schönes Gefühl, das zu wissen. Lange genug hatte ich Freunde und Freund trennen müssen, hatte meine Freunde aufs Gröbste vernachlässigt. Ich war froh, nie mehr in solch eine Zwickmühle kommen zu müssen, dass ich mich zwischen meinem Freund und meinen Freunden hätte entscheiden müssen.

Matthias klopfte mir noch zwinkernd auf die Schulter und beeilte sich dann, wieder an den Tisch zu kommen, als er an der Reihe war.

Ich hatte mich gerade zu meinem Getränk, das auf der Bar gestanden hatte umgewandt und wollte gerade daran nippen, als mich plötzlich jemand von hinten ansprach.

Ich erstarrte und mir wurde gleichzeitig heiß und kalt. Meine Hände zitterten, ich spürte Übelkeit in mir aufkommen.

Ich hatte die Stimme sofort erkannt …

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