Das Boycamp I – Teil 4

Mirko stammelte irgend etwas vor sich hin und lief zu seinem Zelt, gefolgt von Alexanders ungläubigen Blicken.
» Was hat er angestellt? « wollte er wissen.
» Erklären wir dir später « antwortete Stein.
Kurz darauf bahnte sich ein Taschenlampenlicht den Weg durch den Tannenwald zum Camp.
» Hallo Falk. Wo ist das Früchtchen, wegen dem ich mir die Nacht um die Ohren schlagen muss? « fragte Leo Meier.
» Er kommt gleich. Fahr ihn bitte nach Hause, wir können ihn nicht die Nacht über am Bahnhof abstellen. «
» Nach Hause? Wo wohnt er denn? «
» Bückeburg. «
» Puh, Glück gehabt. Das ist ja nur ne Stunde Fahrzeit. «
Wenig später kam Mirko gebeugt mit seinem Rucksack an die Feuerstelle.
» Komm, wir fahren gleich. Möchtest du dich noch verabschieden? « fragte Leo trotz allem ruhig.
» Nein « sagte Mirko trotzig und folgte Leo anschließend in den Wald.
Nico tat Mirko irgendwie leid, aber es war besser so. Er würde den Jungen eh nie wieder sehen.
» Was ist passiert? « fragte Erkan, der sich neben ihn setzte.
Nico sah ihn an. Schön war er, angeleuchtet vom Feuerschein. Diese glänzenden schwarzen Haare und das Funkeln in den Augen.
Er lehnte seinen Kopf an Erkans Schulter, irgendwie war ihm zum heulen zumute. Dummerweise schnappte Nico nun auch noch einen verführerischen Duft auf. Erkan roch gut.
Beiden war egal dass Stein sie musterte.
» He Kleiner, was ist denn los? « fragte Erkan und streichelte ihm über die Wange.
» Frag nicht, bitte. Ich find es schön wenn du mich so berührst. «
Nun standen ihnen auch Alexander, Manuel und Lucas gegenüber. Wortlos setzten sie sich auf den Boden und sahen sich an.
» Wird ja ne richtige kleine Familie hier « gab Lucas von sich, » aber warum musste Mirko gehen? «
» Er hat… er versuchte, mich zu.. ach lasst es. «
» Hat er dir was getan? « fragte Erkan.
» Nun, nicht direkt. Er hat mich.. bitte, fragt nicht weiter. «
Es war spät geworden, das Feuer abgebrannt und nur noch die heiße Glut warf ein rötlich schimmerndes Licht auf den kleinen Platz. Die anderen Jungen waren inzwischen in ihren Zelten verschwunden, nur Nico saß noch da und starrte in die Glut.
Stein setzte sich neben ihn. » Willst du nicht auch schlafen gehen? Es geht morgen schon um sechs Uhr weiter. «
» Nein, ich bin noch nicht müde. Ob ich hier sitze oder da drin liege – ist ja gleich. «
» Kann ich dir irgendwie helfen? «
Nico schüttelte den Kopf.
» Übrigens, es wäre machbar dass Stefan zu dir kommt. Allerdings, dann müsste Manuel zu Alexander umziehen und ob der das möchte… «
Nicos Gesicht hellte sich auf. » Wirklich? «
» Kompromisse werden wir wohl auch in Zukunft machen müssen. Nur werden wir auch da nicht über die Köpfe hinweg zu entscheiden. Du müsstest Manuel schon fragen, zwingen werden wir niemanden. «
» Tu ich, ich frage ihn « sagte Nico und sprang auf.
Er klappte den Eingang zum Zelt hoch und sah – nichts. Es war so stockfinster in dem kleinen Zelt, dass er nicht einmal ahnen konnte wo Manuel lag. Auf allen vieren tastete er sich vorsichtig am Boden entlang, bis er Manuels Füße im Schlafsack spüren konnte.
Der seufzte verschlafen. » Was machst du denn da? «
» Dich suchen. «
» Hast mich ja gefunden « grummelte er leise.
» Du, Manuel? «
» Was gibt’s? «
» Ich.. äh.. also der Stefan aus dem anderen Camp, der ist alleine im Zelt und ich.. naja, wir würden die Tage gern zusammen.. «
» Brauchst nicht weiterreden, hab verstanden. Aber, wo bitte, soll ich dann hin? «
» Mirko ist ja nun weg… «
» Also zu Alex? «
» Ja. «
» Gut, von mir aus. «
» Echt? «
» Ja, morgen. Lass mich jetzt bitte schlafen, ich bin todmüde. «
Nico beugte sich über Manuel, tastete sein Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
» Dass ihr Tucken immer gleich küssen müsst « murmelte Manuel und zog sich den Schlafsack über den Kopf.
Nico zog sich aus und schlüpfte in seinen Schlafsack.
Der Tag zog im Eiltempo an ihm vorüber, einzelne Situationen wiederholten sich, dann sank er in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Ein Piff jagte ihn hoch. Durch das kleine Fenster am Eingang des Zeltes fiel dämmriges Licht.
» Aufstehen « rief Stein laut und quer in den Wald.
Müde rieb sich Manuel die Augen. » Das ist es, wovor ich mich gefürchtet habe « brummte er. » Wecken, mitten der Nacht. «
Nico legte den Kopf in die Arme. » Tja, ich mich auch. «
Nico stand auf und klappte einen Zeltflügel beiseite und schwüle Luft schlug ihm entgegen.
Sie suchten ihre Waschbeutel zusammen und Nico fand es erstaunlich, welches Chaos in kurzer Zeit in so einem Zelt entstehen konnte.
» Kalt « murmelte Manuel plötzlich.
» Was ist kalt? «
» Wetten, dass das Wasser in dem Wagen wieder saukalt ist? «
Nico grinste. » Schon möglich. «
Sie krabbelten aus dem Zelt, Nico streckte sich und sah in den Himmel. Und er stutze.
» Ist was da oben? « fragte Manuel, der Nicos starren Blick bemerkt hatte.
» Manuel, ich weiß nicht. Es ist um diese Uhrzeit viel zu warm. Und diese Federwolke da oben.. «
Manuel sah nach oben. » Und, was ist mit der? Gute Güte, eine kleine Wolke am blauen Himmel. Die ist doch harmlos. «
» Ja ja, die schon, aber nicht das was dann.. Hast du ein Handy womit man ins Internet kann? «
» Ja, aber das ist schweineteuer. «
» Ich zahl es dir. Gib mir dein Handy, bitte. «
Manuel zog ungläubig die Schulter hoch, kroch ins Zelt und hielt Nico sein Handy hin.
Nico wusste wie man mit diesem Handytyp umging und wenig später klickte er sich durch einige Seiten.
» Oh, nicht gut « flüsterte er.
» Du sprichst permanent in Rätseln. Was ist denn nicht gut? «
» Ich erkläre es dir später. «
Nico holte sein eigenes Handy und tippte hastig eine SMS.
Dann gingen sie zu dem Sanitärwagen, in dem sich zwei winzige Duschen, ein kleines Waschbecken mit Spiegel und Toiletten befanden.
Eine Dusche lief bereits, Lucas pfiff leise vor sich ihn. Durch den Vorhang war nur vage seine Kontur zu erkennen.
Manuel sprang unter die andere Dusche und schrie wie üblich auf.
» ICH-HASSE-KALTES-WASSER!! «
Erkan und Alexander kamen nun ebenfalls in den Wagen.
» Morgen zusammen « rief Alex.
» Meine Güte, wie kann man um die Uhrzeit so fröhlich sein « rief Manuel unter der Dusche hervor, schüttelte den Kopf und jammerte weiter. » SCHEIß KALTES WASSER – SCHEIß KALTES WASSER.. «
» Nicht jeder ist ein Morgenmuffel « entgegnete Alex laut.
» Na Jungs, gut gepennt? « fragte Erkan, sein Blick fiel auf Nico.
» Schon, aber das Ende ist jedes Mal grauenvoll « rief Manuel aus der Dusche.
Lucas stellte das Wasser ab, zog den Vorhang zurück – und merkte erst jetzt, dass er sein Geheimnis nun preisgegeben hatte. Fast zwanzig Zentimeter baumelten zwischen seinen Beinen und alle starrten ihn an.
» Scheiße « fluchte er und griff nach seinem Handtuch.
» Mein lieber Schwan. Jetzt ist klar warum du dich so zierst. Aber he, so ein langes Ding ist doch kein Grund. Kannst stolz sein.. « sagte Nico.
Lucas wurde feuerrot. Hätte es ein Loch gegeben, egal wie klein, er wäre sofort hineingeflitzt.
Erkan schüttelte bewundernd den Kopf. » Hab ich ja noch nie gesehen sowas. Hey Lucas, kann ich ein paar Zentimeter davon abhaben? «
» Lasst mich in Ruhe « fluchte Lucas, wickelte sich das Handtuch um die Hüfte und stürmte mit immer noch hochrotem Kopf an ihnen vorbei aus dem Wagen.
Mit halboffenen Mündern sahen sie ihm nach.
» Möchte mal wissen wie lang der ist wenn’s da mal zur Sache geht.. «
» Erkan! « Nico blickte künstlich ernst drein.
» Schon gut « winkte er ab.
Erkan zog sich unbefangen nackt aus und stieg unter die Dusche. Er drehte am Wasserhahn und stöhnte kurz auf.
Nico ging zu der Dusche hin und zog den Vorhang auf. » Sag mal, wer war denn zuerst hier? Gibt’s nen Grund sich vorzudrängeln? «
» Oh, tschuldigung. Kannst aber gern reinkommen. Für deinen schlanken Body ist noch Platz « grinste Erkan.
Nico wurde rot. » Nee, mach mal. «
» Du, ich hätte aber nichts dagegen wenn mir jemand den Rücken schrubbt. «
Nico strauchelte, wie schon so oft hier. Erkan meinte es aber scheinbar ernst und mit ihm unter einer Dusche – ein Traum für bestimmt tausend schwule Kids.
» Schön, du hast es so gewollt « sagte Nico, streifte seinen Slip herunter und stieg unter Alexanders ungläubigen Blicken zu Erkan in die Kabine. Er zog den Vorhang zu und das kalte Wasser ließ ihn zunächst bibbern.
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Erkan ihn am Hals packte, zu sich zog und leidenschaftlich auf die Lippen küsste. Sofort spürte Nico seinen Schwanz anschwellen und kurz darauf spürte er Erkans Hand da drauf.
» Endlich « hauchte Erkan und begann, Nicos Eichel sanft einzuseifen.
Nico traute sich erst nicht, es ihm nachzutun. Aber schließlich hatte er ja auch davon geträumt diesen Jungen einmal anzufassen. Er nahm den halbsteifen Schwanz in die Hand und drückte gefühlvoll zu.
» Hui, das is richtig geil. «
» Erkan, nicht… ich denke du bist nicht schwul..«
Aber es war zu spät, viel zu lange war sein letzter Orgasmus her. Die Gefühle übermannten ihn. Erkans Schwanz wurde Steckensteif in seiner Hand und Erkan rieb seinen so zärtlich wie er es nicht für möglich gehalten hatte.
Er konnte es nicht hinauszögern, krümmte sich kurz und spitzte sein Sperma in Erkans Hand. Viel zu schnell war alles vorüber.
Er ließ Erkan los und atmete heftig. Mit glasigen Augen sah er Erkan an. » Du bist… «
» Was? «
» ..doch eine geile Sau. «
Erkan grinste.
Nico drückte ihn sanft weg. » Jetzt verrat mir verdammt noch mal was mit dir los ist. Freundin oder nicht? «
» Schon, aber sie ist eher sporadisch. Man kriegt sowas förmlich auf den Hals gedrückt in jungen Jahren. Bestimmung. Was weiß ich. Ich kann dir nicht sagen was mit mir los ist. Das eben grade.. es kommt nicht mehr vor..«
» Und jetzt? « hauchte Nico.
» Äh, wir haben noch knapp zehn Minuten. Wie wär’s mit ein bisschen Beeilung? « rief Alexander in den Raum.
» Ja, gleich « antwortete Erkan und spülte sich Nicos Samen von der Hand.
Manuel ging aus der Dusche und machte Alexander Platz.
» Mist, wir haben keine Zeit mehr « sagte Nico und sah, wie sich Erkans Schwanz langsam nach unten bog.
» Schön, aber das nächste Mal bin ich dran.. « flüsterte Erkan.
Nico sah an Erkan herab. » Ja. Du bist doch bloß scharf auf meinen Schwanz. «
» Hm, kann sein.. « flüsterte Erkan und knabberte an Nicos Ohrläppchen.
Sie stiegen aus der Dusche und trockneten sich ab, wobei Nico Erkans Körper noch einmal genau betrachtete. Eine Nacht mit ihm, mit allem drum und dran. In seinem Kopf rotierten die Ereignisse. Stefan. War der wirklich das was er wollte? Liebte oder begehrte er nur? Es begann ihm egal zu werden. Mitnehmen was die Jugend dir bietet, sagte er sich.
Nicos Handy, das er auf das Waschbecken gelegt hatte, piepte und er las er die Antwort auf seine SMS.
„Hi Nico,
96 über der Nordsee, fällt noch. Zug OSO, Trog 10 bis 12 Bft, Serfics 50 pM, Ankunft gegen 20 Uhr bei dir. Gruß Horst. Und geh in Deckung.“
Nico starrte auf den Text, wobei ihm Manuel über die Schulter schaute.
» Was soll denn das sein? « fragte Manuel.
» Das.. äh.. Sag mal, bist du immer so neugierig? Wo ist Stein? «
» Tschuldigung, ich hab’s nicht lesen wollen. Hab Stein drüben an dem Anhänger gesehen. Leo ist auch wieder da. «
» Schon gut « sagte Nico und eilte mit dem Handtuch um die Hüften zu den beiden hinüber.
» Oh, neue Kleiderordnung? « fragte Stein, während er Nicos musterte und biss in sein Brötchen.
» Haben wir einen Radio hier? « fragte Nico ohne Antwort im Gegenzug.
» Radio? Nee, so was kommt hier nicht mit. Warum, geht die Welt unter? «
» Wieso gibt’s hier keine Medien? Wenn da mal was passiert.. « fragte Nico sichtlich aufgeregt.
» Gott, was soll denn passieren? «
Nico stellte sich vor ihn und zeigte ihm den Text im Handy. Aufmerksam las Stein die Zeilen, schüttelte dann aber den Kopf.
» Tut mir leid, aber damit kann ich nichts anfangen. «
» Ist denn wenigstens in den Bussen ein Radio? « Nico wurde nervös. Wie auch konnte er erwarten dass Stein etwas von Wettervorhersagen verstand? Gut, der Text war ziemlich spezifisch..
» Nein. Wegen der Gebühren, die wir uns bei dem knappen Budget nicht leisten können. Aber darf man fragen was eigentlich los ist? Ihr solltet eigentlich längst zum Frühstück hier sein « gab Stein zum Besten.
» Herr Stein, so wie die Sache aussieht kommt ein Unwetter auf uns zu. «
» Unwetter? « Stein sah zu Meier und der zog die Schultern hoch.
» Merken Sie nicht, dass es schon so früh unerträglich schwül ist? «
» Klar, wird wohl ein Gewitter geben. Das haben wir aber schon Hundertmal erlebt. «
» Von der Nordsee kommt eine Kaltfront herein und die sollten wir nicht unterschätzen. «
» Ah, unser kleiner Wetterprophet. Also, ich schlage vor dass ihr euch jetzt hier zum Frühstück versammelt, der Kaffee wird nämlich kalt. Und ich denke das ist schlimmer als ein Gewitterchen. Was ist übrigens mit Manuel? «
Den hatte Nico in seiner Aufregung fast vergessen.
» Er würde zu Alex ins Zelt ziehen. «
» Na prima. Dann hast du ja was du wolltest. «
Dennoch erbost über Steins Ignoranz drehte sich Nico um und ging zum Zelt, während Stein zu seinem Handy griff.
Wenn Horst, einer seiner Freunde aus dem Wetterclub, recht hatte, braute sich etwas zusammen was man nicht unterschätzen durfte. Sein Blick ging nach oben. Die Federwolke von vorhin bekam Gesellschaft. Und sie zogen von Nordwesten heran.
Wenig später saßen sie auf den Baumstämmen um das erkaltete Feuer der letzten Nacht und ließen sich Brötchen und Kaffee schmecken.
Leo war wieder verschwunden, wahrscheinlich belieferte er auch die anderen beiden Gruppen mit Frühstück. So gesehen klappte die Organisation dieses Projekts hervorragend.
Dennoch fiel Nicos Blick immer wieder in den Himmel. Es ärgerte ihn, dass er von hier so wenig von ihm sehen konnte.
» So, meine Herren. Zum Ablauf dieses Tages… « wollte Stein beginnen.
Nico spürte eine Hand auf dem Rücken unter seiner Jacke. Erkan streichelte ihn, unbemerkt von den anderen, sanft auf der nackten Haut und es fühlte sich toll an.
Gebüsch raschelte, die Blicke aller gingen in die Richtung.
Völlig durchgeschwitzt stand plötzlich Stefan auf der Lichtung. Er strahlte dennoch förmlich, ließ sein Gepäck fallen und kam auf die Gruppe zu.
» Hallo zusammen. «
» Guten Morgen Stefan, « rief ihm Stein entgegen » das ging aber schnell. «
» Ja, ich hab mich beeilt. Bin gleich nach Ihrem Anruf losgelaufen. «
Nico huschte ein Lächeln über das Gesicht. Stefan schien einverstanden zu sein mit ihm die Tage hier zu verbringen.
Schlagartig zog Erkan seine Hand zurück.
» Gut, dann verstaue dein Gepäck, Nico wird dir zeigen wo. Und Manuel… «
» Ja ja, ich weiß Bescheid. «
Nico und Manuel standen auf und Stefan folgte ihnen.
» Beeilt euch « rief ihnen Stein noch nach.
Manuel kroch ins Zelt, Nico folgte ihm.
» Und du bist mir wirklich nicht böse? «
» Nein quatsch. Wir sind doch immer noch zusammen, halt bloß nicht in einem Zelt. Aber geb mir jetzt bitte nicht wieder einen Kuss. Einer pro Jahr reicht, okay? « Er grinste.
» Doch. « Und Nico tat es, auf Manuels Ohr.
Manuel schüttelte lächelnd den Kopf und raffte seine Sachen zusammen.
Stefan warf seinen Rucksack in das Zelt, als beide wieder herausgekommen waren.
» Das räum ich später ein « sagte er und lief mit ihnen zurück zum Lagerplatz.
» Also, dann noch mal « setzte Stein den Plan für den heutigen Tag fort.
Nico hörte nicht richtig zu. Immer wieder sah er verstohlen in den Himmel. Die Federwolken wurden immer mehr.
» Wir werden am heutigen ersten Tag den Zusammenhalt der Gruppe stärken. Dazu mehr wenn wir vor Ort sind. Kommt mir bitte nach. «
Stein stand auf und marschierte mitten in den Tannenwald.
Immer wieder mussten die Jungs ihr Gesicht vor dem Reisig schützen, der Schweiß rann ihnen nach wenigen Minuten überall herunter.
» Verdammt ist das heiß « stöhnte Manuel.
Nicos Herz klopfte. Die Zeichen waren zu eindeutig. Schon einmal hatte er ein richtiges Unwetter beim zelten erlebt und damals kam die Jugendgruppe grade noch rechtzeitig in Sicherheit. Hier draußen sah er dafür keine Chance. Er musste etwas unternehmen.
Nach einer halben Stunde kamen sie an einen kleinen Fluss, am Ufer ließ Stein Halt machen.
» So, Jungs. Eure erste Aufgabe ist es, diesen Fluss zu überqueren. Wie, das ist zunächst mal eure Sache. «
Der Fluss war etwa 15 Meter breit und floss gemächlich dahin, wie tief er war konnte man nicht sehen. Die Ufer waren flach und wurden auf beiden Seiten von ein paar hohen Pappeln gesäumt.
» Danke dass du dich für mich eingesetzt hast « flüsterte Stefan zu Nico.
» Kein Ursache. «
» Aber mir scheint, so richtig zu freuen scheinst du dich nicht « lenkte Stefan ein.
» Doch, doch, ich find’s auch Klasse « antwortete Nico.
Er spürte, dass Stefan ihm nicht glaubte. Zu sehr waren Nicos Gedanken bei Erkan, der etwas weiter neben ihm stand und das Gespräch nicht hören konnte. Er lauschte viel mehr Steins Anweisungen.
» Also, ihr setzt euch jetzt zusammen und tüftelt aus, wie ihr den Fluss trockenen Fußes überqueren könnt. Teamarbeit ist da gefragt. Und das Mittagessen sollte dann da drüben am anderen Ufer stattfinden! «
» Nico? «
» Ja Herr Stein? «
» Schreibst du auch alles auf? «
» Ja ja, klar. «
Nico zog seinen Schreibblock aus der Hosentasche und begann zu notieren.
Ein weiterer Blick in den Himmel ließ ihn jedoch sofort seine Pflicht vergessen. Von hier hatte er einen guten Blick nach Westen, und von dort wurde der Himmel allmählich weiß.
Eis, schoss es Nico durch den Kopf, pures Eis. Zehn Kilometer hoch begann der furchtbare Tanz des Wetters. Und Nico wusste was das zu bedeuten hatte: Unaufhaltsam schob sich das Sturmtief auf sie zu.

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