Die Familie – Teil 3

Kapitel I
Als Simon wach wurde, war er leicht verwirrt. Er nahm ein pochendes Geräusch wahr und merkte, dass sein Kopf stetig auf und ab glitt. Als er dann die Augen öffnete, sah er auch, woran das lag, und musste lächeln. Er befand sich immer noch in den Armen seines besten Freundes Max und betrachtete diesen beim Schlafen. Was sollte man sagen, Max sah einfach super süß aus, fast wie ein Baby. Simon glitt langsam von Max’ Brust und aus dem Bett. Er zog sich ein Shirt über, tapste so leise wie möglich aus dem Zimmer und schaffte es tatsächlich, den Raum, ohne, dass Max wach wurde, zu verlassen. Simon machte sich auf in die Küche, wo bereits ein Tablett mit Frühstück für zwei Personen stand.

Er nahm das Tablett auf und tapste wieder in sein Zimmer, um Max zum Frühstück zu wecken; dies allerdings ganz vorsichtig, indem er mit einem Finger zart über Max’ Brust strich. Dieser stöhnte leicht auf, und man sah unter der Decke eine Wölbung, was Simon grinsen lies.

„Max, aufwachen!” Max öffnete leicht die Augen und murmelte ein „Guten Morgen”.

„Also, weißt du, Großer, ich kann verstehen, was Marie so an dir schätzt!”, meinte Simon mit einem ziemlich dreckigen Grinsen.

Auf Max’ Gesicht machten sich dermaßen große Fragezeichen breit, dass Simon anfing zu kichern und dann zu lachen. Da er aber Max nicht im Ungewissen lassen wollte, hob er kurz die Decke auf Max’ Brust. Dieser sah, dass er eine, sagen wir, nicht gerade kleine, aber freundliche Begrüßung durch klein Maxe erfuhr, und darauf hin musste er auch grinsen.

„Bist ja nur neidisch…!”

„Ja, klar bin ich neidisch, ich könnt nämlich gerade wunderbar über dich herfallen!”

„Um Himmels Willen, du und deine schmutzigen Fantasien! Obwohl… du wärst auch eine Sünde wert!” Sprach’s und grinste.

Nun hatte Max allerdings einen ziemlichen Treffer gelandet. Simon wurde Tomatenrot und Max konnte sich nicht mehr halten vor lachen. So unbeschwert starteten die beiden in den Tag. Nach dem Frühstück gingen sie duschen, und auch, wenn man es kaum glaubt, aus blanker Gewohnheit sogar zusammen. Und diesmal konnte auch Simon seine ‚hebende’ Laune nicht verbergen.

Als die zwei Jungen fertig waren, beschlossen sie, erst einmal die Lage zu sondieren und zu schauen, wie das Wetter war, was Simons Eltern taten, und, was sie anstellen konnten, um den Tag rumzukriegen. Allerdings hatten sie hier die Rechnung ohne Simons Eltern gemacht. Um genau zu sein war das Haus leer, nur im Salon lag ein Zettel: Hallo Simon und Max, wir wollten euch nicht wecken, deswegen dieser Zettel. Wir mussten dringend weg.

Wenn ihr euch nützlich machen wollt, könntet ihr das Gästezimmer neben Simons Zimmer leer räumen und die Möbel in den Keller bringen. Näheres erfahrt ihr zum gegebenen Zeitpunkt. Seid schön fleißig. Mom & Dad
Nun war Simon doch ein ganz klein wenig verwundert, was das sollte. Aber gut, was soll man machen. Die beiden hatten sowieso nichts Besseres vor, und bevor sie ihre überschüssige Energie sonst wo abluden, konnten sie genauso gut das Zimmer ausräumen.

So vergingen Stunden, und es war bereits später Nachmittag, als die beiden Hunger bekamen und Simon in die Küche eilte, um etwas zu Essen zu machen, während Max weiter machte und das Zimmer ausräumte; eben die kleineren Sachen, die er alleine tragen konnte. Als er nach dem dritten Gang wieder nach oben kam, stand auf dem Tisch, der noch das Zimmer, neben dem Bett und einem großen Schrank, füllte, ein durchaus ansehnliches Essen. Simon grinste breit. „Wow, was hast du denn da gezaubert?” „Nix besonderes, ich dacht mir, etwas schönes Kräftiges sollte es sein, also hab ich ein Gulasch gekocht. Und zum Nachtisch gibt’s Tiramisu.” (Anm. d. Autors: Bitte keine Beschwerden, ich bin mir durchaus im Klaren, dass ein Gulasch nicht so schnell gekocht ist. Nennen wir es dichterische Freiheit oder, die Kunst eine Dose zu öffnen, den Inhalt zu erhitzen und das Ganze ansprechend zu servieren.) „Hehe, dann lass uns essen und dann den Rest in den Keller schaffen, deine Eltern kommen bestimmt bald.” „Ok.” So aßen sie gemütlich alles leer, bis kein einziger noch so kleiner Krümel übrig war. Simon räumte ab, während Max damit begann, den Schrank auseinander zunehmen und die Einzelteile herunter zu tragen. Als Simon nun wieder ins Zimmer kam, packte er gleich kräftig mit an, und gemeinsam schafften sie es, innerhalb von einer Stunde das Zimmer restlos leer zu räumen und alles ordentlich im Keller zu verstauen.

Da Gregor und Janette immer noch nicht eingetroffen waren, beschlossen sie, ins Kino zu gehen und sich den neuen Streifen mit Brad Pitt und Angelina Jolie anzuschauen. Auch, als die beiden aus dem Kino wieder nach Hause kamen, war von Simons Eltern noch nichts zu sehen, also gingen sie in die Küche, vertilgten einen kleinen Snack und machten sich bettfertig, um dann endlich in das weiche Bett zu sinken. Sie schliefen in der gleichen Haltung ein wie in der Nacht zuvor.
Kapitel II
Simon schlief gut, aber sehr leicht, sodass er sogar das Gemurmel vor seiner Tür mitbekam, wonach seine Tür geöffnet wurde. Gregor schaute ins Zimmer, murmelte etwas, das sich nach „Sie schlafen noch” anhörte und wollte gerade die Tür schließen, als Simon sich im Bett aufsetzte und seinen Vater anschaute. „Guten Morgen”, hauchte Simon, was sein Vater gern erwiderte. Dann winkte er ihn raus und flüsterte: „Komm doch bitte mal in den Salon!” Simon nickte nur, glitt leise aus dem Bett, um Max nicht zu wecken, und schlich seinem Vater hinterher in den Salon, wo auch seine Mutter wartete. Beiden war anzusehen, dass sie nicht sehr lange geschlafen hatten. Kein Wunder, es war gerade mal vier Uhr morgens, und er inklusive Max waren gerade mal um elf Uhr abends ins Bett gegangen. Seine Eltern waren da aber noch nicht einmal zu Hause gewesen.

„Guten Morgen, Mum, was ist denn los?”

„Guten Morgen, Simon, entschuldige, dass wir dir gestern nichts sagen konnten, aber wir mussten dringend weg. Kevin, der Junge, den wir adoptieren wollen, liegt im Krankenhaus, und da waren wir gestern. Der Einzug bei uns sollte eine Überraschung für dich werden und eigentlich morgen stattfinden, aber das haut nicht hin. Deswegen solltet ihr auch das Zimmer nach Möglichkeit leer räumen. Und ich war mehr als überrascht! Das Zimmer ist ja so leer wie nie! Selbst den Teppich habt ihr gleich entsorgt, und im Keller habt ihr auch alles ordentlich zurückgelassen.”

Simon war nun doch etwas perplex. Er hatte weder gewusst, dass sein neuer Bruder Kevin hieß, noch, dass dieser bereits morgen hätte einziehen sollen. Nun war ihm aber auch klar, was die ganze Aktion mit dem Zimmer gesollt hatte.

„Das war doch kein Problem, haben wir gern getan. Was hat Kevin denn?”

„Nun Simon, er wurde überfallen und ganz böse zusammengeschlagen. Die Polizei hat keine Ahnung, warum, und Kevin selbst auch nicht. Er wird noch ein paar Tage im Krankenhaus liegen und anschließend direkt zu uns kommen, ist das in Ordnung für dich?”

Simon war nur noch in der Lage zu nicken. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Er war absolut Happy und realisierte das auch gerade. Er lächelte und fiel seiner Mutter um den Hals. Und nun schaltete sich Gregor ein: „Simon, wir hätten da noch eine große Aufgabe für dich und Max. Wenn die Läden geöffnet haben, möchten wir, dass ihr beide ins Möbelhaus und den Elektrohandel fahrt, und das Zimmer neu einrichtet, im Jugendstil eben. Wenn Kevin dann noch was verändern möchte, kann er dies tun, aber ihn soll erst mal ein Zimmer empfangen, in dem er sich erholen kann, wenn er aus dem Krankenhaus kommt. Könntet ihr das tun?”

„Ja klar, Paps. Gar kein Problem. Ich werde Max so in etwa einer Stunde aus dem Bett holen, und beim Frühstücken überlegen wir, was alles gekauft werden muss.” „Ok, dann hab ich mich in dir also wirklich nicht getäuscht. Ihr nehmt dazu meine EC-Karte und könnt euch auch was gönnen, also keine Sorge. Wenn ihr was seht, was euch gefällt, nur keine Scheu. Doch du weißt ja, man muss es nicht übertreiben, aber da verlass ich mich ganz auf dich, für den Notfall hab ich hier eine Einverständniserklärung geschrieben mit einer Ausweiskopie von mir, manchmal sind die Leute etwas stur wenn es um Geldangelegenheiten geht.”

Nun fiel Simon auch seinem Vater um den Hals. Er war schon länger nicht mehr shoppen gewesen, und nun auch noch das Zimmer seines Bruders quasi einzurichten, da hatten die beiden den ganzen Tag zu tun! Aber da kam doch noch ein Haken: „Ähm, Simon, das Zimmer muss aber bis heute Abend, spätestens morgen Vormittag stehen, damit wir gegebenenfalls noch was ändern können. Schaffst du das?”

„Hehe, das überlasse mal mir, das schaff ich schon. Muss ich die Leute, die liefern müssen, eben anheizen.”

„Wunderbar, wir werden gleich wieder ins Krankenhaus gehen und schauen, dass es Kevin auch gut geht…!” Simon lag etwas auf dem Herzen.

„Darf ich bitte mitkommen? Ich möchte ihn sehen…”

„Simon, das halte ich für keine gute Idee. Um genau zu sein wollen wir, dass du dich ablenkst, gerade jetzt, weil du Bescheid weißt. Außerdem wurde er wirklich ziemlich zugerichtet, und wir möchten nicht, dass du das siehst. Kannst du das verstehen?”

„Ich kann es durchaus verstehen, ich will ihn aber trotzdem sehen, bitte!” Simon sah seine Eltern flehend an. Er wollte ihn doch so gerne sehen, egal, wie er zugerichtet wurde!

„Na gut, aber nur fünf Minuten, danach bring ich dich wieder her und du fährst fort wie besprochen, ok?”

„Ja, kein Problem.”

Simon düste in die Kleiderkammer neben seinem Zimmer, um Max nicht zu wecken, zog sich einen Jogginganzug an und seine Schuhe, und schon stand er im Salon wieder auf der Matte. „Kann losgehen.” Gregor und Janette hatten in der Zwischenzeit beschlossen, dass Janette zu Hause blieb und sich für die Zeit ausruhte. Sie lag bereits auf der Couch und hatte die Augen geschlossen. Die Fahrt über redeten Vater und Sohn kein bisschen, und auch im Krankenhaus blieb das aus.

Gregor führte seinen Sohn zu dem Zimmer, in dem Kevin lag, und ging dann raus. Kevin lag da mit unzähligen Schürfwunden und Prellungen, ohne die er, so schätzte Simon, ein wirklich süßer Junge sein mochte. Doch wenn er ehrlich zu sich war, wollte Simon einen Bruder lieber als einen Freund, also verwarf er den Gedanken schnell wieder. Simon trat an das Bett seines neuen Bruders und nahm dessen Hand. Bei der sanften Berührung wurde Kevin aber bereits wach.

„Wer bist du denn?”

„Ich bin Simon!”

„Ach so der Sohn von Gregor und Janette.”

„Genau, und dein zukünftiger Bruder.”

„Wieso liegt nur so viel Hoffnung in euren Stimmen, wenn ihr so was sagt?”

„Wieso sollte das nicht der Fall sein?”

„Ihr kennt mich doch gar nicht!”

„Das mag sein, aber ich würde dich sehr gern kennen lernen, du scheinst doch ein lieber Typ zu sein. Es sei denn du willst nicht zu uns?”

„Nichts würde ich lieber tun, aber…” Kevin versagte die Stimme, und wie selbstverständlich nahm Simon Kevin in den Arm.

„Ganz ruhig, Kleiner. Was ist denn los?”

„Na ja, wenn ich zu euch kommen würde, würde ich meinen besten Freund nie wieder sehen, und das will ich nicht. Er bedeutet mir doch alles, er hat mir durch die harte Zeit im Heim geholfen. Wenn es nötig war, nahm er mich in den Arm… so wie du jetzt.”

Kevin begann, langsam an Simons Schulter zu weinen.

„Aber wer sagt denn, dass du ihn nicht wieder sehen darfst?”

„Die Heimleitung meinte, ich komme in eine so gute Familie, dass ich mit so jemandem wie Sebi nichts mehr zu tun haben sollte.”

„Wieso das denn?”

„Tut mir Leid, Großer, aber das ist doch etwas heikel, das möchte ich nicht so einfach besprechen, ok? Und wie ich sehe musst du auch wieder!” Da trat Gregor gerade ein und bedeutete Simon, dass er sich verabschieden sollte.

„Mach dir mal keine Sorgen, du kommst nach der Entlassung zu uns, ich richte dir heute dein Zimmer vorläufig ein mit meinem besten Freund Max zusammen, und dann regele ich das mit dem Heim und deinem Sebi. Und nun schlaf noch ein wenig.”

Kevin schaute Simon etwas komisch an, doch blieb ihm keine Zeit mehr etwas zu sagen, da Simon schon aus der Tür war. Und tatsächlich erfasste ihn die Müdigkeit wieder, und dieser ergab er sich auch. Simon saß derweilen wieder im Auto und erzählte seinem Vater von dem Gespräch. „Und du meinst wirklich, dass es das ist, was ihn in diese Stimmung bringt?” „Paps, er hat mir das gesagt, und dem werde ich auf die Schliche gehen. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht rausbekommen könnte.” Gregor lächelte und meinte noch, dass Simon in seinem Namen agieren dürfe, was das anging.

Er setzte Simon zu Hause ab und lud seine Frau ein, die noch etwas verschlafen, jedoch deutlich erholter aussah.
„Wir brauchen auf jeden Fall ein Bett, einen großen Kleiderschrank, einen Schreibtisch, einen Computer und auf jeden Fall noch Beleuchtungselemente, oder was meinst du?” Simon war schon total heiß darauf, das Zimmer von Kevin herzurichten. Er würde sein Bestes geben, dass Kevin sich wohl fühlen konnte während seiner Genesungszeit. Max hatte er von seinem morgendlichen Besuch im Krankenhaus nichts erzählt.

Später würde er sich für eine Stunde in das Arbeitszimmer seines Vaters zurückziehen, um diesem mysteriösen Umgangsverbot von Kevin und Sebastian auf den Grund zu gehen. „Ja, und ich würde sagen, alles Weitere werden wir sehen, wenn wir im Laden stehen.”

„Na, dann machen wir uns besser auf den Weg!” Sie machten sich fertig und fuhren los, erst ins Möbelhaus. Dort verbrachten sie annähernd vier Stunden, bis sie ein traumhaftes Bett, einen überdimensionalen Schrank, einen grandiosen Schreibtisch und diverse Lampen entdeckten, die Simons Vorstellungen entsprachen. Außerdem kaufte er noch zwei Beistelltische für das Bett und zwei Kommoden für diversen Krimskrams. An der Kasse wurden sie nicht schlecht angeschaut, als Simon die Rechnungen und Transportbelege vorlegte und eine Endsumme herauskam, die wahrscheinlich das Limit so mancher Kreditkarte gesprengt hätte.

Er bezahlte, ohne großen Rummel darum zu machen. Am späten Nachmittag sollten die Sachen eintreffen. Nun hieß es: Auf in den Elektrofachhandel! Sie mussten ja noch einiges mehr holen. Als erstes ging es in die Computerabteilung. Kevin sollte, wie er selbst, sowohl einen PC bekommen, als auch einen Laptop. Von beidem kaufte Simon das non plus ultra. Einerseits mit der Hilfe des Verkäufers und andererseits aber mit der Hilfe von Max, der mehr von Computern verstand als der örtliche Kenner. Neben dem PC sollte noch ein wenig Unterhaltungselektronik her, also einen Fernseher. Da Simon auch noch einen Fernsehschrank gekauft hatte, holte er einen größenmäßig und farblich passenden Panasonic Flachbildschirm, außerdem einen DVD-Recorder und einen Videorekorder, weil Simon die Meinung vertrat, dass es immer am Besten war, auf alle Eventualitäten einzugehen. Außerdem kaufte Simon noch mit seiner eigenen Karte ein Genesungsgeschenk für Kevin, was Max allerdings nicht wusste: Eine Play Station 2 mit allem drum und dran und drei Spielen extra. Nun ging es noch schnell an die Kasse. Auch hier sollte am späten Nachmittag geliefert werden. Anstandslos bezahlte Simon den nicht zu verachtenden Betrag.

Nun zog es die beiden noch in diverse Klamottenläden, damit sie sich auch mal etwas gönnen konnten, was sie auch ausgiebig taten. Nachdem sie sich auch mit neuen Klamotten, Büchern und CDs sowie DVD’s eingedeckt hatten, kamen sie noch an einen dieser gern gesehenen Krims-Krams-Läden vorbei, wo Simon unbedingt noch rein wollte. Da er wusste, wie kahl die Wände selbst aussahen, wenn das Zimmer gefüllt war, kaufte er fünf Poster inklusive Bilderrahmen. Diese verstauten sie noch in ihren Taschen, dann ging es auch schon auf nach Hause.

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