Unterdrückung der Gefühle – Teil 9

„Was ist passiert?“, möchte ich schließlich von Dominic wissen.

„Ich kann mich nur noch erinnern wie mir schwarz vor Augen wurde“, füge ich hinzu.

Domi schaut mir direkt in die Augen, sein Blick ist ernst und wirkt irgendwie benebelt. Er schluckt kräftig, bringt aber kein Wort hervor.

„Nun antworte doch endlich. Ich muss wissen was passiert ist“, flehe ich ihn an.

Nach einer für mich endlos erscheinenden und erschreckenden Stille erhebt Domi endlich das Wort: „Mein Kleiner, du hast geschlafen.“

„Geschlafen?“

Ich lasse das Wort auf der Zunge zergehen. Drehe und wende es. Aber ich werde nicht schlau daraus.

„Wie, geschlafen?“, frage ich nun.

„Du hast geschlafen und bist nicht wieder aufgewacht“, schluchzt Domi.

„Was?“

Ich verstehe immer noch nichts.

„Du bist in Ohnmacht gefallen… Und dann hast du geschlafen… und bist nicht mehr aufgewacht“, kommt es stockend von Dominic.

„Ohnmacht? Geschlafen? Nicht mehr aufgewacht? Bitte Domi, nun erzähl mir doch endlich was genau passiert ist. Ich werde ja noch wahnsinnig“, bettle ich nun.

Domi wischt sich die Tränen mit dem Ärmel weg, holt tief Luft und beginnt dann zu erklären was geschehen ist.

„Also …als wir draußen waren und zum Krankenwagen wollten, bist du auf einmal in einen Armen zusammengebrochen. Die Sanitäter kamen gleich rüber und haben dich auf eine Trage gelegt.“

Domi gibt ein wimmern von sich und wischt sich erneut auftretende Tränen weg, bevor er weiter spricht.

„Sie sagten zu mir, es wäre bestimmt der Schock. Erst später im Krankenhaus haben sie festgestellt, das Kai dir etwas in den Drink gemischt haben muss. Und das schlimmste daran war, dass es eine Überdosis war, weshalb du in ein künstliches Koma versetzt wurdest.“

Mir stockt der Atem. Ich kann das alles gar nicht glauben. Drogen? Koma? Oh mein Gott, wie schrecklich!

Aber dann habe ich doch noch eine Frage an Domi: „Und wie lange lag ich im künstlichen Koma?“

„Hör bloß auf. Ich dachte schon, du willst gar nicht mehr aufwachen. Als sie dich zurück holen wollten, wachtest du einfach nicht auf. Ich war so besorgt um dich…habe Tag und Nacht an deinem Bett gewartet, dass du aufwachst“, mit diesen Worten bricht Dominic weinend an meinem Bett zusammen.

Er verschränkt die Arme und vergräbt seinen Kopf darin und sein bitterliches Weinen lässt auch  mir Tränen in die Augen schießen.

„Ist ja gut… beruhige dich doch… jetzt bin ich doch wach“, versuche ich ihn zu trösten, wobei ich über seine Schulter streichle und mich ein wenig über ihn beuge.

Ich nehme Domi erst einmal so fest ich kann in die Arme, was nicht so einfach erscheint, da ich doch noch ziemlich geschwächt bin. Als das Schluchzen ein wenig nachlässt, greife ich zu meinem Nachtschrank rüber, um nach Taschentüchern zu suchen und stoße auf so viele Sachen.

Domi hat alles für mich her gebracht: Jede Menge CDs, seinen CD Player, Bücher, Zeitschriften und jede Menge Süßigkeiten, alles was das Herz begehrt. Auch Taschentücher lassen sich schnell finden.

Er muss sich wirklich große Sorgen um mich gemacht haben. Ob er doch mehr für mich empfindet?

So kenne ich ihn gar nicht, er ist so verletzlich, wobei ich doch immer der weichere von uns Beiden bin.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht reiche ich Domi ein Tempo.

„Hier…….Und wie lange habe ich denn nun geschlafen?“, will ich unbedingt wissen.

Domi schnäuzt sich und nachdem er sich einigermaßen beruhigt hat, antwortet er: „Du lagst nur wenige Tage in Koma, da die allergische Reaktion schnell abgeklungen ist und dann hast du noch fast 3 Wochen geschlafen. Ich wollte dich einfach nicht alleine lassen.“

Ich bin geschockt.

„Trotzdem verstehe ich nicht wie Drogen in mein Bier gekommen sein sollen schließlich habe ich aus der Flasche getrunken und die in einem Zug leer gemacht“, erzähle ich Dominic.

Domi starrt mich ungläubig an, doch dann nickt er und stellt fest: „Dann muss jemand Kai geholfen haben. Erwähne das bloß, wenn die Polizei kommt.“

„Polizei“, platzt es aus mir heraus.

„Natürlich die Polizei. Kai wollte dich ausnocken und vergewaltigen oder was glaubst du warum er dich unter Drogen gesetzt hat? Nur gut, dass alles nicht so gekommen ist. Gar nicht auszudenken was mit dir passiert wäre, wenn die Sanitäter nicht gleich vor Ort gewesen wären oder wenn ich nicht beobachtet hätte, dass Kai dir gefolgt ist. Deswegen bin ich dir ja gleich hinterher. Mit Mario im Schlepptau, habe ich aus sicherer Entfernung erst einmal nur beobachtet, was Kai überhaupt vor hat. Doch als er dir an die Wäsche wollte, brannten bei mir die Sicherungen durch und ich bin auf ihn los.“

Ich nicke zustimmend: „Mein Retter.“

Jetzt lächelt Domi wieder: „Ich habe doch gesagt, dass ich auf dich aufpasse!“

Ich schlinge die Arme um meinen besten Freund, meinen Retter, meine heimliche große Liebe, halte ihn fest, genieße seine Wärme und seinen Geruch, als plötzlich ein Klopfen die angenehme Stimmung unterbricht.

Die Polizei, wer auch sonst? Die könnten doch wenigstens warten, bis man richtig da ist. Kaum ist man aus dem Koma erwacht, sind sie auch schon vor Ort. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Krimi.

Zwei Beamte betreten mein Krankenzimmer und stellen sich kurz vor: Herr Schmidt und Herr Wichtel. Bei dem zweiten Namen muss ich kichern, räuspere mich jedoch gleich und versuche mich wieder zu fangen.

Beide sind groß und gut aussehend, ob die Beiden wohl hetero sind? Natürlich haben sie fragen zum Tathergang und Domi muss den Raum verlassen. Ich lasse ihn ja nur ungern gehen, habe aber wohl keine andere Wahl.

Ich gebe alles so gut es geht wieder und erwähne natürlich auch, das mit dem Bier. Ich bin müde und kaputt, mir ist alles zu viel. Am Liebsten wäre es mir, wenn die Polizisten gehen und mich mit Domi allein lassen würden.

Die Beamten lassen sich nach einigen bitten, dazu überreden am nächsten Tag die restlichen noch offenen Fragen zu klären. Ich atme tief durch und mache gedanklich drei dicke rote Kreuze, als ich die Tür hinter den beiden zufällt.

Gleich darauf steht Domi wieder im Zimmer, er muss draußen nur darauf gewartet haben, dass die Polizisten den Raum endlich verlassen.

„Alles okay“, will er von mir wissen.

Ich schüttle den Kopf und strecke die Arme zu ihm aus.

„Ich kann nicht mehr“, antworte ich.

Domi kommt meiner Geste gerne nach und setzt sich zu mir aufs Bett. Er nimmt meine Hände und legt sie in seine. Seine Hände sind so schön warm, das tut richtig gut.

„Das wird schon. Es ist halt im Moment ein bisschen viel auf einmal. Aber ich bin doch da mein Kleiner“, lächelt er.

Aber das meine ich doch gar nicht. Ich muss es ihm sagen! Einen perfekteren Moment gibt es nicht.

„Domi…hör mal…“, bringe ich irgendwie hervor.

„Mach dir keine Sorgen. Ich sagte doch bereits ich passe auf dich auf“, unterbricht mich Domi.

„Das weiß ich doch. Aber ich will dir was anderes sagen…“, versuche ich zu erklären.

„Was ist denn los? Du klingst so komisch“, stellt Domi nun fest.

Ich kann das doch nicht, ich lasse es einfach, ich mach nur alles kaputt was zwischen uns ist.

Beschämt schaue ich zu Boden.

„Ich möchte jetzt gerne schlafen“, sage ich dann.

„Schlafen? Ja natürlich“, kommt es enttäuscht von Dominic.

„Dann lass ich dich mal allein.“

„Nein…bitte…geh nicht“, flehe ich.

Ich drücke dabei fest seine Hände und dann macht sich mein Mund auf einmal selbstständig: „Ich brauche dich doch…Ich liebe dich…Und ich will dich auf gar keinen Fall verlieren!“

Oh nein, was habe ich getan. Domi schaut mich wie versteinert an. Sein Blick lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Doch dann steht er auf und verlässt den Raum. Einfach so, ohne ein Wort zu sagen.

Ohne eine weiter Geste. Ich lasse mich zurück in mein Kissen fallen und Tränen laufen über meine Wangen. Was soll ich nur machen? Warum habe ich ihm das nur gesagt?

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