Das Boycamp II – Teil 4

»Ich geh da jetzt mal runter«, nahm sich Erkan dann ein Herz. »Ihr bleibt da.« Langsam näherte er sich der ersten Stufe und ging in die Hocke, um besser hinuntersehen zu können. »Scheint nicht sonderlich groß zu sein«, sagte er und vorsichtig trat er auf die Stufe, suchte am Rand der Grube Halt, schaltete die Lampe ein und stieg fast im Zeitlupentempo nach unten. Angespannt verfolgten Nico und Lutz das Geschehen, jederzeit bereit Erkan zu helfen, falls das nötig gewesen wäre. Rick war inzwischen von seinem erhöhten Sitzplatz zu ihnen gekommen und beobachtete die Szene in respektvollen Abstand.

Stefan hatte die Ohrhörer eingesetzt und suchte auf seinem Walkman nach einem Lied, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung registrierte. Erschrocken drehte er den Kopf zur Seite und sah, wie Steins Geländewagen neben der Halle parkte. Charles Rademann stieg aus und er war alleine.

»Hallo Stefan«, rief er schon von weitem und sah sich auf dem Weg zu ihm um. »Wo sind denn die anderen?«

»Ah, gut dass Sie kommen. Die sind da drüben in den Wald, offenbar hat Rick dort was entdeckt und jetzt sehen sie nach was da los ist.«

Rademann wurde seltsam bleich im Gesicht. »Wohin sind sie denn genau? Ich bin gekommen weil wir Rick vermissen. Er ist bei einem Stopp unterwegs aus dem Auto raus und weg war er. Möchte wissen warum… Da hinten sind sie?«, fragte er und zeigte in die Richtung, die Stefan ihm gedeutet hatte.

»Ja, sie wollten eigentlich Hilfe holen weil das so merkwürdig zu sein scheint, aber das Handy geht hier oben nicht.«

»Ja, haben’s gemerkt. Wir wollten euch fragen ob ihr Rick gesehen habt und keine Verbindung bekommen.« Rademann machte keine Anstalten zu den Jungs bei der Grube zu gehen. »Und, wie geht es dir jetzt?«

Stefan wunderte sich über diese Frage, ihm war es schließlich nicht schlecht gegangen. Das konnte nur auf ihn und Nico bezogen sein und dies wiederum bedeutete, dass Stein irgendetwas zu Rademann gesagt haben musste. »Mir geht’s gut, ja. Warum fragen Sie?«

»Na ja, die Sache mit deinem Freund Nico…. man hatte den Eindruck heute Mittag, dass ihr euch wieder vertragt.«

Stefan überlegte ob er eine Gegenfrage stellen sollte. Nämlich, ob es ihn überhaupt etwas anging. Das war eine Sache nur zwischen ihm und Nico, aber er blieb ruhig. »Wir haben miteinander gesprochen, ja.« Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Rademann setzte sich neben ihn auf die Rampe und zündete eine Zigarette an.

»Wollen Sie nicht nach den Jungs sehen?«, fragte Stefan verwundert.

»Oh, ich denke die kommen alleine damit klar. Was soll schon so besonders wichtig sein hier oben. Da ist doch nichts außer Wildnis. Aber sag mal, wie war denn euer Verhältnis so? Ich mein, ihr wart doch richtig zusammen?«

Stefan stellte den Player ab und wurde rot. Was sollte das für eine Frage sein? »Wie meinen Sie das…. richtig zusammen?«

»Na komm, kannst es mir ruhig sagen. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie es ist, wenn zwei Jungen….«

»Würden Sie diese Fragen bitte lassen?« Stefan wurde nervös. Rademann führte etwas im Schilde, auch wenn gar nicht klar war, was es sein sollte. Stefan wusste, dass er energisch reagieren musste. Für ihn schien es wie ein billiges Aushorchen, und dagegen wehrte er sich. »Ich will und kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Zudem wüsste ich nicht was Sie das angeht.«

»Schon gut….«, brummte Rademann und tat was Stefan von ihm wollte. Trotzdem blieb er aufdringlich nah bei ihm sitzen. »War ja nur ´ne Frage, ich wollte dich nicht verletzen oder so.«

Stefan stand auf und klopfte den Staub aus seiner Hose. Eigentlich etwas, das völlig normal war, aber dass ihm Rademann so offensichtlich dabei zusah war ihm sehr unangenehm. Sein Blick blieb an seiner Hüfte hängen, Stefan hatte das Gefühl, gescannt zu werden. Zog ihn Rademann gerade mit seinen Augen aus? Er spürte, dass er rot wurde. Sollte er ihm sagen dass ihn das nervös machte? Aber wozu? Man konnte ja jemanden schlecht verbieten einen anzusehen. »Wohin sollen wir übrigens mit dem Abfall? Die leeren Packungen und der ganze anderen Kram?«, versuchte er mit unsicherer Stimme abzulenken.

Rademann schien ihn zunächst gar nicht zu hören. »Ähm…. Ach so, ja«, antwortete er nach einer Weile. »Da drüben steht ein alter Müllcontainer, da könnt ihr es reinschmeißen.«

Stefan suchte die leere Packungen zusammen und fragte sich, wann denn die anderen zurückkommen würden. Rademann´s Nähe wurde ihm allmählich nicht geheuer, obwohl er keine direkte Angst vor ihm hatte. Aber trauen durfte er ihm nachdem was da passiert war auch nicht. Er machte sich auf den Weg zu dem Container, der dumpf und rostig wie ein Relikt aus Urtagen mitten auf dem Gelände in der Sonne stand.

»Ich geh dann jetzt mal die anderen suchen«, sagte Rademann unvermittelt und entfernte sich.

Erkan blieb nur wenige Minuten in der Grube, dann kam er rückwärts wieder die Treppen herauf. »Wir müssen die Polizei holen«, sagte er mit finsterem Blick.

»Was ist da unten?«

»Nico, ich weiß nicht…. aber da liegt ein Kinderfahrrad und ne Stofftasche….«

Nico brach der Schweiß aus. Es bestand mit Sicherheit kein Zweifel, sie hatten die Sachen des kleinen Tobias gefunden. »Der Junge….?«

»Nichts, da ist sonst nichts. Ich kann nicht mal sagen ob er da unten war, keine Spur von ihm. Wir sollten jetzt zurückgehen und aufpassen wohin wir treten, vielleicht gibt’s doch Spuren hier.«

Kaum traten sie vorsichtig den Rückzug an, liefen sie Rademann geradewegs in die Arme. »Und, was hat Rick da entdeckt?«, fragte er.

»Wir, also er, haben die Sachen von Tobias gefunden«, antwortete Nico nervös. »Wir müssen sofort die Polizei rufen.«

»Tobias?«, fragte Rademann, scheinbar völlig unwissend.

»Der Junge den man entführt und noch nicht gefunden hat. Haben Sie nichts davon gehört?«

Rademann zuckte mit den Schultern. »Möglich, ich hab vielleicht nur nicht drauf geachtet. Entführt sagst du? Hier, in der Gegend?«

»Ja klar hier. Wahrscheinlich hat man drüben bei den Häusern gesucht, aber das hier wohl nicht gefunden. Wie Rick hierher kommt ist allerdings….« Nico rieb sich am Kinn. Eigentlich war es auch für den Hund unmöglich diese Stelle so einfach zu finden. Dann jedoch schob er es auf den Geruchssinn, der bei Hunden so empfindlich war.

»Seid ihr sicher dass das von dem Jungen stammt?«, fragte Rademann nach.

»Das Rad ist praktisch neu, es liegt hier noch nicht lange«, mischte sich Erkan mit ein. »Wie sollte das denn hier herkommen? Und in der Tasche sind garantiert seine Spielsachen. Das kann überhaupt kein Zufall sein.«

»Gut, wenn ihr meint. Aber man kann hier niemanden erreichen, Handys haben keinen Empfang in der Ecke.«

»Ja, das wissen wir. Aber wie wär’s wenn Sie sich ins Auto setzen und dahin fahren wo man telefonieren kann, zum Beispiel? Wir bleiben so lange hier und warten bis die Polizei kommt.« Erkans Vorschlag hatte zweifellos einen leicht vorwurfsvollen Unterton. Es ärgerte ihn, dass Rademann die Sache offenbar überhaupt nicht wichtig nahm.

Rademann schien angestrengt nachzudenken, aber eine andere Lösung fiel ihm anscheinend nicht ein. »Gut, dann fahr ich jetzt los. Aber ich denke nicht dass ihr hier bleiben müsst. Geht zurück, holt eure Sachen und dann ab ins Camp. Wer weiß wann die da sind, ich fahr dann wieder her und bleibe so lange bis jemand kommt.«

Warum befiel Nico und Erkan im selben Moment ein unerklärliches Misstrauen? Aber sie konnten dem nichts entgegensetzen. Ohne noch etwas dazu zu sagen machten sie sich auf den Weg zum Rastplatz.

»Dieser Charles wird mir immer seltsamer, dir nicht auch?« Erkan sprach leise, so dass ihn Rademann, der ihnen in einiger Entfernung folgte, nicht hören konnte.

»Meinst du der hat was mit der Sache zu tun?«, fragte Nico zurück.

»Mit dem kleinen Tobias?…. Nee, also alles, aber das nicht.«

»Mein ja nur. Er hat sich so komisch verhalten. War nicht überrascht oder so, als ginge ihn das gar nichts an. Und dass er von der Entführung so überhaupt nichts mitbekommen haben will, kann ich nicht verstehen. Selbst wenn man nur mit einem Ohr zuhört in den Nachrichten wird man doch automatisch stutzig. In der Zeitung steht’s auch, und dann ist das hier in der Gegend garantiert Gesprächsstoff Nummer Eins.«

»Ja schon. Man weiß halt überhaupt nichts über ihn. Was er sonst so macht, Familie, Hobbys…. Vielleicht hat er gar keine Verbindung zu den Leuten hier auf dem Land. Ein komischer Vogel ist das eigentlich schon. Man müsste Stein mal fragen, der müsste doch so einiges über ihn wissen.«

»Meinst den können wir einfach so fragen?«, flüsterte Nico und sah verstohlen zurück.

»Wir tun es einfach. Entweder wir kriegen ne Antwort…. oder eben nicht.«

Als sie aus dem Wald heraustraten, bemerkten sie drüben an der Halle unerwartetes Leben.

»Was ist denn da los?«, fragte Erkan und schubste Nico in die Seite.

»Sieht aus wie….« Nicos Augen verkleinerten sich beim Anblick der Menschengruppe. Auch ohne nähere Details sehen zu können, erkannte er in den Personen die Jungs aus dem anderen Camp. Alle voran Mirko, der etwas Abseits stand und rauchte. Warum auch immer sie hierher gekommen waren, Zufall dürfte es kaum gewesen sein. Schnell suchte Nico die Gegend ab, aber Stefan konnte er nirgends entdecken. Er beschleunigte seinen Schritt und steuerte auf die Gruppe zu. »Erkan, da ist auch Mirko…. Bitte Zettel keinen Streit an, okay?«

»Kein Problem. Solange er dich in Ruhe lässt hab ich keinen Grund dazu.«

»Er wird mich in Ruhe lassen, ich denke sein Rauswurf letztes Mal war ihm ´ne Warnung. Würde nur gern wissen warum er überhaupt wieder hier ist.«

»Na ja, ich denke auch das wird rauszukriegen sein«, antwortete Erkan und wenige Augenblick später kamen sie bei der Gruppe an. Die Jungen sahen ziemlich mitgenommen aus, offenbar hatten sie einen regelrechten Gewaltmarsch hinter sich.

»Hallo Leute«, begrüßte Nico die anderen, erntete aber nur erschöpftes Kopfnicken, »was macht ihr denn hier?«

»Auf´m Rückweg…. Wir haben uns verlaufen und kamen zufällig hier vorbei«, beantwortete Klaus Brandt Nicos Frage.

»Findet ihr den Rückweg wieder?«

»Ja, der Steinbruch ist ´n markanter Punkt in der Karte. Wir haben es nicht mehr weit von hier.« Klaus hob seine Karte hoch und deutete auf die Stelle, wo sich ihr Camp befand.

Erkan blickte in die Karte. »Habt ihr euch bei den Betreuern schon gemeldet?«

»Nein, hier geht das Handy nicht. Aber wir sind ja noch im Zeitplan, deshalb vermissen sie uns nicht.« Roland Zauner war der Größte in der Gruppe und auch der Gruppenführer dieser Tour, wie er nicht ohne Stolz sagte.

Nico drehte sich im Kreis und suchte nach Stefan. Der stand noch immer drüben an dem Müllcontainer und schien sie gar nicht zu beachten. Nico spürte sofort dass etwas nicht stimmte und lief zu ihm hinüber.

»Na, ist dir ´ne Laus über die Leber gelaufen?«, fragte er ahnungslos.

Stefan sah ihn an und schwieg.

Nico legte seinen Arm auf seine »Hey, was ist los?«

»Ich weiß auch nicht…. Rademann….« Stefans Blick fiel auf ihn, er stand jetzt ebenfalls drüben bei der Gruppe und schien sich zu unterhalten. Aber immer wieder blickte er zu den beiden herüber.

»Was ist mit ihm?«

Stefan wandte sich ab. »Ach, lass es. Ist nicht so wichtig.«

»Komm, sag schon. Da ist doch was.«

»Er hat…. er ist glaub ich schwul. Er hat mich irgendwie anzüglich aushorchen wollen über uns zwei und mich so komisch angesehen….«

»Was hat er?« Nico wurde ungehalten.

Nico schluckte. Er hätte alles, alles hier für möglich gehalten, aber das überstieg seine Vorstellungskraft. Ein Betreuer, der sich an einen der Jungs heranmachte war im Grunde ausgeschlossen. »Bist du sicher? Ich mein, vielleicht hat es nur so den Anschein gehabt.«

»Nein, kein Anschein. Ich hab ihn ja auch zurechtgewiesen.«

»Er hat was gefragt? Über uns zwei? Stefan, stimmt das auch wirklich?«

»Warum soll ich dich anlügen? Es war so, glaub mir.«

Nico ballte seine Fäuste und lief los. »Na, der kann was erleben….«

»Moment, warte mal. Vielleicht hat er es wirklich nicht so absichtlich gemacht.«

»Gut. Aber wenn er noch mal anfängt sagst du mir Bescheid. Stein hat für solche Sachen offene Ohren wie wir schon wissen.« Dabei sah Nico zu Mirko hinüber, der sich nun ebenfalls zu der Gruppe gesellt hatte. Auch er sah ab und zu herüber zu ihnen und schien, wie Rademann, ziemlich neugierig zu sein was die beiden zu bereden hatten.

Nico nahm Stefan am Arm und zog ihn mit zu der Gruppe, wo ihnen Erkan entgegentrat. »Sag mal, der Rademann kommt einfach nicht in die Gänge. Steht da, labert irgendein Mist von wegen schönes Wetter und so. Warum macht der sich nichts aus dem Fund im Wald?«

»Herr Rademann, wollten Sie nicht die Polizei rufen?«, unterbrach Nico unhöflich dessen Unterredung mit den Jungs.

»Ich denke, was und wie und wann ich etwas tue musst du schon mir überlassen«, fauchte Rademann ungehalten zurück.

Erkan platzte fast der Kragen und er flüsterte Nico ins Ohr. »Weißt du, wenn ich es richtig betrachte will der überhaupt keine Hilfe holen. Das lässt mich einfach zu einigen Mutmaßungen hinreißen. Dem könnt ich jetzt glatt die Fresse polieren….«

»Ja, der wird reif.« Nico packte Erkan am Arm und zog ihn einige Meter aus dem Hörbereich der Gruppe, um ihm kurz zu erzählen was Stefan mit ihm erlebt hatte. Auch wenn an der Sache nichts dran war, Nico wusste wie der Türke darauf reagieren würde. Und genau darauf hatte er es abgezielt. Zwar lag ihm diese Art von Aufhetzen nicht, aber er benutzte dieses Mittel nur um seinen schier ohnmächtigen Zorn Luft zu machen.

Erkan ballte die Faust, so wie er es erwartet hatte. »Na, das sind ja mal Neuigkeiten…. Weißt du was ich langsam glaube? Der Rademann hat was mit den Wäschediebstählen und der Webkamera zu tun…. So langsam würde sich das alles in dieses Bild fügen. Und wenn ich’s richtig überlege…. der kleine Tobias…. Warum hat es der Kerl nicht eilig, frag ich mich nämlich.«

Nico rieb sich das Kinn und musterte Rademann, der offenbar wirklich kein Interesse an dem Fund im Wald bekundete. Kumpelhaft unterhielt er sich mit den Jungs, rauchte, lachte, benahm sich augenscheinlich auch ziemlich kindisch. Hier, ohne Steins Aufsicht, ließ er sich anscheinend richtig gehen. »Erkan, das alles können wir nicht beweisen. Stein da einzuweihen, ich meine mit Vermutungen…. das können wir vergessen. Wir müssten ihm Hieb- und Stichfeste Beweise vorlegen. Nur, wie sollten wir das anstellen? Stefan wird er in Ruhe lassen, denn wenn er wirklich mit all dem was zu tun hat muss er aufpassen, dass er nicht ins Zwielicht gerät. Er wird so dumm nicht sein und sich selbst ans Messer liefern.«

»Und warum hat er sich dann aufs Eis begeben als er Stefan angemacht hat?«

Nico zog die Schultern hoch. »Vielleicht hat er es sich einfacher vorgestellt. Hätte ja sein können dass Stefan nachgibt, denn einen Betreuer abblitzen zu lassen ist für manche gar nicht so einfach. Schließlich kann man nicht wissen ob und wenn ja wie oft er das schon bei anderen versucht hat. Und am Ende damit durchgekommen ist.«

»Du meinst, der nutzt seine Stellung aus um….?«

»Erkan, Vermutungen. Das sind meine Einfälle dazu, nichts davon muss stimmen. Ehrlich gesagt fällt es mir auch schwer daran zu glauben. Stein würde nie irgendwelche Sittenstrolche hier aufnehmen, meinst du nicht?«

»Schon, aber Stein kann schließlich nicht alles von den Leuten wissen. Wenn Rademann ´ne weiße Weste hatte bevor er eingestellt wurde, dann….«

»Komm, wir gehen rüber zu ihnen. Wir verzetteln uns hier vielleicht mit Hirngespinsten.«

»Schon möglich, Nico. Aber ich möchte trotzdem Gewissheit haben.«

»Und wie willst du die bekommen? Ich hab keine Idee, sag ich dir ehrlich.«

»Lass mich mal machen. Wenn er was damit zu tun hat, egal in welcher Form, dann krieg ich das raus. Und wehe ihm….«

Als Rademann die beiden auf sich zukommen sah, wandte er sich von der Gruppe ab und stieg in den Wagen. »Ich hab den anderen Instruktionen gegeben. Lasst euch von denen erklären wie es weitergeht, ich hole jetzt die Polizei«, rief er ihnen zu, wartete bis Rick in den Wagen gesprungen war, startete den Motor und fuhr los.

»Was meinte Rademann mit Instruktionen?«, wollte Erkan von den anderen wissen.

Bernd Lohmann, der bislang nicht aufgefallen war, meldete sich zu Wort. »Wir sollen alle zurück zu unseren Camps, auf dem kürzesten Weg. Und wir sollen sofort losgehen.«

Währenddessen hatten die anderen schon ihr Gepäck aufgenommen, Klaus studierte noch einmal kurz die Karte und winkte seine Leute zu sich. »Okay, Männer, los geht’s. Tschüss und bis dann«, winkte er zurück und zügig marschierten sie in Richtung Bahndamm.

Lutz setzte sich auf die Rampe. »Also ich hab ja überhaupt keinen Bock mehr zu laufen heute. Aber ich glaub wir haben keine andere Wahl.«

Erkan setzte sich neben ihn, begann zu rauchen und blies Ringe in die ruhige Luft. »Ich hab so das Gefühl, wir werden nicht gehorchen.«

Lutz sah ihn entgeistert an. »Was soll das denn jetzt heißen? Willst du etwa hier bleiben?«

»Jo, und ich hab auch einen Grund.« Dabei schielte er mit einem eher spitzbübischen Lächeln zu Nico und Stefan, die ihm gegenüberstanden.

»Nee, also das geht nicht. Entweder alle oder keiner. Ich hab die Verantwortung.«

»Tja, mein lieber Lutz, das spreche ich dir keinesfalls ab. Aber ich für meinen Teil werde aus ganz bestimmten Gründen trotzdem hier bleiben. Ich komme nach, das ist sicher, aber ich kann nicht sagen, wann.«

Mittlerweile war die Sonne unter die Baumkronen gewandert, in wenigen Minuten würde sie hinter dem Rand des Steinbruchs verschwinden. Mit der fortgeschrittenen Stunde wurde es auch allmählich kühler und bereits jetzt begannen in einiger Entfernung die Konturen des Waldes zu verblassen.

»Es wird Nebel geben«, sagte Nico leise, als er die Veränderung bemerkte. »Wir sollten gehen. So gut kennen wir uns hier auch nicht aus als dass wir bei einigen Metern Sichtweite sicher zurückkommen.«

»Okay, geht ihr los. Ich bleibe auf jeden Fall hier und warte bis Rademann wiederkommt. Er kann mich ja dann mitnehmen. Einen triftigen Grund, warum ich nicht mit euch gegangen bin, werde ich bestimmt finden.«

»Erkan, ich weiß nicht….«

»Lutz, geht einfach. Ist schon in Ordnung, du wirst da rausgehalten, versprochen.«

»Wenn ich das richtig vermute traust du Rademann nicht. Stimmts?«

»Kein Kommentar«, lächelte Erkan. »Geht jetzt. Wir sehen uns später. Ach und Lutz, lass mir bitte die Taschenlampe hier…. Man kann ja nie wissen.«

Wenige Minuten später machten sich die drei auf den Rückweg. Nico und Stefan gingen hinter Lutz her, so konnten sie sich ohne Hemmungen an den Händen nehmen. Was immer Erkan nun auch im Schilde führte, falsch konnte es nicht sein, wenn sie herausfinden wollten was es mit Rademann wirklich auf sich hatte.

»Wisst ihr was Erkan vor hat?«, fragte Lutz.

Nico und Stefan sahen sich kurz an. »Nicht wirklich, aber er wird schon wissen was er damit bezweckt«, antwortete Nico und drückte Stefans Hand fester.

Erkan machte sich auf den Weg in den Wald. Er hatte das Gefühl das Richtige zu tun, was immer auch bei seinem Vorhaben herauskommen sollte. Insgeheim wünschte er sich, dass in wenigen Minuten ein ganzes Polizeiaufgebot durch den Wald wimmeln würde. Dann könnte er mit Sicherheit davon ausgehen, dass es Rademann Ernst war. Aber dennoch zweifelte er wiederum, denn warum zögerte der Betreuer so lange? Nahm er das alles nicht wichtig?

Wenig später kam er an die Stelle. Ohne seine Freunde und Rick kam sich Erkan einsam vor, verlassen. Angst in dem Sinne hatte er nicht, aber das Gefühl des Unbehagens konnte er nicht abschütteln. Jetzt wirkte der Ort noch geheimnisvoller und unheimlicher. Zwar war es noch hell und die Temperaturen angenehm, aber ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass es bald schon zu dämmern beginnen würde. Er stieg auf den kleinen Hügel, von wo aus sie Rick schon beobachtet hatte, und lauschte. Es war streng verboten im Wald zu rauchen, aber nichts wäre Erkan jetzt lieber gewesen wenn ihn jemand dabei erwischt hätte. Denn dann würde er nicht so alleine sein…. Er grinste bei dem Gedanken und zündete sich eine Zigarette an. Irgendwann musste sich hier etwas tun, was auch immer.

Der Rückweg war sehr viel leichter da es ständig bergab ging, zudem kühlte die Luft allmählich ab. Viel redeten die drei nicht, sie dachten über die Ereignisse dieses Tages nach und allmählich wurden sie müde.

»Noch etwa zwanzig Minuten schätze ich, dann müssten wir im Camp sein«, sagte Lutz, nachdem er einen weiteren Blick auf die Karte geworfen hatte.

»Das wird aber auch Zeit, ich mag nicht mehr«, stöhnte Nico und sah auf seine Uhr. »Würde jetzt mal gerne wissen was sich da bei Erkan tut. Eigentlich müsste die Polizei jeden Augenblick da sein. Ich nehme an, dass die es ziemlich eilig haben werden.«

»Sollte man annehmen, ja. Ob sie den kleinen Tobias schon….« Lutz schwieg. Er wollte den Gedanken nicht zu Ende führen.

»Warten wir ab was in den Nachrichten kommt. Mist, dass man sein Handy nicht dabeihaben darf…. Aber was ist nun eigentlich mit Raffael? Ob der noch da ist?«

Lutz zog die Schultern hoch. »Kommt drauf an was der Stein für ´ne Version erzählt hat. Erkan hat sich ja nur gewehrt, nicht angegriffen.«

»Dann werden sie Erkan auch erst mal anhören. Aber ich glaub eher, dass keiner das Camp verlässt. So wild war das ja auch wieder nicht.«

»Wie auch immer, er hat dir ja Schläge angedroht auf der Wiese.«

Lutz wurde Nico immer sympathischer. Die Art wie er redete, sich zurückhielt und trotzdem kein Weichei zu sein schien. Er passte so recht in ihre Gruppe und Nico beschloss, den Jungen in die Sache mit der Webcam einzuweihen. Es konnte nicht schaden noch einen Mitwisser zu haben, zumal ja auch er davon betroffen sein konnte.

»Ist das wirklich wahr?«, wollte Lutz anschließend wissen. »Das ist ja der Hammer. Erst klaut man Stefan die Unterwäsche, dann auch noch das. Habt ihr einen Verdacht?«

Nico hob die Schultern. »Verdacht…. es kann jeder gewesen sein wenn man’s genau betrachtet, aber wir müssen abwarten.«

Fast auf die errechnete Minute genau trafen sie in ihrem Camp ein. Kommentarlos ließen sie das Gepäck vor ihren Zelten fallen und gingen zu dem kleinen Bach um zu trinken und ihre Gesichter mit dem kühlen Nass zu erfrischen.

Nachdem fast zwei Stunden vergangen waren und sich noch immer nichts getan hatte, ahnte Erkan die Wirklichkeit. So lange konnte das keinesfalls dauern, Rademann musste etwas mit der Sache zu tun haben. Einerseits drängte ihn allmählich die Zeit zum Camp zurückzugehen, andererseits war die einzige Möglichkeit, um Licht in das Dunkel zu bringen, bleiben und abzuwarten.

Es begann nun zu dämmern, hier und da waberten erste Nebelfelder durch den Wald. Die Vögel verstummten nach und nach und eine unangenehme, feuchte Kühle kroch in Erkans Klamotten. Ewig konnte er trotz allem nicht hier bleiben und er wollte es auch nicht. Zu unheimlich wurde es ihm mit jeder Minute, die ohne Ereignisse vorüberstrich. Er gab sich noch eine halbe Stunde höchstens, dann musste er zurück. Leichte Panik überfiel ihn, denn ohne Karte, bei Dunkelheit und Nebel zurückzufinden würde verdammt schwierig. Er war sich seiner Sache so sicher gewesen, dass er diesen Umstand nicht in seine Überlegungen mit eingeplant hatte. Er begann, Rademann zu verfluchen, auch wenn ihn unter Umständen gar keine Schuld traf.

Erkan stand auf, sah sich noch einmal um und trat den Heimweg an, er war sich nun ziemlich sicher dass gar nichts mehr passieren würde. In dem Augenblick, als er den Hügel herunterkam, hörte er plötzlich Geräusche. Wie elektrisiert blieb er stehen und lauschte. Ob es ein einzelnes Fahrzeug oder mehrere waren konnte er wegen der dichten Bäume und Büsche so nicht feststellen, sicher war nur, es tat sich etwas. Schnell entschied er sich zur Umkehr, erklomm erneut den Hügel und ging hinter dem niederen Gestrüpp darauf in Deckung. Vorsichtig legte er sich hin, so dass er mit leicht erhobenem Kopf die Stelle mit der Falltür gerade noch überblicken konnte. Wie praktisch so ein Tarnanzug doch ist, dachte er, und gepaart mit seiner an sich schon dunklen Hautfarbe sowie der fortgeschrittenen Dämmerung war er im Grunde unsichtbar.

Autotüren schlugen, Stimmen waren zu hören. Wenn es Rademann war, dann kam er nicht alleine. Aber alles in allem sah es nicht nach Polizeikommando aus. Es schien auch tatsächlich nur ein Fahrzeug zu sein, dabei war die Entfernung bis dahin zu groß um herauszuhören ob es sich um Steins Auto handeln könnte.

Lichterschein tauchte jetzt auf, wild tanzten die Strahlen von Taschenlampen durch das dichte Blättergewirr. In Erkans Ohren begann in der Anstrengung ein störendes Rauschen, dennoch erkannte er zwei Männerstimmen. Und eine davon gehörte Rademann, da war er sich kurz darauf sehr sicher. Die andere Stimme erkannte er nicht, zudem redete diese Person viel leiser und scheinbar auch nervöser. Immer deutlicher wurde das Knacken der Äste und rascheln der Schritte im Laub, die Männer schwiegen inzwischen. Erkan traute sich nicht, die kitzelnden Schweißtropfen von seiner Stirn zu wischen und zu allem Überfluss begannen ihm Stechmücken zuzusetzen. Abwehren konnte er sie nicht und der sirrende Ton an seinen Ohren machte ihn fast verrückt.

Dann traten die beiden Männer aus dem Unterholz. Erkan kniff die Augen zusammen, Rademann erschien als erster, dicht gefolgt von dem anderen Mann. So sehr sich Erkan auch anstrengte, den kannte er nicht.

Lutz zog seine Stiefel aus und stellte die Füße in den Bach. »Meine Güte, tut das gut. Ich glaub ich bin sehr knapp an einer Blase vorbeigeschrammt.«

Nico und Stefan folgten sofort dem Beispiel und so saßen die drei am Rand des Baches und begannen allmählich, sich zu entspannen.

»Möcht jetzt wirklich wissen was sich da bei Erkan tut«, sinnierte Lutz nach einer Weile.

»Tja, er wird uns berichten. Im besten Fall rückt da oben ein Kommando an.«

»Und im schlechtesten Fall, Nico?«, fragte Lutz, während er mit seinen Zehen kleine Kieselsteine in dem Bach hin und her bewegte.

»Da möchte ich lieber nicht dran denken. Es sieht trübe aus wenn Rademann alleine dorthin zurückkommt.«

»Meinst du wirklich, er hat mit dem kleinen Tobias was zu tun?«

»Stefan, ich weiß es nicht und ehrlich gesagt, ich will es auch gar nicht wissen. Wenn dem so ist, hat Erkan vielleicht ein Problem.«

»Wenn er sich Rademann zu erkennen gibt….«, fügte Lutz hinzu.

»Aha, da seid ihr ja. Alles okay mit euch?« Sie waren zu erschöpft und zu müde, höchstens eine einschlagende Bombe hätte sie jetzt noch erschrecken können. Stein war zu ihnen gekommen, wie immer auf leisen Sohlen. »Wenn ich richtig zähle…. fehlt da einer, oder?«

Lutz besann sich sofort seiner Worte, es galt erst einmal verbale Nebelkerzen zu werfen. »Wissen Sie, wo Herr Rademann ist?«, versuchte er abzulenken.

Stein war viel zu gewieft um nicht sofort Verdacht zu schöpfen, aber er machte das Spiel mit. »Ich weiß nicht wo er ist, vermutlich ins nächste Dorf gefahren. Warum?«

»Wir dachten er hätte sich bei Ihnen gemeldet…. er hat doch Rick gesucht«, warf Nico jetzt ein, um Lutz nicht in Verlegenheit zu bringen.

Stein verzog das Gesicht. »Rick? Ja, der war heute Nachmittag verschwunden. Das kommt schon mal vor wenn eine heiße Hündin in der Nähe ist.«

Lutz lenkte weiter ab. »Aber nun ist Rick wieder da?«

»Ja, er ist dann vor meinem Büro aufgetaucht. Aber warum fragt ihr danach? Gibt’s da etwas, das ich wissen müsste? Ihr habt mir immer noch nicht gesagt, wo Erkan ist.«

Nico stocherte mit einem Ast im Wasser herum. Eigentlich sollte und müsste Stein davon erfahren. Von ihren Ahnungen, Mutmaßungen, Verdächtigungen und was Rademann mit Stefan angestellt hatte. Das war letztlich eine Tatsache, auch wenn sie niemand wirklich beweisen konnte. Aber eine wichtige Frage stand noch im Raum: Wie weit würde Stein ihnen glauben? Nico erinnerte sich an das Unwetter damals. Seine Warnungen, die Stein ignoriert und trotz allem das Leben eines Jungen gekostet hatten. Ja, er würde es glauben müssen, wenn vielleicht auch nur widerwillig. Stefan sah ihn an, viele Fragen standen in seinem Gesicht geschrieben, er dachte in dem Augenblick sicher das gleiche. Abgesehen davon war es nicht undenkbar, dass Erkan in Gefahr geraten könnte.

»Erkan kommt gleich«, sagte Nico aber nur. Er wollte Zeit gewinnen. Zeit, um die Sache sehr genau zu überdenken. »Und Herr Rademann hat sich nicht bei Ihnen gemeldet? Heut Nachmittag etwa?«

»Nein, ich sagte bereits, ich weiß nicht wo er ist. Aber langsam würde mich diese Fragerei doch interessieren.«

Lutz räusperte sich, es gefiel ihm wie sie sich die Bälle zuwarfen und Stein nicht zum Zuge kam. »Hat man inzwischen etwas über die Webcam erfahren? Nico hat mir davon auf dem Weg hierher erzählt.«

Stein atmete laut aus und setzte sich zu den dreien an das Ufer des Baches. Offenbar war er sich bewusst, dass die drei ihm etwas verheimlichten, also musste er Rede und Antwort stehen. Dann würden die Chancen, etwas aus ihnen herauszubekommen, erheblich steigen. »Also, wir haben das Kabel der Kamera verfolgt. Sie führte in den Nebenraum, da wo die Putzmittel gelagert sind. Die Leitung endete dort mit einem USB-Stecker. Folglich hatten der oder die Täter vermutlich ein Notebook angeschlossen und wir nehmen an, dass jener oder jene auch zugegen waren wenn aufgezeichnet worden ist. Der Gefahr, dass jemand das Notebook finden könnte, ist man damit aus dem Weg gegangen. Man wusste ja ob da jemand kommen könnte. So wie die Dinge liegen wurde die Kamera erst kurze Zeit vorher benutzt. Das konnte man an den Staubspuren an dem Kabel erkennen.«

Nico begrub die Hoffnung, dass man ihn und Erkan doch nicht gefilmt hatte in jener Nacht. Aber das spielte keine Rolle, im Gegenteil. Egal wer sich darüber äußern würde, nur derjenige konnte es auch gewesen sein. »Darf man fragen wer „wir“ sind?«, hakte er nach.

»Klar, Charles Rademann und ich. Sonst weiß übrigens keiner der Betreuer von der ganzen Sache.«

Nico grinste bitter in sich hinein. Es wurde immer wahrscheinlicher dass Rademann seine Finger mit im Spiel hatte. Er zog den Vergleich mit jenen Feuerwehrmännern, die selbst Brände legten um von sich abzulenken. »Und wie geht es jetzt weiter? Ich meine, dabei kann man es ja nicht belassen.«

»Nein, sicher nicht. Wir versuchen, den Täter mit derselben Waffe zu schlagen. Herr Rademann hat hinter den Regalen im Putzraum seinerseits eine Kamera installiert. Allerdings läuft sie rund um die Uhr, vierundzwanzig Stunden lang. Sollte also jemand erneut versuchen, den Waschraum zu filmen, werden wir ihn erwischen.«

Nico ließ seinen Blick von Stefan zu Lutz schweifen, um den Ausdruck ihrer Gesichter zu studieren. Zwar fiel ihm das mit der einbrechenden Dunkelheit schwer, aber Ungläubigkeit schien er allemal herauslesen zu können. Denn wenn ihn sein Gefühl nicht täuschte, würde man nie jemanden in diesem Putzraum erwischen. Stefan und Lutz dürften gerade ähnliches denken.

»Was passiert eigentlich mit Raffael?«, wollte Nico dann wissen.

»Na ja, der hat sich nicht weiter zu dem Vorfall geäußert. Wir wissen dass er gelegentlich zu Gewaltausbrüchen neigt, aber wir müssen eure und vor allem Erkans Version hören bevor wir etwas unternehmen können. Vorläufig bleibt er jedenfalls hier. Allerdings fände ich es jetzt an der Zeit zu erfahren, was mit Erkan ist.«

Nico beschloss, Stein in die Geschichte mit der Grube im Wald einzuweihen.

Die beiden Männer machten sich keine Mühe, die Gegend um die Falltür herum auszuleuchten, sie waren sich ihrer Sache sehr sicher. Erkan beobachtete, wie die beiden hinter den Lichtkegeln in dem Loch verschwanden. Leises poltern und seltsame Kratzgeräusche waren zu hören, ab und zu dieses oder jenes knappe Wort.

Was sollte er jetzt machen? Die beiden auf frischer Tat ertappen oder besser den geordneten Rückzug antreten? Beides war nicht unbedingt klug. Sie waren zu zweit und ob sie unbewaffnet waren – darauf wollte er es nicht unbedingt ankommen lassen. Rückzug aber würde bedeuten, es wäre hier nie etwas geschehen. Keine Beweise, keine Täter, nichts. Allenfalls würde man ihn aus dem Camp schmeißen, denn mit dieser Aktion hatte er ganz klar gegen die Regeln verstoßen.

Der Nebel wurde zusehends dichter, die Dunkelheit trug ihr übriges dazu bei und nun war er ziemlich sicher, unter diesen Umständen den Weg zum Camp nicht mehr zu finden. Er musste handeln, aber er wusste nicht, wie. Seine Rückzugsgedanken traten in den Hintergrund, als die beiden Männer wieder auftauchten. Mittlerweile war es dunkel geworden und er achtete darauf, nicht in die Lichtquellen der Taschenlampen zu schauen um nicht geblendet zu werden. Rademann trug offensichtlich das Fahrrad, der andere Mann schleppte etwas vor sich her was Erkan trotz verzweifelter Versuche nicht erkennen konnte. Dass sie relativ ruhig in ihrem Tun handelten ließ darauf schließen, dass sie sich völlig sicher fühlten.
Die Männer redeten kaum und zu leise, als dass es zu verstehen gewesen wäre. Angestrengt lauschte Erkan, vielleicht erfuhr er doch etwas über den Verbleib des kleinen Tobias. Aber die Männer schwiegen jetzt wieder, Rademann schulterte das Fahrrad und der andere folgte ihm mit seiner unbekannten Last. Langsam verschwanden die Lichtkegel im Wald, die Schritte wurden leiser und kurz darauf wurde Erkan wieder von einer bedrückenden Stille umgeben.

Wut stieg in ihm hoch, das Gefühl, der Sache ohnmächtig gegenüberzustehen machte ihn fast wahnsinnig. Da gingen sie hin, die Beweise. Nichts würde mehr an diese Aktion hier erinnern. Zurück blieb die leere Grube. In Erkans Gehirn rotierten alle Möglichkeiten, wie er doch noch den Beweis antreten konnte. Der Boden war knochentrocken, keine Spuren. Ob im leicht feuchten Laub etwas herauszulesen war schien ihm eher nicht möglich. Und selbst wenn Rademann seinen Kippen in den Wald schnippte – er war heute Mittag ganz offiziell an dieser Stelle, sogar unter genügend Zeugen. Die Reifenspuren waren aus demselben Grund kein Beweis. „Du bist nicht im Film,“ dachte Erkan, „dort finden sie halt immer was.“ Mit Schaudern dachte er an Tobias. Was hatten die beiden mit dem Jungen gemacht? Wo war er? Lebte er überhaupt noch? Wenn ja, wo hielten sie ihn versteckt? Sinn machte das doch nur, wenn man Lösegeld verlangte.

Autotüren schlugen zu, der Motor wurde gestartet und leise war das knirschen der Reifen auf dem Kiesweg zu hören. Ohne zu Zögern stand Erkan auf und lief den Weg hinaus aus dem Wald. Noch einmal nach der Grube zu sehen machte keinen Sinn, sollte es trotz allem dort Spuren geben wollte er sie nicht zerstören.

Stein runzelte die Stirn. Man konnte förmlich hören, wie er die Geschichte, die ihm die drei Jungen gerade erzählt hatten, verarbeitete. Nico befürchtete zwar, dass er die ganze Sache als Hirngespinste abtun könnte, aber wenigstens waren sie jetzt aus der Verantwortung. Es lag nicht mehr an ihnen der Sache auf den Grund zu gehen.

»Wenn ihr meine Meinung hören wollt: Natürlich klingt das ziemlich unwahrscheinlich, man braucht ´ne Menge Fantasie um auch nur einen Teil davon annähernd realistisch zu sehen. Aber andererseits kann ich es natürlich nicht völlig ausschließen. Erkan ist also jetzt da oben an dem Bahnhof…. Ich habe im Augenblick allerdings kein Fahrzeug und zu Fuß ist das jetzt kein Thema.«
Stein grübelte. Es stimmte auffallend, dass sich Rademann seit dem Mittag nicht mehr gemeldet hatte und auch die Sache mit Rick war undurchsichtig. Ihm war es eben nicht aufgefallen dass der Hund eine zeitlang nicht anwesend war, das kam schon mal vor.
»Okay, wir können jetzt eigentlich nichts machen. Geht bitte rüber zum essen, Alexander wird schon fluchen weil ihr so spät kommt.«

Die drei nahmen das Angebot sofort an, denn der Hunger begann jetzt die Regie zu führen. Außerdem waren sie müde und eine heiße Dusche das Wichtigste überhaupt.

»Hat er uns geglaubt?«, fragte Stefan, als sie sich auf den Weg zum Gebäude machten.

»Keine Ahnung, zumindest hat er es nicht als reine Fantasie abgetan, das hab ich gemerkt. Fraglich ist jetzt bloß, was er unternehmen wird.«

Bevor Erkan aus dem Wald trat, löschte er die Lampe, die er inzwischen angeschaltet hatte weil er den Wagen nicht mehr hörte, und wartete einige Zeit, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Viel zu sehen gab es danach dennoch nicht, der Nebel war inzwischen zu dicht geworden. Nicht einmal die Gebäue waren zu erkennen, und selbst der Steinbruch nur zu erahnen. Erkan überlegte, dass er nur den Gleisen folgen musste. Aber ab der Wiese, wo sie den beiden Hunden entkommen waren, würde er den Weg nicht so einfach wieder finden. Der Ruf eines Waldkauzes hallte an dem Steinbruch wieder und Erkan schauderte einen Moment lang. Angst hatte er nicht, aber das beklemmende Gefühl so völlig alleine zu sein drückte auf sein Gemüt. Eigentlich war seine ganze Aktion hier sinnlos gewesen. Nichts hatte es gebracht, höchstens seinen Rauswurf. Aber bevor das soweit war würde er mit allen Mitteln versuchen, seine Beobachtungen so glaubhaft wie möglich zu schildern. Was dann daraus werden würde, das war nicht mehr seine Sache.

Angestrengt lauschte er in die Umgebung, aber der Nebel schluckte alle Geräusche. Nur der Kauz rief bald hier, bald da und schien auch das einzige Lebewesen neben ihm hier oben zu sein. Sollte er hier bleiben? Hatten die anderen davon erzählt und man würde ihn bald abholen? Wenn sie schwiegen, musste er wohl oder übel zusehen wie er zum Camp zurückkam. Er schnaufte kurz, schaltete die Lampe wieder ein und marschierte zu den Gleisen. Irgendwie und irgendwann musste er ja ankommen.

Nico ließ das heiße Wasser an sich herunterlaufen. Es war die reinste Wohltat, auch nach dem guten Essen, was ihnen Alexander aufgetischt hatte. Seine Gedanken pendelten hin und her. Sie waren zum einen bei Erkan da draußen, zum anderen bei Stefan, der in der Nebenkabine stand. Trotz dem Erlebten und der Müdigkeit – Nico spürte Verlangen aufkommen. Er sehnte sich nach den Berührungen dieses Jungen, nach dem Gefühl des Geborgenseins, der Nähe überhaupt. Lutz war schon eine Weile nicht mehr im Waschraum, sie waren alleine. Zudem gab es nichts mehr zu verbergen.

»Stefan?«, rief Nico in den Raum.

»Ja?«, hallte es von der Nachbarkabine heraus.

»Soll ich dir den Rücken waschen?«

»Hm. Weißt du, früher hast du nie danach gefragt….«

Das war Antwort genug. Nico schnappte das Duschgel und wechselte flugs die Kabine. Er holte tief Luft als er Stefan so vor sich stehen sah. Ja, da war er wieder, sein Traummann. Völlig unverändert präsentierte sich ihm dieser makellose Körper, im Mittelpunkt das spitzbübische Grinsen in diesem wunderschönen Gesicht. Stefan blinzelte ihn durch die feinen Wasserstrahlen an und Nicos Blick wanderte den gebräunten Körper entlang. Die fein definierte Brust mit diesen süßen, leicht abstehenden Warzen, die Bauchmuskeln, den Nabel. Dort folgte er dem feinen Haarstrich weiter hinab, zu den dunklen Schamhaaren. Stefans Penis hing nach unten, die Vorhaut umschloss seine Eichel komplett und nichts deutete auf irgendeine sexuelle Lust hin. Aber das war Nico egal. Er verspürte trotzdem den Drang, diesen Körper zu berühren, mit Küssen zu liebkosen an allen Stellen die es drauf gab. Ihre erste Nacht fiel ihm ein, als Stefan ihn endlich dem Status einer Jungfrau enthob. Wie zärtlich und einfühlsam er in ihn eindrang, dieses Gefühl, mit ihm eins zu sein erregte ihn jetzt und das spiegelte sich durch seinen Penis wieder. Langsam begann er dicker zu werden und seine Ruhestellung zu verlassen.

Stefan entging diese Reaktion nicht. »Nun komm schon. Oder wie lange glaubst du hab ich Lust auf dich zu warten?«

Nico grinste und trat zu Stefan unter den Wasserstrahl, wobei sich ihre Körper naturgemäß berührten. Ohne Worte drückte Nico etwas von dem Gel in seine Hände, verrieb die wohlriechende Flüssigkeit mit den Händen und begann, Stefans Bauch damit einzureiben. Sofort entstand ein flauschiger Schaum, den Nico allmählich auf Stefans Brust, Armen, Hals und Hüften verrieb. Stefan schüttelte sich kurz, als Nicos Hände um seine Oberschenkel wanderten um den Schaum auf seinen Pobacken zu verteilen. Auch wenn er bis hierhin noch keine Reaktion gezeigt hatte, so war es unter diesen Umständen nicht mehr möglich, die Gefühle im Zaum zu halten. Ein Übriges ergab sich, als Nico Stefans Vorhaut mit zwei Fingern berührte und sie ganz langsam nach oben schob, so dass die prasselnden Wassertropfen für eine kitzlige, aber wohlige Massage auf der Eichelspitze sorgten. Stefan stöhnte kurz auf, dann ließ er ohne Widerstand seinen Schwanz in Nicos Hand anschwellen.

Erkan wusste nicht, ob er sein Umfeld als bedrohlich einordnen sollte. Er konnte trotz der Taschenlampe keine fünf Meter weit sehen, der Nebel umzingelte ihn regelrecht. Dennoch folgte er stur den silbrigen Schienensträngen. Hunger, Müdigkeit und vor allem die Ungewissheit machten ihm zu schaffen. Womöglich war es jetzt seine Mitschuld, sollte Tobias nun etwas passieren. Er hätte die beiden stellen sollen, egal was dabei herausgekommen wäre. Zumindest eine winzige Chance, dem kleinen Jungen zu helfen. Aber was half diese Erkenntnis jetzt? Im Grunde nichts. Er fand es dann doch müßig, sich Vorwürfe zu machen. Allerdings schwor er sich, die Sache in Ordnung zu bringen, egal ob man ihm glaubte oder nicht. Notfalls im Alleingang, sollte Stein ihn aus dem Camp hinauswerfen.

Zeit spielte nun auch keine Rolle mehr, er unterließ es nach einer Weile ständig auf die Uhr zu sehen. Ab und zu nahm er einen Schluck aus seiner Wasserflasche und er war unendlich froh noch eine Schachtel Zigaretten extra eingepackt zu haben. Das Rauchen lenkte ihn ab, machte die Sache zwar nicht einfacher, aber es beruhigte ihn irgendwie. Dennoch blieb er ab und zu stehen, hörte hinein in die Dunkelheit und den verflucht dichten Nebel. Alles was er nun noch hörte waren die Wassertropfen, die sich durch den Nebel auf den Blättern angesammelt hatten und dann ins Laub fielen. Es hörte sich oft an wie Schritte und Erkan schloss manchmal die Augen, um die Geräusche besser definieren zu können.

Er verließ nach einiger Zeit das Gleisbett und hielt sich rechts, glaubte dann einen Weg zu erkennen. „Ich muss jetzt an der Wiese sein“, sagte er laut, denn er wusste dass ihn eh niemand hören konnte. Sicher war er mit seiner Annahme an der richtigen Stelle zu sein nicht, aber der Gedanke ließ ihn hoffen.

Plötzlich war da etwas, das nicht ins Schema des monotonen Klopfens von Wassertropfen ins Laub hineinpasste. Sofort blieb er stehen, lauschte angestrengt und richtete nervös den Schein der Taschenlampe vor sich in den Nebel. Es lag in der Natur der Sache dass er sich damit eigentlich selbst blendete, aber eine andere Lösung hatte er im Augenblick nicht. »Hallo, ist da jemand?« Er kniff die Augen zusammen, starrte wie gebannt in die Richtung, aus der er glaubte etwas gehört zu haben. »Hallo?«, wiederholte er.
Einen Augenblick lang schien sein Herz stehen zu bleiben. Hellblau, funkelnden Edelsteinen gleich, leuchtete ihm ein Augenpaar entgegen, direkt in Kniehöhe vor ihm. Sämtliche Muskeln seines Körpers spannten sich an, starrten seine Augen wie elektrisiert auf die Erscheinung. Dann holte Erkan tief Luft und dem sekundenlangen Entsetzen wich ein Lächeln.
»Puh, Rick….hast du mich erschreckt.«

Nico hielt Stefan fest an den Hüften umklammert, leckte den Hals und die Schulterblätter seines Freundes wie ein junger Hund. Sie hatten das Wasser abgestellt und ließen sich immer tiefer in eine prickelnde Wollust hinabziehen. Vergessen war auf einmal die Vergangenheit, die Enttäuschungen, das Misstrauen, die Tränen und die Wut. Vorbei die Zeit, wo sich in langen Nächten die Erinnerungen an schöne Tage wie Fantasien in den Gedanken hoch hangelten. Jetzt war der Körper real, greifbar, tastbar. Und er schmeckte gut.

»Stefan, ich werde dich nie wieder loslassen, egal was passiert.«
Die Antwort bestand in einem tiefen, innigen Kuss.

Nico dachte kurz nach, dann gab er sich einen Ruck. »Stefan…. ich…. ich hab…. ich habe mit Erkan…. Sex gehabt. Aus Wut über dich. Aber ich möchte dass du das weißt und ich wünsche, dass du mir verzeihen kannst.« Nico wusste nicht, ob es der richtige Augenblick war, aber er musste es sagen. Keine Geheimnisse mehr.

Stefan schob ihn von sich, seine Augen wurden groß. »Was…. warum? Wann?«

»Ich weiß nicht warum. Es kam einfach über mich…. in der ersten Nacht hier.«

Eine Weile schwiegen sie, standen nur da unter der Dusche, beide suchten jetzt nach den richtigen Worten. Stefan sah ein, dass eine Szene keinen Sinn machen würde, zu dem Zeitpunkt waren sie ja sozusagen noch getrennt und Nico grübelte über Schadensbegrenzung. Einen direkten Vorwurf konnte ihm Stefan allerdings nicht machen. »Es gibt für dich keinen vergleichbaren. Du bist der Beste«, hauchte er schließlich und knabberte an Stefans Ohrläppchen.

Sofort wich dieser zurück. »Lass das, du weißt dass mich das rasend macht….«

»Genau, und weil ich das weiß tu ich’s ja auch.«

Stefans Atmen ging schneller als Nicos Hand seine Hoden sanft zu massieren begann. Tief steckten sie ihre Zungen in die Rachen und angestachelt von den aufgestauten Gefühlen waren ihre zitternden Hände überall. Die Sache mit Erkan schien vergessen, Stefan war nicht weiter auf die Sache eingegangen. Vielleicht wurde das noch einmal ein Thema zwischen ihnen, aber jetzt, in diesem Augenblick, zählten nur noch sie beide. Sie spürten die Abkühlung des verdunsteten Wassers auf ihrem Körper nicht und sie nahmen auch ihre Umwelt nicht mehr wahr. Während sie in ihren Küssen fast ertranken, pressten sie ihre Schwänze fest aneinander, die sich steil und gierig nach oben reckten. Ihr zuerst verhaltenes Schnaufen steigerte sich in lustvolles Stöhnen, begleitet von liebevollen Worten, mit denen sie ihre Lust noch weiter anstachelten. Sie wussten beide, was sie so richtig scharf aufeinander machte und dieses Wissen setzten sie nun ein, ohne Tabu, ohne Furcht vor Entdeckung. Sekundenlang stellte sich Nico vor, dass sie jetzt vielleicht von irgendeiner versteckten Kamera gefilmt wurden und der Gedanke daran gefiel ihm. Wer immer da auch gerade zusah, sollte vor Neid erblassen. Aber dazu mussten sie zeigen, was sie draufhatten.

Steins Ruf, dass jetzt Feierabend wäre, hallte in dem Moment durch den Waschraum, als Nico Stefans Eichel mit der Zungenspitze zu umspielen begann. Sofort stand er auf und stellte sich so, dass man ihre steifen Schwänze nicht sehen konnte. Stein jedoch war nicht in den Waschraum gekommen, er hatte durch die Tür gerufen. Anstand hat er ja, dachte Nico und sah Stefan enttäuscht an. »Pech. Aber wir haben ja nicht nur hier und jetzt….«
Rasch verließ Nico die Kabine und band sich sein Handtuch um die Hüfte. Sein Schwanz war sehr schnell in Ruhestellung gegangen und deshalb bedurfte es keiner weiteren Wartezeit. »Herr Stein?« rief er laut.

»Was gibt’s?«, kam als Antwort durch die noch immer geschlossene Tür.

»Haben Sie einen Moment Zeit?«, fragte Nico weiter.

»Ja, warum?«

»Hab ´ne Frage.«

»Dann mal los.«

Nico öffnete die Tür und stand jetzt Stein gegenüber. »Nachdem Stefan und ich uns ja nun…. na ja, wieder vertragen…. Könnte ich nicht zu ihm ins Zelt ziehen?«

Stein sah ihn einen Moment lang an, dann hinüber zu Stefan, der sich Zeit ließ mit seinem Handtuch und ungewollt seinen nackten Po präsentierte.

»Tja, ich hab da nichts einzuwenden. Es wird so oder so eine Änderung im Ablauf geben.«

Nico horchte auf. »Wie meinen Sie das?«

»Drüben im anderen Camp scheint es so, dass sich Roland Zauner beim Heimmarsch den Fuß gebrochen hat und einer ziemlich sicher aus dem Camp ausgeschlossen wird.«

»Was heißt ausgeschlossen? Wer denn und warum?«

Stein brauchte kein Geheimnis daraus zu machen, die Sache war fast schon perfekt, zudem würde es sich eh wie ein Lauffeuer verbreiten. »Daniel kam betrunken vom Marsch zurück…. Das ist ein ganz klarer Verstoß, der auf keinen Fall Rücksicht duldet. Er wird morgen abreisen. Dadurch ist die Gruppe zu klein, und hier fehlt ja sowieso schon einer. Also werdet ihr zusammengelegt.«
Nicos Haare sträubten sich, als er an Mirko dachte. »Und was wird aus Erkan? Er hat im Grunde auch gegen die Regeln verstoßen.«

Stein rieb sich am Kinn. »Es kommt drauf an was an der Sache mit Herrn Rademann dran ist. Allerdings glaube ich auch nicht an einen Vorsatz, von daher wird Erkan sicher keine Schwierigkeiten bekommen.«

Stefan kam jetzt zu beiden hinzu und legte fast schon provokant seinen Arm um Nicos Schulter. »Aber trotzdem kann er doch zu mir ins Zelt….?«

»Ja, sicher. Das müsst ihr unter euch ausmachen. Nun aber Marsch, es ist spät.«

»Und Erkan?«

»Hm, ich denke nicht, dass man sich um den Gedanken machen muss.«

Nico und Stefan sahen sich fragend an, begannen aber dann sich anzuziehen.

Erkan fühlte sich so sicher wie selten in seinem Leben. Rick trottete dicht vor ihm her, eilig brauchten sie es nicht zu haben. Er musste dem Hund zwar im wahrsten Sinne des Wortes blind vertrauen, aber das war kein Problem. Nie würde er ohne Rick in dieser Nacht und dem Nebel wieder zurückfinden. Merkwürdig fand Erkan nach einiger Zeit nur, dass es statt bergab wieder bergauf zu gehen schien. Es konnte Einbildung sein, aber irgendetwas stimmte plötzlich nicht. Einen Waldweg der so schmal war, dass man rechts und links am Körper von Ästen gestreift wurde, so einen Weg waren sie nicht gegangen. Daran hätte er sich garantiert erinnert. Zwar konnte Erkan annehmen, dass Rick eine Abkürzung kannte, aber trotzdem beschlich ihn das Gefühl, es ginge den Berg hinauf. »Hey, Rick, bist du sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?« Klar konnte ihm der Husky keine Antwort geben, die Frage stellte er sowieso mehr sich selbst. Aber er musste dem Hund trotzdem vertrauen, eine andere Wahl hatte er nicht.

Plötzlich wurde der Nebel lichter, gleichzeitig wurde die Luft ringsum merkwürdig warm. Erkan wurde langsamer, als die Baumstämme wieder sichtbar wurden. Er fragte sich zwar, warum der Nebel ziemlich rasch verschwand und die Temperaturen so angenehm wurden, gleichzeitig war er froh um diesen Umstand. Jetzt konnte er endlich mit der Lampe in die Gegend leuchten und Einzelheiten seiner Umgebung erkennen. Ob er jemals schon hier gewesen war vermochte er nicht zu sagen, aber dennoch überkam ihm ein Gefühl der Erleichterung. Sollte sich Rick verlaufen haben, so war er wenigstens nicht alleine bis es wieder hell wurde. Seine Uhr zeigte kurz nach Mitternacht und es würde sichern noch eine Weile dauern bis sie im Camp waren.

Rick drehte sich nur kurz um und vergewisserte sich dass Erkan ihm weiter folgte. »Rick, ich weiß nicht…. kommt mir überhaupt nicht bekannt vor die Ecke.« Rick drehte sich aber einfach wieder um und ging ohne anzuhalten weiter. Für Erkan das sichere Zeichen, dass er dem Husky folgen sollte, wohin auch immer.

Stefan leuchtete in Nicos Zelt, so dass der ohne Probleme seine Sachen zusammenpacken konnte. »Scheiß klamm das alles. Diese Feuchtigkeit…. hoffentlich kriegen wir keine Erkältung«, fluchte er leise.

»Ruhig, Nico, wir können uns ja nun immerhin wärmen….«

Stefans Worte löschten sofort irgendwelche negativen Gedanken aus seinem Kopf. Die Tatsache, ab heute Nacht neben, bei und mit ihm zu schlafen rauschte sofort in den Vordergrund. Auch Steins Zusage, dass Erkan nichts passieren würde, trug zu seiner allgemeinen Erleichterung bei. Es war in dem Moment unwichtig ob Mirko von nun an in der Gruppe war oder nicht. Solange Erkan in seiner Nähe war, und dafür würde er schon sorgen, gab es keinen Grund zur Panik. Vielleicht hatte Mirko auch längst keine Absichten mehr, es waren immerhin zwei Jahre vergangen und die Befürchtung, er könnte seine Drohung von damals nicht vergessen haben, schien mit einem Mal abstrus. Außerdem gab es ja nun auch noch eine äußerst wichtige Handlung nachzuholen. Mit Sicherheit ließe sich die Unterbrechung unter der Dusche gleich ohne Verlust nahtlos fortsetzen.

Wenig später hatte Nico seine Sachen in Stefans Zelt verstaut, wenn auch erst einmal notdürftig. Bequem einrichten konnten sie es sich bei Tageslicht noch immer. Völlig fertig ließ sich Nico auf seinen Schlafsack fallen. Dennoch kämpfte er gegen die Müdigkeit, so wollte er diesen Tag nicht beendet wissen. »Komm her, mein Engel«, hauchte er erregt.

Stefan zog den Reißverschluss des Zeltes zu, dem einzigen Komfort gegenüber den üblichen Militärzelten, und ließ sich einfach auf Nico fallen. »Scheiß Kälte….«

»Komm, ausziehen und rein in den Schlafsack, ich werd dich wärmen«, flüsterte Nico und begann, Stefans Hemd aufzuknöpfen. Nicht untätig, machte sich Stefan über Nicos Hosengürtel her, ließ aber kurz davon ab um sich den Schuhen seines Freundes zu widmen. »Die sind unbequem da drin«, sagte er, während er die Schnürsenkel aufzog und die Schuhe von Nicos Füßen zog. Dann kniete er sich über Nico, so dass der leichtes Spiel hatte, die Knöpfe seiner Hose aufzumachen. Deutlich war die Enge zu spüren, mit der Stefans Penis jetzt zu kämpfen hatte. Aber Nico genoss diese Handlung, auch wenn sie absolut nichts voneinander sehen konnten. Stefans Schwanz durch den weichen Stoff seines Slips zu kneten und zu spüren wie er zu einem harten Stab heranwuchs war höchst erregend. Schnell entledigten sie sich auch dem letzten Stück Stoff an ihrem Körper und schlüpften gemeinsam in Stefans Schlafsack. Nicos Nase war entwöhnt, und so stachelte ihn der Geruch, den Stefans Körper darin hinterlassen hatte, unglaublich an.
»Du bist einfach unbeschreiblich«, flüsterte er ihm ins Ohr, nicht ohne ihn dabei wieder an dieser Stelle anzuknabbern. Längst hatte sich Stefans Hand um Nicos Steifen gelegt und sachte begann er, die Eichel mit der Daumenspitze zu streicheln.

Nico schüttelte sich behaglich. »Du machst mich wahnsinnig….«

»Ja, du sollst halt nicht an meinen Ohrläppchen knabbern«, bekam er als Antwort, die in einem innigen Kuss fast unterging. Nico schnupperte sich an Stefans Hals zur Brust, leckte die kleinen, aufrechten Nippel und strich mit seiner Zunge das Brustbein hinunter bis zum Nabel. Damit entglitt sein Schwanz Stefans Griff, der sich dafür nun leise stöhnend in Nicos Haaren festkrallte. Sein Körper bäumte sich kurz auf, als sich Nicos Lippen um seine Eichel schlossen und die heiße Zunge ihr wildes Spiel aufnahm. Umnebelt von den eingefangenen Düften und Gerüchen wurde sein Zungenspiel immer heftiger, saugte und lutschte er und genoss die windenden Bewegungen des Körpers unter sich. Schließlich entglitt Stefan ein quietschender Laut, als er von einem heftigen Orgasmus geschüttelt wurde. Langsam zog sich Nico an dem nun heißen, Nassgeschwitzten Körper empor und ließ seinen Schwanz von Stefans Hand suchen. Nur eine einzige Berührung genügte, und Nicos Sperma schoss auf Stefans Bauch. Ohne sich darum zu kümmern, sackte Nico schwer atmend auf dem Körper unter ihm zusammen. »So ein süßes und leckeres Betthupferl wünsch ich mir jeden Abend«, flüsterte er Stefan mit zitternder Stimme zu. Die Küsse, die sie als Abschluss tauschten, nahmen beide nur noch am Rande wahr, zu sehr waren sie nun erschöpft und müde. Eng umschlungen schliefen sie nach wenigen Minuten ein.

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