Welcome to Australia – Teil 40

„Ich wollte gerade den Rucksack bezahlen, als ein Typ mir den Geldbeutel entriss und aus dem Laden stürmte.“

„Und wie sah der „Typ“ aus?“, fragte mich der Offizier.

„Braune… schulterlange Haare… ich habe ihn nur von hinten gesehen.“

Wir standen immer noch im Laden, was der Verkäuferin wohl nicht passte. Sie stand mit hochrotem Kopf hinter der Kasse. Einige Kunden waren gegangen, andere standen in der Nähe und hörten einfach zu.

„Hast du etwas gesehen?“, richtete der Offizier seine Frage an Berry.

„Nur, dass er so eine komische Jeansjacke anhatte mit einem Totenkopf drauf.“

Jetzt wo Berry dies erwähnte fiel mir das auch wieder ein. Die Beamten schauten sich kurz an.

„Können sie uns trotzdem folgen, damit wir ihre Personalien aufnehmen können und gibt es einen Erziehungsberechtigten, der ihre Angaben bestätigen kann?“

So langsam kam ich mir vor wie ein Verbrecher.

„Kein Problem, hier möchte ich sowieso nichts mehr kaufen, so unfreundlich wie man hier behandelt wird“, sagte ich laut und verließ mit Berry und den Beamten den Laden.

„Ich habe Bob bereits angerufen“, meinte Berry.

„Wer ist Bob“, fragte der Offizier.

„Bob Miller, mein Onkel und Erziehungsberechtigter.“

„Du bist Bobs Neffe?“, fragte der andere Offizier.

Ich nickte. Die zwei Beamten schauten sich an.

„Bob…, der Tierarzt, du weißt doch, der immer nach meinem Pferd schaut.“

„Trotzdem Ben, du weißt wie die Vorschriften sind.“

„Ich meinte ja nur.“

Ich verstand nicht, was die beiden meinten und folgte ihnen immer noch angesäuert. Man wird beklaut und anschließend selbst wie ein Verbrecher behandelt. Berry lief neben mir und suchte meine Hand.

Ich griff nach ihr und er drückte etwas fest zu. Ein verhaltenes Lächeln folgte. Auf dem Weg, wohin uns die Beamten führten kamen uns Horaz, Lesley und Molly entgegen.

„Was ist denn mit euch?“, rief uns Lesley entgegen.

„Tom wurde beklaut und nun wollen sie seine Personalien aufnehmen“, erklärte Berry, während ich genervt nickte.

„Und wo ist das Problem?“, fragte Molly.

Die Offiziere hielten inne.

„Junge Dame, wir sind angewiesen von jedem, der sich nicht ausweisen kann, die Personalien aufzunehmen!“

Molly schaute die beiden an.

„Oh hallo Mr. Sanchez…, wie geht es ihrem Pferd.“

Sichtlich verlegen nahm der angesprochene Offizier seine Mütze ab.

„Gut… ähm… hallo Molly.“

„Habt ihr Bob Bescheid gegeben?“, fragte Lesley.

„Der ist auf dem Weg hier her“, antwortete Berry.

„Der Typ ist schon bestimmt über alle Berge“, meckerte ich genervt.

„Was hat er dir denn alles geklaut?“, fragte Molly, was eigentlich eine Frage der Beamten sein hätte müssen.

„Geld…Ausweis und meine Schoolcard“, gab ich verachtend zur Antwort und sah die Offiziere sauer an, die etwas hilflos da standen.

„Und wie sah der Typ aus?“, kam es von Horaz.

„Braune, lange Haare… Jeansjacke mit Totenkopf hinten drauf“, gab Berry zur Antwort.

„Stand der nicht gerade an der Eisdiele?“, fragte Lesley.

„Wo?“, fragten Berry und ich gleichzeitig.

„Da vorne, nächster Gang“, antwortete er und wie auf Kommando rannten wir alle los.

„Halt“, rief der eine Offizier, was aber keiner von uns Ernst nahm.

Es blieb nicht aus, dass uns die Offiziere uns folgten, was mit aber in dem Augenblick egal war. An der Eisdiele angekommen, traute ich meinen Augen nicht. Da stand der Typ und leckte genüsslich an seinem Eis.

Ich rannte voll auf ihn zu und schmiss mich auf ihn.

Berry

Tom ließ plötzlich meine Hand los. Wie von einer Tarantel gestochen, rannte er neben mir los und schmiss sich auf einen Typen, der der Beschreibung ähnelte. Wütend schlug er auf ihn ein.

„Gib mir mein Geld zurück!“, schrie Tom.

Lesley, Horaz und ich stürmten auf die Beiden los und zerrten sie auseinander.

„Bist du durch geknallt oder was?“, schrie der Typ zurück, während Lesley und Horaz ziemlich Mühe hatten, ihn festzuhalten.

„Lass mich los?“, fuhr Tom mich an.

„Solange du nicht mehr auf den Typ einprügelst!“

Mittlerweile waren auch die zwei Herren Offiziere eingetroffen und das ziemlich außer Atem.

„… das ist er!“, schrie Tom.

„Könnten die Herren bitte mal loslassen“, bat der eine Beamte im höflichen Ton.

Der Typ schüttelte seine Arme frei und schaute die beiden verächtlich an.

„Können sie mir sagen, wo sie sich vor einer viertel Stunde aufgehalten haben?“

„Warum wollen sie das wissen?“, fragte der Typ genervt.

„Weil diesem jungen Mann die Geldbörse geklaut wurde.“

„Was? Ich soll geklaut haben? Ich habe den Center doch eben erst betreten, weil ich mir ein Eis kaufen wollte.“

Je länger ich mir den Typen anschaute, umso mehr kam die Überzeugung, dass es nicht der Dieb war. Er war fiel größer und kräftiger.

„Kann ich bitte den Inhalt ihrer Taschen sehen und können sie sich ausweisen?“, fragte der Offiziere.

Er blickte kurz zu Tom, der immer noch vor mir stand und seine Hände zu Fäusten geballt hatte. Mein Handy klingelte und ich fuhr zusammen. Schnell nahm ich das Gespräch an und drehte mich weg.

„Ja?“

„Hallo Berry, ich bin am Center, wo seid ihr?“

„An der Eisdiele.“

„Okay, bin gleich bei euch.“

Und schon hatte er das Gespräch weg gedrückt, bevor ich darauf antworten konnte. Ich ließ mein Handy wieder in die Tasche zurück gleiten und drehte mich wieder zu Tom.

„Bob kommt gleich“, sagte ich leise.

„Ich würde sagen, sie kommen jetzt alle mit auf die Station…“, meinte Mr. Sanchez.

„Wieso wir?“, protestierte Lesley, aber bevor mein Bruder noch mehr Beschwerden los lassen konnte, sah ich Bob heran laufen.

„Hallo Mr. Sanchez“, hörte ich ihn rufen.

Der gerufene Offizier drehte sich herum.

„Oh hallo Mr. Miller, wir…“

„Ich habe gehört, sie haben da ein Problem mit meinem Neffen?“, unterbrach ihn Bob.

„Ein Problem nicht gerade,… er kann sich nicht ausweisen.“

„Scherzkeks…, wie denn, wenn ich alles geklaut bekommen habe“, brummte Tom vor mir.

Ich stupste ihn leicht, damit er aufhören sollte. Er drehte sich um und schaute mich vorwurfsvoll an.

„Was denn…?“, fuhr er mich an.

Ich hob die Hände und trat einen Schritt zurück.

„… ich wollte…, ach ist ja jetzt auch egal!“

Fragend schaute Tom mich an, aber ich hatte keine Lust mehr ihm darauf aufmerksam zu machen, dass er mit jeder Bemerkung es nur noch schlimmer machte.

„Sie können meine Personalien aufnehmen, denn ich kann für meinen Neffen bürgen.“

„Das kann nur der Erziehungsberechtigte“, mischte sich nun der andere Offizier ein.

„Ich bin der Erziehungsberechtigte!“, meinte Bob etwas scharf.

Dieses Gespräch schien ihn auch zu nerven.

„Würden sie mich wieder loslassen“, meckerte der Typ, dessen Arm immer noch eisern vom Offizier Sanchez festgehalten wurde.

Der ließ augenblicklich los.

*-*-*

Tom

Sauer ließ ich mich auf mein Bett fallen. Obwohl Berry mehrfach versicherte, dass der Scheißkerl, der mich beklaute, war ich sicher, viel kleiner war, war ich immer noch der Meinung, dass es der Eisfresser gewesen war.

Es klopfte an meiner Tür.

„Waaaaas?“, rief ich.

Die Tür ging auf und Molly steckte den Kopf herein.

„Tut mir Leid, wenn ich dich nerve, aber kannst du mal an die Haustür kommen…, da ist jemand für dich.“

Fragend sah ich sie an und stand auf.

„Wer?“

„Komm einfach an die Tür.“

Sie ließ meine Zimmertür offen und verschwand. Ich folgte ihr und sah gerade noch wie sie in die Küche verschwand. Angepisst lief ich zur Haustür und zog sie auf. Ich traut meinen Augen nicht.

Da stand doch der Typ von heute Mittag.

„Was willst du hier und woher weißt du, wo ich wohne?“

Jetzt erst sah ich, dass hinter ihm noch jemand Kleineres stand.

„Ich will nur nicht falsch beschuldigt werden“, sagte er und drehte sich um, „los komm her…“

Der kleinere schien sein Bruder zu sein, die gleichen langen Haare, das gleiche Gesicht und vor allem, die gleiche Jacke hatten sie an. Auf alle Fälle trat dieser langsam hervor und hob mir etwas entgegen.

Ich fasste es nicht, mein GELDBEUTEL.

„Und? Fehlt da was nicht?“, fuhr der Ältere den Jüngeren an.

„…tschuldigung… kommt nicht wieder vor.“

Der Ältere gab seinem Bruder eine leichte Kopfnuss.

„Und nun schwirr ab! Guck dass du nach Hause kommst…!“

Der Kleine rannte weg, ohne sich noch einmal umzudrehen. Ich machte mein Portemonnaie auf und konnte feststellen, dass noch alles darin war.

Entschuldige noch mal, ich weiß nicht, was in meinen Bruder gefahren ist, aber er tut wirklich so etwas nicht. Kannst also deine Leute zurück pfeifen.“

Verwirrt sah ich ihn an.

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