Welcome to Australia – Teil 43

„Ist das nicht…“

„Ja, das ist Berry mein Freund.“

„Dann sollte ich vielleicht gehen.“

„Warum denn?“

Robin zuckte mit den Schultern.

„Hör auf Gustav“, hörte ich Berry rufen, als wir in seine Nähe kamen.

„Hi Schatz!“, rief ich.

„Hallo Tom, na sparzieren gewesen?“

„Ja, hab ich schon lange nicht mehr gemacht…, dass ist übrigens Robin.“

Berry musterte ihn genau und sah mich fragend an.

„Er ist in meinem Kunstkurs und der Bruder von Janno.“

„Janno sagt mir etwas…, einen Janno hatte ich früher einmal in der Klasse.“

„Genau der“, meinte ich.

„Hallo“, meinte Berry und streckte seine Hand aus.

Robin hob die Hand, doch dann zog Berry zögernd die Hand zurück.

„… bist du nicht…?“

Berry schaute mich an.

„Bevor du irgendwie sauer wirst, ich habe meinen Sachen zurück und nun vergessen wir die ganze Sache. Okay?“

Robin lief rot an.

„Warum hast du das gemacht?“, fragte Berry trotzdem.

Ich atmete tief durch und schaute zu Robin.

„…es tut mir wirklich Leid…, dass müsst ihr mir glauben….“

Die nächste viertel Stunde erklärte Robin, wo er da hinein geraten war. Letzt endlich hatte er es nur gemacht, um Anerkennung zu bekommen. Als Streber und Supergescheiter war man anscheinend nicht so beliebt.

Wir waren wieder am Haus angekommen.

„Du hast Glück, dass du an meinen Tom geraten bist, ein anderer hätte dich sicherlich bei der Polizei auflaufen lassen“, meinte Berry zu ihm.

Robins Wangen wurden erneut rot.

„Fährst du denn auch mit nach Sidney?“, fragte ich, um das Thema zu wechseln.

„…ich weiß es noch nicht. Der Direx hat sich noch nicht entschieden.“

„Warum?“

„Weil die meisten von euch schon achtzehn sind und ich mit meinen sechzehn nicht so gut passe und… und auch… wegen den Kosten. Mein Vater verdient nicht so viel…“

„Quatsch ich bin selbst noch siebzehn, warum solltest du da nicht passen. Und wegen dem Geld gibt es doch sicher irgendwelche Fördermittel an der Schule.“

Robin schaute mich beschämt an. Ich schaute zu Berry, der mit den Schultern zuckte.

*-*-*

Von Christopher hatte ich eine Mail bekommen, dass er, sein Freund und sein Bruder nach unserem Sydneyaufenthalt kommen würden. Er hatte mir über diesen Bruder einiges geschrieben und auch über sich vieles erzählt.

Ich hatte die Mail mehrfach gelesen und saß nun an meinem Schreibtisch. Es klopfte.

„Ja?“

Abby schaute herein.

„Hallo Tom, ich wollte dich fragen…, könntest du kurz nachher aushelfen? Der Computer streikt mal wieder und dein lieber Onkel hat alles durcheinander gebracht.“

„Was habe ich?“, hörte ich Bob im Flur fragen.

Ich grinste Abby an.

„Ich habe gerade von deiner aufopfernden Art der Bürokratie geschwärmt.“

„Aha…“

Er stand nun auch in meinem Zimmer.

„Ich habe Tom gefragt, ob er uns heute Aushilft. Molly muss mir bei einer OP assistieren und dann würde niemand an der Theke sitzen.“

„Gute Idee…, wenn Tom Zeit hat.“

„Habe ich, hatte nur eine Email gelesen, die ich von Christopher bekommen habe. Sie wollen kommen, wenn wir aus Sidney zurück kommen.

„Sie?“, wollte Bob wissen.

„Ja, er bringt seinen Freund und Bruder mit. Na ja Bruder. Der ist anscheinend auch ein Waisenkind und er hat ihn als Bruder adoptiert.“

„Nobel!“

„Christopher ist überhaupt sehr sozial engagiert“, begann ich zu erzählen und berichtete ihnen von den zwei Häusern und was er mir sonst noch so geschrieben hatte.

„Alle Achtung“, meinte Bob.

Abby schaute mich an.

„Tom, ich kenne diesen Blick mittlerweile. Irgendetwas geht in deinem Köpfchen vor.“

Ich begann zu grinsen, denn Abby kannte mich schon sehr gut.

„Ja, ich dachte, vielleicht könnte ich mich ja auch irgendwie engagieren…“

„Du willst ein Jugendhaus aufmachen?“, fragte Bob.

„Nein…, aber vielleicht jemandem helfen, dem es nicht so gut geht.“

„Hast du da schon jemand speziellen im Auge?“, kam es von Abby.

„Eigentlich ja…, aber ich muss da erst noch mit Mr. Steinhardt reden.“

„Was hat Scot damit zu tun?“, wollte Bob wissen.

Ich lächelte und ließ den Computer herunter fahren.

„Das erfahrt ihr dann schon noch“, sagte ich und mein Grinsen wurde noch breiter.

*-*-*

Bob hatte ganze Arbeit geleistet. Irgendwie hatte er es geschafft, teile des Betriebsprogramm lahm zulegen. Eine ganze Stunde brauchte ich, bis der Computer wieder lief und er die normale Arbeit verrichtete.

Nach und nach gab ich alles ein, was sich bisher angesammelt hatte. Tür zwei ging auf und Molly kam traurig schauend heraus.

„Was ist?“, fragte ich.

Molly atmete tief durch.

„Der Hund hat die OP nicht überlebt“, flüsterte sie.

Entsetzt schaute ich sie an.

„Und jetzt?“

„Weiß nicht. Mum ist komplett durch den Wind und fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Wo ist Bob?“

„Zimmer drei.“

„Gut.“

Besorgt schaute ich Molly hinter her. Seit ich hier wohnte, war noch nie so etwas vorgefallen. Ich sah wie Bob zu Abby in die Zwei eilte. Die wenigen Leute, die noch in dem Wartezimmer saßen, reckten ihre Hälse.

„… ist an Altersschwäche gestorben, Abby. Mach dir keinen Kopf“, hörte ich Bob beim heraus gehen sagen.

Es war das erste Mal, dass ich bei Abby Tränen in den Augen sah. Das Telefon klingelte.

„Tierpraxis Abby und Bob Miller, sie sprechen mit Tom Miller, guten Tag!“

Die zwei verstummten und sahen mich an.

„Hallo Tom, hier ist Sally…, Joshuas Mutter.“

„Ah Mrs. Handson, womit kann ich ihnen helfen?“

Bob und Abby atmeten durch.

„Spirit unsere Araberstute lahmt etwas und wollte fragen ob Bob sie sich einmal anschauen könnte?“

„Einen Moment Mrs. Handson, ich frage nach.“

Ich legte meine Hand über den Hörer.

„Joshuas Mutter frägt ob du vorbei schauen könntest, ihre Araberstute würde lahmen.“

Bob schaute zu Abby.

„Fahr du ruhig…, ich werde damit schon fertig und Mrs. Cronwig anrufen“, meinte Abby und verschwand wieder in der Zwei.

„Sag ihr, ich bin in einer halben Stunde da.“

Ich nickte.

„Kann ich mit? Falls ihr mich hier nicht mehr braucht…“

„Der Computer läuft wieder wie ich sehe und es ist alles abgeheftet, klar kannst du mit“, lächelte Bob mich an.“

„Ähm…, hast du vielleicht die Telefonnummer von Mr. Steinhardt im Kopf.“

„Ja, aber warum brauchst du die jetzt?“

„Ich muss noch kurz etwas regeln“, grinste ich ihn an.

Bob hob die Augenbrauen.

„… zehn Minuten…, dann fahre ich ab!“

„Okay.“

*-*-*

Das Telefongespräch mit meinem Rektor war gut gelaufen und meinen Vorschlag fand er gut. Jetzt musste nur noch alles andere funktionieren.

„Tom…, wo bleibst du?“, hörte ich Bob rufen.

„Komme“, rief ich zurück, schnappte mir meine Jacke und rannte aus meinem Zimmer.

Bob stand mit seiner Tasche an der Eingangstür.

„Da kann es ja losgehen.“

Der Verkehr war wenig und so befuhren wir zwanzig Minuten später das Anwesen der Handsons. Seit meinem letzten Besuch mit Bob hatte sich nicht viel geändert. Das Schild der Handsons zum Grundstück war neu und auch ein paar der Gatter, zwischen den wir fuhren, waren erneuert worden.

Wieder hielt Bob vor dem Haus. Sally kam aus dem großen Stall gelaufen.

„Hallo Bob, das ging aber schnell. Oh Tom, du bist auch mitgekommen, da wird sich Joshua freuen.“

Joshua freuen?

„Hallo Sally…, wo ist den die Patientin?“

„Im Stall, komm, ich bringe dich hin und Tom geh einfach ins Haus und rufe laut Joshua, er wird sich sicher melden.“

Ich nickte. Während Bob und Sally im Stall verschwanden, lief ich zum Haus. Die Stufen zur Veranda waren schnell genommen und ich zog das Fliegengitter vor der offenen Haustür auf. Von drinnen klang laut Musik entgegen.

Joshua brauchte ich nicht rufen, bei der Lautstärke hätte es niemand gehört. So folgte ich nur der Musik und kam an eine offene Tür. Es war wirklich Joshua selbst, der da so laut Musik hörte.

Er stand nur in Shorts vor einem Bücherregal und suchte anscheinend etwas.

„Hi Joshua“, sagte ich, aber er reagierte nicht.

So lief ich zu ihm hin und tippte ihm auf die Schulter.

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