Das Boycamp III – Teil 2

Die Einführung in das Camp durch Falk Stein artet nicht, wie Nico insgeheim gefürchtet hatte, in eine Moralpredigt aus. Dennoch weiß er jetzt, dass er auf der Hut sein muss. Aber es dauert nicht lange, bis er die erste Berührung mit jener Grenze zu spüren bekommt, die ihm gesetzt ist.
Obwohl er seine Vergangenheit zurücklassen will, holt sie ihn immer wieder ein. Er beschließt, jenen Ort aufzusuchen, der am meisten in seiner Erinnerung haften geblieben war und er tastet sich langsam an die Gruppe heran, mit der er es zu tun haben würde.

»Es wird nicht ganz einfach, das wirst du sehr schnell merken. Gerade weil du – in ihren Augen – kein richtiger Betreuer bist, werden sie dich doppelt im Visier haben. Du kannst es nur durch Kompetenz ausgleichen, sonst durch nichts. Wenn sie merken, dass du uns in nichts nachstehst, hast du es einfacher. Ich möchte aber nichts beschönigen: Der Anfang wird schwer, die erste Woche zumindest. Und – aufpassen: Nico, du hast die Gabe, auf andere anziehend zu wirken..« Stein grinste frech, »..du verstehst?«

Nico wurde rot. Ja, unter Umständen hatte Falk Recht. Beide Male, die er im Camp gewesen war, drehte es sich meistens um ihn. Oder Erkan. Ohne sich je den Status richtig bewusst zu werden, hatten sie oft die Kontrolle übernommen und die anderen waren ihnen praktisch blindlings gefolgt.

»Darin besteht unter Umständen eine gewisse – in Anführungszeichen – Gefahr. Du hast dein Wesen unter Umständen sogar gefestigt, gehst seltener Wagnisse ein, wobei dir in der Richtung niemand einen Vorwurf machen kann, denn das hast du immer absolut souverän gemeistert. Was ich damit sagen möchte: Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige aus der Gruppe versuchen, sich dir sozusagen anzuschließen. Du wirst es spüren, sehr schnell. Es liegt dann an dir, die Grenze zu finden. Die ist fließend, vom Vorgesetzten zum Freund, so in etwa. Es sind übrigens nicht die, welche plötzlich mit dem vertrauten Du angetanzt kommst. Wobei, dieses Thema haben wir auch schon durch; die Jungs zu siezen macht nicht wirklich Sinn. Sicher, sie sind erwachsen, sollte man jedenfalls annehmen. Aber in jedem steckt noch so ein bisschen.. Junge halt. Wir hatten noch keinen Fall, wo einer auf das Sie bestanden hätte. Du solltest eine Vertrautheit aus ihrer Richtung aber nicht dulden. Bestehe auf das Sie, wenn es ein muss.«
Stein schenkte Wasser nach, während Rick seinen Kopf auf Nicos Füße gelegt hatte und eingepennt war.
»Nur, wie bei fast jedem Durchgang kann es für dich natürlich Situationen geben, wo du einschreiten musst, in welcher Form auch immer. Ganz heikel wird es, wenn sich ein paar in die Haare geraten. Als außenstehende Person weiß man oft nicht, warum die sich plötzlich an die Wäsche gehen. Oberste Regel muss deshalb sein, zuerst die Handgreiflichkeiten beenden. Die Beteiligten beruhigen, bis sie runtergekommen sind. Und dann an die Ursache gehen. Sachlich, vor allem aber, zwei Seiten hören. Das ist verdammt schwer und kostet auch uns alte Hasen noch so manches Mal eine Menge Nerven.«

»Und wenn ich sie gar nicht beruhigen kann?«

»Gute Frage. Wenn es eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung ist, musst du einschreiten. Es geht nicht anders. Zum Glück gab’s erst einmal so eine Situation und danach sind die Beteiligten aus dem Camp gewiesen worden. Du kennst die Regeln sicher noch.«

Nico lächelte. »Oh ja, die brauch ich mir nicht noch mal reinziehen.«

Stein kreuzte die Hände im Nacken und lehnte sich weit zurück. »Also, ich denke das war’s erst Mal für den Anfang. Ach… noch etwas.« Steins Gesicht wurde zum ersten Mal ernst. Er beugte sich über den Schreibtisch und fixierte Nico mit seinen Augen. Seine Stimme wurde leise. »Wenn ich nach Köln gehe, dann kann ich.. Rick nicht mitnehmen.«

Nico merkte, dass ihm diese Worte nicht leicht über die Lippen kamen.

»Die ganze Zeit über war er in meiner Nähe. Ich hab’s einfach nicht geschafft, ihn an einen anderen Betreuer zu gewöhnen. Der Einzige dem er irgendwie nachhing, war Chip, aber der ist nun auch nicht mehr da. Ich weiß, du bist nur drei Wochen hier, aber wenn ich jetzt so unter den Tisch sehe..«

Nico sah hinunter und als hätte Rick bemerkt, dass es um ihn ging, öffnete er die Augen und schielte zu ihm hoch.

»Ich glaube, mit dir kommt er klar.«

»Aber es ist doch so lange her und die anderen sind ständig in seiner Nähe. Sie haben ihm doch nichts getan, oder?«

»Nein, sicher nicht. Aber Huskys sind sehr wählerisch was Bezugspersonen angeht. Sie folgen schon mehreren Personen, aber es gibt immer nur einen Führer. Das hat bei ihnen eine Menge mit Gefühlen zu tun und ich denke, du bist ein Mensch, der von Anfang an eine Beziehung zu ihm hatte. Das musst du selbst gar nicht merken, aber der Husky tut es.«

»Das heißt?«, wollte Nico wissen, obwohl er sicher war, die Antwort bereits zu kennen.

»Meine Bitte ist einfach, dass du dich um ihn kümmerst. Er wird das sehr schnell merken und dann wird er dir nicht mehr von der Seite weichen.«

»Aber, wird er mir denn auch hören? Ich meine, wenn ich ihn mal rufe oder so.«

»Das musst du selbst ausprobieren, mit Bestimmtheit sagen kann ich dir das jetzt aber nicht. Meistens dürfte es eh so sein, dass er im Vorfeld schon wissen wird was du von ihm willst. Ich hab ihn übrigens erst zweimal suchen müssen, aber da war halt ne heiße Freundin im Ort unten. Das kommt schon mal vor.«

»Spürt er, dass du weggehst von ihm?«

»Ganz sicher. Deshalb die stürmischen Begrüßung vorhin als du ankamst und darum liegt er jetzt mit dem Kopf auf deinen Füßen und nicht auf meinen.«

»Wird er trauern?«

»Klar, aber ich denke er fängt bereits damit an.«

»Und er haut auch bestimmt nicht ab? Ich meine, vielleicht sucht er dich.«

Stein rieb sich das Kinn. »Eine Garantie, dass er es nicht tut, kann ich natürlich keine geben. Nur, er weiß nicht wo er mich suchen soll. Andersherum, wenn er zum Beispiel nach Köln gebracht werden würde während ich hier bliebe, dann bin ich todsicher, dass er den Weg hierher findet.«

Nico kraulte Ricks Kopf. »Eine Frage hab ich aber noch: Was wird sein, wenn ich dann auch gehe?« Nico mochte schon jetzt nicht an das Ende der Zeit hier denken.

»Ich versuche in der Zwischenzeit eine Lösung zu finden. Ich fürchte, dass er hier ohne Bezugsperson nicht glücklich ist. Das möchte ich ihm nicht zumuten.«

Nico trank einen Schluck. »Das war aber schon mal ne ganze Menge. Puh.«

»Ja, aber alles andere kommt von alleine. In deinem Buch stehen die Rahmenbedingungen, also Essenszeiten, Nachtruhe und das ganze Gedöns halt. Eines haben wir allerdings vorübergehend aufgehoben: Es gibt seit heute keine Kleiderordnung, zumindest so lange dieses Wetter anhält. Es wäre unmenschlich, die Jungs bei dieser Hitze in Kampfanzüge zu stecken. Ist zweckmäßig, das weißt du, aber bei dieser Witterung ein Unding. Im Übrigen gilt deshalb auch ein generelles Rauchverbot. Nur am Sammelplatz außerhalb des Waldes und hier rund um die Gebäude darf geraucht werden. Ich möchte, dass du mithilfst, dieses Verbot zu überwachen. Und – ohne Diskussion: Beim dritten Mal gibt’s den Abflug. Es ist einfach zu gefährlich.«

Das war völlig einleuchtend, dennoch konnte sich Nico nicht vorstellen, dass abends oder nachts in den Zelten nicht geraucht wurde. Das würde sich so oder so ihrer Kontrolle entziehen.

Stein schlug beide Handflächen auf den Schreibtisch. »So, ich denk das war’s fürs Erste. Wenn du Fragen hast, jederzeit. Im Übrigen, mit Michael und Felix ist sehr gut auszukommen, keine Bange.« Er sah Nico nachdenklich an. »Hast du jetzt noch Fragen?«

»Ähm, nur – die erste Nacht pennen die wieder hier drin?«

»Ja, zum eingewöhnen. Morgen ziehen sie um, wie gehabt. Und noch etwas: Wenn du dir etwas zutraust, egal was auch immer und nicht weißt wie du es angehen sollst – dann gib Bescheid. Du sollst hier in erster Linie etwas lernen, und das geht schlecht wenn du nur zusiehst.«

Das war eine Bitte, nicht nur ein Angebot. Nico spürte das Vertrauen und er wollte so schnell wie möglich integriert werden. Vielleicht brauchte er ja nicht mal eine Woche, bis ihn die Jungs akzeptiert hatten, aber diese Hoffnung behielt er für sich. All zuviel Euphorie war sicher mit Vorsicht zu genießen. »Ach, und noch was..«, fügte er dann an, »wie ist eigentlich die Zukunft der Camps gesichert? Finanziell und so. Ich brauch das für meinen Bericht.«

»Nun, da es wie du weißt bereits viele Camps dieser Art gibt, wollte die öffentliche Hand plötzlich Gelder sperren. Zu teuer, zu aufwändig, das übliche Geheule halt. Mittlerweile aber werden die Camps durch private Sponsoren getragen. Hat Professor Roth damals, nach dem Wirbel um den kleinen Tobias, angestoßen. Zudem können wir mit einer Erfolgsquote aufwarten, die man vorzeigen kann. Klappt prima, derzeit kennen wir keine Engpässe. Aber in diesem Zusammenhang: Ob alles seine Ordnung und Richtigkeit hat, dazu werden die Camps von Zeit zu Zeit Stichprobenartig überprüft. Das macht eine gewisse Antonia Berger und die stand schon öfter als einmal plötzlich hier vor der Tür. Man kann übrigens mit ihr reden, sie ist keine von diesen Erbsenzählern die sich nur für die Bücher interessieren. Vielleicht eine etwas eigenwillige Person, aber man muss sie ja nicht heiraten.« Stein grinste. »Nur für den Fall und dass du dich dann nicht wunderst.«
Er lehnte sich wieder zurück und tippte die Fingerspitzen aneinander. »Okay, dann belassen wir es mal dabei. Bis zum Abendessen kannst du dich ja nun hier umsehen. Ach so..« Er öffnete erneut die Schublade und kramte darin herum. »Ah, da isses ja. Hier.« Er hielt Nico einen Schlüsselbund hin. »Damit kommst du in sämtliche Räume auf dem Gelände. Inklusive«, er suchte einen der Schlüssel heraus und hielt ihn hoch, »zu einer Schranke. Du kennst den Weg am Bach sicher noch, hinter dem Camp?«

Nico lachte. »Falk, ich denk, ich kenn da noch jeden Baum.«

»Glaub ich dir sogar. Der Zugang ist mit einer Schranke gesperrt, damit da keine Sonntagsausflügler durchfahren. Und der hier«, er zeigte ihm einen weiteren Schlüssel an dem Bund, »passt zu einer der alten Hütten, oben am Bahnhof. Einmal in den drei Wochen treffen sich dort Camp eins und zwei zum Grillfest. Und dass wir nicht immer alles da hoch schleppen müssen, haben wir diese Hütte gekauft, zum einstellen der Gerätschaften.«

»Den Bahnhof gibt’s also auch noch«, sagte Nico nachdenklich.

»Ja, Nico, den gibt es noch. Im Grunde hat sich dort nichts verändert.«

Da war noch etwas, das Falk sagen wollte, Nico war sich ziemlich sicher. Aber er fragte nicht nach. Es würde ein paar Tage dauern bis gewisse Dinge geklärt waren, besonders was die Vergangenheit anbetraf.

Stein stand auf. »Also, dann mal ganz offiziell.« Er hielt Nico die Hand hin. »Herzlich Willkommen im Camp und ich wünsch dir ne schöne, spannende Zeit. Damit du was erzählen kannst wenn du wieder auf dem Campus bist.«

Nico hielt seine Hand eher schüchtern hin. Etwas drückte in seinen Augen. Es war eine Mischung aus Freude, Dankbarkeit, aber gleichzeitig schwang Falk Steins Abschied bereits jetzt mit. Wenigstens wollte Nico bis dahin zeigen, was in ihm steckte. Nichts überstürzen, aber jede Chance wahrnehmen die sich ihm bot, das nahm er sich vor, als er Falks Hand fest drückte. »Ich werd mir Mühe geben.«

Stein nickte und lächelte dabei. »Das musst du nicht erwähnen, das weiß ich auch so. Nun, ich denke, du solltest erst Mal dein Quartier beziehen.«

Sie standen auf und Nico folgte Stein durch den Gang nach hinten, zu Alexanders ehemaligem Zimmer.
»Ein Hotelzimmer ist es natürlich nicht, aber du hast hier alles was man so braucht und vor allem, deine Ruhe. Manchmal hab ich mich gefragt, ob Alexander hier nicht verkümmern würde, sooft er hier drin alleine war.«

»Ich glaub, Alex ist so ein Typ der alleine sein kann«, sagte Nico und sah sich in dem Raum um, der nun seine Bleibe war. Außer einem Tisch mit einem Stuhl mitten im Zimmer stand rechts neben dem Fenster das Bett, ein paar leere Regale an der linken Wand, ein Schrank und unter dem Fenster so etwas wie ein Schreibtisch.

»Die Holzdecke und – Wände haben die Jungs aus dem letzten Camp gezimmert und eingebaut. Ich find’s jetzt richtig urig hier drin.«

In der Tat roch Nico jetzt das Holz, vorher war es ihm kaum aufgefallen. Neben dem Bett auf dem Boden lag eine Decke. »Und wozu dient die?«

»Musst ihn fragen«, sagte Stein und nickte zu Rick, der unter der Tür saß und alles beobachtete.

»Ah, er schläft hier drin?«

»Nun, das kann er, wenn er möchte – wenn du möchtest. Mal liegt er hier, dann wieder draußen vor dem Gebäude oder manchmal sogar im Camp. Kommt immer drauf an wie er gelaunt ist. Ich hab ihn nur selten mit nach Hause genommen, sein Reich ist hier oben.«

Nico fiel die Telefondose ins Auge, die nahe am Fenster angebracht war. »Da könnt ich mir jetzt direkt einen Internetanschluss vorstellen«, grinste er.

»Klar. Alex war ja in seiner Freizeit fast nur am surfen.«

»Okay, dann hol ich mal meine Sachen. Viel hab ich eh nicht dabei.«

Stein nickte. »Ich bin dann noch mal im Büro.«

Nico lief zu seinem Auto und nahm seine beiden Reisetaschen, das Notebook und den Schlafsack heraus, den zog er Bettzeug hier vor. Fraglich war an dieser Stelle, ob er ihn bei diesem Wetter überhaupt brauchen würde. Mit zwei Gängen hatte er seine Sachen ins Zimmer gebracht, nur auspacken wollte er nun nicht, dazu war es auch zu heiß in dem Zimmer. Später am Abend würde das auch genügen.
Er ging noch einmal in Steins Büro. »Ich werd mich mal ein bisschen hier umsehen«, sagte er zu dem Betreuer, der über irgendwelchen Schriftstücken brütete.

»Tu das. Heute passiert ja eh nicht mehr viel, aber das weißt du ja.«

»Okay, dann sehen wir uns zum Abendessen?«

»Ja, genau.«

Als Nico das Büro verließ, folgte ihm Rick bis unter die Tür, dann drehte er sich zu seinem Herrchen um.
Nico spürte ganz deutlich, was in diesem Moment zwischen den beiden passierte. Sie sahen sich an aber nicht nur das, sie redeten mit den Augen miteinander.

Falk Stein holte tief Luft. »Nun geh schon, Rick. Geh mit ihm.«

Rasch drehte sich Nico um, Steins Gefühlsausbruch schlug bis zu ihm durch. Alles hätte er sehen wollen in seinem Leben, aber nicht, dass Falk Stein eine Träne die Wange herunterlief. Und das würde passieren, in dieser Sekunde. »Komm Rick, du musst mir viel zeigen«, sagte Nico, ohne Stein dabei anzusehen. Dabei musste er es dem Hund überlassen, ob er ihm folgen wollte.
Nico ging durch den Gang hinaus ins Freie. Geblendet von der plötzlichen Helligkeit schirmte er seine Augen mit der Hand ab und die sengende Hitze ließ die Luft über dem Platz vor dem Hauptgebäude flimmern. Selbst hier, in vierhundert Metern Höhe, regte sich kein Wind und am Thermometer neben dem Eingang waren 31 Grad im Schatten abzulesen.
Kurz entschlossen marschierte Nico über den Platz, der mangels Wasser nur noch aus einer Steppe mit vertrocknetem Gras bestand.

Viele Erinnerungen begleiteten ihn auf dem Stück bis zum Sammelplatz. Schwer vorstellbar war zum Beispiel der Nebel, mit dem sie es damals hier zu tun hatten. Allerdings, gemessen an diesem Wetter wäre er allemal angenehmer gewesen. Schwärme von Wiesenheuschrecken flogen bei jedem seiner Schritte vom Boden auf und allerlei wärmeliebende Insekten tummelten sich in dem trockenen Gras.

Der Sammelplatz lag um diese Zeit im vollen Sonnenschein, schattig war es hier nur am Morgen und Abend. Wahrscheinlich fand unter den gegebenen Umständen kein Grillen hier statt, ein Funkenflug war immer unvermeidlich und jetzt sicher alles andere als angebracht. Dementsprechend sah die Stelle auch verwaist aus, die Asche schien schon älter gewesen zu sein.
Etwas knirschte hinter ihm und er drehte sich um. Völlig in Gedanken hatte er nicht bemerkt, dass er nicht alleine hier war. Langsam ging er in die Knie, woraufhin Rick ihm in die Arme lief und sich kraulen ließ. »Hey, alter Kumpel. Hast dich entschieden? Das freut mich. Aber hör zu, wir beide müssen ein Team werden, okay? Ich werd dein Herrchen ersetzen bis es eine Lösung gefunden hat.« Nico legte Ricks Kopf in seine Halsbeuge. Rick schwänzelte und gähnte, was Nico als eine Art Verlegenheitsgeste betrachtete.

Dann hielt Nico inne. Die letzten Stunden hier oben waren nie aus seinem Gedächtnis verschwunden, allenfalls hatte er sie verdrängt. Fest sah er Rick in die hellblauen Augen, und sie hielten seinem Blick stand. Was würde der Husky jetzt sagen, wenn er nur sprechen könnte? »Wollen wir.. zu Manuel?«, fragte er den Hund und stand auf. Der Besuch dieses Ortes im Wald war ihm wichtig, sehr wichtig. Er hatte nicht gewusst wann er die Gelegenheit dazu bekommen würde, allerdings ahnte er nicht, dass es so schnell ging. Er holte tief Luft. »Komm, ich möchte mal nachsehen.«

Daraufhin gingen sie auf dem Pfad in den Wald. Zaghaft trat er kurz darauf auf den kleinen Platz, um den herum später verstreut die Zelte stehen würden. Noch hatten die Neuen keine Ahnung, was hier auf sie zukommen würde und Nico schmunzelte. Er ging zu der Stelle, an der damals in etwa sein Zelt stand. Er erkannte sie wieder, an einem markanten Baum. Anscheinend war derselbe Platz nicht wieder belegt worden, denn das Grünzeug wucherte an der Stelle. Vermutlich suchte man mit Absicht immer andere Plätze, damit sich der Boden erholen konnte.
Der Baumstamm zum draufsitzen lag noch da wie damals, völlig unverändert. Vielleicht etwas mehr verwittert, von einigen hundert Holzwürmern mehr bewohnt. Tief holte Nico Luft, presste sie mit Gewalt bis in die letzten Lungenbläschen. Schade dass er nicht hier seine Bleibe aufstellen konnte, dass man ihn nahe am Geschehen lassen würde. Aber natürlich war es absurd, es machte nicht den geringsten Sinn.

Der Weg war immer noch derselbe, hinein in die Tannenschonung, bis zu der Wegkreuzung. Damals hatten sich Stefan und er heimlich dorthin geschlichen, heute war es ganz offiziell. Er war todsicher, dass Falk jetzt ganz genau wusste wo er hinwollte.
Nico blieb stehen. August, sie waren beim ersten Mal auch im August hier gewesen, so wie jetzt.

Dann trat er aus dem Wald, auf die Lichtung. Der Sanitärwagen war fort, endlich. Wenn man nicht genau wusste wo er stand, würde man es überhaupt nicht vermuten. Aber da stand er einmal, zwischen den beiden großen Bäumen. Auch den dicken Ast, der damals auf den Wagen gestürzt war, gab es nicht mehr. Die Erinnerungen kamen nun nicht mehr so lebhaft zurück, als wenn es diesen Wagen noch gegeben hätte.
Langsam gingen die beiden durch das Gestrüpp voran, hin zu der Stelle wo Manuels Kreuz stehen musste. Auch diese Stelle hatte er sich damals genau gemerkt, aber das Kreuz war verschwunden. Nichts, überhaupt nichts erinnerte mehr an die Geschehnisse von damals. Das hier war weiter nichts als eine Lichtung im Wald, wie es sie Tausendfach gab. Ohne besondere Eigenschaften.
»Rick, weißt du wo Manuels Kreuz ist?«
Der Husky schwänzelte und sah ihn fragend an. »Klar, das verstehst du ja nicht.« Langsam setzte sich Nico ins Gras, etwa an der Stelle, wo er mit Stefan am letzen Tag gesessen hatte. War es richtig, dass nichts mehr an Manuel erinnerte? Nico schüttelte den Kopf und kraulte Rick. »Nein, es ist nicht gut wenn vergessen wird.«

Da es ihm keine Ruhe ließ, stand er auf und suchte im nahen Unterholz. Schließlich wurde er fündig. Einige Meter weiter lag das Kreuz im Laub. Jemand hatte den Namen mit einem scharfen Gegenstand fast unkenntlich gemacht und der rechte Flügel des Kreuzes war abgebrochen. Nico erstarrte, weil das hier mit roher Gewalt zugegangen sein musste. Wer immer das auch gewesen war, Nico schämte sich nicht, seinen Tränen freien Lauf zu lassen und auch nicht, demjenigen, der diese Schändung zu verantworten hatte, den Teufel an den Hals zu wünschen.
Es wurde sein Herzenswunsch, mit Falk darüber zu reden. Vielleicht, weil er überhaupt nicht mit so etwas hier gerechnet hatte, entschloss er sich zur raschen Umkehr. »Komm, Rick, wir müssen zurück.«

Auf dem Rückweg fiel ihm noch etwas anderes ein. Vielleicht hatte er es in all der Zeit nur unterdrückt, aber er war sicher, ihm fehlte dieser Zusammenhalt, den er hier erlebt hatte. Die Freundschaft, die Gespräche. Einfach alles, was damit zusammenhing. Hatte ihm Stefan das alles nicht bieten können und war es darum auch mit einem Grund, warum sie sich kaum noch verstanden? Tatsache war, dass sie kaum andere Freunde um sich hatten. Gelegentlich trafen sie mit Arbeitskollegen die eine oder andere Verabredung, aber das war eher selten. Sie hatten sich gehabt und das war ihnen genug.

Öfter blieb Nico stehen, rief sich Einzelheiten seiner Zeit hier ins Gedächtnis. Ja, das hatte ihm gefehlt, ohne dass er es richtig wahrnahm. Doch nun stand er auf der anderen Seite. Wenn er es im richtigen Licht betrachtete, war er völlig auf sich allein gestellt. Sicher, er hatte jede Unterstützung der Betreuer, aber fühlte er sich nicht bereits schon jetzt mehr als Bindeglied, als Vermittler zwischen den Jungs und den Betreuern? Darüber hatte er schon oft nachgedacht, aber es war nie greifbar. Er musste einen Weg finden in diesen drei Wochen, und zwar seinen Weg. Er wollte es gut machen und vor allem richtig. Es war nun mal sein Wunsch geworden, hier einmal zu arbeiten und das hatte nichts mit seinem Schwulsein zu tun, zumindest glaubte er das. Die Jungen hier waren seine Arbeit, seine Zukunft. Er würde niemals ausschließen können, dass er sich hier verlieben könnte, aber er fühlte sich stark genug, gegen diese Gefahr ankämpfen zu können. Es durfte einfach nicht passieren.

Wenig später kam er am Zeltplatz an. Schon am nächsten Morgen würde hier Leben herrschen. Nico beschloss, die Vergangenheit hinter sich zu lassen soweit es ging. Einzig Manuel, da musste etwas geschehen.

Schon als er am Sammelplatz aus dem Wald trat, sah er die Jungen vor dem Hauptgebäude stehen. Dieser Tag war zum ankommen, kennen lernen. Sollte er sich dazustellen? Er brauchte den Kontakt zu ihnen, ohne Zweifel. Warum nicht schon jetzt? Absondern durfte er sich nicht, das war auf keinen Fall Sinn der Sache.

Während er über das dörre Gras auf die Gruppe zulief, machte er sich Gedanken wie er es am besten anstellen könnte. Ein bisschen Angst hatte er davor, die Grenze nicht eindeutig zu erkennen. Sie sei fließend, hatte Falk gesagt. Und eine Gratwanderung war es allemal.

Mit erhöhtem Herzklopfen kam er dann, mit Rick im Geleit, bei der Gruppe an.
Waren die Blicke misstrauisch? Sicher, denn Nico hatte die einmalige Erfahrung, an ihrer Stelle gewesen zu sein und dieses Gefühl genau zu kennen. Und da war Misstrauen nun mal an erster Stelle.
Die sechs Jungen standen am Eingang zum Gebäude, vier von ihnen rauchten. Nico überlegte es sich noch einmal kurz, dann trat er zu ihnen. Irgendwie würde sie ins Gespräch kommen und damit fischte er eine Zigarette aus seiner Schachtel und stellte sich zu der Gruppe.
Allerdings galt deren Aufmerksamkeit weniger ihm, als Rick. Der Husky war schon eine recht imposante Erscheinung und kaum jemand würde ihm auf Anhieb ohne Respekt gegenübertreten.
»Der tut euch nichts«, waren dann auch Nicos erste Worte. Kaum hatte er die Zigarette im Mund, streckten sich ihm zwei Feuerzeuge entgegen. Das nächstgelegene nahm er an. »Danke.«

»Ganz schön heiß«, meinte der Junge, der ihm Feuer gegeben hatte. »Und die sagen, das bleibt so. Was machen wir eigentlich den ganzen Tag in dieser Hitze?«

»Schwimmbad«, antwortete ein anderer.

Eine typische Antwort an dieser Stelle und Nico ging natürlich nicht darauf ein. Was konnte es schaden, sie nach ihrem Namen zu fragen? Er hatte ein recht gutes Namensgedächtnis und zudem konnte er später die Namen in den Akten zuordnen, wobei es in denen ja auch Passfotos gab.
Inwieweit sie sein Vorstellungsgespräch an der Hütte noch im Kopf hatten, wusste er freilich nicht. »Also, falls ihr es vergessen oder verpasst habt: Ich bin Nico Hartmann.«

Die Jungs sahen ihn an. »Und Sie sind – kein richtiger Betreuer hier, richtig?«

Nico merkte sofort den Hintergrund der Frage, das war doppeldeutig gemeint. Die Ungläubigkeit mag ihre Ursache in seinem Aussehen gehabt haben, denn ohne weiteres hätte er als einen der ihren gelten können. »Im Grunde schon. Ich mache hier mein Praktikum und stehe den Betreuern zur Seite.« Ob das nun richtig war, vermochten Nico nicht zu beurteilen, zumindest aber hatte er seinen Sonderstatus klargemacht.

»So ne Art.. Azubi?«, kam es von einem dritten.

Die ganze Gruppe lachte. Nico musste unter allen Umständen Verlegenheit, so sie auftreten wollte, kaschieren. »Nein, eigentlich nicht.« Oder doch? Er war sich nicht sicher, wie er mit dieser Frage umgehen sollte. Nur, so konnte er es nicht im Raum stehen lassen. »Vielleicht dann doch eher Praktikant.« Das war irgendwie ein schreckliches Wort, das ganz und gar nicht in diesen Rahmen passte. Aber ein anderes fiel ihm nicht ein. »Aber mit den gleichen Rechten und Pflichten. Wär übrigens schön, wenn ihr euch kurz vorstellen würdet.« Damit verschaffte er sich etwas Luft, die ihm plötzlich etwas dick vorkam.

Die Jungen sahen sich an, aber anscheinend nicht weil sie nichts sagen wollten. Den Anfang zu machen war eben nicht leicht.

Schließlich holte der erste unter ihnen Luft. Er reichte Nico die Hand, was der Atmosphäre sofort die Spannung nahm. »Peter Engel.«

Nico hielt seine Hand hin. Mochte das auch recht förmlich ausgesehen haben, vor allem unter Jugendlichen, so war es eher als Höflichkeit gedacht. Der Junge reichte ihm ebenfalls die Hand. Er war groß, kräftig, dunkelblond, braune Augen. Sein etwas rundes Gesicht verlieh ihm so ein bisschen den Status eines Ringers. »Und wie alt bist du?«

»Neunzehn.«

Mehr fragen wollte Nico keinem stellen, alles andere konnte er ihren Akten entnehmen.
Zwei aus der Gruppe kannte Nico ja bereits, es waren Marco und Patrick. Nachnamen spielten zumindest in seinem Kopf zunächst keine Rolle. »Wir kennen uns ja schon«, sagte er denn auch und sah die beiden an. Sie nickten.
Dann fiel sein Blick auf einen anderen Jungen, dessen kantig wirkende Figur und das strohblonde Haar auffielen. Er war ein halber Kopf kleiner als Nico und das ausdrucksstarke Gesicht sowie die stechend blauen Augen rundeten den ersten Eindruck ab. Nico vermutete hinter ihm einen Osteuropäer und als sich er Junge mit »Roman Vavlek« vorstellte, wurde seine Annahme bestätigt. Er sei 18 und aus Polen, erfuhr er dann noch.

Auch den nächsten in der Gruppe siedelte er in dieser Ecke an. Fast schwarze, stufig geschnittene Haare, etwas größer als er selbst und kräftig. Aber Roko Svenic stammte aus Albanien und sei 18, wie er sagte.

Der Letzte in der Gruppe war schmächtiger als die anderen und trug halblange, braune Haare, hatte grüne Augen, war so groß wie Nico und weckte dessen Aufmerksamkeit durch sein etwas feminines Aussehen.
»Herres, Antoine. Meine Mutter ist Französin und ich hab nen deutschen Vater«, erfuhr Nico von ihm. Auch, dass er ebenfalls 18 war. Er schien der nervöseste in der Gruppe zu sein, in seinen Worten schwang eine gehörige Portion Unsicherheit mit.

Damit hatte Nico in etwa ein kleines Bild von den Jungen, die in den nächsten drei Wochen um ihn sein würden. Alles in allem machte keiner einen aggressiven Eindruck, was natürlich gar nichts heißen musste. Mehr als einmal hatte Nico andere Erfahrungen gemacht, sowohl in den Camps als auch draußen.

»Wie ist das denn nun, drei Wochen zelten?«, wollte Roman wissen.

»Ja, genau«, hakte Peter nach.

»Herr Stein hat uns ja schon gesagt warum und so. Aber ist das nicht ein bisschen uncool?«

»Durchaus nicht. Es hat schon seine Vorzüge wenn man sich nicht groß um Ordnung kümmern muss. Und wie er sicher gesagt hat, bleiben die Inneneinrichtungen verschont.« Näher wollte Nico nicht darauf eingehen. Ihn interessierten jetzt die Akten, mit denen er sich sowieso beschäftigen musste. »Ich muss arbeiten. Man sieht sich. Bis später.«

Gefolgt von Rick und ein paar leisen Tschüs – Rufen betrat Nico das Gebäude. Steins Bürotür stand offen, aber er selbst war nicht da.
Entschlossen griff sich Nico den Stapel an Akten, die noch auf dem Schreibtisch lagen und trug sie in sein Zimmer.
Nachdem er sie auf den Schreibtisch gelegt hatte, ließ er sich auf das Bett fallen. Ja, genau seine Kragenweite wie er sofort feststellte. Er schloss die Augen und begann, alles hinter sich zu lassen. Schnellstens eingewöhnen, das war jetzt oberste Priorität.
Er zuckte kurz zusammen, als es an seiner offenen Tür klopfte.

»Stör ich?«

»Nein, Rainer, natürlich nicht. Bin grad dabei, anzukommen.«

Rainer Bode kam zu ihm und setzte sich ungefragt auf die Bettkante. Nico störte das nicht, denn, hatte er eh schon recht früh einen guten Draht zu dem Betreuer gehabt, würde sich diese Bande bestimmt noch verstärken. Nico war gewillt, Rainer Bode auf der Schwelle zu einem guten Freund zu sehen.

»Na, dann, herzlich Willkommen an Bord. Ich hoff, du hast ne gute Zeit hier.«

»Die hab ich todsicher, Rainer. Wie geht es dir denn so?«

»Och, kann nicht klagen. Hier ist es ja nie das Gleiche wie du weißt. Ansonsten, man schlägt sich halt so durch.«

»Besonders glücklich klingt das aber nicht.«

»Na ja, im Privaten gibt’s da so ein Problemchen, aber nichts gravierendes.«

Nico hakte nicht weiter nach, vielleicht ergab sich dazu noch die eine oder andere Gelegenheit.

»Und wie ist es bei dir? Was macht Stefan?«

»Weiß nicht, wir haben uns getrennt. Aber nicht für die Ewigkeit. Vielleicht wird es noch mal was, keine Ahnung. Abwarten.«

Bode nickte und sein Blick fiel auf Rick, der an der Tür lag und die beiden beobachtete. »Ich denk, du wirst der Richtige für ihn. Mich mag er nicht besonders, dabei hab ich keinen Schimmer warum nicht. Aber gut, ich geb zu dass ich mit Tieren im Allgemeinen nicht viel am Hut hab. Wahrscheinlich spürt er das.«

Eigentlich würden die beiden gut zusammenpassen, dachte Nico. Aber gut, daran war nichts zu ändern.

»So, ich muss noch was tun. In einer Stunde gibt’s eh Abendessen.«

»Ach, Rainer. Ich war am alten Platz, drüben und Manuels Kreuz ist geschändet worden. Weißt du wer so was tun könnte?«

Bode machte ein ernstes Gesicht. »Wirklich? Hm, keine Ahnung. Es kommen ja das ganze Jahr über Leute in den Wald. Dass es jemand aus dem Camp gewesen sein könnte.. ich kann’s zwar nicht ganz ausschließen, aber trotzdem. Nein, das halt ich für ausgeschlossen. Ich könnte nicht einmal sagen, wann ich das letzte Mal da drüben war.«

»Vielleicht sollte man ein neues machen. Also ich würde es schon gern.«

»Klar, die Jungs können das machen. Erinnere mich noch mal dran.« Bode stand auf. »Okay dann, bis später dann.«

Nico legte sich noch einen Augenblick um. Bis zum Essen brauchte er auch keine Akten mehr einzusehen. Er begann nach einigen Minuten stattdessen, seine Sachen auszupacken und das Notebook aufzustellen.

Danach begab er sich in den kleinen Aufenthaltsraum. Die Jungs saßen alle schon da, im Augenblick herrschte noch ziemliche Stille. Nico war der erste der Betreuer und etwas unsicher trat er an den Tisch, wo für vier Personen gedeckt war.

»Hier kannst dich setzen«, hörte dann Felix Gröbners Stimme. Der Koch brachte Gläser und Getränke an den Tisch.

Nico bedankte sich und setzte sich auf seinen neuen Platz. Von hier aus hatte er freien Blick zum Tisch der Jungen und die sahen nun alle zu ihm herüber, was ein gewisses Unbehagen bei ihm auslöste. Merkwürdig: Er kannte diese Räumlichkeiten, besser als die Jungs da drüben und doch fühlte er sich an dieser Stelle irgendwie fremd. Er würde sich wirklich erst daran gewöhnen müssen.

Er blieb allerdings nicht lange alleine mit seinen Gedanken, wie auf Kommando kamen Stein, Bode und Korn in den Raum, riefen allesamt »Mahlzeit« und setzten sich zu Nico an den Tisch.

»Na, schon eingelebt?«, wollte Michael wissen.

»Etwas. Ich denke das dauert noch ein paar Tage.«

Nun kamen auch Gespräche bei den Jungen auf. Sie sprachen leise, so dass man kein Wort verstehen konnte, aber scheinbar tuschelten sie nicht. Würde alles seine Zeit brauchen, dachte Nico und ließ sich von den Schnittchen, die Felix jetzt brachte, ablenken.

Viel geredet wurde nicht am Tisch, was Nico einerseits ganz entspannend, andererseits etwas bedrückend fand. Darum unterbrach er diese Stille. »Weiß man, wie es Joachim geht?«

Stein nickte, während er in sein Brot biss. »Er hat sich eine gehörige Portion Amphetamine reingeworfen, Speed und noch ein paar andere Sachen. Er wird morgen in seine Heimatstadt verlegt. Soweit geht es ihm gut, eben den Umständen entsprechend.«

»Wusste davon denn niemand?«, fragte Rainer.

»Offensichtlich nicht. So wie es aussieht ist er im Zug an das Zeug gekommen, oder am Bahnhof wo er losgefahren ist.«

Nico überlegte, ob er Manuels Kreuz in dieser Runde ansprechen sollte, aber er ließ es dann sein. Rainer wollte ihn unterstützen, mehr Aufhebens musste sicher nicht sein.

Nach dem essen stand Stein auf und ging zum Tisch er Jungen. Nico wusste in ungefähr noch, was er ihnen sagen würde. Nämlich wie es jetzt weiterging.

Stühle rückend und mit Gemurmel stand die Gruppe anschließend auf und verließ Stein folgend den Raum.

Rainer Bode stand ebenfalls auf. »So, ich werd dann mal nach Hause fahren. Michael, du hast ja ab heute Nachtwache«, richtete er das Wort an den Betreuer.

»Ja, die macht mir auch nichts aus. Aber Mittwoch auf Donnerstag, da wär ich schon gern zu Hause. Natalie hat Geburtstag und..«

»Ich würd es ja gern machen«, bemerkte Bode und rieb sich nachdenklich am Kinn, »aber Mittwochabend bin ich selbst eingeladen.«

»Wenn Not am Mann ist, ich meine, so schwierig kann das ja nicht sein, auf die aufzupassen«, lenkte Nico ein. »Also mir macht das jedenfalls nichts aus, ich bin eh hier.«

Die beiden Betreuer sahen ihn an, dann sich. »Nun, im Grunde ist es in der Tat kein Hexenwerk. Michael kann dich morgen Abend ja einweisen, oder?«

Michael nickte. »Kein Problem. Es gibt so einen Notfallplan, man kann im Grunde gar nichts falsch machen. Ich komme morgen nach dem Abendessen einfach auf dich zu, okay?«

»Klar. Muss Falk da sein Veto einlegen?«

»Nein, nicht unbedingt. Er hat ja schon vorher gemeint, dass du das eventuell auch machen kannst. Von daher also gibt’s keine Probleme. Ich sag ihm Bescheid, aber es ist nur ne Formsache.«

Nico war schon ein wenig stolz darauf, dass man ihm ohne großes Hin und Her Verantwortung übertrug. »Gut, dann geh ich mal noch nen Spaziergang machen, oder liegt noch etwas an?«

Seine beiden Kollegen schüttelten den Kopf.

»Na denn viel Spaß und ne gute Nacht. Bis morgen,« sagte Rainer Bode.

»Warte«, bat Michael, »ich komm doch glatt mit. Ciao Nico und bis Morgen.«

Innerhalb von Sekunden saß Nico alleine in dem Speiseraum. Er lehnte sich gemütlich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Bis jetzt lief alles so glatt und ganz nach seinen Wünschen. Na ja, bis auf diesen Joachim, aber so was kommt vor, es gab keinen Grund, sich unnötige Gedanken zu machen. Er stand auf, als Gröbner das Geschirr wegräumte. »Und wie isses so, hier?«, wollte er von dem Koch wissen.

»Bin zufrieden. Manchmal ist ein bisschen Stress, besonders wenn’s mal wieder an der Zeit ist, am Essen rumzumeckern, aber sonst – es gibt viel Schlimmeres.«

»Gut, ich geh dann mal an die frische Luft, hier passiert ja doch nichts mehr.«

»Nee, heute nicht. Die ziehen ja erst Morgen ins Camp. Wobei.. ein bisschen beneide ich die schon. Da draußen kühlt es Nachts doch ein bisschen mehr ab als in den Häusern im Dorf.«

Nico lachte. »Zieh doch auch hin, in einem Zelt. Platz ist da ja genug.«

Felix grinste. »Na ja, schon, aber meine Frau ist mit solchen Eskapaden ganz bestimmt nicht einverstanden.«

»Okay, dann mal nen schönen Feierabend.«

»Dir auch, Nico. Bis morgen früh.«

Nico trat aus dem Gebäude. Er hörte Stimmen, die aus dem provisorischen Schlafraum kamen. Falk würde jetzt noch die Regeln verkünden, die Gebote und Verbote aussprechen. Eigentlich wäre Nico gern dabei gewesen, einfach auch um Präsenz zu zeigen, aber nun waren die eh bald fertig.
Er setzte sich auf die Bank neben dem Eingang, zündete sich eine Zigarette an und ließ sich von der Sonne bescheinen. Jetzt hatte sie nicht mehr die volle Kraft des Tages und begann, hinter den Bäumen über dem Platz zu verschwinden. Dennoch drückte noch immer die Hitze des Tages auf Mensch und Tier. Den Beweis dafür hatte er auch in unmittelbarer Nähe: Rick lag von allem Geschehen unbeeindruckt vom drum herum im Eingangsbereich des Gebäudes und schlief. Zumindest schien er zu schlafen.

Die Stimmen wurden dann etwas lauter und die Gruppe kam aus dem Gebäude. Sie beachteten Nico nicht weiter, was ihn allerdings nicht störte. Irgendwann würde diese natürliche Distanz kleiner, nur durfte sie nicht vollends verschwinden.
Durch die Jungen aufgeweckt trabte dann auch Rick vor die Tür, allerdings nur, um sich neben Nico hinzulegen und fast demonstrativ alle Viere von sich zu strecken.

Stein kam nun ebenfalls heraus und setzte sich zu Nico auf die Bank. »Und, alles klar soweit?«

»Ja. Ich hab mich gemeldet für die Nachtwache, Mittwoch auf Donnerstag. Die beiden können nicht und ich dachte, das kann ich ja auch machen.«

»Sicher, das ist schön von dir. Je eher du dich in das Camp integrierst, umso besser. Du wirst sehen, die Zeit ist kein wirklicher Faktor hier. Sie vergeht auch für uns wie im Flug und kaum hast du dich an die Gruppe gewöhnt, geht sie auch schon wieder.«

Nico drückte die Kippe im Aschenbecher aus. »Ich werd dann mal noch einen Rundgang machen. Müde bin ich noch kein bisschen.«

»Tu das außerdem wird es im Wald jetzt richtig angenehm. Ach und noch etwas: Wir fahren morgen nach dem Frühstück rüber ins Camp zwei, du sollst ja auch den Rest der Betreuer kennen lernen.«

»Ja, okay.« Nico wandte sich an Rick.. »Kommst du noch mal kurz mit?«

Der Husky hob den Kopf, als würde er Tonnen wiegen, schielte kurz zu Nico und Stein, ließ dann aber seinen Kopf regelrecht zurückfallen und grummelte.

»Nee, eher nicht«, lachte Stein, »der wird erst am späten Abend wieder munter.«

»Gut, bis dann«, verabschiedete sich Nico. Ein Ziel hatte er nicht, einfach nur völlig abschalten. Er hoffte, diese Gelegenheit öfter zu bekommen.

Zwar lief er ohne festen Plan, aber dennoch zog es ihn irgendwie hin zum Camp.
Dort setzte er sich auf den alten Baumstamm und ließ sich einfach von seinen Gedanken treiben. Teile davon gehörten auch Stefan. Die Vergangenheit einfach so hinter sich lassen, das war so leicht nicht.
Ob er seine Mail bereits gelesen hatte? Wenn ja, wo? Würde es – sollte er es wirklich schaffen, später im Camp arbeiten zu können – Einfluss auf ihre Zukunft haben? Stefan war so mehr der häusliche Typ, der die Zeit am liebsten in den eigenen vier Wänden verbrachte. Solche Dinge wie hier waren nichts für ihn, das wusste Nico schon länger. Aber er wollte den Preis, der für einen Neuanfang zu bezahlen war, nicht berappen.
Sollte sich Stefan wieder melden, sollte es soweit kommen dass sie noch ein Mal von vorne beginnen wollten, dann musste sein Freund Kompromissbereit sein. Nico versuchte, die Nachteile des Camps in ihrer Beziehung herauszufinden, aber es gelang ihm nicht. Nichts war im Augenblick greifbar, was die Sache an sich in Frage stellte. Und so konnte es bleiben.

Es war bereits dunkel als er am Hauptgebäude ankam. Auch im Bereitschaftszimmer war kein Licht mehr zu sehen, Michael würde wohl schon schlafen. Rick lag unter der Bank am Eingang und selbst wenn er den Eindruck machte, tief zu schlafen, er würde Nico schon gehört haben als er aus dem Wald drüben trat.
Er bückte sich und streichelte das Fell des Huskys. Der gab nur ein leises Brummen von sich, wollte offenbar nicht gestört werden. »Dann schlaf mal schön weiter«, flüsterte Nico.

Mit Hilfe der Displaybeleuchtung seines Handys suchte sich Nico den Weg zu seinem Zimmer. Völlig geschafft von den Eindrücken dieses langen Tages schlüpfte er aus seinen Shorts und den Boxer, löschte das Licht und ließ sich nackt auf das Bett fallen. Bis auf das Grillenkonzert, das durch das weit geöffnete Fenster zu hören war, umgab das Gelände diese Ruhe, nach der sich Nico manchmal gesehnt hatte.
Vor seinen Augen lief der Tag noch einmal ab, wobei er nicht verhindern konnte, dass die Jungen des Camps sein Denken dominierten. Bis jetzt war ja fast alles so wie er es sich im Großen und Ganzen vorgestellt hatte.
Das Bett war bequem, es quietschte und knarrte nicht, war nicht zu hart und nicht zu weich. Zumindest diese Sache würde keine Probleme bereiten, denn nichts Schlimmeres als die falsche Matratze.
Obwohl ihm die Augen brannten und die Müdigkeit fast schon lähmte, konnte Nico nicht einschlafen. Zu viele Dinge gingen durch seinen Kopf, auch Stefan mischte dort mit. Es war jedoch zu erwarten, dass sich das im Lauf der Zeit hier geben würde. Die Tage waren angefüllt mit Aufgaben, sie würden ihn sicher auf andere Gedanken bringen.
Ob es derselbe Waldkauz war, den er jetzt laut und deutlich hören konnte? Nico stand auf und trat zum Fenster. Diese herrliche Einsamkeit hier draußen und doch keine Minute langweilig. Eine schöne, ausgeglichene Mischung. Er zog den Stuhl vom Schreibtisch ans Fenster, nahm seine Shorts und nestelte die Zigarettenschachtel heraus.
Stockfinster war es nicht in dem Raum, ein Nachtlicht in der Steckdose neben der Tür spendete ein schwaches, grünes Licht. Die Flamme seines Feuerzeugs blendete ihn einen Moment lang, dann setzte sich Nico auf die Fensterbank und stellte die Füße auf den Stuhl. Eine leichte, kühle Brise wehte jetzt vom Wald her.

Plötzlich hörte er Geräusche. Es war nicht auszumachen wer oder was sie erzeugte. War das inner- oder außerhalb des Gebäudes? Nico lehnte sich aus dem Fenster, aber hier auf der Rückseite war alles ruhig. Es musste im Gebäude sein und es war in der Nähe.
Rasch knipste er die Nachttischlampe an, schlüpfte in seine Boxershort und griff die Taschenlampe, die er in weiser Voraussicht schon am Nachmittag auf den Nachttisch gelegt hatte.
Ohne langes Zögern öffnete er seine Zimmertür und in derselben Sekunde erfasste der Lichtkegel seiner Taschenlampe eine Gestalt. Nico wich erschrocken zurück, doch in den wenigen Sekunden wurde ihm klar, dass es auf keinen Fall ein Fremder sein konnte. Der wäre nie an Rick vorbeigekommen.
Schnell hob Nico die Lampe hoch und leuchtete der Gestalt ins Gesicht. »Marco?«

Der Junge hielt die Hand vor sein Gesicht um nicht geblendet zu werden. »Ja, ich bin es.«

Nico stellte fest, dass der Junge ebenfalls nur mit einer Retroboxer bekleidet war. Sofort richtete er den Lichtstrahl vor sich auf den Boden, er wollte einfach nicht mehr sehen, nicht mehr und nicht deutlicher. »Ist etwas passiert?«, fragte er etwas verwirrt.

»Ähm.. ich hab Kopfschmerzen und kann nicht schlafen. Ich suche das Bereitschaftszimmer, Herr Stein sagte heute Mittag, dass es hier hinten irgendwo sein würde.«

»Ja, eine Tür weiter. Aber Herr Korn schläft sicher schon. Willst du eine Tablette?«

»Das wär gut, ja. Weiß gar nicht woher die Schmerzen kommen.«

Nico überlegte rasch. Sollte er die Sache lieber Michael überlassen? Konnte es etwas Schlimmes sein? Eigentlich nicht. »Sonst fehlt dir aber nichts?«

Marco schüttelte den Kopf. »Nein, alles okay.«

»Warte, ich hol dir welche. Er ging ins Zimmer zurück und schaltete die Nachttischlampe ein. Er hatte Tabletten mitgenommen, für alle Fälle und während er in seinem Kulturbeutel nach der Schachtel suchte, stand Marco unter der Tür und beobachtete ihn. Nicht dass Nico das gestört hätte, es gab ja nichts Geheimes in dem Zimmer, aber er spürte förmlich diese Blicke. »Ah, da sind sie ja.«

Marco lehnte unter der Tür und für einen Augenblick war Nico sich nicht sicher, ob dessen Schmerzen tatsächlich existierten. Allerdings, das konnte er erstens nicht beurteilen und zweitens, warum sollte der Junge eine Show abziehen?
»Hier.« Er drückte Marco zwei Tabletten in die Hand. »Und, ist alles ruhig im Schlafraum?«

»Ja, fast. Nur Roman sägt die ganzen Bäume hier ab.« Dabei grinste der Junge, wie es Nico schon zu Beginn an ihm aufgefallen war. Dieser Marco war ziemlich hübsch, eigentlich so seine Kragenweite wie er sich eingestehen musste. Es lag in der Natur der Sache, dass so etwas passieren konnte, damit hatte er sich lange genug auseinander gesetzt. Freilich waren das aus seiner Sicht nur natürliche Erkenntnisse und keinesfalls ein Grund zur Beunruhigung. »Hm, da kann man leider nichts machen. Wenn es zu nervig wird, einfach Bescheid sagen, wir haben so viel ich weiß Ohrstöpsel hier.« Nichts wusste er, aber es war anzunehmen, denn letztlich würde das doch ständig vorkommen. »Aber nun nimm die Tablette, erst mal eine. Wenn’s nicht besser wird, die andere auch noch.«

»Ja, mach ich. Und vielen Dank. Gute Nacht.«

»Schon gut. Gute Nacht.«

Nico leuchtete dem Jungen den Gang entlang, bis er oben um die Ecke bog, wo es zum Schlafraum ging. Es war nicht zu umgehen, dass er die Figur des Jungen ziemlich genau erkennen konnte.
Mit einem leisen Seufzer ging er zurück in sein Zimmer, löschte das Licht und warf sich erneut auf das Bett. Marcos Erscheinen hatte ihn aufgewühlt, aber irgendwann musste er jetzt schlafen, die Tage würden trotz allem anstrengend werden.

Früh jagte ihn der Wecker aus dem Schlaf. Er hatte jene Zeit gewählt, in der die Jungen bereits beim Frühsport sein mussten und hatte so die Duschen für sich.
Durch eine Wechseldusche kam er kurz darauf schnell in die Gänge und er genoss diese Minuten ausgiebig.

Richtig munter sah dann keiner der Jungs am Frühstückstisch aus. Das mag zum einen an einer eher schlaflosen Nacht und zum anderen an dem Tag an sich gelegen haben. Aufbau der Quartiere und, so wie Nico kurz zuvor am Dienstplan gesehen hatte, dieser Eingewöhnungsmarsch. Na ja, wenn man das Marsch nennen konnte. Bei der Hitze, die auch diesen Tag kennzeichnen sollte, war wohl eher ein etwas gemächlicher Spaziergang angesagt.

Stein, Bode und Korn saßen schon an ihrem Tisch. Es ging wie fast immer um das Wetter und Neuigkeiten aus der Tageszeitung. Der Sicherheit halber erzählte Nico auch von Marco Serrolas und den Tabletten.

»Das war in Ordnung, Nico«, lobte ihn Stein. »Das sind Dinge, die kommen öfter vor. Mal tut’s hier weh, mal da.. in den meisten Fällen können wir das ohne Arzt abklären. Ich denke nicht dass du eine Anweisung brauchst, wann der Doktor gerufen werden muss. Sowas sieht man sofort. Im Bereitschaftszimmer gibt es einen Verbandskasten, der muss auch immer mit wenn wir mal draußen sind, im Gelände. Und das mit den Ohrstöpseln stimmt sogar, wir haben welche hier.«

Abgesehen von den Eigenschaften, die man als Betreuer mitbringen musste, war wohl auch eine gewisse Grunderfahrung in Sachen Erste Hilfe angesagt. Aber da musste sich Nico keine Gedanken machen, diese Dinge beherrschte er ziemlich gut.

Während Bode und Korn die Gruppe zum Camp führte, stiegen Stein und Nico samt Rick in seinen Wagen und begaben sich auf den Weg zum anderen Camp.

»Die Jungs dort wirst du auf dem Grillfest so nahe kennen lernen wie das nötig ist. Es macht keinen Sinn, sich näher mit ihnen zu beschäftigen.«

»Gibt es eigentlich Kriterien, wonach man unterscheidet wer in welches Camp kommt?«

»Nein, das ist rein Willkürlich. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Camps allgemein. In der Eifel gibt es eins, die Jungs dort sind schon ein ziemlich harter Brocken. Die würden hier nur Unruhe stiften.«

Nico grinste.»Dann sind die hier also eher – von der leichten Sorte?«

»Ja, im Grunde schon. Die Delikte und Strafmaße sind etwa im gleichen Niveau. Sonst würde das auch kaum Sinn machen.«

Nico hatte damals das zweite Camp nie kennen gelernt und so war ihm der Weg durch den Wald dorthin völlig fremd. Dennoch prägte er sich schon gewohnheitsmäßig markante Punkte in der Landschaft ein. Es bestand zwar kein zwingender Grund das zu tun, aber man konnte schließlich nicht wissen.

Nach etwa 15 Minuten erreichten sie das Hauptgebäude von Camp zwei. Es stand nicht so frei, duckte sich fast völlig in einen Kiefernwald, dafür gab es keinen freien Platz davor. Auf den ersten Blick konnte man meinen, dieses Bauwerk sollte nicht so schnell entdeckt werden. Es gab auch keine Hinweise, wo sich der Zeltplatz befinden konnte. Alles in allem fand Nico die Lage besser, weil es nicht so weitläufig war.
Das Gebäude wirkte wie ausgestorben. »Die bauen jetzt wohl auch ihr Lager auf?«, mutmaßte Nico deshalb.

»So ist es. Die Dienstpläne der beiden Camps sind im Übrigen völlig identisch und das macht auf vielen Ebenen einen Sinn. Dennoch liegen die Camps so weit auseinander, dass es eigentlich nie zu einer Begegnung der Gruppen kommt. Außer wie gesagt, beim Grillfest.«

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