Die Kreuzfahrt

Nun saß ich hier auf meinem Bett. Meine Eltern hatten die Nachbarkabine und ich wartete auf meinen Zimmerkollegen. Mir war schon schlecht, weil ich nicht wusste, wer da kam. Ach so, ich bin der Marius, werde bald achtzehn und bin mit meinen Eltern auf Kreuzfahrt, die sie bei einem Preisausschreiben gewonnen haben.

Hätte mir jemand vorher erzählt, dass ich mein Zimmer mit nem anderen Gewinner teilen muss, wäre ich gar nicht mitgekommen. So fing ich an meine Sachen auszupacken, als es an der Tür klopfte.

„Herein.“

Die Tür ging auf und ein Junge in meinem Alter stand im Türrahmen.

„Hi, ich bin Jonas Schmidt. Bin ich hier richtig bei Marius Franzen“?, sagte er.

„Ja dass bin ich.“

„Dann werden wir zwei wohl uns das Zimmer teilen?“

„Das sieht wohl so aus.“

Meine Laune besserte sich, weil ich anscheinend doch nen netten Zimmerkollege bekam.

„Sorry, tut mir leid. Meine Eltern haben die Reise gewonnen, wusste nicht, dass ich mit jemanden Fremden das Zimmer teilen soll.“

„Geht mir genauso, aber komm erst mal rein.“

„Danke meine Arme fallen bald ab, die Koffer sind so schwer.“

„Ja für drei Wochen, braucht man so einiges.“

Er stellte seine zwei Koffer ab und schloss die Tür.

„So, hier werden wir also die nächsten Wochen zusammen hocken“, meinte Jonas.

Ich nickte.

„Welchen Schrank hast du?,“ fragte er weiter.

„Den rechten, ich hab grad angefangen mit einräumen.

Es klopfte wieder; die Tür öffnete sich und ein Mann trat herein.

„Und Jonas deine Kabine gefunden?“

„Ja Papas und Marius ist auch schon da. Marius das ist mein Vater und das ist Marius“, kam es von Jonas.

Ich stand auf und gab seinem Vater die Hand.

„So da will ich euch mal nicht länger stören, wir treffen uns sicher nachher beim Essen“, sagte er und war schon wieder in der Tür.

„Ähm. Paps, wenn du nächstes mal anklopfst, wartest du bitte auf ein herein“, kam es leise von Jonas aber doch so laut noch das ich es gerade noch verstand.

„Keine Sorge Sohnemann, ich wird euch schon bei nichts stören,“ kam es von Jonas Vater zurück und verlies das Zimmer grinsend.

Hatte ich da gerade richtig gehört. Er will uns bei nichts stören? Was meinte er damit? Etwas verwirrt packte ich meinen Koffer weiter aus.

* *

Das Festland war fast nicht mehr zusehen, soweit raus war das Schiff schon gefahren. Der Seegang war einigermaßen ruhig, trotzdem spürte ich den leichten Wellengang. Ich war so richtig in meine Gedanken versunken, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte.

„Und Marius alles klar?“

Ich drehte mich um und schaute in die Augen meiner Mum.

„Ja ist es, wo ist Paps.“

„Hat sich hingelegt, wollte ein bisschen ruhen.“

„Und hat er sich beruhigt?“, wollte ich wissen.

„Marius, nimm es nicht so persönlich, dein Vater steht im Augenblick im Dauerstress in der Firma, da ist er halt ab und zu gereizt.“

„Ach Mum, deswegen braucht er es aber nicht jeden Abend an mir auslassen oder?“

Meine Mutter nahm mich in den Arm und schaute mit mir hinaus aufs Meer.

„Ich hoffe, der Urlaub tut ihm gut, und es ändert sich alles, Marius.“

„Das hoffe ich auch.“

„Und wer ist dein Zimmernachbar?“

Meine Mutter wollte das Thema wechseln.

„Jonas? Der ist ganz in Ordnung, ist siebzehn so wie ich, denke mit ihm werde ich es schon aushalten.“

„Danke.“

„Für was?“

„Einfach dass du mit gekommen bist.“

Ich schaute ihr lange in die Augen und sie begann zulächeln.

* *

„Und Marius, was wollen wir essen?“

Ich fuhr herum Jonas stand mit seinem Teller hinter mir.

„Ich weiß nicht die Auswahl ist so groß. Wo sitzt du?“, fragte ich.

„Ich weiß noch nicht, ich dachte vielleicht bei dir.“

„Kannst du ruhig, bei uns ist noch Platz genug auch für deine Eltern.“

„Das trifft sich gut da kommen sie gerade.“

Jonas zeigte auf ein Pärchen, das zum Eingang herein kam. Sie waren anscheinend sehr lustig drauf, denn sie waren nur am Lachen. Jonas stellte mir meine Mutter vor und gemeinsam gingen wir an den Tisch meiner Eltern. Nach der normalen Begrüßung gingen ich und Jonas zurück zum Buffet und begannen unsere Teller zu beladen.

Wir saßen lange am Tisch, den unsere Eltern kauten so ziemlich jedes Thema durch, dass ihnen einfiel.

„Wenn ihr zwei fertig seid, dann geht doch schon“, meinte Jonas Mutter.

Meine Mutter nickte mir zu, mein Vater schaute mich nicht mal an. So verließen wir beide das Restaurant und liefen gemeinsam nach hinten ans Deck. Die Sonne war schon am untergehen.

„Zigarette?“

Jonas hielt mir seine Schachtel entgegen.

„Ja danke“, meinte ich und nahm mir eine.

Ich lehnte mich gegen die Reeling und schaute auf das Meer hinaus.

„Was geht in deinem Kopf vor?“

Ich schaute Jonas an. Wir kannten uns nicht mal einen Tag und schon stellte er solche Fragen.

„Wieso stellst du mir so eine Frage?“

„Ich kenne dich jetzt ein paar Stunden, und habe dich beobachtet. Du bist sehr aufgeweckt, aber deine Augen verraten mir etwas anderes.“

„So was sagen sie denn?“

Ich blickte ihn bei der Frage nicht an sondern ließ mein Blick übers Meer gleiten und zog an meiner Zigarette.

„Traurig…. deine Augen schauen unheimlich Traurig.“

Eine kleine Pause folgte, wo wir beide nichts sagen.

„Weißt du ich schaue hinaus…… und sehe mich dort hinten fliegen, mit den anderen Vögeln zusammen. Frei und ungebunden, wohin ich möchte.“

Jonas schwieg.

„Einfach die klaren Meeresluft atmen und an keine Sorgen denken. Niemand der mich bei der kleinsten Kleinigkeit in den Senkel stellt. Keiner da, der nur Vorschriften kennt und die ganze zeit herum kommandiert.“

„Dein Vater?“

Der Stich traf tief, Jonas hatte die Topfrage gestellt. Ich merkte wie sich am unteren Rand meiner Augen sich Tränen sammelten. Ich antwortete nicht. Wir standen beide nur da und sahen zu wie die Sonne im Meer versank.

* *

„Auf welcher Seite möchtest du schlafen, Marius?“

„Das ist mir egal.“

„Ähm…. stört es dich wenn ich nackt schlafe, ich bin es von zu hause so gewohnt?“ fragte Jonas etwas schüchtern.

„Tu dir keinen Zwang an, tue ich auch.“

Ohne auf Jonas zu achten, entledige ich mich meiner Klamotten, schmiss sie über einen Stuhl und ging in das kleine Bad. Als ich zurück kam lag Jonas bereits auf seiner Betthälfte und lass. Ich wunderte mich über mich selbst, das mein Blick so lange auf Jonas ruhte.

Seine kurzen dunkelbraunen Haare schimmerten wegen der Bettbeleuchtung. Er war muskulös und man sah wo seine Badehose anhatte. Das weiß seines Hintern, war ein deutlicher Kontrast zu dem braun, dass den Rest des Körpers bedeckte. Jonas schaute auf.

„Kann ich dann ins Bad?“

„Ja ich bin fertig.“

Er stand auf und streifte mit seinem Körper meinen im vorbeigehen. Wie als würde ich in eine Steckdose langen, durchfuhr es meine Körper. Total verwirrt legte ich mich ins Bett und deckte mich zu. Was war nur mit mir los, so etwas kannte ich an mir gar nicht.

Schnell war Jonas fertig und kam wieder aus dem Bad zurück. Er legte sich neben mich und deckte sich ebenfalls zu. Ich schaute ihn an, und ich merkte ich konnte mein Blick nicht von ihm wenden. Er hob den Kopf und ich schaute in seine tiefgrünen Augen.

Sein Mund formte sich zu einem Lächeln. Ich fühlte mich wie ein Gefangener, denn immer noch nicht konnte ich mich seinem Blick nicht entziehen.

„Weißt du, dass du verdammt gut aussiehst?“, unterbrach Jonas die Stille.

„Bitte… was?“

Er hatte mich aus meinen Gedanken gerissen.

„Ich hab gesagt das du gut aussiehst.“

„Ähm.. danke. Wie kommst du jetzt darauf?“, fragte ich.

„Ach so ich dachte du wüsstest….“, Jonas setzte sich auf.

„Was weiß ich?“

Das Lächeln war verschwunden und Jonas Gesicht wurde ernst. Ich spürte, wie es in seinem Kopf zu arbeiten begann.

„Was soll ich wissen, nun sag schon.“

„Auch auf die Gefahr hin, das du mich danach rauswirfst… Marius ich bin schwul…“

„Wie bitte, du bist was?“

„Schwul…“

Es hatte mir die Sprache verschlagen. Ich starrte ihn nur an und war keines Wortes mehr fähig. Seine Augen begannen zu glänzen und die erste Träne lief herunter.

„Ich werde morgen fragen, ob irgendwo ein anderes Bett für mich frei ist“, sagte Jonas, „ich dachte nicht das du so viele Schwierigkeiten damit hast.“

Er legte sich hin und drehte sich von mir weg. Leise hörte ich ihn schluchzen und löschte das Licht. Jonas war schwul und ich war immer noch total von der Rolle. Nur durch das kleine runde Fenster drang etwas Licht von der Bordbeleuchtung.

„Jonas?“ fragte ich.

„Was ist?“ kam es von Jonas mit leiser, weinerlichen Stimme.

„Es tut mir leid… du kannst natürlich in unserem Zimmer bleiben.“

Jonas drehte sich zu mir und ich Schein des Lichts sah ich seine verweinten Augen.

„Du musst entschuldigen, ich bin ein ziemlicher Einzelgänger und somit die größte Zeit zu Hause. Mit so einem Thema habe ich mich nie befasst.“

Jonas richtete sich auf.

„Willst du damit sagen du hast keinen Freund, ich meine jemand aus der Schule, noch nie eine Freundin gehabt?“

„Nein hab ich nicht.“

Ich starrte gegen die Decke und versuchte krampfhaft nicht los zuheulen.

„Du weißt also nicht wie das ist, jemanden zu haben, dem man vertrauen kann.“

„Ich habe meine Mum.“

„Das ist nicht das gleiche Marius, oder kannst du mit ihr über alles reden?“

„Naja.. über fast alles.“

Ich spürte ganz sanft seine Hand auf meiner Schulter.

„Darf ich dich in den Arm nehmen?“

Ich zögerte etwas, aber dann rückte ich näher an Jonas heran. Er nahm mich einfach nur in den Arm.

„Jonas?“

„Ja?“

„Wie ist das geliebt zu werden?“

„Gleich einer der Hammerfragen….du wirst doch von deiner Mutter geliebt…“

„Ist das genauso?“

„Nein das ist es nicht.“

„Wie ist es dann?“

„Schwierig.. ich weiß nicht die richtigen Worte. Es ist ähnlich, wie dass was du von deiner Mutter herkennst. Und trotzdem ist es viel mehr. Geliebt zuwerden heißt, du hast jemanden der 100% zu dir steht, für dich da ist, wo du dich fallen lassen kannst. Jede ach so kleine Regung von dir kennt, jeder deiner Wünsche…. er tritt für dich ein, was immer auch ansteht. Er lässt dich seine Liebe durch alles mögliche spüren, sei es durch Worte… Gesten oder Berührungen…. es ist einfach unbeschreiblich schön.“

Während ich Jonas Worte lauschte begannen mir die Tränen zu fließen. War es das nach dem ich die ganze Zeit suchte. Gut ich war viel allein, also schon gewohnt, aber trotzdem, nach genau dem sehnte ich mich. Ich spürte die Wärme die von ihm ausging und fühlte mich irgendwie wohl.

Ich kuschelte mich einfach noch näher an ihn, legte meinen Arm über seinen Bauch und vergrub mein Gesicht in seinem Hals. Sachte spürte ich wie er meine Haare kraulte und danach sanft über meine Rücken streichelte. Zwischen meinen Beinen begann sich etwas zu regen.

Ich schaute hoch und sah in der schwachen Beleuchtung seine Augen die ebenfalls offen waren.

„Bin ich jetzt schwul?“, fragte ich.

„Kann sein, aber das ist man nicht einfach so von jetzt auf nachher,“ bekam ich zur Antwort.

Ich senkte wieder meinen Kopf auf seine Brust. Sein Herzschlag war deutlich zu hören und ich hatte das Gefühl, dass er raste. Ich nahm einfach meinen Mut zusammen und erforschte mit meiner Hand seinen Bauch. Sehr genau nahm ich die Muskeln war und glitt hinauf zu seiner Brust.

Seine Brustwarze war steinhart und als ich sie sanft berührte, nahm ich ein leises Stöhnen von Jonas wahr.

„Marius bist du sicher du weißt, was du da gerade machst?“

„Nein, weiß ich nicht, aber es fühlt sich schön an.“

„Das musst du nicht machen.“

„Ich will es aber.“

Wieder hob ich meinen Kopf und schaute ihn an. Jonas hob seine Hand und strich mir zärtlich über meine Wange und durchfuhr mein Haar. Langsam zog er mich zu sich hinunter. Ich spürte ganz leicht seine weichen Lippen auf meinen. Irgendetwas machte klick in mir und ich gab mich Jonas einfach hin.

Ich vergaß alles um mich herum und wollte ihn einfach nur noch spüren. Ich wusste nicht wie lange dieser Kuss dauerte, er wurde nur noch intensiver. Seine Zunge spielte an meine Lippen, so öffnete ich sie. Wie ein neugieriges Tier drang sie in meinen Mund um meine Zunge zufinden.

Jonas Hand glitt über meinen Körper, ich konnte einfach nicht anders und lies mich nach hinten fallen und schloss die Augen. Seine Küsse waren auf meinen ganzen Körper zu spüren. Laut begann ich aus und ein zuatmen. Er wanderte tiefer mit seinen Küssen, bis er an meinen Schwanz angelangt war.

Als ich seine warmen Lippen darauf spürte zuckte ich zusammen, augenblicklich hörte er auf.

„Mach weiter bitte Jonas, mach weiter,“ stöhnte ich.

Ohne ein Wort zu sagen, begann Jonas meine Schwanz weiter zu küssen. Ich schaute auf, als er mit der Zunge langsam über meine pure Lust fuhr. Er nahm ihn in die Hand und begann zu reiben. Ich spürte schon jetzt das Gefühl in mir aufsteigen, das es mir bald kommen würde.

Ich wollte aber nicht und so zog ich Jonas zu mir hoch und gab ihm einen Kuss. Unsere Zungen trafen sich und spielten wie wild miteinander. Ohne Angst glitt meine Hand ebenfalls jetzt hinunter, und ich hatte das erste mal einen fremden Schwanz in der Hand.

Jonas stöhnte mir leise ins Ohr und gemeinsam begannen wir uns dann gegenseitig zu befriedigen. Es dauerte nicht lange und wir steuerten beide auf unseren Orgasmus zu. Lautstöhnend entluden wir uns beide in der Hand des anderen.

* *

Mitten in der Nacht wachten wir beide auf, eng aneinander geschlungen.

„Na?“, hauchte mir Jonas ins Ohr.

Ich lächelte Jonas an. Er strich mir das Haar aus dem Gesicht und drückte mir sanft einen Kuss auf die Wange.

„Marius?“

„Ja, Jonas?“

„Ich glaube, ich bin im Begriff mich in dich zu verlieben….“

Ich richtete mich auf und lehnte mich an die Rückwand der Kabine.

„Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Du kennst mich doch gar nicht..“

„Dass was ich kenne, find ich jedenfalls unheimlich süß.“

Ich spürte die Röte in mir aufsteigen, was Jonas bei der spärlichen Beleuchtung die durch die Luke drang nicht sehen konnte.

„Lass mir bitte Zeit Jonas, für mich ist das alles so neu.“

„Du hast alle Zeit der Welt, Marius. Ich will dich zu nichts drängen, was du nicht willst.“

„Danke das ist lieb von dir.“

„Komm lass uns noch ein wenig schlafen, nachher sehen wir sonst noch wie zwei Nachteulen aus“, meinte Jonas und zog mich wieder zu sich hinunter. Dicht aneinander gekuschelt schliefen wir auch bald darauf ein.

Als ich am nächsten Morgen erwachte war ich alleine im Bett, Jonas schien schon aufgestanden zu sein. Es klopfte an der Tür.

„Wer ist da?“, fragte ich.

„Dein Vater,“ kam es von vor der Tür.

Was wollte er denn so früh von mir. Ich stand auf, ging zur Tür und öffnete diese. Das ich total nackt vor meinem Vater stand, wurde mir zu spät bewusst. Mein Vater sah an mir herunter. Unsere Badtür ging auf und Jonas kam in die Kabine zurück.

„Marius, bist du schon aufgestanden?“ kam es um die Ecke.

Ebenfalls nackt kam er in das Sichtfeld von mir und meines Vaters. Bisher hatte er noch nichts gesagt, aber seine Augen sprachen Bände. Er schaute abwertend zu Jonas und dann auf mich.

„Du kleines Schwein,“ sagte er entsetzt und erhob die Hand.

Was in den nächsten Sekunden ablief, kam mir vor wie ein schlechter Film. Mein Vater holte aus und schlug mir direkt ins Gesicht. Ich fiel rücklings auf den Boden, er drehte sich weg und lief davon. Jonas kam sofort und half mir auf. Mir liefen Tränen über die Wangen. Die eine brannte fürchterlich und Jonas führte mich zum Bett.

„Er hasst mich,“ sagte ich mit leiser erstickter Stimme.

Jonas kam mit einem feuchten Tuch aus dem Bad zurück und hob es sanft an die Wange. Ich fuhr zusammen, denn das nasse Kühl brannte höllisch auf meiner Haut.

„Marius, dass tut mir leid, ich wollte nicht….“

„Hör auf Jonas, dafür kannst du nichts.“

„Komm ziehen wir uns an, bevor wir noch eine solche Überraschung erleben“, meinte Jonas und griff nach seiner Shorts.

Ich stand ebenfalls auf und zog mich langsam an.

„Wissen eigentlich deine Eltern das du..“

„Schwul bin? Natürlich, das wissen sie schon seit zwei Jahren.“

„Haben die sich auch so benommen?“

Es zog unheimlich als ich das Shirt über den Kopf zog.

„Komm her wir machen ein bisschen Creme drauf…. der hat dich aber böse erwischt,“ meinte Jonas und zog eine Tube aus seinem Schrank.

Vorsichtig trug er Creme auf meine Wange. Ich versuchte eisern zu bleiben, doch der Schmerz trieb mir weitere Tränen in die Augen.

„Was mach ich jetzt nur…?“

Ich war total verzweifelt.

„Wir gehen jetzt erst einmal frühstücken,“ meinte Jonas und zog mich zur Tür.

„Ich kann doch so nicht hinauf gehen.“

„Doch kannst du, es weiß ja niemand was passiert ist.“

„Was wird meine Mutter sagen, wenn sie mich so sieht, nein ich kann da nicht rauf gehen.“

„Keine Widerrede, du kommst mit“, meinte Jonas, nahm meine Hand in die Seine und gab mir sanft einen Kuss auf die heile Wange.

Wie ein begossener Pudel, taperte ich hinter ihm her. Ich hatte Angst meiner Mutter gegenüber zu treten. Was würde sie sagen, oder würde sie überhaupt noch mit mir reden? Meine Eltern waren bestimmt schon dabei zu überlegen mich zurück zuschicken.

Jonas öffnete die Tür und gemeinsam betraten wir den Frühstücksraum. Ziemlich weit hinten saßen die Eltern von Jonas und winkten uns zu. Jonas hatte bis jetzt meine hand nicht losgelassen und bei dem sanften Druck, die seine Hand auf meine ausübte, würde er sie auch nicht so schnell loslassen.

Von meine Eltern weit und breit keine Spur. Als wir näher an den Tisch von Schmidts kamen, verschwand das Lächeln von ihren Gesichtern, sie hatten wohl meine glühende Wange gesehen.

„Was ist passiert Jonas, guten Morgen Marius, das sieht ja schlimm aus“, kam es von seiner Mutter.

„Das war sein Vater,“ antwortete Jonas und drückte mich auf einen der zwei freien Stühle.

Herr Schmidt sah mich durchdringend an.

„Und warum?“ fragte er Jonas.

„Er kam an unsere Kabine und Marius öffnete ihm ..nackt…“

„Das ist doch nichts schlimmes“, sagte seine Mutter.

„Ich stand ebenfalls nackt hinter ihm.“

Seine Mutter lächelte.

„Gibt es irgendwas, bei euch beiden, was wir auch noch nicht wissen?“ fragte sie.

Jonas wurde rot, sah mich an und ich nickte ihm zu.

„Ich hab mich in den kleinen hier verguckt,“ sagte Jonas darauf leise.

„Das ist doch wunderbar,“ meinte die Mutter von Jonas und auch sein Vater lächelte.

„Und was machen wir jetzt mit dem Vater von Marius? Also ich meine er hat zu Marius du kleines Schwein gesagt, dass gibt sicher massiv Probleme“, meinte Jonas.

„Lass das mal meine Sorgen sein“, meinte Jonas Vater.

„Herr Schmidt, bitte nicht…“, sagte ich leise.

„Also erst mal ich heiße Harald, Marius und keine Angst, ich will mich nicht mit ihm schlagen nur mit ihm reden.“

Er stand auf und verließ uns.

„Tut es noch sehr weh? Ich bin übrigens Maike, also kein Herr und Frau Schmidt mehr“, kam von Jonas Mutter.

„Jonas“, ich blickte zu ihm, „hat mir ne Creme drauf gemacht, es wird schon besser.“

Ich wurde ruhiger, meine Nervosität wurde weniger. Vielleicht lag es auch daran das Jonas seine Hand auf meinem Bein liegen hatte und mich die ganze Zeit streichelte.

Maike schaute auf, es schien jemand hinter uns zu kommen. Ich drehte mich in ihre Blickrichtung, meine Muter war im Anmarsch. Ich fing wieder an zu zittern, doch Jonas schaute mich nur an und schüttelte den Kopf.

„Marius?“

Meine Mutter hatte mich angeredet.

Ich drehte den Kopf und schaute in ihre Augen. Ich bemerkte sofort wie sie erschrak, als sie mein Gesicht sehen konnte.

„War das Papa?“ fragte sie entsetzt.

Ich nickte.

„Iris setz dich doch zu uns, es wird eine Weile dauern, bis Harald wieder kommt“, meinte Maike.

Meine Mutter setzte sich völlig aufgelöst auf den Stuhl von Harald.

Jonas stand auf und holte noch eine leere Tasse für meine Mutter, die sich dafür bei ihm bedankte.

„Warum Marius?“ fragte mein Mutter mich.

Ich schaute zu Boden.

„Du hast mich immer gefragt, warum ich keine Freundin mit nach Hause gebracht habe, warum ich niemand kennen gelernt hab.“

„Was hat das damit…“

„Lass mich bitte aussprechen, dass hier fällt mir schon schwer genug.“

Ich schaute auf und ihr direkt ins Gesicht.

„Mama, ich werde nie eine Freundin mit nach hause mitbringen… ich bin …ich bin schwul.“

Mir kam es vor als würde es in diesem Augenblick absolut still im Frühstücksraum, aber als ich mich mit unsicherem Blick umsah, waren die anderen Passagiere kräftig am Frühstücken und Reden. Meine Mutter sagte nichts und starrte mich nur an. Ich wusste nicht ob ich jetzt losheulen sollte oder gleich aufspringen und wegrennen sollte.

Aber mein Körper horchte mir nicht, ich bleibe einfach unbeweglich auf meinem Stuhl sitzen. Sie nahm meine Hand und streichelte behutsam darüber.

„Marius, deswegen habe ich dich doch nicht weniger lieb, du bist mein Sohn und wirst es immer sein.“

„Du hast also keine Probleme damit?“

„Nein, habe ich nicht. Ich kann zwar den Strickkurs für Babykleidung stornieren, aber….“

„Wie bitte Babyklamotten?“

„Das war ein Spass“, meinte Jonas, ich atmete tief durch und er nahm mich in den Arm.

Meine Mutter und Maike lachten bereits und wir stimmten ein.

„Ist Jonas jetzt dein Freund?“, wollte meine Mutter wissen.

Ich schaute Jonas tief in die Augen und hauchte ganz verträumtes „ja“, was mir einen kurzen aber sehr lieben Kuss von Jonas einbrachte.

„Hach, die junge Liebe“, seufzte Maike, was uns alle wieder zum Lachen brachte.

„Ich möchte eure heitere Runde zwar nicht stören, aber ich möchte mir Marius kurz ausleihen.“

Das war Harald der plötzlich hinter mir stand.

„Soll ich mitkommen?“, fragte Jonas.

„Nein nicht nötig, aber lieb von dir, dass du fragst. Das muss ich jetzt wohl alleine machen was jetzt kommt.“

Ich stand auf und folgte Harald nach draußen auf das obere Deck, dort ließ er mich alleine zurück. Nicht ganz, denn mein Vater stand an die Reeling gelehnt und schaute hinaus auf das Meer.

„Papa?“

Er regte sich nicht.

„Papa, es tut mir leid, wenn ich dich so enttäuscht habe….“

„Du hast mich nicht enttäuscht Marius…“

Er drehte sich zu mir um, und ich sah das auch er geweint haben muss.

„Ich bin derjenige, der sich bei dir entschuldigen muss. Ich habe da einen großen Mist gebaut.“

„Warum?“

„Warum…..“

Er dreht sich wieder Richtung Meer.

„Ich habe einfach durchgedreht und du bist nicht mal Schuld, sondern ich selber.“

Ich verstand ihn nicht.

„Marius, ich bin Tag ein Tag aus, nur am schuften, weil ich dir und deiner Mutter ein schönes Leben bereiten will. Darüber hinaus habe ich vergessen, mich mit dir zu beschäftigen. Gut ich habe gesehen wie du aufgewachsen bist, aber richtig teilgenommen habe ich wohl nie daran.“

„Du warst doch immer da..“

„Ja war ich, aber für dich auch, Marius? Ich weiß doch nichts über dich, wir haben nie diese berühmten Vater-Sohn-Gespräche geführt. Ich weiß nicht was du denkst und was du fühlst, rein gar nichts?“

„Deswegen hast du mir dann weh getan?“

Automatisch fuhr ich mit der Hand über meine Wange und sah, dass mein Vater zusammen zuckte. Er drehte sich zu mir und ich sah das seine Tränen wieder flossen.

„Ich war so sauer auf dich, so wütend, weil du mich ausgeschlossen hast ich nichts von dir wusste, und als ich dich mit dem jungen Mann, beide wart ihr nackt, da stehen sah, ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt.“

„Du warst also nicht sauer, dass ich vielleicht schwul sein könnte?“

„Bist du’s?“

„Ja.“

„Bin ich daran schuld?“

„Quatsch Paps, daran bist du nicht schuld, schwul wird man nicht einfach so aus einem Moment zu anderen.“

Hatte ich das gerade gesagt?

„Ich habe es heute nacht eben erst richtig gemerkt, gespürt, erfahren, wie auch immer du es nennen willst. Deswegen bist du daran noch lange nicht schuld.“

Mein Vater hob die Arme und ich rannte auf ihn zu. Fest umschlug er mich und drückte mich an sich.

„Es tut mir so leid Marius, das ich dich geschlagen habe, das werde ich nie wieder tun, das verspreche ich dir.“

„Brauchst du nicht Paps, das glaube ich dir auch so.“

Ich sah ihn an.

„Was ist?“, fragte er.

„Jetzt hatten wir unser erstes berühmtes Vater-Sohn-Gespräch.“

Er zog mich wieder an sich und drückte mich.

„Lauf Marius, da steht jemand, der auf dich wartet glaube ich.“

Ich drehte meine Kopf und da stand Jonas ein wenig unbeholfen an der Tür. Langsam lief ich auf ihn zu und da war es wieder, dieses Lächeln von Jonas, dass mich so faszinierte. Kurz vor ihm blieb ich stehen.

„Alles in Ordnung?“ fragte er.

„Ja alles in Ordnung.“

„Ich liebe dich Marius.“

„Ich liebe dich auch Jonas.“

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