Margie 25 – An der Kreuzung rechts

Sonntagmittag kam der ersehnte Anruf. Felix wirkte gelöst, gesprächig würde ich fast sagen. Kein Wort über den Fellbach.

»Wollen wir zum Härtel?«, fragte er.

Ich sagte zu, mich in einer halben Stunde mit ihm in dieser Kneipe zu treffen.
Den Samstag hatte ich ja dafür ziemlich dösig verbracht. Lange Pennen, spät Frühstücken, auf der Terrasse abhängen.
Viele Dinge gingen mir durch den Kopf und das meiste, was mich dringlich beschäftigte, legte ich irgendwie ad Acta. Angelo schwebte von Zeit zu Zeit irgendwo im Raum herum, aber er war lange nicht mehr so dominant.
Was jedoch immer mehr an Priorität gewann war die Arbeit. Meine Kollegen waren allesamt Dorfbewohner und auch an ihnen dürfte die Buschtrommel nicht vorüber gegangen sein. Zugegeben, das nervte schon.
Okay, mein Onkel würde hinter mir stehen wenn’s Probleme geben sollte, aber am besten war, es gäbe erst gar keine. Ich fluchte manchmal auch vor mich hin. Alles was in den letzten Tagen passiert war, schob ich Angelo in die Schuhe.
Der Verlust von Alex und Jo, diesen blöden Unfall, die noch nicht ausgestandene Diskussion mit meinen anderen Freunden und schlussendlich die Sache mit Felix. Sie wäre mit Sicherheit nie passiert. Aber mir ein schlechtes Gewissen deswegen einreden, dazu reichte es dann doch nicht.
Ich musste mich nun einfach auf Schadensbegrenzung bemühen, vielleicht sogar versuchen zu kitten was da aus dem Leim gegangen war. Erheblich viel Schuld gab ich Manskes gegenüber und zeitweise hegte ich sogar Rachegefühle.
Das ging von Kupfernägeln in die alte Tanne vor dem Haus, die eh nur Schatten und Nadeln warf, über Reifen zerstechen bis hin zum einschmeißen von Fensterscheiben. Wenn der Tag X kommen würde, dann hoffentlich mit Macht.
So nach dem Motto, Hagel darfst bei einem Unwetter schon geben, aber wenn, dann bitte auf Nachbars Garten. Längerfristig darf man ja sogar in hiesigen Breiten schon mit Tornados rechnen.
Aber ich beruhigte mich dahingehend: keine Schuld bleibt ungesühnt. Unter anderem bemerkte ich dann auch wieder eine gewisse Gewichtszunahme. Ein Kilo bekam ich drauf und die anderen vier mussten auch wieder her.
Manche Klamotte hing nämlich an mir wie an einer Vogelscheuche, wobei meine Eltern meinten, ich hätte eine außergewöhnliche Vorstellungskraft. Zum Glück lief mit ihnen nämlich alles in einer geordneten Bahn und darüber war ich doch recht zufrieden.

Eigentlich hing Felix, genau wie die anderen beiden, nur höchst selten in dieser Kneipe. Ihnen war eben der Umgang mit der gewöhnlichen Dorfjugend zu vulgär, was aber zu dieser für mich recht angenehmen Zweiteilung führte.
Wenn ich es mir recht überlegte, passte Felix trotzdem ganz gut in das Bild dort und wer weiß, vielleicht wechselte er ja nun das Lager. Jo und Alex.. Ich hatte mir so einige Themen für diesen Abend da zurechtgelegt.

Felix war schon da als ich kam. Er saß hinten im Biegarten, an jenem Tisch an dem ich auch gerne saß wenn ich hier war. Aber was war das..? Ich blieb stehen als ich ihn erblickte. Natürlich wusste ich dass er es war, aber trotzdem, der Anblick erforderte zunächst eine genaue Inspektion.
Waren mir seine Klamotten am Freitag ja schon aufgefallen, hatte er dem noch eins draufgesetzt. Die Haare ziemlich kurz, wirr mit Gel durcheinander gebracht. Eine Halskette, die alles andere als schlecht an ihm aussah und dann schien Felix eine Vorliebe für die Sonne entwickelt zu haben.
Eigentlich war er immer so ein bisschen blass um die Nase und schon früher munterte ich ihn auf, mal aus dem Schatten zu gehen. Das scheiterte immer an seiner Angst vor frühen Falten oder gar einem bösen Krebs; die letzten beiden Tage war er meinem Vorschlag aber offenbar gefolgt.
Langsam ging ich auf ihn zu und der Gauner wusste ganz genau warum ich ihn so anstarrte. Absicht? Wegen mir? Zuzutrauen war es ihm. Aber andererseits, er konnte ja schlichtweg auf Brautschau sein. Iris war weg und konnte ihn nicht mehr gängeln.
Erstaunlich, was die Trennung bei ihm bewirkte.

»Hi Felix. Wie siehst du denn aus?«

Er grinste und das machte ihn noch einen Tick sympathischer.

»Warum? Nicht gut?«

Ich setzte mich neben ihn. Natürlich hatte ich unser Abenteuerchen in den beiden vergangenen Tagen nicht so einfach weggesteckt, wozu auch. Aber nun lebte dieses kleine Techtelmechtel wieder ganz und gar auf.
„Er hat sich wegen dir so rausgeputzt.“ „Blödsinn. Was soll er denn von mir wollen?“ „Frag ihn einfach.“ „Den Teufel werd ich tun.“ »Doch, klar. Steht dir gut. Endlich siehst mal zivilisiert aus.«

Wurde er ein bisschen rot unter der braunen Farbe? Na ja, immerhin war er nicht gewohnt, dass ihm ein Junge Komplimente macht. Ich schüttelte mehr unbewusst den Kopf.

»Hast du was?«

»Nein, nicht direkt. Ich frag mich nur, für wen du dich so landfein gemacht hast.«

Nun grinste ich hinterdrein.

Er zog die Schultern hoch.

»Wer weiß?«

Aha. Er sprach in Rätseln. Auch gut. Wir bestellten uns Weizenbier bei Pedro und da uns in der Ecke keiner zuhören konnte, musste ich unbedingt den Ausgang des Freitags von ihm wissen. Taktisch klug natürlich. »Und wie war der Freitag noch so?«

Felix ist ein Schlaumeier, schon immer gewesen. Er wusste daher ganz genau was ich mit dieser Frage bezwecken wollte.

Ein so unverschämtes Grinsen hatte ich dann doch nicht erwartet.

»Na wie wohl. Ich war ziemlich futsch, aber sonst ist da nichts mehr gewesen.«

Kein moralischer Kater? Keine Nachwehen? Schlechtes Gewissen? Dumme Gedanken?
Nichts? Kein Wort über sein „erstes Mal“? Gut, warum sollte man auch darüber reden. Dass es schön war, diese Antwort erwartete ich ja auch nicht. Aber offenbar hatte ihm diese kleine Sünde nichts Gravierendes anhaben können. Auch recht.
Und dann kamen wir ganz einfach ins Gespräch. Meine Arbeit, seine Arbeit, Elterngezicke bei ihm und so weiter. Zwar lauerte ich ständig, ob nicht doch was zum Vorschein kommen würde was den Freitag betraf, aber es geschah nichts dergleichen.
Dass er dann auf Angelo zu sprechen kam stieß mir auf, aber irgendwie konnte ich seine Neugier verstehen. Zwar hatte ich Iris völlig absichtlich aus dem Spiel gelassen, schon auch weil mich das nicht die Bohne interessierte, aber mein Fall lag da doch irgendwie anders. Und das eben sprichwörtlich.

»Willst du denn gar nicht wissen was er jetzt macht?«

Ich hätte eine Gegenfrage starten können, aber Iris war nun mal eben nicht mein Thema.

»Nein. Du kannst es glauben oder nicht, es ist mir egal was er treibt.«

»Weißt du was mich interessiert?«, fragte er dann.

»Was?«

»Wie er es aufnehmen würde.. was wir beide getan haben. Ich mein, du weißt schon..«

Ich vergewisserte mich, dass auch wirklich keine Spione in der Nähe waren und beugte mich näher zu ihm hin. Warum sollte ich denn nicht ehrlich sein? Zudem wollte ich ihm so ganz nebenbei klar machen, dass zumindest ich damit kein Problem hatte und er deswegen nicht drum herum zu reden brauchte.

»Du meinst, weil wir beide Sex zusammen hatten?«

Er nickte und hielt mir sein Glas hin. Wir stießen an.

»Genau das meine ich.«

»Felix, Angelo ist Vergangenheit. Ich hab keinen Bock, wegen ihm als alte, trauernde Jungfer zu sterben. Allerdings heißt das nicht zwangsläufig, dass ich dich.. ausgenutzt habe. Wenn du verstehst, was ich meine.«

Felix nickte wieder und auf dieses sich langsam öffnende Gespräch kippten wir die Gläser leer. Ich bestellte mit einem Wink bei Pedro zwei Neue.

»Hat.. es dir eigentlich.. ein bisschen Spaß gemacht?«

Meine Stimme zitterte schon etwas bei dieser Frage. Sie war doch schon ziemlich intim im Grunde und eine Antwort, die konnte ich weder ahnen und noch weniger wissen.

Felix drehte sein leeres Glas in den Händen.

»Ralf, ich hab schon drüber nachgedacht, so ist das nicht. Ich mein, wann passiert einem so was schon mal. Aber falls deine Frage darauf abzielt, ob es mir leid tut – nö, das nicht.«

Erst mal aufatmen. Japp, da musste ich ihm Recht geben, eine Regel war’s nämlich allemal nicht.

»Und zu welchem Schluss bist du nun gekommen?«

Ich musste ihm nicht sagen dass er ehrlich darauf antworten sollte, das tat er eh immer.

»Na ja, wie soll ich sagen…«

„Er hat keinen Schock erlitten.“ Nein, das wohl nicht. Sonst würden wir gar nicht hier zusammen sitzen.

»..kam halt ein bisschen plötzlich.«

Na logisch, eine schriftliche Einladung dazu ist ja eher ungewöhnlich. Aber immerhin, er redete drüber, wenn auch mehr drum herum. Gut, Einsicht zeigen wollt ich. Wir hatten immerhin nicht bloß mal eben zusammen gewichst, das war schon etwas mehr.
Und das gleich so quasi als Einstieg ist ohne Zweifel erst mal stärkerer Tobak. Wenngleich es daran lag, dass ich es nun mal gerne mit dem Mund mache. Ob Iris auch..? Nein, nicht solche tiefgehenden Fragen, das gehört sich nicht.

»Und, ähm.. «

Jetzt beugte er sich nah zu mir.

»Iris hat das nie machen wollen.«

Ja prompt war meine geheime Frage beantwortet worden. Und noch eine dazu, nämlich die, ob er das gerne hatte. Das tat es, dessen konnte ich sicher sein.

»Hat.. habt ihr das auch so gemacht?«, wollte er nun wissen und brachte Angelo wieder aufs Trapez.

Wie lange würde es wohl dauern, dass sein Name nicht mehr fiel? Ich mein, er sagte den Namen ja nicht, aber das war auch gar nicht vonnöten. Ich wusste letztlich wen er meinte. Von mir aus hätte ich an der Stelle ganz gern einen Schnitt gemacht.
Ab hier ein neues Leben – ohne ihn. Aber ganz so einfach waren die Dinge scheinbar doch nicht.

Ich legte meinen Zeigefinger auf meinen Mund.

»Pscht, das bleibt ein Geheimnis.«

In Wirklichkeit wollte ich einfach nicht mehr über ihn reden oder an ihn erinnert werden und meine Hoffnung bestand darin, dass Felix diesen Wink verstand.

Wir tranken noch zwei Biere, in dessen Verlauf mal wieder alte Kamellen zur Sprache kamen. Unter anderem, dass sich Jo und Alex in der Tat verdünnisiert hatten. Nun, Felix trauerte ihnen zum Glück nicht nach und ich hatte dazu eh den wenigsten Nerv.
Felix war mir geblieben und den wollte ich nun auch festhalten. Nicht im Sinne des Wortes, sondern einfach, mich um ihn kümmern. Freundschaften müssen gepflegt werden. „Ja, man sieht’s an Angelo.“ „Der ist nicht mein Freund.“

Tja, und dann war der Sonntag gelaufen. Mit ihm mein Urlaub, mit dem meine Bekanntschaft und es gab auch neue Einblicke. Insgesamt ziemlich aufregend und mit dem Weckergetöse am Montagmorgen löschten sich so einige Erinnerungen von selbst.

Noch immer war der Sommer zugange, etwas was für meine Arbeit Segen und Fluch gleichzeitig sein kann. Wichtig war zunächst, was gab es Neues in der Firma. Wie weit war die Mansksche Buschtrommel gehört worden?
Angst vor den Kollegen wäre das falsche Wort gewesen, aber nervös war ich schon.

Mit reichlich gemischten Gefühlen trabte ich also in der Firma an, aber, nichts geschah. Man freute sich, dass endlich wieder ein Handlanger mehr zur Seite stand, sonst passierte nichts. Das gab mir richtig Auftrieb und ich ging mit Werner Hofmeister, meinem Vorarbeiter, die neuen Aufträge durch.
Mit ihm bin ich am liebsten zusammen; der konnte was und ich lernte von ihm am meisten. Als erstes musste ein relativ kleiner Schuppen komplett neu gedeckt werden.
Material war schon eingetroffen und unser Kombi auch schon mit allem was wir brauchten beladen.
Die Arbeit konnte von zwei Mann in zwei Tagen erledigt werden, also keine große Sache. Das Wetter sollte halten, von daher war keine Verzögerung in Aussicht.
Werner steuerte wie immer erst mal die Bäckerei im Ort an, des Frühstücks wegen.
Da dies bereits ein Ritual war, konnte ich mir im Vorfeld klar darüber werden ob ich diesen Laden betreten wollte oder nicht. Immerhin konnte ich durch die große Scheibe ausmachen, wer hinter der Theke stand.
Renate war es diesmal nicht. Frau Klinger, der die Bäckerei gehört, bediente die Kunden. Nun gut, man konnte ja mal seinen Status hier abchecken. Also ging ich mit rein in das Geschäft. Aber die Klinger sah mich weder schräg an noch machte sie irgendwelche verdächtige Andeutungen.
Wir schnappten unser Frühstück und Werner fuhr los. Raus aus unserem Ort. Ich hatte in der morgendlichen Aufregung keinen Blick auf die Adresse geworfen, wo wir dieses Dach in Angriff nehmen sollten.

Unterwegs wollte Werner natürlich wissen wie es war im Urlaub. Das konnte ich kurz und knapp halten, denn von Angelo erzählte ich ihm freilich nichts. So gesehen war es gar nicht schlecht, wieder arbeiten zu gehen.
In Kürze würde ich an all die Dinge gar nicht mehr denken können, dann war nämlich Maloche angesagt.
Die mehr als ernüchternde Erleuchtung kam aber, als Werner an der Kreuzung rechts abbog. Klar, auf diesem Weg kommt man fast überall hin, aber eben auch..

»Wo ist das denn?«, fragte ich vorsichtshalber, als wir auf die Landstraße fuhren.

Ein saudummes Gefühl beschlich mich nämlich. Als hätte ich davon nicht schon jede Menge gehabt in letzter Zeit..

Werner beugte sich etwas über das Lenkrad und zeigte nach rechts in die Pampa.

»Das da hinten muss es sein, kenn ich auch nicht.«

Sein Zeigefinger kam mir sekundenlang vor wie ein Peitschenhieb. Gottes Strafe, dachte ich in dem Moment, egal wofür. Die gedachte Linie seiner Fingerspitze bis zum Ziel endete unmissverständlich an einem einsamen Gehöft.
Einem Gehöft, das ich sehr genau kannte. Ich geriet so ganz langsam in Panik.

»Heißen die Leute zufällig Kassini?«

Auf der Stelle trocknete mein Mund aus, Luftnot wollte sich einstellen und auch sonst fielen mir sämtliche Todsünden ein. „Alles, nur kein »Ja.« Bitte..“

»Ja, genau. Die sind das.«

Oh Werner, warum? Hätte es ein »nein, die heißen anders« nicht auch getan? Natürlich war das Unfug, es gab schließlich kein anderes Gebäude in dieser Richtung. Aber man hofft ja trotzdem..

»Kennst du die?«, fragte er logischerweise, denn das konnte man am Ton meiner Frage wohl heraushören.

»Ähm, ja, flüchtig.«

»Scheinen Bonzen zu sein. Der Chef meinte, die hätten an nichts gespart. Das Beste vom Besten wollten die haben. Aber.. da müssen wir uns halt auch anstrengen, was Kleiner?«

Werner tatschte auf meinem Oberschenkel herum. Kumpelhaftes Getue halt und Kleiner sagte außer meinem Onkel, unser Chefe, so gut wie jeder in der Firma zu mir.
Bonzen.. ja, das waren sie. „Mensch Werner, was ein Zufall. Die haben nicht nur Kohle ohne Ende, sondern auch noch einen ganz süßen Schnuffisohn, mit dem war ich sogar schon im Bett..“ Himmel, ich drohte schon wieder durchzuknallen.
Da Werner keinerlei Anzeichen entdecken ließ, schien meine Affäre mit Angelo bis dato unentdeckt geblieben zu sein. Dennoch, ich wollte und ich konnte nicht an einen Zufall glauben. Da mussten doch irgendwelche Mächte dahinterstecken.
Oder… es war ein Zeichen. Welches wollte ich dann lieber doch nicht wissen. Oh Mann, die Geister, die ich rief..?! Hin oder her, mir wurde mulmig und dieser Arbeit hätte ich mich herzlich gern entzogen. Lieber den Kölner Dom neu decken als das hier..
Aber es war zu spät, meine Nachlässigkeit forderte ihren Tribut. Ein Blick auf die Adresse und ich hätte mich einem anderen Trupp angeschlossen, bei meinem Onkel gab’s immerhin sowas wie ne Auswahlmöglichkeit. Es ist nicht falsch die richtigen Leute am richtigen Platz zu haben, falsch ist bloß, wenn man das verpennt, so wie ich.
Ich wünschte mir sodann, ein Reifen würde platzen oder von irgendwoher käme das grausamste Unwetter, das Petrus je erfunden hat. Aber die Sonne schien vom blitzblauen Himmel und meines Wissens waren die Reifen auch noch nicht lange drauf.
Also galt es zunächst, eine ganze Menge Ruhe zu bewahren. Wenn alles so gelaufen war, wie Angelo es geschildert hatte, war er eh nicht da. Rasch zählte ich die Tage seit unserem Unfall (so in etwa gelang mir das auch), und kam zu dem Schluss, dass er noch für mindestens vier Wochen das Bein in Gips haben musste. Entweder er musizierte in Frankfurt mit dem Ding oder.. er war gar nicht dort.
Willard war unter diesen Umständen natürlich auch kein Thema, vorerst jedenfalls nicht. Also, noch mal gerechnet, alle Möglichkeiten durchgespielt: Es stand so etwa 80 zu 20, dass er hier war. Na ja, und wenn? „Selbst wenn er dich sieht, wird er dir mit Sicherheit aus dem Weg gehen.“
Und die Eltern? Jene, die ihn wegen mir weggeschickt haben, so es schon passiert war? „Und? Niemand verlangt, dass du mit denen reden musst. Mach deine Arbeit, und gut ist.“ Na ja, man würde sehen inwieweit sich das bewerkstelligen ließ.
Werner regelte die Dinge mit den Kunden ja immer selber und ich musste mit etwas Glück gar nicht erst groß in Erscheinung treten.

Als Werner auf dem Vorplatz des Hauses hielt, schnappte ich mir die unvermeidliche Klatschzeitung, die er in der Bäckerei mitgenommen hatte und verbarg diskret meinen Oberkörper dahinter.
Aber wie das die vom BND auch machen, schielte ich verstohlen dahinter vor. Schließlich war meine Neugier immens und ich wollte trotzdem wissen, wer da zugange war. Angelo mit Gipsbein erwartete ich dann allerdings nicht.
Nach Werners Läuten öffnete sich die Tür und ich atmete auf. Na klar, wir würden die gar nicht zu Gesicht kriegen, das lief alles über Paul. Der sah kurz herüber, wechselte mit Werner ein paar Worte, nickte und fuchtelte dann mit seinen Armen und Händen.
So wie ich es verstand, sollte Werner den Wagen um das Gebäude herumfahren, scheinbar befand sich der Schuppen auf der Rückseite des Anwesens. Rasch rief ich mir die Gebäudeverhältnisse in Erinnerung. Ja, tatsächlich, da gab es so einen Bau mit marodem Dach. Und auf den hatte man einen tollen Blick, nämlich direkt von der unter der Pergola liegenden Terrasse.
Allenfalls eine Tarnkappe hätte mich da vor Entdeckung geschützt und ich begrub die Hoffnung, unsichtbar bleiben zu können. Ein eher zufälliger Blick fiel dann in die Zeitung. Ein kleiner, fast winziger Artikel: „Symphonieorchester feiert beispiellosen Erfolg..“

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