Margie 34 – Von T2 und Scheinmanöver

Und was wurde das jetzt? Von meiner Seite aus nichts, ich befürchtete nämlich, alles, absolut alles käme wieder hoch. Ich hatte plötzlich panische Angst vor meiner inneren Stimme, denn dumm ist, dass sie in entscheidenden Momenten die Oberhand gewinnt.
Und das drohte auch jetzt, in diesen Augenblicken. Ich hatte Angelo nicht vergessen. Nicht abgehakt und nicht abgeheftet. Verdrängt war das bessere Wort. Nur beiseite geschoben, in eine Art Warteschleife.
Meine neue Umlaufbahn diente lediglich dazu, auf die alte mit einer neuen Perspektive zu schauen. Eben anders zu betrachten. Das war in meinem Kopf passiert, ohne dass ich es wahrnahm. Nun wurde mir genau das klar. Verzeihen?
Welch gewichtiges Wort. Angelo liebte mich auch, das stand für mich fest. Er wusste eben nur nicht wie er damit umgehen sollte, ähnliche Andeutungen hatte er ja schon gemacht. Und dieser Yuppie – Typ, der konnte mir doch gar nicht gefährlich werden.
„Wenn du es schon nicht lassen kannst, dann versuch wenigstens eine Strategie zu entwickeln. Du kannst auf Angelo warten bis du grün und blau und am Ende an Altersschwäche gestorben bist. Angelo muss erobert werden, wenn nötig im Sturm.
Zu lange hast du im Sandkasten gebastelt, es wird Zeit dass du in die Offensive gehst. Und diesmal richtig. Alles bisher war Larifari, was dir aber lediglich schlaflose Nächte bereitet hat und sonst nichts. Vielleicht solltest du mal prüfen, ob Angelo eifersüchtig ist.
Aber du musst es in die Hand nehmen, von ihm kommt nichts.“ Gut, das war ne richtige Standpauke. Aber hatte ich nicht schon alles versucht? Wir hatten doch schon Sex miteinander.. „Das war kein Sex, bestenfalls ne Spielerei unter Jungs.
Du hast doch noch gar keinen richtigen, schönen Sex gehabt.“ Aha, welch Erkenntnis.. Aber da war etwas dran, wenn ich mir so die Videos in Erinnerung rief.

»Herr Bach?«

Man riss mich aus meinen Gedanken. Ohne dass wir ein Wort gewechselt hatten, folgte ich der Stimme des Arztes und begab mich in das Untersuchungszimmer. Dort ließ ich alles über mich ergehen, ohne Murren oder sonst was.
Ich war mit meinen Gedanken woanders, da draußen vor der Tür. Auch wenn Angelo nicht mehr hier sein würde wenn ich mit der Prozedur fertig war, ich wusste jetzt, dass etwas geschehen musste. Nicht alles zu vergessen hieß die Devise, sondern anzupacken.
War ich nicht schon öfter drum und dran, Angelo eine zu knallen weil er mich einfach überforderte? Gut, in diesen Momenten war er ja nicht greifbar, aber daran konnte man was ändern.

Nach dem ganzen Theater trafen Felix und ich uns wieder im Gang, er hatte geduldig auf mich gewartet. Angelo war nicht mehr da. Das heißt, vielleicht doch. Aber egal.

»Und wie ist es gelaufen?«

Felix zog die Schultern hoch. »T2 haben die gemeint.«

»Hab ich auch.«

Das bedeutet ja an sich nichts Gutes, aber Felix wusste das auch.

»Komm, raus hier. Ich brauch jetzt was für meine Nerven«, stöhnte er denn auch und sprach mir damit voll aus der Seele.

»Hat der dir auch an die Eier gelangt?«, fragte Felix, noch sichtlich empört.

»Jep. Aber das hat mich kalt gelassen.. der Typ sieht ja zudem schrecklich aus.«

In Darmstadt kenne ich mich ein bisschen aus, früher wohnte da eine Großtante die wir öfter besuchten.

»Ich weiß zumindest wie wir in die Innenstadt kommen. Dann sehen wir weiter«, schlug ich deshalb vor.

Wir verließen diesen Ort, den ich eigentlich nicht mehr wiedersehen wollte in meinem Leben, aber das galt es jetzt abzuwarten.

Draußen, auf dem Weg in Richtung Bushaltestelle über den Parkplatz, ging dann der Reigen weiter. Dass ich den dunklen Wagen sofort erkannte lag auch an dem Nummernschild. Erst dann fiel mein Blick auf den Mann, der darin offenbar auf jemanden wartete.
Nun, ich musste nur Eins und Eins zusammenzählen. Der Typ wartete auf Angelo, war es doch jener mir nicht ganz unbekannte Yuppie..

Ich ging langsam an dem Fahrzeug vorbei. Leise dudelte Musik aus dem Wagen, dessen Seitenscheiben geöffnet waren. Ein süßlicher Geruch umwehte meine Nase. Ich kenne diese Wunderbäume, die üble Gerüche aus dem Inneren von Kraftfahrzeugen verbannen sollen.
Oder war das vielleicht das Aftershave von dem Typen? Wenn ja, dann war der doch ganz sicher oberschwul.

Als wir an dem Wagen vorbei waren, sah ich zurück und als hätte ich das gespürt, kam Angelo aus dem Gebäude, direkt auf das Auto zu. Er sah mich und wider Erwarten machte er nicht langsamer.
Also ich hätte das getan wenn ich befürchten musste dass da gleich eine verfängliche Situation entstehen könnte. Ich war neugierig genug, um Angelo ganz bewusst zu beobachten. Er konnte ja nicht wissen, dass ich über seinen Begleiter ein bisschen Bescheid wusste.

Angelo blieb an der Beifahrertür stehen, sein Blick immer noch auf mich gerichtet. Scheinbar war er nicht sicher was er tun sollte. Einsteigen oder zu mir zu kommen. Ich jedenfalls blieb einfach stehen.

»Ist was?«, fragte Felix.

»Komm, ich hab einen Brand.«

»Warte«, antwortete ich, »einen Moment noch.«

Heißa war das ein Spiel. Ich spürte jetzt förmlich die Unschlüssigkeit, mit der Angelo an dem Wagen stand. „Also, das ist doch ein Pluspunkt. Wenn du ihm richtig Scheißegal wärst, würde er einsteigen und dem Fahrer ein Bussi geben, oder nicht? Andererseits, immerhin konnte es auch so sein, dass er mir einfach nur nicht wehtun wollte.

Nun stieg er ein, nachdem der andere etwas zu ihm gesagt hatte. Er zog die Tür zu und die beiden schwatzten. Sicher wollte der Typ nun wissen wie es war und so weiter. Kein Kuss, keine Berührung..
Aber gut. Was meinte meine Stimme vorhin? Offensive? Raus aus dem Sandkasten? Eifersuchtsgefühle wecken? Welch Situation war geeigneter als die jetzige, in der Angelo noch immer zu mir herübersah, obwohl er sich mit seinem Begleiter unterhielt?
Ohne auch nur einen Mucks der Vorwarnung schnappte ich mir Felix an den Schultern und zog ihn zu mir.

»Wasn jetzt los?«, wollte mein Freund natürlich wissen.

Noch immer ohne Worte legte ich meinen Arm nun um Felix’ Hüfte und lief mit ihm Richtung Haltestelle. Felix war so verwirrt, dass er darauf zunächst gar nicht reagierte. Dann blieb ich stehen.

»Küss mich.«

So ganz leicht kam mir das nicht von den Lippen, zumal ich keine Ahnung auf eine Reaktion hatte.

Felix’ verlor beinahe seine Augen, so traten die hervor.

»Was soll ich?«

»Du sollst mich küssen.«

Er versuchte sich aus meiner Umarmung zu lösen, aber ich hielt ihn fest.

»Felix, bitte. Tu es einfach, ich erklär dir das später.«

Rasch sah er über meine Schulter.

»Aha, ich denk ich weiß..«

Gott sei Dank schaltete er dann, ihm schien einiges zu dämmern.

»Plapper nicht, sonst ist’s gleich zu spät.«

Er näherte sich meinem Kopf, überschritt dann jene Warnschwelle, bei der jedem nüchternen Hetero die roten Lampen angehen. Felix hätte an der Stelle spätestens einen Rückzieher gemacht, würden wir uns nicht schon so lange kennen.
Und zudem konnte er sicher sein, dass ihn hier niemand kannte. Ups, es hatte schon was als er dann ganz vertraut seine Hand in meinen Nacken legte und mich die fehlenden Zentimeter zu sich zog.
Er öffnete seinen Mund ein kleines bisschen und da war mir klar, dass das kein freundschaftliches Küsschen werden würde. Nun gut, entweder oder. Dann trafen sich unsere Lippen.
Oh Mann, wie lange hatte ich das vermisst. Seit unserem gemeinschaftlichen Handeln am Felle hatte ich meine Meinung zu Felix eh geändert. Nicht dass ich ihn in die erste Reihe gesetzt hätte, aber der Junge machte mir klar dass gutes Aussehen allein lange nicht alles war.
Wäre Felix schwul, hätte ich längst die Lager gewechselt und Angelo in unsrer Krisenzeit ganz einfach eingetauscht. Nun war Felix zwar nur das richtige Mittel zum Zweck und dass er mitspielte, aber dafür wollte ich mir dann auch was einfallen lassen. Ne kleine Freude machen oder so.
Das alles jedoch spielte sich im Hintergrund meiner Gedanken ab. Vorrang hatte nun seine Zunge, die sich wie selbstverständlich in meinem Mund wie eine Schlange wand.
Gott, keine Ahnung wie lange das dauerte, ich spielte aber nach einigen Sekunden auch gar nicht mehr auf Zeit. Felix schmeckte gut, das war unumstößlicher Fakt.
Ich vergaß ganz einfach wer er war und genoss was da passierte. Irgendwann löste er sich von mir.

»Und, zufrieden?«

Ich wischte mir mit dem Handrücken über den Mund. Ob es überhaupt eine Hete gibt, die mit so viel Gefühl einen Schwulen küssen kann? Ich zog das ganz erheblich in Zweifel.

»Mann, Felix..«

Ich drehte mich um und der Wagen war weg, irgendwann losgefahren während ich mich in diesem wunderschönen Kuss verlor.. Aber egal, ich konnte sicher sein dass Angelo diese Szene beobachtet hatte.

»Kein Wunder dass dir die Weiber nachlaufen. Wer so küssen kann..«

Nun, von seinen anderen Qualitäten hatte ich mich ja auch schon recht eindrucksvoll überzeugen können. Alles in allem ne Runde Sache, mein Felix. War wieder mal richtig selig dass wir uns kennen.

Er wurde rot, richtig rot.

»Hey, das war ein Kompliment.«

Felix nickte.

»So nehme ich das auch auf. Aber was ist nu? Jetzt liegt es in deiner Hand ob ich gleich verdurste. Dann kannst du dir einen anderen suchen.. für deine Scheinmanöver.«

»Das geht natürlich nicht. Komm, darauf gebe ich einen aus.«

Wie meistens wenn man irgendwo fremd ist und Bahnfahrer dazu, endete unsere Odyssee in nach einer Kneipe im Bahnhof. Das hat allerdings verschiedene Vorteile: Erstens oft billiger als ne richtige Gastwirtschaft und zweitens braucht man nur ein paar Minuten zum Zug.
Ne knappe Stunde Fahrzeit stand uns bevor und bis dahin hatten wir auch noch Zeit, derweil uns der passende Zug vor der Nase weggefahren war.

Etwas angesäuselt kamen wir am späten Nachmittag an unserem Heimatbahnhof an. Für meine dort angestammten Freunde war es zu früh, außerdem regnete es dauernd.

»Oki, mein Freund. Dank dir für diesen Tag. Der erste Teil war wohl öd, aber der zweite..«

Ich zwinkerte.

Felix lachte.

»Ja, war ganz spaßig. Aber jeden Tag machen wir das denn doch nicht, oder?«

»Nein, wobei.. mir würde es ja nix ausmachen.«

Wir trennten uns mit der üblichen ich-ruf-dich-an-Floskel und dem Handschlag.
Auf dem kurzen Heimweg ging mir der ganze Tag dann noch mal durch den Kopf. Vor allem eins war sehr wichtig, mehr noch als der wahre Grund dieses Tages:
Wie hatte Angelo diesen Kuss erlebt und welche Konsequenzen würden am Ende zu ziehen sein? Mir fiel ein, dass ich nichts zu verlieren hatte. War ich nun guter Dinge? Irgendwie schon.
Vor allem auch, dass es Donnerstag war und ich den nächsten Tag frei genommen hatte. Werner lag nämlich mit einer Influenza danieder und Stefan besuchte eine Messe. Onkelchen kam sogar von sich aus auf die Idee, mich deshalb von einem solch anstrengenden Tag wie diesem ausruhen zu lassen.
Ausruhen in dem Sinn war aber nicht, aufgrund meiner frei verfügbaren Zeit konnte ich die anstehende Fahrstunde mit dem Becker Alfons auf den Vormittag legen. Die Fantasie turnte dann dergestalt in meinem Kopf, dass dieser Tag nicht für den Barras reserviert war.
Aus dem, was Felix und ich da inszeniert hatten, musste ganz einfach etwas entstehen. Was, das würde ich dann erfahren wenn es soweit war.

Beim Abendessen musste ich natürlich den Tag haarklein ausbreiten. Paps, na ja, der war Zeitsoldat gewesen und mit meiner Entscheidung, ihm in dieser Sache nicht nachzueifern, nicht gerade begeistert. Er hätte mich schon gern in einer schmucken Uniform gesehen.
Aber da war nun mal nicht mit mir zu reden und ich war mir sicher, er würde sich eines Tages damit abfinden. Von Angelo erzählte ich nichts, obwohl mir klar war dass ich das dann auch nicht würde nachholen können. Sowas vergisst mal schließlich nicht einfach. Nein, ganz bestimmt nicht.

Später, in meinem Zimmer, versuchte ich mich in der Fortsetzung dieses Tages. Rein Angelo betreffend. Wie konnte ich denn überhaupt erfahren, was er mit dem Kuss anfängt? Und wenn der ihn getroffen hatte, so richtig ins Herz, was würde er unternehmen? Nichts?
Auch eine Möglichkeit. Könnte immerhin nach hinten losgegangen sein, mein Schuss. So nach dem Motto, ich hab auf dich gewartet und jetzt hast du einen anderen.. Aber das gleiche konnte ich ja auch von ihm behaupten, obwohl ich ihn ja noch nicht in einer verfänglichen Situation erwischt hatte.
Mich quälten dann doch Gewissensbisse, ob ich nicht zu weit gegangen war. Jedoch.. „Du grübelst über Dinge, die passiert sind. Wozu? Sieh lieber, was du als nächstes machen willst.“ Als nächstes? Ach so. Der Kuss war nur die Einleitung..
„Und du solltest dir rasch was einfallen lassen. Frankfurt..“ Ja, wenn er dort war, konnte ich mir alles in die Haare schmieren, denn soweit würde mein Arm dann doch nicht reichen. „Es sei denn, alles passiert vorher.“
Also, guter Rat war mal wieder teuer. Schade dass es keine weiteren Schäden bei Kassinis gab, dann wäre manches einfacher. Aber dem war nicht so und nur mit Wunschgedanken kam ich auch nicht weiter. Außerdem hatte ich diese Chance gehabt. Nun gut, danach ist man immer schlauer.

Jedenfalls bekam ich an jenem Abend wieder mal die ganze Wucht meiner Einsamkeit zu spüren. Mehr als einmal war ich drauf und dran, das Telefon in die Hand zu nehmen. Aber was hätte ich sagen sollen?
Doch wohl alles, nur nicht dass mir das mit dem Kuss leid tut. Angelo würde mir alles glauben, aber das nicht. „Findest du es eigentlich gut, mit seinen Gefühlen zu spielen?“ Mooooment. Wer spielt da mit wem?
Ich hab’s ja wenigstens offenkundig getan, während er sich wahrscheinlich in Sicherheit wiegen würde. Gut, nach diesem Tag nicht mehr, wo ich ihn mit diesem Typen gesehen hatte. Aber gerade aus dem Grund müsste doch jetzt eigentlich etwas in die Gänge kommen.
An besagtem Abend aber kam nichts mehr in diese Gänge. Ich wurde vom Schlaf fast überrascht, so müde war ich.

Alfons Becker zählt zu den pünktlichsten Menschen die ich je kennen gelernt habe. Auf die Sekunde genau hielt er am anderen Morgen den Fahrschulwagen vor unserem Haus. Das Wetter war herrlich geworden, so quasi über Nacht, ich freute mich wirklich auf diese Fahrstunde. Herr Becker ist außerdem ein ganz netter Mann, ich mag ihn.

Einsteigen, anschnallen, Spiegel einrichten, ein paar Worte über dies und das, Wohlbefinden und so weiter und nicht zu vergessen – mein Blick zur Nummer Elf. Wahrscheinlich führte die Manske eine Strichliste, wie oft Becker hier schon vorgefahren war.
Eine Idee übrigens, wie ich der eins auswischen konnte, hatte ich immer noch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat. Leider tat sich da drüben nichts, was mich mutmaßen ließ, dass sie einkaufen war.

Egal. Motor anlassen, Rückspiegel beobachten, Gang einlegen, Kupplung kommen lassen.. ups, halt, blinken nicht vergessen.. und los ging’s.

»Fahr mal ins neue Shoppingcenter nach Bürstadt«, meinte Herr Becker nach einigen Metern, »da kann man auch was lernen«, grinste er.

Gesagt, getan. War öfter da, mit Mutter. Was man dort lernen konnte war mir schleierhaft, aber wenn Becker das sagt, dann würde da auch was dran sein. Allerdings nahm ich an, dass wir dort das einparken üben würden..

Zum guten Glück waren an dem Morgen auf der Straße jene nicht in der Überzahl, die ihren Lappen beim Discounter gekauft oder im Lotto gewonnen hatten. Die würden schrecklich nerven, meinte Herr Becker.
Der konnte sich oft so richtig auslassen und ich fand das immer so lustig und passend. „Der Alte fährt mit der Bahn oder einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit und die Frau des Hauses darf den teuren Schlitten nehmen, zum shoppen. Aber wehe, da kommt auch nur eine Vogelkacke dran, das gibt Zoff.
Ein Kratzer wird da glatt zum Scheidungsgrund und dementsprechend fahren die dann“, gab er mal zum Besten. Noch mussten mich derlei Dinge nicht aus der Ruhe bringen, zumal mit so einem erfahrenen Lehrer. Zudem spürte der Alfons Gefahr im Verzug, da sah unsereiner nicht mal ein Auto in der Nähe.

Ich bog über den Kreisel in das Einkaufscenter ein. Weitläufig war der Parkplatz und jede Menge Stellplätze gab’s da. Aber statt mich im Rückwärtsgang aus einer Parklücke in die andere zu scheuchen, ließ mich mein Fahrlehrer ganz normal einparken.

»Hatte heut kein Frühstück. Ich komm gleich wieder«, meinte er und stieg aus.

Das tat ich ebenfalls, aber nur um mich ans Auto gelehnt umzusehen. Hasen suchen. Um diese Zeit sind die so wo ja eher spärlich anzutreffen, aber wer weiß. Doch statt solcher Anblicke erkannte ich jemand anderen.
War sicher nicht ungewöhnlich und könnte sogar zum alltäglichen Bild hier gehören. Darum wunderte ich mich nicht wirklich, als ich Paul erblickte. Er fiel mir auch ohne sein übliches Outfit sofort auf. Der Gang, die Art wie er den Einkaufswagen in das Center schob.
Nun gut, er sorgte zumindest nicht für erhöhten Puls bei mir. Das geschah erst, als Paul und Alfons aufeinander zugingen und sich zu unterhalten begannen. Das war nichts Zufälliges, die kannten sich.
„Rädchen dreh dich“, summte es in meinem Kopf. Klar, das hier ist keine Millionenstadt, hier kannten sich die Älteren ganz automatisch. Neugierig wurde ich nur, woher.

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