Vatikano – Teil 1

Das Dokument

Ich zog noch mal meine Uniform zurecht, sah mich im Spiegel an. Ich entdeckte einen kleinen Fleck auf einem meiner Knöpfe. Ich nahm ein Tuch und polierte ihn noch mal kräftig nach, bis er wieder glänzte.

Lange hatte ich davon geträumt, bei der Schweizer Garde im Vatikan zu dienen, und vor fünf Jahren war es endlich in Erfüllung gegangen. In der Schweiz hatte mich eh nichts gehalten, so war es ganz recht, das man meinen Antrag auf Einzug angenommen hatte.

Nun gehörte ich zu der hundert Mann starken Schweizer Garde, seit 1991 auch Vigilanzakorps des Staates der Vatikanstadt genannt. Ich hatte gleich Wache an der Porta Sant´Anna und musste mich nun beeilen.

„Lutz beeile dich wir kommen zu spät“, rief mir Bruno zu.

Ich zog mein Barett zurecht, dass jedem zeigte, das ich den Rang eines Korporal inne hatte.

„Ich komme ja schon.“

Gemeinsam liefen wir hinunter zur Waffenkammer und ließen uns unsere Katzbalger aushändigen und trugen uns in das Ausgabebuch ein. Wie wir uns in einem Notfall mit diesem kurzen, breitschneidigen Schwert verteidigen sollten, war mir wie immer ein Rätsel.

Es passte eben sehr schon zu unserer schmucken blaugelb, gestreiften Uniform. Bruno musste dies nur noch zwei Tage durchziehen, dann endete seine Dienstzeit hier. Er wollte in der Schweiz heiraten und verließ deswegen den Korps. Ich sollte jemanden Neuen auf mein Zimmer bekommen.

Wie jedes Jahr, wurden die neuen Gardisten am sechsten Mai vereidigt. Mit den Jahren waren es immer weniger geworden, obwohl es ein freiwilliger Dienst war. Und dieses Jahr wurde sogar zum ersten Mal junge Männer zugelassen, die nicht das Gardemaß von 1,74 erreichten.

Ich ärgerte mich ein wenig, als ich sah welches Wetter mal wieder über den Dächern Roms herrschte. Dunkle Gewitterwolken hatten sich zusammen gebraut. Das hieß wieder im Regen stehn und verharren bis die nächste Wachablösung kam.

Gerade noch rechtzeitig zur Wachablösung kamen wir zum Tor. Wie jedesmal bekamen wir unseren Tagesbefehl zugerufen > Viva il papa! Es lebe die Schweiz! Honneur et fidélité! <. Stumm standen wir da und beobachten die Touristen, die an uns vorbei liefen.

Auch dieser Dienst ging zu Ende und wir ich schon im Vorfeld befürchtet hatte, bekamen wir diesen tollen Platzregen ab. Tropfend betraten wir unser Zimmer.

„Bin ich froh wenn ich das hinter mir habe“, sagte Bruno.

„Och so eine Dusche im Sommer tut doch ganz gut“, erwiderte ich grinsend.

„Typisch Lutz, nasse Kleider bedeuten für dich enganliegende Kleider, wo man alles deutlich sehen kann.“

Bruno wusste, dass ich schwul war. Auch wusste er, dass er mir sehr gut gefiel, aber das war auch alles was Bruno akzeptierte. Er hatte sich an mich gewöhnt und störte sich nicht weiter daran.

„Vielleicht bekommst du ja einen Gleichgesinnten aufs Zimmer“, fing Bruno wieder an, der nur noch in Shorts vor mir stand.

„Wenn er nicht so gut ausseiht wie du, will ich ihn gar nicht“, konterte ich.

„Danke Lutz, aber kein Bedarf“, lächelte er zurück.

„Ich werde eh nie jemanden finden.“

„Du hast es ja nicht mal probiert, hier renne so viele junge Italiener rum.“

„Nach einem Italiener steht mir auch nicht so der Sinn, auch wenn es einige Schnuckelige dabei hat.“

Bruno sah mich lachend an und verschwand in die Dusche. Meine tropfnasse Uniform hängte ich auf ihren Bügel zurück. Es fröstelte mich ein wenig und ich dachte daran, wie es ist, bei fünfunddreißig Grad im Schatten mit einer ordentlichen Erkältung Wache zu schieben.

„Du kannst Lutz, ich bin fertig“, kam es von Bruno, der aus der Dusche trat.

Nur mit einem Handtuch über die Schulter betrat ich das kleine Bad. Ich betrachtete mich im Spiegel. Ein wenig abgenommen schien ich zu haben, aber sonst gefiel ich mir. Lange genoss ich das heiße Wasser auf meinem Körper.

* *

Am Morgen des 6. Mai….

Ich drückte Bruno zum Abschied, als es an der Tür klopfte.

„Herein“, sagte ich.

Die Tür ging auf und ein junger Mann schwer beladen kam herein. Er stellte sein Gebäck ab.

„Der Hellebardiere Rico Gschranz, meldet sich wie befohlen in seiner Unterkunft.“

Hellebardiere hatten den unterste Rang in der Schweizer Garde und machte den größten Teil unseres Regiments aus. Stocksteif stand dieser Junge vor uns. Bruno lächelte.

„Dann mal viel Spass mit deinem neuen Zimmerzögling“, sagte Bruno und nahm sein Gebäck vom Tisch.

Langsam schritt er aus dem Zimmer und schaute sich noch mal um.

„Rico keine Sorge, Lutz hier ist nicht so schlimm, wie er sich gibt“, meinte Bruno und verließ entgültig das Zimmer.

Rico stand die ganze Zeit ohne eine Bewegung da. Lutz ging auf ihn zu und schloß hinter ihm die Tür.

„So zu aller erst. Ich begleite hier den Rang eines Korporals, was heißt du bist mir untersetzt. Was aber nicht heißt, dass wenn wir hier in unserem Zimmer privat sind, das gleiche geltet. Also kannst du dich rühren.“

Rico sank irgendwie in sich zusammen.

„Dies ist deine Seite des Zimmers, das Bett und der Schrank.“

Lutz ging zum Schrank und öffnete ihn.

„Hier in diesem Fach kannst du deine Wertsachen reinlegen, den Schlüssel für dein Fach und der für das Zimmer sind die einzigsten Schlüssel, die du unter deiner Uniform mittragen darfst.“

Rico nickte aber sagte kein Wort.

„So nun räum deine Sachen, ich muss noch kurz zum Hauptmann“, sagte ich, während ich das Zimmer verließ.

Komischer Kauz dachte ich noch, sprach kein Wort, aber er war immerhin gutaussehend. Mir waren seine blauen Augen nicht entgangen. Mittlerweile stand ich vor dem Zimmer des Hauptmanns und klopfte.

„Herein“, kam es von drinnen.

Ich öffnete die Tür und trat ein.

„Ah, morgen Lutz, schon die Neuen gesehen?“, sagte Hauptmann Finder zu mir.

Er war schon lange bei der Truppe. Der Tag der Vereidigung jedoch war für ihn wie Weinachten, Ostern und Geburtstag zusammen, er freute sich jedesmal, wie ein kleines Kind.

„Morgen Hauptmann, nur den Einen der zu mir ins Zimmer kam“, antwortete ich und schloss hinter mir die Tür.

„Sein Name?“

„Rico Gschranz.“

„Ach sie haben den bekommen?“

Ich schaute den Hauptmann fragend an.

„Setzen sie sich Lutz, ich werde es ihnen erklären.“

Wie geheißen setzte ich mich an den Tisch zu ihm. Er stellte mir ein Glas hin und schenkte mir Wasser ein.

„Eine Zigarette?“ fragte er.

Ich lehnte dankbar ab. Er dagegen steckte sich ein an und lehnte sich auf seinen Stuhl zurück.

„Folgendes, Gschranz stammt aus einer kleinen Schweizer Familie, deren Einfuß in allen Bereichen der Schweiz reicht.“

„Und so einer meldet sich freiwillig zum Korps?“ warf ich ein.

„Nicht freiwillig. Sein Vater hat darum gebeten, ich mindestens für zwei Jahre hier zu verpflichten.“

Wieder schaute ich Finder fragend an.

„Soviel ich mitbekommen habe, ist dieser Rico das schwarze Schaf in der Familie und soll bei uns Gehorsam lernen“, meinte Finder und blies scharf seinen Rauch aus.

„Also ich konnte eben bei seiner Ankunft nichts davon merken, er benahm sich ganz normal“, sagte ich und nahm mir jetzt doch eine Zigarette aus Finders Schachtel.

Er gab mir Feuer.

„Ich weiß nicht mehr, wie ich ihnen gerade erzählt habe, von Ganten hat nich mehr erzählt.“

Von Ganten, unser Gardekommandant. Er war noch nie sehr gesprächig gewesen, aber sehr gerecht war er, immer um das Wohl seine Männer bedacht.

„Ich werde ihn schon klein halten“, sagte ich.

„Warum sind sie eigentlich vorbeigekommen, Lutz?“

„Ich wollte nur fragen, ob sich etwas am Ablauf heute Mittag geändert hat?“

„Nein es ist alles beim Alten geblieben, aber man weiß ja, dass von Ganten immer für eine Überraschung gut ist“, sagte Finder und drückte seine Zigarette aus.

Ich tat das gleiche und stand auf.

„Ich werde mich dann mal um dieses schwarze Schaf kümmern, wir sehen uns ja noch später beim Mittagessen“, meinte ich und hatte schon den Türknauf in der Hand.

„Okay Lutz, bis dann“, meinte Finder und ich verließ sein Zimmer wieder.

* *

Kaserne der Schweizer Garde

„Morgen Lutz.“

Ich drehte meinen Kopf.

„Ah guten Morgen Veit, na gut geschlafen?“

„Nicht viel, aber tief und fest“, meinte er mit einem Lächeln.

Veit Kinzinger hatte hier fast zeitgleich mit mir hier angefangen, aber begleitete wegen einer leidigen Alkoholsache nur den Rang eines Vizekorporal.

„Du lernst es wohl nie, oder Veit?“, fragte ich ein wenig sauer.

„Ich gebe schon auf mich acht Lutz, keine Sorge“, sagte er mit seinem typisch breiten Grinsen.

Ich blieb stehen.

„Veit du weißt genau, das du dir hier nichts mehr leisten kannst, wenn du noch mal stockbesoffen hier angetroffen wirst, dann bist du wieder ein Hellebardier.“

„Regt dich ab Lutz, wird schon nicht geschehen.“

„Dein Wort in Gottes Gehörgang.“

„Es wird schon alles gut gehen“, meinte Veit mir auf die Schulter klopfend, bevor sich unsere Wege wieder trennten.

Vor meiner Zimmertür hielt ich kurz inne und lauschte. Es kam kein Laut von drinnen. Ich trat ein. Rico saß nur mit Shorts und Tshirt begleitet auf seinem Bett und schrak auf. Ich sah an seinen Augen, dass er geweint haben musste.

Ich schloss die Tür und lies meine Schlüssel auf den Tisch fallen. Ich nahm mir einen Stuhl vom Tisch und stellte ihn direkt vor Rico. Langsam setzte ich mich auf den Stuhl.

„So junger Mann, wir werden hier lange Zeit zusammen in diesem Zimmer verbringen. Eins setzte ich voraus, was ich eigentlich hier bei allen annehme. Das ist Ehrlichkeit.“

Rico schaute mir die ganze Zeit in die Augen. Mir fiel schwer weiterhin diesen harten Ton beizubehalten.

„Nun sag mir was mit dir los ist, und vor allem warum du hier bist“, meinte ich zu ihm.

„Ich kann nicht“, sagte Rico mit weinerlichen Stimme.

„So schwer?“

„Nein ich musste meinem Vater versprechen, kein Ton zu sagen.“

„Rico hör einmal zu. Alles was du mir anvertraust, bleibt hier in diesem Zimmer, das erwarte ich auch von dir.“

„Ich weiß aber nicht wie ich es sagen soll….“

Schnell musste ich irgendeine Lösung finden um dieser Lage Herr zu werden. Ich entschloss mich für den direkten Weg.

„Mir wurde erzählt, dein Vater hat dich hier angemeldet um dir Umgangsformen bei zubringen, du sollst das schwarze Schaf der Familie sein.“

Rico sprang auf.

„Ach was, Umgangsformen. Ich bin bekannt dafür immer hilfsbereit und nett zu sein, dass ist ein Hirngespinst meines Vaters“, meinte er jetzt säuerlich.

Fragend schaute ich ihn an.

„Der einzigste Grund warum mein Vater mich aus dem Haus haben wollte ist…. ich bin schwul.“

Rico schaute mit hochrotem Gesicht auf den Boden.

„Na und?“, war das einzigste was ich hervor brachte.

Rico schaute mich an.

„Wie, soll ich hier rumrennen, hallo Leute mein Vater hat mich hier her verfrachtet um mir mein Schwulsein austreiben zulassen, ich bin eine Tucke.“

Die letzten Worte hatte er fast hysterisch von sich gegeben und eine tuckige Gestik angelegt.

„Ich kann nichts tuckenhaftes an dir feststellen“, meinte ich.

„Wie sollen sie so was auch merken“, meinte Rico und drehte sich wieder weg von mir.

„Rico noch einmal, was wir hier in diesem Raum reden, dringt nicht nach draußen und du kannst auch ruhig du und Lutz zu mir sagen. Und was mein Wissen über Schulsein angeht ich bin selbst.“

So jetzt war es heraus. Rico drehte sich ruckartig um und schaute mich erschreckt an.

„Willst du mich jetzt verscheißern?“

„Mit meiner Veranlagung gehe ich nicht hausieren, Rico.“

„Und wer weiß davon?“

„Nur wenige, hauptsächlich das Führungspersonal und einige Freunde.“

„Wirst du mich jetzt melden?“

Ich ging auf Rico zu und legte meine Hand auf seine Schulter. Sein Zittern war recht stark.

„Warum sollte ich das tun? Ich habe gesagt, es verlässt nichts dieses Zimmer, Rico.“

Rico fing erneut an zu Weinen.

„Danke“, schluchzte er und fiel mir in die Arme.

„Ja wein dich aus Kleiner, tut dir gut.

* *

Vor der Kirche S. Anna del Palafrenieri

Pünktlich um vierzehn Uhr begann die Zeremonie. Viele Schaulustige hatten sich versammelt und beobachteten hinter der Absperrung das Spektakel. Etwas gelangweilt stand ich in der prallen Sonne, mit der Hoffnung es würde bald vorbei sein.

Ivo, ebenfalls Korporal, kam unsicher aus dem Haus gelaufen, direkt zu Hauptmann Finder. Argwöhnisch beobachtete von Ganter die Szene. Finder näherte sich ihm und flüsterte ihm etwas zu.

Von Ganter drehte den Kopf zu ihm und ich sah die verärgerten Augen. Er sagte leise irgendetwas zu Finder, der darauf direkt auf mich zu kam.

„Korporal mitkommen.“

Ivo nahm meine Platz ein und ich folgte Finder. Im Haus angekommen verlangsamte Finder seine Schritt.

„Jetzt hat es Kinzinger wirklich übertrieben“, kam es von ihm.

Ich war ihm gleichauf und schaute ihn an.

„Schauen sie nicht so Lutz, sie werden es gleich selber sehen.“

An der großen Bibliothek des Vatikans angekommen sah ich den Schlamassel. Veit lag vor der großen Tür auf dem Boden, der Alkohol roch ich jetzt schon. Monsignore Aluci und zwei Schwester knieten neben Veit.

Aluci war für die Bibliothek verantwortlich und für mich all die Jahre immer ein guter Gesprächspartner gewesen.

„Was ist passiert“, fragte Finder stroff.

Monsignore Aluci erhob sich.

„Gott zum Gruß, Hauptmann“, kam es von ihm, „dieser junge Mann muss sofort ärztlich behandelt werden.“

„Der muss nur seinen Rausch in einer Zelle ausschlafen Monsignore, weiter nichts“, sagte Finder verärgert.

„Ihr irrt euch, er ist nicht betrunken.“

„Monsignore, man riecht es schon da drüben, wenn man um die Ecke biegt.“

„Der junge Mann wurde niedergeschlagen und mit Alkohol übergossen.”

Nun doch besorgt, kniete ich mich neben Veit hin und sah die kleine blutende Kopfwunde, der Gestank des Rums drang weiter in meine Nase.

„Bitte? Niedergeschlagen?“, kam es von Finder.

„Ja, und es hat sich jemand Zugang zur päpstlichen Bibliothek verschafft“, sagte Monsignore Aluci weiterhin im ruhigen Ton.

„Lutz sorgen sie dafür das jemand kommt und sich um Veit kümmert“, sagte Finder jetzt in einem anderen Ton.

„Nicht mehr nötig, der Arzt ist bereits unterwegs“, meinte Aluci.

„Fehlt irgendwas?“, fragte Hauptmann Finder.

„Bitte?“

„Ob irgendetwas gestohlen wurde?“

Aluci winkte Finder zur Seite, trotzdem verstand ich jedes Wort von Aluci.

„Es sind ein paar wichtige Dokumente entwendet worden.“

„Wurde schon die Municipale eingeschaltet?“

Die Policia Municipale war Roms Stadtpolizei und schaute mit den Carabineries nach dem Rechten.

„Um Gottes Willen keine Polizei, das währe gegen die Anweisungen von Kardinale Christoforo.“

Dann wusste Christoforo schon bereits Bescheid über diesen Vorfall. Mich wunderte es nicht, denn Christoforo war der Privatsekretär von Papst und wie jeder wusste, hatte er hier im Vatikan die Fäden in der Hand, was er sagte galt.

„Gut, ich werde mich selbst darum kümmern. Korporal Stängel wird mir helfen“, sagte Finder.

Der Arzt kam um die Ecke und versorgte Veit notdürftig. Ivo und Ulf kamen ebenso mit einer Trage in der Hand.

„Bringt Veit auf die Krankenstadion und Stängel kümmern sie sich um einen Ersatz für Kinzinger hier“, sagte Finder und folgte Monsignore Aluci in die Bibliothek.

* *

Päpstliche Bibliothek

„Es sind in alle den Jahren immer wieder Dokumente aufgetaucht, deren Herkunft ungewiss waren, aber über die Echtheit der Dokumente besteht kein Zweifel“, sagte Monsignore Aluci zu mir.

Ich war später zu Aluci gerufen worden und befand mich jetzt in der privaten Bibliothek des Papstes.

„Und um was für Dokumente handelt es sich, wenn ich fragen darf, Monsignore.“

„Dürfen nicht, lieber Lutz, aber ich werde es dir trotzdem sagen. Es gibt schon seit Jahrhunderten Gegner der heiligen katholischen Kirche, dass weißt du.“

Ich nickte ihm zu.

„Und es wurde nichts unversucht gelassen, der Kirche zu schaden, ob es mit erfundenen Geschichten oder wahren Begebenheiten war.“

„Wahre Begebenheiten?“

„Tja, mein Junge, die katholische Kirchen hat sich schon Dinge geleistet, die nicht sehr rühmlich waren.“

Ich schaute mich um, sah die vielen Schriftrollen und Bücher in den Regalen.

„Und das Dokument, das ich am meisten vermisse, könnte in den falschen Händen eine Katastrophe verursachen“, meinte Monsignore Aluci.

Ich blieb stumm, aber meine Augen schienen wohl eine deutliche Sprache zu sprechen.

„Junger Freund ich weiß genau was ihr denkt. Dieses Dokument gehört zu einer Sammlung, die von einer Bruderschaft handelt, die weit vor Christi Geburt entstand.“

„Gibt es sie noch heute?“, fragte ich von der neugier geweckt.

„Das weiß niemand so genau, ich weiß nur, dass die Aufzählung aller Dokumente gestohlen worden ist, in der alle Orte beschrieben sind, wo sich die Sammlung in Teilen befindet.“

„Und warum hat man sie nicht zusammen ein einen geheimen Ort gebracht?“

Aluci lächelte mich an.

„Das ist sie junger Freund, das ist sie!“

Er zog seine Brille zurecht und verräumte verschiedene Bücher ins Regal. Ich wusste, dass ich jetzt gehen sollte. Bevor ich ging verneigte ich mich vor Monsignore Aluci. Er schenkte mir ein Lächeln.

* *

Kaserne der Schweizer Garde

Es war schon sehr spät und ich war auch schon etwas müde, trotzdem schaute ich in der Krankenstadion vorbei, wo mir aber mitgeteilt wurde, das Veit schlafen würde und ich nicht stören dürfte. Langsam und nachdenklich ging ich zurück auf meine Stube.

Dort angekommen, war die Tür verschlossen. Ich schloss auf und betrat das Zimmer. Rico schien noch nicht zurück gewesen zusein, denn seine komplette Uniform fehlte noch. Ich zog mich aus, verräumte alles und stellte mich erst mal unter die Dusche.

Das Rico in der Zwischenzeit zurück kam bekam ich nicht mit. Ich trat also nackt aus dem Bad und erschrak einwenig als Rico, der gerade beim entledigen seiner Uniform war, vor mir stand. Sein Gesicht färbte sich tief rot, denn er konnte seinen Blick nicht von meinem Schwanz wenden.

„Hattest du noch nie einen Freund?“, fragte ich.

Er schüttelte den Kopf.

„Aber einen nackten Mann hast du sicherlich schon gesehen?“

„Ja… aber keinen so wunderschönen….“, kam es sacht von Rico.

Er lies seine Jacke fallen. Jetzt war ich dran mit rot werden. Nackt wie ich war ging ich zu ihm hin, hob seine Jacke auf und hängte sie über den Bügel. Ich drehte mich zu Rico und schaute ihm in die Augen.

Trotz der Wärme die im Raum herrschte, bemerkte ich das Rico zitterte. Sein fast ängstlicher Blick ließ mich ein Entschluss fassen. Ich trat noch näher an in heran, nahm sein Gesicht in meine Hände und küsste ihn zärtlich.

Irgendwann zuckte Rico, spürte plötzlich eine Hand auf meiner Schulter und bemerkte dass Rico sich meinem Kuss hingab. Als ich mich von ihm löste, hatte er noch immer seine Augen geschlossen.

Etwas verlegen senkte er seinen Kopf.

„Hat dir das gefallen?“, fragte ich leise.

Sein ja war fast gehaucht. Ich nahm meine Schlüssel und verschloss unsere Zimmertür. Rico stand immer noch regungslos am selben Platz, lediglich hatte er sich gedreht und mir nachgeschaut. Ich hängte mein Schlüssel an sein Platz und ging zurück zu Rico.

Vor ihm stehend, machte ich mich an seinem Tshirt zuschaffen und zog es aus dem Bund seiner Hose. Rico selbst öffnete sie, um es mir zu erleichtern. Ich schubste ihn ein wenig und er viel aufs Bett.

Nachdem ich ihn von seinen Schuhen und seiner Hose befreit hatte. lag er nur noch mit seine Shorts vor mir. Das Zittern seines Körper hatte ich nicht nachgelassen, also legte ich mich zu ihm und nahm ihn in den Arm.

Mein Gott wie ich das vermisst hatte. Ricos warme Haut auf meiner, setzte Energien in mir frei, die seit langem in mir geschlummert hatten. Ich kam an den Lichtschalter mit dem Fuß und knipste das Licht aus.

Rico beruhigte sich langsam in meinen Armen, das Zittern wurde schwächer. Und ich, ich lag einfach nur da hatte ihn im Arm und streichelte seinen Rücken. Irgendwann mussten wir dann beide eingeschlafen sein.

* *

Lutz und Ricos Zimmer

Ein Klopfen an der Tür weckte mich und ich brauchte einige Sekunden bis ich merkte wo ich war. Ich lag mit Rico nackt im Bett und er schlief in meinen Armen. Es klopfte wieder.

„Ja?“

„Hallo Lutz hier ist Urs, Veit verlangt nach dir.“

„Gib mir fünf Minuten ich komme dann.“

„Okay,“ war von draußen zu hören.

Rico bewegte sich, auch er war nun wach geworden. Lächelnd schaute ich ihn an.

„Morgen mein Kleiner“, sagte ich sanft.

Rico öffnete die Augen.

„Ich.. ich habe also nicht geträumt?“, fragte er.

„Was geträumt?“

„Das ich in deinen Armen liege….“

„Das siehst du doch“, sagte ich und gab ihm sanft einen Kuss auf die Nase.

Sein Blick war unsicher.

„Was ist Rico?“

„Ich habe noch nie mit.. mit einem Mann geschlafen… also meine ich hatte noch nie Sex…“

„Ist das so schlimm?“, fragte ich wieder mit einem Lächeln auf dem Mund.

Er schaute mich nur an. Ich streichelte zärtlich über seine Wange.

„Wir haben alle Zeit der Welt. Und vor allem sollten wir uns erst mal richtig kennen lernen.“

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er beugte sich ein wenig vor und gab mir vorsichtig einen Kuss auf den Mund.

„Geht doch“, meinte ich lächelnd.

Seine Augen begannen zu strahlen.

„Es braucht aber niemand hier vorerst zu wissen, okay?“, fragte ich.

„Wäre mir auch lieber“, sagte er mit sanfter Stimme.

„So jetzt muss ich aber mich anziehen, Veit verlangt nach mir.“

„Was ist überhaupt gesehen?“, fragte er, als er mir beim Anziehen zu schaute.

„Wenn ich das so genau wüsste“, seufzte ich.

Ich beugte mich zu ihm hinunter und gab ihm einen Kuss.

„Bin bald wieder da, da können wir weiter reden, wenn du willst“, meinte ich und schloss die Tür auf.

„Ich bin da“, kam von ihm mit einem Lächeln.

* *

Krankenstadion

Ich klopfte leise an die Tür, hinter der Veit ein Zimmer auf der Krankenstadion hatte.

„Herein“, kam es von drinnen.

Ich trat ein.

„Hallo Lutz, da bist du ja endlich“, sagte Veit, der an der Rückwand des Bettes angelehnt saß.

„Und wie geht es dir?“, fragte ich.

„Was soll ich sagen, als hätte mir einer mit dem Bügeleisen eins übergezogen.“

Dabei verzog er schmerzerfüllt sein Gesicht.

„Ich habe die Kopfwunde gesehen. Weißt du noch was?“

„Deswegen habe ich dich ja rufen lassen.“

Von der Neugier gepackt, setzte ich mich jetzt auf den Bettrand.

„Ich war noch nicht ganz weggetreten, als ich den Schlag auf den Kopf bekam. Jedenfalls hörte ich zwei Stimmen, die einer Frau und eines Mannes.“

„Die einer Frau?“

„Ja, einer Frau, aber beide Stimmen waren mir unbekannt, niemand aus dem Haus.“

Ungläubig schaute ich ihn an.

„Herzlichen Dank für die Information Veit, vielleicht bring es mich ja weiter.“

„Wieso dich?“

„Ich soll mit Finder zusammen, die Untersuchung leiten.“

„Wie kommst du zu der Ehre?“ fragte Veit und lächelte.

„Wenn ich das wüsste“, seufzte ich und erinnerte mich diesen Satz erst vor kurzen gesagt zu haben.

„Was ist eigentlich mit dir los, du sprühst so vor Elan und deine Augen leuchten…“

Ich begann breit zu grinsen.

„Hast du dich etwa verliebt?“, fragte Veit.

„Es ist noch nichts Handfestes, aber ich erzähle dir mehr, wenn mehr daraus geworden ist“, meinte ich.

„Dann bin ich mal gespannt.“

„Ich auch.“

* *

Viala Centrale del Brosco

Ich lief durch den päpstlichen Garten zurück. In der Dunkelheit konnte mich auch niemand sehen. Meine Gedanken waren mehr bei Rico, als wie bei Veit. Das Schicksal hatte es gut mit mir gemeint, denn ich stellte fest ich hatte, mich verliebt.

Gut wird jeder sagen, ich kenne Rico erst einen Tag, aber er ging mir jetzt schon nicht mehr aus dem Kopf. Alles was ich im Augenblick machte, alles verband ich mit Rico. Sogar jetzt diesen kleinen Sparziergang, wäre er doch nur bei mir.

Nur durch Zufall schaute ich kurz auf, und sah in einiger Entfernung, eine Zigarette aufbrennen. Ich stoppte und versuchte mehr zu erkennen, aber durch die spärliche Beleuchtung, war mir dies nicht möglich.

Ich ging auf der Grasnarbe weiter, um durch meine Schritte auf dem Kies keine Geräusche zu verursachen. Hinter einer Zypresse blieb ich stehen. Ich konnte die Umrisse eines Mannes erkennen.

Hinter mir hörte ich Schritte im Kies, ich ging in Deckung. Es war ein sehr schwungvoller Gang, wie ich ihn eigentlicher ein Frau zu ordnen würde. Doch als die Person dicht an mir vorüberlief, erkannte ich ebenfalls die Umrisse eines Mannes.

„Wie konntet ihr bloß so blöd sein?“, fragte der eine.

„Wieso, wir haben doch das Dokument.“

„Ich meinte mit dem Soldat, ihr hätte ihn das Zeug eintrichtern sollen, nicht ihn damit übergießen, so ist der Diebstahl sofort aufgefallen.“

„Da kamen zwei Nonnen, die hätte uns sofort entdeckt, wir mussten handeln.“

„Und wer hat jetzt das Dokument?“

„Das hat Anna an sich genommen.“

Also hatte sich Veit mit der Frauenstimme nicht geirrt.

„Ich muss wieder rein, sonst fällt es auf, dass ich fehle.“

„Geht mir nicht anderst, ich werde zu Hause bereits erwartet.“

Und schon trennten sich die beiden. Nach dem der kleiner von beiden, an mir vorbei war, und der andere im Haus des Radio Vaticano verschwunden war, trat ich hinter der Zypresse hervor. Ich ging zu der Stelle, wo die beiden gestanden hatten.

Die Zigarette glühte noch ein wenig, zu meinem Glück, sonst hätte ich sie bei dieser Dunkelheit nicht gefunden. Ich rannte zur Unterkunft zurück und sah gerade noch, wie ein kleiner Mann, das Personalportal verließ.

Ich wartete einen Augenblick und ging dann zur Abendwache. Victor, ein Hellebardier hatte Wache. Er sah mich aus dem Augenwinkel und stand stramm.

„Victor, wie oft soll ich dir noch sagen, solange ich keine Uniform anhabe, brauchst du nicht vor mir stramm stehen.“

„Er steht auch nicht wegen ihnen stramm Lutz, sondern wegen mir.“

Ich fuhr herum, vor mir stand Hauptmann Finder.

„Ich habe sie gar nicht gesehen“, meinte ich zu ihm.

„Braucht auch nicht jeder wissen, das ich meine Runde mache. Und was suchen sie hier draußen, Lutz?“

„Werde ich ihnen gleich verraten, eine Moment bitte“, erwiderte ich, und ging zu Viktor.

„Victor, weißt du wie der Mann der gerade gegangen ist hieß?“, fragte ich ihn.

„Das ist Senór Rossi, er arbeitet in der Küche.“

„Danke Viktor.“

Ich lief zurück zu Finder.

„So könnten wir uns irgendwo ungestört unterhalten?“, fragte ich ihn.

„Auf meinen Zimmer, wobei hat es etwas mit dem Diebstahl zu tun?“, entgegnete er.

Ich nickte.

„Dann gehen wir gleich zu Monsignore Aluci, er ist noch in seiner Bibliothek“, sagte Finder.

Gemeinsam mit Finder machte ich mich auf den Weg zur Bibliothek.

* *

Päpstliche Bibliothek

„Hauptmann Finder, könnte ich bitte noch Monsignore vorher etwas fragen bevor ich Bericht erstatte?“ fragte ich.

„Meinetwegen Lutz, wenn es für sie dienlich ist?“, antwortete Finder.

Wir betraten die Bibliothek und fanden Monsignore Aluci zwischen viele dicken Büchern.

„Ah, Hauptmann Finder, was verschafft mir die Ehre, euern späten Besuches.“

Aluci nickt mir mit einem Lächeln zu.

„Ich hätte sie gerne noch etwas gefragt Monsignore Aluci“, sagte ich ohne die Antwort von Finder ab zuwarten.

„Und welche wäre da?“, kam es von Aluci.

„Könnten sie mir bitte etwas mehr von dieser Bruderschaft erzählen, gibt es sie noch?“

Aluci schob nervös seine Brille zurecht.

„Nicht hier meine Herren, lassen sie uns weiter nach hinten gehen“, kam es von ihm.

Wir folgten Aluci, durch endloslange Gänge mit Regalen voller Bücher. So ziemlich am Schuss stand ein Tisch mit ein paar Stühlen. Aluci wies uns Platz zu nehmen.

„Warum interessiert dich die Brüderschaft?“

„Kann ich euch noch nicht genau sagen Monsignore Aluci“, antwortete ich.

„Nun gut, die Bruderschaft des ewigen Lichtes gibt es heute noch, sogar mit größerer Mitgliedzahl, als zu ihren Bestzeiten. Sie hatte sich dem Ziel verschrieben, die Vormachtstellung der römisch-katholischen Kirche zu kippen. Es ist ihr, auch ein paar mal fast gelungen, aber bis jetzt hatten die Päpste glück und konnten rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge ziehen. Einzigstes Mysterium der Bruderschaft ist, das die wichtigsten Stellen von Frauen besetzt sind.“

Ich sah Finder an und bemerkte das er kein einiges Wort verstand.

„Da reimt sich so einiges zusammen. Und diese Liste, von der ihr vorhin erzählt habt…“

Monsignore Aluci schaute mich an.

„Junger Freund, ihr bewegt euch auf gefährlichem Gebiet.“

„Das dachte ich mir schon…“, sagte ich, ohne meinem Gesicht irgendeinen Ausdruck zu verleihen.

„Könnte mir mal jemand erzählen um was es geht?“, fragte Finder bereits etwas sauer.

„Moment Hauptmann Finder, nur die Liste noch“, sagte ich.

Ungeduldig nickte er.

„Monsignore?“

„Gut, die Liste besteht aus einer Auflistung verschiedener Verträge zwischen der Stadt Rom und dem Vatikan, auch über den Schriftverkehr, der zu dieser Zeit stattfand.“

„Und diese Dokumente befinden sich alle an einem sicheren Ort?“, fragte ich.

„Ja, das tun sie, aber junger Freund, warum all diese Fragen?“, kam es von Aluci.

Aluci und Finder schauten mich beide angestrengt an.

„Veit hat mir erzählt, dass bevor er bewusstlos wurde, eine Frauen und eine Männerstimme gehört zu haben. Ich selbst wurde vorhin im päpstlichen Garten Zeuge eines Gesprächs zweier Männer über den Diebstahl eines Dokumentes.“

„Ja und?“, fragte Finder.

„Mit den Erklärungen von Monsignore Aluci, bildet sich bei mir so langsam ein Bild, was da ablaufen könnte.“

Die beiden hingen förmlich an meinen Lippen.

„Es sind nur Vermutungen, meine Herren, aber die man leicht untermauern könnte. Ich denke wirklich , es ist die Bruderschaft, die hinter dem Diebstahl steckt.“

Finder wollte etwas sagen, aber Aluci bot ihm Einhalt.

„Diese Frau, von dem einen Mann Anna genannt, befindet sich derzeit im Besitz dieses Dokumentes. Dieser Mann is Herr Rossi und arbeitet in der Küche und der andere im Radio Vaticano raucht eine besondere Zigaretten Marke, sehr teuer und ausgefallen, also auch nicht schwer zu finden.“

„Und was hast du vor mein Junge?“, fragte Aluci.

„Diese zwei Herren beschatten lassen, den sie sind nicht die Drahtzieher, ansonsten seh ich keine Chancen, das Dokument wieder zu bekommen.“

Finder hatte die ganze Zeit in Ruhe zugehört.

„Lutz, sie überraschen mich immer wieder, aber von wem sollen wir die zwei beschatten lassen?“

„Da habe ich auch schon eine Idee, da werde ich mich an Kardinal Christoforo wenden“, sagte ich ruhig.

„Himmel, Junge, ich glaube nicht das er mit seiner Privatarmee, dir helfen wird“, sagte Aluci.

„Der blockt sie schon im Vorzimmer ab“, meinte Finder.

„Keine Sorge, Christoforo hat mich noch nie abgewiesen, da weiß ich einfach zu viel über ihn“, meinte ich mit einem Lächeln und saß zwei Ungläubigen gegenüber.

* *

Lutz und Ricos Zimmer

Es war seh spät geworden, ich hoffte Hauptmann Finder hatte Nachsicht mit mir, wenn ich morgen ihm müde entgegentrat. Leise schloß ich meine Zimmertür auf und schlich in den Raum. Ich war oft im dunkeln hier rein gelaufen und so auch heute Nacht.

„Lutz?“

„Ich schrak zusammen.

„Ich dachte du schläfst schon“, sagte ich zu Rico.

„Hab ich auch“, antwortete er und knipste die kleine Lampe an seinem Tischchen an.

Ich zog meine Klamotten aus, hängte sie fein säuberlich über den Stuhl. Danach schloss ich unser Zimmertür ab und ließ den Schlüssel stecken. Rico hob schon die Decke an, als ich zu ihm gehen wollte und sah, dass er nackt war.

Also ließ ich meine Shorts ebenso herunter gleiten. Eng aneinander geschmiegt löschte ich das Licht.

„Tut mir leid, dass du solange warten musstest, aber ich hatte einiges zu klären“, meinte ich zu Rico.

„Du bist jetzt da.“

Der Junge verblüffte mich, heute morgen noch Schüchternheit als zweiter Vorname und jetzt mit einer kräftigen Stimme, von seinen Händen auf meinem Körper ganz zu schweigen. Ohne Worte schliefen ich und Rico bald ein.

Hart klingelte Ricos Wecker, seine Hand fuhr automatisch raus und schlug ihn stumm.

„Morgen“, brummelte er.

„Morgen Kleiner“, gab ich zurück.

Sein Kopf lag auf meiner Brust und seine Hand ruhte auf meinem Bauch.

„Wir sollten kurz duschen gehn“, meinte ich nach einiger Zeit.

Rico stöhnte genervt, weil er seinen Platz auf meiner Brust freigeben musste.

„Geh du zu erst. Ich brauch noch ne Weile“, sagte er lächelnd.

* *

Im Vorzimmer des Kardinals Christoforo

„Ich kann heute keine Termine mehr vergeben Korporal“, sagte der Pater vor mir.

„Pater Ingemzius, sagen sie ihm einfach Stängel wäre hier..“

Der Pater wollte schon abwinken.

„Bitte!“, sagte ich mit Nachdruck.

Er stand auf und öffnete die große Tür einen spaltbreit und steckte den Kopf hindurch. Ein kurzes Gespräch folgte, plötzlich öffnete er die ganze Tür und wies mich ein zutreten.

„Mein lieber Stängel, freut mich euch zu sehen“, kam mir Christoforo entgegen.

„Die Freude liegt ganz auf meiner Seite, Hochwürden.“

Ich verbeugte mich kurz.

„Was verschafft mir die Ehre eures Besuches?“, fragte mich Christoforo.

„Ich brauche ihre Hilfe Hochwürden.“

„Und in welcher Sache?“

Er wies mich auf ein kleines samtbezogenes Sofa in der Ecke. Ich setzte mich und er mir gegenüber in seinen Sessel.

„Wie sie sicher wissen, untersuche ich mit Hauptmann Finder, den Einbruch und Diebstahl der Dokumente.“

Er nickte und grinste, aber es kam kein Wort von ihm.

„Ich möchte sie nun bitten, zwei Leute beschatten zu lassen.“

„Sind es zwei Verdächtige?“

Ich wusste, dass Kardinal Christoforo, mir diese Bitte nicht abschlagen würde. Seit ich von seinem kleinen Geheimnis wusste, durfte ich ihn jederzeit um einen Gefallen bitten, doch ich musste bitten. Es lag schon eine Weile zurück, als ich einen jungen Italiener kennen lernte.

Daraus wurde ein kleines aber heftiges Verhältnis. Bis ich eben heraus bekam, es war der Sohn des Kardinals. Ich schwor damals, Stillschweigen zu hüten, aber verlor gleichzeitig den Freund. Christoforo schickte seinen Sohn nach Mailand.

Seither hatte ich ihn nicht mehr gesehen.

„Ich habe beide bei einem Gespräch belauscht.“

Christoforo zog die Augenbrauen hoch.

„Leute von hier?“

„Ja.“

„Ich habe mir gedacht, ohne einen Komplizen hier, wären die niemals soweit in die privaten Räume des Vatikans vorgedrungen“, sagte Christoforo.

„Eine Person konnte ich ausmachen, es handelt sich um jemand aus dem Küchenpersonal. Sein Name ist Rossi.“

„Rossi? Der ist doch fast schon über dreißig Jahre hier… und wer ist der andere?“

„Jemand aus dem Radio Vatikan.“

„Da arbeiten viele.“

„Aber nur einer bestimmt, der Karidan Superier Virginia Zigaretten raucht…“

„Gut beobachtet! Also gut, ich nehme mich der Sache an, ich werde sie unterrichten, wenn ich mehr weiß.“

„Danke euer Hochwürden. Aber bitte nur beschatten, denn die beiden sind nur Handlanger..“

„Nichts zu danken“, kam es von ihm.

Ich verneigte mich und verlies wieder das Zimmer.

* *

Die Hilfe von Christoforo kam mir gelegen. Ich machte mich auf den Weg zu meinem Zimmer, doch stoppte ich abrupt. Ich musste noch einmal alleine mit Monsignore Aluci reden. Ich rannte eilig die Treppe hoch und klopfte darauf an der großen Bibliothekstür.

Eine Nonne kann mir weinend entgegen.

„Ist was geschehen?“, fragte ich.

„Monsignore Aluci ist gestorben, er hatte einen Herzinfarkt..“, sagte die Nonne und lief weiter.

Langsam öffnete ich die Tür und schaute hinein. Aluci lag auf dem Boden umringt von Nonnen und einem Arzt. Die Männer kannte ich nicht. Leise schloss ich wieder die Tür. Recht schnell rannte ich die Treppe wieder hinunter und stieß fast mit Finder zusammen.

„Ah Hauptmann, zu ihnen wollte ich gerade“, rief ich.

„Was Tod?“, schrie er, als ich ihm berichtet hatte, was sich gerade zugetragen hatte.

„Hauptmann ich glaube nicht, dass Monsignore Aluci an einem Herzinfarkt gestorben ist“, meinte ich.

„Ich auch nicht“, sagte er und schaute mich an.

„Was?“, fragte ich.

„Könnten sie nicht noch mal ihre Beziehungen spielen lassen, Lutz. Ich meine bei Christoforo.“

„Ich kann es versuchen, aber was soll das bringen?“

„Das wir einen Nachweisen finden können, das Aluci ermordet worden ist.“

„Und wie?“

„Sie könnten sich die Genehmigung holen, Untersuchungen in der Bibliothek anzustellen und was noch wichtiger ist, dass eine Obduktion angeordnet wird.“

„Das geht in Ordnung….“

„Was ist? Ich seh ihnen an, dass sie etwas auf dem Herzen haben, Lutz.“

„Naja, ich könnte in der Bibliothek Hilfe brauchen, sie ist recht groß.“

„Und haben sie an jemanden bestimmtes gedacht?“

Finder setzte ein wissendes Lächeln auf und ich wurde rot.

„Ich wollte fragen.. ob ich Hellebardier Gschranz abordern könnte…“

„Geht klar“, meinte Finder, „aber anständig bleiben!“

„Woher wissen sie..?“

„Ach Lutz, das weiß ich schon eine ganze Weile, ist nicht schlimm. Sie sind einer meiner besten Männer und ihr Privatleben geht mich nun wirklich nichts an.“

„Danke Hauptmann.“

„Nichts zudanken!“, sagte Finder und ließ mich alleine stehen.

* *

Zimmer des Kardinals Christoforo

„Das mit der Obduktion von Aluci kann ich veranlassen, und sie sind sicher, das er ermordet wurde?“, fragte Christoforo.

„Ja bin ich Hochwürden, denn er wusste, was alles auf dieser Liste stand, und ich denke mal vor allem wusste er, wo sich diese Dokumente alle befinden“, sagte ich.

„Sicherlich nicht hier in der Bibliothek.“

„Nein, aber ich denke Monsignore Aluci hat Hinweise hinterlassen. Irgendwo werde ich etwas finden.“

„Dann mal viel Glück“, sagte Christoforo zu mir.

„Euer Hochwürden“, sagte ich, verneigte mich und ging.

* *

Bibliothek

Es klopfte.

„Herein“, sagte ich.

Die schwere Holztür wurde aufgeschoben und Rico trat herein.

„Hellebardier Gschranz meldet sich wie befohlen zum Dienst.“

„Hallo Rico, steh bequem wir sind hier alleine“, sagte ich und ging zu ihm hin.

Ein Lächeln huschte über Ricos Gesicht. Ich nahm ihn kurz in den Arm und gab ihm einen Kuss.

„Warum hast du mich her beordern lassen?“ , fragte mich Rico.

„Ganz einfach, weil ich hier alleine nicht viel ausrichten kann und deine Hilfe brauche“, antwortete ich.

„Und wie lange bin ich dir jetzt direkt unterstellt?“

„Sehr lange“, sagte ich lächelnd zu ihm.

„Gut, und nach was sollen wir suchen.“

„Ich drehte mich wieder zum Tisch zurück, wo mehrere Bücher aufgeschlagen lagen.

„Aluci wusste über das Dokument, dass gestohlen wurde, genau Bescheid. Ich hoffe er hat hier irgendwo Notizen hinterlassen, was sich genau auf diesem Schrieb befindet“, erklärte ich Rico.

„Und was auf dem Dokument stand weißt du nicht?“

„Nein, nur das es eine Auflistung mehrer Dokumente ist, die der Kirche gefährlich werden könnten.“

„Und wo soll ich anfangen?“, fragte Rico.

Ich lief mit ihm durch mehrere Gänge und bog dann bei einem alten Regal mit vielen Büchern ein.

„Hier befinden sich sehr viele Auflistungen, der hier eingelagerten Dokumente, soviel habe ich schon rausbekommen.“

Ricos Blicke schweifte über die Titel der Bücher.

„Dann fang ich einfach mal von vorne an“, meinte Rico und zog seine Uniformjacke aus.

Es klopfte abermals. Mit schnellen Schritten lief ich zurück an den Anfang und rief >Herein<.“

Die Tür öffnete sich und Veit trat ein.

„Hallo Lutz. Finder meinte ich solle mich doch nützlich machen und bei dir melden, du bräuchtest Hilfe“, kam es von Veit.

„Dann komm mal mit“, sagte ich.

* *

Drei Stunden später

„Boah, mir schwimmen die Buchstaben davon, ich kann nicht mehr“, jammerte Veit und knallte das Buch auf den Tisch.

„Veit, würdest du bitte ein wenig sorgsamer mit dem Buch umgehen, aber du hast machen wir eine Pause“, sagte ich und legte ebenso mein Buch zur Seite.

Nur Rico saß über seinem Buch vertieft da und schien nichts von all dem zu hören.

„Rico mach eine Pause“, sagte ich und legte meinen Arm um ihn.

Er fuhr zusammen.

„Was ..bitte?“, kam es von ihm.

„Wir machen eine kleine Pause“, meinte Veit.

„Ist irgendwas?“ fragte ich.

„Nicht direkt, aber ich glaube ich habe da etwas interessantes gefunden“, antwortete Rico.

Rico schob das Buch zu mir und deutete mit dem Finger darauf.

„Hier wird vom Orden des Lichts gesprochen. Seinen Hauptsitz hatte er in der Schweiz. Auch stimmt es, dass es der einzigste Orden war, wo Frauen an den wichtigen Stellen waren“, erklärte Rico.

„In der Schweiz? Da hatten doch die Frauen noch nie etwas zu sagen“, kam es von Veit.

Ich wollte gerade etwas sagen, als Rico einfach weiter redete.

„Es kommt noch besser. Anscheinend wurde dieser Orden von der katholischen Kirche erst verfolgt und an einem späteren Zeitpunkt durch ein Dokument, hier wird immer vom > Das Dokument < genannt, legalisiert.“

„Wie vom Vatikan genehmigt?“, fragte ich.

„Nein den Vatikan als solches gibt es ja erst seit 1929, er wurde früher gegründet der Orden, zu Pius VII Zeiten. Aber das tut nichts zur Sache. Der Orden bekam, trotz der Übermacht der Frauen, die weltliche Macht des Kirchenstaates zugesprochen.“

„Und das heißt?“, fragte Veit erstaunt.

„Wenn der Orden noch existieren würde, könnten wir jetzt eine Päpstin auf dem heiligen Stuhl sitzen haben“, kam es von Rico und lehnte sich in seinen Stuhl zurück.

„Er existiert nicht mehr?“, fragte ich verwundert.

„Nein er wurde zwei Jahre danach aufgelöst“, antwortete Rico.

Ich stand auf und lief ein wenig umher.

„Was ist Lutz?“, fragte Rico.

Ich blieb kurz stehen und überlegte.

„Aluci behauptete diesen Orden gibt es noch und ist größer denn je. Nehmen wir doch mal an, dieser Orden gibt also wirklich, was würden sie als erstes wollen?“, fragte ich.

„Das Dokument?“, fragte Veit leise.

„Du hast es erfasst. Der Vatikan ist mittlerweile ein Staat für sich und hat sehr gute Verbindungen in alle Herren Länder. Aluci hat angedeutet, dass das gestohlene Dokument eine Liste von verschiedenen Dokumenten enthält, die irgendwo versteckt sein sollen“, erklärte ich.

„Glaubst du wirklich, Lutz?“, fragte Rico.

„Was soll ich denn glauben. Veit bekommt eine übergezogen, in der Bibliothek werden Dokumente entwendet und das anscheinend sehr gezielt und kurz darauf ist Aluci tot.“

Alle drei saßen wir stumm am Tisch und starrten das Buch an. Jemand betrat die Bibliothek, die schwere Tür fiel ins Schloss und das knacken hallte in dem großen Raum nach. Ich schaute nach.

„Oh Kardinal Christoforo, was verschafft uns die Ehre eures Besuches“, sagte ich und verbeugte mich.

Veit und Rico waren aufgesprungen und richteten ihre Uniformen.

„Stehen sie bequem meine Herren. Ich bin vorbei nur gekommen um ihnen selbst mit zuteilen, das unser lieber Monsignore Aluci ermordet wurde. Es wurden Spuren eines Giftes gefunden, die den Herzinfarkt ausgelöst hatte.“

Entsetzt sahen wir uns an.

„Korporal Stängel, sie erhalten von mir alle Befugnisse erteilt, dies alles aufzuklären und können jederzeit bei mir vorbeikommen um weitere Hilfe an zufordern. Hauptmann Finder und Oberst Ganter sind informiert. Brauchen sie noch mehr Leute?“, fragte mich Christoforo.

Noch ein wenig unsicher, und das eben gehörte noch verarbeitend, schaute ich zu Rico und Veit. Beide schienen zu wissen, was ich meinte und nickten mir zu.

„Eine Hilfe hätte ich noch gerne, den Vizekorporal Urs Wendiger, er hat gute Verbindungen hier in Italien und insbesondere in Rom.“, sagte ich bestimmend.

„Gut ich werde alles nötige Veranlassen, das sie Wendiger bereit gestellt bekommen und sie vier vom Dienst befreit werden.“, sagte Christoforo.

Wir verneigten uns alle drei und Christoforo drehte sich wieder Richtung Ausgang.

„Eurer Hochwürden, was könnt ihr mir über den Orden des Lichts sagen?“, fragte ich.

Christoforo blieb abrupt steht und fuhr herum.

„Warum fragen sie?“

„Nach ihrer Reaktion zu urteilen, jedenfalls keine uninteressante Frage“, gab ich zur Antwort.

Christoforos Augen verengten sich, er musterte mich genau. Er lief zu einem der zahlreichen großen Fenster im Raum.

„Wir haben den Orden schon seit Jahren im Visier und beobachten seine Aktivitäten. Bisher schien alles ruhig zubleiben und wir wissen lediglich, das alle Befehle aus der Schweiz kommen.“

Ich schaute zu Rico und Veit.

„Also existiert dieser Orden wirklich noch und wurde nicht aufgelöst, wie wir diesem Buch hier entnehmen konnten?“, fragte ich und deute auf das Buch, dass immer noch auf dem kleinen Tisch lag.

„Nein, ganz aufgelöst wurde er nie. Mein damaliger Vorgänger hatte seine Hausaufgabe nicht recht gemacht“, kam es von Christoforo.

Veit schaute mich fragend an.

„Stimmt, Monsignore Aluci sagte mir schon, dass über einige Dinge die heilige katholische Kirche nicht gerade glücklich ist“, sagte ich.

Christoforo kam auf mich zu.

„Pius VII hätte damals dieses Dokument unterschreien dürfen und dem Orden alle Rechte einräumen dürfen“, sagte er in leicht gereizten Ton.

„Sie wissen also über das Dokument Bescheid?“

„Ja. Aluci arbeitete hier schon Jahre lang daran, das Versteck dieses Dokumentes zu finden. Hier in diesem großen Raum, befinden sich die Antworten. Überall sind Hinweise versteckt.“

Ich sah mich um, die endlosen Reihen von Bücherregalen.

„Und nun musste er sterben…“

Christoforo senkte sein Blick. Man hätte eine Stecknadel fallen lassen können, so leise war es in der Bibliothek. Nach einer Weile sah mich Christoforo wieder an.

„Ich werde mich um die zwei Männer kümmern und auch herausfinden, wer Aluci getötet hat, Sie Stängel versuchen mehr über diesen Orden heraus zubekommen und auch ob sie Hinweise für das Dokument finden.“

Ich nickte ihm zu und verneigte mich, als er sich abwandte um zu gehen.

* *

Lutz und Ricos Zimmer

„Können wir hier überhaupt jemandem vertrauen?“, fragte mich Rico, der sich gerade seiner Uniform entledigte.

„Inwiefern?“; fragte ich.

„Wenn es wirklich Mord bei Aluci war, denke ich, dass noch mehr Leute von hier mit drin hängen.“

„Der Gedanke kam mir auch schon, und jetzt habe ich dich in die Sache nit hinein gezogen.“

„Ach Lutz, mach dir darüber doch keine Gedanken, ich kann wenigstens bei dir sein.“

Ich lächelte ihn an, schmiss mein Tshirt über den Stuhl und ging auf ihn zu.. Mit schüchternen Blicken ließ er sich von mir in den Arm nehmen

„Du hast recht, von dir getrennt zu sein, fiele mir mittlerweile sehr schwer“, flüstere ich ihm ins Ohr.

„Wir kennen uns doch erst ein paar Tage..“

„Zeit genug um mich in dich zu verlieben Kleiner.“

Kleiner war gut, Rico war mindestens fünf Zentimeter größer als ich. Mit der Hand fuhr ich durch sein kurzgeschnittenes, schwarzes Haar und genoss den Blick in seine strahlend grauen Augen. Ich streichelte ihm sanft über die Wange.

„Du hast dich in mich verliebt?“

„Ja und wie..“

„Ich mich in dich auch“, kam es sehr leise.

Langsam näherten wir uns, um uns schließlich sanft zu küssen. Seine Hand wanderte an meinem Rücken hinunter und mich durchfuhr ein kleiner Schauder. Es klopfte an der Tür. Entnervt schauten wir uns an, aber als Rico anfing zu lächeln, war der Frust schnell vergessen.

„Wer da?“, rief Rico.

Es kam keine Antwort. Verwundert lief ich zur Tür uns schloss auf. Ich öffnete und trat nach draußen. Niemand war zu sehen. Als ich wieder zurück wollte, fiel mir der Briefumschlag ins Auge der direkt vor meine Füssen auf dem Boden lag.

Ich hob ihn auf und schaute mich noch einmal um. Ich kehrte zurück zu Rico und öffnete den Umschlag gleich.

>..einen gut gemeinten Rat eines alten Freundes, haltet euch aus der Sache heraus, es könnte euch dabei schlecht ergehen…<

„Was ist?“, fragte Rico, als er mein Gesicht sah.

„Das hier“, gab ich zur Antwort und reichte ihm den Zettel.

„Oha, da fühlt sich jemand auf den Schlips getreten. Einer von den Zweien die beschattet werden?“

„Glaube ich nicht, Rico, woher sollen die wissen, das wir zusammen sind?“

Rico grinste.

„Und wie viele alte Freunde hast du?“, fragte er.

„Eifersüchtig?“

„Hab ich einen Grund?“

„Nein!“

„Wenn du es sagst.“

„Was gibt das hier?“

„Nichts….“

Und wieder dieses unwiderstehliche Grinsen im Gesicht. Er kam auf mich zu und nahm mich in die Arme.

„Wo hatten wir vorhin aufgehört….?“

* *

Kleines Cafe in Rom..

„Und du bist sicher, dass sie uns auf der Spur sind“, meinte Rossi.

„Warum sonst haben sie vier von der Schweizer Garde abgestellt, um den Einbruch zu Untersuchen“, sagte Garalbani von der Radiostadion Vaticano und drückte seine Zigarette im Ascher aus.

„Warum muss der Alte auch gerade jetzt seinen Löffel abgeben, das hat noch mehr Aufsehen erregt.“

Über Garalbanis Gesicht machte sich ein fettes Grinsen breit.

„Was ist?“, fragte Rossi entnervt.

„Er war im Weg und wusste zu viel.“

„Du meinst….?“

Rossi lehnte sich entsetzt zurück. Dann wuchtete er ganz nah an Garalbani heran.

„Seit ihr verrückt, das war noch nie der fall, dass jemand….“, Rossi schaute sich flüchtig um, „umgebracht wurde.

„Alles ist das erstemal“, sagte Garalbani trocken.

Rossi wurde bleich.

„Mach dir jetzt gar keine Gedanken Rossi, denn Aussteigen heißt das Gleiche.“

Rossi bekam keinen Ton mehr heraus. Er saß vollkommen bleich auf seinem Stuhl.

„Es wurde nie von Mord geredet, da mach ich nicht mit..“, flüsterte Rossi.

„Zu spät, du hängst da voll mit drin.“

„Ihr seid wahnsinnig!“

„Nein, wir wollen nur unser Recht.“

„Deswegen bringt man doch keinen Menschen um.“

„Was meinst du, hat unsere liebe heilige, katholische Kirche gemacht, um sich ihr recht einzufordern.“

Rossi wusste nicht mehr darauf zu antworten. Er wusste nur eins, irgendwie müsste er aus der Sache rauskommen. Garalbani konnte Rossis Gedanken förmlich hören. Er wusste genau, was er tun musste.

Eine Woche später wurde Rossi von seiner Frau als vermisst bei der Polizei gemeldet, wiederum eine Woche später, wurde eine Leiche aus dem Tiber gefischt.

* *

Lutz und Ricos Zimmer

„He, guten Morgen mein Schatz gut geschlafen?“, fragte ich, als Rico die Augen aufschlug.

„Was bist du schon so früh wach?“, brummelte Rico.

„Christoforo hat mich zu sich gerufen.“

„Und?“

„Sie haben Rossi gefunden.“

„Wo?“, meinte Rico und war plötzlich hell wach.

„Er trieb in der Tiber….. Kopfschuss.“

Rico verzog das Gesicht.

„Die fangen an langsam über Leichen zu gehen. Und Garalbani?“

„Der ist und bleibt verschwunden.“

Enttäuscht starrte ich auf die Wand.

„Was ist?“, fragte mich Rico und strich mir sanft über die Brust.

„Jetzt hängen wir schon zwei Wochen in dieser Bibliothek und haben rein gar nichts gefunden.“

„Willst du aufgeben?“

„Nein, schon alleine Alucis wegen, ich möchte den feigen Mörder stellen, der einen so gutherzigen Menschen auf dem Gewissen hat.“

„Oder Mörderin!“

Ich schaute Rico lange an und mir lief ein Schauer den Rücken hinunter.

* *

Bibliothek

„Lutz, komm doch mal bitte her“, rief Veit aus den hinteren Regalen.

„Was ist?“, rief ich und folgte der Stimme.

„Ich habe da ein paar handschriftliche Bemerkungen in einem Buch gefunden.“

Ich fand ihn am Regal über die baulichen Maßnahmen im Vatikan.

„Was suchst du hier in der Bauabteilung.?“

„Mir kam die Idee, dass vielleicht hier irgendwo von Räumen die Rede ist, von denen niemand mehr etwas weiß. Stattdessen hab ich das hier gefunden. Eine handschriftliche Auflistung der Eigentümer, die sich außerhalb des Kleinstaates befinden.“

„Zeig bitte her.“

Veit gab mir die Liste. Ich überflog sie und blieb bei einem Besitz mitten in Rom hängen, das rot angestrichen war.

„Eine Kapelle am Palazzo Poli?“

„Da steht keine Kapelle mehr, dort ist der Jungfrauenbrunnen Aqua Vergine“, kam es von Urs, der bei Rico saß.

Ich ging an dem Regal entlang und suchte die Nummer des Buches, die klein Neben dem Vermerk geschrieben war. Ich wurde auch fündig. Es handelte sich um ein kleines Buch, schon etwas älter, wie man dem Umschlag entnehmen konnte.

Während ich die ersten Seiten überflog, waren auch die anderen Drei zu mir gekommen.

„Und, was gefunden?“, fragte Rico.

Ich hob die Hand, damit ich noch weiterlesen konnte.

„Ich wird verrückt“, platzte aus mir heraus.

„Was ist?“, fragte Rico.

„Hier steht, dass die kleine Kapelle dem Brunnen zum Opfer fiel. Die Kellerräume wurden jedoch beibehalten, die durch schwer zugängliche Gänge zu erreichen waren.“

„Meinst du dort sind Dokumente versteckt? Ich mein unter dem Brunnen ist es sicherlich sehr feucht, nicht gerade ein gutes Versteck für Dokumente“, sagte Veit.

„Aber ein gutes Versteck, auf dass niemand kommt“, meinte ich.

Ale fingen wir an zu grinsen.

„Irgendwo muss doch etwas über die Zugänge stehen“, meinte ich und suchte die anderen Bücher im Regal nach Hinweise ab.

Nach zwei Stunden, hingen wir immer noch am Regal. Bis auf Urs, der einen Kapitel über eine große Krypta die dort sein sollte fand, blieben wir erfolglos.

„Da fällt mir ein ich kenne da jemanden, der mit der Wartung verschiedener Brunnen in Rom beauftragt ist“, meinte Urs plötzlich.

„Klasse! Könntest du versuchen ihn zu erreichen?“, fragte ich.

„Geht klar ich bin gleich wieder da“, kam es von Urs.

„Und ich besorg uns mal etwas zu trinken“, meinte Veit und verschwand mit Urs.

Rico lächelte mich an und streichelte mich zärtlich an der Wange.

„Ach Rico, es tut mir leid, das ich so in diesem Fall drin hänge, wo ich doch meine freie Zeit mit dir verbringen sollte.“

„Schon gut Lutz, das hier ist wichtiger und ich bin ja in deiner Nähe“, sagte Rico und rückte ein wenig näher.

„Danke das ist lieb von dir“, erwiderte ich und gab ihm eine Kuss.

Die Tür wurde aufgeworfen und Veit kam hereingeeilt. Hektisch fuhren wir auseinander in der Hoffnung, er hatte nichts gesehen.

„Wisst ihr schon das neuste? Finder liegt in der Krankenstadion, er soll sich eine Lebensmittelvergiftung zu gezogen haben.“

„Zugezogen oder verabreicht?“, fragte ich und Veit sah mich entsetzt an.

„Irgendwer spielt hier quer. Ich muss sofort zu Christoforo“, sagte ich und stand auf, jemand der sich gut auskennt im Vatikan und zu allem Zugang hat.“

Ich ließ die beiden zurück und hastete zu Christoforo.

* *

„Lassen sie ihn rein“, rief es aus Christoforos Büro.

Ich trat ein und verneigte mich kurz.

„Euer Hochwürden, könnt ihr mir bitte eine Frage beantworten?“, fragte ich.

„Was möchtet ihr wissen?“, antwortete er.

Er schien meine Eile zu bemerken und verzichtete auf die üblichen Begrüßungsfloskel.

„Gibt es jemanden hier im Vatikan, der schon recht lange hier ist und zu allen Räumen zu tritt hat?“

„Außer mir, fallen mir auf Anhieb noch zwei weitere Würdenträger ein“, gab er zum Besten.

„Und vom Personal?“

„Hat niemand Zutritt zu allen Räumen.“

Ein Gedanke beschlich mich und mir fiel die Warnung ein. …..einen alten Freund…

„Kardinal, ich weiß, dass ich dies nicht fragen sollte, aber es ist wichtig.“

Ich trat an ihn heran und sprach leise weiter.

„Studiert Angelo immer noch in Mailand?“

Christoforo wurde etwas bleich um die Nase.

„Soviel ich weiß ja, aber warum fragen sie.?“

Ich hielt ihm den Brief vom Morgen unter die Nase.

„Ich habe hier keine alten Freund, bis auf Aluci und ihnen.“

„Und eben…. Angelo“, meinte Christoforo und lies seine Hand mit dem Brief sinken.

„Er kannte sich hier aus, hatte zu allem Zutritt und auch die Schlüssel.“

Christoforo hatte den Brief fallen lasen und wankte zu seinem Stuhl am Schreibtisch zurück. Sein Gesicht hatte jetzt jegliche Farbe verloren. Sein Gesicht verschwand hinter seinen Händen.

„Soll ich jemanden rufen?“, fragte ich mich jetzt doch ein wenig Sorgen machend.

„Nein.“

Er stand wieder auf, und sah mir direkt in die Augen. Kurz konnte ich sehen, wie sehr er es bereute, am Anfang seiner Laufbahn, diesen Fehltritt begannen zu haben.

„Um Angelo kümmere ich mich persönlich. Jetzt wird mir auch einiges klar“, meinte er, und sie Lutz kümmern sich weiter um die Sache, nach dem Finder ausgefallen ist…..“

„Mit Absicht denke ich“, fiel ich ihm ins Wort.

„Der Gedanke kam mir auch schon… , umso wichtiger ist es das sie die Sache voran treiben und einen Erfolg verbuchen können.

* *

Lutz und Ricos Zimmer

„Findest du es recht, heute nacht in diesen Brunnen einzusteigen?“, fragte Rico.

„Es bleibt uns nichts anderes übrig“, antwortete ich und nahm meine Jacke vom Haken.

Rico folgte mir und schloss unser Zimmer ab. An den Wachen vorbei, traten wir ins Freie, in die laue Nacht von Rom.

„Gehen wir noch einen Capuccino trinken?“, fragte ich Rico.

Er begann zu lächeln und nickte mir zu. Wir fanden ein kleines Cafe in der Nähe und setzten uns.

„Lutz?“

„Ja?“

„Du weißt sehr viel von mir, aber ich so gar nichts über dich.“

„Da gibt es nicht viel erfreuliches zu berichten.“

„Wo kommst du genau her?“

„Aus dem Berner Oberland.“

Der Kellner kam und ich gab die Bestellung auf. Und schon saßen wir wieder alleine.

„Familie?“

„Bitte?“, fragte ich aus dem Gedanken gerissen.

„Hast du eine Familie?“

„Vater, Mutter, Bruder und Schwester…. Bilderbuchfamilie.“

„Du sagst das mit so einem gehässigen Unterton.“

„Ist normal, wenn ich von meiner Familie reden muss.“

Jetzt merkte ich selbst, dass mein Ton gegenüber Rico nicht angebracht war.

„Entschuldige, ich wollte dir nicht zu Nahe treten.“

Rico setzte sich in Abwehrstellung und verschränkte die Arme. Ich senkte den Kopf.

„Tut mir leid Rico, dass wollte ich nicht, du kannst nichts für meine Familie.“

„Und du nichts für sie!“

Ich spürte seine Hand auf meiner und schaute auf. Er saß da mit einem Lächeln.

„Doch da bin ich schon selber schuld. Vor fünf Jahren habe ich die Familie mit einem riesen Krach verlassen.“

„Und hast dich seither nicht mehr zu Hause gemeldet?“

„Nein, ich denke sie wissen nicht mal, dass ich in der Schweizer Garde bin.“

„Und keiner hat sich bemüht dich zu finden?“

Der Kellner brachte die Capuccinos und ich zahlte gleich. Ich wartete bis er sich wieder entfernt hat.

„Weiß ich nicht, und es interessiert auch nicht“, sagte ich ein wenig abweisend.

„Bist du sicher?“, fragte mich Rico, sein Blick war ein wenig besorgt.

„Ich weiß nicht was ich denken soll, ich habe das immer verdrängt.“

„Mit meinem Vater hab ich ja kein besonderes Verhältnis und meine Mutter… na ja, Kaffeekränzchen uns so weiter. Aber es ist meine Familie!“

„Ich versteh schon was du meinst, aber könnten wir das Thema auf ein andermal verschieben?“

„Ist schon gut Lutz.“, meinte Rico und lächelte mich an.

Wir saßen noch eine Weile, bevor wir zum Brunnen aufbrachen.

* *

In der Kanalisation Roms

„Ich weiß echt nicht, ob dies so eine gute Idee war“, meinte Rico und rümpfte die Nase.

„Es ist aber der einzigste Weg, wie wir da hin kommen.“

Solange wir am Rand entlang laufen konnten, ging es. Doch an manchen Stellen blieb uns gar nichts anderes übrig, als in diese Brühe zu steigen und bis zu den Knien darin zu versinken. Es dauerte eine Weile bis wir an der Stelle angekommen waren, wo sich der Zugang zum Brunnen befand.

Als Rico die Tür hinter sich zu schob, waren wir beide sichtlich erleichtert, diese Kloake hinter uns gelassen zu haben.

„Und nach was suchen wir jetzt?“, fragte Rico.

„Irgendwo hier muss es einen Zugang geben, zu den ehemaligen Kellerräumen der alten Kapelle“, gab ich zur Antwort.

„Warum ist das alles hier so nass? Ist der Brunnen undicht?“

„Nein ich denke mal, bei starken Regen füllt sich dieser Raum mit Wasser.“

„Dann sollten wir uns aber beeilen, denn draußen hat sich da einiges zusammen gebraut“, meinte Rico mit bedenklicher Miene.

Getrennt tasteten wir die Mauern ab, klopften an mehreren Stellen.

„Lutz komm her, hier ist etwas“, rief Rico plötzlich.

Ich eilte zu ihm. Mit der Taschenlampe wies er auf eine Stelle an der Mauer. Schwach war ein Schild zu erkennen. Mit einem Messer kratzte ich das Moos davon ab. Das Siegel des Vatikans kam zum Vorschein.

Eifrig suchten wir die Wand nach weiteren Spuren ab und ich fand ein kleines Loch in einem Stein. Vorsichtig fuhr ich mit dem Finger rein und spürte das innen etwas nachgab. Mit einem dumpfen Grollen schob sich langsam ein Stück Mauer zur Seite.

Danach war es wieder so ruhig wie vorher. Rico und ich fuhren zusammen, als eine der Pumpen des Brunnen ansprang.

„Lass und rein gehen“, meinte Rico und schob mich vor sich her.

Rico fand als erstes ein Fackel an der Wand. Er nahm sein Feuerzeug und versuchte sie zu entzünden. Es gelang ihm. Im schwachen Schein der Fackel konnte man einige Regal erkennen. Mehrere Kisten waren hier gelagert.

Eine nach der anderen schritten wir ab und versuchten, an Hand der Beschriftung zu erkennen, was sich darin befand.

„Wie sollen wir das finden?“, fragte Rico.

„Versuch mal, ob du irgendwo das lateinische Wort > Lumes < findest, dass steht für Licht.“, gab ich zur Antwort.

Wieder trennt wir uns und wieder war es Rico, der fündig wurde. Langsam hob er die Kiste vom Regal und stellte sie auf dem Boden ab. Er pustete drüber und eine dicke Staubschicht löste sich und vernebelte kurz alles.

„War wohl wirklich lange niemand mehr hier“, sagte Rico und versuchte die Kiste zu öffnen.

Mit einem Knirschen öffnete sich die Kiste. Unzählige Dokumentrollen kamen zum Vorschein.

„Ich würd vorschlagen, wir nehmen die ganze Kiste mit, Christoforo kann dann seine Leute drauf ansetzten, den Inhalt zu durchsuchen“, meinte ich und wollte die Kiste wieder verschließen.

„Das ist nicht nötig!“

Erschrocken fuhren wir herum.

„Es ist nett von euch, für uns die Arbeit getan zu haben“, sagte unser gegenüber.

Rico und ich schauten in den Lauf einer Pistole.

„Du Angelo?“, kam es von mir.

Dieser jemand trat in den Schein der Fackel und tatsächlich es war Angelo, aber er war nicht alleine. Garalbani und eine Frau traten ebenso ins Licht und noch jemand.

„Veit du?“, rief Rico entsetzt.

„Ja ich, es war herrlich euch an der Nase herum zuführen“, kam es von Veit.

„Aber der Überfall auf dich?“

Rico und auch ich konnten es nicht fassen.

„War alles gestellt, sonst wäre mir Aluci auf die Schliche gekommen“, sagte Veit und legte ein fieses Grinsen auf.

„Du Schwein…. du hast ihn umgebracht!“, sagte ich angewidert.

„Veit es reicht jetzt, nimm mit Garalbani die Kiste und dann nichts wie weg hier“, sagte Angelo im barschen Ton.

Die Zwei taten wie geheißen und waren auch recht schnell verschwunden. Immer noch war Angelos Waffe auf uns gerichtet. Mit einem Wink der Pistole hieß er uns an den Raum zu verlassen. Im Pumpenraum stand schon ein wenig Wasser, der Regen draußen musste eingesetzt haben.

„Hättest du doch auf meine Warnung gehört Lutz, aber nein du musst dich weiter einmischen“, kam es in einem ruhigen Ton von Angelo.

„Ihr hättet nicht Monsignore Aluci umbringen dürfen“, sagte ich.

„Was passiert jetzt mit ihnen?“ fragte die Frau.

„Binde sie and die eine Pumpe Anna, das Wasser wird den Rest erledigen“, kam es von Angelo, „Lutz und sein junger Freund werden dann wenigstens gemeinsam sterben.“

„Ist aber äußerst nett von dir“, sagte ich im sarkastischen Ton.

* *

Meine Shirt war schon völlig durchnässte, das Wasser reichte mir schon bis zur Brust.. Ich konnte Rico weinen hören.

„Rico bitte, es tut mir leid, dich da reingezogen zu haben.“

„Ich wollte ja selbst mit Lutz, dich trifft keine Schuld, sagte er leise wimmernd.

„Ich liebe dich Rico!“

„Ich dich auch!“

Es war lediglich das plätschern des Wassers zu hören, und ich spürte wie es immer weiter Richtung Hals kroch. Meine Augen hatten sich zwar an die Dunkelheit gewöhnt, aber außer der Kontrollleuchte der Pumpe, gab es keine Lichtquelle im Raum.

Rico hustete, er musste wohl Wasser in den Mund bekommen haben. Wir schwiegen aber beide. Von irgendwo her kam Lärm, aber ich konnte nicht einordnen woher. Plötzlich kam Licht in den Raum, Stimmen waren zu hören.

Uns traf ein Lichtkegel einer Taschenlampe.

„Da sind sie“, rief jemand.

Mehrere Männer kamen herein und schon bald waren wir von unseren Fesseln befreit. Rico hustete immer noch, denn er hatte noch mal eine Ladung Wasser geschluckt. Zusammen mit den anderen Männer machten wir uns auf den Weg nach oben.

Das wir diesmal einen anderen Weg nahmen, bemerkte ich erst, als wir an einer anderen Stelle herauskamen. Wir befanden uns in irgendeinem Keller. Und, was noch zu einem größeren Erstaunen führte, Christoforo und Urs standen vor uns.

„Kardinal Christoforo?“, kam es von mir erstaunt.

„Gott sei Dank, man hat sie gefunden, wir befürchteten schon das Schlimmste“, kam es von ihm.

Urs erzählte uns, dass man Garalbani ja verfolgt hatte und dass dieser mit Angelo und Veit zusammen auf dem Weg außer Landes sei. Und da Veit genau wusste, was wir vorhatten, zählte Urs zwei und zwei zusammen, dass wir in Gefahr waren.

„Und was wird jetzt? Sollen sie in die Schweiz entkommen?“ fragte Rico, der am ganzen Körper vor Kälte zitterte.

„Nein auch in der Schweiz, werden sie nach wie vor beschattet“, sagte Christoforo.

„Dann werde ich wohl eine kleine Reise in die Schweiz antreten“, sagte ich im Gedanken.

Christoforo schaute mich entsetzt an.

„Hochwürden, Rico und ich gelten jetzt als Tod und wir haben somit freie Gewähr“, sagte ich, weil ich mir denken konnte was er meinte.

„Das ist ein Argument. Aber wir müssen sie wo anderst unterbringen, ich weiß nicht wer im Vatikan noch vertrauenswürdig ist. Wir lassen sie als vermisst gelten, allein Finder und ihren Kommandanten werde ich davon in Kenntnis setzten“, sagte Christoforo.

Ich war überrascht, wie weit Christoforo gleich voraus dachte.

* *

Schwesternschule

„Hättest du gedacht mal in einer Schwesternschule unterzukommen“, fragte ich Rico.

Er begann zu lachen.

„Bestimmt nicht.“

Es klopfte an der Tür. Ich verzog mich wieder in die kleine Duschzelle und Rico öffnete. Eine alte Nonne brachte uns etwas zur Stärkung und unsere Kleidung, frisch gebügelt. Rico schloss die Tür hinter sich, und stellte alles auf dem Tisch ab.

Ich kam wieder aus der Dusche und trocknete mich fertig ab. Rico ließ seine Augen über meinen Körper wandern.

„Weißt du, dass du für dein Alter einen tollen Body hast“, meinte Rico mit einem breiten Grinsen.

„Ich bin Achtundzwanzig…. also wirklich.“

Rico lachte laut auf und nahm mich in den Arm.

„Ich bin glücklich , dass wir noch am Leben sind und auch wenn es weiterhin gefährlich sein sollte, ich bleibe bei dir…. ich liebe dich, Lutz.“

„Du musst nicht…..“

Rico schüttelte den Kopf.

„Ich liebe dich auch mein Kleiner“, sagte ich und gab ihm einen Kuss.

Als wir später beim Essen saßen, klopfte es abermals an die Tür. Es waren Urs und Christoforo. Beide verneigten wir uns vor ihm.

„Ich komme gleich zur Sache. In der Kaserne gelten sie jetzt offiziell als vermisst. Hier sind ihre Pässe und auch sämtliche wichtigen Unterlagen, die sie brauchen. Ein Wagen steht vor der Klosterschule, sie können morgen bereits losfahren“, sagte Christoforo.

„Im Kofferraum, habe ich einige eurer Privatklamotten verstaut“, sagte Urs.

Ich nickte ihm zu.

„Kommen sie mir heil zurück Lutz!“, meinte Christoforo und verließ uns wieder.

„Viel Glück!“, sagte Urs und folgte ihm.

Rico schaute mich an.

„Was ist?“

„Fahren wir gleich?“

„Hast du es eilig?“

„Ich möchte in keiner Klosterschule schlafen…“

Ich musste laut lachen.

„Komm, lass uns alles zusammenräumen und der Oberin Bescheid sagen, das wir sofort abreisen“, sagte ich.

* *

Autobahn in der Schweiz

Wir waren ohne Probleme über die Grenze bei Como gekommen. Nun in der Schweiz war seit einer halben Stunde, Rico sehr ruhig geworden.

„Was ist mit dir Rico, seit du dich in diesen Unterlagen vertieft hast, kam kein Wort mehr von dir.“

„Hier taucht des öfteren der Name meiner Mutter auf“, sagte er leise.

„Was? Wie kann das möglich sein?“

Ich hätte vor schreck fast das Lenkrad verrissen, zu unserem Glück war um diese Nachzeit wenig Verkehr.

„Sie… sie scheint eine hohe Funktion im Orden inne zu haben.“

„Bist du sicher? Christoforo hätte uns doch, sicher etwas gesagt?“, fragte ich stutzig.

„“Er weiß vielleicht nicht, wie meine Mutter mit Mädchennamen heißt, mit diesem ist sie hier aufgeführt.“

Ich war nachdenklich geworden und somit ruhig.

„Ob mein Vater auch dazu gehört?“, fragte Rico, fast unverständlich.

„Ich weiß es nicht Rico, aber so wie es aussieht, können wir niemanden mehr trauen“, meinte ich.

Ich wusste es war kein Trost für ihn, so leid es mir auch tat. In Bern kamen wir bei Freunden von Rico unter. Sie hatten uns für ein kleine Wohnung den Schlüssel hinterlegt.

* *

Bern

„Ich hätte gerne Gewissheit über meine Vater“, meinte Rico.

Ich hatte es mir auf der Couch bequem gemacht und wäre fast eingeschlafen, als der Satz von Rico kam.

„Dann ruf ihn doch an und frag ihn einfach“, sagte ich.

Das hatte ich mehr als Spass gemeint, als ich sah, wie Rico zum Telefon lief.

„Willst du wirklich?“, fragte ich.

Er nickte.

„Ich brauche Gewissheit!“

Ich sah wir er eine Telefonnummer wählte und sich auf den Stuhl setzte, der neben dem Telefon stand. Er wartete.

„Ah Antje, hier is Rico. Ist mein Vater noch zu sprechen?……. Gut ich warte……“

Rico schaute zu mir.

„Hallo Vater…. nein ich habe nichts angestellt….. ich habe eine Frage an dich… Was weißt du über der Orden des Lichts?….“

Rico schaute abermals zu mir und zuckte mit den Schultern, sein Vater schien zu schweigen.

„Wie bitte… dann war mein Schwulsein, nur ein Vorwand für dich um mich wegzuschicken?….. Weißt du was du mir damit angetan hast?….“

Rico standen Tränen in den Augen, er drückte die Lauttaste. „Junge Rico, hör mir doch zu… es tut mir leid, aber ich wusste mir nicht anders zu helfen..“

„Vater , weißt du wie sehr weh du mir damit getan hast?“

„Ich wollte dich doch nur vor deiner Mutter schützen…“

„Schützen.. mich, aus welchen Grund? Vater ich bin dreiundzwanzig Jahre alt, meinst du ich kann nicht ein wenig selbst auf mich aufpassen?“

„Du weißt nicht, was deine Mutter führ eine Frau ist“, kam es scharf von seinem Vater.

Ich war inzwischen aufgestanden und hatte meinen Arm um ihn gelegt. Deutlich spürte ich, wie sehr Rico zitterte.

„Wie sollte ich auch, sie war ja nie für mich da..“

Rico fing an zu Weinen. „Kann ich dich in Rom in der Kaserne besuchen?“

„Ich bin hier in Bern.“ „Wieso das, hast du doch etwas angestellt?“

„Nein Vater, aber kann ich dich irgendwo treffen und in Ruhe alles besprechen?“

„Sicher, sag mir wo du bist, ich komme sofort.“

Rico schaute mich fragend an, und ich nickte ihm zu.

„Ich bin in Elfriedes Wohnung…“ „Okay, ich bin in einer halben Stunde bei dir.“

„Und noch was Vater… mein Freund ist bei mir..“ „Du meinst…?“

„Ja, meine Freund.“ „Dann werde ich ihn ja kennen lernen. Also Rico wir sehen uns gleich.“

„Ja…“

Ein Tuten war zu Hören und Rico legte auf. Nun fing er richtig an zu Weinen und fiel mir in die Arme. Ich sagte nichts und streichelte ihm sanft durch seine Haare. Eine halbe Stunde später hielt ein Mercedes vor dem Haus.

Ein Mann stieg aus und eilte zur Haustür. Es klingelte. Rico ging zur Wohnungstür und betätigte den Öffner. Ich hörte jemanden die Treppe hinaufhasten.

„Junge, oh Gott wie habe ich dich vermisst.“

„Papa….“

Ich hörte, dass Rico wieder anfing zu weinen. Jemand schloß die Wohnungstür und ein wenig später traten Rico und sein Vater ins Zimmer. Rico wischte sich die Tränen ab.

„Darf ich dir meinen Freund Lutz Stängel vorstellen, er ist einer der Korporale meiner Einheit“, sagte Rico.

Sein Vater reichte mir die Hand.

„Und warum seit ihr zwei hier in Bern?“ fragte er uns.

Nico ließ sein Blick zu mir wandern, und ich nickte ihm zu. Langsam fing er von den Vorkommnissen im Vatikan zu erzählen. Sein vater hörte still schweigend zu, aber an seinem Gesicht konnte ich sehen, dass es ihn nicht unberührt ließ.

„Und nun sind wir hier, um nach dem Verbleib der Kiste zu sehen“, beendete Rico seine Erzählung.

„Zieht euch schnell was an, sonst ist es vielleicht zu spät“, kam es von Ricos Vater.

„Wieso, was ist denn?“, fragte ich.

„Später im Auto, da kann ich euch alles erzählen“, antwortete er.

Ich zog meine Schuhe an und griff nach meiner Jacke. Schnell hatten wir das Haus verlassen und saßen im Mercedes. Mit schnellem Tempo raste Ricos Vater quer durch Bern. Rico wollte gerade etwas sagen, als ihn sein vater mit der Hand weiß, zu schweigen.

Er nahm das Autotelefon und wählte eine Nummer.

„Guten Abend, könnten sie mich mit Kommisar Grindler verbinden, es ist sehr wichtig.“

Deutlich sah ich wie Ricos Vater, der Schweiß auf der Stirn stand.

„Hallo Joe, ich bin’ s. Das Puzzle hat sich zusammen gefügt. Kannst du mit deinen Männer zu den Lagerhallen kommen, von denen ich dir erzählt habe?… Gut dann treffen wir uns dort.“

Er legte auf und konzentrierte sich auf den Verkehr.

„Jetzt versteh ich überhaupt nichts mehr“, sagte Rico.

„Das wirst du gleich“, antwortete sein Vater.

Er bog in ein Firmengelände ein, machte das Licht aus und ließ den Wagen ausrollen. Ich sah irgendwelche Leute vor einer Halle die irgendetwas in ein Auto trugen.

„Da ist deine Mutter!“, kam es von Ricos Vater, „bleibt ihr bitte sitzen und rührt euch nicht.

Der Wagen stoppte. Ricos Vater stieg auf und ging zu diesen Leuten. Abrupt hörten diese mit dem verladen auf. Mir schien es, als würde er ein heftiges Streitgespräch mit einer Frau führen, nach seinen wilden Gestiken zu schließen.

Rico sagte mir das wäre seine Mutter. Was ich nicht sah und anscheinend nur Rico wahrnahm, war dass Angelo aus einer Hintertür heraustrat und mit einer Pistole auf Ricos Vater zielte. Was jetzt kam, ging alles so schnell, dass ich nicht gleich reagieren konnte.

Rico hetzte aus dem Wagen und schrie > Vater <. Er stürzte sich auf seinen Vater und schon konnte ich einen Schuss hören. Beide gingen zu Boden. Aus meiner Starre erlöst, war ich auch aus dem Wagen und erreichte Angelo.

Vor Schreck ließ er die Pistole fallen. Als ich bemerkte er bekommt die Oberhand über mich, hörte ich im Hintergrund die Sirenen von der Polizei. Da erwischte mich ein Kinnhaken. Mir wurde übel und etwas schwarz vor Augen.

Denoch konnte ich den nächsten Schlag von Angelo abwehren. Ich wälzte ihn von mir. Schon war einer der Polizisten zur Stelle und ich hörte nur noch das Klicken der Handschellen. Als mir ebenso jemand Handschellen anlegen wollte, hörte ich Ricos Vater rufen > der gehört zu mir <.

Der Mann half mir auf. Ich konnte Rico nicht sehen, und so langsam beschlich mich ein ungutes Gefühl.

„Rico?“, schrie ich.

„Er ist hier“, rief mir Ricos Vater zu.

Ich rannte zu ihm und fand Rico am Wagen angelehnt sitzen. Aus einer Wunde am Arm rann Blut.

„Es ist nicht schlimm, nur ein Streifschuss“, versuchte mich Ricos Vater zu beruhigen, der mein entsetztes Gesicht wohl bemerkte.

Rico versuchte mich ein wenig anzulächeln, was im deutlich misslang. Ein Polizist verarztete ihn notdürftig, bis später die Ambulance eintraf. Ricos Mutter schrie wie ein Bestie, als sie festgenommen wurde. Der Inhalt war zu beschämend um ihn wieder zugeben.

Ich bewunderte Rico wie er standhaft ihr tief in die Augen schaute, trotz ihrer wüsten Beschimpfungen.

„Joe könntest du dafür Sorge tragen, dass diese Kiste so schnell wie möglich zum Vatikan geschickt wird… zu treuen Händen von Kardinal Christoforo?“, fragte Ricos Vater.

„Geht klar, Karl“, antwortete Grindler.

„ Du kennst Christoforo?“, fragte Rico erstaunt.

„Schon eine Ewigkeit, wir haben zusammen studiert. Der Vorschlag Angelo nach Mailand zum Studieren zu schicken kam von mir“, antwortete Ricos Vater Karl.

Nun war ich ebenso sprachlos.

„Das war also alles von dir eingefädelt worden?“, kam es von Rico.

„Nicht ganz!“

„Was nicht?“

„Ich wusste nicht das du so einen netten freund kennen lernst und dich in ihn verliebst“, sagte Karl und lächelte mich dabei an.

„Wo die Liebe hinfällt“, entrutschte mir.

Karl nahm mich und seinen Sohn noch einmal in Arm, bis er mit Grindler davon fuhr. Ein Beamter brachte uns, nach dem Rico richtig verarztet wurde zur Wohnung zurück. Tod müde fielen wir ins Bett und schliefen bald darauf ein.

* *

Zwei Monate später.. Kaserne..

„Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung Schatz, so schnell wurde noch niemand befördert, Vizekorporal Gschranz“, sagte ich und nahm Rico in den Arm.

„Und du, warum wirst du nicht befördert? Ich finde das ungerecht“, meinte Rico ärgerlich.

Es muss erst eine höher Stelle frei werden! Ist nicht schlimm, ich kann warten.

„Bist du fertig, können wir starten?“

„Ich bin ein wenig nervös“, sagte ich und schaute in den Spiegel um die Uniform nochmals zu Überprüfen.

„Es kriegt nicht jeder eine offizielle Belobigung des Papstes“, meinte Rico.

„Nicht deswegen, meine ganze Familie wird anwesend sein….“

„Sie haben allen Grund stolz zu sein, also keine Sorge, alles wird gut.“

Ich lächelte Rico an und bekam noch obendrein einen Kuss zur Belohnung.

* *

Der Orden war diesmal zerschlagen, die Dokumente alle vernichtet, dafür hatte diesmal Christoforo selbst gesorgt. Im Vatikan selbst wurden noch drei weitere Leute festgenommen, die sich an dem Komplott beteiligt hatten.

Ricos Mutter kam für mehrere Jahre ins Zuchthaus. Und Angelo, er konnte fliehen, er war irgendwo untergetaucht und wurde nun international gesucht. Alles ging wieder seinen gewohnten Weg, nur ich hatte wieder eine Familie und nun auch ein Freund.

Ende

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