Refreshed – (2004) – Sommernachtstraum – Teil 2 Final

Stimmen, überall Stimmen.

 „Du könntest dir auch etwas Ordentliches suchen, wie diesen da.“

 „Du bist doch verrückt.“

 „Bist der beste Neffe, den man sich wünschen kann.“

 „Schwul, na und.“

Was war nur mit mir los, mein Kopf dröhnte. Ich hatte das Gefühl, jemand würde laufend mit dem Hammer drauf schlagen. Meine Hand reagierte nicht, ich wollte an meinen Kopf fassen. Alles war so dunkel um mich herum.

Und immer wieder diese Stimmen, von allen Seiten kamen sie her.

„Ich glaube er kommt endlich zu sich… Kevinschatz, hörst du mich?“

Ich versuchte die Augen zu öffnen, aber alles war verschwommen.

„He, Kevin endlich“, das musste Sabine sein.

Langsam wurde das Bild klarer und Sabine und meine Mum tauchten vor mir auf.

„Was ist denn passiert?“, flüsterte ich heiser.

„Er weiß nicht mehr was passiert ist“, meinte meine Mum zu Sabine.

„Ganz einfach, Kevin. Du hast einen stuntreifen Sprung hingelegt, um einen alten Mann nicht umzureisen. Nur dein Kopf vertrug sich nicht mit der Bordsteinkante, als er an ihr aufschlug“, sagte Sabine.

„Hab ich… deswegen so Kopfschmerzen?“, fragte ich leise.

„Kann sein, Kleiner.“

Plötzlich war alles wieder da. Benjamin… das Missverständnis… alles… auch der Sturz. Mein Herz fühlte sich an wie zerquetscht und mir drückte es die Tränen in die Augen.

„Sind die Schmerzen so arg, Kevin?“, fragte Mum.

„Nein Mum, ich kann mich nur wieder an alles erinnern.“

„Na ja, nach drei Tagen schlafen, wäre es wunderlich, wenn du nichts mehr wüsstest.“

„Hä?“

„Kevin du liegst hier im Krankenhaus auf der Intensivstation, du warst drei Tage ohne Bewusstsein“, meinte Sabine, „was um Himmelswillen ist denn vorgefallen?“

Unter Schmerzen drehte ich meinen Kopf weg.

„Ein großes Missverständnis!“, meinte ich nur.

„Sollen wir den Arzt rufen?“, fragte meine Mum besorgt.

„Nein, ich möchte nur schlafen, bin so müde“, meinte ich und kurze Zeit später war ich schon weg.

*-*-*

Ich öffnete meine Augen und versuchte mich zu orientieren. Im gleichen Zimmer lag ich jedenfalls nicht mehr. Auch die Maschinen standen nicht mehr. Vorsichtig griff ich an meinen Kopf, der immer noch höllisch weh tat.

„Ah, ist der Herr endlich aufgewacht.“, kam es rechts von mir.

Vorsichtig drehte ich den Kopf, und erkannte einen Mann im Bett neben mir.

„Und wie geht es dir Kevin?“, fragte der Mann.

„Kennen wir uns?“, fragte ich heiser.

„Nein, ich habe mich nur ein paar Mal mit deiner Mutter unterhalten, daher weiß ich wie du heißt.“

Die Tür ging auf eine Schwester kam herein.

„Herr Plücher, sie haben geklingelt?“, hörte ich die Schwester fragen.

„Ja, der Kleine ist endlich aufgewacht.“

Die Schwester lief um sein Bett herum und trat an mein Bett.

„Hallo Kevin, wie fühlen sie sich?“

„Durst…“, bekam ich nur heraus.

Die Schwester machte sich an meinem Bett zuschaffen und langsam hob sich mein Kopfteil an. Sie verließ kurz das Zimmer und kam mit einem Glas Wasser wieder. Vorsichtig hob sie meinen Kopf an und gab mir was zu trinken.

Das tat gut, ich fühlte mich gleich fiel besser.

„Schmerzen?“

Ich nickte langsam.

„Wundert mich nicht bei dieser starken Gehirnerschütterung“, meinte die Schwester.

Sie fühlte noch meinen Puls, sah dabei auf die Uhr. Danach richtete sie noch ein wenig mein Bettzeug und verließ den Raum wieder.

„Wer ist Benjamin?“, fragte mein Bettnachbar.

„Bitte?“

Langsam drehte ich meinen Kopf wieder zu, wie hieß er überhaupt.

„Ach so, ich bin der Walter, bin vom Rad gestürzt“, meinte er und zeigte auf den Verband am Kopf.

Kann der Gedanken lesen? Ich starrte wieder gegen die Wand.

„Benjamin ist jemand, den ich schnell vergessen möchte“, gab ich nur von mir.

„Komisch, dafür hast du diesen Namen aber recht häufig gesagt. Und wenn ich deine Mutter richtig verstanden habe, war ein Benjamin, jeden Tag hier um dich zu sehen“, erzählte Walter.

Wieder sah ich zu Walter hinüber.

„Benjamin war hier?“

Walter nickte. Es klopfte und die Tür wurde geöffnet.

„Abendessen“, rief eine männliche Stimme.

„Hallo Pascal, hast du auch etwas für Kevin dabei, er ist aufgewacht“, kam es von Walter.

Pascal stellte das Tablett für Walter ab und kam zu mir ans Bett.

„Warum hat mir das niemand gesagt? Jetzt kann ich in die Küche hinunter rennen und gucken, ob ich etwas Essbares für Kevin bekomme“, meinte er und sah mich dabei an.

Warum redet jeder hier über mich, als würde er mich schon ewig kennen. Wird wohl überall zum nervenden Dauerzustand.

„Na?“, meinte er.

„Kopfschmerzen…“

„Schwester Gitte kommt gleich und bringt etwas“, meinte er im sanften Ton.

Kaum gesagt, kam die Schwester von vorhin herein.

„Gitte könntest du für mich weiter Essen verteilen, ich habe nichts für Kevin auf dem Wagen“, meinte Pascal.

„Ich geb ihm nur noch kurz sein Schmerzmittel, dann mach ich für dich weiter“, antwortete sie.

„Danke“, meinte er, dreht sich kurz zu mir um, „nicht weglaufen.“

Ich versuchte zu lächeln. Schwester Gitte gab mir etwas zu trinken und nach kurzer Zeit spürte ich, wie der Druck im Kopf ein wenig nach ließ. Pascal schien auch einer von der schnellen Truppe zu sein, denn es dauert nicht lange und er erschien mit einem Tablett im Arm in unserem Zimmer. Nach dem er es abgestellt hatte half er mir auf.

„Ich müsste aber vorher kurz auf die Toilette“, sagte ich beschämt.

„Kein Problem“, gab er von sich.

Langsam setzte ich meine Füße auf den Boden. Es fing sich alles ein wenig an zu drehen, aber Pascal meinte ich solle mir Zeit lassen, das wird wieder. Etwas später konnte ich mit Hilfe Pascals, dann doch auf die Toilette.

Das Essen war abgeräumt, Walter schaute Nachrichten auf seinem Fernseh und ich lag nach und dachte an das, was ich wohl die letzten Tage versäumt hatte. Es klopfte leise und ich sah zu Tür. Sabine kam herein.

Als sie mich wach sitzend sah, begann sie zu lächeln.

„Hallo Walter, alles Fit?“

„Jo, kann mich nicht beklagen“, antwortete dieser und widmete sich wieder seinem Fernsehgerät.

Sabine kam und setzte sich an mein Bett.

„Hallo Kevin“, meinte sie mit einem Lächeln.

„Hallo Tantchen“, lächelte ich zurück.

„Endlich wieder unter den Lebenden?“

„Ja, scheint so.“

„Ich weiß, dass ich jetzt nicht gleich mit der Tür ins Haus falle, aber was ist zwischen dir und Benjamin vorgefallen?“

Ich wollte schon ansetzten, aber sie sprach einfach weiter.

„Benjamin rief uns total aufgelöst an, und erzählte, er sei schuld, und du hättest einen Unfall gehabt. Kevin, er ist in so einer schlechten Verfassung, dass er sogar ein Konzert abgesagt hat.“

„Daran bin ich doch nicht schuld“, meinte ich genervt.

Ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust, und sah Richtung Fenster.

„Kann es sein, dass du Benjamin völlig falsch verstanden hast?“

„Wie, falsch verstanden. Er will nichts von mir zu tun haben, das war doch wohl eindeutig.“

„Hat er das zu dir gesagt?“, fragte Sabine und sah mich dabei sehr ernst an.

„Und warum saß er die letzten drei Tage an deinem Bett?“, mischte sich nun Walter ein.

Ich wollte schon genervt Walter anmotzen, als Sabine mein Kopf zu sich drehte.

„Ich denke,  du hast etwas falsch verstanden und überreagiert.“

Ich war jetzt doch ein wenig verwirrt und schaute sie hilflos an.

„Kevin, er wollte dich nur nicht küssen, aus Angst, sein Vater könnte wieder herein kommen und euch dabei erwischen“, sagte sie ruhig mit einem sanften Lächeln.

Es drückte mir die Tränen in die Augen.

„Er ist also gar nicht…“, mir versagte die Stimme.

Sabine schüttelte den Kopf.

„Er hat dich schon wahr genommen, als er dich zum ersten Mal in der Bibliothek sah. Nur hatte er Angst, dass er sich da schon irgendwie verraten würde. Als du ihn nach seinem Ausflug an die Toilettenschüssel ins Bett getragen hast, hat es bei ihm gefunkt.“

„Ich Arschloch“, meinte mich und hielt mir beschämt die Augen zu.

„Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung“, meinte Walter, der inzwischen den Fernseh ausgemacht hatte.

Ich schaute zu ihm hinüber und musste anfangen zu lachen. Was ich aber auch sofort bereute und meinen Kopf hielt, der wieder zu schmerzen begann.

„Und was mache ich jetzt?“, fragte ich an Sabine gewandt.

„Du solltest mit ihm reden“, antwortete sie.

„Ich trau mich nicht mehr unter seine Augen, ich habe mich doch voll zum Otto gemacht.“

„Dann pack dein Otto weg, denn ich hole ihn jetzt“, sagte Sabine.

„Wie holen? Ist Benjamin hier?“

„Natürlich ist er hier, wie jeden Tag, er sitzt draußen im Park und wartet.“

„Kannst du mich zu ihm bringen?“

„Bist du sicher, ich meine du bist doch unsicher auf den Beinen, nach dem langen liegen.“

„Ach was, ich war vorhin schon auf der Toilette.“

„Ja, aber mit Hilfe von Pascal“, kam es diesmal von Walter.

„Also kommt nicht in Frage, dass du aufstehst, ich werde ihn reinholen“, meinte Sabine und stand auf.

„Sabine“, sagte ich.

„Ja?“

„Danke.“

„Ein Abendessen!“

„Hä?“

„Das kostet dich ein Abendessen.“

„Ach so, geht in Ordnung!“

Total nervös zobelte ich an meiner Decken herum, wo blieben die Beiden den nur. Walter hatte sich wieder hingelegt und war am lesen. Die Tür wurde leise aufgemacht und Benjamin kam mit Sabine ins Zimmer.

Als erstes fielen mir seine rotumrandeten Augen auf. Er musste wieder geweint haben. Dicht vor mir blieb er stehn und sah mir in die Augen. Ich wusste nicht warum, aber ich begann zu grinsen, hob die Arme und er ließ sich in sie fallen.

„Du hast mir einen solchen Schrecken eingejagt“, hauchte er mir ins Ohr.

Ich drückte ich ein wenig weg von mir, um sein Gesicht sehen zu können. Ich wischte ihm mit dem Daumen eine Träne von der Wange. Er wiegte dagegen seine Wange in meiner Hand.

„Sabine, gehst du mit mir noch einen Kaffee trinken?“, fragte Walter.

„Wenn du mich einlädst?“, fragte sie lachend.

„Aber immer doch“, antwortete er und die beiden verließen das Zimmer.

Jetzt war ich alleine mit Benjamin. Seine Augen hatten wieder ihren alten Glanz bekommen, der mir gleich bei unserer ersten Begegnung aufgefallen war.

„Und was wird jetzt aus uns beiden?“, fragte Benjamin vorsichtig.

„Ich weiß es nicht, Benjamin, ich kenne dich doch eigentlich noch gar nicht. Ich will unser kennen lernen langsam angehen.“

„Du bist nicht mehr böse auf mich?“

„Benjamin, ich hatte dich falsch verstanden und auch noch falsch reagiert, es ist eigentlich meine Schuld.“

„Als ich dich da am Boden liegen sah und Blut aus deinem Gesicht herunterlief, zerriss es fast mein Herz.“

„Es tut auch noch ganz ordentlich weh“, meinte ich.

Er strich mir sanft durchs Haar.

„Wenn dein Haar nachgewachsen ist, färben wir es wieder blond“, meinte Benjamin.

„Wieso nachgewachsen?“

„Du hast da oben eine kahle Stelle, sie mussten die Wunde nähen.“

Ich faste geschockt auf meinen Kopf und spürte das Pflaster.

„Oh scheiße, ich muss doch fürchterlich aussehen“, sagte ich entsetzt.

„Was hab ich mir da eitles herausgesucht“, meinte Benjamin und fing laut an zu lachen.

*-*-*

Nach dem die Fäden gezogen waren und die Schwindelgefühle nachgelassen hatten, wurde ich endlich entlassen. Ich war froh wieder zu Hause zu sein, in meiner gewohnten Umgebung. Es juckte aber noch schrecklich auf meinem Kopf.

Das Pflaster war zwar entfernt worden, die Fäden gezogen, aber nun wo es heilte, könnte ich wie ein Hund daran scharren. Ich räumte meine wenigen Habseeligkeiten, die ich im Krankenhaus dabei hatte, wieder auf ihre Plätze.

Das Telefon klingelte, ich ging dran.

„Kevin hier.“

„Hier Benjamin.“

„Hi du, hältst du es ohne mich nicht aus?“

„Kann man so sagen.“

Ich sah Benjamin zwar nicht, aber konnte sein Lächeln förmlich spüren.

„Was hast du heute Abend vor?“, fragte er mich.

„Noch nichts, warum?“

„Ich würde dich gerne zum Abendessen einladen.“

„Wow, jetzt bin ich platt.“

„Kommst du?“

„Ja gerne, wo soll es denn hingehen?“

„Ich schick dir den Wagen, lass dich überraschen.“

„Gut, lass ich mich eben überraschen.“

„Dann bis heute Abend?“

„Ja, bis heute Abend.“

„Also dann ciao, ich freu mich schon.“

„Tschüss, ich mich auch.“

Er hatte aufgelegt.

*-*-*

Pünktlich wie das letzte Mal, fuhr der Wagen vor. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und stieg in den Wagen. An den Luxus konnte ich mich zwar nicht gewöhnen, aber irgendwie fand ich es cool, hier kutschiert zu werden.

Phillip stand bereits an der Treppe bereit und öffnete mir die Tür.

„Einen wunderschönen guten Abend, Kevin.“

„Guten Abend, Phillip. Es scheint wirklich ein guter Abend zu werden“, meinte ich zu Phillip und betrat das Haus.

Von oben kamen laute Stimmen, irgendwer stritt sich.

„Gehen sie ruhig hinauf und helfen Benjamin“, kam es von hinten.

Ich trete mich um es war Phillip.

„Sein Vater?“, fragte ich.

Phillip nickte.

„Kämpfen sie um Benjamin, es lohnt sich“, meinte Phillip und verschwand.

Schnellen Schrittes rannte ich die Treppe hinauf. Auf dem Flur vor Benjamins Zimmer sah ich Lore stehen. Sie wollte etwas zu mir sagen, aber ich hob die Hand. Leise lief ich zu Benjamins Tür und blieb stehen.

„Ist das der Dank, dass ich dir dein ganzes Musikstudium finanziert habe?“, schrie sein Vater.

„Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich liebe Kevin nun mal, aber er wird mich nicht von meiner Musik abhalten.“

„Er ist nicht der richtige Umgang für dich.“

„Nur weil ich kein Geld habe in Übermaßen wie sie?“, mischte ich mich ein.

Sein Vater zuckte zusammen.

„Sie kennen mich überhaupt nicht, schließen von meinem Äußeren auf meine Person.“

Er wollte etwas sagen, aber ich ließ ihn nicht dazu kommen.

„Ich lebe in gesitteten Verhältnissen, habe ein Beruf und verdiene mein eigenes Geld. Muss man erst eine Villa, schöne Autos und ein Haufen Geld auf dem Konto vorweisen, damit man jemand ist? Ist das ihre Meinung?“

Irgendwie sank dieser Mann in sich zusammen.

„Ich liebe ihren Sohn als Menschen und nicht als ein Objekt, das viel Geld besitzt. Ich bezweifle, dass sie das je verstehen werden. Ich will nicht vorverurteilt werden, nur weil ich nicht… der Etikette entspreche. Über Menschen zu urteilen, obwohl man sie nicht kennt…, Geld ändert anscheinend den Charakter, oder trübt die Sinne…“

Traurig schaute Benjamins Vater seinen Sohn an.

„Denkst du wirklich, ich bin so ein eiskalter Mann, wie dein Freund mich gerade beschreibt?“

„Wie soll ich denn eine andere Meinung von dir bekommen? Weißt du eigentlich, wann du mich zum letzten Mal in den Arm genommen hast? Ich versteh schon, dass du deinen Job liebst, viel deswegen unterwegs bist, jede Menge Menschen kennen lernst.

Aber du vergisst, dass du auch ein Familie hast, eine wundervolle Frau und einen Sohn, der dich nach wie vor braucht… nein nicht wegen des Geldes, ich brauche dich als Vater!“

Etwas betreten stand ich jetzt da, Lore neben mir, die durch meine laute Stimme angelockt worden war. Langsam bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ich das eben vom Stapel gelassen hatte.

„Wenn dein Freund sich so für dich einsetzt, muss er schon etwas Besonderes sein“, meinte Herr Kohler und nahm Benjamin in den Arm.

Lore legte ihre Hand auf meine Schulter, und lächelte mich an.

Herr Kohler kam auf mich zu und reichte mir die Hand.

„Ich muss mich wohl entschuldigen, und der Übermacht in meinem Haus stellen. Herzlich Willkommen in unserer kleinen Familie“, sagte er und schüttelte mir die Hand.

„Es tut mir leid Herr Kohler, es ist normalerweise, nicht meine Art mich so zu äußern, aber hier empfand ich es als richtig.“

„Ein Mann, ein Wort“, meinte Herr Kohler.

„Bevor ihr jetzt hier noch einen Stammtisch auspackt, lassen wir zwei, mal die Jungs alleine“, meinte Lore und zog ihren Mann aus dem Zimmer.

Es war mittlerweile dunkel geworden, durchs Fenster konnte ich den Schein der Gartenbeleuchtung sehen.

Ich schnaufte erst mal tief durch, bevor ich mich zu Benjamin wandte.

„Und bleibst du so, oder möchtest du noch was anderes anziehen, bevor wir gehen?“, fragte ich ihn, um etwas Normalität in die Situation zu bringen.

„Wir gehen nirgends hin“, meinte er lächelnd.

Verwirrt schaute ich ihn an.

„Wolltest du nicht mit mir essen gehen?“

„Doch, aber wir bleiben hier, ich sagte doch, ich will dich überraschen“, sagte er.

Er nahm einen Seidenschall vom Klavier und trat hinter mich.

„Es soll ja eine Überraschung sein, vertraust du mir?“

„Ja.“

Er verband meine Augen und nahm mich bei der Hand. Hinaus aus seinem Zimmer liefen wir die große Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Da ich mich schon ein wenig hier auskannte, wusste ich ungefähr wo ich war. Hinaus auf die Terrasse und auf der Treppe, in den garten hinunter.

„So, wir sind hier, setze dich und wenn du etwas hörst, nimm die Augenbinde ab“, meinte er und drückte mich auf einen Stuhl.

„Was meinst du mit hören?“, fragte ich.

„Das wirst du gleich merken“, sagte er und entfernte sich von mir.

Plötzlich hörte ich ein Klavier spielen, genau das Stück, mit dem Benjamin sein Konzert eröffnet hatte.

Langsam griff ich nach meiner Augenbinde und zog sie ab. Benjamin saß mitten im Garten, an einem Flügel und spielte dieses Lied. Um den Flügel herum waren Fackeln aufgestellt. Ich selbst saß an einem Tisch, wunderschön gedeckt für Zwei, mit einer großen, brennenden Kerze in der Mitte.

Benjamin hatte wieder die Augen geschlossen und gab sich völlig seiner Musik hin. Ich war gerührt, denn seine Überraschung war ihm wirklich gelungen. Seinem Spiel lauschend, stand ich auf und lief langsam zu Benjamin.

Wie im Konzert bekam ich an den hohen Tönen wieder eine Gänsehaut und schon war das Stück fertig. Benjamin öffnete die Augen und sah mich an.

„Danke“, meinte ich.

„Für was?“, fragte er.

„Für das alles hier…“

„Wir haben doch erst angefangen.“

„Trotzdem“, sagte ich und nahm seine Hände in die Meinigen.

„Deine Hände vollbringen wirklich Wunder, ich kann die Kraft, die von ihnen ausgeht spüren“, sprach ich weiter.

Benjamin legte seine Hände um meine Hüften. Seine Augen funkelten fast schwarz im Schein der Fackeln.

„Und ich spüre die Kraft, die von dir ausgeht Kevin, ich liebe dich!“

>>>>> KEVIN<<<<<

„Ich liebe dich auch Benjamin.“

>>>>>KEVIN<<<<<

Langsam näherten sich unsere Münder…

KEVIN, nun wach endlich auf, das ist ja schon peinlich, die Leute schauen schon.“

Ich fuhr zusammen. Jetzt war ich doch tatsächlich bei dieser schönen Musik eingeschlafen. Das Konzert war vorbei und die Leute waren bereits dabei, ihre Plätze zu räumen. Noch etwas müde stand ich auf und lief Susanne hinter her.

Die Bühne war ebenfalls schon leer, vom Orchester und Benjamin nichts mehr zu sehen.

„Wenn du Lust hast, werde ich dir Benjamin gleich vorstellen“, meinte Sabine.

„Ja, würde mir gefallen“, antwortete ich lächelnd.

Es verging eine Weile, bis wir endlich zu Benjamin vorgedrungen waren.

„Hallo Benjamin, es war ein tolles Konzert, wie immer!“, sagte Sabine und umarmte ihn.

„Darf ich dir meinen Neffen Kevin vorstellen“, fragte sie und wies auf mich.

Ein strahlendes Paar Augen und ein hinreisendes Lächeln kam mir entgegen. Er reichte mir die Hand.

„Hallo Kevin, freut mich dich endlich kennen zu lernen. Susanne hat mir schon viel von dir erzählt“, meinte er zu mir.

Ich schaute zu Susanne und lächelte.

„Hallo Benjamin, das bin ich schon gewohnt von Susanne. Dein Konzert eben war spitzenmäßig.“

Susanne fing an zu lachen.

„So spitzenmäßig, dass er zum Ende hin einschlief“, meinte Sabine.

Jetzt wurde ich doch ein wenig rot.

„Ich wurde eben von Benjamins Musik im Traum verführt“, gab ich von mir.

Beide schauten mich fragend an.

„Irgendwann erzähl ich euch beiden das. Hättet ihr noch Lust etwas trinken zu gehen?“, fragte ich.

Beide stimmten zu und wir liefen gemeinsam zu Sabines Auto. Ich musste die ganze Zeit grinsen, denn heute Abend, war ich zu meinem Sommernachtstraum gekommen und das im doppelten Sinne.

*-*   Ende  *-*

 

 

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