Good bye Amerika – Teil 41

Ich hielt den Atem an, als die Tür weiter aufging, atmete aber gleich wieder aus als ich sah, wer da kam.

„Ach, hier steckst du. Ich habe dich schon überall gesucht.“

Da stand Berry. Ich schaute kurz zu Abby, die ebenso lächelte wie Berry.

„Hi du!“, meinte ich.

„Was ist denn bei euch los? Großbaustelle?“

„Bob und Abby haben beschlossen, mir einen separaten Eingang mit Veranda zu verpassen“, antworte ich.

„Und dann hast du dich vor dem Baulärm hierher gerettet?“

„Nein, Tom hat uns geholfen und das sehr gut sogar“, meldete sich Abby zu Wort.

„Oh, dann hast du gar keine Zeit?“, fragte Berry und sein Lächeln verschwand.

Bevor ich antworten konnte, sprach Abby einfach weiter.

„Doch hat er. Schwirrt ab, Jungs“, meinte sie.

„Danke“, sagte ich.

„Ich hab zu Danken, warst uns eine große Hilfe.“

„Kein Problem, jederzeit wieder“, entgegnete ich.

„Darauf werde ich zurückkommen“, sagte Abby, „aber nun los, verschwindet, bevor ihre Heiligkeit hier auftaucht.“

Berry sah mich fragend an.

„Timothys Mutter kommt.“

„Oh, aber ich dachte…“

„Denk nicht so viel, lass uns lieber in meinem Zimmer verschwinden.“

Berrys Grinsen wurde wieder breiter.

„Ich liebe es, wenn du so dominant tust“, sagte er, während ich ihn zur Tür raus in den Flur schob.

„Ich bin dominant“, erwiderte ich und Berry fing laut an zu lachen.

*-*-*

Dass wir in meinem Zimmer nicht ungestört waren, daran hatte ich gar nicht gedacht. Vor der neuen Tür räumte Nath gerade das Werkzeug auf.

„He, der Junge da draußen ist auch in unserer Klasse“, meinte Berry und ging zur Tür.

„Du meinst Nath?“, fragte ich.

„Du kennst ihn?“

„Ja, wir haben vorhin ein paar Worte gewechselt, da hat er erwähnt, dass er in der gleichen Klasse ist.“

„Und surft mit mir.“

„Das wusste ich nicht.“

„Kann man die Tür schon öffnen?“, fragte Berry.

„Öhm… Carl der Schreiner meinte, sie wäre fertig.“

Berry öffnete die Tür. Nath, der uns anscheinend nicht bemerkt hatte, fuhr zusammen.

„Hi Nath“, rief Berry.

„Oh, hallo Berry, hab dich gar nicht gesehen.“

„Bin auch eben erst gekommen. Hast du Lust, morgen Mittag eine Runde surfen zu gehen?“

In diesem Augenblick kam Carl um die Ecke.

„Ich weiß nicht, ich muss ja hier helfen.“

„Gibt’s ein Problem?“, fragte Carl.

„Hallo Carl, ich hab nur gefragt, ob Nath morgen mit zum Surfen kommt.“

„Hallo Berry, schon lange nicht mehr gesehen, wie geht es Linda?“

„Meiner Mum geht es gut.“

„Also von mir aus kann Nath ruhig mit zum Surfen. Wir werden morgen früh hier fertig und sonst liegt morgen nichts an.“

Naths Vater kam dazu.

„Wir werden schon etwas finden, das er machen kann“, grummelte dieser.

„Ach Bryan, lass den Jungen doch. Außer sonntags hat er noch nicht frei gehabt.“

Ich konnte ein feines Lächeln auf Naths Mund wahrnehmen.

„Okay, ich hab nichts gesagt“, meinte Bryan und lief wieder weg.

„So, Problem gelöst. So Nath, schauen wir, dass wir fertig werden.“

„Danke Carl“, meinte Nath.

„Wofür?“, grinste Carl und wuschelte ihm über die Haare.

„Wir sehen uns dann morgen“, meinte Berry.

„Ja. Kommt Tom auch mit?“

„Ich kann doch gar nicht surfen“, meinte ich.

„Dann bringen wir es dir eben bei“, meinte Berry neben mir.

*-*-*

Draußen war es mir zu kühl geworden. Berry und ich lagen auf dem Bett. Während er in irgendeiner Zeitschrift blätterte, las ich in Mollys Grandpas Tagebuch weiter.

… Angst konnte man es nicht nennen, doch irgendwie fühlte ich mich unwohl. Timothy stand nun nackt im Raum. Und ich konnte meine Augen nicht von ihm wenden. Langsam löste ich mich aber aus meiner Starre und knöpfte mein Hemd auf. Timothy sprang, so nackt wie er war, ins Bett. Er forderte mich auf, endlich ins Bett zu kommen, er wäre ja so schön weich. Also drehte ich mich weg und entledigte mich auch meiner Klamotten…

„Und, was schreibt der alte Haudegen?“, fragte Berry neben mir.

„Ach, Timothy ist gerade nackt ins Bett gesprungen“, meinte ich so beiläufig.

„Bitte?“, kam es von Berry und er kuschelte sich an mich.

„Hier, lies selber. Da an der Stelle bin ich.“

… nun glitt auch mein letztes Kleidungsstück vom Körper, das ich wie die anderen Sachen über den Stuhl hängte. Ich schämte mich ein wenig, denn ich spürte, wie etwas an mir wuchs und ich es nicht verstand. Ohne Timothy in die Augen zu schauen, stieg ich ins Bett und deckte mich schnell zu…

„Da geht es wohl gleich zur Sache“, meinte Berry.

Ich knuffte ihn in die Seite und grinste ihn an.

…Timothy hatte seinen Kopf mit der Hand abgestützt und schaute mich an. Vorsichtig schaute ich ihm in die Augen und musste lächeln. Denn sein Lächeln steckte an. Plötzlich beugte sich Timothy vor und küsste mich. Total entsetzt und mit weit aufgerissenen Augen schaute ich ihn an. Er fuhr zurück und entschuldigte sich für das, was er gerade gemacht hatte…

Berrys Handy klingelte. Er stand auf und ging zum Schreibtisch, wo er seine Sachen abgelegt hatte. Er nahm das Gespräch an und nach einer kurzen Weile, erkannte ich, dass es sich nur um Lesley handeln konnte. Er drückte das Gespräch wieder weg.

„Sorry Schatz, ich muss heim. Bei Lesley im Zimmer ist etwas kaputt gegangen. Ich muss ihm helfen.“

„Schade, ich dachte du schläfst wieder bei mir.“

„Wäre sowieso nicht gegangen. Ich habe morgen einen Termin beim Augenarzt.“

„Kann man nichts machen, aber schade find ich es trotzdem.“

„Ich auch“, meinte Berry und kam wieder zu mir, „ ich würde gerne bei dir bleiben.“

„Was soll’s, morgen ist auch noch ein Tag.“

„Ja, der Tag, an dem du das Surfen lernst.“

„Erinnere mich nicht daran. Ich hab ja nicht mal so einen Anzug wie du.“

„Du kannst meinen alten haben, der ist mir zu klein geworden.“

„So klein bin ich auch nicht“, meinte ich gespielt empört.

„Klein genug, dass ich dich überwältigen kann.“

„So, und warum willst du mich überwältigen? Es gibt Dinge, die mache ich auch freiwillig“, meinte ich frech grinsend.

Berry nahm mich in die Arme, seine Hand zog mich an meinem Nacken näher. Wieder und wieder trafen sich unsere Lippen zu kleinen Küssen.

„Mal sehen, vielleicht komme ich nachher noch einmal vorbei“, hauchte er mir ins Ohr.

Mit einem Grinsen auf den Lippen, verschwand Berry aus meinem Zimmer und ich war alleine. Mein Blick fiel auf die neu erworbene Eingangstür. Ich konnte nach draußen sehen und natürlich konnte man auch nach drinnen sehen.

Das gefiel mir so eigentlich überhaupt nicht. Gut, wer sollte hinter dem Haus stehen und mich beobachten? Aber heraufbeschwören wollte ich das auch nicht. Ob ich irgendetwas davor hängen sollte?

Ich schaute mir die Tür näher an und fand zwei kleine Knöpfe neben der Tür. Verwundert drückte ich den einen Knopf und fuhr erschrocken zurück, als ein leichtes Surren im Innern der Tür einen Rollo zum Vorschein brachte.

Lächelnd sah ich zu, wie sich das Rollo langsam senkte und somit die Sicht nach draußen versperrte. Zufrieden ging ich ins Bett zurück und nahm wieder das Tagebuch. Stimmt ja, Timothy hatte James geküsst.

…Timothy hatte die Beine angezogen und seinen Kopf in den Knien vergraben. Er zitterte und entschuldigte sich immer wieder. Ich war bisher meiner Sprache nicht mächtig und so starrte ich ihn immer noch an. Ich konnte ein leises Wimmern hören. Er weinte. Behutsam legte ich eine Hand auf seine nackte Schulter, was ihn zusammenzucken ließ. Ich beteuerte ihm in leisen Worten, dass ich nur überrascht gewesen wäre und ihm nicht böse sei.

Das Streicheln über seinen Rücken schien ihn etwas zu beruhigen und ich stellte fest, wie schön es war, Timothys nackte Haut zu streicheln. Auch merkte ich, wie sich etwas bei mir regte und verschämt zog ich meine Hand zurück. Sein Kopf ging hoch und er schaute mich erstaunt an…

Es klopfte an meiner Tür. Ich ließ das Buch sinken.

„Ja?“, rief ich.

Die Tür ging auf und Bob sah herein.

„Störe ich?“, fragte er.

„Nein!“, sagte ich und setzte mich auf in einen Schneidersitz.

„Gut“, sagte Bob und schloss hinter sich die Tür.

Er kam auf mich zu und setzte sich neben mich aufs Bett.

„Ich wollte mich eigentlich nur noch einmal bedanken, dass du so toll in der Praxis geholfen hast.“

Ich lächelte.

„Ohne dich, wären wir nicht so schnell fertig gewesen.“

„Jederzeit wieder, Bob. Mir hat das Spass gemacht. Und zudem, ihr tut so viel für mich, da ist es doch nur natürlich, wenn ich auch mal etwas mache.“

„Tom, du brauchst gar nichts.“

„Doch. Jetzt lasst ihr mir auch noch eine eigene Tür einbauen und auch eine Veranda. Das ist so viel, ich kenne das nicht Bob. Es hat sich noch nie jemand so um mich bemüht.“

„Dann gewöhn dich sehr schnell dran. Diese Familie ist sehr vereinnahmend und tut ständig solche Sachen.“

Ich wollte gerade etwas erwidern, als mein Handy ging. Die Nummer war mir nicht bekannt.

„Ja? Hier Tom“, sagte ich.

„Hallo Tom, hier ist Lesley. Ist Berry noch bei dir?“

„Nein, der ist vor zehn Minuten gegangen. Der müsste doch schon längst zu Hause sein.“

„Ist er aber nicht“, hörte ich Lesley sagen.

Besorgt schaute ich zu Bob.

„Ich komm mal zu eurem Haus und schau, was los ist. Vielleicht hat er ja eine Panne mit dem Rad.“

„Gut, ich laufe dir entgegen.“

„Okay. Bye Tom.“

„Bye Lesley.“

Ich ließ das Handy sinken.

„Was ist?“, fragte Bob.

„Lesley hat angerufen, dass Berry noch nicht zu Hause erschienen ist. Er ist vor 10 Minuten gegangen, er müsste doch schon längst zu Hause sein.“

„Soll ich mitkommen?“, fragte Bob.

Ich nickte, zog mir meine Schuhe an und wenige Minuten später liefen wir gemeinsam Richtung Lindas Haus. Als wir um die nächste Straßenecke bogen, blieb ich ruckartig vie versteinert stehen.

Da lag jemand auf dem Boden, neben einem Fahrrad.

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