Kriegskinder – Teil 10 – Das Boot

Peter erwartete seinen Freund schon an der Weggabelung. „Hallo ihr zwei“, und Katrin wollte zu ihm auf die Schulter. Er grinste und nahm sie Frank ab. „Und, schon Pläne gemacht?“ „Etwas schon. Zuerst müssen wir einen Platz finden, wo wir Material lagern können. Und dann müssen wir Werkzeuge besorgen.“ Frank war in seinem Element.

Es hörte sich alles so einfach an, dachte Peter. Aber beide sollten sich täuschen. In der Schule wurden sie erstaunlicherweise von allen begrüßt, als ob sie schon immer dazu gehört hätten. Nur einige zierten sich. Ede war natürlich mit dabei. Dieser große, schwarzgelockte Schönling war schon immer nicht gut auf Frank zu sprechen. Er war ein Jahr älter. Schulterzuckend sagte er immer wieder, dass er krankheitsbedingt ein Jahr wiederholen musste.

Viele in der Klasse glaubten es aber nicht und Frank hat es nie interessiert. Auf dem Schulhof wurde schon wieder über den Bootsbau gesprochen. Frank erklärte die ersten Schritte. Ein Platz und Werkzeug, sowie Material mussten her. Alle grübelten, wie sie da heran kommen würden.

Auch in den ersten Stunden merkte man ihnen an, dass sie nicht ganz bei der Sache waren. Aber endlich war große Pause und wieder begannen die Diskussionen. „Ich denke wir sollten bei Karls Vater fragen. Der ist Zimmerer und würde uns sicher auch Werkzeug leihen“, brachte schließlich Willi die Sache auf den Punkt.

Alle sahen zu Karl, der sich nicht mit dem Gedanken abfinden wollte. „Ich weiß nicht. Mein Vater ist sehr eigen mit seinem Werkzeug. Und so viel Platz haben wir auch nicht auf dem Hof.“ Er schaute betrübt in die Runde. Unmut machte sich breit.

„Und, wie wär es dann bei Frank auf dem Hof. Er ist doch allein da und Platz hat er auch jede Menge“, setzte Willi nach. Alle schauten nun zu Frank. Der überlegte nicht lange. „Also, wenn ihr wollt, dann kann ich in der Scheune Platz machen.“

Alle schauten einander an und es bedurfte keine Worte mehr. Sie waren sich einig und schon wurde über das Material und Werkzeuge geredet. Auch die Mädchen mischten kräftig mit. Fräulein Gutknecht sah im Unterricht, dass ihre Einschätzung richtig gewesen war. Die Klasse arbeitete mit und eine Spannung lag in der Luft, dass sie fast zum Greifen war.

Nach Schulschluss machte sich eine kleine Truppe auf den Weg zum Kindergarten. Sie holten Katrin ab, die überrascht war, so viele Leute zu sehen. Auf dem Weg zu Frank wurde schon wieder über nichts anderes geredet. Nur das Boot war Thema.

Sie schauten sich zuerst auf dem Hof um. Viele waren das erste Mal bei Frank. Sie sahen die Scheune und begannen sogleich nach Schätzen zu suchen. Einige brauchbare Bretter wurden zu Tage befördert. Auch Schrauben fanden sie jede Menge. Das restliche Gerümpel landete auf dem Hof.

Nachdem sie Platz geschaffen hatten wurde das alte Zeug im Hof verbrannt. Alle schauten Gedankenversunken in die Flammen und hingen ihren Gedanken nach. „Wie geht es nun weiter?“ Willis Frage schreckte alle hoch.

„Zuerst müssen wir den Kiel bauen. Dann kommen die Spannten und dann wird die Haut aufgezogen.“ Frank rannte in sein Zimmer und kam mit einem abgegriffenen Buch zurück. „Seht, so meinte ich das“, und schlug die Seite auf, wo man ein gezeichnetes Boot sehen konnte.

Alle schauten sich das Bild an und verstanden seine Ausführungen dazu. Begeistert und aufgekratzt gingen sie nach Hause. Jeder hatte nun eine Vorstellung und die Umsetzung sollte kein Problem sein. Aber woher das Material bekommen? In der Scheune hatten sie einiges gefunden, aber nichts davon eignete sich als Kiel.

Alle hatten versprochen zu Haus nach geeignetem Material Ausschau zu halten. Frank begann Katrin für die Nacht vorzubereiten. Peter war noch da und stocherte in der Glut herum. Er durfte die Nacht bei Frank bleiben. Seine Eltern hatten es erlaubt, da morgen Sonntag war. Aber alle drei sollten zum Essen kommen, darauf hatte die Mutter bestanden.

Peter ließ die Funken wirbeln und Frank betrachtete seinen Freund von der Tür aus. Was hatten sie die letzten Tage alles zusammen erlebt. Er schlich sich heran und legte den Arm um Peter. Der zuckte zuerst vor Schreck. „Wir sollten uns vielleicht auch hinlegen. Es war ein langer Tag.“ Peter nickte. Aber eigentlich wollte er nur so da stehen bleiben, mit dem Arm um seine Schulter.

Frank löste sich und ging ins Haus. Peter stand immer noch da und rührte sich nicht. „Komm her zur Pumpe. Ich hab Handtücher mit“, rief Frank aus der Dunkelheit. Peter hatte Mühe den Weg zu finden. Seine Augen flimmerten immer noch von der Glut.

Als er bei der Pumpe war, konnte er sehen, wie Frank sich auszog. Er wollte ihm nicht nachstehen und begann ebenfalls seine Sachen abzulegen. Sie standen sich nur in Unterhosen gegenüber, der Mond beleuchtete sie leicht. „Wir sind allein“, sagte Frank und zog sich die Hose runter. Dann ging er zur Pumpe und begann sich zu waschen.

Peter hatte wieder zu kämpfen. Aber schließlich wollte er kein Feigling sein. Er ließ die Hose fallen und folgte seinem Freund. In seinem Kopf begann es zu rattern. Zuerst dachte er wieder nur an Mathematik, aber der Blick auf den Mondbeschienenen Körper seines Freundes ließ ihn alles vergessen.

Er stand da und schaute Frank an. Der schaute auch hoch und hielt inne. Er sah Peter vor sich, und seine Erregung fiel ihm ins Auge. Er stellte sich aufrecht hin und Peter konnte im Mondschein sehen, wie sich auch bei Frank etwas erhob. Beide stießen einen Lacher aus und der Bann war gebrochen. Sie planschten unter der Pumpe mit dem Wasser und neckten sich gegenseitig.

Dann begannen sie sich abzutrocknen und schnappten sich ihre Sachen um nackt wie sie waren ins Haus zu gehen. „Wo soll ich schlafen“, fragte Peter. „Also du kannst im Wohnzimmer auf der Liege schlafen, oder so wie in Rostock mit mir zusammen im Bett“, erwiderte Frank. „Dann lieber in deinem Bett“, und Peter grinste.

Beide schlichen an Katrins Tür vorbei, Frank warf noch einen Blick ins Zimmer und sah die Kleine schlafend mit der Puppe im Arm. Dann ging er in sein Zimmer und legte die Sachen auf den Stuhl. Als er sich zum Bett umdrehte sah er Peter schon darin liegen. Er war sich unschlüssig, ob sein Freund die Unterhose anhatte oder nicht. „Ich hab keine an“, flüsterte Peter, als er sah, dass Frank nach der Unterhose griff.

Der drehte sich rum und ließ die Hose fallen. Dann löschte er das Licht und ging, beziehungsweise stolperte eher zum Bett. Vorsichtig legte er sich neben seinen Freund und deckte sich zu. Sein Bett war nicht groß, er lag mit dem Rücken zu Peter, konnte aber dessen Erregung spüren. Sofort wurde er auch erregt.

Was würde nun passieren, ging es ihm durch den Kopf. Sicher hatte er sich schon öfter einen gerieben. Aber immer nur allein. Er spürte die Hand von Peter auf seiner Schulter. Ein wohliger Schauer durchzuckte seinen Körper, den auch Peter spürte.

Peter merkte, dass Frank nicht zurückwich und sah es als Aufforderung weiterzumachen. Peter ließ die Hand sanft über den Rücken kreisen, dann fuhr er die Seite hoch und runter, schließlich landete die Hand auf dem Bauch von Frank. Er zuckte etwas, bemerkte er, aber wahrscheinlich hatte er ihn nur gekitzelt. Langsam ließ er seine Hand tiefer rutschen und erreichte das Schamhaar von Frank. Der blieb steif liegen und die Atmung wurde flacher.

Peter nahm allen Mut zusammen und umschloss mit seiner Hand den steifen Schwanz von Frank. Der atmete aus und begann zu zittern, als er den Griff spürte. Vorsichtig begann Peter die Vorhaut von Frank hinunterzuziehen. Er spürte, dass es ihm gefiel und seine Hand glitt wieder nach oben.

Langsam machte er in diesem Tempo weiter, bis er schließlich merkte, dass es seinem Freund bald kommen musste. Inzwischen hatte er sich an den Rücken von Frank gepresst und spürte den Heißen Körper vor ihm. Er wich nach hinten zurück und drehte Frank auf den Rücken. Der konnte es gar nicht abwarten endlich zu kommen. Er hechelte nur noch und Peter wusste, was er tun wollte.

Er hatte sich diesen Augenblick so oft in Gedanken ausgemalt, immer wenn er sich selbst befriedigt hat, hatte er nur dieses Bild vor Augen gehabt. Langsam glitt er mit dem Kopf über Franks Brust und schließlich war er da. Er öffnete seinen Mund und ließ den zum Bersten prallen Schwanz hinein. Frank bäumte sich unter ihm auf, schob seinen Schwanz noch weiter in die feuchte Höhle und hechelte.

„Ich komm gleich“, zischte Frank vor Erregung aber Peter behielt ihn fest bei sich. Er glitt zwei, drei Mal an ihm hoch und runter, dann spürte er, wie sich Frank tief in seiner Mundhöhle ergoss. Er hatte zuerst Schwierigkeiten, das Zeug zu schlucken. Aber dann hatte er den Bogen raus und saugte seinem Freund auch das letzte heraus.

Er schaute nach oben und sah Frank lächelnd mit geschlossenen Augen liegen. Dann legte er seinen Kopf  auf den Bauch und betrachtete sich den Schwanz aus der Nähe. Er war nicht anders, als sein eigener, nur die Farbe der Schamhaare war unterschiedlich. Vorsichtig streckte er die Zunge raus und berührte die Eichel, die unbedeckt vor ihm stand. Frank zuckte ein wenig. Nun konnte er es nicht mehr aushalten.

Er drehte sich auf den Rücken, nahm seine Erregung in die Hand und nach zwei Hüben entlud er sich auf seinem Bauch. Als er wieder zu sich gekommen war, spürte er Finger auf seinem Bauch, die sein Sperma verrieben. Er öffnete die Augen und sah in Franks grinsendes Gesicht.

„Das war das Beste, was ich je erlebt habe“, flüsterte Frank und nahm seinen Finger in den Mund. Peter sah, dass er genüsslich daran leckte und begann ebenfalls zu grinsen. „Ich hab noch mehr davon.“ „Das will ich hoffen. Ich möchte es auch einmal so machen, wie du es gemacht hast“, sagte Frank und tauchte den Finger wieder ein, um ihn dann wieder in den Mund zu nehmen.

Sie hörten plötzlich die Tür von Katrins Zimmer aufgehen. Schnell verschwand Peter unter der Decke und Frank sprintete zu seiner Unterhose, nicht ohne sich den großen Zeh anzuschlagen. Er schaffte es gerade so, die Hose hochzuziehen, als sich die Tür öffnete.

„Frank, ich kann nicht schlafen“, nuschelte die Kleine und fiel ihm um den Hals. Er hob die Schwester hoch und brachte sie wieder in ihr Bett. „Du musst hierbleiben“, bettelte sie. Frank legte sich neben ihr und zog die Decke hoch.

Leise erzählte er die Geschichte weiter, aber Katrin war schon wieder eingeschlafen. Er lächelte vor sich hin, als er aus dem Bett schlüpfte und die Tür hinter sich zuzog. Im Zimmer sah er nur den Rücken von Peter. Er schlich sich hin und als er neben ihm lag musste er feststellen, dass sein Freund schon schlief.

Es war auch ein langer Tag gewesen und kurz darauf schlief er auch schon. Er träumte von Booten, von Peter, und war glücklich.

„Aufstehen“, hörte Frank nur, und sah sich schlaftrunken um. Katrin stand vor dem Bett und wedelte mit ihrer Puppe herum. „Du musst aufstehen, die Sonne scheint schon.“ Frank musste sich erst sammeln. Peter schlief noch, er hatte von alledem nichts mitbekommen.

Er stand auf und war froh, dass er die Unterhose gestern anbehalten hatte. Frank schnappte sich Katrin und ging mit ihr aus dem Zimmer. Sie bereiteten ein Frühstück und als Frank gerade Peter holen wollte erschien dieser in der Tür.

„Guten Morgen“, nuschelte er schlaftrunken, „wieso habt ihr mich nicht geweckt?“ „Ich wollte gerade kommen. Setz dich. Es ist nicht viel, aber köstlich“, sagte Frank lächelnd und es wurde noch ein vergnüglicher Vormittag.

Zum Mittag gingen sie zu Peters Eltern. „Schön, dass ihr da seid. Setzt euch gleich an den Tisch“, wurden sie von der Mutter empfangen. Frank reichte dem alten Fuhrmann die Hand und setzte sich. Der Fuhrmann musterte die Jungen. Sein Sohn war nicht ganz so kräftig, aber dafür hatte er Pferdeverstand, überlegte er.

Alle mussten dann Katrins Puppe bestaunen, dann kam die Schüssel mit dem Essen auf den Tisch. Frank und Peter erzählten von der neuen Aufgabe die sie hatten. Der Alte runzelte die Stirn. „Also wir mussten damals in der Dorfschule lernen und keine Boote bauen“, gab er nach einer Weile zu bedenken. „Ach Vater, das machen wir nach der Schule, aber alle aus der Klasse machen mit. Das ist unsere Gemeinschaftsarbeit“, sagte Peter und füllte sich noch einmal nach.

„Na, Hauptsache die Noten bleiben gut, dann soll es mir egal sein“, murmelte der Alte und griff nach seiner Tabakpfeife. „Du musst mal in den Schuppen schauen, ob da noch etwas ist, was euch weiterhelfen kann“, kam es aus einer dicken blauen Rauchwolke.

Das ließen sich die Jungen nicht zweimal sagen. Sie sprangen auf und rannten zur Tür hinaus. Der Alte und die Mutter lächelten, Katrinchen schüttelte den Kopf.

Sie durchstöberten den ganzen Schuppen und fanden jede Menge brauchbarer Sachen. „Da brauchen wir einen Wagen, um das Zeug wegzubekommen“, stöhnte Frank. „Peter, spann das Pferd ein und fahr das Zeug mit dem Wagen, “ sie hatten nicht mitbekommen dass der Alte hinter ihnen stand.

„Danke Vater“ Peter strahlte. Der Alte hat sich nach dem Gespräch mit Franks Vater um hundertachtzig Grad gedreht. Beide beluden den Wagen und als Katrin auf dem Kutschbock saß ging es los. Gemütlich zog das Pferd den Wagen, es war eine leichte Fuhre. Alle drei genossen die Sonne, die mit aller Kraft vom Himmel schien. Auf dem Hof erwartete sie bereits Willi. „He, Leute. Seht mal was der alte Postminister noch gestiftet hat. Aber es ist nur geliehen, versteht sich“, und zeigte einige Werkzeuge, die sie gut gebrauchen konnten.

Frank betrachtete Willi. Sie hatten sich noch nie richtig verstanden, aber die alten Sachen hatte er scheinbar begraben. Sie hatten plötzlich einen sehr guten Draht zueinander. Lag es nur an seiner schäbigen Kleidung damals? Oder steckte noch mehr dahinter?

„Hallo“, wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Irene, Heike und Karl kamen auf den Hof. Auch sie hatten Sachen dabei. Karls Vater hatte wichtige Werkzeuge gegeben, die er aber nach dem Bauende wieder mitnehmen musste.

Frank schaute in die Runde. Er freute sich, dass so viele da waren. Peters Vater hatte eine große und massive Buchenplatte gespendet. Die sollte als Kiel dienen. Sie machten sich an die Arbeit und zeichneten den Grundriss auf. Die Arbeit machte allen Spaß, so dass sie gar nicht mitbekamen, wie schnell die Zeit verging.

„Los, kommt alle, dann nehme ich euch noch ein Stück mit“, rief Peter. Frank und Katrin winkten dem Wagen nach. Frank tat es leid, er konnte sich nicht einmal richtig von Peter verabschieden. Aber es war wirklich schon spät geworden und der alte Fuhrmann würde sicher auf den Wagen warten.

Frank machte Katrin Abendessen und selbst las er in einem Buch, dass ihm Irene mitgebracht hatte. Es handelte von einer Gruppe, die auch ein Boot gebaut hatte. Er verschlang die Seiten regelrecht und bemerkte viel zu spät, dass es schon sehr dunkel war.

Er klappte das Buch zu und legte es neben das Bett. So hatte er sich das auch vorgestellt, wie die Leute das in dem Buch machten. Er überdachte es alles noch einmal und merkte gar nicht, wie er über seine Gedanken einschlief.

Frank holte am nächsten Tag seine Schwester vom  Kindergarten ab. Peter musste zu Haus helfen. Von weitem sah er schon den Mann, der vor dem Hof stand und neugierig reinschaute. Was wollte der Kerl denn, fragte er sich und griff nach Katrins Hand. Auch sie bemerkte den Unbekannten.

„Kennst du den, Frank?“ „Nein, hab ich noch nie gesehen.“ Frank pochte das Herz bis zum Hals, er ließ sich aber nichts anmerken. Auch der Unbekannte hatte sie entdeckt und wartete auf die beiden. Frank musterte ihn. Er war etwas älter als sein Vater, schätzte er. Die roten Haare leuchteten schon von weitem.

„Kann ich ihnen helfen“, fragte Frank mit einem leichten Zittern in der Stimme. „Vielleicht. Wohnst du hier?“ Frank war sich nicht sicher ob er wahrheitsgemäß antworten sollte. „Keine Angst“, sagte der rothaarige, der Franks zögern bemerkte, „ich hab hier vor Jahren mal mit einem Freund gelebt. Ich wollte nur mal nach ihm sehen.“

Frank schaute verdutzt. Vater hat nie etwas davon erwähnt, dass hier auch mal andere gewohnt haben. „Ja, ich wohne hier mit meiner Schwester und meinem Vater“, sagte Frank und drückte die Hand von Katrin. Sie verstand den Wink ihres großen Bruders. „Ja, Papa wohnt auch hier“, sagte sie schnell.

Frank ging an dem Mann vorbei auf den Hof und zog Katrin hinterher. Der Fremde blieb stehen und machte keinen Schritt weiter. Dann entdeckte Frank im Briefkasten die Karte. Schnell holte er sie heraus und überflog sie. Vater hatte geschrieben, dass er nächstes Wochenende zu Besuch kommen wollte.

Der Fremde stand immer noch da. „Katrin, geh ins Haus und zieh dich um“, sagte Frank und drehte sich zu dem Unbekannten. „Ich wusste nicht, dass sie hier mal gewohnt haben. Soweit ich weiß, haben hier nur meine Oma und Vater gelebt.“ „Heißt dein Vater Jan?“ Frank lief es kalt den Rücken runter. „Ja“, stammelte er.

Der Fremde sah Frank intensiv an. Als ob er versuchte, etwas in dem Gesicht des Jungen zu erkennen. „Dein Vater war mein Freund. Das ist schon einige Jahre her. Ist er zu sprechen?“ Der Fremde schaute lächelnd. Frank schwankte. Sollte er die Wahrheit sagen?

„He, du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Ich wollte nur mal vorbeischauen. Ich kann auch später noch einmal kommen, wenn es dir lieber ist.“  Frank wurde es unangenehm in seiner Haut. Sprachlos stand er vor dem Fremden. „Ich weiß nicht“, stotterte er. „Mein Vater ist erst nächstes Wochenende wieder da“, stammelte er weiter.

„Gut, ich komm dann nächstes Wochenende mal vorbei. Bestell deinem Vater Grüße von Reiner. Er weiß dann schon, wer ich bin.“ Er klopfte dem verwirrten Jungen auf die Schulter und ging in Richtung Dorf.

Grübelnd ging Frank ins Haus und zog sich um. Während er den Garten machte, grübelte er immer wieder über den Fremden. Weder Vater, noch die alte Witwe, hatten je etwas gesagt. Gut, die Witwe wusste sicher auch nicht alles, aber wieso hat Vater nie etwas von Reiner erwähnt?

Im Bett dachte er noch mal an den Mann, dann hatte ihn das Buch von Irene wieder gefangen genommen. Er träumte die Geschichte mit, sah sich selbst als Kapitän und schlief mit dem Buch ein.

Auf dem Weg zur Schule erzählte Frank Peter von seiner Begegnung mit Reiner. „Hm, komisch, dass du nichts weißt. Aber mal was anderes: Heute Nachmittag hab ich wieder Zeit und Mutter würde sich um Katrin kümmern.“ Frank sah seinen Freund freudig an. Ihre Augen blitzten. Sie dachten beide an das gleiche, man konnte es ihnen ansehen.

Die Schule zog sich endlos hin, dann war es geschafft. Auf dem Weg nach Haus gaben sie Katrin bei den Schusters ab und liefen freudig erregt weiter. Kaum waren sie im Haus angekommen und die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, lagen sie sich schon in den Armen.

Ihre Gesichter näherten sich, und zum ersten Mal spürten sie die Lippen des anderen. Es war unbeschreiblich. Taumelnd liefen sie zum Bett in Franks Zimmer, und ließen sich auf der Bettkante nieder. Noch immer pressten sie die Lippen aufeinander und ihre Hände strichen über den Rücken des anderen.

„He, jemand zu Hause?“ hörten sie es von unten rufen. Blitzschnell sprangen sie auseinander. Ihre Köpfe waren noch hochrot, als Willi das Zimmer der beiden betrat. „Was ist denn mit euch los? Hab ich bei etwas gestört?“, fragte dieser. „Nein, wir hatten uns nur ein bisschen gebalgt“, fand Frank als erster die Sprache wieder.

Willi schaute sich langsam im Zimmer um und sein Blick blieb an Frank und Peter hängen. „Ich dachte, dass wir heute etwas machen am Boot, oder habt ihr keine Zeit?“ Beide Jungen hatten sich wieder etwas unter Kontrolle. Ihre Erregung war verpufft. „Ja, das hatten wir auch vor“, sagte Peter und erhob sich vom Bett. Willi schüttelte nur leicht mit dem Kopf und folgte den beiden zur Scheune.

Nach und nach tauchten noch andere Klassenkameraden auf und Frank und Peter warfen sich heimliche Blicke zu, aus denen ihre Sehnsucht sprach, aber auch die Enttäuschung. Sie waren nicht enttäuscht über die Arbeit am Boot, aber diesen Nachmittag hatten sich beide anders vorgestellt.

Am Abend ging die Gruppe gemeinsam den Weg zum Dorf zurück. Alle waren zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten. Auch die Mädchen standen ihnen in nichts nach. Frank musste bei den Schusters noch Abendbrot essen, dann ging er mit Katrin wieder nach Haus.

Er lag im Bett und dachte an den ersten Kuss, der so jäh ein Ende fand. Immer wieder stellte er sich die Lippen von Peter vor, die so weich waren, wie die Zungen zärtlich miteinander spielten. Lange konnte er nicht einschlafen.

„Ich konnte gestern ewig nicht einschlafen“, flüsterte Peter seinem Freund am nächsten Morgen ins Ohr. Frank grinste: „Oh, da ging es mir nicht anders.“ „Früher war es einfacher, da kam kein Mensch zu dir auf den Hof“, sagte Peter. „Stimmt, aber da war die alte Witwe auch immer da. Mal sehen, wann wir mal ungestört sind.“ Peter klopfte seinem Freund auf die Schulter. „Wird bestimmt mal wieder vorkommen.“

Am Schultor sahen sie den Direktor und einen alten Mann stehen. Beide dachten sie nichts weiter, bis der Alte auf sie zeigte und dem Direktor heftig an den Arm stieß. „Ah, der Herr Pusch und der Herr Schuster“, begann der Direktor, „na dann folgen sie mir mal in mein Büro. Herr Wurl“, und drehte sich zu dem Alten, „sie natürlich auch.“

Beide Jungen schauten sich an und wussten nicht, was sie davon zu halten hatten. Die anderen Klassenkameraden schauten auch nur verwundert, als der Direktor mit dem Alten und den beiden im strammen Schritt zur Schule ging.

Im Büro zeigte der Direktor auf die Stühle und alle setzten sich. „Also, die Herren, Herr Wurl hat sie beobachtet, als sie einen Baum stehlen wollten.“ Er ließ eine Pause und beiden wurde nun bewusst, um was es ging. „Das ist gemeiner Diebstahl, Herr Direktor“, ereiferte sich der Alte und sein Gesicht wurde von einer fleckigen Röte gezeichnet.

„Wir wollten den Baum nicht stehlen“, sagte Frank schnell, „er liegt immer noch im Wasser. Den können sie wiederhaben“, sagte er immer leiser werdend. „Frank, ehrlich! Wolltet ihr den Baum stehlen?“ Frank und Peter schüttelten gemeinsam den Kopf.

„Nein, wirklich nicht. Der Sturm hat ihn umgehauen. Wir wollten damit nur ein wenig auf dem Wasser fahren.“ „Ach Quatsch“, rief der Alte. „Ihr wolltet ihn klauen!“ „Herr Wurl, bitte“, gebot der Direktor ihm Ruhe. „Glauben sie wirklich, dass diese beiden den Stamm stehlen wollten? Was hätten sie denn mit dem Ding machen sollen?“  Der Alte schaute die beiden in sich zusammengesunkenen Gestalten an. „Was weiß ich, vielleicht wollten sie das gute Holz verschachern?“

„Der Stamm ist immer noch da, wir haben ihn fest angebunden. Und wir stehlen nicht!“ Den letzten Satz hat Frank mit fester und ernst gemeinter Stimme gesagt. Die Augen des Alten huschten hin und her. Seine Sicherheit wich. Der Direktor schaute sich die beiden genau an. „Ich glaube dir, Frank. Herr Wurl, ist die Sache damit geklärt?“

„Ja“, stotterte er. „Wir bauen mit der Klasse zusammen ein Boot. Da brauchen wir nicht mehr auf Baumstämme übers Wasser fahren“, ergänzte Peter noch. Der Alte schaute die beiden verwundert an. „Ihr Rotzlöffel wollt ein Boot bauen?“ Der Direktor grinste. Fräulein Gutknecht hatte ihm schon vorher von dem Vorhaben der Klasse berichtet. „Ja, Herr Wurl. Und die ganze Klasse arbeitet daran mit.“

Der Alte schaute sich die beiden noch einmal an. Seine Gedanken wanderten in seine Jugend. Er wollte auch immer Boote bauen. Hatte als Stift auf einer kleinen Werft angefangen und gerade gelernt, die ersten Handgriffe richtig zu beherrschen, als der erste Weltkrieg ausbrach. Er musste an die Front und kehrte mit einem Kopfschuss zurück. Die ständigen Kopfschmerzen ließen ihn nicht mehr los und er musste seinen Traum vom Bootbauer aufgeben.

Wortlos stand er auf, reichte dem Direktor die Hand und ging mit gesenktem Kopf aus dem Büro. „Herr Wurl ist der Parkwächter. Er wollte schon eine Anzeige bei der Polizei machen.“  Die beiden Jungen sahen sich erschrocken an. Das hatten sie nicht beabsichtigt.

„Ihr wisst, Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Wenn alles stimmt dann ist die Sache erledigt.“ „Es stimmt wirklich. Wir haben nur ein wenig nachgeholfen, die Wurzel zu lösen. Umgekippt ist er durch den Sturm. Wir haben ihn festgebunden, dass er nicht in die Oder treibt.“

„Na dann, ab in die Klasse und ich hoffe ihr habt den Stoff nachgeholt, den ihr versäumt habt, “ und der Direktor wies zur Tür. „Wir haben alles nachgeholt, sollen wir es zeigen?“ Er schüttelte nur mit dem Kopf und entließ sie.

Vor der Tür holten beide erst mal Luft. Eine Riesenlast viel von ihren Herzen. Frank war froh, dass er seinen Vater nicht enttäuschte und Peter brauchte nicht mehr zu fürchten, dass der Riemen doch noch einmal zum Einsatz kam.

Sie klopften an die Tür und schlichen nach hinten zu ihrer Bank. Alle Augen waren auf sie gerichtet, aber Fräulein Gutknecht rief die Klasse gleich zur Ordnung. Sie wusste, warum die beiden beim Direktor antreten mussten. An den Gesichtern sah sie, dass alles gut gegangen war. Sie hatte versichert, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass die beiden wirklich stehlen wollten.

In der Pause wurden sie von den Klassenkameraden ausgequetscht und alle staunten, was sie angestellt hatten. Viele hätten auch gern mitgemacht, aber nun hatten sie ein besseres Vorhaben. Bald drehten sich die Gespräche wieder nur um ihr Boot.

Am Nachmittag trafen sich alle wieder bei Frank und die Arbeit ging weiter. Der Kiel war fast komplett ausgesägt. Er musste nun noch richtig verleimt werden. Karl hatte sich von seinem Vater Tipps und Tricks zeigen lassen, die er jeden genauestens erklärte.

Die restliche Woche verging wie im Flug. Vormittags Schule und nachmittags auf der „Werft“, wie sie Franks Scheune nun nannten. Es verging keine Stunde, in der Frank und Peter allein waren. Nur ein paar Minuten vor der Schule hatten sie, aber da war auch immer Katrin mit dabei. Sehnsucht lag in ihren Augen, unerfüllte Sehnsucht nach dem anderen.

Es war Freitag. Frank hatte das restliche Wirtschaftsgeld schon mit in die Schule genommen um danach mit Katrin einzukaufen. Schließlich wollten sie dem Vater zeigen, wie gut sie zurechtkamen. Sie kauften reichlich ein und auch ein paar Flaschen Bier für den Vater fanden sich in dem Korb. Die Verkäuferin schaute zwar argwöhnisch, sagte aber nichts. Ihre Tochter Irene ging mit diesem Frank in einer Klasse. Daher wusste sie, dass der Junge nicht trank und sein Vater am Wochenende zu Besuch kam.

Frank räumte nochmals das Haus auf und dann warteten er und Katrin auf den Vater. Die Sonne verschwand schon hinter den Hügeln und er war immer noch nicht da. Frank begann sich langsam Sorgen zu machen. Er zog die Karte noch einmal hervor und las sie immer wieder.

Katrin fielen die Augen immer wieder zu und vorsichtig legte er die Kleine ins Bett. Er schnappte sich ein Handtuch und verschwand zur Pumpe. Schnell ließ er die Sachen fallen und ließ das kalte Wasser über seinen Körper laufen. Letzte Woche stand er mit Peter unter der Pumpe. Bei diesem Gedanken wurde er erregt. Er sah die Bilder wieder vor sich und musste sich Erleichterung verschaffen.

Gerade hatte er den Punkt erreicht, als sich eine Stimme räusperte. „Hallo, ich bin da“, und sein Vater trat noch etwas näher zu ihm. Frank rauschte das Blut in den Ohren. Er drehte dem Vater schnell den Rücken zu, und konnte nur hoffen, dass er nichts sieht.

„Es hat lange gedauert“, sagte er mit belegter Stimme und versuchte seine Erregung niederzukämpfen. „Mach dich fertig, ich warte im Haus“, sagte dieser mit einem glucksenden Unterton in der Stimme. Franks Herz klopfte immer noch wie wild in seiner Brust. Mist! Dachte er, und immer wieder Mist!

Wieso ist er genau in diesem Moment gekommen? Ob er was gesehen hat? Sicher hat er etwas gesehen! Er trocknete sich schnell ab und zog die Sachen wieder an, um ins Haus zu gehen. Der Vater saß am Tisch und betrachtete seinen Sohn. Frank stand mit rotem Kopf im Zimmer und war sich sicher, dass der Vater etwas gesehen hatte!

„Mach dir keine Gedanken“, sprach der Vater und lächelte, „in deinem Alter ging es mir genauso.“ Frank wurde noch roter und das Blut rauschte schon wieder in seinen Ohren. Zittrig setzte er sich an den Tisch und senkte den Blick. Jan griff mit der Hand unter das Kinn seines Sohnes und hob dessen Kopf an.

Sie sahen sich in die Augen und Frank sah ein Blitzen darin. Die Spannung wich mit einem Schlag und beide lachten sich an. „Katrin musste ich schon hinlegen“, sagte Frank befreit aller Sorgen. „Tut mir leid, dass es so spät geworden ist, aber ich bin nicht rechtzeitig von der Baustelle weggekommen. Es gab mal wieder Probleme.“ Frank stand auf und holte seinem Vater eine Flasche Bier.

Jan hob die Augenbrauen und öffnete die Flasche. „Keine Angst, das hab ich nur für dich geholt“, und Frank nahm sich selbst ein Wasser. „Danke Sohn. Wie ich sehe hast du hier alles im Griff. Also kann ich mich wirklich auf dich verlassen“, sagte Jan anerkennend, und Frank schwellte die Brust.

Sie redeten noch eine Weile in der Küche, tauschen die Erlebnisse der letzten Wochen aus, bis sich Frank verabschiedete. „Ich soll dir im Übrigen noch einen schönen Gruß bestellen von einem gewissen Reiner. Der war letzte Woche hier und will dich vielleicht am Wochenende besuchen.“

„Reiner?“, fragte der Vater gedehnt. „Ja, so ein rothaariger. Er sagte, dass er hier mal eine Zeit lang gewohnt hat. Darüber musst du mir morgen unbedingt erzählen“, sagte Frank noch im Hinausgehen.

Jan saß da und war wie vor den Kopf geschlagen. Reiner. Reiner! Reiner!!! Wie konnte er  es wagen, nach so vielen Jahren wieder aufzutauchen? Jan war wütend. In seinem Herzen machte sich Eiseskälte breit. Nie hat er sich bei mir gemeldet und nun, nach all den Jahren taucht er hier plötzlich auf! Jan stand auf und nahm sich noch eine Flasche Bier, um seinen Ärger herunter zu spülen. Er trat in die Nacht hinaus und zündete sich mit zittrigen Händen eine Zigarette an.

Er saß auf der Bank vor dem Haus und seine Gedanken gingen auf Wanderschaft. Er sah Igor, Kurt, Fritz, Hilde, Gerda und all die anderen. Er sah Reiner, wie er ihn heimlich auflauerte, sein erstes Mal mit ihm, ging ihm durch den Kopf und er sah die Leere, die Reiner in seinem Leben hinterlassen hatte. Die endlosen Monate die er gehofft hatte. Und dann sah er seine Frau. Das Glück mit ihr, der schmerzliche Tod.

Dann erst wurde ihm bewusst, dass sie immer die einzige Frau in seinem Leben war und es auch bleiben würde. Ab und zu verschaffte er sich selbst Erleichterung, aber an eine neue Beziehung war er nie interessiert. Weder zu einer anderen Frau, noch zu einem Mann.

Er dachte auch an nichts und niemanden, er rubbelte nur mechanisch, genoss das Zucken und war dann meist enttäuscht, dass es nicht die erhoffte Entspannung war, die er sich vorgestellt hatte. Also wurde auch dieses auch immer weniger.

Als er seinen Sohn heute dabei überrascht hatte, schlich sich ein Lächeln in sein Gesicht. Als er in seinem Alter war, war er mit Reiner zusammen und hat es genossen. Wieder schob sich Reiner in seine Gedanken. Wieso taucht er plötzlich jetzt auf?

Wollte er überhaupt mit ihm sprechen, wenn er da ist? Nein! Er wollte ihn gar nicht sehen. Zu sehr hat es ihn damals geschmerzt. Er hat die Erinnerungen tief in sich vergraben und da sollten sie auch bleiben. Er schlich sich zurück ins Haus, aber die Gedanken ließen ihn nicht schlafen.

Er sah glückliche Tage der Jugend an sich vorbeiziehen und hatte plötzlich doch das Bedürfnis sich zu Erleichtern. Und mit wirren Bildern im Kopf kam er, wie schon lange nicht mehr. Verwirrt und mit seinen Gefühlen immer noch nicht im reinen schlief er ein.

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