Traumschiff – Teil 13

Ich hoffe, dass es euch bis hierher gefallen hat. Einige haben sich ja dazu geäußert und die durchweg positiven Rückmeldungen zeigen mir, dass es den Lesern gefällt, was da aufgeschrieben ist. Ein Danke an alle Reviewer, danke für euer Feedback. Dieses Kapitel ist etwas länger, (15100 Wörter warten darauf gelesen zu werden) weil der Zwölfer etwas kürzer war und weil so der Übergang zum nächsten Abschnitt besser passt. Viel Freude beim Lesen.

Samstagmorgen

Ole

Von Frank mit einem Kuss geweckt zu werden, das ist doch schon mal der Beginn eines tollen Tages. Als mich seine weichen und warmen Lippen ab schmusen, öffne ich lächelnd meine Augen, um tief in seine zu schauen.

„Guten Morgen, mein Schatz“, nuschle ich und schmuse zurück. So möchte ich gerne immer geweckt werden.

Torsten, der schon wach und munter im Bett sitzt, schaut natürlich neugierig zu und grinst übers ganze Gesicht. Da aber keine dumme Bemerkung kommt, nehme ich an, das er was gelernt hat seit gestern. Es kann natürlich auch sein, das sein Mund noch schläft und die Bemerkungen erst später kommen. Sicher kann man da nie sein.

Ich muss innerlich grinsen, wenn ich daran denke, wie clever mich der kleine Mistkäfer gestern vorgeführt hat, als ich mir nach dem Wort „Sperma„ an die Backe gefahren habe. Ich bin ihm voll ins Messer gelaufen in meiner Gedankenlosigkeit. Na ja, kann ja mal passieren, aber erfreulich war es nur für mich.

Ich krabbele aus dem Bett, damit Frank mein Bett machen kann, mit Hugo natürlich, der soeben ins Zimmer gelaufen kommt. „Raus mit euch, ihr Schlafmützen, wir müssen die Betten machen“, sagt er und bringt frische Laken mit. Auch Torsten ist jetzt aus dem Bett und geht mit Franks Hilfe ins Bad. Ich setze mich solange auf einen Stuhl und warte.

Nach dem Bettenmachen ist zunächst mal Frühstück angesagt und dann sehen wir mal weiter, denk ich, während ich darauf warte, dass das Bad frei wird und Hugo mit den Betten fertig ist. Frank kommt mit Torsten aus dem Bad und so kann ich jetzt meine Morgentoilette machen gehen. Hugo ist mit den Betten fertig und verschwindet gerade aus dem Zimmer.

Als ich vor dem Spiegel stehe, geht die Türe auf. Ich habe absichtlich nicht zugemacht von innen. Warme Hände streicheln über meine nackte Brust und machen mir eine Gänsehaut. Zwei Lippen beschmusen meinen Nacken und warmer Atem kitzelt an meinem Ohr. So einen Service bei der Morgentoilette, das wäre etwas, an das ich mich gewöhnen könnte.

Ich lehne mich nach hinten an Frank und seine Hände wandern nach unten. Sie schieben sich frech unter meine Shorts und kraulen meine Haare, die sich vom Nabel abwärts, erst spärlich und dann doch mehr werdend, um meinen Schwanz kräuseln.

Blond gelockt ist der Rahmen um mein Vergnügungszentrum und nun offenbar ein bevorzugter Spielplatz für Franks flinke Finger, die jetzt auch den Schaft in das Kraulprogramm aufgenommen haben. Längst liegt der Kleine nicht mehr ruhig auf dem Sack, nein, aufrecht steht er und reckt sich der sanft streichelnden Hand entgegen.

Draußen geht die Zimmertür.

„Wo ist denn Frank hin?“, hören wir Hugo den Torsten fragen. I

ch halte den Atem an, was kommt jetzt?

„Keine Ahnung“, hör ich Torsten sagen.

Dann klappt die Türe wieder zu.

„Oh Mann, muss der mich jetzt suchen“, stöhnt Frank auf, „ich muss los, leider.“

„Ist schon Ok, wir haben ja den Nachmittag für uns“, sag ich, nachdem ich die Shorts über das mittlerweile wieder schrumpfende Glied gezogen habe.

„Geh lieber, bevor du Ärger bekommst, das wäre nicht gut für uns beide“, sag ich, dreh mich um und küsse ihn kurz auf den Mund.

„Bis nachher, mein Schatz“, sagt er und öffnet das Bad und geht schnell hinaus.

Ich rasiere mich mal wieder im Gesicht, obwohl da nicht allzu viel zu sehen ist. Unten rum habe ich mich noch nie rasiert, ich habe aber schon mal drüber nachgedacht, alles ein bisschen in Form zu bringen

 Die Zähne werde ich erst nach dem Frühstück putzen, sonst schmeckt das Frühstück nicht so gut. Jetzt werde ich erst mal wieder auf das Bett krabbeln und warten, das Frank was zum Essen und vor allem Kaffee bringt. Torsten schaut mich an, als ich aus dem Bad komme.

„Ich bin sehr zufrieden mit deiner Reaktion auf Hugos Frage. Danke, dass du für uns gelogen hast. Heute hast du was gut bei mir. Deshalb nehme ich dich nachher um zehn Uhr mit in die Cafeteria und gebe einen aus“, sage ich zu ihm.

Er strahlt und meint: „Ich kann auch nett sein und für meine Freunde mal lügen, obwohl ich das Lügen eigentlich nicht mag. Aber ich wollte auch nicht, das ihr Ärger bekommt wegen unerlaubter Spielchen im Bad.“

Verdammt, warum werde ich immer gleich rot im Gesicht, wenn ich ertappt worden bin. Sein wissendes Lächeln sagt mir, das er weiß, dass er wieder mal ins Schwarze getroffen hat mit seiner Bemerkung. Vielleicht sollte er wirklich zur Kripo gehen später, Hellseher wäre auch noch eine Alternative.

*-*-*

Jerome

Es ist zehn Minuten nach neun, als ich die Augen öffne. Die Uhr auf dem Schrank neben dem Bett liegt genau in meinem Blickfeld. Im ersten Moment denke ich gar nicht daran, das ja Sergej bei mir schläft, aber der Druck gegen meinen Po und die dabei übertragene Wärme lassen es direkt wieder real werden.

Mein Schatz hat zum zweiten Mal zusammen mit mir in meinem großen Bett geschlafen. Zum zweiten Mal seit meiner Kindheit habe ich das Bett mit jemandem geteilt und es fühlt sich so verdammt gut an, auf zu wachen und den Körper des anderen zu spüren. Langsam und vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, drehe ich mich mit dem Gesicht zu ihm herum.

Ich schiebe meinen Kopf ganz dicht an seinen Nacken und stecke meine Nase zart in seine Haare. Tief atme ich seinen Geruch ein. Mit geschlossenen Augen, ganz auf meine Nase konzentriert. Er riecht so gut und so aufregend, das könnte schon fast wie eine Droge für mich werden.

 Tief einatmend genieße ich den Duft seiner Haare, spüre seine Wärme und bin einfach nur zufrieden. Welch ein Gefühl, es ist so intensiv, so gut, so könnte es bleiben, denk ich. Ich hätte nie gedacht, dass man so intensiv fühlen kann für einen Menschen. Das kann einfach nur Liebe sein, denn vorher hatte ich solche Gefühle noch nie.

*-*-*

Sergej

Ich bin schon seit einer halben Stunde wach, der Besuch in Dresden beschäftigt mich auch jetzt, deshalb habe ich nicht sonderlich fest geschlafen. Jerome ist auch jetzt wach, er hat sich umgedreht und steckt seine Nase in meine Haare am Nacken und schnieft die Luft durch die Nase. Er glaubt offensichtlich, dass ich noch schlafe.

Mein Po, der die ganze Zeit an seinen gedrückt war, hat die Tuchfühlung verloren. Langsam und mit einem gespielten Seufzer strecke ich mich etwas und schieb meinen Po wieder an ihn ran, diesmal aber gegen den „Südpol“. Ich frage mich, wie das wohl sein wird, wenn wir mal richtig miteinander schlafen? Im Augenblick übersteigt das meine Vorstellungskraft ein bisschen.

Natürlich hat er, wie ich auch, eine Morgenlatte und gegen die schieb ich gerade meinen Po, wobei er immer noch glaubt, ich würde noch schlafen. Das fühlt sich gut an und innerlich grinse ich. Es lenkt ein bisschen meine Gedanken weg von Dresden, hin zu ihm, zu meinem Schatz, den ich so richtig lieb gewonnen habe in den letzten Tagen.

Ich wundere mich selbst, wie das so schleichend angefangen hat und dann so schnell mehr wurde, und jetzt, jetzt will ich ihn schon gar nicht mehr hergeben. Er hat gesagt, er liebt mich und ich spüre, dass er das ehrlich meint.

Mir ist es auch ernst, wenn ich zu ihm sage, dass ich ihn liebe. Auch wenn diese Gefühle eigentlich so neu sind für mich, ich weiß doch genau, was ich für ihn empfinde. Er ist so ein toller Mensch, trotz seiner Behinderung oder vielleicht auch gerade deswegen. Jedenfalls ist er so einfach in mein Leben geschlichen und jetzt will ich ihn behalten, wenn’s geht, für immer.

*-*-*

Jerome

Ich habe plötzlich so ein Gefühl, dass mein Schätzchen doch nicht mehr schläft. Er hat ganz langsam aber stetig seinen Po an meine Morgenlatte geschoben, so auffällig unauffällig, dass es mir jetzt gerade klar wird, dass er doch nicht mehr ratzt. Der  Atem geht auch so gezwungen gleichmäßig, dass ich mir sicher bin, dass er doch schon wach ist.

 Das werde ich mal sofort testen. Mit meiner weit rausgestreckten Zunge fahre ich einfach mal tief in sein Ohr. Sofort zuckt er zusammen, gar nicht so, als wenn er noch schlafen würde. „Guten Morgen“, flüstere ich in sein Ohr und blase ein bisschen hinein. Die Hand kommt nach oben und legt sich schützend über das Ohr.

„Hallo, mein heimlich nicht mehr Träumer“, sag ich und küsse seine Hand.

Er dreht sich um, legt sich auf den Rücken und wartet darauf, dass ich ihn küsse. Seine Augen halten mich gefangen, tief tauche ich in sie, finde Liebe und Sehnsucht. Meine Lippen treffen auf seine und es bedarf nur eines kleinen Stupsers mit der Zunge, um seine hervor zu locken.

Wir geben uns ganz dem Kuss hin und ich lege alle meine Liebe hinein in diesen Kuss und wie bei einem Echo kommt auch ganz viel Liebe zurück.

Die Zeit hält den Atem an, das Blut rauscht in den Ohren und ich habe das Gefühl, dass unsere Seelen sehr intensiv miteinander spielen. Mein Herz schlägt wie verrückt und auch seins pocht heftig unter dem dünnen Stoff des T-Shirts.

Eine gefühlte halbe Stunde später lösen wir uns voneinander, nur die Augen halten intensiv Kontakt. Wir atmen beide schneller und es dauert etwas, bis sich alles in uns beruhigt. „Ich liebe dich“, hauch ich auf seine Wange.

„Ich liebe dich auch“, kommt es eben so leise zurück.

Ich lege meinen Kopf auf seine Brust, lausche seinem Herzschlag und bin eigentlich gerade wunschlos glücklich.

*-*-*

Ole

Frank kommt mit dem Frühstück zur Türe herein. Das erste Tablett bekommt Torsten, danach kommt er mit meinem Tablett an mein Bett und stellt es dort ab. Dann bekomme ich erst mal einen Kuss. So lass ich mir das gefallen, so einen Morgen, den hätte ich schon gern öfter. „Und wer küsst mich?“, kommt es von Torsten.

„Warte“, sagt Frank, „ich geh schnell den Heiner rufen, der ist auch da heute Morgen.“

„Äh, vergiss es, nur nicht. Ich will keinen schwulen Kuss“, ruft er grinsend und wendet sich seinem Frühstück zu.

Wir lachen und Torsten lacht mit.

„Ich muss los, sonst wird Hugo sauer. Er hat vorhin schon bös geguckt, weil er nicht wusste, wo ich war“, sagt Frank und nach einem weiteren Kuss verlässt er das Zimmer. Wir frühstücken in aller Ruhe und heute Morgen esse ich selber alles auf.

„Wenn die Visite durch ist, fahren wir runter in die Cafeteria“, sag ich zu Torsten, „da kannst du dir ja noch ein paar Stücke Kuchen oder so was ähnliches genehmigen, du bist doch bestimmt noch nicht satt.“

„Mal sehen, was sie da haben da unten“, meint er kauend, „wenn es was Gutes gibt, werde ich auch noch was essen.

Zum Abräumen kommt diesmal Hugo und nicht Frank. Der wird wohl anderweitig unterwegs sein, denk ich. Na ja, wir sehen uns ja heute noch sehr lange, da muss ich jetzt nicht traurig sein. Torsten hält auch die Klappe, was mich zwar wundert, aber er will sich wohl unseren Ausflug in die Cafeteria nicht verscherzen.

Eine halbe Stunde nach dem Frühstück kommt die Visite, heute am Samstag allerdings ohne den Chef. Ich frage noch mal nach, ob das für Montag mit der Schule geregelt ist und bekomme eine positive Antwort. Frank ist auch bei der Visite nicht anwesend, offensichtlich hat er andere Aufgaben bekommen.

Nach dem die Visite beendet ist, ziehen wir uns was über und fahren dann mit dem Aufzug nach unten. Ich schiebe Torsten in die Cafeteria und wir suchen uns einen freien Tisch. Heute ist eine weibliche Bedienung da und Torsten starrt bei der Bestellung voll auf die nicht unerhebliche Oberweite der jungen Frau.

„Pass auf, dass du keine Stielaugen bekommst“, sag ich, als sie wieder weg ist.

„Mann, hat die ein paar Dinger“, sagt er ganz ehrfurchtsvoll, „da sind meine Hände zwei Nummern zu klein dafür.“

„Nicht nur deine Hände“, sag ich, „die ist doch mindestens zwanzig und du noch keine sechzehn, da hast du doch eh nie eine Chance.“

„Das wäre mir auch ein bisschen zu viel des guten, da in der Bluse“, meint er kichernd, „auf so was stehe ich nicht.“

Er grinst und sagt: „Deine Schwester, die würde mir schon sehr gefallen, aber die hat ja leider schon einen Scheich.“

 „Heiner ist kein Scheich. Der ging vorher mit mir in eine Klasse und das ist ein netter Kerl, mit dem ich mich gut verstehe.  Den könnte ich mir als Schwager schon vorstellen, während ich mir bei dir noch nicht so sicher bin, ob ich dich als Schwager möchte“, antworte ich ihm grinsend.

„Gut, dass deine Schwester deine Genehmigung nicht braucht, um sich einen Freund aus zu suchen. Ich finde sie auf jeden Fall Klasse und wenn sie kommt, soll sie das auch merken“, sagt Mister Selbstgefällig zu mir.

„Wie du meinst, Torsten, versuchen kannst du ja dein Glück, aber ich glaube momentan nicht an deinen Erfolg“, sage ich ihm meine ehrliche Meinung.

Die junge Frau bringt jetzt die bestellten Sachen und diesmal starrt Torsten nicht mehr so hin. Ich möchte gleich bezahlen und sie rechnet alles schnell zusammen.

„Vier Euro sechzig bitte „, sagt sie. Ich reiche ihr einen Zehn Euroschein und sage: „Ziehen sie Fünf Euro ab“.

Mit einem netten Lächeln bedankt sie sich, als sie mir einen Fünf Euro Schein zurückgibt.

Torsten, der sich einen Schokodonut bestellt hat, probiert, um dann ein großes Stück abzubeißen.

„Mhhm, lecker“, macht er kaum verständlich mit vollem Mund und er strahlt übers ganze Gesicht. „Mach langsam, es nimmt dir keiner was weg“, kann ich mir nicht verkneifen, zu sagen. Ich schlürfe den heißen Cappuccino und schau ihm beim Essen, oder besser gesagt, beim Schlingen zu.

*-*-*

Sergej

Seit etwa zwanzig Minuten liegt Jerome mit seinem Kopf auf meiner Brust und rührt sich kaum. Ich kraule durch seine kurzen Haare und ab und zu seufzt er wohlig und lässt mich machen. Seinen linken Arm hat er über meinen Bauch und seine Hand unter das Shirt auf meine Seite gelegt, wo er sanft und zärtlich rauf und runter streichelt.

Wir genießen die Nähe des anderen und tun uns einfach gegenseitig gut. Ein warmes Gefühl von Nähe und Liebe hat sich in mir breit gemacht und Dresden ist weit im Hinterkopf verschwunden. Im Moment ist einfach nur Jerome wichtig, mein Schatz, und ich bin wieder mal sehr erstaunt über die Intensität meiner Gefühle für ihn.

 Da ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten habe, gehe ich einfach davon aus, dass das hier die ganz große Liebe, vielleicht oder besser hoffentlich, die Liebe meines Lebens ist. Ich hatte noch nie solche Gefühle, nie solches Verlangen und auch nie das Bedürfnis, mit einem anderen Menschen so nah zusammen zu sein, wie jetzt mit ihm, mit meinem Jerome.

„Ich liebe dich, Jerome“, sage ich, „ ich weiß nicht, wie du das gemacht hast, dass ich dich so sehr liebe. Es ist einfach so über mich gekommen und ich kann gar nicht anders, kann und will auch nichts tun gegen die Gefühle, die du in mir geweckt hast. Aus dem ersten linden Lüftchen von Zuneigung, das ich bei unserem Kennen lernen hatte, ist ein starker Sturm  geworden, der mich fast von den Füssen reißt, so sehr hab ich dich jetzt schon lieb.“

Er hebt den Kopf  und schaut in meine Augen und sagt: „Ich fand dich am Anfang einfach sehr sympathisch, dann merkte ich, dass es mehr wurde, viel mehr als nur Sympathie. Als ich dann träumte von dir, als du dich in meinem Kopf eingenistet hast, da habe ich realisiert, dass ich mich wohl verknallt habe in Dich.

Und jetzt bist du zum besten Teil meines Lebens geworden, schneller, als ich es begreifen kann, hast du mich und mein Herz erobert und ich möchte dich nie mehr gehen lassen.“ Seine Lippen legen sich auf meine und wir versinken küssend in einem Meer aus Glück.

Jerome

Nach weiteren fast zwanzig Minuten, die wir schmusend und küssend verbracht haben, klopft es an der Tür. Ich löse unsere Umarmung und richte mich auf.

„Herein“, rufe ich und Martin kommt ins Zimmer.

„Guten Morgen, ihr beiden, es ist schon zehn Uhr und wie müssen mal kurz über den Tag heut und über unsere Fahrt morgen reden“, sagt er.

„OK, Martin, wir machen uns fertig und kommen runter“, sag ich, „sag bitte Frau Gut, das wir in einer halben Stunde frühstücken möchten und sie soll auch ein Gedeck für dich hinstellen. Wir können dann beim Frühstück alles besprechen.“

„OK, mach ich, bis nachher dann“, sagt er und geht wieder runter. Sergej ist nun ebenfalls aufgestanden und ich schau ihn an und frage mit einem schrägen Blick: „Duschen?“

Dabei grinse ich ein wenig lüstern, was bei ihm ebenfalls zu einem wissenden Grinsen führt. „Das hört sich gut an“, sagt er.

 Ich zieh den Rolli zu mir und ziehe meine Kleider, sprich Shirt und Shorty aus und schwinge mich nackt in den Stuhl. Die Vorfreude ist sehr deutlich sichtbar und treibt Sergej zu höherem Tempo beim Ausziehen an. Ich rolle los in Richtung Bad, Sergej folgt mir auf den Fersen oder besser gesagt, auf den Reifen. Im Bad macht er das Plastik um seine Hand, dann kommt er zu mir unter die Dusche.

Das Duschen verläuft in etwa so, wie es gestern gelaufen ist und sauber, sehr zufrieden und trocken ziehen wir uns dreißig Minuten später an und gehen dann nach unten. Frau Gut hat alles auf den Tisch gestellt, Martin und auch Mama sitzen bereits Kaffee trinkend am Tisch und Mama begrüßt Sergej und mich freundlich.

Nach dem ich Mama mit einem Kuss begrüßt habe, setzen wir uns an den Tisch. Mama schenkt uns Kaffee ein und ich schneide Sergej ein Brötchen auf und bestreiche es Wunsch gemäß mit Nussnougatcreme. Dann schmier ich mir ebenfalls ein Brötchen mit dem gleichen Belag und beginne, zu essen.

Dabei schau ich Martin an, der dann auch prompt fragt: „Zunächst muss ich wissen, wann wir morgen nach Dresden fahren oder besser, wann Sergej dort sein will.  Wissen möchte ich aber auch, wie lange wir eventuell dort bleiben und natürlich, ob wir dort übernachten werden“. „Ich wollte zum Mittagessen bei meinen Eltern sein, wenn das geht“, sagt Sergej und schaut Martin an.

„Wir brauchen etwa fünf Stunden für die Strecke. Wenn wenig Verkehr ist,  brauch wir immer noch vier Stunden“, sagt Martin.

„Oh, so lange“, sag ich.

„Nun ja, es sind knapp Fünfhundertvierzig Kilometer zu fahren“, erklärt Martin die lange Fahrzeit, „also müssen wir so um halb acht los. Das heißt, dass wir nicht ewig lang bei Werder bleiben können, obwohl, da ist ja nicht so lange offen.“

 „ Bei Werder ist zwei Stunden nach dem Spiel Schluss. Wir müssten aber dann schon so um viertel nach sechs aufstehen, wenn wir noch in Ruhe frühstücken wollen“, sag ich, „Sergej und ich können ja im Auto noch ein bisschen schlafen, oder nicht, Martin.“

 „Ja, klar könnt ihr, wenn ihr wollt. Ich kann mir aber vorstellen, dass Sergej ziemlich nervös sein wird“, sagt Martin mit Blick auf meinen Freund.

 „Es wird schon alles gut werden“, meint Mama und schaut Sergej lieb an.

„Hoffentlich“, sagt der leise und auch ich hoffe das gerade sehr für meinen Schatz.

„Meine Mutter ahnt bestimmt was in der Richtung und sie wird mich auch nicht fallen lassen, aber bei Papa habe ich überhaupt keinen Plan, wie er reagieren wird“, erklärt Sergej seine Unsicherheit.

 „Wenn alle Stricke reißen, Sergej, dann findest du bei uns auf jeden Fall Verständnis und Mitgefühl und natürlich auch so viel Familie, wie du von uns gerne möchtest. Ich will damit sagen, dass du nicht allein sein wirst, wenn es, was ich nicht glaube, total schief gehen sollte. Wir mögen dich alle schon sehr gern, auch wenn wir uns erst so kurz kennen“, sagt Mama und das meint sie auch echt genau so, das spürt man.

„Danke, Frau Remmers, das ist schon eine große Hilfe, zu wissen, dass man eventuell nicht ins Bodenlose fällt, das Menschen da sind, die mich auffangen. Trotzdem liebe ich meine Leute, Mama, meine Geschwister und auch meinen Papa sehr und es wäre schlimm für mich, wenn sie mich nicht mehr wollten“, sagt er und man merkt förmlich, wie ihn das quält.

Ich nehme ihn in den Arm, drücke ihn an mich und schmuse über seine Wange und sage in sein Ohr: „Ich bin in deiner Nähe morgen und wenn du mich brauchst, bin ich da. Ich für mich habe ein gutes Gefühl, denn wenn ihr eine so gut harmonierende Familie seid, wie du erzählt hast, dann wird das nicht so schief gehen, das sie dich nicht mehr wollen. Vielleicht braucht dein Papa ein bisschen Zeit, aber er wird es bestimmt akzeptieren, früher oder später.“

„Ich hoffe es, aber wie ich bereits sagte, haben wir nie über Homosexualität gesprochen und normalerweise ist das im Kulturkreis meiner väterlichen Vorfahren mit Sicherheit nichts, was man ohne weiteres tolerieren würde. Wie aber Papa darüber denkt, werde ich wohl erst morgen erfahren und ich hoffe, dass meine heile Welt dann nicht zusammen bricht“, sagt er.

Er hat sein Brötchen nicht auf gegessen, so nervös ist mein Schatz. „Komm, esse noch was, Sergej“, sag ich,  „wir haben noch einen langen, und hoffentlich aufregenden Tag vor uns. Martin, was meinst du, gewinnt Werder heute oder der HSV?“

 „Werder reicht ein Unentschieden für die Qualifikation zur Champions League“, sagt Martin, „da wird wohl taktisch etwas verhaltener gespielt, um nicht gleich ein Gegentor zu kassieren. Wenn sie verlieren, sind sie aus den Internationalen Spielen raus. Das wäre nicht gut für den Verein.“

„Sergej, was meinst du, wer gewinnt“, versuch ich ihn, auf andere Gedanken zu bringen. „Ich weiß nicht, wer heute Abend die Nase vorn hat, aber ich wünsche es mir wohl auch für Bremern“, sagt er, „nur, der HSV ist auch nicht schlecht und im Nordderby zu verlieren, das werden sie nicht wollen. Ich freu mich aber, das alles mal aus einer anderen Perspektive sehen zu können und vielleicht noch ein paar Autogramme abzustauben, das wäre Klasse.“

„Wie wollt ihr es denn halten dort, wollt ihr als Paar auftreten oder nur einfach als Freunde“, fragt Mama. Ich schaue Sergej an und der mich. „Wenn Jerome nichts dagegen hat, möchte ich schon, das man sehen kann, das wir mehr als nur Freunde sind“, sagte er, „aber ich möchte nicht, das es deswegen Ärger gibt, also schauen wir erst mal, wie es dort ist.“

Ich bin mit dieser Antwort mehr als zufrieden, entspricht sie doch auch meinen Vorstellungen. Wir werden nicht aggressiv rüberbringen, das wir schwul und zusammen sind, aber wir werden uns auch nicht verstecken hinter einer „Nur Freunde Fassade“. Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange, während ich ihm noch ein Brötchen aufschneide.

Das Andere hat er gegessen und ich finde, wo eins Platz hatte passt auch noch ein zweites hin. Sergej ist jetzt wieder etwas lockerer geworden und das Fußballgespräch lenkt ihn auch noch etwas ab. „Welches Auto hast du denn vorgesehen für nachher, nehmen wir den Audi  A acht?“, frage ich jetzt Martin.

„Nein“, antwortet der, „ wir nehmen den SUV, den Achter nehmen wir morgen früh, der ist besser für die lange Fahrt, bequemer und auch schneller.“ „Ok“, sag ich „dann können wir ja schon mal die Sachen für morgen Früh zusammen packen, dann haben wir die Zeit gespart. Wir packen mal Sachen für drei Tage ein, falls wir noch in Dresden bleiben“.

Sergej guckt mich an und fragt: „Wo übernachten wir denn dann, bei uns wird das nicht gehen mit drei Leuten, wenn sie uns überhaupt da haben wollen?“ „Im Hilton, wir haben da ein bisschen zu sagen, Papa, mein ich. Der bestellt unsere Zimmer dort vor, egal ob wir bleiben und auch egal, wie lange“, sag ich zu ihm.

„Komm, wir gehen packen, anschließend können wir noch in den Park, ich muss noch ein bisschen trainieren und nach dem Mittagessen fahren wir dann gegen vierzehn Uhr los ins Matschcenter“, sag ich und steh auf. Mama fragt: „Willst du eine Kreditkarte mit holen nach Dresden oder lieber Geld?“

„Gib Martin eine Karte mit, uns gibst du dann was Bares, dann kommen wir auch nicht in Verlegenheit, wenn wir unterwegs was brauchen“, sag ich, „ im Hotel kann Martin dann die Karte holen und fürs Tanken hat er ja eh eine extra Karte. So sind wir auf alles vorbereitet.“

Mama steht auf und holt für  Martin eine Kreditkarte und sagt:  „Wenn du nachher den Wagen für Morgen tankst und wäscht, kannst du auch noch Fünfhundert Euro für die Jungs abholen. Das können sie dann mit holen. Heute Nachmittag ist ja Karl August dabei, der regelt die Bezahlung im Stadion.“ Wir stehen auf, um hoch zu gehen und Martin geht das Auto für Morgen fit machen.

Oben, nachdem wir ein bisschen geschmust haben, zieh ich mir einen Trainingsanzug an uns gebe Sergej auch einen. Wir haben so gut wie dieselbe Größe in den Kleidern und auch Gewicht und Proportionen sind ziemlich gleich.

 Er ist vielleicht drei Zentimeter größer als ich, aber vielleicht kann ich ja die neuen Prothesen um drei Zentimeter aufstocken lassen von Schmelzer, dann wären wir gleich groß.

Wir ziehen uns um, dann gehen wir in den Park und drehen ein paar Runden. Unterwegs fällt mir wieder das Baumhaus ein, nach dem ich ja unbedingt mal schauen wollte. Jetzt, wo Sergej dabei ist, könnten wir mal danach gucken gehen.

*-*-*

Frank

Der Vormittag zieht sich wie Gummi, die zwei, Ole und Torsten sind runter in die Cafeteria und wollen anschließend noch ein bisschen an die frische Luft. Hugo scheucht mich ganz schön rum heute, zur Strafe, weil ich ja kurz verschwunden war heute Morgen. Gut, das Torsten für uns gelogen hat. Wenn Hugo ins Bad gekommen wäre, wer weiß, was er gesagt hätte.

Als ich von unten aus der Röntgenabteilung komme, ich habe dort jemanden abgeholt, steht der Chefarzt vor dem Stationszimmer, Hugo und eine andere Schwester, Gisela heißt die, stehen ebenfalls dort. Nach dem ich den Patienten in sein Zimmer zurück gebracht habe, geh ich auf das Stationszimmer zu.

„Frank“, sagt der Chefarzt zu mir, „kommen sie mal bitte her, wir müssen da was besprechen.“ Er geht in das Zimmer hinein und ich folge ihm. Hugo und Schwester Gisela, sie ist die Stationsschwester, warten schon auf uns. „Schließen sie mal die Türe, Frank und dann setzen sie sich“, sagt der Chef. Mir ist ganz komisch, was will denn der von mir.

„Ich kenne sie als engagierten jungen Mann, der bis heute noch nichts schlimmes hier getan hat. Umso mehr war ich verwundert, als ich heute Morgen eine Brief bekommen habe, in dem steht, das sie hier angeblich mit einem minderjährigen Patienten einen mehr als nur freundschaftlichen Kontakt pflegen sollen“.

Ich werde ganz heiß im Gesicht, was geht denn hier ab. Mann, jetzt muss ich ganz cool bleiben, was meint dann der? Ole? Außer Torsten und Oles Mutter weiß keiner was über uns und Torsten macht so Dinger bestimmt nicht. „Ich weiß jetzt nicht, was sie damit sagen wollen. Vielleicht können sie das mal genauer sagen, was ich angeblich hier gemacht haben soll, Herr Professor“, sag ich gezwungen ruhig.

„Nun, ich habe einen anonymen Brief bekommen, in dem auch ein Foto ist, auf dem sie mit dem fünfzehnjährigen Torsten Sieber zu sehen sind. Hier, bitte“, er hält mir ein Bild hin, „ das sieht auf dem Bild so aus, als ob sie sich zu ihm runter beugen und ich küssen wollen. Der Briefschreiber sagt in seinem Brief, das sie homosexuell sind und sich offensichtlich an den Jungen heran gemacht haben“, fasst der Professor die Vorwürfe gegen mich zusammen.

Auf dem Bild sind  der Rollstuhl mit Torsten und ich, wie ich mich seitlich zu ihm runter beuge, zu sehen. Das war, als wir im Park spazieren waren und von Ole ist nichts auf dem Bild zu sehen, da er weiter seitlich neben mir ging. Das war an dem Tag, als Paul hier war, fällt es mir sofort ein. Bor, dieses Schwein, will mich hier rein reißen, von wegen Sex mit einem minderjährigen Patienten.

„Das Bild ist hier vor dem Eingang zum Park aufgenommen, auf dem Bild ist nicht zu sehen, dass der Patient Ole Jensen, der Mitpatient auf dem Zimmer von Torsten Sieber, seitlich hinter mir geht. Wir sind zusammen spazieren gegangen, Torsten hatte am Morgen, nach ihrer Visite, den Liegegips abgemacht bekommen und konnte noch nicht allein laufen.

Als der Patient Jensen spazieren gehen wollte, hat Torsten Sieber mich gefragt, ob ich ihn nicht auch mal mit dem Rollstuhl an die frische Luft fahren könnte. Herr Jensen konnte ja auf Grund seiner Handverletzung den Rollstuhl nicht so lange schieben, also habe ich zugesagt. Dass ich mich zu ihm runter gebeugt habe, hat überhaupt keine Bedeutung, jedenfalls keine, die mit Sex oder Liebe in Zusammenhang steht.

Ich kann versichern, dass es zwischen diesem Jungen und mir überhaupt nichts gibt, was diese infamen Vorwürfe rechtfertigen würde. Das werden die beiden unabhängig voneinander bestimmt auch so bestätigen.“

„Gut, Frank, ich kenne sie jetzt lange genug, und weiß, dass die Wahrheit ist. Ich hatte auch vorher keine Zweifel daran, dass diese Geschichte hier nicht stimmt. Ich muss allerdings einem solchen Vorwurf schon auf den Grund gehen. Wer kann denn ihrer Meinung nach ein Interesse daran haben, sie hier so in die Pfanne zu hauen, das ist ja schon kriminell, so was“, sagt der Chef ärgerlich und mir fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen.

„Ich hatte lange Zeit einen Freund, Paul Oppermann“, erzähle ich jetzt, „der jetzt in München studiert. Er hat dort ein anderes Verhältnis angefangen und ich bin dahinter gekommen und habe mit ihm Schluss gemacht. Das hat ihn überrascht und er will das einfach nicht akzeptieren. Ich will aber nichts mehr von ihm wissen.

Nun will er mich mit aller Gewalt zurück und hat an dem Tag, an dem das Bild gemacht wurde, als wir von diesem besagten Spaziergang zurück kamen, hier unten vor dem Aufzug einen Riesenaufstand gemacht und mir dort schon öffentlich unterstellt, ich würde was mit dem Jungen im Rollstuhl haben. Dafür gibt es auch einige Zeugen. Nur er kann das hier geschrieben und geschickt haben“.

„Dann betrachte ich das mal in Bezug auf sie, Frank, als erledigt“, sagt der Chef, „es hätte mich auch sehr gewundert, wenn sich diese Anschuldigung als richtig rausgestellt hätte.“ „Könnte ich den Brief bekommen, das möchte ich nämlich nicht auf mir sitzen lassen“, sag ich zum Chef.

Der überlegt kurz und sagt dann: „Sie können das Original bei mir im Vorzimmer abholen, so in einer Stunde. Meine Sekretärin macht eine Kopie von den Unterlagen und dann gebe ich sie Ihnen.“ „Danke“, sag ich und geh dann wieder an meine Arbeit. Bald kommt das Essen hoch und dann müssen wir wieder springen.

*-*-*

Torsten

Ich habe den „ klitzekleinen“ Donut mit gerade mal vier Bissen alle gemacht. Jetzt überlege ich, was ich denn noch essen könnte. „Wie viel Uhr ist es denn, Ole?“, frag ich. „Wir haben zehn nach Elf, warum? Hast du noch was vor?“, will der wissen. „Nein, ich überlege nur, ob ich vor dem Mittagessen noch eine Kleinigkeit verputzen soll oder nicht“, sag ich.

„Ich mach dir einen Vorschlag. Wir gehen jetzt noch eine Runde an die frische Luft und dann hoch zum Essen. Wenn es nicht schmeckt, können wir ja wieder runter gehen und hier noch was essen“, sagt er und der Vorschlag gefällt mir gut. „OK, dann schieb mich mal raus“, sag ich, „bezahlt hast du ja schon, also können wir gleich los.

Ole schnappt sich den Griff des Rollis und schiebt mich nach draußen. „Soweit können wir aber nicht gehen“, sag er, „mit einer Hand geht das nicht so gut. Du kannst ja mit deiner gesunden Hand ein bisschen mithelfen. Dreh einfach ein bisschen am Rad.“

Ich muss lachen: „Das willst du aber jetzt echt nicht, das ich am Rad drehe oder meinst du das Rad vom Rolli?“  „Was denn sonst“, sagt Ole und muss auch lachen. Ich versuche in einem Rhythmus mit seinen Schritten das Rad des Rollstuhls zu drehen und wenn er langsam geht, klappt das auch gut mit dem Fahren.

Weil es gut klappt, machen wir dann doch eine große Runde durch den Park, aber ganz gemütlich, mit Rast auf einer Bank, so dass wir bald eine dreiviertel Stunde unterwegs sind, bis wir wieder am Eingang ankommen. Jetzt ist es Zeit, hoch zu fahren, weil bald das Essen kommt. Fünf Minuten später sind wir wieder oben im Zimmer und ich liege wieder auf dem Bett. Ole ist auf die Toilette.

*-*-*

Jerome

Als wir während der dritten Runde in die Nähe des Baumhauses kommen, bleibe ich stehen. „Sergej, jetzt, wo du hier bei mir bist, möchte ich den Weg verlassen und dort vorne zu der Baum- und Gebüschgruppe gehen.

Dort hatte ich mit fünfzehn, in meinem Baumhaus, die Erleuchtung, das ich wohl eher auf Jungs stehe, also schwul bin. Das war schlimm für mich, denn ich wollte das eigentlich nicht sein. Ich habe das Baumhaus später nicht mehr aufgesucht, würde es aber gern mal wieder anschauen“, sag ich, „ geh mal mit mir dort hin.“

„Du hattest echt dein eigenes Baumhaus?“, fragt er, „cool, so was hätte ich auch gern gehabt, aber in der Stadt konnte man ja keins bauen.“ „Martin hat es gebaut, Natascha und ich haben geholfen, das war, als ich elf geworden bin“, sag ich, „dort haben wir immer gespielt, wenn einigermaßen Wetter war.“

Wir gehen die fünfunddreißig Meter bis zum Rand des kleinen Wäldchens, von dort aus sehen wir in  fünfzehn Meter Entfernung das Baumhaus, das etwa drei Meter über dem Boden in eine große Astgabel hinein gebaut ist. Etwa zwei mal drei Meter ist es groß, mit Dach und einem Vorbau, auf den man mit Hilfe einer Strickleiter klettern kann.

Die Leiter sieht nicht mehr gerade so aus, als könnte man noch hochklettern, sehen wir, als wir den Baum erreicht haben. Die fünfzehn Meter durch das Gestrüpp habe ich mich mal vorsichtshalber an Sergej festgehalten. Ich ziehe jetzt an der Leiter, die auch unten im Boden befestigt ist und hänge mich auch mal dran. Die Seile scheinen doch noch zu halten.

„Ich klettere mal hoch“, sag ich und versuche mich an der Leiter, die wohl doch mehr aushält, als ich ihr beim ersten Blick nach so langer Zeit zugetraut habe. Sergej will trotz seiner verbundenen Hand auch über die Leiter zur  Plattform und dann in das Baumhaus.

 Zuerst werde ich dann mal probieren, ob das mit Max und Moritz funktioniert und ob die Leiter hält.    Ich ergreife eine Sprosse so weit oben, wie möglich und stell Max auf die unterste Sprosse. Hoffentlich komme ich relativ gut über den Rand der Plattform. „Geht es, Jerome“, will Sergej wissen. Ich ziehe mich hoch und setze Moritz auf der zweiten Sprosse auf.

Mir der freien Hand greif ich die nächste Sprosse und so weiter, bis ich mit dem Bauch auf der Plattform liege. Kurz darauf habe ich es geschafft, ich bin komplett oben, mit Max und Moritz. Ich schaue nach unten, wo Sergej jetzt trotz seiner verbundenen Hand versucht, hoch zu steigen.

Er hält sich geschickt mit dem Unterarm um das Außenseil fest und nimmt immer nur eine Stufe. Mit der gesunden Hand zieht er sich jeweils hoch und hält mit dem Unterarm das Gleichgewicht.

 Oben helfe ich ihm über den Rand der Plattformrand hinweg und nun sitze ich mit meinem Schatz auf der Plattform von meinem alten Baumhaus.

„Hier habe ich gesessen, als mir klar wurde, das ich Jungs mag und nun sitze ich hier mit dir, dem Besten, was mir bisher im Leben begegnet ist. Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben, und das Gefühl, hier mit dir zu sitzen, ist überwältigend“, sag ich und zieh in an mich. Wir sehen uns tief in die Augen, die feucht glänzen und unsere Lippen finden sich zu einem zärtlichen, liebevollen Kuss.

Nach einer Weile lösen wir uns voneinander und schauen in die Runde. So etwa vier Meter über dem Boden mit den Augen sehen wir fast den gesamten Park vor uns und hinten bei den Gemüsebeeten ist unser Gärtner bei der Arbeit. Im Baumhaus selber hat sich im Laufe der letzten drei Jahre viel Laub angesammelt.

 Vielleicht werden wir bei der nächsten Gelegenheit mal ein wenig  aufräumen und gucken, ob es noch soweit in Ordnung ist, das man es gefahrlos benutzen kann. Sergej scheint meine Gedanken lesen zu können, denn er sagt: „Hier möchte ich im Sommer mal eine Nacht mit dir verbringen“.

„Das wird bestimmt sehr romantisch mit uns beiden hier“, sage ich grinsend, „da müssen wir aber genau untersuchen, ob noch alles stabil ist, nicht das wir, wenn es gerade am romantischsten ist, mit dem Baumhaus den Abflug nach unten machen. Das wäre mehr als nur peinlich, wenn man uns nackt aus den Trümmern ziehen müsste“.

 Wir lachen nun beide bei der Vorstellung, dass wir von Martin oder Kai unter dem Berg alter Bretter hervor gezogen werden müssten ohne einen Fetzen Textil am Körper. „Wie sollten uns mal an den Abstieg wagen, der ist etwas schwieriger, denk ich, wie das Hochklettern“, meint Sergej.

„Wir machen es so“, sag ich, „du fängst an, ich halte dich bis du sicher auf der Leiter stehst und wenn ich mich auf den Bauch lege, kann ich dich so lange halten, bis du so greifen kannst wie beim aufsteigen. Ich kann mich dann ja mit beiden Händen festhalten, wenn ich runter steige.“

So gehen wir es an und es klappt auch, ohne dass einer von uns Probleme kriegt. Trotzdem bin ich froh, als wir wieder heil auf dem Boden sind. „Bei so was merkt man erst, wie das ist, wenn man körperlich eingeschränkt oder gar behindert ist“, sag ich zu Sergej, „ mit gesunden und vollständigen Gliedmaßen geht das alles viel besser.“

Wieder auf dem Weg, beenden wir die Runde und als wir wieder ans Haus kommen, sage ich nur ein Wort, nämlich „Duschen“. Wir grinsen beide, als wir uns anschauen und gehen ins Haus. Mama sagt: „Wir wollen in einer dreiviertel  Stunde zusammen essen und dann will Papa mit euch losfahren, nach Bremen ins Matchcenter“.

„OK, Mama, wir gehen mal noch schnell duschen. Stell dir vor, wir zwei sind in das alte Baumhaus geklettert, ich mit Max und Moritz und Sergej trotz seiner verletzten Hand und es hat gut geklappt.“

„Man sieht es an den Kleidern“, sagt Mama, „ und der Verband sieht auch nicht mehr besonders sauber aus. Da müssen wir wohl noch eine saubere Binde drüber wickeln, so kann Sergej nicht rumlaufen.“

Sergej meint: „Die äußere Binde kann man ja abmachen und dann einen neue drumwickeln, aber ich habe nichts dabei an Verbandszeug. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass der Verband beim Hochklettern dreckig wird. Haben sie vielleicht was da zum Wechseln, Frau Remmers?“ Dabei schaut er ein bisschen schuldbewusst aus den Augen, so dackelmäßig.

Mama lächelt ihn an und meint: „ Geht mal duschen, ihr Zwei, ich hole was zum Verbinden und wenn ihr fertig seid, machen wir den Verband frisch. Das ist doch jetzt kein Problem“. Wir gehen nach oben und ziehen die schmutzigen Trainingsanzüge aus. Max und Moritz werden abgemacht und im Rolli, Sergej mit Plastiktüte um die Hand, geht es gemeinsam unter die Dusche.

Nachdem wir richtig nass sind, beginnen wir, uns gegenseitig einzuschäumen, was natürlich nicht ohne sichtbare Auswirkungen vor sich geht. Schnell sind wir beide hart und so waschen wir uns gegenseitig mit zärtlicher Hingabe unser bestes Stück.

Das relativ schnell eintretende Hochgefühl klingt nach einem superschönen Orgasmus langsam aus und wir halten uns eng umschlungen, er auf meinem Schoss sitzend, beide vom warmen Regen der Dusche verwöhnt.

Mein Ohr habe ich auf seine Brust gedrückt und lausche seinem langsam wieder normal werdenden Herzschlag,  während er sein Gesicht auf meinen Kopf gelegt hat. Meine Rechte streichelt seinen Rücken, die Linke hält ihn fest auf meinem Schoss. So sitzen wir noch eine Weile, bis er das Wasser abstellt und sagt: „Abtrocknen, das Essen wartet“.

Nachdem wir uns fertig angezogen haben, wir haben uns richtig chic gemacht für das Stadion, gehen wir runter zum Essen. Vor dem Essen macht Mama noch schnell Sergejs Verband wieder gesellschaftsfähig. Sie hat, passend zum Stadionbesuch eine grüne Binde genommen und um seinen Arm gewickelt, richtig cool so. Auch Sergej gefällt das sehr gut und er bedankt sich dafür bei Mama.

Mittlerweile ist die Familie komplett und so setzen wir uns zum Essen an den Tisch.

*-*-*

Ole

Das Essen war gut, und so sind wir vorerst auch satt und brauchen nicht mehr runter zu fahren, um noch etwas Zusätzliches zu essen. Eine kleine Mittagsruhe kann nicht schaden, obwohl, in Anbetracht des gemeinsamen Nachmittags mit Frank werde ich besser noch ordentlich duschen gehen.

Als ich zu Torsten sage, dass ich duschen gehe, grinst der Spitzbub wissend, was mich wieder etwas rot werden lässt. Das muss ich besser unter Kontrolle kriegen mit dem Rotwerden, der liest sonst echt alles in meinem Gesicht ab. Faustdick hat der Kleine das hinter den Ohren.

Ich nehme frische Kleider, ein Handtuch und Duschgel und gehe ins Stationsbad. Nach dem ich den Plastik um die Hand gemacht habe, steig ich unter die Dusche. Ich genieße die warmen Strahlen und lass mich richtig einweichen, bevor ich mich gut einschäume. Nach dem Abtrocknen ziehe ich frische Unterwäsche an, ein Shirt und eine dünne Trainingshose.

 Als ich nach einer halben Stunde wieder fertig an meinem Bett ankomme, ist der Kleine doch tatsächlich eingeschlafen. Ich lege mich aufs Bett, denn ich habe noch eine Stunde Zeit, bis Frank Schluss hat für heute. Ich freue mich auf den heutigen Nachmittag nur mit ihm allein.

*-*-*

Sergej

Das Essen im Familienkreis ist zu Ende und als der Tisch abgeräumt ist, meint Jeromes Vater, dass wir so langsam aufbrechen und ins Stadion nach Bremen fahren werden. Also machen wir uns auf und gehen zu dem großen Audi SUV, der mit Martin am Steuer vor der Türe steht. Auch Kai ist da und steigt mit Jerome und mir hinten ein, während Jeromes Papa vorne zu Martin einsteigt.

Obwohl wir hinten mit drei Leuten sitzen, ist für jeden Platz genug. Jerome sitzt in der Mitte und hat sich dicht an mich geschoben. Seine Hand liegt mit meiner verschränkt auf seinem Oberschenkel. Sein Daumen streichelt zart über meinen Handrücken und erzeugt ein warmes Kribbeln in meiner Hand.

Als Martin die Autobahn erreicht hat, lässt er die Pferde unter der Haube des großen Achtzylinders mal ein bisschen frei und er verlässt die linke Spur nur dann, wenn die rechte ganz frei ist. Da ich hinter ihm sitze, kann ich nicht sehen, was der Tacho anzeigt, aber das sind hier definitiv mehr als Ein hundertzwanzig, die er drauf hat.

 In dem schweren Wagen merkt man die Geschwindigkeit lange nicht so, wie in einem normalen Mittelklassewagen. Es dauert gerade mal dreißig Minuten, bis wir in Bremen abfahren und nach weiteren zehn Minuten parkt Martin den Wagen im VIP Bereich des Matschcenters.

Nach dem Aussteigen greife ich fast automatisch nach der Hand von Jerome, der mich, nach dem er auf unsere Hände geguckt hat, fragt: „Sicher, dass du das möchtest?“. Ich nicke: „Ganz sicher, mein Schatz“, und so gehen wir, Hand in Hand, hinter den anderen her in Richtung Eingang.

„Wir haben Plätze in der VIP Lounge Nord“, erklärt Jerome, „das ist die beste und teuerste Lounge hier im Stadion. Hier kann man sich Zwei Stunden vor dem Spiel bis zwei Stunden nach dem aufhalten, wird bedient und kann natürlich auch in die anderen VIP Bereiche gehen. Hier trifft man die gesamte Bremer Fußballprominenz und auch viele Sponsoren haben hier Dauerkarten.“

Ich schaue mich staunend um, diese Bereiche werden im Fernsehen natürlich so gut wie nie gezeigt und hier ist schon ein ganz schöner Luxus. Gepolsterte, drehbare Sessel an teuren Tischen in Logen , die für acht bis 16 Personen gemacht sind. Eine Bar, Bedienung und alles, was man sich in einem Stadion sonst nicht vorstellen kann, ist hier vorhanden.

Wir sind jetzt in einer Loge angekommen, die für  acht Personen eingerichtet ist. Jerome erzählt mir, dass das die von seinem Vater gemietete Loge der Familie Remmers ist, wo sie mit Freunden so gut wie jedes Heimspiel anschauen. Bedingt durch seinen Unfall war er aber schon mehrere Monate nicht mehr hier.

Die benachbarten Logen sind wohl ebenfalls fest vergeben, denn Jerome kennt fast alle Leute, die sich da und auch draußen vor den Logen aufhalten. Im Moment füllt sich da Stadion langsam und auch in den Logen rechts und links erscheinen nach und nach immer mehr Leute, die oft in Vorbeigehen, aber auch bei einem kurzen Stopp mit Herr Remmers reden.

Alle begrüßen sich per hier per Handschlag und auch Jerome und sogar ich werden von einigen mit Handschlag begrüßt. Ich kann nicht ausmachen, ob sie dabei bewusst wahrnehmen, dass Jerome und ich uns an der Hand halten, jedenfalls hält das niemand davon ab, uns zu begrüßen. Lediglich Neugier ist in einigen Augen zusehen, wenn sie unsere Hände bemerken, die nach wie vor einander festhalten.

Auch abfällige Blicke oder Gesten kann ich bisher nicht bemerken, auch nicht, als etwa gleichaltrige Jungs, die Jerome wohl gut kennen, uns ebenfalls begrüßen und auch der ein oder andere für einen kurzen Plausch bei uns stehen bleibt. Hauptthema ist das zu erwartende Spiel gegen den HSV und der hoffentlich fällige Sieg und der Platz in der Champions League.

Manche  wiederum sehen ganz bewusst auf unsere ineinander verschlungenen Hände und denen, die länger bei uns stehen bleiben, stellt mich Jerome auch als seinen Freund Sergej vor. Sollte wirklich einer was gegen unsere Verbindung haben, so kann er es sehr gut verstecken. Lediglich den einen oder anderen verwunderten Blick über die Tatsache, dass wir Händchen halten, fällt mir auf.

Wir haben von der Bedienung ein Sektglas mit Inhalt bekommen, den ich nach dem ersten Schluck als Champagner erkenne. Das ist ein Teil meiner Ausbildung, sag ich mal, in einem Hotel wie dem Hilton sollte man auch vom Personal erwarten können, den Unterschied zwischen Sekt und Champagner zu kennen. Ich jedenfalls kann das mittlerweile.

*-*-*

Jerome

Wir stehen draußen vor der Loge und schauen in das Oval des Stadions, das sich nun immer mehr und immer schneller füllt. Die Fanblöcke sind deutlich auszumachen, Fahnen und Transparente sowie Farben lassen klar erkennen, wo Werder oder HSV Leute sitzen oder stehen.

Von dem Platz, auf dem wir stehen, können wir das gesamte Stadion überblicken und unten auf dem Spielfeld liegt die Mittellinie unserem Platz genau gegenüber. In der Loge ist noch ein sehr großer Flachbildmonitor angebracht, auf dem man die Fernsehübertragung des Spiels verfolgen kann. Ich habe das zwischendurch auch schon mal getan, wenn ich zum Essen in der Loge gesessen bin.

Als das Spiel endlich beginnt, haben wir schon ein Glas Champagner und ein Holsten Pils getrunken. Auch ein paar erlesene Fingerfoods haben wir gegessen und ein paar Promis kennen gelernt. Der ehemalige Manager und dann in die Politik gewechselte Herr Lemke war für  zehn Minuten bei Papa uns hat auch uns beide und Martin und Kai begrüßt.

Martin und Kai sind immer mit Papa und mir hier her gefahren, außer wenn Kai von Mama oder Oma gebraucht wurde. Martin ist hier immer dabei, Werder Fan mit Leib und Seele und auch immer ein bisschen Bodyguard für Papa und für mich gewesen.

Nach dem Anpfiff durch den Unparteiischen Michael Weiner beginnt vor über einundvierzigtausend Zuschauern das Nordderby, das auch die Entscheidung über das Erreichen der Champions League für den SV Werder bringt. Beide Mannschaften spielten von Anfang an offensiv und gar nicht  verhalten, wie Martin vermutet hat.

In der achten Minute dann eine Riesenchance für den HSV, als  van Nistelroy nach einer Flanke aufs Tor köpft und Tim Wiese all sein Können zeigen muss, um den Rückstand für Werder zu verhindern. Papa hat vor Aufregung aufgeschrieen und ist deutlich erleichtert, das Wiese klären konnte.

 Ja, beim Fußball taut mein Vater, der sonst eher trockene Karl August Remmers, so richtig auf, da werden die Emotionen so richtig ausgelebt. Mama amüsiert sich dann immer köstlich, wenn sie mal mit ins Matchcenter geht.

Auch Kai und Martin halten mit ihren Gefühlen für Werder nicht hinter dem Berg und da wird gelitten, sich gefreut und gejubelt auf Teufel komm heraus. Der einzig coole hier in der Remmersloge bin ich, wobei ich bei Sergej ja noch nicht sagen kann, ob er auch fanatischer Fan von Bremen wird. Vom Gefühl her würde ich mal sagen, eifert er eher mir als Papa nach und bleibt ebenfalls ziemlich cool.

Eine weitere Chance für den HSV, wieder durch van Nistelroy wird in der siebzehnten Minute durch Thorsten Frings abgeblockt und so zu Nichte gemacht. Özil, Naldo und auch Pizarro scheitern auf der Gegenseite am hervorragenden Hamburger Keeper Rost und auch der von Pizarro kommende Kopfball in der fünfundvierzigsten Minute landet nur am Innenpfosten.

Unentschieden, Null zu Null, geht es in die Pause, die natürlich für Hochbetrieb bei den in den Logen eingesetzten Bedienungen führt. Es wird getrunken und gegessen und natürlich heiß diskutiert, was wäre wenn und so weiter. Man bekommt den Eindruck, dass alle hier oben es da unten auf dem Platz um vieles  besser gemacht hätten.

Sergej und ich stehen an der kleinen Bar und genießen unser zweites Pils, Holsten, versteht sich und beteiligen uns nicht sonderlich an der Spielkritik. Bis jetzt ist es ja nicht schlecht gelaufen, Werder hat kein Tor rein bekommen, und wenn es so bleibt, sind wir in der Champion League.

Fingerfood steht griffbereit und plötzlich hält Sergej mir so ein Häppchen vor den Mund. Ich muss grinsen, öffne dann den Mund und lass mir von ihm das Häppchen auf die Zunge legen. Im gleichen Moment realisiere ich, dass das ja ganz schön schwul aussieht, was wir da gerade machen, aber das stört mich gar nicht und so nehme ich jetzt ebenfalls eins von diesen Häppchen um es ihm in den geöffneten Mund zu schieben.

Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich Martin und Kai, die sich gerade über Sergej und mich köstlich amüsieren. Sergej kommt unterdessen wieder mit dem nächsten Häppchen und brav und schwul öffne ich meinen Mund, um den Happen in Empfang zu nehmen. Nun wiederum greife ich eins und Sergej wird wieder gefüttert. Jetzt grinsen wir beide  und amüsieren uns köstlich. Das Ganze wiederholen wir noch mehrere Male, eigentlich so lange, bis der kleine Hunger gestillt ist.

Das fällt dann auch gerade mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit zusammen und wir wenden uns, mit einem dritten Pils ausgestattet, wieder dem Geschehen auf dem Spielfeld zu.

In einer zweiten, sehr offensiven Halbzeit waren einige Chancen auf beiden Seiten, aber erst in der neunundfünfzigsten Minute setzt sich Pizarro nach einer Flanke von Clemens Fritz gegen Rost durch und es steht eins zu null für Werder. Riesenjubel, auch in der Remmersloge und davor, draußen wird sich umarmt und gejubelt. Sergej und ich geben uns eine Five und stoßen auf das Tor an.

Nun beginnt das Hoffen, aber auch ein bisschen das Zittern, denn jetzt wird der HSV kommen. Eine weitere gute Chance für Werder durch wiedermal Pizarro und eine durch Almeida, der aber an Rost scheitert hätten das Spiel vorzeitig entscheiden können.

Nach weiteren Chancen für die Hamburger gelingt van Nistelroy in der zweiundachtzigsten Minute der Ausgleich und kurz darauf scheitert Boateng nur knapp an Wiese. Die letzte Chance in diesem Spiel hat Marin, der aber eine Flanke von Özil nicht im Tor unterbringen kann.

Das Spiel ist aus, Unentschieden und doch ist der Jubel groß. Der Einzug in die Champions League ist erreicht, der angestrebte Saisonabschluss ist gelungen. Der Trainer Thomas Schaaf wird mit seiner Mannschaft trotz eines Unentschieden zufrieden sein und es wird bestimmt auch ein bisschen gefeiert.

Wir sind vor der Loge und betrachten die Leute, die nun nach dem Spiel so nach und nach das Stadion verlassen und sich auf den Heimweg machen. In den umliegenden Kneipen werden wohl noch etliche bis spät in die Nacht den Einzug in die Liga der besten Europäer feiern.

 Auch in den Logen wird noch ein bisschen gefeiert und erst so in zwei Stunden werden sich auch im VIP Bereich die Leute verlaufen haben. Dann kommen die Putzkolonnen um den Müll der über vierzigtausend Besucher fort zu schaffen und das Stadion wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen.

Wir beide ordern noch ein Pils, wir brauchen ja nicht zu fahren und auch sonst liegt ja heute nichts mehr an, außer früh schlafen.

Der Sonntag, der über Sergejs Zukunft in seiner Familie entscheidet, rückt näher und ich denke, wir werden noch ein oder zwei Pils trinken, damit mein Schatz heute Nacht ein wenig zum Schlafen kommt und nicht vor Aufregung die ganze Nacht kein Auge zumacht. Zusammen mit Papa, Kai und Martin reden wir noch ein bisschen über das Spiel und füttern uns noch ein wenig mit leckerem Fingerfood.

Gegen Achtzehnuhr fünfundvierzig drängt Papa dann doch zum Aufbruch, allerdings nicht, ohne vorher noch einen von den Spielern unterschriebenen Ball in Empfang zu nehmen, den er nun Sergej weiter reicht. „Der ist für dich, Jerome hat ja schon einige davon bekommen“, sagt er, „den hat der Lemke für mich vorhin bestellt gehabt, nachdem ich ihn darum gebeten habe.

Sergej freut sich sehr über den Ball und dann gehen wir runter zu den Parkplätzen. Der große Stau, der nach jedem Spiel entsteht, hat sich bereits aufgelöst und so fahren wir, jetzt etwas gemächlicher, wieder auf die Autobahn Richtung Bremerhaven, wo wir nach etwa fünfzig Minuten ankommen.

Um zwanzig Uhr sind wir dann wieder zu Hause. Sergej und ich gehen, nach dem wir allen gute Nacht gewünscht haben, nach oben. Allzu lange wollen wir nicht mehr aufbleiben. Wir ziehen uns um für die Nacht.

Nach dem wir noch die anderen Fußballergebnissen in Sky geschaut haben, kuscheln wir uns im Bett aneinander und ich streichele beruhigend über seinen Rücken. Vom Bier begünstigt, sind wir beide doch ganz schön müde und ich denke, dass er auch schlafen kann.

„Du wirst sehen, mein Schatz, es wird alles gut werden, ich bin mir ganz sicher, dass ich morgen Abend deine Familie kenne und wir von ihnen akzeptiert werden“, sag ich und küsse dann seinen Nacken, „schlaf gut, mein Schatz, ich liebe dich.“

 „Ich liebe dich auch“,  flüstert er, „ich bin so froh mit dir und ich hoffe, dass wir auch morgen noch froh sein werden und meine Familie mich noch und dich auch mag. Schlaf gut, Jerome“.

Nach etwa zehn Minuten sagen mir seine regelmäßigen Atemzüge, dass er eingeschlafen ist. Ich brauche noch ein bisschen, bis ich endlich die Schwelle zur Traumwelt überschreite.

*-*-*

Ole

Als Frank kommt, bin ich doch eingenickt und erst sein Kuss weckt mich. „Hey, kleine Schlafmütze, flüstert er in mein Ohr, „aufstehen, wir gehen zu mir ins Wohnheim“. Ich werde ein bisschen rot, warum auch immer und Frank grinst ein bisschen, als er es bemerkt. „Aufgeregt?“, fragt er leise an einem Ohr.

„Ein bisschen schon“, sag ich, „es ist alles so neu für mich und so schön, aber ich bin auch ein wenig unsicher, ob das nicht alles zu schnell geht. Trotzdem vertraue ich dir und hoffe, das du mir nicht weh tust“. „Ich liebe dich, Ole und ich werde dir nicht weh tun, dafür mag ich dich viel zu sehr“, sagt er und küsst mich, „komm, lass uns hier verschwinden, bevor der Kleine wach wird.“

„Zu spät, der ist schon wach, wer kann denn bei eurem Liebesgeflüster noch pennen, ich jedenfalls nicht, “ meldet sich Torsten aus dem Hintergrund. „Schwirrt schon ab, ihr Turteltauben, das Gesülze ist ja nicht  auszuhalten“, fügt er lachend hinzu.

„Torsten, aus dir spricht der Neid“, sagt Frank. „Schon möglich“, sagt der Kleine, „aber ich kann mir ja, wenn ihr weg seid, einen runterholen und dabei denk ich an Oles Schwester. Und jetzt verpisst euch, und vergesst die Pariser nicht, nicht dass noch einer schwanger wird. Viel Spaß und heute Abend will ich wissen, wer unten gelegen ist“.

Wir machen, dass wir weg kommen.  Der Kleine und sein Mundwerk, das ist schon eine unendliche Geschichte. Aber er meint es nicht bös und verklemmt ist der mit Sicherheit nicht. Ich hätte mich nicht getraut, so was zu anderen zu sagen, so das mit dem Runterholen mein ich.

 Ich bin mittlerweile überzeugt, dass er das auch macht. aber das ist ja auch eigentlich nichts schlimmes, oder?

In der Cafeteria holt Frank noch zwei Stückchen Kuchen und eine große Flasche Cola. Dabei erkundigt er sich nach dem Jungen, der hier immer bedient, Sergej heißt der, hat Frank gesagt und der hat jetzt was mit dem Enkel von Mutschs Arbeitgeberin. Ich warte vorne am Eingang auf Frank.

Als er zurückkommt, erzählt er, dass Sergej sich in die Hand geschnitten hat auf der Arbeit im Hotel und für ein paar Tage einen Krankenschein hat.  „Ich kann den Sergej gut leiden“, sagt er, „wir haben uns schon öfter sehr gut unterhalten und ich habe ihn auch schon mal in der Stadt beim Shoppen getroffen.

„Wir haben bei McDonald was gegessen und er hat gesagt, es ist aus Dresden. Aber das er schwul ist, hätte ich jetzt nicht gedacht“, sagt er noch, während wir das Gebäude verlassen und Richtung Wohnheim gehen. „Muss ich mir jetzt Gedanken machen über diesen Sergej“, frag ich, wohl schon  ein kleines bisschen eifersüchtig.

„Quatsch“, sagt Frank und legt seinen Arm um mich, „ich kann ihn einfach nur gut leiden. Dich, Ole,  dich liebe ich und es wird immer mehr, mein Schatz. Mit dir will ich zusammen sein, für dich werde ich auch hier bleiben und hier studieren. Dich will ich nicht mehr hergeben.“

Wir sind vor seinem Zimmer angekommen und ich nehme die Colaflasche, damit er auf sperren kann. Das Zimmer ist einigermaßen aufgeräumt und Frank sperrt hinter uns wieder zu. „Bist du sicher, dass dein Zimmerkollege auch zu Werder gegangen ist?“, frag ich, „ich möchte nicht von anderen überrascht werden.“

„Der geht zu jedem Heimspiel und oft auch noch auswärts, der hat so eine Abo Karte“, sagt Frank, „den sehen wir frühestens am Montag wieder, der hat nämlich freies Wochenende. Es wird uns also keiner überraschen. Du siehst also, dass wir hier absolut ungestört sind und deswegen werde ich meinen Schatz jetzt mal von allen überflüssigen Kleidern befreien“.

Er zieht mich zu sich heran und streift mir das Shirt über den Kopf. Das Unterhemd folgt umgehend und auch die Trainingshose ist schnell und problemlos weg. Gerne hebe ich die Füße nacheinander hoch, damit er die Hose abstreifen kann. Nur mit einem schwarzen sexy Hipp Slip bekleidet stehe ich jetzt vor ihm.

Seine Hände suchen meinen Po und kneten leicht, ein irres Gefühl strömt durch meinen Unterleib und mein Schwanz hat sich steil aufgerichtet. Die feuchte Spitze hat sich einen Weg unter dem Bund hindurch ins Freie gesucht und spitzt nun rot aus der knappen Unterhose. Seine Hand legt sich auf meinen Schwanz und sein Daumen reibt über die feuchte Spitze.

Es kribbelt ganz verrückt in meinem Bauch, und ein Stöhnen verlässt meinen Mund „Ooh, Frank, bitte nicht aufhören“, nuschele ich leise und  von ihm kommt: „Ich habe es nicht vor, es geht erst richtig los“. Er schiebt mich zum Bett und beginnt gleichzeitig, seine Kleider aus zu ziehen. Ich sinke aufs Bett und nachdem er die letzten Teile ausgezogen hat, legt er sich neben mich.

Seine Hände streicheln mich überall und sein Mund beginnt sich vom Hals aus abwärts zu schmusen, eine feuchte Spur hinterlassend, auf dem Weg zu meinen Schätzen. Seine Linke umfasst mein Glied, schiebt die Vorhaut noch weiter nach unten und seine Zunge wischt leicht über meine Glans.

Laut stöhne ich auf, bin kurz vor einer Explosion, was er offensichtlich merkt, denn jetzt lässt er ab von meinem Luststab und wendet sich wieder meinem Oberkörper zu. Schmusend spielt seine Zunge mit meinen harten Brustwarzen, von denen ich nicht wusste, dass sie mal so empfindlich sein würden, wie sie es gerade sind.

Nun hat er meinen Mund erreicht und küsst mich lange und hingebungsvoll, bis ich fast keine Luft mehr habe. Jetzt werde ich aber auch aktiv, meine Hand fährt über seine flachen Bauch nach unten und sucht seinen Schwanz, der hart und steif darauf wartet, von mir gestreichelt zu werden.

Samtweich ist die Vorhaut und ich spiele ein bisschen mit ihr, zieh sie ein wenig lang, um sie dann wieder ganz nach hinten  über den Schwanz zu schieben. Nun ist es Frank, der stöhnt und sich mir entgegen drängt.

Ich strampele den in meinen Kniekehlen hängenden Slip ganz weg und knie mich über seine Beine. Mein Mund findet seine Schwanzspitze und ich schmuse  jetzt an seinem Schaft rauf und runter. Tief stöhnt er jedes Mal, wenn meine Zunge das kleine Bändchen unter der Eichel beschmust, mit der Spitze kitzelt und verwöhnt.

„Ohh, Ole, ohh ist das geil, stammelt er zwischen den Lustseufzern, die er in immer kürzeren Abständen von sich gibt. Lange kann es nicht mehr dauern, dann wird er kommen. Tief nehme ich ihn jetzt in den Mund, so tief, wie es geht, ohne würgen zu müssen.

Beim Rausziehen presse ich meine Lippen fest um seinen Schaft, um den Reiz noch zu erhöhen. Sein Stöhnen geht in ein lustvolles Wimmern über und dann kommt er vehement. In mehreren Schüben spritzt er in mein Gesicht, nachdem ich ihn aus meinem Mund entlassen hatte, als das Zucken anfing.

 Nass von seinem Sperma vergrabe ich mein Gesicht in seinem Schoss, inhaliere den geilen Geruch, den sein Erguss hinterlässt und verreibe mit der Nase seinen Samen auf seinem Unterleib. Seine Bauchdecke vibriert unter meinen Berührungen und sein Schnaufen ist nicht zu überhören.

„Man, war das gut, du hast Talente, von denen du wohl bisher selber noch nichts weiß“, sagt er, „so hat mir noch nie einer einen geblasen.“ Erstaunt und auch ein bisschen stolz auf Grund des schlüpfrigen Kompliments recke ich mich hoch zu ihm und gebe ihm einen Kuss und verteile sein Sperma dabei auf seinem Gesicht.

Nun ist nur noch ein Schwanz steif, nämlich meiner und um den kümmert er sich jetzt liebevoll. Er zeigt mir deutlich, das auch er gelernt hat, Flöte zu blasen und so entlädt sich meine angestaute Geilheit kurz darauf in seinen Mund.

Schnaufend liege ich auf dem Rücken, und er legt sich neben mich. Durch seinen Kuss schmecke ich mich dann selber und wir schmusen uns gegenseitig die Gesichter ab.

„Duschen“, sagt er nach etwa zehn Minuten und steht auf. Er zieht mich hoch und dann hinter sich her in das kleine, zum Zimmer gehörende Duschbad. Die Türe der Duschkabine ist offen und so schiebt er mich in die Kabine und folgt mir. Vorher hat er noch etwas aus dem Kulturbeutel genommen, der über dem Waschbecken steht und in die Seifenschale gelegt.

Die Kabine ist groß genug für uns zwei und das Wasser ist nach einem kurzen kalten Schwall dann auch gleich schön warm. Nach zwei Minuten stellt er das Wasser ab und fängt an, uns beide einzuschäumen. Dabei widmet er meinem Po besondere Aufmerksamkeit.

Als er mich dort richtig eingeschäumt hat, fährt er immer wieder mit einem Finger über den Ringmuskel, massiert diesen mit dem Schaum und entlockt mir ein leises Stöhnen. Das ist wieder ein  neues Gefühl, anders, als wenn man sich selber dort wäscht.

Nach ein paar Minuten sucht sein Finger den Eingang und nach mehrmaligem Stupsen gegen den Ring schiebt er vorsichtig seinen Finger hinein, ganz langsam zunächst. Als der Widerstand des Muskels überwunden ist, gleitet der Finger in mich hinein.

Zunächst ungewohnt, aber nicht unangenehm, empfinde ich das Eindringen und das leichte Ziehen in meinem Hintern. Er bewegt nun den Finger, dreht in hin und her und dehnt dabei fast spielerisch den Ring. Zunächst bin ich überrascht darüber, wie sich das anfühlt, es ist in etwa vergleichbar mit dem Gefühl, wenn man auf die Toilette geht und kackt.

Jetzt merke ich einen zweiten Finger, der sich zu dem Finger in mir schiebt, das ziept jetzt schon ein bisschen und ich halte den Atem an. Es wird besser, als der Finger ebenfalls drinsteckt und nun bewegt er sie beide so, wie er es vorher mit einem gemacht hat.

 Ich bin aufgekratzt auf Grund der vollkommen neuen Gefühle, die von meinem Hintern in meinen gesamten Unterleib abstrahlen. Wenn ich es beschreiben sollte, so würde ich es einen süßen Schmerz nennen, der zwar ziept, aber trotzdem nach mehr verlangt.

 Jetzt merke ich, wie er einen dritten Finger hinzu nimmt und wieder wird der Druck an meinem Schließmuskel größer und es ist im Moment auch eher unangenehm. Er verhält ein bisschen, wartet, hat schon gemerkt, dass das jetzt nicht so gut ankommt und durch das Aussetzen der Bewegungen wird es auch gleich wieder besser.

Seine Lippen saugen in meinem Nacken und seine freie Hand fasst meinen steifen Schwanz und wichst ihn. Abgelenkt dadurch, merke ich nicht sofort, dass er seine Finger noch tiefer in meinen Po geschoben hat und auch das Drehen und Weiten wieder aufgenommen hat. Zu meinem Erstaunen ist der Schmerz auch so gut wie weg und es beginnt, mich auf zu geilen.

Ich schiebe unbewusst meinen Po der Hand entgegen und seine Bemühungen dehnen mich noch mehr. Drei Finger sind nun in mir, fahren ein bisschen ein und aus und erzeugen neue, vorher unbekannte Lustgefühle. „Mehr“, stöhn ich, „ich will mehr, Frank, bitte.“ „Gleich, Liebling, gleich“, kommt seine Antwort.

Seine rechte Hand ist nicht mehr an meinem Schwanz, und die Finger verschwinden leider auch gerade. „Oh Mann, Frank“, stöhn ich und dränge nach hinten. Das Wasser wird plötzlich abgestellt, er fummelt an sich rum und wird kalter Glibber an meinen Po geschmiert. Gleich darauf merk ich, wie sich seine Schwanzspitze an meinem Po zu schaffen macht.

Langsam schiebt er sich in mich, es ziept wieder, wie vorhin und nur langsam dehnt sich der Muskel wieder. Als seine Eichel den Ring überwunden hat, es zieht jetzt ganz schön, hält er inne, nimmt mein Glied in die Hand und reibt es. „Lass ganz locker, und atme normal, es wird gleich besser“, sagt er in mein Ohr. Jetzt schiebt er sich weiter in mich hinein.

Ich keuche auf, als seine Spitze auf meine Prostata trifft, wow, das ist ja, oh man, das halt ich ja fast nicht aus, so geil ist das. Kleine Stöße hin und her, immer wieder an die Drüse machen mich verrückt. Ich stöhne, dränge ihm entgegen.  „Mehr“, fordere ich und gerne erhöht er das Tempo. Jetzt die ganze Länge seines Schwanzes benutzend, stößt er immer schneller in mich hinein. Wir stöhnen jetzt beide und es wird immer besser. In meinem Bauch kribbelt es heiß und die Erregung steigt ständig an. „Du bist so eng, so geil, ich halte nicht mehr lange durch“, keucht er an meinem Ohr.

„Fick mich schneller, ich komme gleich“ stöhn ich meine Lust heraus. Er stößt noch schneller, keucht dabei. Ich halte nicht länger durch. Meinen Schwanz reibe ich wild, dann endlich rollt der Orgasmus über mich hinweg wie ein Tsunami. „Jaa, Jaaaa, ooohh jaaaaaa!“ stöhnend schieße ich meinen Samen an die Wand der Duschkabine und meine Beine zittern, wollen mich nicht mehr tragen.

Durch meinen Orgasmus ausgelöst, kommt auch Frank und spritzt voll in das Kondom, das er sich wohl vorhin übergestreift hat, bevor er den Glibber an meinen Hintern geschmiert hat. Jetzt sinken wir beide auf den Boden der Kabine, schwer atmend und immer noch von Lust geschüttelt.

„Oh mein Gott, stöhnt er, „war das geil, ich liebe dich Ole.“ Dann spüre ich seine Lippen, die in meinem Nacken knabbern. Langsam ebbt die Lust in mir ab, wohlige Erschöpfung macht sich breit, die nur von einem leichten Brennen meiner Rosette getrübt wird. Mal sehen, wie sich das morgen bemerkbar macht.

Nachdem wir uns etwas erholt haben, dreht er das warme Wasser wieder auf und wir spülen die Spuren unseres Handelns in die Kanalisation. Das Kondom hat er auf der Duschvorlage verknotet abgelegt. Wir schäumen uns noch mal ein und duschen uns ab, bevor wir uns, gegenseitig helfend, abtrocknen.

Danach legen wir uns in sein Bett und er zieht die Zudecke über uns. Ich kuschle mich fest an ihn und schließe die Augen. Ein bisschen ausruhen will ich nach der Anstrengung. Er hat seinen Arm um mich gelegt und sein momentan schlaffer Schwanz liegt an meinem Po.

 „Wenn wir uns ein bisschen erholt haben, dann muss du mich auch ficken“, flüstert er in mein Ohr. Allein diese Bitte lässt meinen Schwanz schon wieder wachsen. Wer könnte zu einem solchen Wunsch schon nein sagen. So liege ich mit steifem Schwanz und warte, was weiter geschieht. Nachdem zunächst nichts passiert, nehme ich seine Hand und führe sie zu meinem Steifen.

„Oh, da haben wir ja einen kleinen Nimmer satt, sagt er grinsend in mein Ohr und langsam reibt er meine Vorhaut rauf und runter. „Du hast eine süßen Schwanz, von dem kann ich gar nicht genug bekommen“, sagt er und dreht sich rum. Aus dem Nachtschrank holt er Kondom und Gel und sagt: „Dann komm, mein kleiner Hengst, zeig  mir, was du drauf hast, fick mich gut und fest.“

Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Diesmal streife ich mir das Kondom selber über meine sabbernde Eichel und den Schaft hinab. Frank liegt schon auf dem Rücken und hat die Beine hoch gehoben, Rosig präsentiert sich seine Rosette, die ich jetzt mit Gel benetzten Fingern weite. So wie er vorhin bei mir geh ich vor, das erste Mal, dass ich das selber mache.

Nach dem Weiten, das schon einige Stöhner bei ihm hervor ruft, bin ich es jetzt, der seinen Schwanz mit Gefühl in seine warme Enge Tiefe versenkt Ein wohliges Ausstöhnen sagt mir, das ich nichts verkehrt mache und er drängt sich mir auch gleich entgegen. Mit langsamen, langen Stößen bringe ich ihn auf Trapp und seine Laute feuern mich an. Langsam schneller werdend, ficke ich mich jetzt in einen Rhythmus, der ihn schnell auf Touren bringt.

An seinem Aufstöhnen bei jedem Stoß merke ich, das ich auch seinen Lustpunkt treffe und so schalte ich meine Gedanken einfach aus und fühle nur noch. Tief und fest stoße ich ihn, so wie er es unter Stöhnen immer wieder einfordert. Diesmal dauert es länger, bis wir die Schwelle zum Orgasmus erreichen.

Längst reibt er seinen Schwanz im Rhythmus meiner Stöße und jetzt kommt ein tiefes Wimmern aus seiner Kehle. „Es kommt, fester, stößt er hervor und dann schießt es aus ihm heraus. Der Muskel um meinen Schwanz zieht sich im Gleichklang mit den Samenschüben zusammen und melkt mich über die Schwelle. Ich sinke aufs seinen Bauch, während er seine Beine ausstreckt.

Am Rand der Erschöpfung suchen sich unsere Lippen und wir spüren unseren hektischen, wilden und aufgepeitschten Herzschlag. Samen klebt zwischen uns, warm und nass. Spuren grenzenloser Lust, Spuren unserer Liebe.

Wir sind ein bisschen eingenickt, schlafen ein wenig nach der Anstrengung. Irgendwann, es ist noch hell draußen, werde ich wach. Ich glaube, ich muss mal aufs Zimmer zurück, es hat bestimmt schon Essen gegeben. Ich schaue auf Franks Uhr, siebzehn Uhr dreißig ist gerade vorbei, also noch früh genug, um zum Essen rüber zu gehen.

Mit Küssen übersähe ich sein Gesicht, solange, bis er wach wird. „Hi“, nuschelt er, seine Haare sind total verstrubbelt und nur langsam wird er richtig wach. „Es ist halb sechs, ich muss mal rüber zum Essen. Kommst du mit?“, frag ich ihn. „Klar, wir müssen nur schnell noch mal duschen, alles ist verklebt.“, sagt er und setzt sich auf.

Schnell sind wir unter der Dusche und waschen die Spuren ab. Nach dem wir angezogen sind, gehen wir hinüber auf die Station, wo Torsten bereits am Essen ist. „Ah, da kommen ja die Liebesleute“, tönt es uns entgegen, „ich hoffe, ihr habt es nicht so toll getrieben.“ „Das willst du jetzt gar nicht wissen Torsten“, sagt Frank und grinst frech, „außerdem ist das nicht gerade jugendfrei, also vergiss es.“

Frank und ich essen mein Abendbrot zusammen auf, es ist ausreichend für uns beide, da unser Hunger nicht so groß ist. Torsten gibt uns noch eine Scheibe Brot ab. „Ich war noch mal unten, in der Cafeteria und habe Kuchen gemampft“, sagt er, „ jetzt habe ich nicht mehr so viel Hunger.“

„Sollen wir gleich mal die Sportschau gucken“, fragt Frank, „mal sehen wie Werder gespielt hat“. „Können wir machen“, sagt Torsten, „was meinst du, Ole.“ „ Von mir aus gerne, jetzt kommt ja sonst doch nichts gescheites, da können wir auch Sport gucken“, sag ich. Frank bringt schnell noch die Tabletts raus in den Wagen.

Also machen wir noch einen kleinen Fernsehabend, bevor Frank dann rüber geht zum Schlafen. Leider kann ich da nicht mit und bei ihm bleiben, weil wenn man mich hier vermisst und auch, wenn sein Zimmergenosse heimkommt, das würde nur unnötigen Ärger geben.

Ich bringe ihn noch bis zum Eingang unten, und nach einem Abschiedskuss fahre ich wieder nach oben. Torsten ist schon eingeschlafen und auch ich lege mich gleich hin. Trotz einem leichten Ziehen im Hintern schlafe ich ziemlich schnell ein. Wovon ich träume, das ist ja wohl klar, oder?

*-*-*

Jerome

Der Wecker brummt. Ich schrecke regelrecht hoch und bin sofort hell wach. Auch Sergej ist aufgewacht und sieht mich verschlafen an. „Guten Morgen, mein Schatz“, sag ich und beug mich zu ihm herüber.

 Sanft küsse ich mich durch sein Gesicht um dann auf seinem Mund zu verweilen. Wir knutschen uns  und seine Augen tauchen in meine. „Guten Morgen, Jerome“, sagt er, als ich seinen Mund wieder freigebe. „Ich hab dich lieb und ich bin froh, dass du mich heute begleitest auf meiner Mission“, sagt er leise.

Ich habe den Eindruck, dass er schon ein wenig Angst hat, heute zu Hause die Karten auf den Tisch zu legen. „Es wird schon klappen, Sergej, sei mal nicht ängstlich, wir schaffen das schon“, versuche ich im, Mut zu machen. „Du hast gut reden, mein Lieber“, sagt er, „ ich hoffe, dass es gut ausgeht, aber die Angst bleibt.“

„Komm, wir gehen duschen“, sag ich, diesmal ohne Hintergedanken, denn ich glaube nicht, das er in dieser Stimmung Lust auf ein bisschen Sex hat. Ich zieh mich aus und schaff mich in den Rolli, während er seine Hand mit der Folie umwickelt. Er kommt ums Bett herum, nackt und wunderschön und schiebt mich mit dem Rolli ins Bad.

Wir duschen und waschen uns auch gegenseitig den Rücken, aber den Rest wäscht heute Morgen jeder selber. Schade, aber ich verstehe ihn, er ist total nervös, hat Angst, seine Familie zu verlieren, die er doch sehr, sehr gern hat. Wenn alles gut läuft, werde ich sie ja wohl noch morgen kennen lernen.

Wenn es schief geht, was ich nicht glaube oder besser gesagt, nicht hoffe, dann weiß ich nicht, ob und wann ich mal jemand aus seiner Verwandtschaft kennen lerne. Wir sind fertig und wir helfen uns gegenseitig beim Abtrocknen. Nun geht’s zurück, die Kleider, die wir heute Morgen anziehen wollen, haben wir schon gestern raus gelegt.

Wir ziehen was bequemes, nicht zu enges an, weil das auf der langen Fahrt einfach besser ist. Auch die Tasche mit den Sachen für drei Tage haben wir ja schon gepackt, und so sind wir um sieben Uhr unten zum Frühstück. Papa und Mama sind auch auf und frühstücken mit uns zusammen. Auch Martin ist dabei und frühstückt mit uns.

„Ich habe im Hilton eine große Suite gebucht, Martin kann dann auch da schlafen, dann braucht ihr euch nicht großartig zu suchen, wenn was ist. Ihr könnt dort essen, aber das ist euch überlassen. Frühstück kommt in die Suite, ihr müsst nur Bescheid geben, wann ihr es haben wollt. Wenn es Probleme gibt, egal welcher Art, dann ruft ihr mich an“, gibt uns Papa seine Instruktionen.

„Noch was, was ich sagen wollte. Haltet euch in der Öffentlichkeit bitte etwas zurück, ihr wisst, das in der Gegend um Dresden noch immer Leute wohnen, die Schwulen gegenüber nicht tolerant sind und ich möchte nicht, das euch was passiert. Martin ist im Zweifelsfall der Boss und was er sagt, wird dann bitte auch gemacht oder akzeptiert“, fügt er hinzu.

„OK, Papa, wir werden das so machen und auch auf Martin hören, wenn es Probleme geben sollte“, sag ich, „ zuerst werden wir Sergej zu Hause abliefern und dann in der Nähe warten. Wie es dann weitergeht, hängt vom Ergebnis der Unterredung zwischen Sergej und seiner Familie ab. Ich denke, das das unter Umständen etwas länger dauert.“

Mama geht zu Frau Gut in die Küche und kommt mit einem Korb zurück. „Wir haben euch was zum Essen eingepackt“, sagt sie, „weil wir nicht wissen, ob ihr längere Zeit warten müsst, so habt ihr was dabei und könnt im Auto essen, wenn ihr Hunger bekommt.“ Wir wollen aufbrechen und wir verabschieden uns.

Als Sergej Mama die Hand gibt, nimmt die ihn spontan in den Arm und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. „Es wird schon alles gut gehen, mein Junge“, sagt sie zu ihm, bevor sie ihn wieder los lässt. Auch mich nimmt sie kurz in den Arm und drückt mir einen Kuss auf die Backe.

 Sergej sagt plötzlich: „Ich habe den Ball vergessen, der muss mit.“ Er läuft nach oben und kommt kurz darauf wieder herunter, dem Ball unterm Arm. „Der ist für meinen Bruder, der freut sich wahnsinnig darüber“, sagt er, „ und für mich wird ja vielleicht noch ein anderer da sein in den großen Stadion.“

 Papa beschränkt sich auf einen Händedruck zum Abschied und ein „Machs gut“, was mir und Sergej wohl auch so lieber ist. Meine Eltern gehen beide noch mit zur Tür und winken, als wir los fahren. „Du hast ganz tolle Eltern, Jerome, sagt Sergej, der mit mir hinten sitz und den ich jetzt ein bisschen zu mir rüber ziehe, so dass er seinen Kopf auf meine Brust legen kann.

Martin lässt den Audi laufen, es ist auch so früh am Sonntagmorgen kaum ein anderes Auto unterwegs. Pünktlich um halb acht sind wir los und jetzt haben wir über vier Stunden Zeit, bis wir in Dresden ankommen.

Martin hat in weiser Voraussicht einen transportablen Bildschirm an die Rückseite des Beifahrersitzes installiert. Das Auto ist dafür vorgerichtet und weil es so was gibt, haben wir das auch. Nun können wir einen Film gucken. Die Filme sind auf einer Festplatte im Bordcomputer, mit dem man natürlich auch im Internet surfen kann.

Wir entschließen uns, den Film „Stirb langsam 2“ zu gucken, den haben wir zwar beide schon gesehen, aber den kann man getrost zweimal angucken. Ich finde, das ist der Beste aus der Reihe und da ist Sergej mit mir derselben Meinung. Während also jetzt der Film läuft, fährt Martin konzentriert und so schnell, wie es erlaubt ist, Richtung Dresden.

Die Zeit vergeht und nach einer kurzen Pause, etwa in der Mitte der Strecke, ist die Fahrt dann um zehn vor Zwölf in einer Nebenstraße unweit von dem Haus entfernt, in dem Sergejs Familie wohnt, zu Ende. Hier am Königsbrücker Platz ist die Tannenstrasse und in einem Mietshaus, der Nummer 7, hier wohnt Sergejs Familie mit einigen anderen Familien in einer aus zwei Dreizimmerwohnungen umgebaut 5 Zimmer Wohnung.

Martin stellt das Auto hier am Platz ab und Sergej geht die ungefähr einhundert Meter zu Fuß. Ich gehe noch ein Stück mit ihm, bis er sagt: „Das ist jetzt weit genug, Jerome, die letzten Meter muss ich jetzt allein gehen. Am liebsten würde ich wieder mit dir zurückgehen, aber das wäre falsch. Ich muss das jetzt tun, alles andere wäre nicht richtig.“

Er geht los. „Ich liebe dich“, rufe ich so, dass er mich hören kann, aber er geht weiter, sagt nichts mehr bis er im Hauseingang verschwindet. Ich gehe zurück zum Wagen, setze mich vorne neben Martin, innerlich auf gewühlt, hilflos und zur Untätigkeit verdammt, während mein Schatz seinen wohl bisher schwersten Gang in seinem Leben macht.

*-*-*

Sergej

Die Haustür quietscht immer noch beim Öffnen, gerade so, als wäre ich gestern erst hier gewesen, so kommt es mich vor in Moment. Wie wohnen im dritten Stock, wenn man hoch kommt rechts. Ich nehme mein Handy raus, wähle Mamas Nummer. Nach dem dritten Klingeln ist sie dran. „Wo bist du Junge, bist du schon in Dresden?“, fragt sie. „Ich stehe vor der Tür, Mama, mach bitte auf“, sag ich.

Drinnen hör ich sie kommen und dann wird der Schlüssel rumgedreht. Die Tür schwingt auf uns Mama steht da, breitet die Hände aus und nimmt mich in den Arm.

„Hallo, mein Großer, schön, das du wieder mal da bist“, sagt sie froh und küsst mich auf den Mund, dorthin, wo ich vor kurzer Zeit noch der Mund meines Schatzes gespürt habe.

„Hallo, Mama“, sag ich leise und drücke sie fest an mich, „schön, dich mal wieder im Arm zu halten“. Sie schiebt mich in die Wohnung, durch bis ins Wohnzimmer und da sitzt mein kleiner Sonnenschein und strahlt mich an.

 Mit einem Freudenschrei wirft sie sich mir entgegen und ich nehme sie, ihren Schwung ausnutzend, hoch in meine Arme. Meine verletzte Hand habe ich dabei ganz vergessen uns fast wäre sie mir aus der Hand gerutscht.

„Hallo, Vanessa“, sag ich und küsse sie auf den Mund, wie geht es meinem kleinen Sonnenschein denn?“  „Ich bin nicht mehr klein, ich bin schon gewachsen“, sagt sie und schaut mich strahlend an.

Nun kommen auch die anderen Geschwister, durch den Lärm angelockt und wir begrüßen uns alle herzlich. Alle sprechen und Fragen durcheinander, bis aus dem Hintergrund Papas Stimme ein bisschen Ruhe einfordert.

„In einer Viertelstunde gibt’s es Essen“, sagt Mama und erst jetzt fällt ihr der Verband an meiner Hand auf. „Du bist verletzt, Sergej, was ist passiert?“. „Ich habe mich beim Zitronen schneiden mit dem Messer verletzt und bin genäht worden. Jetzt habe ich ein paar Tage Krankenschein, den ersten überhaupt“, erzähle ich.

Nun frage ich nacheinander meine Geschwister, wie es ihnen so geht und was die Schule macht. Boris, mein Bruder macht eine Ausbildung zum Elektromechaniker und ist im ersten Ausbildungsjahr. Die Mädels gehen noch zur Schule, wobei Vanessa in eine Sonderschule geht, wo sie speziell auf  ihre Behinderung abgestimmten Unterricht erhält.

Dann ruft Mama uns zum Essen uns alles schart sich um den großen Tisch. Jeder hat seinen festen Platz und auch für mich steht da der Stuhl, wo er immer gestanden hat, als ich noch zu Hause war. Mama hat wie immer fein gekocht, und es wird auch bei uns am Tisch während des Essens eine lebhafte Unterhaltung geführt.

Ich bin in erster Linie der Zuhörer, höre, was meine Geschwister und auch die Eltern in letzter Zeit erlebt und gemacht haben. Nach dem Essen bin ich dann so ziemlich im Bilde, über alles, was so in den letzten Monaten passiert ist.

Nach dem Essen löst sich die Versammlung schnell auf. Boris geht Fußball gucken. Marianne, das ist die fünfzehnjährige, geht zu einer Freundin und Barbara geht runter in Parterre, dort wohnt ihre Freundin und da wollen sie heute einen Film gucken.

Vanessa, die auf Grund ihrer Behinderung immer schnell müde wird, legt sich ein wenig ins Bett, für ein Mittagsschläfchen so zu sagen. Nun denke ich, ist die Stunde der Wahrheit gekommen. „Mama, Papa, ich muss mit euch reden“, sag ich und meine Stimme klingt nicht so, wie sonst. Ich bin sehr aufgeregt, meine Hände schwitzen und ich traue mich nicht, Papa anzuschauen.

„Sergej, was ist denn passiert, das du so unruhig bist“, fragt Mama, „du warst schon neulich am Telefon so komisch. Was ist denn mit dir?“ Ich hole tief Luft, schau sie an und sage: „Eigentlich ist nichts Schlimmes passiert, aber es ist bestimmt auch nichts, was ihr euch so vorgestellt habt. Selbst ich hätte nie geglaubt, das mir das einmal passieren würde.“

Papa schaut mich an und sagt: „Junge, du redest in Rätseln, also, egal was es ist, raus mit der Sprache. Wenn es denn nichts Schlimmes ist, dann kannst du es ja auch sagen und brauchst nicht um den heißen Brei herum zu reden“.

Ich hole noch mal tief Luft, dann sage ich leise, aber doch verständlich: „Ich habe mich verliebt, ganz doll verliebt, so wie ich es nie  für möglich gehalten habe“. Ich schaue in Mamas Gesicht, sehe ein Lächeln und höre Papas Stimme: „ Wo ist der Haken bei der Sache, das du solche Umstände machst, nur weil du verliebt bist?“

Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen, überlege aber auch gleichzeitig, wie ich am schnellsten aus der Wohnung flüchten kann und sage dann mit zittriger Stimme: „Ich habe mich in einen Jungen verliebt. Ich bin wohl schwul“.

Man kann eine Stecknadel fallen hören in der Stille, die meinen Worten folgt. Dann stöhnt Papa auf und ersteht auf, sieht mich an und ich sehe Tränen in seinen Augen. Ich mache Anstalten, aufzustehen aber eine Geste von ihm, stumm und trotzdem eindeutig, bannt mich wieder auf meinen Platz.

 Wortlos verlässt Papa den Raum. Mama sieht mich an, sagt ebenfalls kein Wort und auch ihre Augen schimmern feucht. Angst kriecht in mir hoch, mein Atem geht schwer und ich will eigentlich nur noch fort, aber ich trau mich nicht. Was passiert hier jetzt, was hat Papa vor.

Die Uhr an der Wand tickt laut, so laut, dass es wehtut in meinen Ohren. Papa kommt zurück, er hat eindeutig geweint. Das will ich nicht. Er hält einen Karton in der Hand, etwa so groß wie ein Schuhkarton. Den stellt er jetzt auf den Tisch, öffnet den Deckel und greift hinein.

 Als er sie wieder herausholt, hält er einen Stapel Bilder, eindeutig alte Bilder in der Hand und mit einem Schluchzen legt er die Bilder auf den Tisch und schiebt den Karton beiseite. Mit allem, ja sogar mit einer Waffe hatte ich in meiner Angst gerechnet, aber nicht mit Bildern. Mein Gesicht ist nun wohl ein einziges Fragezeichen, auch Mama scheint diese Bilder nicht zu kennen.

„Sergej, komm hierher, neben mich und du, Frau, auf die andere Seite neben mich“, sagt er und sein Ton duldet keinen Widerspruch. Als wir neben ihm Platz genommen haben, legt er seinen Arm plötzlich um mich und zieht mich an sich. Ich schau ihn an, verunsichert, sehe immer noch viel Feuchtigkeit in seinen Augen.

Dann greift er nach dem ersten Bild, der Stapel liegt auf dem Kopf, so dass ich nichts erkenne kann. Er dreht das Bild um, hält es so, das Mama und ich es sehen können. Das Bild zeigt zwei junge Männer, die sich fast genau gleichen. Zwillinge, ist mein erster Gedanke.

Bei näherem Hinsehen könnte man meinen es wäre ein Bild von mir. Ich hatte aber nie einen Zwillingsbruder, also könnte das auch Papa sein. Von einem Zwillingsbruder war aber niemals die Rede. Was hat das zu bedeuten?

Papa dreht noch weitere Bilder um, die immer wieder die beiden jungen Männer zeigen. Auf dem achten Bild ist nur einer der beiden und er steht auf einem Friedhof, vor einem frischen Grabhügel und seine Augen sind verweint.

Papa schluchzt jetzt, legt beide Hände vors Gesicht und seine Schultern zucken. Ich leg meinen Arm um ihn drücke in an mich und sage einfach immer nur „Papa, du sollst nicht weinen.“ Es dauert eine Weile, bis sich mein Vater beruhigt.

Bis zum heutigen Tag hatte ich ihn nur einmal weinen sehen, das war an dem Tag, als Vanessa geboren wurde und er sah, dass sie das Downsyndrom hatte. Jetzt hat er sich halbwegs unter Kontrolle, schaut mich an, spricht.

„Auf den Bildern, das sind mein Zwillingsbruder und ich. Als wir neunzehn waren, hat er sich zu Hause als schwul geoutet. Mein Vater ist ausgerastet, hat geschrieen, hat ihn geschlagen und letztendlich aus dem Haus geworfen.

 Meine Mutter hat sich nicht getraut, was zu sagen und mir hat er ebenfalls ins Gesicht geschlagen, als ich meinen Bruder in Schutz nehmen wollte. Zwei Tage später hat man Karel, so hieß mein Bruder im Wald gefunden. Er hat sich dort erhängt.“

Die Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden und nun weinte er wieder. Meinen Vater so zu sehen, schneidet  mir tief ins Herz und ich schlinge beide Arme um ihn, bette seinen Kopf an meiner Brust, streiche tröstend durch seine Haare. Worte finde ich im Moment keine und auch mir laufen die Tränen die Wangen runter. Mein Gott, welch ein Drama hat er da erlebt.

Nach zehn Minuten, das Schluchzen hat nachgelassen, löst er sich von mir, fängt wieder an zu reden. „Es ist jetzt achtundzwanzig Jahre her, am Tage der Beerdigung habe ich meine Heimat verlassen und bin nie mehr dorthin zurückgekehrt. Beim Fortgehen habe ich ihn, meinen Vater verflucht, weil er sein eigen Fleisch und Blut in den Tod getrieben hat.

Er hat mich beschimpft. Weil ich ihn verlassen habe, weil er jetzt allein war mit meiner Mutter, die von dem Tag an, als man Karel fand, kein Wort mehr mit ihm gesprochen hat. Jahre später habe ich einen aus unserem Dorf getroffen und der hat mir erzählt, das er sich tot gesoffen hat, weil ihn die Schuld irgendwann eingeholt und zerfressen hat.“

Vater seufzt tief, das Erzählen hat ihn mitgenommen. Er dreht sich zu mir, nimmt mich bei den Schultern und sagt: „Damals habe ich mir geschworen, wenn je eines meiner Kinder sich als schwul outet, das das nichts ändert zwischen uns, das das meine Liebe und Fürsorge nicht beeinflusst, weil das kein Kind selbst bestimmt, ob es schwul ist oder nicht und ich es niemals ertragen könnte, eines meiner Kinder in den Tod getrieben zu haben.“

Jetzt zieht er mich zu sich ran und streicht durch meine Haare. „Sergej“, sagt er, „ du bist und bleibst unser Ältester, den wir lieb haben und wenn du dich in einen Jungen verliebt hast, dann ist das eben so. Und wenn er dich auch liebt und dich glücklich macht, dann ist er bei uns immer gern gesehen, nicht wahr, Mama“.

Er sieht sie an und sie nickt, stumm, immer noch überwältigt von Papas Erzählung. Ich bin sicher, dass sie das heute auch zum ersten Mal so erfahren hat.

„Kann ich meinen Freund anrufen, er wartet  in der Nähe auf mich“, frag ich. „Bring ihn her“, sagt Mama, „ich koche Kaffee und dann stellst du ihn uns vor, deinen Freund. Wie heißt er denn, der Glückliche?“ „Er heißt Jerome“, sag ich, „Jerome Remmers, und er ist etwas jünger wie ich, aber wieso sagst du der Glückliche, Mama, du kennst ihn doch gar nicht.“

„Wer meinen Großen Jungen bekommt, der muss einfach glücklich sein“, sagt sie und lacht mich an. „Ich hol ihn“, sag ich und will zur Tür. Ich habe aber die Rechnung ohne Vanessa gemacht, die unbemerkt von uns herein gekommen ist. „Ich will mit“, sagt sie und so schnapp ich sie und nehme sie einfach mit.

Unten auf der Straße setze ich sie auf meine Schultern und gehe mit großen Schritten dorthin, wo das Auto steht. Jerome sieht mich schon von weitem, springt aus dem Wagen und kommt mir entgegen gelaufen. An meinem Gesicht und an der Anwesenheit von Vanessa kann er ablesen, dass alles gut ist und er strahlt übers ganze Gesicht.

Er fällt mir um den Hals, trotz dem Kind auf meinen Schultern und küsst mich. Dann schaut er hoch zu ihr. Bevor er etwas sagen kann, fragt sie  ihn: „Wer bist du, das ist mein Bruder, den darfst du nicht küssen.“

„Das ist mein Freund Jerome, Vanessa, und der darf mich auch küssen, denn den hab ich auch lieb“, sag ich zu ihr. „Dann bist du auch mein Freund“, sagt sie zu Jerome und strahlt ihn an. Wir gehen zu Martin ans Auto und als wir ankommen, steigt Martin aus. „Wenn ich das richtig sehe, ist alles OK jetzt, oder?“, fragt er.

„Ja, Martin, es ist alles OK“, kommt mir Jerome mit der Antwort zuvor. „Ich könnte ja dann einfach mal ins Hotel fahren und dort alles einräumen. Wenn ihr mich dann später braucht, ruft ihr an, dann komm ich“, sagt Martin und schaut Jerome an. Der schaut mich an und als ich nicke, sagt er: „OK, Martin, dann fahr du ins Hotel, wir melden uns“.

Martin steigt ein und wir, wir gehen den Weg zurück, den ich eben freudig gekommen bin. Jetzt geh ich ihn zum zweiten Mal, mit meinem Schatz und mit meiner kleinen Schwester Vanessa und ich könnte gerade die ganze Welt umarmen.

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