Welcome Kapstadt – Teil 6

Ich schlug die Augen auf und zwei Schmerzzonen meldeten sich auf der Stelle. Die schlimmste war mein Kopf, dann folgte mein Finger. Noch völlig benommen versuchte ich herauszufinden was eigentlich passiert war.
Ich lag auf dem Rücken, zugedeckt mit einer Decke in einem Bett und es war dämmrig. Ob Morgen oder Abend, das wurde mir erst klar als ich auf die Uhr auf Shauns Nachttisch sah. 7 Uhr AM.
Um meinen teuflisch brennenden linken Zeigefinger war ein dicker Verband und neben den Schmerzen im Kopf fühlte ich mich wie in einer Sauna; mir war schrecklich heiß und schummrig.
Im dämmrigen Licht erkannte ich Shauns Zimmer. Nur langsam kam die Erinnerung zurück. Sie reichte aber nur bis zu dem Moment, wo ich ein kühles Glas Sekt getrunken hatte. Was dann geschah, wusste ich nicht mehr.
Langsam drehte ich mich zur Seite und trotz meines üblen Empfindens erhellten sich meine Gedanken. Shaun lag neben mir. Von mir weggedreht atmete er ruhig und gleichmäßig.
Ich beobachtete seinen Schlaf. Schön, neben Shaun zu liegen, das konnte mir in diesem jämmerlichen Zustand nicht schaden. Mein Traumboy hatte leider T-Shirt und Boxer an.
Shaun räusperte sich und drehte sich zu mir hin. Meine Güte, wie schön er war selbst in diesem schwachen Licht. Und wie unschuldig sah er aus. Ich musste ihn anfassen, irgendwie. Ich durfte das schließlich ja auch, oder viel mehr, ich nahm es mir heraus.
Mit zitternden Fingern fuhr ich über sein Gesicht, streichelte seine Wangen und seine Bartstoppeln fühlten sich merkwürdig an. Immerhin kannte ich dieses Gefühl noch nicht.
Shaun schlug die Augen auf und schien sofort hellwach.
» Morgen Shaun « sagte ich leise, wobei mein Kopf jeden Ton wie durch einen Resonanzboden schmerzhaft wiedergab.
» Dario. Wie geht es dir? « Sein Gesicht sah besorgt aus – wie immer wenn es mir nicht gut ging.
» Ich weiß nicht, so schlecht ging’s mir noch nie. Aber warum, das wüsste ich gerne. «
» Du kannst dich nicht mehr erinnern? «
» Nur noch, dass ich mit euch ein Glas Sekt getrunken habe. «
» Sonst an nichts? «
» Nein, keine Ahnung. «
Er rückte noch näher zu mir und nun lagen wir so eng aneinander wie ich es mir in diesem Bett schon immer gewünscht hatte. Ich schob mich die fehlenden Zentimeter an ihn und nun waren wir eins. Trotz meiner inneren Hitze war es phantastisch seine Körperwärme zu spüren. Er legte einen Arm um meinen Bauch und drückte sein Gesicht an meinen Hals.
» Shaun, was ist eigentlich passiert? Mein Finger tut so schrecklich weh, mir ist heiß und Kopfschmerzen hab ich wie ein Gaul. «
Er stützte seinen Kopf auf den Arm und sah mich intensiv an. Anscheinend dachte er nach.
» Was ist? Willst du es mir nicht sagen? «
» Doch, schon. Der Grund warum du dich so elend fühlst – dich hat eine Spinne gebissen. «
Ich hörte seine Worte, ich verstand sie auch, aber ich glaubte sie ihm nicht.
» Was sagst du? Eine Spinne? « Dunkle Bilder wurden heller.
» Ja, nicht weiter schlimm. Diese Tiere sind nur für kleine Kinder, ältere Leute und Menschen, die nicht gesund sind, gefährlich. Einem kräftigen Jungen wie dir kann sie nichts anhaben. «
Ich ließ mich ins Kissen fallen, wonach Shaun sofort über mir war.
» Mach dir keinen Kopf. Du hast eine Spritze bekommen und in ein paar Tagen ist alles Vergangenheit. «
» Wie konnte das passieren? « fragte ich nach dem ersten Schreck.
» Die Schwarze Witwe lebt gewöhnlich im Freien, aber jetzt im Herbst, da kommen sie schon manchmal in die Wohnungen. Es wird ihnen draußen zu kalt. Und du hast halt das Pech gehabt sie zu berühren. Das kommt öfter vor und sie mögen das halt nicht. .. Ach, vergiss es einfach. «
» Und wieso weiß ich davon nichts mehr? «
» Schutzmechanismus deines Körpers. Du bist Ohnmächtig geworden. Das hatte mit dem Biss nichts zu tun, das war der Schock. «
In diesem Moment fiel mir alles wieder ein. Der Stich in meinen Finger, wie Shaun das Vieh erschlug. Langsam, Schritt für Schritt kamen die Bilder wieder. Aber sie schienen nicht real. So, als würden mir die Szenen eines Films nach langer Zeit wieder einfallen.
Ich holte tief Luft. Das würde mir zu Hause keiner glauben, so wie ich es in diesen Augenblicken auch nicht unbedingt tat.
» Und wie geht es weiter? « fragte ich, nachdem sich Shaun wieder an mich gekuschelt hatte.
Er drückte mich fest an sich. » Du bleibst erst mal hier bei mir, bis es dir wieder besser geht. «
Er fuhr mir durch die schweißnassen Haare und streichelte mein Gesicht. In diesem Moment kamen die Ängste zurück. Dass ich gehen, ihn nie wieder in die Augen blicken wollte. Seine Mutter, sein Onkel, der Anruf seines Vaters.
» Herein « rief Shaun, als es an seine Tür klopfte und ich wartete, dass er aufspringen würde, damit man uns nicht so nebeneinander im Bett liegen sah. Aber Shaun rührte sich nicht.
» So, Fiebermessen « sagte seine Mutter, trat ein und kam zu uns ans Bett.
Die Situation war mir peinlich, auch wenn ich meinen Slip und mein Shirt anhatte und außerdem noch zugedeckt war.
Sie lächelte mich an. » Und, wie geht es dir? Gut geschlafen? «
Sie sagte zuerst nichts. Dass ich und ihr Sohn in einem Bett lagen schien sie gar nicht zu bemerken. Akzeptierte sie mich schon? Selbst ihr Blick änderte sich nicht.
» Schlafen? Ich denke es war wohl eher Ohnmacht « gab ich nach einer Weile als Antwort.
» Ja, die Spritze mit dem Gegengift hat es schon in sich. Hab ich auch schon hinter mir. Und wie du siehst geht es mir gut. Also, nun lass mich mal kurz messen. «
Sie hielt mir das Messgerät ins Ohr und es kitzelte.
» 38,5. Das ist doch schon was. Wie geht es dir sonst? Schmerzen? «
» Mein Finger und mein Kopf; so in der Reihenfolge.. «
» Dein Finger wird noch eine Weile brauchen. Aber der Arzt kommt morgen eh vorbei, dann wird er danach sehen. Hier, ich hab dir eine Tablette mitgebracht. Nimm sie, und es wird dir rasch besser. «
Sie hielt mir die Tablette und ein Glas Wasser hin.
Diesmal nahm ich sie wirklich.
Shauns Mutter fuhr mir über die Haare und ich fühlte mich wie ihren eigenen Sohn. Ihre Berührung tat gut.
» Ich lass euch jetzt alleine. Wenn ihr etwas braucht findet ihr es in der Küche. Ich muss wieder raus in den Wein. Und du, mein lieber Sohn, du wirst bei deinem Freund alle zwei Stunden Fieber messen. Und vergiss es nicht! «
„Deinem Freund“ hatte sie gesagt. Es ging mir gleich ein bisschen besser.
» Ich geh mich jetzt mal frisch machen. Hast du Hunger? « fragte Shaun, nachdem seine Mutter gegangen war.
» Im Augenblick eher nicht. «
» Du, Shaun? « fragte ich dann.
» Ja? «
» Wer hat mich eigentlich ausgezogen? «
Er grinste. » Diesen Part hab ich übernommen. «
» Dann hast du mir ja was voraus.. hast meinen Hintern gesehen..«
» Quatsch. Ich hab dich ja nicht nackt ausgezogen. Hosen, Schuhe, Strümpfe. Mehr nicht. «
Es kribbelte trotz Fiebers in meinem Körper, als ich mir die Situation vorstellte. Wie hatte er es gemacht? Gefühllos weg mit den Klamotten oder ließ er sich Zeit, betrachtete er mich dabei? Und was hat er dabei gefühlt??
» Und wo hab ich bitte die Spritze hinbekommen? «
Ich wusste es, denn die Stelle brannte noch ein bisschen, aber ich wollte es von ihm hören.
» In den Hintern « sagte er und grinste immer noch.
» Du warst also dabei? «
» Ich hab dich keine Sekunde aus den Augen gelassen. Doktor Case ist ein Freund der Familie und er hat mich nicht wie üblich rausgeschickt. «
» Also hast du doch… meinen Hintern.. «
» Hey, Dario, übertreib nicht « lachte er, » du hast einen schönen Arsch, der ist aber auch so zu sehen, dazu muss man dich nicht ausziehen. «
Ich wurde rot, weil ich mich kenne. » Trotzdem, du hast ihn pur gesehen. «
Er kam zu mir ans Bett. » Ja, klar hab ich das. Und es war ein geiler Anblick. Nur solltest du den bei nächster Gelegenheit auch mal die Sonne sehen lassen. Sonst noch was? «
» FKK also? «
» So in dem Dreh. «
Es machte mir Spaß ihn aufzuziehen.
» Und, hast du auch mein.. «
Er schien nicht zu merken wie ich ihn hochnahm.
» Was jetzt? Ob ich dein bestes Stück auch gesehen habe? « fragte er laut.
Ich musste mich beherrschen um nicht loszulachen. Die Tablette hatte ihr Wirkung nicht verfehlt und mir ging es fast schon gut. Nur das Fieber spürte ich noch.
» Ich bin doch kein Spanner. Außerdem lagst du ja die ganze Zeit auf dem Bauch. «
» Soso. Und was hast du mit mir angestellt, nachdem der Doktor gegangen war? «
In dem Moment merkte er dass ich ihn ärgern wollte.
Mit einem Satz landete er auf dem Bett und setzte sich auf meinen Bauch.
» Weißt du, ich hab dich dann umgedreht, hab dir den Slip runtergezogen und an dir herumgespielt. War echt ein Erlebnis. Und du warst so herrlich Machtlos. «
Wir grinsten uns an und begannen zu lachen.
Dennoch, nach wenigen Minuten meinte ich durch Shauns Kopf hindurchsehen zu können. Oben an der Decke über uns schwebte ein metallener Gegenstand. Mein Fieber gaukelte mir so was wie ein Damoklesschwert vor. Es drehte sich, und irgendwann würde der Draht, an dem es hing, reißen und mit der Spitze meinen Kopf durchschlagen. Und ich wusste, wann der Draht reißen würde; spätestens an dem Tag, an dem ich abreisen musste.
Aber ich konnte den Gedanken nicht fortführen. Weiche Lippen berührten meine, der Tanz unserer Zungen begann. Das Schwert blieb da oben, aber ich versuchte es zu ignorieren.
» Ich geh jetzt unter die Dusche. Und wenn ich fertig bin, kommst du dran. «
Er ließ von mir ab und ging ins Bad. Wie elegant sein Gang war, aufrecht und betont. Er watschelte nicht wie eine Ente und sein Hintern schrie geradezu nach anfassen.
Wir lagen nackt auf seinem Bett. Endlich. Endlich war es wahr geworden. Shaun lag neben mir und schlief. Ich streichelte seine Brust, seinen Bauch. Sein Schwanz lag friedlich zwischen seinen Schenkeln, die letzten Stunden war einfach nur phantastisch. Ich strich mit einem Finger über seine Lippen, seine Nase, sein Kinn. Ich leckte an seinen Brustwarzen und schnupperte mich von seinem Bauch abwärts bis zu den dichten, schwarzen Schamhaaren. Wie oft war es uns gekommen? Zweimal, dreimal? Wozu zählen, es war schöner als alles was ich bisher erlebt hatte. Und Shaun war sicher der zärtlichste Junge den es gab auf der Welt. Und ich fühlte mich wohl. Genauso hatte ich mir das erste Mal mit ihm vorgestellt.
Shaun drehte sich zu mir und legte seine Hand auf meinen Bauch. Welch herrliches Gefühl.
» Wie schön, dass du nie mehr nach Deutschland zurückmusst « murmelte Shaun müde, nachdem er durch meine Zärtlichkeiten wach geworden war.
Ja, ich war überglücklich. Ich durfte hier bleiben, hier bei ihm.
Plötzlich hörte ich ein Geräusch. „Ping“. Es klang, als würde jemand eine Gitarrensaite mit einer Zange durchschneiden. Und das Geräusch kam von oben. Erschrocken sah ich zur Decke und sah in Zeitlupe das Schwert auf mich zurasen. Ich wollte ausweichen, aber ich konnte mich nicht bewegen.
» Shaun « schrie ich, » Shaun, das Schwert. Ich komm nicht weg.. halt es auf.. bitte.. es bringt mich um… «
Ich wurde furchtbar geschüttelt.
» Aufwachen. Dario, wach auf!! «
Ich schreckte hoch, mein erster Blick ging nach oben. Es dauerte eine Weile, bis der Fiebertraum gewichen war. So schlecht hatte ich noch nie geträumt.
» Dario, ich bin hier, es ist alles in Ordnung. «
Ich krallte mich in Shauns Haaren fest. » Das war grauenvoll. «
» Komm, es ist vorbei. Ganz ruhig.. «
Ich zog ihn zu mir und drückte ihn. Ich spürte Tränen auf meinen Wangen herunterlaufen, vermischt mit dem Schweiß der meinen ganzen Körper einzuhüllen schien.
» Shaun, lass mich nie mehr los. Versprich es mir. Ich überlebe es nicht wenn wir uns trennen müssen. «
Er sagte nichts, hielt mich nur fest und küsste mein Haar.
Eine ganze Weile saßen wir so da auf dem Bett und ich traute mich nicht nach oben zu sehen. Ich hatte plötzlich furchtbare Angst.
» Du hast noch Fieber, aber das geht wieder vorbei. Keine Angst, ich bleibe bei dir. «
Ich traute mich nicht zu fragen, wie lange. Ich wollte nicht wieder Streit mit ihm. Nur noch bei ihm bleiben.
» So, komm, ich muss dein Fieber messen « sagte er irgendwann.
Ich nickte und legte mich zurück. Mir war schlecht, ich hatte Angst und ich suchte seine Hand. Ich musste ihn anfassen und ich würde ihn nie mehr loslassen. Das beschloss ich. Kein Wenn und Aber. Kein Zurück.
Shaun war sehr vorsichtig als er den Fiebermesser in mein Ohr steckte.
» 39. Es ist wieder gestiegen. Ich werde Doc Case rufen, er hat uns darum gebeten wenn es wieder steigt. «
» Geh nicht « rief ich.
» Ich muss ans Telefon. «
» Hier, nimm mein Handy, aber bleib bei mir. «
Shaun zog die Schulter hoch. »Gut, wenn du meinst. «
Eine halbe Stunde später bekam ich erneut zwei Spritzen und Tabletten ließ der Arzt auch da. Ein freundlicher Mann, sehr aufgeschlossen und nett. Dass er eine dunkle Hautfarbe hatte störte mich nicht.
» Okay, ich komme Morgen sowieso noch einmal vorbei, dann seh ich mir dich noch mal an. Bis dahin keine Mätzchen, bleib liegen und versuch zu schlafen. «
Wenn ich an den Traum dachte, wollte ich nie wieder schlafen. Allerdings, außer diesem Schwert war der es ja okay. Ob ich Shaun davon erzählen sollte? Ich hatte im Traum seinen kleinen Freund gesehen. Und ob er wirklich so aussah? Ich spürte trotz allen Widrigkeiten dass meine Gefühle noch da waren. Ziemlich stark sogar.
Shaun hob mich plötzlich hoch.
» Was machst du da? «
» Dumme Frage. Case hat nicht gesagt dass du nicht duschen sollst, du bist ja völlig durchgeweicht. «
Widerstand war zwecklos, das merkte ich sofort.
Er schob mich zum Badezimmer wobei er mich auch stützen musste, zu wacklig war ich auf den Beinen.
» Und das geht alles vorbei? « fragte ich ihn.
» Klar. Kannst dir ja trotzdem was einbilden. Es gibt nicht viele Europäer die von einer Schwarzen Witwe gebissen werden. «
» Glaubt mir doch eh keiner. Und zudem hätte ich liebend gerne darauf verzichten können. «
» Hm, vielleicht hast du recht. So, jetzt runter mit den Klamotten. Soll ich dir dabei helfen? «
Er meinte es wohl ernst, aber ich nicht. Dank den Spritzen war ich Schmerzfrei, das Fieber ignorierte ich, da es mir nicht alle Kraft nahm.
Ich druckste herum, hielt mich am Waschbecken fest und täuschte Shaun. Schon einmal war mir das im Flugzeug gelungen.
„Dario, du wirst dich niemals ändern. Das hat irgendwann einmal böse Folgen“ hörte ich meine innere Stimme.
» Komm, ich tu dir nichts « sagte er und zog mir mein T-Shirt über den Kopf. Shaun starrte auf meinen Körper und mir wurde anders.
» Ist was? «
» Äh, ja, klar. «
» Und was bitte? «
» Du hast einen wunderschönen Body « murmelte er, was mir mit Sicherheit wieder unelegante Röte ins Gesicht trieb. Der Blick in den Spiegel bestätigte das dann auch noch.
» Und? Was bedeutet das nun? «
Wieder begann ich mit ihm zu spielen. Und es war einfach herrlich.
» Nichts, gar nichts. «
Er sah auf meinen Slip. Anscheinend wusste er nicht wie er es anfangen sollte. Dass ich ihn zum ausziehen nicht brauchte musste er wissen. So standen wir uns gegenüber und ich spürte dass mein kleiner Freund um Aufmerksamkeit bat. Lange konnte er in seiner Ruhestellung nicht mehr bleiben.
Shaun wurde verlegen, während ich noch immer gekünstelt Halt am Waschbecken suchte.
» Lange kann ich nicht mehr stehen « seufzte ich.
» Ist ja schon gut « hörte ich Shaun mit sehr unsicherer Stimme.
Er packte meinen Slip beidseits am Bund und zog ihn herunter, sah dabei aber weg und drehte mich sofort um.
» So, Abmarsch « sagte er und schob mich in die Duschkabine.
Weshalb zierte er sich eigentlich so?
Ich begann den Boden zu überspannen, aber ich war so gereizt dass ich alles versuchte. » Willst du mich alleine hier drin lassen? «
» Nein « sagte er laut, etwas genervt wohl auch und dann war ich gespannt was er tun würde.
» Warte, wir haben etwas vergessen « rief er und verließ das Bad.
Da stand ich nun. Sein Ton war nicht freundlich, gar nicht. Ich musste vorsichtiger sein um ihn nicht wirklich zu ärgern.
Kurz darauf stand er wieder vor mir, in der Hand eine Plastiktüte.
» Wir müssen deinen Finger einwickeln, der Verband darf nicht nass werden. «
Ja klar, da hatte er recht. Wenngleich ich in meinen tiefen und lüsternen Gedanken an ein Kondom gedacht hatte. Nach Sex schien ihm jedenfalls nicht zu sein. Auch recht. Ich würde ihn eh nackt sehen. Jetzt. Gleich.
Ohne Aufforderung hielt ich ihm meine Hand mit dem Verband hin und er stülpte die Tüte geschickt darüber.
» So, ich warte hier, es kann dir nichts passieren « sprach er und zog den Vorhang vor. Er blieb draußen vor der Duschkabine und ich konnte seine Silhouette erkennen. Er stand wirklich ganz dicht am Vorhang, aber was nützte mir das? Nichts.
» Übrigens, wir können später in den Garten. Ich hab alles für dich hinrichten lassen und es ist so schönes Wetter « hörte ich ihn durch das Rauschen des Wassers sagen.
» Wenn du meinst « antwortete ich.
Kein Schäferstündchen in seinem Zimmer. Ich ärgerte mich zwar, dass er nicht zu mir unter die Dusche gekommen war, aber das ärgerte mich noch mehr. Wann sollte es endlich passieren? Wollte er es überhaupt, nach allem was ich zu ihm gesagt hatte? Ich begann zu zweifeln. War nicht ich es, der mit ihm spielte, sondern umgekehrt? Vielleicht sollte ich doch wirklich zurück? Aber gerade das hatte er doch nicht gewollt. Das Ganze begann mir komisch vorzukommen.
Mein kleiner Freund schwieg beharrlich, mir war die Lust vergangen.
Er hielt sich ein großes Badetuch vors Gesicht als ich den Vorhang zurückzog. So, als wolle er mich gar nicht sehen.
Wortlos nahm ich das Tuch und Shaun drehte sich um.
» Sag mal, warum verhältst du dich so komisch? «
Er unterbrach mich. » Es ist.. «
Plötzlich drehte er sich zu mir um und sah mir in die Augen. » Verdammt, ich bin verliebt in dich. Ich wusste nicht wie das ist, jedenfalls nicht so. Und du läufst hier nackt vor mir herum und machst mich mächtig nervös. «
Ich grinste. » Na und? Du weißt doch wie Jungs aussehen, ohne Klamotten mein ich. Warum ziehst du dich nicht auch einfach aus und schon ist alles in schönster Butter? Oder gibt es etwas, was… «
Er packte mich an den Armen. Dass dabei das Badetuch zu Boden fiel schien ihn nicht zu stören. Seine klebten Augen an meinen, er sah nicht an mir herab.
Er wurde etwas lauter: » Ich bin kein notgeiles Geschöpf. Ich werde nicht über dich herfallen und ich wünsche mir, dass du das auch nicht tust. Ich dachte, wir würden es an einem romantischen Ort, mit viel Zeit und Liebe tun. Nicht auf einem Waschbecken in einem sterilen Bad oder in zehn Minuten in einem Bett. Vielleicht bin ich altmodisch, kann ja sein, aber ich bin halt so. «
Wie liebte ich ihn für diese Worte. Und akzeptierte es sofort, auch wenn die Situation mehr als brenzlig war.
Ich zog meinen Slip an und Shaun sah dabei weg.
» Ich respektiere das, du hast sicher recht. Aber, wenn ich es recht überlege.. Da oben, im Flieger, dachtest du nicht auch dass wir zusammen.. dass wir es im Klo treiben könnten? « Mir wurde schwindlig bei dem Gedanken.
Er schnaufte. » Klar, jeder hat so seine Phantasien. Aber du warst und bist mir zu schade für solche Aktionen. Sie passen nicht zu dir – sowenig wie zu mir. «
» Entschuldige wenn ich dir irgendwie zu nahe getreten bin. « Ich wusste ja dass ich ein Schwein bin.
» Kein Problem, du musst dich nicht für etwas entschuldigen, was du vielleicht nur gedacht hast. Wie geht es dir jetzt? « Seine sanfte Stimme war zurückgekehrt.
» Besser. Ich glaub ich könnte auch etwas essbares Vertragen. «
» Das klingt gut. Komm, lass uns runtergehen. «
Ich zog mich an und mit jeder Minute kehrten die Lebensgeister wieder in meinen Körper zurück. Nur der Schmerz in meinem Finger erinnerte mich an die letzten beiden Tage. Und an diese schreckliche Spinne.
Wir saßen im Garten, der eigentlich ein Park war, auf gemütlichen Liegen. Shaun blinzelte in die Sonne.
» Ein schöner Tag. So könnten alle sein. «
» Meinst du das nur wegen dem Wetter? «
Er grinste mich an. » Nicht nur, das stimmt. Aber du bist sehr anstrengend, weißt du das? «
» Hab nie das Gegenteil behauptet. «
Was hatte ich mir eigentlich vorgestellt, als ich mich entschied hier zu bleiben? Dachte ich wirklich daran, mit Shaun nichts als Sex zu haben? Den ganzen lieben langen Tag und die Nacht dazu? Ich schielte zu ihm. Er lag ausgestreckt auf der Liege, hatte sein Shirt ausgezogen und ich studierte seinen Körper. Was hatte er gesagt? Ich hätte einen wunderschönen Body? Was zum Teufel hatte denn dann er? Ein glatter Bauch wie er im Bilderbuch steht und seine Beine erst.. Ich holte tief Luft als mein Blick an seinen Füßen angekommen war.
Er schien gespürt zu haben dass ich ihn förmlich verschlang und blinzelte mich an.
» Bist du jetzt arg enttäuscht? «
Ich wusste was er meinte. » Nein, überhaupt nicht. « Ich konnte davon ausgehen dass er mir das glaubte, obwohl es gelogen war. Ich hätte ihn auf der Stelle vernascht. Hier und jetzt, wie schon so oft. Aber ich war ihm ja zu schade dafür. Wieso sollte er eigentlich nicht recht haben? Das Leben ist so schrecklich kurz nun auch wieder nicht.
Er grinste so komisch, sagte aber nichts. Also kam ich zu dem Schluss, dass er mir doch nicht glaubte.
» Am Dienstag habe ich uns übrigens ein Zimmer in einem Hotel in Arniston bestellt « sagte er wie beiläufig.
Ich starrte ihn an.
Er setzte sich auf und kramte nach einer Karte auf dem Tisch. Mir war nicht aufgefallen dass da eine Menge Zeitschriften und Kataloge herumlagen.
» Hier. Dann fahren wir nach L’Agulhas. Das ist der südlichste Punkt Südafrikas. Da, wo Atlantik und indischer Ozean zusammentreffen. « Dabei deutete er auf eine Stelle in der Karte.
Ich brachte kein Wort heraus. So ohne Vorwarnung stellte er mich vor eine – Zugegebenerweise angenehme – Tatsache.
» Wir fahren Morgens los, sind Nachmittags da, verbringen den Rest des Tages am Meer, übernachten und fahren Mittwoch wieder zurück. «
Sein Blick anschließend hätte sowieso jeden Widerstand im Ansatz erstickt. Ich freute mich so, dass ich ihm einen Kuss auf die Wange gab.
Beinahe hätte ich ihm gesagt, dass wir den Abend zuvor in „Das Phantom der Oper“ in Kapstadt gehen würden. Aber Nadine hätte mir diesen Ausrutscher nie verziehen. Ich biss mir auf die Lippen.
Wir sahen uns nur an, Worte waren nicht nötig. Und ich ahnte, dass das die Nacht der Entscheidung sein würde. Shaun wollte sich das aufheben, bis zu diesem Tag. Ich kam mir vor wie einer, der in fünf Tagen Hochzeit hatte und erst da mit der Braut schlafen durfte. Braut, so ein Schwachsinn. Offenbar nagte noch immer das Fieber in meinem Gehirn.
Aber mein Spielkamerad würde trotzdem so lange nicht warten können.
» Wo werde ich eigentlich schlafen die nächste Zeit? «
Shaun blinzelte mich wieder an. Seine langen Wimpern warfen einen geheimnisvollen Schatten über seine Augen.
» Kannst es dir aussuchen, Zimmer haben wir genug und zur Zeit sind keine Gäste im Haus. «
Klar, wieso erwartete ich, dass er sagte „bei mir natürlich“? Nicht vor Mittwoch, wenn überhaupt. Was hatte er gesagt? „Du bist anstrengend“. Shaun, du auch, wenn nicht sogar sehr viel anstrengender, dachte ich.
Ich schielte zu seinen Beinen. Schwarze Härchen zierten sie, nicht so dicht aber deutlich. Und die Füße – nun sah ich sie im hellen Sonnenlicht. Die Hände, die er auf dem Bauch liegen hatte. Und schließlich seine Shorts, die noch immer ein Geheimnis bargen. Es gelang einfach nicht, ihn mir nackt vorzustellen.
Stöhnend ließ ich mich zurückfallen.
» Geht es dir nicht gut? «
Ich mutmaßte, dass er mich wirklich keine Sekunde aus den Augen ließ.
» Doch, doch, alles in Ordnung. «
» Wirklich? «
Ich sah zu ihm hin und winkte ab. Er schloss die Augen wieder und ich nahm einen großen Schluck Orangensaft. Würden wir so die Tage hier verbringen? Nun ja, das war Urlaub pur. Aber war es das was ich wollte? Hier? Zusammen mit ihm?
» Darf ich dir einen Kuss geben? «
Das war mir so spontan eingefallen.
Er stand auf, beugte sich über mich und schon hatte er meinen Wunsch erfüllt.
Ich hielt ihn fest. » Danke. «
» Keine Ursache. «
» Nein, ich meine nicht nur für den Kuss. Danke für alles. «
Er setzte sich auf meine Liege und fuhr durch mein Haar. Unter diesen Umständen müsste ich morgen wieder fit sein, dachte ich.
» Wenn du möchtest, zeige ich dir morgen Kapstadt. «
» Wirklich? «
» Klar, wir können ja nicht ewig hier herumhängen. «
Er konnte Gedanken lesen, da war ich mir jetzt sicher.

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