Mein liebster, bester Weihnachtsmann – Teil 6

Neubeginn bei alten Freunden

Jan

Licht fällt durch die Ritzen der Vorhänge und es dauert einen Moment, bis ich weiß, wo ich bin. Das Bett ist mir bekannt und auch die Möbel sind noch dieselben, wie damals, als ich zuerst mit Nelson und später dann mit Julien in diesem Bett geschlafen habe.

Ich dreh meinen Kopf und sehe die kleinen schwarzen Löckchen, die unter der Bettdecke hervor schauen, während der Rest des Kopfes darunter verschwunden ist. Tiefe Atemzüge verraten mir, dass mein Herzblatt noch fest schläft. Auf dem Rücken liegend, schiebe ich nun beide Hände unter meinen Kopf und schaue zur Decke hoch.

Wir sind da, sind wieder im Rheingau, bei Opa, Oma und Artus, bei unseren Freunden, die wir so lange nicht gesehen haben, von den Skypbildern mal abgesehen. Heute Abend wollen sie alle kommen, zur Begrüßungsparty, hat Michael heute Nacht gesagt. Ich freu mich so. Neben mir scheint einer gerade wach zu werden.

Sein Kopf kommt nun ganz unter der Decke hervor und sein Blick nimmt mich wahr, ein Lächeln überzieht sein schönes Gesicht und er schiebt sich zu mir hoch, legt seinen Kopf auf meine Brust. Sein rechter Arm legt sich um mich und an meiner Seite fangen seine Finger an, zart zu kraulen.

Ich vergrabe mein Gesicht in seinen duftenden Locken, atme ihn ein, seinen unvergleichlichen Geruch. Den Geruch liebe ich, wie alles an ihm. Meine Nase fährt durch die Locken hin und her, zaubert ein erneutes, liebes Lächeln auf sein Gesicht und seine Lippen kosen eine meiner Brustwarzen. Ein leichtes, erregendes Ziehen geht von der beschmusten Stelle aus, angenehm fühlt sich das an, sehr angenehm.

Ich seufze ein bisschen, streiche nun über seinen nackten Rücken herunter bis an den Rand seiner Shorts und dann wieder hinauf bis zwischen die Schulterblätter. Das mag er gern, mein lieber Schatz, wenn ich seinen Rücken streichele, dann hält er immer ganz still und genießt.

„Komm, Jan, wir gehen unter die Dusche, es ist neun Uhr vorbei und ich krieg langsam Hunger. Außerdem sind da noch ein paar allmorgendliche Versteifungen, die man weg massieren muss“, sagt er, verschmitzt grinsend und dann spür ich seine Hand an meinem Teil. „Der Masseur scheint schon anzufangen“, kommentiere ich seine Bemühungen, meine Morgenlatte weg zu rubbeln.

„Ab ins Bad, wir wollen doch das Bettlaken nicht gleich am ersten Morgen versauen, oder? Oma ist auch nicht mehr die jüngste und ständig unsere Bettwäsche zu waschen, das wollen wir ihr nicht zumuten“, sag ich und stehe auf. In dem ich mich einfach unter ihm wegrolle. Er folgt mir und schiebt mich vor sich her, in die Dusche.

Da ich weiß, das immer zuerst ein paar Sekunden sehr kaltes Wasser aus der Dusche kommt, drück ich mich ganz an den Rand der Kabine, bevor ich das Wasser auf drehe. Julien zieh ich in meinen Arm und halte ihn vor mich gepresst, so dass er die kalten Strahlen über den Rücken und den Po bekommt.

In dem Moment, wo ich ihn an mich ziehe, realisiert er, was kommt und will sich wegschieben, was im allerdings nicht gelingt, weil ich ihn nach dem Aufdrehen mit beiden Händen und Armen umfasst habe. Er quiekt wie ein junges Ferkel und versucht, den kalten Strahlen zu entkommen und erst als warmes Wasser kommt, lass ich ihn los. Die ganze Zeit hat er dabei sein Lächeln nicht verloren und jetzt, als ich ihn frei gelassen habe, suchen seine Hände an meinem Bauch nach unten bis zu meiner Morgenlatte.

Der wird nun eine Antiversteifungsmassage zu teil, die aber zunächst mal für noch mehr Steife sorgt, und erst nach längerer intensiver Behandlung löst diese sich, nach einem erlösenden Erguss, langsam auf. Stöhnend habe ich seine erfolgreichen Bemühungen beobachtet um nun meinerseits ihn ebenso Zärtlich und hingebungsvoll zu massieren, mit dem gleichen Ergebnis, versteht sich.

Jetzt seifen wir uns gegenseitig von allen Seiten ab, und nach dem auch der letzte Schaum abgewaschen ist, helfen wir uns gegenseitig beim Abtrocknen. Zurück im Zimmer, ziehen wir uns warm an, denn draußen ist es Winter, kalt ist es im Rheingau. Lange Unterwäsche ist da ein Muss uns wir  haben natürlich alles dabei dieses Mal.

Die Jacken über dem Arm und warme Wintermützen in der Hand, gehen wir nach unten, um zu frühstücken. Oma und auch Opa sitzen in der warmen Küche am Esstisch, beide haben schon gefrühstückt und Opa liest gerade die Zeitung. Wir begrüßen beide mit einem Kuss auf die Wange und setzen uns dann an den gedeckten Tisch.

Opa geht es besser, er ist fieberfrei, will sich aber heute noch ein bisschen schonen. Da in den Weinbergen der Winter wütet, kann man da um diese Jahreszeit eh nicht viel machen und so ist es eigentlich egal, das Opa sich noch schonen will,

Das Weihnachtsgeschäft ist abgeschlossen, alle bestellte versandt oder ausgeliefert und den Jahresabschluss macht der Steuerberater. Wir haben also alle Zeit der Welt, uns um unser neues Zu Hause zu kümmern, das über der Abfüllanlage entstehen soll, beziehungsweise schon im Entstehen ist.

Nach dem Frühstück will Opa mit uns rübergehen und uns zeigen, wie weit die Handwerker bereits sind und was wir jetzt schon tun können, um unser Heim schnellst möglich beziehen zu können. Offensichtlich ist der Trockenausbau bereits abgeschlossen, wir könnten schon die Tapeten kaufen und auch schon anbringen.

Das wollen Julien und ich selber machen und heute soll auch der Schreiner kommen, und die Türen in den Zimmern montieren. Opa meint: „Ich habe für die Böden und auch für die Türen als Dekor Buche genommen, das passt zu allem, finden Oma und ich und wenn die Türen drin sind, macht der Schreiner auch gerade noch die Fußleisten dran.“

Das alles bereits so weit fertig ist, erstaunt uns sehr, freut uns aber auch und wir können es nicht erwarten, alles anzuschauen. Oma meint: „Frühstückt in Ruhe, das läuft nicht weg. Das meiste hat Opa mit Michael entschieden, zum Beispiel, die Schalter und Steckdosen. Früher waren in jedem Zimmer höchstens vier Steckdosen, heute braucht man ja mindestens ein Dutzend, um alles anschließen zu können.“

„Michael hat uns ja fast täglich erzählt, was schon gemacht ist, aber die letzten 5 Tage war kaum Zeit, um zu skypen, also haben wir nur das nötigste geschrieben. Deshalb haben wir nicht gewusst, dass alles schon fast fertig ist. Das ist Wahnsinn, und wir danken Euch von ganzem Herzen für alles, was ihr für uns tut.

Julien schließt sich an und bedankt sich ebenfalls. Opa sagt: „ Da nicht für, Jungs. Ich, und Oma, wir kommen in die Jahre, wo man kürzer treten muss. Wo der Lebensweg nicht mehr soweit vom Ende entfernt ist, wollen wir, das alles hier gut weitergeht, deswegen sind wir es, die danken müssen.

Wir haben euch dazu ermuntert, eure Heimat endgültig zu verlassen, weg zu ziehen aus dem Land, in dem du, dein Vater und deine Geschwister geboren wurden und aufgewachsen sind. Das ist was anderes, als wenn man nur mal zu Besuch kommt. Das ist endgültig und auch wen die Umstände dort diese Entscheidung mit geprägt haben, so ist es doch ein gewagter, emotional auch bedeutender Schritt, alles auf zu geben und neu anzufangen.

Ihr seid jung, habt beide schon hier gelebt, aber dein Vater Jan und auch die Zwillinge, sie werden Heimweh bekommen, und es muss unsere Aufgabe sein, ihnen den Wechsel so leicht wie möglich zu machen. Bis sie kommen, werden wir auch in der Verwandtschaft und unter unseren befreundeten Familien Leute suchen, die Kinder im Alter der Zwillinge haben.

Frühzeitig suchen wir die Schule aus, in denen Kinder aus unserem Bekanntenkreis zur angemeldet sind und werden sie dann auch dort anmelden. Eine Willkommensparty mit möglichst vielen Gleichaltrigen wollen wir planen und auch deinen Vater wollen wir wieder mit seinen ehemaligen Schulkameraden von der Uni hier zusammen bringen.

Sie sollen sich hier wohlfühlen, das Gefühl haben, dazu zu gehören und schon immer hier zu sein. Das wird nicht leicht, aber wir müssen es versuchen, damit sie nicht ständig an das denken, was sie in Südwest verlassen haben.“

Man, Opa und Oma haben sich ja echt Gedanken gemacht, über unsere und vor allem über Papas Eingliederung und auch an die Zwillinge haben sie sehr intensiv gedacht. Oma, die ja die Zwillinge nur von Bildern und vom skypen kennt, hat sich ganz besonders um die beiden gesorgt.

Sie hat bereits in der Verwandtschaft Kinder in etwa gleichem Alter bei den Weihnachtsbesuchen mit Bildern von den Zwillingen auf deren bevorstehende Ankunft im Mai aufmerksam gemacht. Die ganze Großfamilie Weiß also, welches Ereignis da auf sie zu kommt und die meisten sind freudiger Erwartung, meine Mama und ihre Familie in Deutschland willkommen zu heißen.

Wir haben uns ausreichend für den neuen Tag gestärkt. Opa nimmt eine Weste und sagt auch zu uns, wir sollen was zum drüber ziehen holen, da die Heizung in der neuen Wohnung zwar geht, es aber dort nicht so warm ist, wie hier im Haus. Opa hält mir noch einen Zollstock, einen Block und einen Kugelschreiber hin.

 „Ihr könnt die Tapeten ausmessen und den Platz für die Möbel, die ihr noch kaufen wollt. Das andere Zeug aus Südafrika ist ja unterwegs und wird wohl auch bald eintreffen. Die Sachen deiner Eltern können wir zum größten Teil in der Abfüllanlage abstellen und wenn ihr eingezogen seid, können wir dann im Haus anfangen, renovieren und alles einrichten“, sagt Opa

 Wir laufen schnell nach oben und holen eine Trainingsjacke für drüber und gehen dann mit Opa über den Hof zu der Abfüllanlage, über der unser neues Domizil entsteht. Zu dem Speicher, der dort immer schon war, führt von je her eine Außentreppe aus Metall, mit gitterförmigen Stufen, so dass keine neue Treppe erforderlich war.

Die Abfüllanlage misst zehn auf zwölf Meter, allerdings ist oben durch die Dachschräge die Quadratmeter zahl geringer, so etwa neunzig Quadratmeter mit an zwei Seiten schrägen Wänden, für uns beide aber groß genug und toll gemütlich, wenn es fertig ist

Mir geht gerade durch den Kopf, dass man da ja so einen Kunstrasenbelag drauf machen könnte, denn das Begehen der Metallstufen macht doch Lärm. Mal sehen, ob das möglich ist. Ober zum Speicher hin, ist eine neue Türe aus weiß lackiertem Holz eingesetzt worden.

Die hat im oberen Drittel eine auf die Spitze gestellte Isolierglasscheibe, durch die etwas Licht in einen kleinen, quadratischen Flur fällt und durch die man sehen Kann, wer draußen geklingelt hat. Der Flur ist etwa zwei Meter im Quadrat, hier ist Platz für eine Garderobe und ein Schuhregal und einen großen Spiegel.

Vom Flur aus kommt man in den Wohn und Essbereich in den eine offene Küche integriert werden soll. Dieser Bereich nimmt etwa drei Fünftel der neunzig Quadratmeter ein der Rest ist Schlafraum und Bad, das wegen der dort befindliche Toilette vom Wohnzimmer aus begehbar ist.

Uns gefällt was wir sehen und dann begrüßen wir die Schreiner, einen Gesellen so um die vierzig und einen Lehrling, der schätzungsweise siebzehn oder achtzehn Jahre alt ist. Die sind dabei, die Türfutter zu montieren. Die Futter stehen schon in den dafür vorgesehenen Öffnungen und werden von den beiden befestigt.

 Der neue Laminatboden sieht toll aus und Julien und ich freuen uns so, dass wir uns spontan umarmen und  einen Kuss geben. Opa spricht kurz mit dem Gesellen, während wir den Schlafraum betrachten. Auch hier ist der Boden schon fertig und wir fangen an, die Tapeten aus zu messen.

Ich messe und Julien schreibt auf. Er hat auf das Blatt einen Grundriss des Zimmers skizziert und trägt dort ein, was ich messe. Zwischendurch gibt es ab und zu einen flüchtigen Kuss, der auf Grund der fehlenden Tür auch aus dem Nebenzimmer wahrgenommen wird.

Die Blicke auf uns kann ich förmlich spüren, die der jüngere von den Beiden uns zuwirft. Sie sind nicht irgendwie abstoßend, nein, eher mehr neugierig, so wirkt es jedenfalls auf mich und ich nehme mir vor, dass wir uns etwas mehr zurück halten.

Auch mein Schatz hat die Blicke sehr wohl gemerkt und grinst ein bisschen. Als der junge Mann merkt, dass wir zu ihm hinschauen, guckt er schnell woanders hin, aber sein Blick kommt immer wieder zu uns zurück.

Jetzt gehen wir wieder zurück in den späteren Wohnraum und messen dort ebenfalls die Wände aus. Auf die kleinen Küsse verzichten wir dieses Mal und kurz, nach dem wir angefangen haben zu messen, kommen zwei weitere Handwerker. Opa begrüßt die und stellt uns dann die Klempner vor, die auch das Bad komplett fertig machen.

„Wir haben die Wanne dabei, die wollen wir setzen und alles anschließen, erst dann kann man die Abmauerung  machen und dann alles verfliesen“, sagt der Meister. „Schön“, sagt Opa, „das geht ja gut voran:“  „Kann man zur Decke hin einen Streifen von fünfzig Zentimeter fliesenfrei lassen und verputzen?“, frag ich den Meister.

 „Wenn sie das so wollen, können wir das machen“, sagt er und als  ich frage: „Können wir den Putz auch selber machen“, sagt er: „Gerne, das ist kein Problem, das geht aber erst, wenn wir die Fliesen verfugt haben und die Fugenmasse trocken ist.“  „Wie können ja in der Zeit Tapezieren in den anderen Räumen“, sagt Julien, „das dauert ja bestimmt ein paar Tage, bis wir das gemacht haben.“

Opa fragt, ob wir alles aus gemessen haben und ich sage ihm, dass nur noch der Flur fehlt, dass ich den aber auch gerne verputze. Auch die Wand, an der die Küchenzeile stehen soll, wollen wir, mit Ausnahme der Fliesen über der Arbeitsfläche, mit Putz gestalten.

Julien hat schon ein bisschen Erfahrung mit Putz und auch ich bin ja handwerklich nicht so ungeschickt, so dass wir das beide bestimmt gut hinkriegen. Opa sagt: „Ihr könnt den Wagen nehmen und nach Mainz ins Industriegebiet zum Baumarkt fahren, dort findet ihr alles, was ihr braucht.

Da ist auch ein Möbelgeschäft, da könnt ihr nach einer Küche gucken, die bezahlen aber Oma und ich. Kauft was Vernünftiges und keinen Schrott, eine Küche soll schon lange halten. Die können das ja dann auch schnellstens liefern, es ist ja alles soweit fertig. Ich gebe dir ein Kärtchen mit, da sind die Daten für die Rechnung drauf.“

„Opa, das müsst ihr nicht, wir haben auch Geld gespart, und können die Küche auch selber bezahlen“, sag ich. „Junge, lass mal, ihr braucht ja auch noch so viele andere Sachen. Oma und ich sind glücklich, dass ihr das hier jetzt nach und nach übernehmt und die Küche und den Umbau, und auch die Wanne, bezahlen wir, Basta“, sagt er bestimmt und lässt keinen Widerspruch mehr gelten.

Spontan umarmen wir ihn und bedanken uns und vor lauter Freude nehme ich meinen Schatz in den Arm und küss ihn richtig. „Kommt, Jungs, wir gehen rüber, ich gebe euch die Karte fürs Auto und weise dich kurz ein, dann könnt ihr los fahren. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch den Anhänger mitnehmen und den Putz und was ihr sonst noch braucht, in den Hänger laden“, sagt er.

Noch einen Blick zu den Handwerkern werfend, gehen wir zur Tür. Der Lehrling sieht uns an und diesmal hält er meinem Blick stand. Ich zwinkere mit dem Auge, lächle ihn ein bisschen an und leicht rot werdend zwinkert er kaum erkennbar zurück und auch sein Mund verzieht sich ein bisschen in Richtung lächeln.

Oma steht in der Küche, räumt die Spülmaschine aus und sieht auf, als wir kommen. „Na, Jungs, wie gefällt euch euer neues Heim“, fragt sie und strahlt uns an. „Ganz toll“, sprudelt es aus Julien heraus, „echt so super, das ist einfach Klasse.“ „Ja, Oma“, sag ich jetzt auch, „ es übertrifft unsere Erwartungen bei weitem und das ihr jetzt auch noch die Küche bezahlen wollt, das ist einfach großartig, Vielen, vielen Dank.“

 Ich nehme sie fest in die Arme und drück ihr einen dicken Kuss auf den Mund. Auch Julien legt die Arme um uns und weil er nicht an ihren Mund kommt, küsst er sie halt aufs Ohr. Als wir uns von Ihr gelöst haben, seufzt sie auf. „Nach allem, Jan, was du und wir erlebt haben, sind wir froh  und zufrieden, dass ihr zwei jetzt hier seid und das ihr so glücklich seid, ist schön für uns.

 Damals, als das mit Nelson passiert ist, haben wir befürchtet, dass du nie wieder glücklich wirst, ja, dass du nicht mehr leben wolltest. Als dann Julien in dein Leben getreten ist und du dich langsam in ihn verliebt hast, war das für uns das größte Geschenk, mit zu erleben, wie du wieder der Jan geworden bist, der du warst, als Nelson und du hier bei uns wart.“

Opa geht mit uns hinaus und holt mit Julien den Hänger aus der Garage. Der Hänger hat ein Doppelachse und einen geschlossenen Aufbau, der hinten mit einer Doppeltüre verschlossen ist.

„Die Schlüssel für den Hänger sind immer im Handschuhfach“, sagt Opa und steckt das Stromkabel in den Stecker. Viel Erfahrung mit Hänger habe ich zwar nicht, aber mit meinem internationalen Führerschein darf ich halt so fahren. Nach dem nun alles klar ist, steigen mein Schatz und ich ein.

„Der Baumarkt ist im Navi gespeichert“, sagt Opa, „ unter Bauhaus, da kommt ihr direkt auf den hinteren Parkplatz, da sind extra Parkplätze für Autos mit Hänger, dann brauchst du auch nicht groß  rum rangieren. Und jetzt ab mit euch und kommt mir heile wieder.“

Ich lass den Wagen an, muss zweimal hinhören, ob er auch läuft, gebe ein wenig Gas. Ein sattes Brummen ist die Folge, einfach geil. Ich schalte die entsprechend Fahrstufe der Automatik ein, gebe Gas und los geht’s. Zuerst vorsichtig, durchs Dorf, auf die B262 und über Walluf Richtung Autobahn, die A 66, auch Rhein Main Schnellweg gemeint.

Am nächsten Autobahnkreuz führt uns der Navi auf die 643 und dort Richtung Mainz. Wir folgen dem Navi und erreichen über Gonsenheim und die A 60 das Bauhaus in der Max-Hufschmied Straße. Ein Parkplatz ist schnell gefunden, es ist alles so, wie Opa es gesagt hat. Nachdem das Gespann abgestellt und verschlossen ist, nehmen wir zwei Einkaufswagen und stürzen uns ins Baumarktshopping.

Zweieinhalb Stunden später haben wir all die Sachen, die wir gekauft haben, im Hänger verstaut. Vliestapeten, Farben und Kleister, Putz in Säcken und auch diverse Pinsel und Rollen haben wir gekauft.

Nach Lampen haben wir geguckt und auch die Lampen fürs Bad, die Strahler für in die Küche  und die Schlafzimmerlampen gekauft. Für das Wohnzimmer wollen wir ein Seilsystem kaufen, haben hier aber nicht das Richtige gefunden.

„Das suchen wir im Internet“, sag ich, „die Stehlampe  kommt ja mit dem Container und wenn wir morgen eine Lampe im Net finden, dann ist die in drei bis vier Tagen da. Ich bin froh, dass Opa schon rechtzeitig ein Konto für mich eingerichtet hat und ich unser Geld aus Südafrika hier her schicken konnte. Jetzt können wir hier ganz normal per Online-Banking bezahlen“.

Jetzt wollen wir noch im Möbelhaus nach einer Küchenzeile gucken. Die Sachen sind im Hänger verstaut und der ist abgeschlossen. Weit müssen wir nicht fahren, dann sind wir an einem großen Möbelhaus angekommen. Auch hier gibt es Parkplätze für Gespanne und so machen wir uns auf, nach einer Küchenzeile zu suchen.

So richtig genau wissen wir noch nicht, was wir suchen, aber hier kann man ja einen Blick auf alle möglichen Küchen werfen. Nachdem wir die Küchenabteilung erreicht haben, suchen wir nach Küchenzeilen, da wir eine Küche über Eck da nicht stellen können und so ein Ding brauchen wir zwei auch nicht.

Wir sind halt nicht so die Superköche und deshalb reicht uns eine normale Küchenzeile. Hier finden wir vierzehn verschiedene Austellungsküchen und nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns für eine Küche mit einer hellblauen, matten Front, mit einem vernünftigen Kühlschrank, einem Ceranfeld Ofen und einer Spulmaschine, denn diese Tätigkeit, Spülen mein ich, die liegt uns beiden gar nicht.

Die Arbeitsplatte ist aus massivem Buchenholz und bildet einen schönen Kontrast zu der blauen Front. Eine Dunstabzugshaube gehört auch noch dazu. Zweitausendsiebenhundert Euro kostet das Teil, ich hoffe, das Opa damit leben kann, aber wenn ich an den Audi denke da draußen, dann glaub ich, dass er das akzeptiert mit dem Preis.

Sie wollen die Küche morgen schon anliefern und gegen einen Aufpreis von dreihundertachtzig Euro auch aufstellen und anschließen. Wir machen einen Vertrag und mit einer Ausfertigung desselben sitzen wir wenig später wieder im Wagen. Ich rufe Opa schnell an und berichte von unserem Kauf und der morgigen Lieferung.

Ohne zu murren reagiert er auf den Preis, fragt, ob wir auch was Vernünftiges gekauft haben und meint dann, wir könnten ja nach her alles erzählen und sollten. Ich sag ihm, dass wir jetzt losfahren und starte den Wagen. Fünfunddreißig Minuten später sind wir wieder in Martinstal, wo wir die mitgebrachten Sachen, ausladen und nach oben tragen.

Die Türen sind mittlerweile fertig, der Geselle ist weg und der Lehrling befestigt Fußleisten in den Zimmern. Er sieht kurz von seiner Arbeit auf, als wir wieder kommen. Wir tragen den Putz in die Abfüllanlage, anmachen werden wir den hier unten, wenn Opa nichts dagegen hat. Tapeten und Farben tragen wir hoch und legen alles zunächst mal ins Schlafzimmer.

Jetzt gehen wir erst mal den Hänger wegräumen und dann zu Oma in die Küche, die hat bestimmt was zu Essen für uns aufgehoben. Im Flur drück ich meinen Julien zunächst ml gegen die Wand und küsse ihn fest und innig. „Das war überfällig“, sag ich und wiederhole den Vorgang gleich noch mal, länger und besser wie beim ersten Mal.

Nach dem wir uns voneinander gelöst haben, gehen wir in die Küche. Durch di offene Türe zum Wohnzimmer sehen wir Opa auf der Couch und Oma im Sessel ein Nickerchen machen. Leise ziehe ich die Türe zu. Auf dem Herd steht ein großer Topf mit Erbseneintopf und er ist auch noch warm. Leise hole ich Teller aus dem Schrank und decke für uns beide den Tisch.

Wir essen in aller Ruhe, die Suppe ist wirklich gut und auch Julien schmeckt es. Nach dem Essen wollen wir den Tapeziertisch aufbauen und anfangen, im Wohnzimmer zu Tapezieren. Eigentlich tapeziere ich und Julien verputzt die Wand, an die Morgen die Küche gestellt werden soll. Gut motiviert wegen des guten Fortschritts werden wir mit Freude an die Arbeit gehen.

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