tuer-22Rafael

Ich war alleine in Peters Zimmer. Nach der Zimmerbesichtigung hatte Karl mit meiner Mutter telefoniert, da es schier unmöglich war, sich draußen, ohne hinzufallen, fort zubewegen. So sollte ich mit dem Segen meiner Mutter hier übernachten.

Peter war anfänglich unsicher und meinte, ob ich nicht lieber im Gästezimmer nächtigen wollte, aber da ich mich in diesem großen und noblen Haus schon eh unwohl fühlte, hielt ich es besser, die Nacht bei Peter im Zimmer zu verbringen.

Die Tür ging auf und Peter kam herein.

„Ich habe hier eine Zahnbürste für dich…“

„Danke.“

„Wollen wir noch etwas machen, oder bist du müde und willst gleich ins Bett?“

Ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass es erst halb neun war und somit es viel zu früh für das Bett war.

„Ähm…, was machst du Abends…, wenn du alleine bist?“

„Lesen…Film schauen… nichts Besonderes…“

„Was für Filme?“

„Krimis… oder etwas Lustiges, am besten beides vereint.“

„Können wir einen anschauen?“

„Was möchtest du denn sehen?“

„Ich weiß nicht, schlag du etwas vor.“

„Okay…“, meinte Peter und ging zu seiner Bücherwand.

Was mir bisher nicht aufgefallen war, dass diese Bücherwand recht dick war und ich auch gleich den Grund sah warum. Peter zog jeweils eine Hälfte nach außen und ein sehr großer Flachbildschirm erschien.

„Wow, so etwas hab ich noch nie gesehen“, sagte ich leise.

„Ein Geschenk meiner Eltern… zu irgendeiner bestandenen Prüfung.“

Er sagte das so, als wäre es etwas ganz Normales, vielleicht war es für ihn auch so. Leichte Unsicherheit machte sich wieder breit.

„Meine Eltern haben mich mit vielem beschenkt, aber dass, was eigentlich wichtig war, dass sie hier bei mir zu Hause waren, das war sehr selten.“

Also doch nicht so normal.

„3D?“

„Hm?“

„Möchtest du 3D schauen?“

„Gerne…“

Peter legte eine DVD ein, kam zu mir zurück, setzte sich neben mich und reichte mir eine 3D-Brille. Dann lehnte er sich an die Rückwand, winkelte die Beine leicht an und machte es sich richtig bequem.

Es klopfte an der Tür.

„Ja?“, kam es von Peter leicht verwundert.

Die Tür ging auf und eine Dame schaute herein, die ich nicht kannte.

„Deine Eltern meinte ich solle euch mit Getränken und kleinen Snacks versorgen.“

„Aber Nadine, das wäre doch nicht nötig gewesen…“, entgegnete Peter, „sie haben doch schon lange Feierabend.“

„Bei den Wetterverhältnissen bleibe ich heute hier, hat mir deine Mutter angeboten.“

„Dann vielen Dank Nadine und einen schönen Abend noch.“

„Danke Peter und…“

„Rafael…“, meinte ich leise.

„Rafael“, wiederholte sie mit einem Lächeln und verließ das Zimmer wieder.

„Wer war das?“

„Unsere Köchin… eine sehr nette Frau.“

„Aha…“

*-*-*

Peter

… die Scheibe ging zu Bruch und Rafael neben mir zuckte erst zusammen und kauerte sich dann an mich. Anscheinend kannte er den Film wirklich nicht. So legte ich vorsichtig den Arm um ihn und folgte weiter der Handlung.

Es war ein schönes Gefühl, Rafael im Arm zu haben. Es fühlte sich gut an und richtig. Warum hatte ich das nicht schon viel früher entdeckt.

„Du ich müsste mal kurz auf die Toilette…“, brummte der Kopf auf meiner Schulter.

Ich zeigte Richtung zweiter Tür.

„Da ist mein Bad, soll ich den Film anhalten.“

„Wäre lieb von dir…Danke!“, meinte er und verschwand im Bad.

Mir war mittlerweile warm, so entschloss ich mich, mich meines Wollpullis zu entledigen und auch der Stoffhose. So lag ich, als Rafael zurück kam, nur mit Shirt und einer langen Shorts auf dem Bett.

„Sorry mir ist so warm…“, meinte ich verlegen, als Rafael kurz stutze.

„Stimmt, hier ist es war“, meinte er und zog sein Flanellhemd über den Kopf und ließ kurz einen Blick auf seinen Bauch und Brust zu, als das darunterliegende Shirt hochrutschte.

„Ähm… hast du für mich… eine Schlafshorts?“, fragte er verlegen.

„Klar“, meinte ich, stand auf und ging zu meinen Klamotten.

Es war mir etwas peinlich, dass meine Klamotten in einem anderen Zimmer waren, das fast so groß wie Rafaels Zimmer war.

„Wow…, wann ziehst du das alles an?“

Ich fuhr zusammen, denn ich hatte nicht mitbekommen, dass er mir gefolgt war.

„Wenn meine Eltern mich zu irgendwelchen Anlässen schaffen, da muss man jedes Mal etwas anderes anhaben…, so sammelt sich einiges an.“

„Was hast du schon ewig nicht mehr angehabt?“

Ich schaute durch die Reihe der Anzüge und blieb an einem hängen.

„Den da…“

„Verständlich…“

„Wieso?“, fragte ich ihn verwundert.

„Das… Lila sieht bisschen Tuckenhaft aus.“

Ich wollte schon etwas darauf erwidern, als Rafael anfing zu kichern. Das Kichern wurde zu einem leichten Lachen, was mich wieder sofort gefangen war. Er schaute mich an.

„Was?“

„Du wolltest mir eine Shorts geben…“

„Ach so, ja Moment.“

Ich ging an einer der Schubladen und zog eine Shorts heraus.

„Die da?“

„Danke.“

So folgte ich ihm wieder in mein Zimmer, wo er gleich wieder im Bad verschwand. Ein paar Minuten später erschien er in der Shorts. Nur noch das Shirt bedeckte den oberen Körper. So legte er sich wieder neben mich und ohne etwas zu sagen kuschelte er sich wieder in meinen Arm.

Ich drückte Play und der Film lief weiter.

*-*-*

Nur noch das Blau des Fernsehers erhellte mein Zimmer. Rafael lag auf meiner Brust, den Arm über den Bauch. Wir sind wohl beide eingeschlafen. Mir kam in Erinnerung, dass ich das Ende nicht gesehen hatte.

So nahm ich die Fernbedienung, die ich nach einigen Suchen unter der Bettdecke fand und machte das TV aus. Sofort war es dunkel in meinem Zimmer, nur der schwache Schein der Straßenbeleuchtung fiel durchs Fenster.

Ich versuchte mich unter Rafael herausziehen, ohne ihn zu wecken, aber das lief schief. Leicht aufgeschreckt, saß Rafael plötzlich im Bett.

„Ähm…, was ist?“

„Wir sind eingeschlafen…, ich wollt nur kurz ins Bad…“

„Okay…“, meinte er, ließ sich ins Kissen fallen, als wäre er schon immer hier.

Grinsend lief ich zum Bad.

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