Engelchen und Teufelchen – Tür 21

tuer-21Der Wagen kam nicht sofort zum stehen. Wir rutschten leicht auf die geparkten Autos zu. Als wir endlich standen, atmete ich tief durch. Sofort befreite ich mich von meinem Sicherheitsgurt und schnell war die Tür geöffnet.

Rafael war in der Zwischenzeit zum Wagen gekommen.

„War vielleicht doch keine so gute Idee, mich abzuholen, so glatt wie es ist, meine Mutter hat auch schon gesagt, sie lässt den Wagen stehen.“

„… ähm hallo Rafael.“

„… ach so“, und Rafael begann zu lachen, „sorry… Hallo Peter… guten Abend Herr Grünenberg“, meint er und winkte meinem Vater zu.

„Hallo Rafael… ich heiße Kurt, so wie ich mein Sohn verstanden habe, gehörst du ja jetzt zur Familie.“

Rafaels Gesicht wurde knall rot und ich grinste verlegen.

„Kommt Jungs, wir müssen noch meine Frau abholen und ich weiß nicht, wie lange es noch möglich ist, weiter zu fahren!“

Ich schloss die Beifahrertür und stieg mit Rafael hinten ein.

*-*-*

Während der Fahrt zu meiner Mutter redeten wir nicht viel. Auch mein Dad schwieg. Er musste sich wohl voll auf die Straße konzentrieren. Ich schaute unentwegt zu Rafael, aber er zog es vor nach draußen zu schauen.

„Mist“, kam es von vorne.

„Was ist?“, fragte ich.

„Da hilft wohl nur noch der Allrad…, ich komm nicht mehr weiter.“

„Wäre es nicht besser, den Wagen stehen zu lassen?“

„Ich habe versprochen deine Mutter abzuholen und für eine Schneewanderung sind wir beide nicht gut angezogen.“

„Es gibt doch sicherlich öffentliche Verkehrsmittel die noch fahren“, kam es leise von Rafael.

Ich schaute zu ihm.

„Wir… nutzen so gut wie nie die öffentlichen Verkehrsmittel…“

„Die Busse werden sicherlich nicht mehr fahren, aber die Straßenbahnen…?“

„Kinder, wir sind da… haltet euch fest…“

Verwundert schauten wir beide nach vorne und sahen sofort, warum wir uns festhalten sollten, weil uns ein Auto entgegen gerutscht kam. Mein Vater wirkte ruhig, lenkte gegen und der Allrad reagierte noch.

*-*-*

Rafael

Ein kleiner Kratzer zierte den Radkasten des Geländewagens. Der Schuldige hatte danach aber sämtliche Kontrolle über seinen Wagen verloren und war frontal in den uns folgenden Wagen gekracht.

Kurt schien dies nicht weiter zu interessieren, er war auch auf keine Schadensregulierung aus. So stapfte ich den beiden hinterher, immer bedacht, größer Schneeberge auszulassen. Peter betrat vor uns ein Filiale, der ich noch nie Beachtung geschenkt hatte.

Architekturbüro lass ich im Vorbeigehen. Seine Mutter würde hier sicher nicht hier arbeiten, denn ich konnte nirgends ihren Namen lesen.

„Oh, ihr seid schon da…, gut Herr Kaminske, sie werden sich sicher bei mir melden.“

„Sicher Frau von Grünenberg, wenn ich die ersten Entwürfe fertig habe.“

„Danke schön, ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.“

„Ihnen und ihrer Familie auch“, sagte der Mann und machte einen leichten Diener.

Peters Mutter wandte sich zu uns.

„Können wir gehen?“

„Ja, Schatz“, meinte Kurt und streckte seine Hand nach ihr aus.

Ich sah wie Peter dem Mann kurz zunickte und sich dann dem Ausgang zudrehte. So tat ich es ihm Gleich und folgte ihm. Als wir hinter uns die Tür geschlossen hatten, blieb Peter stehen.

„Hallo Rafael, nett dass du vorbei gekommen bist, mein Mann hat mir gesagt, du möchtest uns als Berater helfen.“

Verwirrt schaute ich Kurt und auch Peter an.

„Er weiß noch nichts von seinem Glück. Peter hat bisher noch nicht mit ihm gesprochen“, meinte Kurt und führte seine Frau langsam zu Wagen.

„Das tut mir jetzt Leid Jungs, ich dachte ihr hättet da schon drüber geredet.“

„Berater?“, flüsterte ich zu Peter.

„Wenn wir im Wagen sitzen erzähle ich dir alles.“

Mir war jetzt etwas unheimlich, aber ich folgte den drei zum Auto.

*-*-*

„Ihr wollt das wirklich wagen?“, fragte ich zu zweiten Mal.

Peter hatte mir auf der langsamen Fahrt zum Haus der Grünenbergs erzählt, was seine Eltern geplant hatten.

„Gefällt dir der Gedanke nicht?“, fragte Kurt.

„Doch, ich freue mich riesig für Ulf…“

„Aber…?“, kam es von Peter.

„Ulf ist so…“

„Turbulent?“, kam es von Kurt.

„Anstrengend?“, von Peters Mutter.

„Für mich nicht mehr… ich kenne ihn schon eine Weile… ich weiß nicht… wie ich es ausdrücken soll…, ohne überheblich oder beleidigend zu wirken. Sie haben Peter groß gezogen…“, ich blieb bei dem sie wegen Frau Grünenberg, „kennen ihn von klein auf…aber Ulf ist sicher ein ganz anderes Kaliber.“

„Du denkst also, wir schaffen das nicht?“, kam es von Peter.

„Doch…, doch u, Himmels Willen, ich will niemand etwas unterstellen, ich denke da nur an Ulf, wenn er in so ein ruhiges, behütetes Haus kommt, wird er da nicht alles auf den Kopf stellen, was sie bisher gewohnt waren?“

„Sicher Rafael“, antwortete Kurt, „aber wir haben uns entschieden, dem Kleinen eine Chance zu geben, mit alle Konsequenzen für uns.“

Ich nickte nur, weil ich darauf keine Antwort wusste.

„Und was hältst du von der Idee, Ulfs Zimmer einzurichten?“, fragte Peters Mutter.

„Es ehrt mich, danke, aber warum gerade ich?“

„Ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen, Rafael. Du kennst das einfache Leben besser als wir“, sagte Peter leise und hielt dabei meine Hand, „ und wir möchten eben nicht den Fehler machen…, Ulf zu einem verwöhnten Snob zu erziehen.“

„Hm… tust du nicht, Peter, ich verstehe was du meinst…, ich habe auch eher gefragt, ob ihr euch sicher seid… wegen meines Geschmacks, was Einrichtungen betrifft…“

Kurt fing laut an zu lachen und der Wagen schlingerte etwas.

*-*-*

Peter

„Und, was meinst du?“, fragte ich Rafael.

„Groß…, sehr groß…“

„Zu groß?“

„Ich bin mir nicht sicher…, könnte man das Zimmer unterteilen?“

„Wieso?“

„Mir ist der Gedanke gekommen, dass nicht alles neu für Ulf sein muss.“

„Wie meinst du das?“

„Im Heim hat Ulf sein eigenes Zimmer, aber gespielt wird in einem anderen Raum…“

„Ach so, du meinst also, wir sollten dass hier genauso machen?“

Er nickte. Bisher waren meine Eltern schweigend bei uns gestanden, was mich sehr wunderte. So drehte ich mich zu ihnen, etwas unsicher, darauf wartend, was sie für ein Kommentar gaben.

„Was meint ihr?“, fragte ich meine Eltern.

„Rafael mag Recht haben, aber ist es nicht besser, dass Ulf seine Spielsachen im Zimmer hat?“, fragte Kurt.

Bevor ich etwas sagen konnte, fiel mir Rafael ins Wort.

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