Zoogeschichten II – Teil 60

Brüder

Dennis

Immer noch erschrocken schaute ich zu Volker und Michael. Volker tat mir so leid, aber wie konnte man ihm helfen?

„Dennis, ich gehe wieder rüber und du hilfst Fritz hier bitte noch beim Aufräumen“, meinte Sabine.

Ich nickte und sie ging. Ich schnappte mir einen Besen und begann, das Trockenfutter zusammenzukehren, nicht ohne im Hintergrund immer noch das Wimmern von Volker zu hören.

Im Bärenhaus war mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt. Fritz hatte einige Tiere in die Schaukäfige gelassen. Ich nahm meine Schaufel und schippte das Futter in eine Tonne. Danach stapelte ich die verteilten Futternäpfe wieder auf einen Stapel.

Volker hatte wirklich ganze Arbeit geleistet, aber so langsam sah es wieder annehmbar aus. Der Summer der Tür ging und die selbige öffnete sich. Jürgen trat herein. Jetzt war eigentlich Rückzug angesagt, aber meine Neugier hatte etwas dagegen.

„Wo ist er?“, fragte Jürgen nur.

Ich zeigte auf das Büro, in dem sich Micha und Volker befanden.

„Danke.“

Er lief an mir vorbei.

„Hi Micha, wie geht es ihm?“, fragte Jürgen.

Ich schnappte mir den Besen und kehrte auffällig nahe beim Büro.

„Wie sollte es ihm gehen? …, David wird dir ja alles gesagt haben.“

„Ja hat er, aber er hat auch gleich einen Anschiss bekommen. Ich hätte das gerne von Volker selber erfahren.“

„Dass er mit David im Bett war?“, fragte mein Schatz verwundert.

„Nein, ach Quatsch… ich dachte nur immer, Volker vertraut mir, erzählt mir alles.“

„Hatte… ich ja auch… ich hatte Angst davor…“, wimmerte Volker.

Längst fegte ich nicht mehr, sondern stand am Türrahmen zum Büro. Fritz hatte sich neben mir eingefunden. Michael stand auf und Jürgen nahm seinen Platz ein.

„Wovor hattest du Angst, dass dich dein großer Bruder wie früher in den Schwitzkasten nimmt? Du bist mittlerweile so viel stärker“, meinte Jürgen lächelnd.

Anscheinend versuchte er, die Situation aufzulockern.

„Nein, dass du mich rausschmeißt…“, meinte Volker und richtete sich auf, „ oh Gott ist mir schlecht.“

Er sprang auf, was er aber gleich wieder bereute und taumelte auf uns zu. Fast zu spät, schaffte er es gerade noch, die Toilette zu erreichen. Die Würgegeräusche hätte ich mir lieber erspart.

„Volker hat noch nie Alkohol vertragen“, sagte Fritz schulterzuckend.

Schwacher Trost. Total bleich kam Volker aus der Toilette zurück. Jürgen stand mittlerweile bei uns.

„Ich dich rausschmeißen? Du bist hier mein bester Mann! Zudem könnte ich es nicht mal, wenn ich es wollte!“

Fragend schauten wir alle Jürgen an.

„Unser lieber Herr Vater, der von dir sowieso am meisten hielt, hat testamentarisch verfügt, dass du hier einen Job auf Lebenszeit hast.“

„So etwas würde mir auch gefallen“, gab Fritz von sich und nahm mir meinen Besen ab.

„Fritz, ich nehme Volker mit rüber, kommst du hier alleine klar?“, fragte Jürgen.

Fritz nickte.

„Entschuldigung Jungs“, meinte Volker.

„He… ist nicht schlimm“, meinte ich.

„Ach Volker, nur dass du es weißt… Dennis und ich sind beide aktiv, da liegt keiner dauernd unten“, kam es lachend von Michael, der schon zum Ausgang gelaufen war.

Manchmal kann Michael richtig peinlich sein…

Sebastian

Heikes Handy ging los. Irritiert schwammen die zwei Ladies von ihr weg. Sie zog es aus ihrer Weste.

„Ja? – Nein, der ist hier und trainiert Theo – Dann soll sie hierher zum Delfinarium kommen…ich lass sie dann rein – und Ralf… es ist nicht mein Sebastian, sondern mein Auszubildender, okay? – wollt dass nur richtig stellen – ja – Tschüss!“

Was war das denn jetzt? Offensichtlich ging es um mich.

„Du bekommst gleich Besuch“, rief mir Heike entgegen.

„Ja?“

Komisch, wer sollte mich denn jetzt besuchen. Mittlerweile war ich wieder im Wasser und spielte weiter mit Theo Ball, als es an unsere Tür klopfte. Heike ging hin, zog sie auf und es erschien Brit.

„Hi du, Sebastian ist im Wasser“, meinte Heike und ließ Brit herein.

„Im Wasser?“, fragte Brit und schaute in meine Richtung über die Schulter von Heike.

„Ja, du weißt doch, Kinder spielen gern“, sagte Heike mit einem Grinsen.

Ich warf Theo den Ball wieder zu, damit ich kurz aus dem Wasser steigen konnte.

„Hallo Brit, das ist aber eine Überraschung“, meinte ich und gab ihr ein flüchtiges Küsschen auf die Wange.

„Ja, hat sich so ergeben. Bin übrigens nicht alleine da, aber Tim wollte nicht mit rein.“

„Tim?“

„Ja, mein Freund.“

Sie hatte einen Freund? Scheiße. Brit schien meine Gedankengänge zu erahnen.

„Sebastian, Tim ist mein Freund…, mein bester und auch der von Dennis. Und zudem würde er mehr auf dich abfahren, als auf mich.“

„Tim ist schwul?“

„Ja und unglücklich in unseren Dennis verliebt.“

„Oh…“

„Keine Sorge, alle wissen Bescheid, nur kümmere ich mich etwas um ihn.“

„Aha…“

„Weißt du eigentlich, ob Dennis auch irgendwo rumschwirrt?“

„Ähm…“

Brit schaute mich durchdringend an.

„Ist was mit dir? Du bist so kurz angebunden.“

Ich schaute Brit einfach nur verträumt an und war dabei, mein Herz völlig an dieses Mädchen zu verlieren. Sie schien mir wie ein göttliches Wesen und obwohl hier in der Halle kein Wind wehen konnte, bewegten sich ihre Haare.

Ich musste seufzen.

„Erde an Sebastian!“

Das riss mich aus meinen Gedanken und ich sah eine grinsende Brit und Heike vor mir.

„Ja… was ist… hab ich was verpasst?“, fragte ich.

„Ja, Theo will Ball spielen“, meinte Heike und zeigte aufs Wasser.

„Ähm… ja ach so… gut.“

Och Mann, Brit und Heike sahen sich an und fingen an zu lachen.

Ich schnappte mir den roten Ball, blies in meine Pfeife und warf dann den Ball ins Wasser. Wieder kam Theo angeschwommen und schleuderte den Ball zurück.

„Wow, wie hast du das gemacht?“, fragte Brit erstaunt.

Stolz schwoll meine Brust an.

Dennis

„Michael warte, hast du noch Zeit?“, fragte ich, als ich ihn draußen eingeholt hatte.

„Eigentlich nicht, Kevin hat angerufen. Mein Typ wird drüben im Savannenhaus gebraucht.“

„Okay, man sieht sich ja später.“

„Wieso… was ist denn?“

Er kam auf mich zu und nahm ich in den Arm.

„Du… du hast da vorhin gesagt… wir wären beide aktiv… wir haben das doch noch gar nicht ausprobiert.“

Möchtest du es denn?“, fragte Michael und schaute mir tief in die Augen.

Ich wurde rot und verlegen.

„Ja… eigentlich schon… will dir ganz gehören.“

„Dummerle… das gehörst du doch auch so…“, meinte Michael und gab mir einen Kuss auf die Nase.

„Ich denke, wir haben alle Zeit der Welt, Dennis. Und wenn es passiert, dann passiert es eben… okay?“

Ich nickte und bekam diesmal einen Kuss auf den Mund.

Robert

„Ich dachte, ihr wolltet noch ein paar Tage bleiben…“, fragte ich und versuchte mich besser aufzurichten.

Adrian half mir hoch und so konnte ich mich gegen die Rückwand des Bettes lehnen, wo er mir das Kissen hingelegt hatte.

„Tut mir leid… es geht nicht. Wir haben einen Anruf von deiner Tante bekommen. Onkel Heinrich geht es sehr schlecht. Sie denken… er hat nicht mehr lange zu leben“, sagte mein Vater.

Meine Mutter wischte sich die Tränen aus den Augen.

„Gut, da kann man nichts machen, haltet ihr mich bitte am Laufenden?“, bat ich.

„Klar Robert, so schnell wirst du uns jetzt nicht mehr los“, sagte Mutter.

Ich lächelte über das ganze Gesicht. Beide umarmten mich noch mal zum Abschied und waren dann recht schnell verschwunden.

„Weißt du wie hinreißend du gucken kannst, wenn du glücklich bist?“, fragte mich Adrian und lenkte meinen Blick von der Tür weg.

„Stimmt, ich bin glücklich“, erwiderte ich und versuchte, nach seiner Hand zu greifen.

Adrian setzte sich wieder zu mir auf das Bett, diesmal dichter als vorher. Ich legte meine Hand auf seine Brust und streichelte sanft über den Pulli.

„Bin sogar verdammt glücklich, weil ich dich habe!“

Ein breites Lächeln zierte Adrians Gesicht. Er beugte sich vor und gab mir einen Kuss. Aber er ließ nicht los, sondern verharrte auf meinem Mund. Ich spürte seine Zunge, wie sie mit ihrer Spitze über meine Lippen fuhr.

Ich öffnete den Mund und gab seiner Zunge Einlass. Erst langsam, dann wurde seine Zunge irgendwie stürmischer. Seine Hände gingen auf Wanderschaft und mich durchfuhr ein Kribbeln am ganzen Körper.

Ich drückte ihn sanft weg.

„He… wir sind im Krankenhaus… junger Mann.“

„Das ist mir egal, alter Mann“, kam die Retourkutsche.

Lange sahen wir uns intensiv an.

„Ich liebe dich, Robert!“

„Ich liebe dich auch, Adrian.“

Volker

Ich nahm war, dass ich in Jürgens Gästebett lag, als ich meine Augen aufmachte. Mein Kopf tat weh und ich wurde wieder an die vergangen Stunden erinnert. Was hatte ich da nur für einen Mist gebaut?

Es klopfte leise an der Tür und ein Kopf erschien… David. Scheiße, was will der jetzt hier?

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